Literatur Radio Hörbahn Archiv
2489 Episoden
10 Minuten
Walter Koschmal, geboren 1952, war seit 1994 Professor für Slawische Philologie an der Universität Regensburg. Dort hat er das Europaeum. Ost-West-Zentrum und BAYHOST begründet und war bis 2017 als deren Leiter tätig. Er war Herausgeber der Zeitschrift für slavische Philologie und POETICA. Im Jahr 2018 wurde er emeritiert.
8 Minuten
Martina Clavadetschers neuer Roman „Die Erfindung des Ungehorsams“ handelt vor allem von Individuen, die sich entweder aufgrund ihrer intellektuellen Individualität, ihrem Hang zur Subversion – oder einer Kombination von beiden Eigenschaften – von der Masse unterscheiden.
Diese Individuen sind nicht immer Menschen.
Die Handlung steigt bei Iris ein, einer sich auffallend mechanisch und emotional verschlossen verhaltenden analytischen jungen Frau, die in Manhattan wohnt und zu Abendgesellschaften gerne auf einer geradezu algorithmischen Logik basierende Geschichten erzählt…
In ihrer gewagtesten Erzählung schildert Iris das Leben ihrer „Halbschwester“ Ling, die in einer Sexpuppenfabrik im Südosten Chinas arbeitet.
Wiederum aus dieser zweiten Erzählebene schöpfend wird eine weitere Protagonistin, Ada, vorgestellt – die in einer vollständig anderen Zeit und Realität existiert.
Alle drei Frauen sind auf der Suche nach Antworten: über ihre Vergangenheit, über die Geheimnisse der Wissenschaft – über ihre eigene Seele.
Insofern sie eine besitzen …
Martina Clavadetscher, geboren 1979, ist Autorin und Dramatikerin. Nach ihrem Studium der Deutschen Literatur, Linguistik und Philosophie war sie Hausautorin am Luzerner Theater, gewann den Essener Autorenpreis und war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Für ihre Prosa erhielt sie den Preis der Marianne-und-Curt-Dienemann-Stiftung, 2021 wurde sie für ihren Roman Die Erfindung des Ungehorsams mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Sie lebt in der Schweiz.
Sandra Falke studierte Germanistik und Religionswissenschaften an der Universität Tartu in Estland und neuere deutsche Literatur an der Philipps-Universität in Marburg an der Lahn. Auf literarische Abenteuer begab Falke sich bereits im sechsten Lebensjahr in ihrem ersten Lesetagebuch. Aus kurzgefassten handschriftlichen Notizen im linierten Schulheft sind parallel zum Bachelor-, Master- und Promotionsstudium diverse Online-Formate erwachsen. Seit 2019 werden auf sandrafalke.com wöchentlich Rezensionen und Essays zu Klassikern, Sachbüchern und Neuerscheinungen der Weltliteratur veröffentlicht. Derzeit lebt Falke in Brandenburg, schreibt Kurzgeschichten und setzt sich für die kritische Reflexion literarischer Inhalte auf diversen virtuellen Plattformen ein.
Diese Individuen sind nicht immer Menschen.
Die Handlung steigt bei Iris ein, einer sich auffallend mechanisch und emotional verschlossen verhaltenden analytischen jungen Frau, die in Manhattan wohnt und zu Abendgesellschaften gerne auf einer geradezu algorithmischen Logik basierende Geschichten erzählt…
In ihrer gewagtesten Erzählung schildert Iris das Leben ihrer „Halbschwester“ Ling, die in einer Sexpuppenfabrik im Südosten Chinas arbeitet.
Wiederum aus dieser zweiten Erzählebene schöpfend wird eine weitere Protagonistin, Ada, vorgestellt – die in einer vollständig anderen Zeit und Realität existiert.
Alle drei Frauen sind auf der Suche nach Antworten: über ihre Vergangenheit, über die Geheimnisse der Wissenschaft – über ihre eigene Seele.
