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Literatur Radio Hörbahn Archiv

2489 Episoden
1 Stunde 7 Minuten
Die Themen globale Erwärmung und Klimawandel sind in aller Munde. Um die knappen Ressourcen auch für unsere Nachwelt zu sichern, ist es unumgänglich geworden, ressourcenschonend und nachhaltig zu agieren und den eigenen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. In unserer neuen Podcast-Folge haben wir uns mit dem Münchner oekom Verlag einen Profi an die Seite geholt, der schon unser Standpartner auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr war. Mit seinen Büchern und Zeitschriften liefert der Verlag seit Jahren Denkanstöße für eine nachhaltige und ökologische Entwicklung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die Runde in der Glockenbachbuchhandlung:

Pamela Scholz – Buchhändlerin der Glockenbachbuchhandlung

Steffi Sack – „Nur Lesen ist schöner“

Dr. Laura Kohlrausch – Lektorin und Leiterin Sachbuch des Münchner oekom Verlags

Was haben wir vor?

Nach unserer ausgelassenen Partywelle mit der Bilderbuchzeitschrift gecko und den Wollmäusen von Künstlerin Katrin Wiegand wollen wir uns dieses Mal einem ernsten aber extrem wichtigen Thema

zuwenden: der Nachhaltigkeit und dem Bewusstsein darüber, dass unser Handeln unsere Zukunft mitgestalten kann.

In dieser Ausgabe unterhalten wir uns mit einer Vertreterin des unabhängigen Münchner oekom Verlags, der schon seit 1989 dem Anspruch folgt, „zukunftsfähigen Lesestoff zu produzieren, um das

Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in der Gesellschaft zu verankern“. Welcher Lesestoff das genau ist und wie ein Verlag diesen in Zeiten von Papiermangel, Lieferschwierigkeiten, Klimakrise und Kriegen produzieren und sein Leitbild dabei gleichzeitig aufrechterhalten kann, dem möchten wir gemeinsam auf den Grund gehen.

Heute geht es um:

Wofür der Zusatz natürlich oekom steht und wie ein Verlag Nachhaltigkeit lebt

Wie schaut ein ökologischer Verlagsalltag aus?

Was verbirgt sich hinter dem Namen oekom?

Wie setzt sich das Programm des oekom Verlags zusammen?

Wie eine Verlagswebsite Impulse setzt

Was hat es mit der oekom crowd auf sich?

Wie verpacke ich ökologische Probleme kindgerecht?

Was hat es mit dem Pestizidprozess auf sich?

Wir wünschen viel Freude beim Hören …
16 Minuten
The Nobel Prize in Physiology or Medicine 2022

Born: 20 April 1955, Stockholm, Sweden

Affiliation at the time of the award: Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology, Leipzig, Germany, Okinawa Institute of Science and Technology, Okinawa, Japan

Prize motivation: “for his discoveries concerning the genomes of extinct hominins and human evolution”

Die Nobel Foundation ist eine private Institution, die 1900 auf Wunsch von Alfred Nobel gegründet wurde. Die Hauptaufgabe besteht in der Verwaltung der durch das Testament zur Verfügung gestellten Vermögenswerte und des geistigen Eigentums im Zusammenhang mit dem im Laufe der Jahre entstandenen Nobelpreis. Die Preiskomitees arbeiten derzeit sorgfältig und unabhängig an der Auswahl der Preisträger des Nobelpreises 2019 und des Preises für Wirtschaftswissenschaften. Die Preisträger werden ab dem 7. Oktober bekannt gegeben und enthüllen die Wissenschaftler, Schriftsteller und Friedensarbeiter, die – im Einklang mit der Vision von Alfred Nobel – den größten Nutzen für die Menschheit erbracht haben.
1 Stunde 26 Minuten
Ein differenzierter Umgang mit Karl May. Die Karl-May-Gesellschaft tagt in der bayerischen Metropole in Kooperation mit der Bayerischen Amerika-Akademie
14 Minuten
Ingo Cesaro, lebt als Schriftsteller, Herausgeber, Handpressendrucker und Galerist in Kronach.

