Was passiert, wenn ein KI-Modell so gut ist, dass eine Regierung es
einfach abschaltet? Genau das ist Anthropic mit seinem neuen Modell
Fable 5 passiert, und Mark und Jens ordnen in dieser kurzfristig
eingeschobenen Folge ein, was in nur drei Tagen daraus wurde. Fable
5 gehört zur sogenannten Mythos-Klasse, einer Modellreihe, die
bislang nur großen Playern wie Amazon und Google zur Verfügung
stand, weil sie ungewöhnlich gut darin ist, Sicherheitslücken
aufzuspüren: Bei Firefox wurden so an einem Tag Hunderte kritischer
Bugs gefunden und geschlossen, und laut einem Heise-Bericht knackte
eine Sicherheitsfirma mit Mythos einen Speicherschutz-Exploit auf
Apple-M5-Hardware in nur fünf Tagen. Jens berichtet aus erster Hand
von seinem Praxistest mit Fable 5: kurze Prompts, wenig
Vorprompting, dafür ungewohnt eigenständiges Arbeiten im Vergleich
zu Opus 4.8 und GPT-5.5/Codex. Kurz nach dem Launch wurde jedoch
der System-Prompt von Fable 5 geleakt, es gab eine Anhörung im
Weißen Haus, und die US-Regierung stufte Anthropic als
Lieferkettenrisiko ein und untersagte, das Modell
nicht-amerikanischen Bürgern zur Verfügung zu stellen. Innerhalb
von 90 Minuten war Fable 5 für alle anderen Nutzer weg, mitten in
laufenden Sessions, mit hängenden Kontexten und Projekten, die sich
nicht mehr sauber auf ein anderes Modell übertragen ließen. Die
Folge zieht die geopolitische Linie weiter: Der Vergleich mit dem
Kill-Switch-Verdacht bei F-35-Kampfjets liegt nahe, ebenso die
Parallele zur Erkenntnis aus der Corona-Pandemie, dass Europa in
kritischen Lieferketten erschreckend abhängig ist. Wenn ein
US-amerikanisches KI-Modell per Regierungserlass abgeschaltet
werden kann, wird die Frage nach KI-Souveränität (wem gehört der
Agent Harness, in dem ein Modell läuft, und wie unabhängig ist man
von einzelnen Anbietern) plötzlich sehr konkret. Auch offene
Alternativen wie Kimi, MiniMax M3 oder Manus lösen das Problem laut
Mark nicht grundsätzlich, sobald auch diese Modelle strategisch
relevant werden. Als Konsequenz plädieren beide für einen
intelligenten Modell-Switcher in der eigenen KI-Architektur,
verbunden mit dem Eingeständnis, dass beim Wechsel zwischen
Modellen viel Reasoning und Kontext verloren geht, wenn er nicht
separat gesichert wird. Genau hier kommt das wiederkehrende Thema
Second Brain ins Spiel: Wissen und Kontext sollten nicht in der
Session eines einzelnen Modells leben, sondern modellunabhängig und
wiederauffindbar abgelegt sein. Als konkreten Ansatz bringen sie
das Open Knowledge Format (OKF) von Google ins Spiel: ein Plädoyer
dafür, professionelle Dokumentation wieder stärker auf Inhalt statt
auf Formatierung zu konzentrieren, damit sie von jedem Modell
token-sparsam verarbeitet werden kann. — Think Different. Think AI.
mit Mark Zimmermann und Jens Scharnetzki. Hören: Apple, Spotify,
YouTube, RSS https://think-ai.podigee.io Neue Folge zuerst im
WhatsApp-Kanal
https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004 Wenn euch die
Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet,
ob jemand Neues uns findet.
https://podcasts.apple.com/de/podcast/think-different-think-ai/id1828021699
Feedback und Gäste: über die Show-Seite.
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