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7 Tage 1 Song Archiv

344 Episoden
7 Minuten
Heute schauen wir uns eine Hymne an, die wahrscheinlich fast jeder von euch mitsingen kann. Ein Song, der Stadien füllt, der Menschen zum Weinen bringt und der wie kaum ein zweiter für das Loslassen steht: „Don’t Look Back in Anger“ von Oasis. 

Die Zeile „Don’t look back in anger“ – blicke nicht im Zorn zurück – ist fast schon zu einem geflügelten Wort geworden. Aber was bedeutet das eigentlich, wenn das Leben, die Familie oder die beste Freundschaft in Scherben liegt? Wie findet man Orientierung, wenn der Zorn alles vernebelt? Wir reisen heute durch den Song, durch die reale Geschichte der Gallagher-Brüder und durch den aktuellen Dokumentarfilm über ihr Comeback. Vor langer Zeit (Folge 17) habe ich eine Noel und Liam Folge zu Aquiesque/Anerkennung gemacht – da habe ich sie mit Kain und Abel verglichen, bei denen die Geschichte nicht so gut ausgegangen ist. Warum ging es bei den Gallagher Brüdern besser aus – darum wird es heute gehen.

Im Jahr 2024 ließen Noel und Liam die Waffen sinken. Stattdessen haben sie im Hier und Jetzt neu angesetzt. Sie haben angefangen, sich über alltägliche Dinge auszutauschen, sich lustige Videos zu schicken. Ihre Kinder haben sich angefreundet.

Das gibt uns eine enorme Orientierung für unsere eigenen Konflikte. Wir glauben oft, eine Versöhnung sei erst dann perfekt, wenn der andere zu Kreuze kriecht und alles haarklein zugibt. Aber der Film zeigt uns: Wahre Versöhnung braucht manchmal gar keine „große Aussprache“. Manchmal reicht es, die Vergangenheit einfach Vergangenheit sein zu lassen, sie nicht mehr umzugraben und stattdessen Schritt für Schritt neue, unbelastete Rituale im Alltag aufzubauen. Das nimmt den Druck raus. Es ist das Eingeständnis: Wir müssen nicht alles klären, um wieder miteinander gehen zu können.

Foto Joshua Halling

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11 Minuten
Im September hatten wir in Grevenbroich eine Schlager-Andacht. Einige haben sich die Ansprache gewünscht, das mache ich dann jetzt einfach als Podcast Folge.

Wir leben in einer Zeit, in der viele ständig zeigen sollen, wie gut sie ihr Leben im Griff haben. Schöne Bilder, gute Nachrichten, perfekte Urlaube, perfekte Familien, perfekte Meinungen. Und wenn man nicht aufpasst, entsteht schnell der Eindruck: Alle anderen kommen wunderbar klar – nur ich irgendwie nicht.

Da sind Orte wichtig, an denen man diese Fassade einmal ablegen kann.

Orte, an denen man sagen darf:

„Heute ist nicht mein Tag.“

Oder:

„Ich weiß gerade nicht weiter.“

Oder einfach:

„Schön, dass du da bist.“

Früher waren solche Orte oft die Kneipen im Dorf oder im Stadtteil. Man kannte sich. Man kam einfach herein. Vielleicht wusste man nicht immer genau, worüber man reden wollte. Aber man war da. Und meistens fand sich jemand, der mit am Tisch saß.

Doch viele Kneipen machen zu. Die letzte Kneipe verschwindet, der Stammtisch löst sich auf – und plötzlich gibt es keinen selbstverständlichen Ort mehr, an dem Menschen sich begegnen.

Und auch die Kirchen erleben: Die Bänke werden leerer. Gottesdienste werden weniger besucht. Manchmal fragt man sich:

Wo treffen sich die Menschen eigentlich noch?

Nicht nur digital. Nicht nur schnell zwischendurch. Sondern wirklich. Von Angesicht zu Angesicht. Mit Zeit. Mit Geschichten. Mit einem Platz, an dem man bleiben kann.

Die Geschichte von Jesus zeigt uns, Gott begegnet Menschen nicht nur in großen Worten und feierlichen Formen. Manchmal begegnet Gott dort, wo Menschen miteinander unterwegs sind, ehrlich miteinander reden und am Ende an einem Tisch sitzen.