Insofern sie eine besitzen …
Martina Clavadetscher, geboren 1979, ist Autorin und Dramatikerin. Nach ihrem Studium der Deutschen Literatur, Linguistik und Philosophie war sie Hausautorin am Luzerner Theater, gewann den Essener Autorenpreis und war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Für ihre Prosa erhielt sie den Preis der Marianne-und-Curt-Dienemann-Stiftung, 2021 wurde sie für ihren Roman Die Erfindung des Ungehorsams mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Sie lebt in der Schweiz.
Sandra Falke studierte Germanistik und Religionswissenschaften an der Universität Tartu in Estland und neuere deutsche Literatur an der Philipps-Universität in Marburg an der Lahn. Auf literarische Abenteuer begab Falke sich bereits im sechsten Lebensjahr in ihrem ersten Lesetagebuch. Aus kurzgefassten handschriftlichen Notizen im linierten Schulheft sind parallel zum Bachelor-, Master- und Promotionsstudium diverse Online-Formate erwachsen. Seit 2019 werden auf sandrafalke.com wöchentlich Rezensionen und Essays zu Klassikern, Sachbüchern und Neuerscheinungen der Weltliteratur veröffentlicht. Derzeit lebt Falke in Brandenburg, schreibt Kurzgeschichten und setzt sich für die kritische Reflexion literarischer Inhalte auf diversen virtuellen Plattformen ein.
10 Minuten
Ronald Köhler, Geboren 1954 in Arnstadt/Thür. Ab 1960 Volksschule und Gymnasium in München. Ab 1973 Studium der Germanistik und Politik an der LMU in München (Magisterabschluss). Ab 1981 festangestellter Redakteur beim BR (Fernsehen). Ab 2004 Leiter der Redaktion Land und Leute. Seit 2020 Ruhestand
Vielleicht interessiert Sie auch folgender Beitrag
Vielleicht interessiert Sie auch folgender Beitrag
1 Stunde 14 Minuten
Original oder Fake? Ein unfreiwilliger Fälscher rettet ein Meisterwerk aus den Fängen eines machtgierigen Politikers.
Ein Anschlag auf Jan Vermeers ins Ausland verliehenes berühmtes Gemälde Die Malkunst, das dabei stark beschädigt wird, weckt ein starkes Begehren: Der junge ambitionierte Kanzler, der auf dem besten Weg ist, das Land in eine illiberale Demokratie zu verwandeln, will sich das Gemälde, das einst als das Lieblingsbild Adolf Hitlers galt, für seine Amtsräume sichern und besteht auf einer beschleunigten Restaurierung. Für den sorgfältigen und gewissenhaften Restaurator Clemens Hartmann steht außer Frage, dass dies unmöglich ist. Also muss er sich etwas einfallen lassen. Ist er nicht selbst Maler? Und haben nicht alle großen Maler als Kopisten begonnen?
Reinhard Tötschinger, geb. 1952 in Wien. Absolvent der Leondinger Literaturakademie (A) und der Textmanufaktur (D). Studien in Theater (Paris und Wien), Grafik, Psychotherapie und Kultursoziologie. Er gab zwei Kunst- und Literaturbücher heraus und illustrierte Kinderund Jugendbücher, ist Verfasser von Theaterstücken, Erzählungen und Romanen. Sein neuer Roman ‚Rochade‘ erscheint im August 2021 im Picus Verlag. Volksschule, Gymnasium in Wien, Höhere Grafische Bundes Lehr- und Versuchsanstalt – Grafik Design, Schauspiel Diplom Paris (Ecole Jacques Lecoq), Studien in Kultur-und Organisationssoziologie, Psychotherapiewissenschaft (Mag., Dr.).
Er arbeitete als Schauspieler, Regisseur und Autor (in A, D, I, Burgtheater, Wiener Festwochen, im Zirkus, Ensembletheater, freie Szene u. v. a.), als Lektor an der Universität für Musik und Darstellenden Kunst für Schauspiel, Integrativer Gestalttherapeut und systemischer Organisationberater, Lektor an der Technischen Universität Wien (Raumplanung seit 2010). Er lebt als Schriftsteller und Künstler in Wien.
