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  4. Vom fossilen Giganten zum grünen Gestalter, wobei der Kapitalist mitgenommen wurde (Ulrich Streibl)
Im Podcast „BE Background“ hatten wir Ulrich Streibl,
Vorstandssprecher der Oekostrom AG (zu einem auch persönlichen
Gespräch) zu Gast. Denn Hand aufs Herz: Wenn man jahrelang die
Strategie von fossilen Giganten wie E.ON oder der OMV
mitgestaltet hat, warum wählt man dann den Schritt in ein
mittelständisches Unternehmen?

Ulrich Streibl hat sich bewusst gegen die klassische
Konzernkarriere und für unternehmerische Gestaltung entschieden.
Nach Stationen bei Accenture, E.ON und als langjähriger
Strategiechef der OMV wechselte er 2020 zur deutlich kleineren
Oekostrom AG. Sein Ziel: die Energiewende aktiv mitzugestalten
und in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem Entscheidungen
unmittelbar Wirkung entfalten.

Unter seiner Führung entwickelte sich die Oekostrom AG dynamisch.
Die installierte Erzeugungsleistung stieg von rund 50 auf 150
Megawatt, die Bilanzsumme vervierfachte sich auf über 160
Millionen Euro, das Eigenkapital wuchs von 13 auf knapp 60
Millionen Euro und die Mitarbeiterzahl von 40 auf rund 100.
Wachstum ist für Streibl kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung
für die wirtschaftliche Umsetzung der Energiewende und attraktive
Entwicklungsmöglichkeiten für Beschäftigte.

Streibl bezeichnet sich als „Kapitalist im positiven Sinn“.
Gewinne seien die Grundlage für Investitionen, Arbeitsplätze und
den Ausbau erneuerbarer Energien. Nachhaltigkeit und
wirtschaftlicher Erfolg stünden dabei nicht im Widerspruch,
sondern bedingten einander.

Das Geschäftsmodell der Oekostrom AG reicht über die
Stromerzeugung hinaus. Das Unternehmen betreibt eigene Wind- und
Photovoltaikanlagen, liefert ausschließlich zertifizierten
österreichischen Ökostrom und verzichtet bewusst auf den Zukauf
ausländischer Herkunftsnachweise. Ergänzend betreibt die
Gesellschaft Stromhandel zur Vermarktung eigener und
partnerbetriebener Anlagen – nicht zu spekulativen Zwecken.

Der Ausbau neuer Projekte bleibt anspruchsvoll. Standorte müssen
gefunden, Gemeinden eingebunden, Genehmigungen eingeholt und
Finanzierungen gesichert werden. Wind- und PV-Anlagen werden
üblicherweise in eigenen Projektgesellschaften errichtet, wodurch
Banken ihre Finanzierung direkt an das jeweilige Projekt koppeln
können. Die Renditen liegen laut Streibl zwischen sechs und 15
Prozent, der operative Break-even wird meist nach acht bis zwölf
Jahren erreicht.

Ein wichtiges Zukunftsfeld sieht Streibl in Batteriespeichern.
Sie sollen die wetterabhängige Stromproduktion aus Wind und Sonne
ausgleichen und das Energiesystem stabilisieren. Neben
Großspeichern gewinnen auch Heimspeicher und virtuelle
Speicherschwärme an Bedeutung. In diesem Bereich entwickelt die
Oekostrom AG bereits erste Geschäftsmodelle.

Trotz eines schwächeren politischen Rückenwinds bleibt Streibl
optimistisch. Er erwartet bis 2040 einen deutlich steigenden
Strombedarf, der überwiegend durch erneuerbare Energien gedeckt
werden muss. Die Erzeugungskapazität soll daher in den kommenden
zehn Jahren mindestens verdoppelt, möglichst verdreifacht werden.
Parallel sollen Stromvertrieb und Handel weiter wachsen.

Finanziert werden soll der Ausbau durch Gewinne, Bankkredite und
neues Eigenkapital. Nach Kapitalerhöhungen 2021 und 2022 plant
die Oekostrom AG ab September eine weitere Emission von bis zu
rund zwölf Millionen Euro. Zunächst erhalten bestehende Aktionäre
Bezugsrechte, anschließend können neue Investoren einsteigen.
Damit bleibt die Oekostrom AG ihrem Anspruch treu, als
Bürgerbeteiligungsgesellschaft Energiewende und Kapitalmarkt zu
verbinden.

Mehr zur Oekostrom AG

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„Vom fossilen Giganten zum grünen Gestalter, wobei der Kapitalist mitgenommen wurde (Ulrich Streibl)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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