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Literatur Radio Hörbahn Archiv

2489 Episoden
14 Minuten
Prof. Georg Langenhorst, Universität Augsburg, begab sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf eine Spurensuche, die das Thema „Katholizismus in der Gegenwartsliteratur“ in den Blick nimmt. Sein leitendes Forschungsinteresse ist weit mehr als nur eine Auseinandersetzung mit einem umstrittenen Begriff. Er zeichnet die Entwicklung der christlichen Literatur vom 16. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart nach und präsentiert fünfzig maßgebliche Einzelinterpretationen. Für uns hat er vier Autorinnen und Autoren ausgewählt:

Ulla Hahn (Das verborgene Wort)

Petra Morsbach (Gottesdiener)

Hanns-Josef Ortheil (Blauer Weg, Lo und Lu)

Ralf Rothmann (Junges Licht, Gebet in Ruinen).
9 Minuten
Isaac Asimov kann wohl als DER GIGANT der Science-Fiction-Literatur gelten. Auf jeden Fall ist Asimov einer der meistgelesenen Autoren des Genres – heute wie vor siebzig Jahren. Sein Foundation-Zyklus wird in der westlichen Welt ebenso geschätzt wie im Osten und sogar in der arabischen Welt. Chewjan-Teaux Aulabyortonois macht sich auf Spurensuche nach dem Erfolgsgeheimnis von Isaac Asimov, der gegenwärtig eine groß angelegte Verfilmung durch den Streamingdienst Apple TV+ erfährt und mit der ersten Staffel am 24.9.2021 weltweit auf Sendung ging. Drehorte waren Irland (2020), Malta und Fuerteventura (2021) und sogar die Pfahlbauten in Unteruhldingen am Nordufer des Bodensees.

„Es geht nicht nur darum, dass ich mich um dich sorge und nicht will, dass dir Schaden zugefügt wird. Die ganze Menschheit hängt von dir ab! Mach dir meinetwegen keine Sorgen! Ich bin nur ein Mensch; mach dir um Milliarden Sorge!“ – Berühmte Worte eines irdischen Detektivs zu einem außerirdischen Roboter. Der Auftrag, sich um die über die ganze Milchstraße verbreitete Menschheit zu sorgen, wird für Roboter Daneel Olivaw zum kategorischen Imperativ seiner Existenz.

Was hier mit hochtrabendem Anspruch daher kommt, ist in Wirklichkeit nicht mehr als der Rahmen eines kleinen Märchens, des so genannten Foundation-Zyklus von Isaac Asimov, der als Longseller etlichen Verlagen auf allen Kontinenten beachtliche Einnahmen in die Kassen spülte. Zusammengehalten wird das Opus magnum des vielseitigen Vielschreibers Asimov durch die Figur des Daneel Olivaw: Telepathisch hochaktiv sondiert der Roboter gefährliche Entwicklungen, extrapoliert diese in die Zukunft, lenkt sie gegebenenfalls um, indem er die Gehirne von Generälen, Fürsten und Kaisern manipuliert.

In der Weise, wie sich Asimov die Hybris der Science-Fiction-Literatur zu Eigen gemacht hat, geriet er zu einem geradezu typischen Vertreter dieser Gattung. In einem Interview sagte er einmal: „Wenn ein mechanischer Verstand konstruiert wird, der dem menschlichen Verstand gleich ist, dann haben wir eine Maschine vor uns, die ein Mensch ist. Und wenn wir eine Maschine konstruieren, die besser funktioniert als ein Mensch, dann ist sie ein Übermensch und sollte uns auf diesem unseren Planeten ersetzen.“

Es mag nicht von ungefähr kommen, dass sich Asimov öffentlich selten als ausgesprochener Menschenfreund präsentieren wollte. Den Wunsch nach Ersetzung der gegenwärtig lebenden Menschengeneration durch etwas Besseres oder etwas Verbessertes teilt mit ihm mindestens einer der von ihm bewunderten Forscher auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz, nämlich der KI-Vordenker Marvin Minsky, dem er auch den Band „Der Aufbruch zu den Sternen“ gewidmet hat.

