Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche

Kreisky Forum Talks Archiv

399 Episoden
1 Stunde 6 Minuten
HELLMUT BUTTERWECKS „MÖGLICHKEITEN“

Was wäre gewesen, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?

Der heute 98 jährige Journalist und Zeitzeuge Hellmut Butterweck hat sich in seinem publizistischen Werk intensiv mit dem nationalsozialistischen Ungeist und seinem Weiterwirken in der Zweiten Republik beschäftigt. Aus der Schule hinausgeworfen, 1944 zur Arbeit in der deutschen Kriegsindustrie zwangsrekrutiert und der Sabotage verdächtigt, entzog sich Butterweck dem Dienst in der deutschen Wehrmacht. Ab 1948 schreibt er für zahlreiche Medien Kritiken, Glossen, Satiren, Reportagen und Essays zu unterschiedlichen Themen sowie zeitgeschichtliche Beiträge und Stellungnahmen gegen antidemokratische, antisemitische und neonazistische Tendenzen. Viele Jahre war Butterweck in der Wochenzeitung „Die Furche“ für Zeitgeschichte, Literatur und Theaterkritik verantwortlich und verfasste darüber hinaus Theaterstücke, Hörspiele und Romane.

Für seine Arbeit erhielt er den Wiener Kunstfonds-Preis, den Theodor-Körner-Preis, den Preis der Stadt Wien für Publizistik und 2025 den Theodor-Kramer-Preis.

Um das NS-Erbe geht es auch in Hellmut Butterwecks soeben erschienen Buch “Möglichkeiten”. Das Szenario des Romans: Hitler hat dank der „Wunderwaffe“ den Krieg gewonnen, doch nach den Feiern zu seinem 100. Geburtstag bricht das Nazireich zusammen. Es verabschiedet sich auf ähnliche Weise wie wenige Monate später in der realen Geschichte die DDR: Die Menschen haben die Nase voll, gehen auf die Straße und bringen auf unblutige Weise den Staat zu Fall.

Dass Hitler längst tot ist, ist ein Staatsgeheimnis, er wird laufend durch Doppelgänger ersetzt: alte Narren, die sich für ihn halten und die der „große Klein“ im Wiener Narrenturm vorrätig hält. Nun fliegt alles auf und Reichsmarschall Kraut kann nur noch die Demokratie ausrufen.

Diese hinreißend erzählte, burleske Handlung findet ihren zarten Gegenpol in der Liebesgeschichte des SS-Mannes Horst mit der Jüdin Esther. Sie lässt sein eingelerntes NS-Geschichtsbild krachend in sich zusammenbrechen.

Hellmut Butterwecks Roman ist ein wildes Spiel mit „MÖGLICHKEITEN“, die der Welt erspart geblieben sind.

Über den Autor Hellmut Butterweck:

Rudolf Scholten, Präsident des Bruno Kreisky Forums

Einführung:

Richard Pils, Verlag Bibliothek der Provinz

Lesung:

Cornelius Obonya, Kammerschauspieler

Musikalische Umrahmung:

Gernot Winischhofer, Violine

Endre Guran, Viola
1 Stunde 13 Minuten
Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit Roland Friedrich, Marcus Bachmann, Christoph Sternat, Mona Ali Khalil

HUMANITARIAN AID 2026: HOW CAN IT GET TO THOSE WHO NEED IT?

Humanitarian aid for the Palestinian civilian population is currently facing major political and practical challenges. The UN Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA), which has played a crucial role in providing aid, healthcare, and education for decades, is increasingly restricted in its ability to operate. The activities of UNRWA and those of NGOs like doctors Without Borders in Israel and the Palestinian territories have been severely curtailed or even banned.

Nevertheless, the United Nations and these NGOs continues to strive to maintain basic aid services. In cooperation with international organizations and local partners, the UN is working to provide humanitarian assistance, medical care, and educational opportunities for the Palestinian population, particularly in the Gaza Strip and the West Bank.

Given the tense political situation and the difficult security conditions, the question arises as to how humanitarian aid can be organized under these circumstances – and what prospects exist for the future of international support in Gaza and the West Bank.