Vielleicht auch dort, wo jemand sagt:

„Komm, setz dich erst einmal.“

Zusammenkommen ist kein Luxus. Denn Menschen brauchen Begegnung.

Wir brauchen andere, die uns zuhören. Wir brauchen Gespräche, die nicht nur aus kurzen Nachrichten bestehen. Wir brauchen jemanden, der mit am Tisch sitzt, wenn das Leben gerade schwierig ist.

Und wir brauchen Orte, an denen nicht sofort gefragt wird:

„Was hast du erreicht?“

„Was kannst du leisten?“

„Auf welcher Seite stehst du?“

Sondern eher:

„Wie geht’s dir wirklich?“

„Was beschäftigt dich?“

„Komm, setz dich erst mal.“

Das klingt vielleicht schlicht. Aber es ist alles andere als unwichtig.

Eine Gesellschaft lebt davon, dass Menschen miteinander im Gespräch bleiben. Dass man sich nicht sofort abschreibt, nur weil jemand anders denkt. Dass man einander aushält, auch wenn es manchmal anstrengend wird.

Foto:  Ariola/eurodisc

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7 Minuten
Diese Folge ist mit Birgit Fuß, die manche vielleicht vom Musikmagazin Rolling Stone kennen. Sie ist auch Autorin mehrere Bücher - unter anderem auch eins über U2, das im Reclam Verlag erschienen ist. Die Band U2 gibt es in diesem Herbst seit 50 Jahren in derselben Besetzung, das ist schon sensationell. Birgit bedeutet die Musik von U2 und auch ihr konsequenter Lebensweg sehr vie. Sie hat sie mit 15 zum ersten Mal live gesehen - das war 1987.  Inzwischen hat sie die Band ein paar Mal getroffen, davon erzählt sie auch in ihrem Buch. In der Zeit, wo diese Folge erscheint, war sie gerade auf Lesereise ihr Freund und Rolling Stone Kollege Max Gösche unterstützte sie dabei mit tollen Versionen von U2 Songs. Bei diesen Veranstaltungen konnte man auch etwas von Birgits persönlichen Begegnungen mit der Band erfahren. Das Schönste an solchen Abenden ist auch immer der Austausch mit anderen U2 Fans, dabei kann man hören, wieviel diese Musik und auch die 4 Musiker den Menschen bedeuten. Das Motto der Lesereise von Birgit und Max lautet:  You Can Dream so Dream Out Loud. Das ist eine Zeile aus „Acrobat“ vom Album Achtung Baby von 1991 und um diesen Song geht es in dieser Folge.

you can dream, so dream out loud

Glaube ist keine perfekt inszenierte Aufführung, sondern eine gelebte, brüchige Wirklichkeit. Darum braucht es ehrliche Gemeinschaften, in denen Verletzlichkeit nicht weggelächelt, sondern benannt und gemeinsam getragen wird — Wir brauchen Orte, an denen die Maske abgenommen werden darf und Menschen nicht für ihr Scheitern bestraft werden, sondern eingeladen werden, weiter zu üben. Das ist oft ein Drahtseilakt – daher sind wir alle in irgendeiner Weise Glaubens-Drahsteil-Akrobaten

Foto Helena Christensen

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19 Minuten
Nils Neumann hat einen Aufsatz geschrieben „Propheten der Endzeit – Apokalyptische Rhetorik im Punk und im Neuen Testament“ dieser Aufsatz findet sich im neuen Jahrbuch für Biblische Theologie und behandelt apokalyptische Sprach- und Denkmuster. Der Aufsatz zeige, wie amerikanische Punkbands während der ersten Trump-Legislatur biblische Rhetorik aufnehmen und diese gegen den christlichen Nationalismus ihrer Zeit zum Einsatz bringen. Im Podcast erfahrt ihr, wie Punk Musik helfen kann urchristliche Entwicklungen besser zu verstehen. Ich freue mich, dass Nils in dieser Folge dabei ist.

In dieser Folge kannst du überlegen Team Church – Team Punk/Skate – was spricht mich da an? Die Energie und die Stimmung macht mich jedenfalls neugierig – hier erstmal den Kirchenkritikern zuzuhören – und Autoritäten zu kritisieren ist erstmal nicht verkehrt – außerdem kann Provokation ja auch herausfordern einmal seinen Standpunkt zu überdenken.