Über 300 Einzelveröffentlichungen und Mitarbeit an unzähligen Anthologien und Sammelbänden. Ich habe 180 Editionen, teilweise mit Originalgrafik herausgegeben. Enge Zusammenarbeit mit Malern und Grafikern, die sich in Küsntlerbüchern, bibliophilen Editionen, Pop up poetry art, Buch- Objekten und Einzelblattdrucken und Ausstellungen “Buch an der Wand” niederschlug. Enge Zusammenarbeit mit Komponisten und Musikern. Tingeln mit “Japp & Texte”; “Saxophon und Lyrik”; “Vertanzte Gedichte” und Minimalmusik & Dreiezeiler. Als Galerist fast 30 Ausstellungen mit Grafiken von Günter Grass, bis nach Süd-Ungarn, organisiert. Dazu auch Ausstellungen von Gottfried Wiegand, Christoph Meckel, Eberhard  Schlotter, Wilhelm Schramm und Brother in Art und vielen anderen. Gründet den Verein “Regionale Kunstförderung Kronach e. V. und deren 1. Vorsitzende. Z. B. im moment “Cesaros temporäre Galerie im Impfzentrum Kronach” mit über 140 Arbeiten von über dreißige Künstlerinnen und Künstler. Startet die “Cranach City ART Galerie. Organisiert internationale Kunst-Projekte, z. B. Intern. Lucas-Cranach- Preis; Intern. Vogelscheuchen-Wettbewerb; intern. Kunstprojekt “HolzART”, bisher 22 x; Mitwitzer-Künstler-Markt 15 x; Kunstmesse “ARTkronach” 37 x Intern. mail-art-Projekte(selbst als mail-art-artist intern. mit typografischen Arbeiten unterwegs). Organisiert intern. Literatur-Projekte z. B. ” Kronach/Bayern – Hauptstadt der Poesie – tausend Gedichte für eine Stadt”, “900 Jahre Schwabach – und kein bisschen alt”. Organisiert nachhaltige Literatur-Projekte immer verbunden mit einer Setz- und Druckwerkstatt “wie zu Gutenbergs Zeiten” (mit der einzigen “mobilen” Handpresse im deutschsprachigen Raum) an Schulen und Universistäten im In- und Ausland. Mitglied: VS (ver.di); die KOGGE, Deutschschweizer P.E.N.; Deutsche Haiku-Gesellschaft; regensburger Schriftsteller Gruppe Intern. RSGI (deren Vize seit 1998); Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik GZL.

in Kronach: Botschafter, Stiftungsrat der Bürgerstiftung “Historisches Kronach”; Mitglied im Gremium “Kronacher Sommer” und “Kreiskulturring” Mitglied im Arbeitskreis “Lucas Cranach”.
1 Stunde 23 Minuten
Ein differenzierter Umgang mit Karl May. Die Karl-May-Gesellschaft tagt in der bayerischen Metropole in Kooperation mit der Bayerischen Amerika-Akademie
17 Minuten
Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022 setzte eine Fluchtbewegung ein: Millionen von Ukrainer:innen verließen ihr Heimatland, vor allem in Richtung Westen. Für manche waren Staaten wie Polen oder Österreich nur eine Transitstation vor der Weiterreise, andere bleiben auf unbestimmte Zeit. Darunter auch zahlreiche Forschende. Um ihnen zu helfen, hob der FWF kurzerhand ein Unterstützungsangebot aus der Taufe: Projektleiter:innen von bereits laufenden FWF-Projekten konnten einen Antrag stellen, um Geflüchtete oder Ukrainer:innen, die seit maximal zwei Jahren in Österreich sind, für zwölf Monate in ein Projekt aufzunehmen. Drei Fälle, die zeigen, wie reibungslos die Integration von Expertise gelingen kann.

Die Radiologin Svitlana Pochepnia arbeitete bis zum Ausbruch des Krieges an einer Privatklinik in Kiew. Schon davor hatte sie Kooperationen mit Fachkolleg:innen in Wien. Im Frühjahr 2022 ist sie nach Österreich zurückgekehrt. Sie rechnet damit, dass sie dieses Mal länger hier sein wird.

Julia Strikovska ist eine Künstlerin, Kuratorin und Juristin aus Kiew. Im März 2022 flüchtete sie vor dem Angriffskrieg auf ihr Heimtland nach Wien, wo sie ihre interdisziplinären Erfahrungen in ein künstlerisch-wissenschaftliches Projekt über Taumel einbringt.

Die Hydrobiologin Olena Bilous forscht seit 2009 an der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Kiew. Seit dem Frühjahr 2022 ist sie in Wien, wo ihr der Ukraine-Support des FWF ermöglichte, ihre wissenschaftliche Arbeit temporär fortzuführen.