Mail: reinhard@toetschinger.at
Ein Anschlag auf Jan Vermeers ins Ausland verliehenes berühmtes Gemälde Die Malkunst, das dabei stark beschädigt wird, weckt ein starkes Begehren: Der junge ambitionierte Kanzler, der auf dem besten Weg ist, das Land in eine illiberale Demokratie zu verwandeln, will sich das Gemälde, das einst als das Lieblingsbild Adolf Hitlers galt, für seine Amtsräume sichern und besteht auf einer beschleunigten Restaurierung. Für den sorgfältigen und gewissenhaften Restaurator Clemens Hartmann steht außer Frage, dass dies unmöglich ist. Also muss er sich etwas einfallen lassen. Ist er nicht selbst Maler? Und haben nicht alle großen Maler als Kopisten begonnen?
Reinhard Tötschinger, geb. 1952 in Wien. Absolvent der Leondinger Literaturakademie (A) und der Textmanufaktur (D). Studien in Theater (Paris und Wien), Grafik, Psychotherapie und Kultursoziologie. Er gab zwei Kunst- und Literaturbücher heraus und illustrierte Kinderund Jugendbücher, ist Verfasser von Theaterstücken, Erzählungen und Romanen. Sein neuer Roman ‚Rochade‘ erscheint im August 2021 im Picus Verlag. Volksschule, Gymnasium in Wien, Höhere Grafische Bundes Lehr- und Versuchsanstalt – Grafik Design, Schauspiel Diplom Paris (Ecole Jacques Lecoq), Studien in Kultur-und Organisationssoziologie, Psychotherapiewissenschaft (Mag., Dr.).
Er arbeitete als Schauspieler, Regisseur und Autor (in A, D, I, Burgtheater, Wiener Festwochen, im Zirkus, Ensembletheater, freie Szene u. v. a.), als Lektor an der Universität für Musik und Darstellenden Kunst für Schauspiel, Integrativer Gestalttherapeut und systemischer Organisationberater, Lektor an der Technischen Universität Wien (Raumplanung seit 2010). Er lebt als Schriftsteller und Künstler in Wien.
Mail: reinhard@toetschinger.at
12 Minuten
Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan ist ein Buch der 1980 geborenen Autorin Anni E. Lindner (z.B. hier), die im Privatleben mit ihrer Familie ein, so heißt es (beispielsweise hier), ‚fröhliches Nomandenleben‘ als Offizierin der Heilsarmee führt. Dieses christlich angehauchte, missionarische Element findet sich dann auch im vorliegenden Roman wieder, zumindest in der zweiten Hälfte der Handlung, in deren Mittelpunkt der sechszehnjährige Rotschopf Thalita, genannt Tally, steht. In erster Linie aber ist der Roman ein Buch über die Trauer und den Weg der Hauptfigur zurück ins Leben. …
Sprecher ist Uwe Kullnick
Sprecher ist Uwe Kullnick
10 Minuten
… die Wörter aus der Bibliothek werden mich meinem Proletenschicksal entreißen.
Ein Stück weit wenigstens.
Ich muss ein anderer werden.
Kein Zapper im Jogginganzug, der „Turbo“ guckt. …
Sprecher ist Uwe Kullnick
Ein Stück weit wenigstens.
Ich muss ein anderer werden.