War Jesus Punk?

Wie viel passt man sich an, um dazuzugehören? Welche Werte sollten aber nicht aufgebbar sein? NOFX beschweren sich über Punk-Bands die in den Mainstream geraten und dabei Werte verraten. Das ist überraschend nah am Urchristentum. Den machtlosen Menschen, Perspektive geben, marginalisierten Menschen einen Platz am Tisch anbieten, Einsatz für die Schwachen – eine kritische Grundhaltung gegenüber einer Gesellschaft, die Schwache ausgrenzt – all das sagen NOFX ist Punk und genau das hat auch Jesus gemacht – wahrscheinlich hat Jesus damals auch viele Menschen genervt – hör dir einfach mal Gedanke 3 dieser Folge an und überleg für dich – kann man das sagen: Jesus war ein Punk! ?

Bild @susanmossphotography und @kirchencore

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14 Minuten
Vier Töne, langer Atem, ein Gebet – John Coltranes A Love Supreme

Am 23.September 2026 würde John Coltrane hundert Jahre alt werden. Ein Musiker, der 1926 geboren wurde und bereits 1967 im Alter von nur vierzig Jahren starb. Trotzdem klingt seine Musik bis heute nicht wie ein Stück Vergangenheit. Sie wirkt eher wie eine Frage, die noch nicht beantwortet ist.

Seine Musik ist sicher anstrengender als Pop oder Rock Songs – aber ich finde auf das Abenteuer – A Love Supreme mal ganz anzuhören, kann man sich einmal einlassen. 

John Coltrane war kein Musiker, der es seinen Hörerinnen und Hörern immer leicht machte. Seine Musik ist manchmal wild, manchmal laut, manchmal schwer zu durchschauen. Sie verlangt Aufmerksamkeit. Sie ist kein musikalischer Hintergrund, der einfach nebenbei laufen kann. Aber gerade darin liegt ihre besondere Kraft: Wer sich auf sie einlässt, entdeckt nicht sofort eine einfache Botschaft, sondern nach und nach eine Bewegung – eine Suche, ein Ringen, einen Weg.

Das Album A Love Supreme wurde Ende 1964 an nur einem Tag aufgenommen und 1965 veröffentlicht. Es besteht aus vier miteinander verbundenen Teilen: Schon diese Titel erzählen eine Geschichte. Es geht um Anerkennung, Entschluss, Weg suche und schließlich um Lob und Gebet – dem Psalm.

Gott atmet durch uns hindurch

So dichtet John Coltrane in seinem Psalm zu A Love Supreme.

Coltranes „Psalm“ besteht nicht aus einem gewöhnlich gesungenen Text. Sein Saxofon übernimmt die Rolle der Stimme. Coltrane hatte zu A Love Supreme einen begleitenden Gebetstext geschrieben, der im Album abgedruckt ist. In diesem Text finden sich Gedanken wie: Gott ist, Gott liebt, hilf uns, unsere Ängste und Schwächen zu überwinden. Am Ende steht der Dank.

Dankbarkeit bedeutet nicht, dass im Leben alles gut ist. Dankbarkeit bedeutet auch nicht, Leid zu leugnen. Sie bedeutet, trotz aller Schwierigkeiten wahrzunehmen, dass das eigene Leben nicht nur aus Leistung besteht.

Vielleicht verdanken wir uns mehr, als wir normalerweise zugeben. Anderen Menschen. Der eigenen Familie. Freundinnen und Freunden. Zufällen. Der Natur. Der Möglichkeit, überhaupt auf der Welt zu sein.

Coltrane nennt dieses Gegenüber Gott. In seinem Psalm wird deutlich, dass für ihn alles miteinander verbunden ist: Gedanken, Taten, Klänge, Menschen, Erinnerungen und das Universum. Diese Sicht ist nicht einfach eine theoretische Lehre. Sie ist ein Versuch, die eigene Existenz als Teil eines größeren Zusammenhangs zu verstehen.

In Coltranes Psalm heißt das dann übersetzt:

Gott atmet durch uns hindurch,

so sanft, dass wir es kaum bemerken —

und doch ist es unser Ein und Alles.

