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vor 1 Monat
Gesundheitsministerkonferenz in Hannover: Warkens
Sparpaket treibt das System in den Abgrund. Die
Gesundheitsministerkonferenz gerät zunehmend in den Schatten der
Proteste. Beschäftigte und Verbände machen deutlich, dass sie die
vorgesehenen Maßnahmen nicht widerstandslos akzeptieren
werden.
Ein Kommentar von Janine Beicht.
Während die Gesundheitsminister der Länder am 10. und 11. Juni in
Hannover zur Gesundheitsministerkonferenz [1] zusammentreffen,
wächst außerhalb der Konferenzsäle der Widerstand gegen eine
Reform, die immer größere Teile des Gesundheitswesens als Angriff
auf Versorgung, Personal und Patienten empfinden. Was von
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken als notwendiger
Rettungsplan [2] gegen explodierende Defizite präsentiert wird,
entwickelt sich zu einer politischen Zerreißprobe zwischen Bund,
Ländern, Krankenhäusern, Ärzteschaft, Pflegeverbänden,
Gewerkschaften und Sozialverbänden.
Tausende Beschäftigte aus den Gesundheitseinrichtungen
demonstrieren in Hannover. Gleichzeitig finden bundesweit
Protestaktionen statt.
Die Finanzbombe explodiert früher als geplant
Schon im April 2026 legte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken
ihre umfassenden Sparpläne vor [4], um das drohende
Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenkassen zu stopfen, doch
die Realität holte die Politik schneller ein als erwartet. [5]
Die Regierung rechnete zunächst mit einem Loch von 15,3
Milliarden Euro für 2027, wollte mit 16,3 Milliarden Euro
Einsparungen sogar einen Puffer von fünf Milliarden Euro
schaffen, doch allein die Ausgaben im ersten Quartal 2026 stiegen
um 7,8 Prozent statt der angenommenen 6,5 Prozent und ließen das
Defizit auf 18,8 Milliarden Euro anschwellen.
Damit klafft bereits für 2026 eine Lücke von 2,5 Milliarden Euro,
die sich bis 2030 auf bis zu 5,8 Milliarden Euro ausweiten könnte
[5]. Statt die wahren Kostentreiber wie die unzureichende
Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln
anzugehen, koppelte Warken Vergütungen bei Praxen, Kliniken und
Apotheken an die Einnahmenentwicklung, hob Zuzahlungen für
Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro an [6], prüfte Homöopathie und
Hautkrebs-Screening als Kassenleistungen und führte ab 2028 eine
Beitragspflicht für mitversicherte Ehepartner von 3,5 Prozent des
beitragspflichtigen Einkommens des Hauptversicherten ein,
ausgenommen nur Eltern von Kindern unter sieben Jahren,
behinderten Kindern, pflegende Angehörige und Rentner.
Arbeitgeber sollten höhere Pauschalen für geringfügig
Beschäftigte zahlen. Krankengeldkürzungen und Karenztage wurden
zwar ins Arbeitsministerium geschoben, doch bei Kliniken wurden
Tarifsteigerungen nur noch anteilig refinanziert und
Zweitmeinungen vor bestimmten Operationen zur Pflicht gemacht.
Die Pflegereform [7] verschärfte alles: höhere Hürden für
Leistungen, geringere Rentenansprüche für pflegende Angehörige
und das Aussetzen der Tariflohnpflicht in kommerziellen
Einrichtungen. Die Koalition feierte das als notwendigen Kraftakt
für Beitragsstabilität, doch Kritiker sahen darin den gezielten
Angriff auf ein bereits überlastetes System, das durch die
laufende Krankenhausreform ohnehin unter Druck stand. Nachdem die
Ministerin ihre Pläne im Kabinett durchgepeitscht hatte und das
Gesetzgebungsverfahren mit atemberaubender Geschwindigkeit
vorantrieb, verteidigte sie die Einschnitte als unvermeidbar und
gestand ein, dass sie eine Zumutung darstellten [4]:
„Es ist eine gemeinsame Kraftanstrengung. Und ja, es ist eine
Zumutung. Sie ist aber notwendig, und die Situation lässt mir auch
keine andere Wahl.“
...https://apolut.net/sparen-bis-der-arzt-nicht-mehr-kommt-von-janine-beicht/
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