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Der Ukraine-Krieg

Blutiges Lehrstück über den Segen staatlicher Souveränität und
menschlicher Moral

Münster, November 2023

Seit über anderthalb Jahren tobt in der Ukraine ein Krieg:
staatliche russische gegen ukrainische Gewalt in bekannt
gigantischem Ausmaß. Deutsche Außenpolitikerinnen haben diesen
Krieg – von dem sie permanent erklären, dass er wegen eines
Mangels an deutschem Waffennachschub keinesfalls enden darf und
wird – ihrem Volk vom ersten Tag an als moralische Sache
vorgelegt: Russland ist schuld an der schlimmen Gewalt, die
Ukraine hat alles Recht, sich zu verteidigen, also mit mindestens
demselben Maß an Gewalt zu antworten. Argumente dafür gibt es
allerhand. Die zielen alle darauf, dass der Mensch sich gleich in
Form der gewünschten Antwort die Frage vorlegt, wer von den
beiden in Kiew und Moskau residierenden Kriegsherren darf, was er
tut, und wer nicht. Im Ernst soll man als der Wicht, der man bloß
ist, sich in die Pose des Richters über die Gewalt von Staaten
begeben, die weit jenseits dessen liegt, woran man als Individuum
praktisch mit seinem Urteil überhaupt heranreicht. Obwohl die
längst und immer weiter stattfindende Gewalt belegt, dass sich
deren staatliche Kommandeure vom eigenen Urteil darüber, ob man
sie selbst erlaubt hätte, wenn sie einen nur vorher gefragt
hätten, genauso wenig abhängig machen, wie von der
„Verurteilung“, also dem ideellen Verbot, das man ihnen noch
nicht einmal förmlich zustellen kann. Auf die ganz verkehrte
Frage, ob Staaten ihre Kriege erlaubter- oder unerlaubterweise
gegeneinander führen, gibt es darum auch in diesem Fall
ausschließlich verkehrte Antworten. Die bestehen stets in dem
Fehler, ausgerechnet die politisch begründete Gewalt von Staaten
mit den Maßstäben menschlicher Moralvorstellungen und
Empfindungen zu beurteilen, obwohl Menschen nichts als die
Manövriermasse und das Verschleißmaterial der kriegführenden
Höchsten Gewalten sind.
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