Beschreibung
vor 3 Tagen
## Zusammenfassung
Gott wendet sich seinem widerspenstigen Volk aus freier Gnade
wieder zu: Er richtet seine Feinde, erwählt Juda, baut sein
Heiligtum und beruft David als Hirten – ein Bild auf
Christus.
## Details
**Kontext des Psalms.** Diese vierte Predigt zu Psalm 78 (Verse
65–72) schließt das Lehrgedicht Asaphs ab. Zuvor wurde gezeigt,
wie widerspenstig, heuchlerisch und undankbar Israel gegenüber
seinem rettenden und versorgenden Gott war, sodass Gott es
zeitweise dem Schwert und Gericht preisgab. Die betrachteten
Verse beschreiben nun die überraschende Wende: Gott selbst greift
ein, um sein zerschlagenes Volk erneut zu retten.
**Gott als der Handelnde.** Betont wird durchgehend, dass Gott
allein agiert – die Personalpronomen zeigen es: Er schlug die
Feinde, verwarf Josef, erwählte Juda, baute das Heiligtum, berief
David. Nichts Gutes in Israel veranlasste diese Zuwendung; sie
entsprang einzig Gottes souveränem, freiem Willen. Israel steht
dabei als Bild für alle Gläubigen, die ebenfalls feindlich
gesinnt und unfähig zur Selbstrettung waren.
**Erstens: Gott richtet seine Feinde (V. 65–66).** In poetischer
Sprache erwacht der Herr „wie ein Schlafender“ – ein Bild dafür,
dass er sein Volk zeitweise dahingab. Nun schlägt er die
fliehenden Feinde von hinten. Im Gegensatz zu Ephraim, das am
Kampftag furchtsam umkehrte (V. 9), triumphiert Gott. In Christus
wurden Tod, Satan und alle Mächte besiegt und öffentlich zur
Schau gestellt (Kolosser 2,15).
**Zweitens: Gott erwählt einen Stamm (V. 67–68).** Josef und
Ephraim wurden trotz großer Ehre – Josua, Gideon, die Stiftshütte
in Silo – verworfen, weil sie in Ungehorsam verharrten.
Stattdessen erwählte Gott Juda und den Berg Zion, obwohl Juda
nicht besser war. Schon Jakobs Segen (1. Mose 49,10) kündigte an,
dass aus Juda der Friedefürst kommt. Verwerfung geschieht wegen
Sünde, Errettung allein aus Gottes freier Gnadenwahl (Römer
9,15.18).
**Drittens: Gott baut sich ein Heiligtum (V. 69).** Zwar
errichtete Salomo den Tempel auf Zion, doch Gott selbst
veranlasste und vollendete den Bau, majestätisch und unverrückbar
wie die Erde. Der Tempel ist ein Sinnbild für das geistliche
Heiligtum: die Gemeinde. Diese ist Gottes Haus, gegründet auf
Christus als Eckstein (Epheser 2,21–22; 1. Timotheus 3,15),
erbaut durch Sohn und Geist aus lebendigen Steinen – und
unauflöslich für immer.
**Viertens: Gott erwählt einen Hirten (V. 70–72).** Nicht David
erhob sich selbst; Gott berief den unscheinbaren Hirtenjungen (1.
Samuel 16,12), nachdem er ihn bei der Herde für seine Aufgabe
geschult hatte. David führte Israel militärisch und geistlich auf
seiner Höhe, „nach der Lauterkeit seines Herzens“, weil er ein
Mann nach Gottes Herzen war – das Gegenteil des herzensfernen
Volkes. Er ist ein Typus auf Jesus Christus, den wahren Hirten,
der vor Grundlegung der Welt erwählt wurde (1. Petrus 1,20), sein
Leben für die Schafe ließ, sie sammelt und keinen verliert.
**Abschluss.** Der düstere Psalm endet hoffnungsvoll: Läge die
Rettung an uns, gäbe es keine Chance – doch sie liegt an Gott.
Weil er die Feinde besiegt, ein Volk erwählt, ein Haus gebaut und
einen Hirten berufen hat, haben Gläubige Sicherheit und
Gewissheit. Die Antwort darauf ist Anbetung, Dankbarkeit, das
Ablegen der widerspenstigen Natur und das Wandeln auf Gottes
Wegen.
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