Stell dir vor, du sollst ein Unternehmen digitalisieren, das 155
Jahre alt ist. Nicht neue Software auf alte Abläufe legen,
sondern wirklich verstehen, wie gearbeitet wird. Freya
Greiffenhagen macht genau das bei der ÖRAG Immobilien Gruppe, als
CRM- und Prozessmanagerin im Innovations- und
Digitalisierungsteam.
Warum passiert die eigentliche Arbeit, bevor irgendwer
irgendwas anlegt?
Bevor bei der ÖRAG das erste Feld in onOffice entsteht, wird der
Prozess aufgezeichnet, im Workshop zurückgespiegelt und so lange
nachgefragt, bis auch der letzte Sonderfall am Tisch liegt.
Mühsam. Und offensichtlich der einzige Weg, der später nicht
teuer wird.
Was machst du, wenn es angeblich gar keine Pain Points
gibt?
"Bei uns passt eh alles" ist die häufigste Antwort und
gleichzeitig die unbrauchbarste. Freya erzählt, warum die echten
Probleme erst in der dritten Nachfrage auftauchen und wieso
Kolleginnen und Kollegen im Gespräch oft selbst merken, dass da
noch was fehlt.
Kaufen oder selber bauen?
In der Folge mit Philipp Kanape von Engel & Völkers war die
Ansage: CRM selbst bauen. Freya ist das Gegenmodell. Gekauftes
Tool, maximal ausgereizt, Ressourcen ins Kerngeschäft. Wer hat
jetzt recht? Vielleicht hängt es weniger an der Unternehmensgröße
als an der Frage, welche Use Cases du überhaupt hast.
Und wo ist die KI?
Texte schreiben, Bildchen bearbeiten, das war es bei vielen.
Freya trennt sauber zwischen KI und Automatisierung, was in der
Praxis ständig durcheinandergeht. Viele wollen KI und brauchen
eigentlich einen Automatismus. Dazu ein Satz, der hängen bleibt:
Eine KI ist nur so gut wie die Person, die sie bedient.
Kann man Wissen demokratisieren, bevor man Agenten
baut?
Statt fertige KI-Lösungen zu verteilen, bringt das Team den
Maklerinnen und Maklern erst einmal bei, wie ein Prompt
funktioniert. Damit sie selber sagen können, wo KI Sinn ergibt.
Davor liegt allerdings die Fleißarbeit: Daten. Ohne sauberes
Datenfundament bleibt der KI-Agent über dem CRM ein
Werbeversprechen.
Ist KI eine Männerdomäne?
AI Gender Gap, Bias in Trainingsdaten, der Sicherheitsgurt, der
nie für Frauenkörper ausgelegt war. Und gleichzeitig eine Wiener
Expertinnenrunde rund um onOffice, in der fast ausschließlich
Frauen sitzen. Was heißt das für die Branche?
Zum Schluss die Digitalstrategie 2028 und ein Teamziel, das man
selten hört: dass es am Ende auch ohne das Innovationsteam
funktioniert.
Kapitel:
00:00 155 Jahre Firmengeschichte digitalisieren
01:19 Freya Greiffenhagen, CRM- und Prozessmanagerin bei der
ÖRAG
02:42 Der Einstieg: erst durch alle Abteilungen, dann bauen
04:12 Was die ÖRAG macht: Hausverwaltung, Vermittlung,
Bewertung
05:35 onOffice als Zentrale im Alltag
06:12 OTTO Immobilien und das eugen!-Projekt
07:55 Eine ganze Abteilung onboarden: der Bewertungs-Case
09:54 Die eigentliche Arbeit passiert davor
11:51 Warum die echten Pain Points nie offensichtlich sind
13:27 Change Management und Betriebsblindheit
14:25 Gegenthese zum Eigenbau: kaufen und maximal ausreizen
18:47 Wann Selberbauen Sinn ergibt und wann nicht
20:30 Wo ist die KI im Daily Business?
21:12 KI ist nicht Automatisierung
25:54 Wissen demokratisieren: Daten, Prompts, MD-Files
27:31 Der KI-Agent über dem CRM: Zielbild oder Werbung?
33:29 Was automatisiert gehört und was Menschen machen
müssen
36:59 Fuck-ups mit KI und das tägliche Mikro-Fuck-up
39:10 AI Gender Gap: Ist KI eine Männerdomäne?
42:51 Bias in den Daten, vom Sicherheitsgurt bis zum
Haut-Screening
47:02 Von Age of Empires zur Freude an Prozessen
52:29 Digitalstrategie 2028 und das Ziel, sich selbst überflüssig
zu machen
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