Birte spielt die 4 Töne von „A Love Supreme“ in dieser Folge

Foto Bob Thiele, Impulse! Records

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6 Minuten
„Divine Intervention“ klingt wie ein Gebet mitten im Lärm unserer Gegenwart. Der Song ist gut und aktuell, weil er die Spannungen hörbar macht, die viele Menschen kennen: die Sehnsucht nach Heilung und Sinn, die Erfahrung von Angst und Unsicherheit, aber auch den Wunsch, nicht einfach zu resignieren.

Theologisch kann „göttliches Eingreifen“ bedeuten: Gott lässt die Welt nicht sich selbst und ihren Krisen. Dieses Eingreifen ist nicht unbedingt ein spektakuläres Wunder, das alle Probleme sofort beseitigt. Es kann auch darin bestehen, dass Menschen sich berühren lassen, dass sie hinschauen, sich einmischen und füreinander Verantwortung übernehmen. Gott greift in die Welt ein, wenn Menschen den Mut finden, Frieden statt Feindbilder zu suchen, Gerechtigkeit statt Gleichgültigkeit einzufordern und Liebe gegen die kalte Logik des Eigennutzes zu setzen. Als negatives Bild dienen hier die Milliardäre, die sich in ihre Bunker im Himmel absetzen.

Aber es gibt auch etwas anderes:

Mm, when the walls cave in

And the lights go dim

And I drag you out again

 

Zwischen „Divine Intervention“ und Street Fighting Man lässt sich eine Haltung des Nicht-Aufgebens hören. Besonders die Zeile „When they try to arrest you, I come to your rescue“ ist ein starkes Bild für Solidarität: Wenn jemand unter Druck gerät, wenn jemand zum Schweigen gebracht oder ausgegrenzt werden soll, dann gehe ich nicht weg. Ich stehe zu dir.

Im Song erhält Mick Jagger eine so schreckliche Prognose für seine Zukunft, dass die Wahrsagerin zusammenbricht – und da erinnert sich Mick dann an Street Fighting Man - „What can a poor boy do, except to sing for a rock 'n' roll band?“. 2026 ist die Antwort im Angesicht des Untergangs dieselbe: Er kapituliert nicht vor den Mächtigen, er besorgt sich eine Gitarre und geht lieber „in einem flammenden Inferno unter“ I go to dance in the Flames, yeah – wenn die mir das Leben zur Hölle machen wollen – dann tanze ich in den Flammen – und ich helfe dir - And I drag you out again

Foto Kevin Mazur

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8 Minuten
Das Lied hat mich angestiftet, mit diesem Podcast Julia direkt anzusprechen:

Hallo Julia,

du hast keinen Heiligenschein, kannst das Meer nicht teilen und kein Wasser zu Wein machen – aber mit deinem Song beschreibst du genau das, was diese Wunder in den biblischen Erzählungen wollen: Freiheit eröffnen, Alltägliches verwandeln und Menschen in echte Beziehung rufen. Deshalb ist diese Folge eine Botschaft an dich, aber auch an alle, die Deinen Song hören.

Denn Worum es wirklich geht bei Wundern ist nicht, Naturgesetze zu brechen, sondern darum, Räume zu öffnen. Ein Weg öffnet sich, wenn jemand „Komm mit“ sagt oder wenn du dir selbst erlaubst, einfach anzufangen, zu fragen, aufzufordern. In deinem Song heißt es vielleicht: „Kein Heiligenschein — aber du sagst bleib einfach hier. Genau das ist es beieinanderbleiben – bleiben und nicht gehen – das kann so wunderschön sein.

Julia, ich mag dein Lied, denn du nimmst die Bilder ernst, aber erklärst sie nicht tot. Du machst neugierig auf die Momente die „Wasser Wein lassen“ das kannst du nicht, aber scheinbar was anderes, was genauso gut ist. 

Es geht hier nicht, Wunder zu erzwingen, sondern den Mut zu haben, an einen neuen Weg zu glauben — und ihn dann zu gehen.