Roland Friedrich, Director of UNRWA affairs, Westbank

Marcus Bachmann, Advocacy and Humanitarian Affairs Advisor, Doctors without Borders/MSF Austria, Head of Mission for the Occupied Palestinian Territory until end of march

Christoph Sternat, Head of Unit, Department for Humanitarian Aid in the framework of EU, aid in crisis regions and fragile states, Austrian ministry for European and Foreign affairs BMEIA

Mona Ali Khalil, Director of MAK Law International, Non-Resident Faculty of the Vienna Diplomatic Academy, Affiliate of Harvard Law School and former Senior Legal Officer in the UN and IAEA.

Moderation:

Tessa Szyszkowitz, author and journalist. Distinguished Fellow at Royal United Services Institute in London (RUSI)
1 Stunde 17 Minuten
Cathrin Kahlweit im Gespräch mit Michal Hvorecky

MODERNE DISSIDENTEN

WARUM DIE  ZIVILGESELLSCHAFT 35 JAHRE NACH DER WENDE DIE DEMOKRATIE RETTEN MUSS

Der Journalist und Autor Michal Hvorecky ist eine der prominentesten Stimmen in der Slowakei, die sich gegen Ministerpräsident Robert Fico und sein zunehmend autoritäres Gebaren wenden. Hvorecky, der sich für die Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit einsetzt, wird von der Regierung Fico stellvertretend für viele Künstler massiv unter Druck gesetzt; so  droht ihm eine fünfjährige Haftstrafe, weil er die Kulturministerin seiner Heimat kritisiert hatte.  In seinem neuen Buch „Dissident“ beschreibt er seine persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen als junger Mann nach dem Mauerfall – und die bedrohte Demokratie der Gegenwart. „Dissident“, das Hvorecky im Bruno Kreisky Forum vorstellt, ist ein Plädoyer für den Widerspruch und den Widerstand.

Michal Hvorecky, Autor, mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet und war unter anderem Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin.

Cathrin Kahlweit, langjährige SZ-Korrespondentin, Publizistin und Moderatorin 
1 Stunde 2 Minuten
Raimund Löw im Gespräch mit Marlies Eder, Frédéric Krumbein, Nele Noesselt

GEFAHRENHERD TAIWAN

Die Spannungen rund um Taiwan sind eine anhaltende geopolitische Konfliktlinie. Chinas Präsident Xi Jinping verlangt, dass  die Insel unter Kontrolle der Volksrepublik kommt. Unterstützt von den USA pocht die Regierung in Taipeh auf die Autonomie Taiwans. Das Verhältnis zwischen China, Taiwan und den USA hat sich in den vergangenen Jahren deutlich zugespitzt, während zugleich wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen immer stärker ineinandergreifen. Taiwan spielt eine zentrale Rolle in globalen Lieferketten und ist damit von enormer Bedeutung für die Weltwirtschaft. Eine militärische Eskalation hätte weitreichende Folgen, auch für Europa. Von zentralem Interesse sind daher die Hintergründe der aktuellen Entwicklungen, die strategischen Interessen der beteiligten Akteure sowie mögliche Szenarien für die kommenden Jahre und ihre Auswirkungen auf die internationale Ordnung um Orientierung in einer zunehmend komplexen geopolitischen Lage zu bekommen.

Marlies Eder, Redakteurin bei "Die Presse" und Sinologin

Frédéric Krumbein, Politikwissenschaftler und Associate Research Fellow Universität Duisburg-Essen

Nele Noesselt, Politikwissenschaftlerin und Sinologin, Professorin für Politikwissenschaft und Politik Ostasiens/Chinas am Institut für Politikwissenschaft und am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg-Essen

Moderation:

Raimund Löw, Journalist, Autor, Historiker
1 Stunde 20 Minuten
Renata Schmidtkunz im Gespräch mit Emran Feroz

WIR WOLLEN LEBEN!

