Vierzehn Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung
würden sofort eine Führungsposition übernehmen. Daraus wird gerade
überall die Schlagzeile, dass niemand mehr führen will. Diese Folge
beginnt damit, dass Frank Wichert den Titel seines eigenen Artikels
zurücknimmt: Direkt neben den 14 Prozent stehen 40 Prozent, die
unter bestimmten Bedingungen zusagen würden. Zusammen ist das mehr
als die Hälfte. Es will also nicht niemand mehr führen, es will nur
kaum jemand so führen, wie es angeboten wird. Danach das Lagebild
aus der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, ein Angebot,
das in drei Rückfragen zerfällt, und die Frage, was in der
Personalakte steht, wenn jemand absagt. Die Themen: - Die Zahl, die
überall zitiert wird, und die Zahl, die fast nie mitgenannt wird:
14 Prozent sagen klar ja, 40 Prozent ja unter bestimmten
Bedingungen, 43 Prozent haben kein Interesse, 3 Prozent wissen es
nicht - Warum die 43 Prozent dieser Folge nichts mit den 43 Prozent
der vergangenen Folge zu tun haben: dort Organisationen mit einer
Datenpanne, hier Beschäftigte ohne Führungsverantwortung. Gleiche
Zahl, andere Grundgesamtheit - Die Lücke: 28.180 fehlende
Fachkräfte in Führungsberufen im Jahresdurchschnitt 2025, und darin
sind nur die gezählt, die vorrangig führen. Jede Teamleitung mit
Fachaufgabe fehlt in dieser Zahl - Warum das Etikett "Conscious
Unbossing" in die Irre führt: Die britische Erhebung dahinter
betrifft die unter 30-Jährigen, die deutschen Werte gelten für alle
Altersgruppen - Wer besonders häufig ablehnt: Frauen zu 49 Prozent,
Männer zu 37 Prozent, Frauen in Teilzeit zu 55 Prozent, dort nennen
85 Prozent die Arbeitsbelastung als Grund - Was gegen Führung
spricht: Arbeitsbelastung 77 Prozent, Verantwortung 75 Prozent,
Privatleben 73 Prozent, zu wenig Geld erst danach mit 48 Prozent,
fehlende Unterstützung der Geschäftsleitung 41 Prozent - Kein
einziger dieser Gründe sagt "ich kann das nicht". Alle sagen "zu
diesem Preis nicht" - Das Angebot ohne Bedingungen, durchgespielt:
drei Rückfragen zu Teilzeit, Rückkehrrecht und Einarbeitung, drei
Mal keine Antwort - Die Zahl hinter der dritten Rückfrage: Nur 40
Prozent der amtierenden Führungskräfte haben in den letzten zwölf
Monaten überhaupt ein Coaching zu ihrer Führungsaufgabe bekommen.
60 Prozent hatten ein ganzes Jahr lang keine Begleitung - Was
danach in der Personalakte steht, und warum dieser eine Satz
verhindert, dass sich etwas ändert - Was Beschäftigte stattdessen
wollen: den eigenen Führungsstil entwickeln dürfen (71 Prozent),
stellvertretend führen als Zwischenschritt (61 Prozent), Mentoring
oder Coaching (61 Prozent), ein Rückkehrrecht (61 Prozent), Führen
in Teilzeit (49 Prozent) - Geld führt die Anreizliste mit 95
Prozent an, aber direkt dahinter kommen Gestaltungsspielraum (85),
Weiterbildung (78) und Anerkennung (77). Statussymbole liegen
hinten - Was es kostet, nichts zu tun: 10 Prozent hohe emotionale
Bindung, 77 Prozent Dienst nach Vorschrift, 13 Prozent innerlich
gekündigt, 119 bis 142 Milliarden Euro Produktivitätsverlust im
Jahr - Drei Schritte für diese Woche, ohne Budget: die drei Fragen
beantworten, bevor sie gestellt werden, das Rückkehrrecht
schriftlich auf ein Jahr geben, und die Begleitung im ersten Jahr
fest einplanen statt als Belohnung zu vergeben Quellen: - KOFA
Kompakt 1/2026, "Führungsetage leer? Was Beschäftigte wirklich zur
Führung motiviert", Regina Flake, Sabine Köhne-Finster und Chiara
Döring, Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung am Institut der
deutschen Wirtschaft, veröffentlicht am 18. Januar 2026.
IW-Beschäftigtenbefragung, über 5.000 Befragte, 4.670 verwertbare
Antworten zum Thema Karriereambitionen, erhoben vom 20. Mai bis 2.
Juni 2025. Die Werte zur Führungsbereitschaft beruhen auf N = 3.112
Beschäftigten ohne Führungsverantwortung:
https://www.kofa.de/media/Publikationen/KOFA_Kompakt/2026-01_KOFA_Kompakt_Fuehrung.pdf
- Studienseite des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung zur selben
Untersuchung:
https://www.kofa.de/daten-und-fakten/studien/fuehrungsetage-leer-was-beschaeftigte-wirklich-zur-fuehrung-motiviert/
- Gallup Engagement Index Deutschland 2025, veröffentlicht im März
2026. 1.700 zufällig ausgewählte Arbeitnehmende ab 18 Jahren,
computergestützte Telefoninterviews vom 17. November bis 20.
Dezember 2025. Im Wortlaut: "nur 40 Prozent der Führungskräfte
haben in den vergangenen zwölf Monaten ein Coaching in Bezug auf
ihre Führungsaufgabe erhalten". Ebenso die Werte zur emotionalen
Bindung (10 Prozent hoch, 77 Prozent gering, 13 Prozent ohne
Bindung) und die Produktivitätseinbußen zwischen 119,2 und 142,3
Milliarden Euro. Gallup selbst nennt das "weniger ein Einstellungs-
als vielmehr ein Führungsproblem":
https://www.gallup.com/de/472028/bericht-zum-engagement-index-deutschland.aspx
- Michael Page, Talent Trends 2026. Über 60.000 Fach- und
Führungskräfte weltweit, davon rund 3.000 in Deutschland. 65
Prozent würden eine Beförderung samt Gehaltserhöhung ablehnen, wenn
sie das persönliche Wohlbefinden gefährdet, nur 18 Prozent nennen
eine Beförderung als wichtigstes Karriereziel:
https://www.michaelpage.de/news/media-releases/talent-trends-studie-zeigt-deutsche-besch%C3%A4ftigte-weniger-zufrieden-mit-ihrem-job-und-offener-f%C3%BCr-wechsel
Nicht verwendet, und zwar bewusst: Die vielzitierten Werte, wonach
35 Prozent der Führungskräfte nie geschult wurden und 27 Prozent
den Aufstieg zurücknehmen würden, stammen aus einer Presselage vom
Februar 2020. Die Primärquelle ist nicht mehr abrufbar. Diese Folge
verwendet ausschließlich Erhebungen aus 2025 und 2026. Nächste
Folge am 26. August: Agentische KI im Mittelstand, also was sich
ändert, wenn Software nicht mehr antwortet, sondern handelt. Mehr
zum Podcast und zum Buch: https://darc-transform.de/podcast/
KI-Transparenz: Beide Stimmen in dieser Folge sind KI-generiert,
auch Frank hören Sie als KI-Stimme. Die Gedanken und die Worte sind
seine. Mehr: https://darc-transform.de/podcast/
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