Julia, dein Song ist eine Erlaubnis, aufzubrechen, auch wenn kein Weg zu sehen ist. Eine Erlaubnis, aus dem, was da ist, ein Fest zu machen. Eine Erlaubnis, du selbst zu sein – ohne Heiligenschein, ohne Superkräfte –Wenn du so singst, sagst du uns allen: „Wunder sind nicht weit weg. Sie passieren, wo wir uns finden.

Also schau heute Abend, ob jemand die Hand ausstreckt. Schau, ob das Glas Wasser, das du trinkst, nicht plötzlich nach mehr schmeckt, weil es geteilt wird. Du brauchst keinen Heiligenschein dafür. Du brauchst nur Mut, Offenheit und jemanden, der bei dir bleibt. Und manchmal reicht das — um ein Leben ein Stück heller zu machen.

Foto Marcus Mainz

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14 Minuten
Im Podcast erzählt euch Sophie etwas über den Osten und der Song liefert ihr dafür drei Impulse. Es lohnt sich den Song genau zu hören, der er beschreibt, wie sich das anfühlt, wenn Menschen über einen reden und nicht mit einem. Leider stimmt das, denn der Osten wird oft „erklärt“, aber zu selten wird Erfahrung ernsthaft angehört. Das erzeugt das Gefühl, beobachtet, statt beteiligt zu sein. Es entsteht ein Gefühl dumm und weniger wert zu sein. Wo Anerkennung von Erfahrung fehlt, und praktische Entlastung ausbleibt, kippt Vertrauen. Wen soll ich dann wählen, wenn ich das Gefühl habe, echte „Rettungsringe“ fehlen.

 

Der Song von Kummer kann helfen, um genauer hinzusehen, dort heißt es:

Rostbraune Flecken an den Wänden unter Deck

Und wenn man das Jahrzehntelang so lässt

Dann geht das später nicht mehr von alleine weg

Irgendwann wird ein Loch zu einem Leck

Das „Leck“ ist keine plötzliche Katastrophe, sondern ein Prozess, der irgendwann auch die „erste Klasse“ erreicht. Viele Konflikte der Gegenwart sind Folgeerscheinungen von kleinen und großen Löchern früherer Entscheidungen – Abwanderung, Lohnlücken, dünne Infrastruktur, fehlende Repräsentanz – alles kleine Risse, die sich über Jahre summieren. 

 

Hier die Tipps aus dem Podcast mit denen Du dich genauer informieren kannst:

Jana Hensel (Autorin und Journalistin) Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet  https://www.ndr.de/kultur/epg/Das-Gespraech,sendung-4404698.html

Marcant (Influencer und Investigativjournalist), Ich wurde vom AfD Demokratie-Fest geworfen … https://www.youtube.com/watch?v=4ZO3ayPGBKg

Abgeschrieben? – Der Osten in den Medien - MDR Mediathek:

https://www.mdr.de/video/mdr-videos/reportagen-dokus/video-abgeschrieben-der-osten-in-den-medien-mdr-100.html

Max Schneller (politische Aktivist aus Sachsen-Anhalt): Maximal.Demokratisch –

https://www.deutscher-engagementpreis.de/engagiertenfinder/engagiertendetails/6604-maximaldemokratisch

Buchtipp: Jana Hensel – Wie alles anders bleibt

Foto Philipp Gladsome

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10 Minuten
Wenn ich Lovers in a dangerous time höre denke ich nicht zuerst an große politische Bedrohungen, sondern an etwas Intimeres: an die Fragilität von Nähe, an Liebe, die nicht trotz der Gefahr – sondern in ihr möglich ist. Für mich ist das der Kernsatz im Lied:

Nothing worth having comes without some kind of fight. Nichts was es wert ist, kommt ohne Auseinandersetzung.

Auch in „Wahrlügen“, dem Buch meiner Tante, erscheint die Liebe nicht als heile Gegenwelt, sondern im Schatten von Krieg, Schweigen, Missverständnis und Projektion. Wir sind Liebende in gefährlichen Zeiten – aber die größte Gefahr ist vielleicht nicht der Krieg, sondern dass wir einander nicht wirklich sehen - und annehmen. Und vielleicht steht dagegen ein Gedanke von Spinoza, der dem  Buch vorangestellt ist: 

Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg

Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung

Eine Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit 

Liebe ist nicht sicher, aber sie trägt.

