Diesmal erzählt eine Bewohnerin, die gerade, nämlich am 26.6.
2026 90 Jahre alt geworden ist. Geboren 1936 und zwar in der
Kaiserstadt Aachen. Da ihr Vater als Regierungsrat häufig
umziehen musste, verbrachte sie ihre Kindheit in 16 verschiedenen
Wohnungen im Dreieck Aachen, Eifel, Köln. Phasenweise musste die
Familie jede Nacht in den Luftschutzbunker. So richtig Schule gab
es erst mal auch nicht. In der Nachkriegszeit erinnert sie
Hunger, eine Schaukel, ein Stoßgebet und Jungen, die sie auf dem
langen Weg zum Kommunionsunterricht ärgerten. An die frühe
Kindheit hat sie keine schönen Erinnerungen. – Aber, mittlerweile
lebt die Familie wieder in der Eifel, auf dem Gymnasium in Prüm
machte sie dann erste gute Erfahrungen mit fähigen Lehrer*innen.
– Sie habe gerne den Mund aufgemacht und wurde so schnell
Klassensprecherin. Sie berichtet von den zeit- und
klassentypischen Vorstellungen der Mutter, von deren wachsender
Depression, von der Schwester, die mit 6 Jahren an Kinderlähmung
erkrankte, als Erwachsene arbeitet die Schwester unter anderem am
Frankfurter Städelmuseum, sie sei immer die intelligentere
gewesen. Meine Gästin wollte Lehrerin werden, lernte beim Studium
ihren Mann kennen, für den sie schon zu Schulzeiten geschwärmt
hatte. Er war auch in Prüm zur Schule gegangen. Sie berichtet von
dem zeittypisch holperigen Beginn der Beziehung. Sie bezweifelt
eine gute Mutter gewesen zu sein. Erzählt von den drei Kindern,
verrät ein Geheimnis ihrer guten Ehe. Es ist die Rede von der
wichtigen Rolle, der Religion und der Mitarbeit bei einem
katholischen Frauenkreis in ihrem Leben. Das Thema
geschlechtergerechte Sprache liegt ihr am Herzen. Sie berichtet
über ihre kleine, große Schwester, ihre Tochter, ein großes
Unglück. Mitgestaltungsmöglichkeiten im Heim, Urlaube und die
Depression ihrer Mutter sind weitere Themen.
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