In Folge 84 des Podcasts „Von Bullen und Bären“ hatten wir Harald Schartner, Leiter des Privatkundengeschäfts der Onlinebank DADAT zu Gast. Und Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.
Geopolitische Krisen, Inflationssorgen, steigende Zinsen und ein anhaltender KI-Boom – das Börsenjahr liefert reichlich Stoff für Verunsicherung. Dennoch zeigt sich die Weltwirtschaft bemerkenswert widerstandsfähig. Genau darin sieht Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management, die größte Überraschung des bisherigen Jahres: Weder Konflikte noch Zollstreitigkeiten oder Energiepreisschocks konnten den globalen Aufschwung nachhaltig bremsen. Die Finanzmärkte haben Rückschläge rasch verarbeitet und zunehmend wieder ein konstruktives Szenario eingepreist.
Für Winzer spricht vieles dafür, dass sich die Weltwirtschaft nicht am Ende, sondern am Beginn eines neuen Wirtschaftszyklus befindet. Sinkende Energiepreise dürften der Kaufkraft im zweiten Halbjahr zusätzlichen Rückenwind verleihen. Gleichzeitig erwartet er, dass die Inflation strukturell erhöht bleibt – nicht für Quartale, sondern für Jahre. Das klassische Zwei-Prozent-Ziel der Notenbanken wird damit eher zur Ausnahme als zur Regel.
Trotz dieser Ausgangslage rechnet Winzer nicht mit einer restriktiven Geldpolitik. Vereinzelte Zinsschritte sind zwar möglich, insgesamt werden die Zentralbanken das Wachstum aber weiter unterstützen. Die Konsequenz: Ein Umfeld, das Aktien grundsätzlich begünstigt, während Staatsanleihen angesichts aus seiner Sicht zu niedriger Renditen weniger attraktiv erscheinen.
Dass Aktien teuer bewertet sind, bestreitet Winzer nicht. Hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien jedoch allein kein ausreichendes Verkaufsargument. Technologische Umbrüche haben in der Vergangenheit regelmäßig zu Übertreibungen geführt – allerdings oft über Jahre hinweg. Entscheidend bleibt weniger die Bewertung, als das makroökonomische Regime aus robustem Wachstum und anhaltender Inflation.
Bei der DADAT Bank spiegelt sich dieses Bild im Verhalten der Privatanleger wider. Laut Harald Schnartner bleibt der Fokus klar auf den USA und insbesondere auf Technologiewerten gerichtet. Ob direkt über Einzelaktien wie Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon oder Alphabet oder indirekt über ETFs auf den MSCI World, Nasdaq oder S&P 500 – US-Technologie dominiert die Depots.
Schartner weist allerdings auf die hohe Konzentration in vielen Weltindizes hin. Wer heute glaubt, breit gestreut investiert zu sein, ist automatisch auch stark in US-Tech investiert. Anleger sollten deshalb regelmäßig prüfen, ob diese Gewichtung noch zur eigenen Risikostruktur passt.
Interessant: Während viele Privatanleger den US-Dollar kaum absichern und Währungsschwankungen eher als Chance betrachten, sieht Winzer langfristig durchaus Belastungsfaktoren für die US-Währung.
Bei der Asset Allocation geht die Erste AM dennoch bewusst einen Schritt gegen den Markt. Aktien bleiben insgesamt übergewichtet, innerhalb der Aktienquote wurden die USA jedoch reduziert und Europa aufgestockt. Nach Jahren der Underperformance sieht Winzer hier wieder steigendes Potenzial. Innerhalb der USA setzt er zudem stärker auf Qualitätswerte als auf die bisherigen Highflyer.
Auch Gold bleibt für ihn ein fixer Bestandteil langfristiger Portfolios – weniger wegen laufender Erträge als aufgrund seiner Funktion als Inflations- und Krisenschutz. Bitcoin betrachtet er vorsichtiger, sieht aber langfristig Aufwärtspotenzial.
https://www.dad.at/
https://www.erste-am.at/de/private-anleger
https://www.boerse-express.com/
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