Hinter dem Pseudonym Chewjan-Teaux Aulabyortonois steckt ein langjähriger Redaktionsmitarbeiter zweier großer süddeutscher Verlage, die sich die Herausgabe herausragender SF-Werke auf die Fahnen geschrieben haben. Ihn interessieren vor allem neomythische Strömungen der Popkultur und traditionelle Welterklärungsmodelle, die bis heute ihre Wirkung entfalten.
1 Stunde
Kathrin Niemela, geb. 1973 in Regensburg, ist eine vielreisende Lyrikerin. Schlägt man ihren Debütband auf, wird man nicht nur nach Südamerika und Asien geschickt, um die Dichterin bei ihren oft gesellschaftskritischen Beobachtungen zu begleiten, sondern auch in die Bilderwelt einer Autorin, deren poetische Wortschöpfungen durchaus auch für Semiotik- und Archetypenforscher interessant sein könnten. Der den Bandtitel gebende Satz „wenn ich asche bin, lerne ich kanji“ stammt aus dem Gedicht bad in shibuya, das geradezu ein Paradebeispiel für Niemelas Schreiben ist: urbane, vor Werbung für Weltmarken überbordende Welten prallen mit Menschenmassen und Anonymität zusammen, und mittendrin das lyrische Ich, das das Mysterium unseres Daseins nicht nur beschreiben, sondern auch verstehen will. Niemela schreibt im besagten Gedicht aus Japan: „(…) ich bin kein roboter, / wähle alle bilder mit brücken – hantle mich an mangas / entlang, acht stunden neben der zeit – das waka bricht / silben in splitter – ich schneide mich am sein“.

Kathrin Niemela, BWL-Studium, durchgeboxt und abgeschlossen, Spezialgebiet Marketing und Branding. Auslandsstudium in Paris. Weltweit unterwegs in der Medizintechnik, um Patienten weltweit Zugang zu modernster Hautkrebsfrüherkennung zu verschaffen.

Absolventin der Leondinger Literaturakademie. Sprachverliebt (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch). Shortlist Gertrud-Kolmar-Preis 2019. Finale Irseer Pegasus 2020 Jurypreis Irseer Pegasus 2021
1 Stunde 29 Minuten
Besondere Begegnungen, ungestüme Landschaften, wertvolle Erkenntnisse – das Reisen erweitert nicht nur unseren Horizont, sondern lehrt uns zu leben. Und wer kann uns dieses Leben in seiner rohen, manchmal erschreckenden und meist überwältigenden Vielfalt besser nahebringen als der begnadete Reporter Andreas Altmann? In dieser Auswahl seiner gefeierten Reportagen lässt er uns an seinen Begegnungen in aller Welt teilhaben, erzählt von den unterschiedlichsten Menschen und ihren Schicksalen und nimmt uns mit nach Lappland und in den Sudan, nach Mumbai und Chicago, zu Kamelrennen und Himalajawallfahrten. Das immerwährende Interesse an anderen Menschen und ihren Umständen treibt ihn vorwärts. Bloßes Leben in einem Band.

Andreas Altmann, Auf wenige Autoren trifft das Etikett »Weltbürger« so zu wie auf Andreas Altmann; er ist tatsächlich in der ganzen Welt zu Hause. Eine Stadt oder ein Land reicht ihm nicht aus. Überall auf dem Globus sucht er nach etwas, das er für sich als Heimat reklamieren kann. Wortgewaltig, wirkmächtig und mit präzisen Beobachtungen erzählt er vom Schönen und Schrecklichen, das uns auf Reisen widerfährt. »Der Mensch muss raus, muss weg, er soll von der Welt wissen und lernen: die intelligenteste Voraussetzung, um ein kosmopolitischer Patriot zu werden.« Andreas Altmann lebt als Schriftsteller in Paris. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter etliche Bestseller. Andreas Altmann wurde u. a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Seume-Literaturpreis und dem Reisebuch-Preis ausgezeichnet.
11 Minuten
1992 lernt die gerade nach Berlin gezogene Natascha Wodin die Ukrainerin Nastja kennen. Schnell entwickelt sich aus dem Interesse für die Frau, die aus dem Land ihrer Mutter stammt und für Wodin wie für andere putzt, eine Freundschaft. Eigentlich Tiefbauingenieurin, haben die Wirren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Nastja in den Westen geführt, wo sie das Schicksal vieler osteuropäischer Frauen teilt. Um ihr eigenes und das Leben ihrer in der Ukraine zurückgebliebenen Familie, vor allem das des bei ihrem inzwischen wiederverheirateten Ex-Mann Roman zurückgebliebenen Enkels Slawa, zu sichern, arbeitet sie bei deutschen Familien als Haushaltshilfe. Die Nächte verbringt sie auf dem Sofa bei ihrer Schwester Tanja, die als Frau eines jüdischen Kontingentflüchtlings mit ihrer Familie vor Jahren bereits aus der Sowjetunion ausreisen durfte …

