Kritiker warnen: Donald Trump bringt die Welt an den Rand
einer Katastrophe
Ein Kommentar von Tilo Gräser.
Was von US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister
Benjamin Netanjahu als „Blitzkrieg“ gegen den Iran nach dem
US-Motto „Shock and Awe“ („Schock und Furcht“) gedacht schien,
dauert nun schon mehr als fünf Wochen. Der Iran wehrt sich
standhaft und überrascht Trump damit anscheinend so, dass der zu
immer brutaleren Drohungen gegen Teheran greift: Erst will er das
Land in die Steinzeit zurückbomben und nun will er es gar ganz
auslöschen, falls es nicht macht, was er erwartet.
Es mögen verbale Ausraster eines außer Kontrolle geratenen
US-Präsidenten sein, die nichts mit der Realität zu tun haben.
Schon das frühere Vorhaben, Vietnam „in die Steinzeit
zurückzubomben“ (US-General Curtis E. LeMay), scheiterte und
endete mit der Niederlage der USA samt panischem Rückzug aus
Saigon Ende April 1975. Doch Trumps Ausfälle stehen für eine neue
ungeschminkte US-Politik in der Welt, die sich an keinerlei
Verträge, internationale Regeln oder verbindliche Institutionen
wie die UNO hält. Es ist ein Kurs, der unter dem Motto „America
first“ die Weltordnung zerstört und versucht, jene Länder unter
Kontrolle zu bringen, die sich bisher US-Interessen verweigerten.
Und mag diese Politik am Ende auch an der Realität scheitern, den
Preis dafür zahlen nicht Trump und jene, die hinter ihm stehen
und ihn mutmaßlich benutzen. Den bezahlen all die Menschen im
Iran, in der Region Westasien und anderswo auf der Welt, die
nicht verantwortlich dafür sind – und das viel zu oft mit ihrem
Leben.
„Zwei Verrückte spielen Gott“ – so hat der US-Ökonom Jeffrey
Sachs kürzlich das Treiben Trumps und Netanjahus kommentiert. Die
beiden würden gemeinsam einen mörderischen Angriffskrieg gegen
den Iran, eine Nation mit 90 Millionen Einwohnern, führen und
seien dabei „im Griff dreier sich verstärkender Pathologien“:
„Die erste ist die Persönlichkeit: Beide sind bösartige
Narzissten.
Die zweite ist die Arroganz der Macht: Männer, die die Macht
besitzen, nukleare Vernichtung zu befehlen, und infolgedessen
keinerlei Zurückhaltung empfinden.
Die dritte und gefährlichste von allen ist religiöser Wahn: zwei
Männer, die glauben – und denen täglich von ihrem Umfeld gesagt
wird –, dass sie Messiasse sind, die Gottes Werk tun.“
Jede dieser Pathologien verschärfe die anderen, sodass sie
gemeinsam die Welt in eine beispiellose Gefahr bringen, so Sachs.
Das Ergebnis sei „eine Verherrlichung der Gewalt, wie man sie
seit den Nazi-Führern nicht mehr gesehen hat“. Er zeigt in seinem
Text, wie das jeweilige Umfeld von Trump und Netanjahu deren Kurs
noch stützen und befördern. Für den Ökonomen steht die Frage, „ob
die wenigen Erwachsenen dieser Welt – verantwortungsbewusste
Staats- und Regierungschefs, die sich weiterhin dem Völkerrecht
verpflichtet fühlen und bereit sind, dies auch zu sagen – sie
zügeln können. Es wird nicht einfach sein, aber sie müssen es
versuchen.“
Durchsetzung der eigenen Macht untergraben
Der US-Politologe John Mearsheimer sieht keine Anzeichen für ein
baldiges Ende des US-israelischen Krieges gegen den Iran. Das
erklärte er in einem Gespräch mit dem Journalisten Steve Clemons
vom Sender Al Jazeera English, das am Montag veröffentlicht
wurde. Mearsheimer glaubt nicht, „dass dieser Krieg irgendeinen
Einfluss auf die Machtverteilung im internationalen System haben
wird“. Die USA würden damit aber ihre eigenen Möglichkeiten
untergraben, ihre Macht zu projizieren und auszuüben, so der
renommierte Politologe. Das geschehe, indem sie die dafür
notwendigen internationalen Institutionen, das Völkerrecht und
die Verbündeten – alle von den USA gegründet und geprägt –
missachten und diesen Schaden zufügen. Der Krieg gegen den Iran
sei „katastrophal“, weil er die Fähigkeit der USA untergrabe,
ihre Macht auszuüben.
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