Watt willse denn in Duisburg? – Angucken!
Ich lade Euch ein nach Duisburg und zu meinen ersten flüchtigen
Erfahrungen in einer Stadt, von der vermutlich viele sagen:
Duisburg. Warum fährt er denn da hin? Wahrheitsgemäße Antwort:
Ich war dort zu einer Preisverleihung. (man höre den Podcast vom
April). Und wenn man schon mal dort ist, kann man sich auch
umgucken.
Schlaglichter Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Damit ist aber auch klar: Dieser Podcast ist ein Schlaglicht.
Kenner von Duisburg und dem Pott bin ich nicht. Trotzdem gibt es
eine Menge zu erzählen.
Facts Duisburg-Ruhrort Museumshafen – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD
Duisburg. 500 Tausend Einwohner. Mündung der Ruhr in den Rhein.
Weltgrößter Binnenhafen und MSV Duisburg. Currywurst und Pommes
Schranke. Kohle und Ruhrgebiet. Erz und Koks. Eisen und Stahl.
Thyssen und Haniel. Hütten und Landschaftspark. Schimmi und
Thanner. Die Aufzählung könnte man noch ziemlich lange
fortsetzen.
Eindruck 1: City Tour & Industriekultur
Seid bei einer City-Tour dabei. Glaubt man erst mal nicht, aber
die Geschichte Duisburgs geht bis ins Jahr 883 zurück. Und lange
davor waren hier auch die Römer auf Stippvisite. Viel ist davon
nicht übrig. Allenfalls kleine Stadtmauerabschnitte aus dem
Mittelalter existieren noch. – Die wirklich interessante
Geschichte findet ohnehin in der jüngeren Geschichte statt. Es
ist die Zeit der Industrialisierung, der Hochzeiten des
Kohlenpotts, der Eisen- und Stahlproduktion, der wirtschaftliche
Niedergang in den 1980er Jahren und der Wandel der Region.
Industriekultur – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD
Das Schlagwort seit dieser Zeit: Industriekultur. Es war etwas
Neues, dass man sich nach dem kulturellen Schutz für Schlösser,
Burgen und Gärten auch Schutz für Industriebauwerke geben sollte
und seitdem gibt.
Kunst und neue Innenstadt: Marcatorhalle und das Kunstwerk “5
Arcx 5” – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Prinz-Heinrich Platz und City Palais – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD Theater Duisburg – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD
Teil der Stadtführung ist dabei nicht nur die neue Innenstadt
Duisburgs rund um den Prinz Heinrich Platz, sondern auch der Gang
zum Innenhafen der Stadt. Einst geschäftiger zusätzlicher Hafen,
nahe am Stadtzentrum. Jetzt Fläche für Dienstleistung, für
Kultur, Museen, einen Stadtpark und inzwischen auch neuer
Wohnraum.
Eindruck 2: Der Innenhafen Innenhafen Duisburg zur Dämmerung –
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Dass der Innenhafen heute optisch immer noch als Hafen
daherkommt, ist vorher festgelegten klaren Regeln zu verdanken
und dem Engagement von Museumsleuten der Region. Star des
Projekts war und ist der britische Stararchitekt Norman Foster
und seine für die bereits in den 1980er Jahren entwickelten
Ideen, die zu dieser Zeit geradezu revolutionär waren.
Duisburgr Innenhafen mit Museen und “Kneipenmeile” – Foto:
Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Die Umsetzung hat prima geklappt. In alten Speichern ist wieder
Leben eingekehrt. Das „Museum Küppersmühle für moderne Kunst“
sorgt qualitativ für Furore.
Außerdem gibt es das Kultur- und Stadthistorische Zentrum, ein
Museumsgarten, das Ludwigforum und natürlich der Altstadtpark,
mit großem Spielplatz. und selbst die selbstgegebene Regel in
Sachen Wohnungsbau wurde erfolgreich umgesetzt.
Eindruck 3: Duisburgs Sozialstruktur und „Schimmi“ Schimanski:
Auch heute noch allgegenwärtig – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD
Ja, sagt City Guide Franz-Josef Tolle, bei allem Fortschritt habe
es damals auch gehörige Kritik gegeben. Nicht am Bauen, aber am
sozialen Konzept der Umsetzung zum Beispiel im Wohnungsbau. Viele
Wohnungen am Innenhafen seien zu teuer gewesen. Der Zugang von
Wohnungsgesellschaften zum Bau von Sozialwohnungen sei
ausgeblieben.
Dieser Ausbau ist heute noch dringlicher, als vor 30 Jahren.
Denn: Probleme mit der Sozialstruktur hat Duisburg jede Menge.
Geringe Gehälter, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Mietkosten und
wachsender Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund machen
das Leben schwieriger. Eine Folge: Wachsende Kriminalität. Die
Infrastruktur der Stadt kommt da nicht mehr nach.
Der Duisburg-Tatort
Duisburg gehörte noch nie zu den angeblich feinen Adressen der
Republik und die Menschen waren schon immer, einfach, rau und
herzlich. Nicht von ungefähr entstanden die Tatort Kommissare
Christian Thanner und Horst Schimanski, alias Eberhard Feik und
Götz George. Thanner und Schimanski ermittelten in der ARD
zwischen 1981 und 1991.