Seit über hundert Jahren, spätestens seit den ersten Öl-Funden in der 1910-er Jahren, kommt der sogenannte „Nahe Osten“ nicht mehr zur Ruhe. Der jüngste unprovozierte Angriffskrieg Israels und der USA gegen Iran ist ein bitterer Beleg dafür. Bereits 2017 beschrieb der 1991 in Innsbruck geborene Politologe, Journalist und Autor Emran Feroz den ersten Dronen-Krieg der Welt, der in Afghanistan stattfand. Feroz, dessen Eltern zur Zeit der russischen Intervention in Afghanistan nach Österreich geflüchtet waren, war mehrfach im Heimatland seiner Eltern und hat 2021 seine Erlebnisse und Kenntnisse in dem Bestseller „Der längste Krieg. 20 Jahre War in Terror“ festgehalten. Nun ist sein jüngstes Buch erschienen:

Wir wollen leben!

Von Afghanistan bis Gaza - ein Aufschrei gegen Entmenschlichung und Krieg. 

Feroz entlarvt darin die Doppelmoral des Westens und entwirft die Vision eines haltbaren Friedens, der die Menschen des „Orients“ an eine Zukunft glauben lassen könnte.

Feroz ist einer der interessantesten jungen Journalisten, der sich mit der Region beschäftigt und mit seiner aufrichtigen Berichterstattung vielen anderen Journalisten Mut macht. Sein neues Buch hat er den getöteten Journalistinnen und Journalisten aus Gaza gewidmet.

 Emran Feroz, Autor und Journalist mit Fokus auf Nahost und Zentralasien. Er berichtet regelmäßig aus Afghanistan und ist für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Medien. Feroz ist Gründer von "Drone Memorial" einer virtuellen Gedenkstätte für zivile Drohnenopfer. 2021 wurde Feroz für seine Arbeit mit dem österreichischen Concordia-Preis in der Kategorie Menschenrechte ausgezeichnet.

Renata Schmidtkunz, Journalistin, Moderatorin und Dokumentarfilmerin und arbeitete viele Jahre beim ORF, u. a. für den Radiosender Ö1 und die Sendung „Im Gespräch“. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet: 2012 Publizistikpreis der Stadt Wien, 2014 Axel-Corti-Preis, 2020 und 2026 Radiopreis der Erwachsenenbildung, 2025 Silbernes Ehrenzeichen der Republik Österreich.
54 Minuten
Raimund Löw im Gespräch mit Joschka Fischer und Alexandra Föderl-Schmdit

CHAOTISCH IN DIE NEUE WELT

Ein Ausblick auf die Optionen Europas in den aktuellen Turbulenzen

Die internationale Ordnung gerät unter Druck, alte Gewissheiten lösen sich auf, neue Machtkonstellationen entstehen. Im Zentrum steht das Verhältnis zu den USA unter Donald Trump, die sich zunehmend von menschenrechtlichen und multilateralen Prinzipien entfernen und Elemente einer autoritären Supermacht zeigen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die innere Verfasstheit Europas: Nach der Wahlentscheidung in Ungarn am 12. April rückt die Rolle von Viktor Orbán und ähnlichen Akteuren erneut in den Fokus. Autoritäre Tendenzen, nationale Alleingänge und gezielte Blockaden gemeinsamer Entscheidungen könnten Europas Handlungsfähigkeit von innen heraus schwächen.

Der Ausblick fragt daher auch nach den konkreten Handlungsmöglichkeiten Europas: institutionelle Reformen, Stärkung der Rechtsstaatlichkeit, strategische Autonomie in Schlüsselbereichen (Energie, Verteidigung, Technologie) sowie die politische Führungsrolle der großen Mitgliedstaaten.

 

Joschka Fischer, deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) und war von 1998 bis 2005 Bundesaußenminister und Vizekanzler

Alexandra Föderl-Schmid,  Journalistin, Korrespondentin in Frankreich für die Süddeutsche Zeitung

Moderation:

Raimund Löw, Journalist, Autor, Historiker
1 Stunde 14 Minuten
SECURITY IN THE GULF: THE DANGER OF RIFTS AMONG MIDDLE POWERS AMID THE IRAN CRISIS

The Gulf Cooperation Council (GCC) publicly reaffirms the principles of collective cooperation, however, as demonstrated in the Iran war, military defence is one of the areas which are far from integrated. During the last months the GCC witnessed a growing rift between once friendly rivals, Saudi Arabia and the United Arab Emirates (UAE). The strategic divergences of these two Gulf monarchies carry serious implications not only for the Gulf but the wider MENA region and even stretch to Yemen, Sudan and the Horn of Africa. The differences span from economic competition, foreign policy priorities, and approaches to regional conflicts – including domestic challenges ahead. Will the Iran war deepen these rifts or even increase the chance of building collective security frameworks?