Kein Zapper im Jogginganzug, der „Turbo“ guckt. …
Sprecher ist Uwe Kullnick
10 Minuten
Ingo Schulze erzählt davon, wie wird ein aufrechter Büchermensch zum Reaktionär wird – oder zum Revoluzzer? Norbert Paulini ist ein hochgeachteter Dresdner Antiquar. Lange Jahre finden Bücherliebhaber bei ihm Schätze und Gleichgesinnte zum Gedankenaustausch. Doch mit der Wende bricht das Geschäft ein, die Kunden bleiben weg. Paulini versucht mit aller Kraft, sein Lebenswerk zu retten. Doch er scheint dabei ein anderer zu werden. Er ist aufbrausend und zornig. Er wird beschuldigt, an fremdenfeindlichen Ausschreitungen beteiligt zu sein. Die Geschichte nimmt eine virtuose Volte: Ist Paulini eine tragische Figur oder ein Mörder? …
Eine Rezension von Sascha Seiler
Eine Rezension von Sascha Seiler
18 Minuten
Wer kennt sie nicht aus seiner Schulzeit, die allseits bekannten Fabeln vom schlauen Fuchs, der den Storch zum Essen eingeladen hat und ihm das Mahl auf flachen Tellern serviert? Oder vom Frosch, der so groß sein will wie ein Stier und sich bläht und bläht, bis er platzt? Jene zeitlosen Tiergeschichten des französischen Schriftstellers Jean de La Fontaine, in denen uns der Spiegel vorgehalten wird? Noch heute gilt La Fontaine den Franzosen als einer der größten ihrer Klassiker und seine Fabeln zählen zum Allgemeingut. So wird sein diesjähriger 400. Geburtstag im Nachbarland mit verschiedenen Veranstaltungen, Lesungen und Ausstellungen begangen. …
Sprecher ist Uwe Kullnick
Manfred Orlick, Diplom-Physiker. Nach Studium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zunächst im Universitätsrechenzentrum dann als Kliniksphysiker an der Klinik für Nuklearmedizin tätig. Er ist, neben seinem naturwissenschaftlichen Beruf, immer auch literarisch tätig gewesen. Regelmäßig Beiträge in Regionalzeitungen von Halle und Leipzig, dazu zahlreiche Rezensionen. Publikationen: “Man will es einfach nicht glauben” (Glossen, 2009), “Freizeitführer Saalekreis” (2012), “Wahre Geschichten entlang der Straße der Romanik” (2016), “Wahre Geschichten um den Lutherweg S.-A.” (2017). Seit 2015 Hrsg. “literarisches echo” (Magazin für Literaturgeschichte).
Sprecher ist Uwe Kullnick
Manfred Orlick, Diplom-Physiker. Nach Studium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zunächst im Universitätsrechenzentrum dann als Kliniksphysiker an der Klinik für Nuklearmedizin tätig. Er ist, neben seinem naturwissenschaftlichen Beruf, immer auch literarisch tätig gewesen. Regelmäßig Beiträge in Regionalzeitungen von Halle und Leipzig, dazu zahlreiche Rezensionen. Publikationen: “Man will es einfach nicht glauben” (Glossen, 2009), “Freizeitführer Saalekreis” (2012), “Wahre Geschichten entlang der Straße der Romanik” (2016), “Wahre Geschichten um den Lutherweg S.-A.” (2017). Seit 2015 Hrsg. “literarisches echo” (Magazin für Literaturgeschichte).
46 Minuten
Hermann Bausinger, *1926 †2021, Professor der Universität Tübingen, war als dessen Gründer viele Jahre Leiter des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft. Zahlreiche Publikationen, zuletzt etwa »nachkriegsuni: Kleine Tübinger Rückblenden«, »Heimat. Kann die weg? Ein Gespräch, eingeleitet und moderiert von Reinhold Weber«. Mitherausgeber der »Albgeschichten« und der inzwischen abgeschlossenen 25bändigen »Kleinen Landesbibliothek bei Klöpfer & Meyer.
8 Minuten
Es gab zahlreiche Vorkommnisse, Gefahren und Erlebnisse auf meinen viele Reisen. Menschen und Tiere begegneten mir in Afrika, Asien, USA, Kanada, Süd- und Mittelamerika, Arabien, Alaska, Japan und Europa. Die vielen Geschichten zu erzählen, wird den Rest meines Lebens dauern und ich freue mich darauf. Hier ist eine Geschichte aus der Kälte. Ich erzähle sie nicht gern, ging sie doch leider nicht gut aus.
