Einsamkeit verstehen: Was uns wirklich fehlt | Stoizismus mit Cicero, Epiktet & Seneca.

Einsamkeit verstehen: Was uns wirklich fehlt | Stoizismus mit Cicero, Epiktet & Seneca.

vor 1 Tag
[S2-E21]: Einsamkeit verstehen: Was uns wirklich fehlt | Stoizismus mit Cicero, Epiktet & Seneca. Einsamkeit ist nicht dasselbe wie soziale Isolation. Ein Mensch kann allein sein, ohne sich einsam zu fühlen. Gleichzeitig kann er von Menschen umgeben sein
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Beschreibung

vor 1 Tag

[S2-E21]: Einsamkeit verstehen: Was uns wirklich fehlt |
Stoizismus mit Cicero, Epiktet & Seneca.


Einsamkeit ist nicht dasselbe wie soziale Isolation. Ein Mensch
kann allein sein, ohne sich einsam zu fühlen. Gleichzeitig kann
er von Menschen umgeben sein und trotzdem das Gefühl haben,
innerlich abgeschnitten zu sein. Laut WHO betrifft Einsamkeit
inzwischen etwa jeden sechsten Menschen weltweit.


In dieser Folge geht es deshalb zuerst um Identifikation: Was
fehlt dir wirklich? Ein bestimmter Mensch, körperliche Nähe, ein
ehrliches Gespräch oder das Gefühl, mit deinem Innenleben
irgendwo ankommen zu können? Vielleicht fehlt dir aber auch ein
stabiles Verhältnis zu dir selbst.


Anhand von Cicero, Epiktet, Seneca und Marc Aurel schauen wir uns
an, wie der Stoizismus Einsamkeit einordnet. Der Mensch ist aus
stoischer Sicht ein soziales Wesen. Beziehungen und
Freundschaften gehören zu einem guten Leben. Gleichzeitig darf
das eigene seelische Gleichgewicht nicht vollständig davon
abhängen, ob andere Menschen verfügbar sind, bleiben oder unsere
Bedürfnisse erfüllen.


Dabei geht es um den Unterschied zwischen einem realen Mangel und
den Urteilen, die wir über diesen Mangel fällen. Der Schmerz
darüber, dass ein Mensch fehlt oder eine Beziehung zerbrochen
ist, kann real sein. Gedanken wie „Ich bin gescheitert“, „Ich bin
nicht genug“ oder „Ohne Beziehung ist mein Leben unvollständig“
sind dagegen keine Tatsachen, sondern Bewertungen.


Der Stoizismus fordert deshalb keine emotionale Härte und auch
keine künstliche Selbstgenügsamkeit. Seneca sagt, dass der Weise
ohne Freunde leben kann, aber nicht ohne Freunde leben will.
Epiktet unterscheidet zwischen Alleinsein und innerer
Verlassenheit. Marc Aurel erinnert daran, dass Menschen
füreinander da sind und dass es kein Zeichen von Schwäche ist,
Hilfe anzunehmen.


Am Ende bleibt die Frage: Brauchst du tatsächlich mehr Menschen
in deinem Leben, oder musst du zuerst genauer verstehen, welche
Form von Verbindung dir fehlt?


Unter der Folge findest du außerdem eine Abstimmung zu einer
möglichen Bonusfolge, in der ich persönlicher über meine eigenen
Erfahrungen mit Einsamkeit spreche.


Happy Streaming!


Quellen & Links:
Cicero – Laelius de amicitia, Abschnitt 20
Zum Wesen und zur Bedeutung von Freundschaft:
https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cicero/Laelius_de_Amicitia/text%2A.html
Cicero – De officiis 1.22
Zur sozialen Natur des Menschen und zur gegenseitigen
Verpflichtung:
https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cicero/de_Officiis/1B%2A.html
Cicero – De finibus 2.45–46
Zu Freundschaft, Zuneigung und menschlicher Verbundenheit:
https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cicero/de_Finibus/2%2A.html
Cicero – De finibus 3.62–70
Zur stoischen Vorstellung einer natürlichen Gemeinschaft aller
Menschen:
https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cicero/de_Finibus/3%2A.html
Epiktet – Enchiridion, Abschnitte 1 und 5
Zur Unterscheidung zwischen dem, was in unserer Macht liegt, und
dem, was nicht in unserer Macht liegt. Außerdem zur Bedeutung
unserer Urteile:
https://classics.mit.edu/Epictetus/epicench.html Epiktet –
Discourses 2.20
Zur natürlichen Gemeinschaft der Menschen:
https://en.wikisource.org/wiki/The_Discourses_of_Epictetus%3B_with_the_Encheiridion_and_Fragments/Book_2/Chapter_20
Epiktet – Discourses 3.13
Zur Unterscheidung zwischen Alleinsein, Verlassenheit und
Einsamkeit:
https://en.wikisource.org/wiki/The_Discourses_of_Epictetus%3B_with_the_Encheiridion_and_Fragments/Book_3/Chapter_13
Seneca – Epistulae morales ad Lucilium, Brief 9
Besonders relevant sind die Abschnitte 9.3–5, 9.8, 9.13, 9.15 und
9.17. Seneca behandelt dort Selbstgenügsamkeit, Freundschaft und
das natürliche menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft:
https://en.wikisource.org/wiki/Moral_letters_to_Lucilius/Letter_9
World Health Organization, 2025
From Loneliness to Social Connection: Charting a Path to Healthier
Societies
Bericht der WHO Commission on Social Connection:
https://www.who.int/publications/i/item/978240112360

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