With high level scholars and practitioners, we will examine the roots of this rift and assess its potential consequences and ways of deescalation.

Marius Bales is a researcher at the Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC), where he has worked since 2016. He studied Political Science and German Studies at the University of Trier and focuses on military technology, arms dynamics, and contemporary forms of warfare, particularly in conflict regions such as the Middle East.

Yasmine Farouk is the Gulf and Arabian Pensinsula Project Director at International Crisis Group. She studied political science at Cairo University, Sciences Po Paris and was a fellow at Yale University. She previously worked at the office of the Egyptian prime minister after the 2011 revolution, supporting civil society participation in the national dialogue and constitutional processes. From 2016 to 2017, she was the director of research at the Cairo International Center for Conflict Resolution, Peacekeeping and Peacebuilding, a think-tank and training centre affiliated with the Egyptian Ministry of Foreign Affairs.

Thomas Demmelhuber is a German political scientist specializing in the politics and societies of the Middle East. He is Professor and Chair of Politics and Society of the Middle East at Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg and Visiting Professor at the College of Europe in Natolin. He is also an author and editor of several academic publications, including the 2025 handbook Die Arabische Halbinsel: Geographie und Politik.

Kristin Diwan is a senior resident scholar at the Arab Gulf States Institute. Her current projects concern generational change, nationalism, and the evolution of Islamism in the countries of the Gulf Cooperation Council. Her analysis of Gulf affairs has appeared in many publications, among them Foreign Affairs, Financial Times, and The Washington Post. She was previously an assistant professor at the American University School of International Service and has held visiting scholar positions at the George Washington University and Georgetown University.

Gudrun Harrer, Lecturer in Modern History and Politics of the Near and Middle East at the University of Vienna and the Diplomatic Academy of Vienna; former Senior Editor at Der Standard (until 2025).
54 Minuten
Solmaz Khorsand im Gespräch mit Düzen Tekkal

WIDERSTAND, ZUSAMMENHALT UND DIE ZUKUNFT VON DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTEN

Die Welt ist aus den Fugen: Das Völkerrecht wird belächelt, autoritäre Regime erstarken, Menschenrechte werden infrage gestellt, Minderheiten sind existenzieller Bedrohung ausgesetzt – im Iran, im Nahen Osten, aber auch mitten in Europa.

Wie gelingt es in so einer Atmosphäre Mitgefühl für andere zu evozieren? Vielleicht sogar das Gefühl von Verantwortung für andere, wenn ihre Menschenrechte mit Füßen getreten werden? Was hält Gesellschaften zusammen, wenn Gewalt, Hass und Polarisierung zunehmen? Und welche Rolle spielen dabei jene, die sich weigern zu schweigen?

Die Kriegsreporterin, Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal hat ihr Leben dem Kampf der Menschenrechte gewidmet. Gemeinsam mit ihren vier Schwestern hat sie nun im Buch „Wut und Wärme“ eine Art Manifest geschrieben, wie sich die Welt durch „Schwesternschaft“ verändern lässt. In ihrem Buch teilen sie ihre Erfahrungen als Töchter einer jesidisch-kurdischen Flüchtlingsfamilie und den Wert von Zusammenhalt, als politischer Kompass, um sich für seine Mitmenschen einzusetzen. Im Gespräch mit der Journalistin Solmaz Khorsand werden zentrale Fragen erörtert, die uns zwischen dem Einsatz für universale Werte und der immer häufiger anzutreffenden selektiven Empathie beschäftigen müssen: Wie entsteht politischer Mut? Wie kann Solidarität konkret werden? Und was bedeutet es heute, Demokratie und Menschenrechte aktiv zu verteidigen?

