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Kreisky Forum Talks Archiv

399 Episoden
52 Minuten
„Der Kompromiss hat eine Ehrenrettung verdient. Zanettis Buch  dekliniert die Formen, Umstände und Dilemmata beim Kompromisse-finden  durch, ist aber zugleich eine große Lobpreisung des Kompromisses.“

Robert Misik

Kompromisse sind nicht beliebt, aber im Alltag so unentbehrlich wie  in der Politik. Das liegt daran, dass konfligierende Interessen und  Überzeugungen oft prinzipiell nicht zur Deckung gebracht werden können.  Dann ist es vernünftig, sich auf eine gewaltfrei und gemeinschaftlich  ausgehandelte »zweitbeste Lösung« einzulassen – auf einen Kompromiss.  Nichtsdestoweniger haben Kompromisse einen schlechten Ruf. Gerne ist von  „faulen Kompromissen“ die Rede, die alles verwässern würden.  Kompromisse brauchen auch Zeit, sorgen für Schneckentempo. Aber zugleich  gibt es praktisch keine gesellschaftlichen Fortschritte, die nicht in  Kompromissen verwirklicht wurden. Der Kompromiss selbst ist eine Tugend:  Er lebt von der Bereitschaft, einen Konsens zu finden. Bei der  Kompromissfindung werden viele Gesichtspunkte beachtet, sie sind oftmals  „klüger“ als die divergierenden Ausgangspositionen. Der Dialog, der den  Kompromiss begleitet, führt also zu schlaueren Ergebnissen.

Véronique Zanetti zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie sich  verschiedene Spielarten des Kompromisses in individuellen und sozialen  Entscheidungsprozessen, in Politik, Moral und Recht je anders gestalten  und führt uns auf eine philosophische Reise durch die Welt der  Kompromisse.

Mit Robert Misik spricht die Philosophin über ihr neues Buch.

Véronique Zanetti, Professorin für politische Philosophie an der Universität Bielefeld

Robert Misik, Autor und Journalist
54 Minuten
Wie kommt es, dass wir uns den Verhältnissen unterordnen? Oder mit  Spinoza gefragt: Wie kommt es, dass „die Menschen für ihre Knechtschaft  kämpfen, als sei es für ihr Heil“? Diese Frage gilt es zu allen Zeiten  neu zu stellen, erst recht jedoch in Zeiten von Krisen und  Verunsicherungen. Die Antwort heute muss lauten: Es ist der Narzissmus,  der Narzissmus als gesellschaftliche Forderung an jeden Einzelnen: Du  musst mehr werden, als du bist, du musst zu deinem Ideal werden. Was  aber bedeutet es für die Gesellschaft, wenn dieses antigesellschaftliche  Prinzip zur herrschenden Ideologie wird?

In ihrem neuen Buch erklärt die Philosophin Isolde Charim  beeindruckender Klarheit, was uns dazu bringt, uns freiwillig zu  unterwerfen. Im Kreisky Forum spürt sie diesen „Qualen des Narzissmus“  im Gespräch mit Franz Schuh nach.

Isolde Charim, geboren in Wien, Studium der  Philosophie in Wien und Berlin, arbeitet als freie Publizistin und  ständige Kolumnistin der „taz“ und des „Falter“. 2006 erhielt sie den  Publizistik-Preis der Stadt Wien. Seit 2007 ist sie wissenschaftliche  Kuratorin am Bruno Kreisky Forum. Bücher u.a.: „Lebensmodell Diaspora.  Über moderne Nomaden“ (Hrsg. gem. mit Gertraud Auer 2012). Bei Zsolnay  erschien im Frühjahr 2018 der Band „Ich und die Anderen. Wie die neue  Pluralisierung uns alle verändert“, für den sie den Philosophischen  Buchpreis 2018 erhält. 2022 erhielt sie den Österreichischen Staatspreis  für Kulturpublizistik.