Nothing worth having comes without some kind of fight / Got to kick at the darkness till it bleeds daylight.

Ein Brief meines Opas aus dem Krieg an seine Frau beinhaltet einen richtigen „kick“ gegen „darkness“:

Mit heißen Küssen beschließe ich den Brief und bin Dein Helmut.

Das ist keine Naivität, keine Sentimentalität. Es ist der Versuch, im Dunkel eine andere Wirklichkeit zu behaupten: Pläne machen, wo alles dagegenspricht. Mit Worten ein Licht zu entzünden, wo der Winter näher rückt. 

Heute sind unsere „Fronten“ andere: Krankheit, Erschöpfung, Entfremdung – und eine Welt, die keine Ruhe lässt. Der Kampf richtet sich nicht nur nach außen. Er beginnt dort, wo wir dem Dunkel in uns nicht das letzte Wort lassen. 

Die konkrete Einladung heißt: nicht aufschieben: klärende Gespräche, Zuspruch, kleine Feste, und ja, auch Küsse. Nähe ist verletzlich, sie kann wehtun. Aber vielleicht ist sie die einzige Weise, der Dunkelheit etwas entgegenzusetzen. Heute, nicht irgendwann.

Die englischen Texte werden von George gelesen.

https://mechthild-online.de/uber-mich/

Foto Borries

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8 Minuten
Mein Freund Andreas kennt Martin Bechler von Fortuna Ehrenfeld, über diesen Kanal habe ich Audios von Martin über diesen Song bekommen, daraus ist diese Folge entstanden.

In jedem Traum, in jedem Blick

Kommt die Erinnerung zurück

Du kannst es wenden, kannst es drehen

Ich kann dich überall hier sehen

Dieser Song erzählt eine sehr persönliche Geschichte. Gerade weil er so konkret ist, lädt er uns ein, unsere eigenen Bilder darin zu finden: Orte, Situationen, Sätze, die uns an Menschen erinnern, die fehlen. Lieder geben Gefühlen eine Form, die wir vielleicht nicht in Worte fassen können – und machen Trauer sagbar und hörbar.

In dieser Folge erzählt euch Martin wie das bei ihm war –jemanden überall zu sehen.

Psychologisch geschieht hier keine Geistererscheinung, sondern das Zusammenspiel von Wahrnehmung, Emotion und Gedächtnis. Bildern und Geräuschen - das, was früher mit einer Person verbunden war, wird durch einen Auslöser reaktiviert. Für Trauernde kann das tröstlich und schmerzhaft zugleich sein: tröstlich, weil die Verbindung lebendig bleibt; schmerzhaft, weil die Lücke spürbar wird. Die Fähigkeit, Menschen in der Erinnerung „wiederzusehen“, zeigt, dass Beziehungen nicht allein an das Leben gebunden sind — sie bleiben als Erfahrung in unserem Inneren wirksam. 

Martin nennt das - Turnübungen für die Heilige Gemeinde – sich erinnern und zusammen trauern.

Songs helfen Gefühle zu teilen und ich denke, jede und jeder hat so „ich seh dich überall Menschen“ und dann ist es schön mit anderen bei Fortuna Ehrenfeld zu sitzen und gemeinsam eine Träne laufen zu lassen – es ist schön nicht alleine zu sein

Foto Michael Haegele

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13 Minuten
Diese Folge ist mit Sebastian, er mag die Toten Hosen viel mehr als ich und zu ihrer letzten Runde sollen sie dann auch mal schön gewürdigt werden.

Erzählen, was früher einmal war, ist das, was Menschen machen, wenn sie auf ein Leben oder einzelne Episoden zurückblicken. Auf Triumphe der Lieblingsmannschaft, beim Klassentreffen auf die eigene Schulzeit, auf legendäre Partynächte, auf die eigene Jugend. Wenn sich Menschen nach langer Zeit wieder begegnen oder wenn sie sich verabschieden. 

Bei Beerdigungen gehört der Rückblick auf das Leben fest dazu. Gerade nach einem langen und ereignisreichen Leben spendet er Trost, hilft an den Menschen zu erinnern und mit Kapiteln abzuschließen. So haben viele Lieder nicht nur für die Toten Hosen einen persönlichen Bezug, sondern auch für viele ihrer Fans, die mit den Liedern Erinnerungen und Trost verbinden. 