Düzen Tekkal, vielfach ausgezeichnete Journalistin, Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin. Als Kriegsreporterin, politische Analystin und Gründerin der Organisation HÁWAR.help arbeitet sie seit Jahren an den Brennpunkten von Verfolgung, Krieg und politischer Unterdrückung in Irak, Syrien und zuletzt auch mit Blick auf politische Gefangene im Iran.2021 erhielt sie in Deutschland das Bundesverdienstkreuz für ihre für ihre Verdienste in der Förderung des demokratischen Zusammenlebens.

Moderation:

Solmaz Khorsand, freie Journalistin, Podcasterin und preisgekrönte Autorin mit Schwerpunkt auf gesellschaftspolitischen Themen.
1 Stunde 6 Minuten
Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit Jana Puglierin

WER VERTEIDIGT EUROPA?

Ohne Schutzschild der USA braucht Europa Ideen für die eigene (Selbst-)Sicherheit

Ziehen sich die USA mittelfristig aus Europa zurück, wie es unter Donald Trump den Anschein hat? Dann werden sich die Europäer gegen einen Angriff kaum effektiv verteidigen können. So lautet die Analyse von Jana Puglierin, Leiterin des Berlin-Büros des European Council for Foreign Relations ECFR. In ihrem Buch „Wer verteidigt Europa?“ zeigt die Außenpolitik-Expertin die Bedrohungen, mit denen Europa konfrontiert ist: konventionell, hybrid, atomar. Davon ausgehend rät sie, was jetzt dringend geschehen muss, damit Europa verteidigungsfähiger wird – und warum genau das der richtige Weg ist, um von vornherein zu verhindern, dass ein russischer Angriff Realität wird.

Im Gespräch mit Jana Puglierin werden folgende Fragen diskutiert: Welche militärischen und nicht-militärischen Fähigkeiten die Europäer brauchen, um im Ernstfall Europas Verteidigung garantieren zu können. Nach Jahrzehnten pazifistischen Denkens stellen sich 2026 erschreckende, aber auch notwendige Fragen: Sollten EU-Staaten ein stehendes Heer finanzieren? Muss der Wehrdienst verlängert werden? Was bedeuten hybride Kriegsführung und Drohnenkriege für Staatshaushalte? Und: Brauchen friedliche Demokratien wie Deutschland Atomwaffen zur Abschreckung?

 

Jana Puglierin, ist Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations und eine der profiliertesten deutschen Expertinnen zum Thema Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Deutschland. Seit 2023 ist sie Mitglied des Beirats der Bundesregierung für zivile Krisenprävention und Friedensförderung. In ihrer Handelsblatt-Kolumne «Geoeconomics» sowie in Talkshows und Beiträgen für diverse Medien kommentiert sie regelmäßig das Zeitgeschehen.

Tessa Szyszkowitz ist eine österreichische Journalistin, Autorin und Historikerin („Trauma und Terror“, Böhlau, 2008). Ihr jüngstes Buch: „Echte Engländer – Britannien und der Brexit“, (Picus, 2018) Sie ist Distinguished Fellow am britischen Verteidigungs-ThinkTank Royal United Services Institute RUSI in London und Kuratorin des Kreiskyforums.
1 Stunde 15 Minuten
Vedran Dzihic im Gespräch mit Krsto Lazarević, Franziska Tschinderle und Danijel Majić

DER WESTBALKAN

Im Wartezimmer der EU

 

Seit dem Krieg in der Ukraine wird wieder über etwas diskutiert, das schon fast für tot erklärt wurde: Die Erweiterung. Die EU will wieder neue Mitglieder aufnehmen, zumindest signalisiert das die Kommission in Brüssel. Aber kann das gelingen? Eine Union, die von Helsinki bis Tirana, von Lissabon bis nach Chisinau reicht?

Sicher ist: Noch nie in der Geschichte der EU gab es so lange keine Erweiterung. Fast ein Vierteljahrhundert schon warten sechs Staaten auf dem so genannten Westbalkan auf ihre Mitgliedschaft. Ein neues Buch beleuchtet ihr Schicksal im Warteraum der EU. Wird Montenegro das 28. Mitglied der EU? Kann man ein Land wie Serbien, wo Präsident Vučić zunehmend autoritär regiert und historisch enge Verbindungen zu Russland bestehen, wirklich aufnehmen? Und warum gilt das kleine Albanien plötzlich als neuer Frontrunner?