Franz Schuh, geb. 1947 in Wien, studierte  Philosophie, Geschichte und Germanistik. Er erhielt u.a. 2006 den Preis  der Leipziger Buchmesse, 2011 den Österreichischen Kunstpreis und 2021  den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Bei  Zsolnay erschienen zuletzt Sämtliche Leidenschaften (2014), Fortuna. Aus  dem Magazin des Glücks (2017) und Lachen und Sterben (2021). 2022 wurde  er mit dem Bruno Kreisky Preis für das politische Buch für sein  Lebenswerk ausgezeichnet.
1 Stunde 3 Minuten
The death of a detained young woman in Teheran who had been arrested  for ‚bad hijab‘ has provoked demonstrations which started in Kurdistan –  Mahsa Amini was Kurdish and Sunni – but evolved into nationwide  protests of the Iranian civil society against the enforced rules by the  Islamic Republic’s regime and against the system in general. It is a  particularly sensitive time for Iran because the end of Ali Khamenei’s  leadership era is foreseeable. A normalisation of relations with ‚the  West‘ through a reactivation of the nuclear deal (JCPOA) has failed so  far. Tensions are intensifying because of Iran’s ‚alliance‘ with Russia.

Erzsébet Rózsa is a Professor at the National  University of Public Service, Budapest and a Senior Research Fellow at  the Institute for World Economics of the Hungarian Academy of Sciences.  She is also an External Fellow at the Institute for Foreign Affairs and  Trade, Budapest. Her fields of research include the political, security  and social processes of the Middle East, Egypt, Iran, the Iranian  nuclear debate, nuclear non-proliferation, as well as the  Euro-Mediterranean cooperation institutions. Erzsébet N. Rózsa holds an  MA in Arabic Studies, Iranian Studies and English Studies, and a PhD in  International Relations.

Gudrun Harrer, Senior Editor at Der Standard, Lecturer on Modern History and Politics of the Middle East, University of Vienna and Diplomatic Academy of Vienna
1 Stunde 19 Minuten
Nach dem Wahlsieg der Fratelli d’Italia wird Giorgia Meloni ziemlich sicher die erste rechtsextreme Regierungschefin Europas. Eine Zerreißprobe für die EU. Ungarn und Polen bekommen mit ihren nationalistischen Positionen eine Verbündete. Wie weit Italien nach rechts treibt, fragt der Politikwissenschaftler Helfried Carl den Journalisten Lorenz Gallmetzer im Bruno Kreisky Forum.

Die Veranstaltung fand am 6. Oktober 2022 statt.
47 Minuten
Marlene Engelhorn, geboren 1992, studiert Germanistik an der Universität Wien und hat u.a. im Bereich der Nachhilfe und der Sprachtrainings gearbeitet. Als sie von ihrer hohen Erbschaft erfährt, beginnt sie sich mit den Ideen der Guerrilla Foundation auseinanderzusetzen, die sie heute als Radical Philanthropy Advisor berät. Sie ist Mitglied bei den „Millionairs for Humanity“ und Mitgründerin der Initiative „taxmenow“. Engelhorn tritt vehement für eine Erbschaftssteuer ein und erhebt ihre Stimme in der öffentlichen Debatte zu Steuer- und Verteilungsgerechtigkeit. Mit Robert Misik hat sie am 27. September 2022 über ihr gerade erschienenes Buch GELD (Verlag Kremayr & Scheriau) gesprochen. 
45 Minuten
Der Kommentator der Financial Times, Gideon Rachman spricht über die Welt der Autokraten: Von Putin über Trump bis Xi Jinping. Wie gefährden diese sogenannten starken Männer unsere Demokratie? Eine Debatte mit London-Korrespondentin Tessa Szyszkowitz im Bruno Kreisky Forum Vvom 12. September 2022.
51 Minuten
Judith Kohlenberger im Gespräch mit Jürgen Pettinger

DAS FLUCHTPARADOX

Über unseren widersprüchlichen Umgang mit Vertreibung und Vertriebenen  

Flucht ist ein Widerspruch: Man will bleiben, muss aber weg. Flucht ist traumatisierend: Man sucht Sicherheit, muss dafür aber sein Leben aufs Spiel setzen. Und Flucht (nach Europa) ist paradox: Man muss Recht brechen, nämlich „illegal“ Grenzen passieren, um zu seinem Recht auf Asyl zu kommen. Nur um sich im Aufnahmeland abermals mit widersprüchlichen Anforderungen und unerfüllbaren Zuschreibungen der Integration auseinandersetzen zu müssen.  