Schaut man zurück, wurde der WDR wegen dieser Idee erst einmal
angefeindet. Die Duisburger müssen Schimmi aber innerhalb des
Jahrzehnts sehr lieb gewonnen haben. Noch heute ist die Serie
schlicht und einfach Kult.
Schimanski “Denkmal” in Ruhrort – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD Eindruck 4: Menschennähe und Currywurst
Heute kann man ungestraft sagen, dass Schimmi nicht nur den
Tatort, sondern auch Duisburg verändert hat. Es war die Zeit
mitten im Wandel der Region. Filmaufnahmen fanden mitten in
sozialen Brennpunkten oder auch im Hafengebiet von
Duisburg-Ruhrort statt.
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Das ist jetzt 35 Jahre her, doch Schimmi bleibt allgegenwärtig,
mit eigenem Straßenschild in der „Horst Schimanski Gasse“ im
alten Ruhrort. Allgegenwärtig auch die Currywurst. Die
Einschätzung kann man natürlich nur einem „UR-Duisburger“
überlassen.
Gehse inne Stadt… – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD Currywurst-Fachsimpelei – Foto: Marina Noble
Mitten in Ruhrort, dicht am Wasser liegt die Hafenkneipe „Zum
Hübi“. Drinnen wartet „lecker Currywurst“ und vor der Tür, in der
Horst Schimanski-Gasse, steht das Schimmi-Denkmal. (Unter uns: Es
ist ziemlich klein und auch nicht wirklich gut getroffen)
Im Ort, hinter der Dammstraße, findet man weitere Devotionalien,
wie ein Schimanski-Graffiti und den Hinweis auf einige Stellen
(Der Anker), an denen in unmittelbarer Nachbarschaft des
Hafenbeckens gedreht wurde.
Eindruck 5: Hütte und Landschaftspark
Duisburg ist Hafenstadt und Hüttenstadt; immer noch. Einige
Stahlhütten produzieren nach wie vor. Unter anderen die „August
Thyssen Hütte“, das größte Hüttenwerk Europas.
Früher Frühling im Landschaftspark-Nord – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Das Rohmaterial für die Stahlproduktion ist Eisen. Es kam bis vor
einigen Jahren aus der Eisenhütte im Stadtteil Meiderich. Dort
findet man heute die zweitgrößte Attraktion im Pott, den
Landschaftspark Duisburg-Nord. Nur die Essener
„Zeche Zollverein“ hat mehr Besucher.
Viel Grün und viel Industriekultur, das sind die Zutaten für den
Landschaftspark. Jährlich kommen rund 1,2 Millionen Besucher.
Genau lässt sich das nicht sagen, denn hier gibt es weder
Eintrittspreise noch Öffnungszeiten. 24/7 kostenfrei geöffnet.
Hochofen 5
Führungen gibt es. Die kosten Geld, aber das sind Euros, die sich
lohnen. Ich könnte zwar behaupten, dass ich vor der Tour genau in
die Eisenproduktion eingeweiht war, müsste dafür aber ziemlich
hemmungslos lügen. Alles, was ich jetzt weiß, habe ich der
sachkundigen wie humorigen Manuela Sass zu verdanken.
Weiß Bescheid: Manuela Sass – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD
Das müsst Ihr Euch unbedingt im Original anhören. Im Podcast
bekommt Ihr gleichzeitig Infos und ein „Stücksken“
Ruhrpott-Sprache und Humor. Danach seid Ihr nicht nur schlauer,
sondern habt Euch auch amüsiert. Die Tour ist gewissermaßen
Lernen, ohne dass man’s merkt. Danach wisst Ihr, wie das
funktioniert mit dem Eisen. So wurde bis 1985 produziert.
Eisenhütte: Hochofen 5 – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Abstichstelle am Hochofen 5 – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD
Das mit dem Landschaftspark dauerte dann noch eine Weile. Es gibt
ihn seit 1994 und seit 2000 steht der ehemalige Industriekomplex
unter Denkmalschutz.
In Sachen Freizeit hat der Landschaftspark wirklich viel zu
bieten. Vor allem viel Grün auf der Fläche von 180
Fußballfeldern. Im Sommer gibt’s Fackelführungen, Open Air Kino,
Konzerte, den Gasometer zum Tauchen, einen Lehr- und
Lernbauernhof und jede Menge Freiflächen zum Spielen und Bewegen.
Es warten ein Besucherzentrum und natürlich Gastronomie. Nicht zu
vergessen, das Programm für die ganz Wagemutigen. Ein
anspruchsvoller „Klettergarten“ zwischen den Hochöfen 1 und 2.
Klettern mitten in der Industriekultur – Foto: Rüdiger Edelmann
/ ttb-media TON-TEXT-BILD
Das waren ein paar Eindrücke aus Duisburg, falls ich über eine
Stadt erzählen darf, in der ich gerade mal gut 24 Stunden war. Da
gibt’s das Vorurteil und dann auch die subjektiven Eindrücke.
Komplett ist das nicht. Das Trotzdem-Fazit: War und ist spannend!
Information
Landschaftspark Duisburg-Nord
Duisburg
Duisburg – Tourismus
NRW – Tourismus
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appeared on Deutsches Reiseradio (German Travelradio).
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