Uwe Kullnick ist Naturwissenschaftler. Neben seiner biologischen Forschung, arbeitete er in der strategischen Unternehmensleitung und war Senior Manager eines internationalen Konzerns und zuständig für 150 Länder. Seine akademischen Schwerpunkte als Dr. rer. nat. sind Biologie (Zoologie), Neurophysiologie und Sexualpsychologie. Manchmal ist er ein kompromissloser Biologist, wenn ihm jemand erzählen will, wie essenziell der Erhalt einer bestimmten Froschart ist, oder er ist analytisch bis zum Bersten seiner Diskussionspartner und ihm ist obendrein nichts Sexuelles zu fremd, um ihn noch staunen zu lassen. Heute ist er freier Autor und publiziert, Bücher, Hörbücher, Essays, Erzählungen, Kurzgeschichten, Podcasts. Als Gründer und Betreiber des Literatur Radio Hörbahn produzierte er in den vergangenen Jahren rund 1100 Sendungen und erreichte damit hunderttausende Hörer.
Uwe Kullnick ist Naturwissenschaftler. Neben seiner biologischen Forschung, arbeitete er in der strategischen Unternehmensleitung und war Senior Manager eines internationalen Konzerns und zuständig für 150 Länder. Seine akademischen Schwerpunkte als Dr. rer. nat. sind Biologie (Zoologie), Neurophysiologie und Sexualpsychologie. Manchmal ist er ein kompromissloser Biologist, wenn ihm jemand erzählen will, wie essenziell der Erhalt einer bestimmten Froschart ist, oder er ist analytisch bis zum Bersten seiner Diskussionspartner und ihm ist obendrein nichts Sexuelles zu fremd, um ihn noch staunen zu lassen. Heute ist er freier Autor und publiziert, Bücher, Hörbücher, Essays, Erzählungen, Kurzgeschichten, Podcasts. Als Gründer und Betreiber des Literatur Radio Hörbahn produzierte er in den vergangenen Jahren rund 1100 Sendungen und erreichte damit hunderttausende Hörer.
10 Minuten
In diesem zweiten Band von Oliver Sills Fontane-Studien geht es um punktuell vertiefende Einsichten in das so umfangreiche und vielgestaltige Erzählwerk Theodor Fontanes. Neben den vollendeten Romanen, Erzählungen und Novellen spielen nun die nachgelassenen Erzählfragmente eine wichtige Rolle, ebenso Fontanes autobiographische Schriften – und schließlich seine Briefe, Tagebücher und literaturkritischen Arbeiten, in denen er sich darum bemühte, sein eigenes Verständnis als realistischer Erzähler in Auseinandersetzung mit dem Werk anderer Autoren zu klären. Nicht nur der Erzähler Theodor Fontane, sondern auch der Theoretiker und Denker Fontane befand sich an der Schwelle zur Moderne, wohl zeitlebens auf der Suche nach neuen Wegen in Auseinandersetzung mit einer als fragwürdig erkannten, doch noch immer machtvollen Tradition. Und deshalb war diese auf verschiedenen Ebenen verlaufende Positionssuche begleitet von Widersprüchen, die sich in allen Textformen Fontanes spiegeln, die zu lösen aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht möglich gewesen ist.
9 Minuten
Der Igel ist das Tier der Stunde. Wenn in Zeiten der Pandemie dazu aufgerufen wird, zwischenmenschliche Kontakte einzuschränken, sich zu Hause einzuigeln, in eine Art sozialen Winterschlaf zu gehen, liegt die Assoziation zwischen Mensch und Igel sehr nahe. Doch, so Autorin Verena Auffermann in ihrem lesenswerten Igel-Buch, sind diesem Vergleich auch Grenzen gesetzt: Während ein langer Winterschlaf für den tierischen Einzelgänger nämlich ganz natürlich ist, leidet der Mensch als soziales Wesen unter der Isolation. Und mit einer weiteren Igel-Assoziation räumt die Autorin in einem späteren Kapitel auf: Während sich der Mensch, zumindest am Beginn der Pandemie, mit Vorräten wie Toilettenpapier und Pasta eingedeckt hat, ist der Igel alles andere als ein Vorratssammler. Er spießt mit seinen Stacheln keine Früchte auf, um sie einzulagern, sondern verspeist vorab lieber ausreichend Insekten und überlebt den Winterschlaf durch den Abbau des rechtzeitig angefressenen Körperfetts.