Die Fluchtforscherin Judith Kohlenberger liefert eine detaillierte Analyse unseres Umgangs mit Vertreibung und Vertriebenen, zeichnet die historischen und rezenten Entwicklungen, nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine, in rechtlicher, gesellschaftlicher und individueller Perspektive nach und zeigt, wie wir zu einer menschlichen Asyl- und Integrationspolitik kommen, wenn wir unsere moralische Verantwortung wahrnehmen, kurz: wenn wir der Stärke unserer Institutionen, unseres Rechtsstaats und unserer Zivilgesellschaft vertrauen.  

Judith Kohlenberger ist Kulturwissenschaftlerin und Migrationsforscherin am Institut für Sozialpolitik der WU Wien, wo sie zu Fluchtmigration, Integration und Zugehörigkeit forscht und lehrt. Im Herbst 2015 war sie an einer der europaweit ersten Studien zur großen Fluchtbewegung beteiligt. Ihre Arbeit wurde in internationalen Journals veröffentlicht und mit dem Kurt-Rothschild-Preis 2019 sowie dem Förderpreis der Stadt Wien ausgezeichnet.

Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist sie im Integrationsrat der Stadt Wien tätig und engagiert sich als Gründungsmitglied von COURAGE – Mut zur Menschlichkeit für legale Fluchtwege.  

Moderation: Jürgen Pettinger, Journalist, Autor und Moderator  

In Zusammenarbeit mit Kremayr & Scheriau  

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 7. September 2022

Judith Kohlenberger: DAS FLUCHTPARADOX Über unseren widersprüchlichen Umgang mit Vertreibung und Vertriebenen

Kremayr & Scheriau, ISBN: 978-3-218-01345-1; 240 Seiten, auch als e-book erhältlich
56 Minuten
Die Politikwissenschaftlerin Lea Ipy spricht über ihr Buch „Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte“ . Ein Rückblick auf eine Extremsituation in der Zeit des Kalten Krieges im Gespräch mit Tessa Szyszkowitz im Bruno Kreisky Forum Wien.

14.8.2022
58 Minuten
Die russische Historikerin Irina Scherbakowa, Mitbegründerin der mittlerweile verbotenen Menschenrechtsorganisation "Memorial", zieht nach vier Monaten Krieg eine düstere Bilanz für ihr Land. Sie hören ein Gespräch mit Moskau-Korrespondentin Carola Schneider im Bruno Kreisky Forum.

2.7.2022
25 Minuten
Eva Menasse über die politische Moral zu Bruno Kreiskys Zeit und heute. Sie hören die Dankesrede der Autorin und Journalistin bei der Verleihung des Bruno Kreisky-Preises für das politische Buch, den sie für ihren Roman "Dunkelblum" erhielt. Eine Veranstaltung im Kreisky Forum.

14.6.2022
1 Stunde 4 Minuten
Der anglo-niederländische Kommentator Ian Buruma seziert Attacken von innen und von außen auf die liberale Demokratie, Chinas Vormarsch und den Ukrainekrieg. Ein Gespräch mit der Außenpolitikexpertin Eva Nowotny im Bruno Kreisky Forum.

12.6.2022
51 Minuten
Der SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil spricht mit Robert Misik über Friedenspolitik, Olaf Scholz, den Krieg, unsere Sicherheit und die Wirtschaft. Zur Verfügung gestellt vom Bruno Kreisky Forum.

4.6.2022
44 Minuten
When we lose someone we love, when we suffer loss or defeat, when catastrophe strikes—war, famine, pandemic—we go in search of consolation. Once the province of priests and philosophers, the language of consolation has largely vanished from our modern vocabulary, and the places where it was offered, houses of religion, are often empty. Rejecting the solace of ancient religious texts, humanity since the sixteenth century has increasingly placed its faith in science, ideology, and the therapeutic.