Die Journalistin Franziska Tschinderle sowie die Journalisten Krsto Lazarević und Danijel Majić berichten seit Jahren aus der Region. In ihrem Buch lassen sie vielfältige Perspektiven zu Wort kommen und analysieren die zentralen politischen Konflikte und Akteure. Den Namensstreit um Nordmazedonien, die politische Blockade in Bosnien-Herzegowina, die jüngsten Korruptionsaffären in Albanien sowie die Massenproteste in Serbien. Vor allem aber die große Frage, die über der Erweiterung schwebt: Müssen wir wieder wachsen, um ein geopolitischer Akteur zu werden? Oder könnten wir am Ende daran zerbrechen?

Darum und um vieles mehr wird es bei der Diskussion im Kreisky Forum gehen.

 

Krsto Lazarević, geboren 1989, ist Journalist. Er berichtete für deutschsprachige Medien aus Belgrad, Sarajevo und Wien über Südosteuropa. Außerdem arbeitete er im Europäischen Parlament und für die europäische Presseschau euro|topics. Er ist neben Danijel Majic´ einer der beiden Hosts des Podcasts „Neues vom Balla-balla-Balkan“.

Franziska Tschinderle, geboren 1994, ist Journalistin mit dem Schwerpunkt Süd-osteuropa. Sie schreibt für das Außenpolitik-Ressort des österreichischen Nachrichtenmagazins profil. Seit 2022 lebt sie in der albanischen Hauptstadt Tirana und berichtet von dort für diverse deutschsprachige Medien.

Danijel Majić, geboren 1981, arbeitet als freier Journalist vor allem für den Hessischen Rundfunk. Zuvor war er lange Jahre Redakteur der Frankfurter Rundschau. Zusammen mit Krsto Lazarevic´ produziert und moderiert er den Podcast „Neues vom Ballaballa-Balkan“.

Moderation:

Vedran Dzihic, Senior Researcher am Österreichischen Institut für Internationale Politik (oiip); unterrichtet an der Universität Wien und an der Universität für Angewandte Kunst Wien; Leiter des Center of Advanced Studies Southeastern Europe an der Universität Rijeka, Mitglied von „Balkans in Europe Policy Advisory Group“ (BiEPAG); er koordiniert gemeinsam mit Partnern die Engaged Democracy Intitative (EDI) des European Fund for the Balkans.
1 Stunde 15 Minuten
Robert Misik im Gespräch mit Linda Kreuzer und Wolfgang Palaver

DONALD TRUMP UND DIE GOTTESKRIEGER

Politische Theologie 2.0

„Trumps Gotteskrieger“ titelte der „Spiegel“ vor einigen Wochen. Tatsächlich bildet sich in den USA eine eigentümliche neue Allianz aus High-Tech und einem neuen christlichen Fundamentalismus, der nicht nur die üblichen evangelikalen Milieus umfasst, sondern auch den Neo-Katholiken und Vizepräsidenten J. D. Vance. Der Tech-Milliardär Peter Thiel wiederum beschäftigt sich im Nachklang an Carl Schmitts „politische Theologie“ und andere Quellen zunehmend mit Apokalyptik und spricht vom „Katechon“, der den „Antichristen“ aufhält.

Wolfgang Palaver, Innsbrucker Theologe, ist als ebenso kritischer wie intensiver Gesprächspartner Thiels bekannt – und ein guter Kenner des neuen „Denkens des Silicon Valley“.

Linda Kreuzer wiederum beschäftigt sich mit der Ästhetisierung des Ideologischen, insbesondere etwa am Beispiel der „US-amerikanischen katholischen Trad-Wives“, also Frauen, die auf moderne Weise einen traditionellen, frommen Lebensstil propagieren.

Geht das alles über die gewohnte „Religiösisierung“ der US-Politik hinaus? Welche Bedeutung haben autoritäre Ideologien, welches Gewicht ihre theologische Grundierung? Was hat es mit dem christlichen Fundamentalismus auf sich? Und wie denkt das Valley?