Eine Rezension von Dietmar Jacobsen
25 Minuten
Im Stuttgarter Westen bilden die Reinsburgstraße und die in einem spitzen Winkel abzweigende Hasenbergsteige einen kleinen dreieckigen Platz, der seit 1901 mit einem Brunnen, dem sogenannten Gänsepeterbrunnen, geschmückt ist. Der Platz wurde 2010 hergerichtet, der Schilderwald ausgedünnt, durch Poller wurde der Brunnen vor allzu nah parkenden Autos geschützt. Die Randbebauung des Platzes, der seit 1984 den Namen Johann-Sebastian Bach-Platz trägt, weil hier die Internationale Bachakademie ansässig ist, stammt ausnahmslos aus der Gründerzeit, sodass sich zusammen mit dem Brunnen ein durchaus harmonisches Bild ergibt. Er kann zweifellos als einer der schönsten Plätze Stuttgarts gelten Christian Buchholz war früher Dozent an der PH Schwäbisch Gmünd, Pfarrer in Stuttgart, Studienleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll, Schuldekan für die Kirchenbezirke Nürtingen und Kirchheim, dann Kirchheim und Göppingen. Er ist lokal- und kirchengeschichtlicher Autor (u.a. Gottes Geist an Fils und Alb) und Vorsitzender der Blumhardt-Sozietät e.V.

Hermann Ehmer, Jahrgang 1943, ist promovierter Theologe und ausgebildeter Archivar, nach 16-jähriger Tätigkeit im staatlichen Archivwesen war er von 1988 bis 2008 Leiter des Landeskirchlichen Archivs in Stuttgart. Im tätigen Ruhestand forscht und veröffentlicht er über württembergische Kirchengeschichte und südwestdeutsche Landesgeschichte.
11 Minuten
Isaac Asimov kann wohl als DER GIGANT der Science-Fiction-Literatur gelten. Auf jeden Fall ist Asimov einer der meistgelesenen Autoren des Genres – heute wie vor siebzig Jahren. Sein Foundation-Zyklus wird in der westlichen Welt ebenso geschätzt wie im Osten und sogar in der arabischen Welt. Chewjan-Teaux Aulabyortonois macht sich auf Spurensuche nach dem Erfolgsgeheimnis von Isaac Asimov, der gegenwärtig eine groß angelegte Verfilmung durch den Streamingdienst Apple TV+ erfährt und mit der ersten Staffel am 24.9.2021 weltweit auf Sendung ging. Drehorte waren Irland (2020), Malta und Fuerteventura (2021) und sogar die Pfahlbauten in Unteruhldingen am Nordufer des Bodensees.

„Es geht nicht nur darum, dass ich mich um dich sorge und nicht will, dass dir Schaden zugefügt wird. Die ganze Menschheit hängt von dir ab! Mach dir meinetwegen keine Sorgen! Ich bin nur ein Mensch; mach dir um Milliarden Sorge!“ – Berühmte Worte eines irdischen Detektivs zu einem außerirdischen Roboter. Der Auftrag, sich um die über die ganze Milchstraße verbreitete Menschheit zu sorgen, wird für Roboter Daneel Olivaw zum kategorischen Imperativ seiner Existenz.

Was hier mit hochtrabendem Anspruch daher kommt, ist in Wirklichkeit nicht mehr als der Rahmen eines kleinen Märchens, des so genannten Foundation-Zyklus von Isaac Asimov, der als Longseller etlichen Verlagen auf allen Kontinenten beachtliche Einnahmen in die Kassen spülte. Zusammengehalten wird das Opus magnum des vielseitigen Vielschreibers Asimov durch die Figur des Daneel Olivaw: Telepathisch hochaktiv sondiert der Roboter gefährliche Entwicklungen, extrapoliert diese in die Zukunft, lenkt sie gegebenenfalls um, indem er die Gehirne von Generälen, Fürsten und Kaisern manipuliert.

