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  4. Die letzten Heiden Europas (#92)

Als Europa längst christlich war, hielten an seinen Rändern noch
ganze Völker an ihren alten Göttern fest, mancherorts bis ins 20.
Jahrhundert und darüber hinaus. Litauen war 1387 der letzte
heidnische Staat des Kontinents, und selbst dann ließ sich
Großfürst Jogaila vor allem aus politischem Kalkül taufen, um
König von Polen zu werden. Im hohen Norden lebten die Samen mit
ihren schamanischen Trommeln, im Baltikum verehrten Litauer und
Prußen heilige Haine und ewige Feuer, und an der Wolga baten die
Mari die Waldgeister um Erlaubnis, bevor sie ein Tier erlegten.
Weil diese Völker keine Schrift kannten, stammt fast alles, was
wir wissen, aus den Berichten ihrer christlichen Gegner. Die
Christianisierung verlief mal langsam und leise, mal brutal, etwa
als der Deutsche Orden Preußen eroberte. Ganz verschwunden ist
das alte Heidentum aber nie, bei den Mari in Russland gibt es bis
heute Opferfeste in heiligen Hainen.

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