 

Linda Kreuzer, Universitätsassistentin an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, Fachbereich Sozialethik

Wolfgang Palaver, Professor em. für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Innsbruck und Präsident von Pax Christi Österreich; als Lehrbeauftragter an der PTH Brixen in den theologischen und religionspädagogischen Studiengängen sowie im USG Angewandte Ethik tätig; seit April 2025 Sonderbeauftragten gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Moderation:

Robert Misik, Autor und Journalist
1 Stunde 5 Minuten
ONLINE EVENT via Zoom on 24 March 2026

Gudrun Harrer in conversation with Mehrzad Boroujerdi, Danny Citrinowicz and Walter Feichtinger

THE IRAN WAR: FROM REGIONAL CONFLICT TO GLOBAL CONSEQUENCES

The Iran war and its political and economic repercussions in the region – even if eventually it should be halted – carry the danger to evolve into one of the most consequential geopolitical crises in recent years. The conflict began on 28 February 2026, when coordinated airstrikes by the United States and Israel targeted sites across Iran, triggering a wave of Iranian retaliatory missile and drone attacks against Israel and Arab countries. What US president Donald Trump thought to be a limited strategic military operation against the Iranian regime has since expanded into a wider confrontation affecting multiple countries, global energy markets, and international security.

This panel discussion will examine the causes, escalation dynamics, and potential outcomes of the conflict. We will react to latest developments.

Mehrzad Boroujerdi, Vice Provost and Dean of College of Arts, Sciences, and Education at Missouri University of Science and Technology.

Danny Citrinowicz, nonresident fellow with the Atlantic Council’s Middle East Programs, fellow at the Institute for National Security Studies. Previously, he was senior fellow at the Institute of Policy and Strategy (IPS) and the Abba Eban institute at Reichman University.

Walter Feichtinger, former Austrian brigadier in the Austrian Armed Forces and a political scientist. From 2002 to 2020, he was Director of the Institute for Peacekeeping and Conflict Management at the National Defence Academy in Vienna.

Moderation:

Gudrun Harrer, Lecturer in Modern History and Politics of the Near and Middle East at the University of Vienna and the Diplomatic Academy of Vienna; former Senior Editor at Der Standard (until 2025).
1 Stunde 3 Minuten
Buchpräsentation & Podiumsdiskussion

Die Kunst des Widerstands

Von Marx bis Kafka, von Orwell bis Butler

Angesichts einer Welt, die in Tyrannei und neuem Autoritarismus zu versinken droht, heißt die Kunst der Stunde Widerstand. Es gilt, der Versuchung zu trotzen, eine komplexe Welt in lächerliche Eindeutigkeiten aufzulösen, und die Falle übergroßer Gemäßigtheit zu vermeiden.

Radikal in Ambition, vernünftig in Stil und Ton, gewinnend und den Menschen zugewandt – diese Richtschnur zieht sich wie ein roter Faden durch die preisgekrönten Essays von Robert Misik.

Mit Verve setzt sich der Autor zwischen alle Stühle. Misik stemmt sich gegen die »Zerstörung der Vernunft« durch den neuen Faschismus und nimmt zugleich manche Verrücktheiten der heutigen Linken aufs Korn. Die politischen Verwüstungen unserer Zeit beschreibt er mit kulturellem Tiefgang, so wie er die politische Radikalität von Künstlern wie Annie Ernaux, Franz Kafka, Pier Paolo Pasolini oder George Orwell für unsere Zeit freilegt.

Zeynep Buyraç, Schauspielerin, Burgtheater-Ensemble-Mitglied und Vorsitzende von SOS Mitmensch

Jens Kastner, Soziologe und Kunsthistoriker und unterrichtet an der Akademie der bildenden Künste Wien

Robert Misik, Autor und Journalist

Moderation:

Jutta Bichl, Politikwissenschafterin und Mitarbeiterin des Bruno Kreisky Forumsl
1 Stunde
Robert Misik im Gespräch mit Wolfgang Schmidt

WIE KANN MAN HEUTE NOCH REGIEREN, HERR SCHMIDT?