In der Weise, wie sich Asimov die Hybris der Science-Fiction-Literatur zu Eigen gemacht hat, geriet er zu einem geradezu typischen Vertreter dieser Gattung. In einem Interview sagte er einmal: „Wenn ein mechanischer Verstand konstruiert wird, der dem menschlichen Verstand gleich ist, dann haben wir eine Maschine vor uns, die ein Mensch ist. Und wenn wir eine Maschine konstruieren, die besser funktioniert als ein Mensch, dann ist sie ein Übermensch und sollte uns auf diesem unseren Planeten ersetzen.“

Es mag nicht von ungefähr kommen, dass sich Asimov öffentlich selten als ausgesprochener Menschenfreund präsentieren wollte. Den Wunsch nach Ersetzung der gegenwärtig lebenden Menschengeneration durch etwas Besseres oder etwas Verbessertes teilt mit ihm mindestens einer der von ihm bewunderten Forscher auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz, nämlich der KI-Vordenker Marvin Minsky, dem er auch den Band „Der Aufbruch zu den Sternen“ gewidmet hat.

Hinter dem Pseudonym Chewjan-Teaux Aulabyortonois steckt ein langjähriger Redaktionsmitarbeiter zweier großer süddeutscher Verlage, die sich die Herausgabe herausragender SF-Werke auf die Fahnen geschrieben haben. Ihn interessieren vor allem neomythische Strömungen der Popkultur und traditionelle Welterklärungsmodelle, die bis heute ihre Wirkung entfalten.
1 Stunde 12 Minuten
Werden wir schlauer oder dümmer? Und welchen Nutzen hat Hirntraining?

Zum ersten Mal, seit Intelligenz im großen Stil gemessen wird, sinkt der globale Intelligenzquotient. Dies konnte Jakob Pietschnig bei seinen Forschungen an der Universität Wien nachweisen. Was bedeutet das für die durchschnittliche Intelligenz der Bevölkerung? Und für jeden Einzelnen?

Der Autor zeigt, welche Faktoren unsere Intelligenz beeinflussen und wie man die Leistungsfähigkeit des Gehirns verbessern kann – und zwar in jedem Lebensalter. Das Gehirn ist wie ein Zehnkämpfer. Es will in allen Disziplinen trainiert werden.

Jakob Pietschnig, geboren 1982 in Wien, arbeitet an der Universität Wien. Er leitet den Arbeitsbereich für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik am Institut für Psychologie der Entwicklung und Bildung. Pietschnig ist Vater von zwei Kindern und lebt in Wien.
11 Minuten
Die literarische Reise von der Quelle bis zur Mündung des Rheins, zu der Karl-Heinz Göttert in seinem jüngst erschienenen Buch einlädt, mutet Leserinnen und Lesern durchaus einiges an Durchhaltevermögen zu. Als Parforceritt oder besser als schwindelerregende Schifffahrt auf den Spuren der deutschsprachigen Literaturgeschichte gerät der Ausflug entlang des vielbesungenen mythenbildenden Stroms, der nicht nur die Landschaft und Lebensweise, sondern auch die Kultur und das Geistesleben in seinem Umfeld prägte, zu einer äußerst dichten Ansammlung von Namen, Texten und unterschiedlichen literarisch-historischen Ereignissen vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart: Vom Nibelungenlied über Sebastian Brants Narrenschiff, natürlich Schiller und Goethe, das Brentano-Haus in Oestrich-Winkel, Annette Droste-Hülshoff in Meersburg am Bodensee bis hin zu Carl Zuckmayer, Anna Seghers Judenbuche, Heinrich Böll oder Dieter Wellershoff, von Hölderlins Rhein-Hymne über Ferdinand Freiligrath und Heinrich Heines Loreley bis hin zu den deutschtümelnd nationalistischen Dichtungen eines Ernst Moritz Arndt und vielem mehr ist beinahe alles vertreten, was literarisch am oder in der Nähe des Rheins entstanden ist und von ihm inspiriert wurde …

Eine Rezension von Manfred Orlick
23 Minuten
Christian Buchholz war früher Dozent an der PH Schwäbisch Gmünd, Pfarrer in Stuttgart, Studienleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll, Schuldekan für die Kirchenbezirke Nürtingen und Kirchheim, dann Kirchheim und Göppingen. Er ist lokal- und kirchengeschichtlicher Autor (u.a. Gottes Geist an Fils und Alb) und Vorsitzender der Blumhardt-Sozietät e.V.
1 Stunde 39 Minuten
Theodor Fontane (1819–1898) und Gottfried Keller (1819–1890) haben das literarische Schaffen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. Unabhängig voneinander, aber zur selben Zeit formulierten sie ein literaturkritisches Programm, das in Auseinandersetzung mit Romantik und Idealismus die Forderung erhebt, die Wirklichkeit der Welt und des Menschen möglichst transparent zu machen: den Realismus.