Sebastian schenkt euch mit seiner Perspektive ein Inspiration, wie ihr eure Geschichte mit den Hosen einordnen könnt.

Und vielleicht merkt ihr dann: Sich erinnern, nicht vergessen, aber anders auf Dinge blicken – das kann dir ein Rückblick schenken.  Dabei kannst du dir eingestehen, dass es vollkommen ok ist, wenn du Begebenheiten nach Jahren anders bewertet. Dass Veränderungen gut sind - gerade wenn es schmerzvolle Erinnerungen sind. “Was früher einmal war” ist kein getragenes Lied, keines, das hilft, Verlust und Schmerz zu verarbeiten. Dafür gibt es andere Lieder. “Was früher einmal war” ist später. Das ist, wenn man mit Abstand auf Dinge blickt, und betrachtet, wo man her- und wo man hingekommen ist und man manche Dinge, die im Moment groß erschienen, im Nachhinein nicht überbewertet. Dass es hilfreich sein kann, loszulassen.

Foto sl_mg

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10 Minuten
Mama Brings hat Recht

Loß dir nix jefalle, du weiß woher du küss

Wenn se froge, sach us Kölle un halt niemols ding Schnüss

Helf denne, die et bruche un ston vör andre in

Denn dann kannste sage, ich bin stolz kölsch ze sin

Das passt auch mitten im Jahr, ganz ohne Session und so weiter zum Karnevalsmotto 2027 nämlich: „Morje es wat do drus mähs“  

Damit ich eine Idee habe – was ich so machen kann, dazu brauche ich ein Glaubensbekenntnis und Sophie van Rheinlanden hat da eins für euch und ich finde wer das mitsprechen kann, der darf auch sagen „Ich bin stolz kölsch ze sin“ – denn das hat dann mehr mit meinem Herz zu tun als mit dem Geburtsort oder dem Dialekt den ich spreche.

Hier mal ein kleiner Ausschnitt aus dem Glaubensbekenntnis, ihr könnt das im Podcast in Gedanke 1 ganz hören.

…Ich glaube, dass wahre Stärke darin liegt sich für andere stark zu machen - vor allem für die, die es aus eigener Kraft nicht können

Ich glaube an die unstillbare Neugier und den Mut zu Veränderungen.

Ich glaube an Konfettiregen und an den Zauber von Musik.

Ich glaube, dass gemeinsames Lachen uns selbst durch die dunkelsten Stunden trägt.

Mama Brings erinnert uns daran – Leute es gibt keine Ausreden, es ist eigentlich ganz einfach – die Rettung der Welt beginnt bei dir vor der Haustür mit: „Helf denne, die et bruche un ston vör andre in“

In Gedanke 3 könnt ihr von Stephan Brings hören, wie das damals so gewesen ist, als man noch in Domestos getränkte Jeans getragen hatte.

Foto Borries

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20 Minuten
Jana hat die 7Tage1 Song so richtig ernst genommen und gibt euch im Podcast für  jeden Tag eine kleine Übung mit – hier ihre Fragen für jeden Tag:

Tag 1: Achte auf die Intensität und Melodien des Klaviers - Was fühlt sich in mir gut an, wenn ich diesen Song höre?

Tag 2: Achte auf den Einsatz des Schlagzeugs, auf dessen Rhythmen - Woran möchte ich heute gerne glauben? Im wohlwollenden Sinn.

Tag 3: Achte auf die Ruhe, die Stabilität des Basses - Was macht mich stärker, wenn ich daran denke?

Tag 4: Achte auf die zarte, liebevolle und doch so kraftvolle Gitarre, die diesen Song zusätzlich mit ihren Melodien emotionale verstärkt - Welche gute Eigenschaft an mir möchte ich heute mehr sehen?

Tag 5: Achte auf die Lyrics, die gesunden werden - Was gibt mir heute inneren Sonnenschein, Ruhe oder Kraft?

Tag 6: Achte auf Jons großartige und so vielseitige Stimme und Stimmkraft. Welche Emotionen sind in welchen Worten zu erfühlen - Welcher kleine Schritt fühlt sich heute richtig an?

