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  4. Kulinarische Traditionen: Pizza kam aus New York, nicht aus Neapel (#62)

Viele Gerichte, die als uralte Nationalküche gelten, sind
überraschend jung: Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn lassen
sich erst ab dem späten 19. Jahrhundert belegen, und die erste
Pizzeria Wiens eröffnete sogar erst 1975. Auch die berühmte
italienische Küche steht dabei im Zentrum, der
Wirtschaftshistoriker Alberto Grandi zeigt in seinem
vielbeachteten Buch, dass Klassiker wie moderner Parmesan,
Panettone als Weihnachtsgebäck oder bestimmte Herkunftstomaten
erst im 20. Jahrhundert entstanden. Selbst die Pizza wurde erst
durch italienische Auswanderer in den USA zum Massenphänomen,
lange bevor sie in Italien selbst als Nationalgericht galt.
Dahinter steht ein größeres Muster, das auch der schottische Kilt
zeigt, der erst seit dem 17. statt seit der Antike existiert:
viele Traditionen sind erfunden, oft aus Marketing, Nostalgie
oder nationaler Selbstvergewisserung.

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