7 Minuten
Am 4. April 1933, unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, schloss der erst 1928 gegründete Rotary Club München 14 seiner Mitglieder aus. Der Grund: Sie waren Juden oder \- wie Thomas Mann \- im neuen Staat politisch missliebig. Heutige Mitglieder des RC München haben in diesem Buch die Schicksale der Ausgeschlossenen aufgezeichnet und die Hintergründe des Ausschlusses ausgeleuchtet. »Wozu wir uns heute verpflichtet fühlen, das ist, uns die historischen Fakten möglichst genau vor Augen zu führen. Dazu zählen nicht zuletzt Hinweise auf damalige Akteure, die in ähnlichen Positionen demselben Druck ausgesetzt waren und ein anderes Handeln vorzogen. Vor allem ist auch, und diesem Ziel dient der hier vorgelegte Rückblick, das persönliche Leid der Ausgesonderten zumindest anzudeuten, da dessen Ausmaße sich kaum ermessen lassen und schon gar nicht in Worte zu fassen sind. Die historischen Fakten und unsere heutigen Schlüsse sind an zukünftige Generationen weiterzugeben, in der Hoffnung, dass sich solche Entwicklungen nie wiederholen mögen. Das umschließt unumgänglich die Beurteilung des damaligen Handelns sowohl aus Sicht des seinerzeit bereits Möglichen als auch des damals ethisch Erforderlichen und erst recht aus Sicht des heutigen Wissens. Immer wieder, und gerade in unserer Gegenwart, muss es heißen: Wehret den Anfängen!«
8 Minuten
Ein Einblick in Leben und Werk des Traumpaars der literarischen Jahrhundertwende. Richard und Ida Dehmel sind das Traumpaar der literarischen Jahrhundertwende. Zeitgenossen waren fasziniert von den Werken und der Selbstinszenierung des Dichters und der Kunstfreundin. Mitten in der aufregenden Welt des beginnenden 20. Jahrhunderts gingen die beiden ihren eigenen Weg. Obwohl Arnold Schönberg ihnen mit »Verklärte Nacht« ein zeitloses Denkmal setzte, gerieten sie in Vergessenheit. Zeit für eine Wiederentdeckung: Richard Dehmel (1863-1920) galt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker. Ida Dehmel (1870-1942) war eine einflussreiche Kunstförderin und Frauenrechtlerin. Zusammen waren sie die »Zwei Menschen« aus dem gleichnamigen Versepos von Richard Dehmel. Die Grenze zwischen Kunst und Leben löste sich in ihrem Gesamtkunstwerk auf. Ida Dehmel hielt die Erinnerung wach und setzte ihr eigenes Werk fort, bis die Nationalsozialisten ihr die Freiheit nahmen. In Texten, Bildern und Dokumenten wird die Welt von Richard und Ida Dehmel lebendig.
11 Minuten
Der Nachlass von Siegfried Lenz birgt weitere Kostbarkeiten für die Leserschaft. Die Naturverbundenheit des Erzählers bleibt zeitlebens sanft eingezeichnet in den literarischen Kosmos, stets jenseits romantischer Verklärung und sentimentalischer Emphase. Öffentlich geehrt und von der Leserschaft verehrt wird der 2014 verstorbene Schriftsteller, der nie zynisch, grimmig oder artifiziell ironisch seine Gestalten vorführt und ausliefert, bis heute. Er schreibt mit Sympathie und Mitgefühl. Von Fischen, nicht vom Fischen, berichtet Lenz in dieser Geschichte. Von ihnen könne man nur in „biblischem Tonfall“ sprechen, seien sie doch älter als die Menschen und erst recht älter als die Angler. In den Band eingefügt ist auch eines der wenigen Gedichte von Siegfried Lenz, das 1948 entstanden ist, wie im Vorwort berichtet wird, und „zwischen seinen Vorlesungsmitschriften zum Literatur- und Philosophiestudium“ wiederentdeckt wurde. …
Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg. Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z.B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalssozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz’ größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.
Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg. Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z.B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalssozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz’ größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.