Die Literatur des Realismus lässt sich mithin als eine Form der Religionskritik verstehen: Sie reflektiert und beschreibt den Wandel, der in der Kritik am unwirklichen Jenseits begründet liegt, und stellt durch ihre Diesseitsorientierung gleichsam neue Lebensentwürfe zur Debatte. Umso bemerkenswerter aber, dass gerade die Gründerväter des Realismus in dieser Frage gänzlich uneins sind: Während Keller „sich sein Rendezvous mit diesem Leben durch kein zweites hat lassen stören wollen“ (Walter Benjamin), erteilte Fontane solchem „frivolen Unglauben“ eine deutliche Absage und legte mit Quitt sogar einen religiösen Roman vor. Steht hinter dem gemeinsamen Realismus also in Wirklichkeit ein großes Fragezeichen? Persönlich sind sich Keller und Fontane nie begegnet – ein Grund mehr, die beiden zu ihrem 200. Geburtstag zu dieser Frage zu Wort kommen zu lassen. Möglich machen soll es unser Literaturabend „Geburtsstunde des Realismus“, der die ausgewiesenen Experten Prof. Dr. Ursula Amrein (Keller) und Prof. Dr. Hans Dieter Zimmermann (Fontane) auch darüber nachdenken lässt, worüber die Jubilare selbst Zeit ihres Lebens nachgedacht haben: Gott und die Welt.

Ursula Amrein ist Professorin für Neuere Deutsche Literatur, Universität Zürich. Buchpublikationen u.a.: «Los von Berlin!» Die Literatur- und Theaterpolitik der Schweiz und das «Dritte Reich» (2004). – Phantasma Moderne. Die literarische Schweiz 1880–1950 (2007). – (Hrsg.) Das Authentische. Referenzen und Repräsentationen (2009).

Hans Dieter Zimmermann ist Professor em. für Literaturwissenschaft an der TU Berlin. Er hat u. a. Bücher zu Kleist und Kafka vorgelegt und die “Tschechische Bibliothek” in deutscher Sprache herausgegeben.
8 Minuten
Franz Fühmann (1922-1984) war einer der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kaum ein Dichter seiner Generation hat sich so radikal mit den Brüchen und Verirrungen in der eigenen Biografie auseinandergesetzt. In der Jugend vom Nationalsozialismus geprägt, sowjetische Kriegsgefangenschaft, Wahlheimat DDR, dort zunächst glühender Marxist und schließlich DDR-Kritiker – die eigene politische Wandlung war für ihn stets eine literarische Aufarbeitung. In der DDR gehörte er zu den bekanntesten Autoren, während er im Westen mehr oder weniger unbekannt war …

Eine Rezension von Manfred Orlick
1 Stunde 14 Minuten
Was haben Ozean und Weltall gemeinsam? Wie sind Kraken und Menschen entstanden? Was genau sind Kopffüßer – und warum heißen die so komisch? Kraken sind die ältesten intelligenten Lebewesen unseres Planeten, wahre Aliens , deren Fähigkeiten uns staunen lassen. Michael Stavaric und Michèle Ganser haben ein Sachbuch voll überraschender Wendungen kreiert, das wesentlich mehr bietet als schlichte Wissensvermittlung. Gemeinsam mit ihren Leser*innen begeben sie sich ins Reich der Kraken und laden ein zum gemeinsamen Abenteuer. Ein Buch, das so ungewöhnlich wie der Krake selbst ist: zum Mitdenken und Mitmachen, voll witziger Details und plastischer Beschreibungen. Dass man danach zwangsläufig alles Wichtige über Licht, Erde, Evolution, Genetik und so weiter weiß, bleibt fast schon ein Nebeneffekt.

Michael Stavarič, geboren 1972 in Brno, lebt als freier Schriftsteller, Übersetzer und Dozent in Wien. Zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u. a.: LeseLenz-Preis für Junge Literatur, Adelbert-Chamisso-Preis, Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, Kinderbuchpreis der Stadt Wien, German Design Award, Literaturpreis Wartholz, Hohenemser Literaturpreis. Lehraufträge, u. a.: Stefan Zweig Poetikdozentur an der Universität Salzburg, Literaturseminare an den Universitäten Bamberg, Wien, München, Rutgers, New York. Aktuelle Publikationen: »Fremdes Licht«, »Balthasar Blutberg«, »Die Menschenscheuche«. Er wäre früher gerne Meeresbiologe geworden, jetzt schreibt er Kinderbücher, Romane, Theaterstücke und Gedichte, interessiert sich aber noch immer für Fauna und Flora, besonders für Meerestiere. Wenn er nicht gerade Bücher schreibt, verbringt er seine Zeit mit Naturdokumentationen.