Tag 7: Lasse das Lied in all seiner Komplexität als Gesamtkunstwerk in Gänze auf Dich wirken: Gedanken, Gefühle, Körper…nimm alles wahr, was es auslösen kann und nimm diese gute Energie mit in den Tag - Was ist heute Dein persönlicher „Believe“-Moment?

https://jana-solvejg.rocks

Foto William Hames

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10 Minuten
In dieser Folge ist Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger mit dabei, er ist der Autor des Buches „Vielleicht im Sommer“

Im Buch geht es um den 15-jährigen Kian, aufgewachsen bei seinem kleinkriminellen Vater. Kian landet nach einem schweren Schicksalsschlag im Heim. Er weiß sofort, dass er dort nicht bleiben kann. Bei einem nächtlichen Fluchtversuch trifft er Marco, der ganz andere Gründe hat abzuhauen. Als es den beiden ungleichen Jungen gemeinsam gelingt auszubrechen, beginnt eine abenteuerliche Reise Richtung Meer.

Bei solchen Romanen mit Roadtrip und Selbstfindung spielt oft Musik eine große Rolle und unser Song kommt im Buch vor. Im Podcast erzählt euch Lukas, warum das so ist.

Der Sänger von The Fray heißt Isaac Slade. Er hat den Hit „How to Save a Life“ geschrieben, nachdem er als Mentor in einem Camp für drogenabhängige und straffällige Jugendliche gearbeitet hatte. Der Song handelt von einem jungen Mann, dem Slade trotz all seiner Bemühungen nicht helfen konnte. Slade begriff: Es gibt kein Handbuch dafür, wie man ein Leben rettet. Der Song entstand als das fiktive, perfekte Gespräch, das er damals gerne mit dem Jungen geführt hätte, um ihn wirklich zu erreichen. 

Im Song und der Geschichte im Buch wird deutlich, dass in schweren Phasen mental und psychisch der Weg zur Rettung nicht der ist, sich von den Emotionen zu distanzieren, sondern gerade in diesen Phasen kommt es darauf an, Verletzlichkeit und Nähe zuzulassen der Song und das Buch sine ein Plädoyer für Offenheit und Verletzlichkeit.

Wenn etwas schief geht, nicht gleich die Schuldfrage stellen, sondern erst einmal in Beziehung bleiben und Trost spenden – das ist eine Erkenntnis aus „How to save a Life“.

Foto Epic Records

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6 Minuten
Ich freue mich sehr, dass Iris selbst in dieser Folge dabei ist, sie singt und erzählt vom Hamsterrad, in dem sehr viele von uns gefangen sind. Wir rennen und kommen nicht voran, sondern wir funktionieren nur – die eigenen Ansprüche treten zurück, wir fühlen uns fremdbestimmt. Das fühlt sich nicht gut an und anstatt einen Schritt aus dem Hamsterrad rauszumachen, klammern wir uns an diese blöden Strukturen des Hamsterrades, weil wir die ja kennen. Langfristig tut das nicht gut und man versteht es dann nicht, weil man es ja so gewohnt ist. Und dann ist da diese Angst davor, was eigentlich passiert, wenn ich loslasse und ganz anders lebe. Das ist der Wunsch nach einer positiven Art der Haltlosigkeit also der Suche nach einer anderen Art von Halt, die nicht fremdbestimmt ist von Terminen und den Ansprüchen, die uns erreichen. 

In diesem Zusammenhang erzählt Iris in dieser Folge, dass sie dadurch manchmal mit ihrem Leben überfordert ist.

Durch ihren Song möchte sie Mut machen aus seinen alten Mustern aufzubrechen. Dann bin ich zwar erstmal den vertrauten „Halt los“, aber ich habe die Chance meine tatsächlichen Bedürfnisse zu erkennen. Ein Schritt zurückzugehen, ist dann kein Rückschritt, sondern der Anfang eines Anlaufs, mit dem ich über eine Mauer springe, die mir bisher etwas versperrt hat. Iris will mit dem Song anregen, alle Ansprüche zu hinterfragen, in sich hineinzuhören, durchatmen und zu überlegen: Was will ich wirklich?

Mal alles abzusagen und sich mal frei zu nehmen ist dann keine Faulheit, sondern gesund und extrem wichtig.

Foto Vanessa Wunsch

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