How do we console each other and ourselves in an age of unbelief? In a series of lapidary meditations on writers, artists, musicians, and their works—from the books of Job and Psalms to Albert Camus, Anna Akhmatova, and Primo Levi—esteemed writer and historian Michael Ignatieff shows how men and women in extremity have looked to each other across time to recover hope and resilience. Recreating the moments when great figures found the courage to confront their fate and the determination to continue unafraid, On Consolation takes those stories into the present, movingly contending that we can revive these traditions of consolation to meet the anguish and uncertainties of our precarious twenty-first century.

Michael Ignatieff, Rector Emeritus and currently Professor of History at the Central European University in Vienna, is the author of several acclaimed books, among them The Ordinary Virtues: Moral Order in a Divided World (2017), Fire and Ashes: Success and Failure in Politics (2013), The Lesser Evil: Political Ethics in an Age of Terror (2004), Human Rights as Politics and Idolatry (2001), The Rights Revolution (2000), Isaiah Berlin (1998), Scar Tissue (1992. He writes regularly for the New York Times, the New York Review of Books and the London Review of Books.

His most recent book On Consolation. Finding Solace in Dark Times was published by Metropolitan Books, New York, in autumn 2021 (ISBN 9780805055214; available also as e-book) and a German translation – Über den Trost in dunklen Zeiten – by Ullstein Verlag (ISBN: 9783550201981)

Philipp Blom is Historian, Author, Journalist and Translator

Recorded at Kreisky Forum, May 18, 2022
1 Stunde 11 Minuten
Iraq voted on October 10th of last year, in snap elections meant to address the causes of the nationwide protests of 2019 which toppled the previous government. Lengthy government formation processes are not unusual in Iraq, however, it seems that the elections of 2021 brought to an end the informal agreements – also within confessional and ethnical groups – which dominated the political landscape since the first elections in 2005 after Saddam Hussein’s fall. What could have been seen as a hope for normalization of politics in Iraq, led to a constitutional impasse and threatens the stability of the country.     

Harith Hasan is a senior researcher at the Emirates Policy Center and non-resident fellow at the Carnegie Middle East Center. His research focuses on Iraq and the Middle East.   

Gudrun Harrer, Senior Editor at Der Standard, Lecturer on Modern History and Politics of the Middle East, University of Vienna and Diplomatic Academy of Vienna  

Recorded on ZOOM, May 17, 2022
56 Minuten
For several years Kathleen Stock has been in the centre of a storm that is raging in Britain: Should gender be defined by self-identification or birth? Is sex a biological fact or can it be changed? For her point of view on the necessity for public female spaces and for stating that transgender women can never be women she drew heated criticism from the transgender community. 

In the talk with Tessa Szyszkowitz Kathleen Stock will explain the theory of her book Material Girls: Why Reality Matters for Feminism. One of the central questions: Should discrimination law prioritise protecting gender identity – crucial to trans people – or biological sex, on which women’s rights have historically depended? For Stock the answer is clear: Transgender women are a legal fiction. But she also argues that both sides in this debate – transgender activists and gender-critical feminists like her should become more non-binary.  

Kathleen Stock is an author and writer. Her book Material Girls: Why Reality Matters for Feminism offers a offers a broad discussion of gender identity theory. She quit her position as professor of philosophy at the University of Sussex last October. She felt bullied by a campaign of transgender activists.  

Tessa Szyszkowitz is a journalist, writer and historian currently working for Falter, profil & Cicero. Her last book was Echte Engländer, Britain & Brexit (2018). She is also Senior Associate Fellow at the Royal United Services Institute in London.    

Material Girls, Warum die Wirklichkeit für den Feminismus unerlässlich ist, erschien im April 2022 im Verlag edition TIAMAT auf Deutsch.  

Recorded at Kreisky Forum, May 16, 2022