Aus dem Maschinenraum der Macht

Regieren heute: Schwierigkeiten, Kompliziertheiten und Dilemmata. In welches Land man blickt, frustrierte Wähler und Kommentatoren in den Medien sind sich einig: Die Regierenden bringen nichts zuwege, sie verkeilen sich in Konflikte, alles geht zu langsam. Zugleich setzen sich die Parlamente zunehmend aus einer Vielzahl von Mittel- und Kleinparteien zusammen, die in der Folge in komplizierte Koalitionen gezwungen sind, die andauernd Kompromisse erfordern – was dann die Frustration erst recht erhöht.

Wie ist in einer solchen Szenerie Regieren überhaupt noch möglich – und wie können Erwartungshaltungen der Bevölkerung erfüllt werden? Wie hält man im Maschinenraum von Regierungen die Partner zusammen und sorgt dafür, dass geräuschlos etwas weiter geht? Wie verfolgt man langfristige Pläne, deren Früchte dann allenfalls Nachfolgeregierungen ernten?

Und nicht zuletzt: Wie ist progressives Regieren im 21. Jahrhundert möglich – und wie bringt man die europäischen Sozialdemokratien wieder nach vorne.

Es gibt wahrscheinlich kaum einen besseren Gesprächspartner für all diese Themen als Wolfgang Schmidt, dem Weggefährten von Olaf Scholz, Kanzleramtsminister der Ampelkoalition und vormaligen Staatssekretär im deutschen Bundesfinanzministerium.

Wolfgang Schmidt (* 23. September 1970 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD). Von 2021 bis 2025 war er Bundesminister für besondere Aufgaben und als solcher Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion war er außerdem Beauftragter für die Nachrichtendienste des Bundes. Von März 2011 bis März 2018 war Schmidt Staatsrat der Senatskanzlei Hamburg und Bevollmächtigter der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, bei der Europäischen Union und für Auswärtige Angelegenheiten und im Anschluss bis Dezember 2021 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen.

Moderation:

Robert Misik, Autor und Journalist
1 Stunde 8 Minuten
Irene Horejs in conversation with Mariano de Alba, Feliciano Reyna-Ganteaume, Roxanna Virgil

WHAT NEXT FOR VENEZUELA UNDER THE “DONROE DOCTRINE”?

In cooperation with the Reseach Group Latin America/University of Vienna and Österreichisches Lateinamerika Institut

On January 3rd  2026, the US launched a military attack against Venezuela´s capital Caracas and captured president Nicolas Maduro and his wife. Little later, US President Trump announced the detention of Maduro for his alleged involvement in “narco-terrorism”. Underlining somehow the renewed US aspiration for hegemony in the region, he also announced the US would “run” Venezuela, seize its oil exports and manage oil revenues “for the good of the American and the Venezuelan people”.

Although clearly in breach of international law, critique of the US attack was rather timid both within the US and among the international community. The EU issued a flaw statement reinstating the need for respect to international law in very general terms and Latin-American countries remained divided on the issue.

Many Venezuelans living outside the country reacted joyful in hope for regime change and the end of political repression and the deep humanitarian crisis in the country which had pushed 8 million Venezuelan into exile, mostly in neighboring countries and the US.

Yet, President Trump sidelined Peace Nobel Prize winner Maria Corina Machado and Delcy Rodriguez, Vicepresident of Nicolas Maduro was sworn as Venezuela’s new president leaving the government of the country largely unchanged and many questions about the US plans for Venezuela so far without clear answers. What comes next for Venezuela – is there any hope for regime change, for political prisoners, for humanitarian relief and economic recovery? What does this renewed hegemonic US policy – called by some “the Donroe-doctorine” mean for the region, in particular for “Venezuela´s allied like Cuba and Nicaragua?

Panelists:

Roxana Vigil, international affairs fellow at the Council on Foreign Relations, former director for Andean affairs at the National Security Council, Washington, online 

Mariano de Alba, Venezuelan lawyer specialized in international law Associate Fellow at the International Institute for Strategic Studies, London; former expert on Venezuela for the International Crisis Group.

Feliciano Reyna-Ganteaume, Venezuelan human rights activist, member of the coordination platform of humanitarian NGOs and co-author of various reports on the human rights situation in Venezuela for the UN Human Rights Council

Moderator:

Irene Horejs, Former EU Ambassador, curator at the Bruno Kreisky Forum specialized on Africa and Latinamerica as well as development and humanitarian policy