Michèle Ganser, 1995 in Aachen geboren, studierte Kommunikationsdesign in Aachen und Mainz. Besonders faszinieren sie das Weltall, die Sterne und die unterschiedlichen Planeten. In ihren Illustrationen vereinigt sie auf ungewöhnliche Weise spannende Themen und erschafft so ganz neue Welten. In ihrer Freizeit liest sie gerne – am liebsten Science-Fiction-Romane.
10 Minuten
Fëdor Michajlovič Dostojevskij (1821–1881) war einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, der in seinen Romanen und Novellen die politischen, sozialen und spirituellen Verhältnisse zur Zeit des Russischen Kaiserreiches beschrieb. Darüber hinaus hat er sich wie kaum ein anderer Dichter der Weltliteratur eindringlich und radikal mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinandergesetzt. …

Eine Rezension von Manfred Orlick
1 Stunde 20 Minuten
„Ulysses“ endlich durchlesen

Mit einem Audio Reader‘s Guide begleitet der Kulturjournalist Ralf Schlüter Leser*innen erläuternd durch James Joyce‘ 100-jähriges Meisterwerk der Moderne

Der Roman gilt als harter Brocken selbst für ambitionierte Literaturwissenschaftler: Vor 100 Jahren erschien „Ulysses“ von James Joyce erstmals in Paris. Mit dem jetzt veröffentlichten Audio Reader‘s Guide „Ulysses lesen“ möchte Kulturjournalist und „Ulysses“-Fan Ralf Schlüter anderen Mut machen, sich auf das Meisterwerk der modernen Literatur einzulassen. Der „rote Faden durch das meist abgebrochene Buch der Welt“ soll helfen, es zu verstehen.

Ständige Perspektivwechsel, literarische Parodierlust und Sprünge in Raum und Zeit kennzeichnen den Roman „Ulysses“ des irischen Schriftstellers James Joyce. In 18 Episoden beschreibt er einen einzigen Tag – den 16. Juni 1904. Die Leser*innen begleiten den Protagonisten Leopold Bloom bei seinen Irrgängen durch Dublin. Die äußere Handlung zersplittert in inneren Monologen, Gedankenfetzen, Rückblenden und Stilparodien. Das am 2. Februar 1922 erstmals erschienene Meisterwerk der Moderne sei nicht einfach zu lesen und zu verstehen, bestätigt Ralf Schlüter: „Alles verwandelt und verändert sich ständig. Eine feste Erzählperspektive gibt es nicht. Man wird beim Lesen herumgewirbelt wie in einem Karussell.”

Auch der Berliner Kulturjournalist war lange Zeit nicht über das erste Kapitel hinausgekommen. Heute ist „Ulysses“ für ihn jedoch ein Buch, das durch seine „quasi dreidimensionale, nicht lineare“ Struktur ein einzigartiges Leseerlebnis bietet. Seine eigene Lektüre beschreibt er so: „Es war, als hätte ich ein großes Haus mit vielen Zimmern durchquert, in dem es noch vieles zu entdecken gab. Vieles, was ich nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen hatte. Und ich wollte eigentlich gleich zurück zur Eingangstür und nochmal durchgehen.“

Der Reader‘s Guide mit Einführung in jede der 18 Episoden des Romans

So kam ihm die Idee, seine Begeisterung über Joyce‘ Werk zu teilen. „Ich habe Lust, mein frisch erworbenes Wissen weiterzugeben und biete mich quasi als Höhlen- und Hausforscher an. Vielleicht ist es auch nur ein Vorwand, damit ich selbst mich noch eine Weile in diesem Buch aufhalten kann.“

Der Reader‘s Guide besteht aus 18 Folgen. Schlüter führt in jedes Kapitel des Romans ein, erläutert Handlung und Figuren, erklärt Hintergründe, Themen und Besonderheiten. Dieses Online-Angebot richtet sich an Abonnent*innen; sie erhalten auch Zugang zur Community, in der man sich mit anderen über den Roman austauschen kann. Das Versprechen lautet: „Ulysses“ endlich durchlesen zu können, Grundlage ist die deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger, die im Suhrkamp Verlag erschienen ist.