Krisenunterstützung für ukrainische Forschende

Als Zeichen der Solidarität und konkreten Hilfe hat der Wissenschaftsfonds FWF unmittelbar nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine eine Unterstützungsaktion gestartet. Wissenschaftler:innen, die ein FWF-Projekt leiten, wurden dazu eingeladen, ukrainische Kolleg:innen in ihre Forschungsarbeit in einzubinden. Der FWF stellte eine Million Euro für diese Krisenunterstützung zur Verfügung. Durch ein rasches, qualitätsgesichertes Verfahren konnten so 30 Forschende für ein Jahr ihre wissenschaftliche Tätigkeit fortsetzen und mit Forschergruppen in Österreich zusammenarbeiten.
30 Minuten
Friedrich von Hardenberg, der sich später Novalis nannte, gilt bis heute als der Romantiker par excellence, als der einzige wahrhafte Dichter der deutschen Frühromantik. Dabei betrachtete er selbst seine „Schriftstellerei“ stets als „Nebensache“. Vielmehr bereitete er sich mit Eifer und Sorgfalt auf einen bürgerlichen Beruf vor. Nach einem erfolgreichen Jurastudium bildete er sich durch ein bergmännisches Studium und durch eigene intensive naturwissenschaftliche Studien weiter, um in der kursächsischen Salinenverwaltung seinen Lebensinhalt zu finden.
1 Stunde 17 Minuten
Verleihung des James Krüss Preises für internationale Kinder- und Jugendliteratur 2022 an David Almond und Alexandra Ernst in der Internationalen Jugendbibliothek

»Erzählerischer Eigensinn und feines Sprachempfinden getragen von Empathie, Humor und einer großen Lust am Sprachspiel und der Metafiktion prägen Almonds Texte. Seine komplexen Geschichten schildern unsere Realität und sind zugleich an der Grenze zum Magischen angesiedelt. Der Weg dahin führt über die großen Fragen unserer Existenz, denen Almond ebenso wenig ausweicht wie seine eigenwilligen, autonomen Kinderfiguren.«

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Aus der Jurybegründung

Der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur wird seit 2013 alle zwei Jahre für ein herausragendes kinder- oder jugendliterarisches Werk vergeben. Die Internationale Jugendbibliothek führt ihn im Auftrag der James-Krüss-Erbengemeinschaft durch.

Im Gedenken an James Krüss fördert der Preis Erzählkunst und Weltoffenheit. Ausgezeichnet wird ein kinder- und/oder jugendliterarisches Werk, das durch sprachliche Brillanz, Originalität, fantasievolles Erzählen, Formenvielfalt und Humanismus überzeugt. Der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur ist mit 8.000 Euro dotiert.

Mit dem James Krüss Preis 2022 wird der britische Autor David Almond ausgezeichnet. Er ist einer der bedeutendsten britischen Gegenwartsautoren für Kinder- und Jugendliteratur und vielfach preisgekrönt, u.a. mit dem Hans Christian Andersen-Preis (2010). Er schrieb über 20 Romane, Kurzgeschichten und Bilderbücher, sein bekanntestes Werk ist der Roman »Skellig« (auf Deutsch: »Zeit des Mondes«), der in 30 Sprachen übersetzt wurde. Zuletzt erschien sein Roman »Bone Music« (Freies Geistesleben, 2022).

Mit David Almond wird seine derzeitige Hauptübersetzerin Alexandra Ernst ausgezeichnet, die die fantasievollen Spracherkundungen, gewitzten Wortspielereien und atmosphärischen Verdichtungen in Almonds Romanen elegant und feinsinnig in ein literarisch ebenbürtiges Werk auf Deutsch überträgt.
1 Stunde 17 Minuten
Als der Soziologe Heinz Bude vor der Veranstaltung gefragt wurde, welches Buch er zur Besprechung vorschlagen würde, antwortete er: „‚Reform‘ von Michael Seewald – und ‚Die Pest‘ von Albert Camus!“ Zur Buchlektüre und -diskussion laden wieder Annette Schavan und Jan-Heiner Tück ein.

Heinz Bude ist Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel und bringt mit seinen Publikationen die Soziologie immer wieder öffentlichkeitswirksam zur Sprache. Als Beispiele seien genannt: Gesellschaft der Angst (2014); Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen (2016); Adorno für Ruinenkinder – Eine Geschichte von 1968 (2018); Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee (2019). Die im Terzett besprochenen Bücher werden von den drei Diskutanten des Abends vorgeschlagen und im Vorhinein gelesen.

Annette Schavan ist eine deutsche Politikerin. Von 1995 bis 2005 war sie Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Sie war von 2005 bis 2014 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2013 war sie Bundesministerin für Bildung und Forschung. Schavan studierte zwölf Semester Erziehungswissenschaften (Hauptfach), Philosophie (Nebenfach) und Katholische Theologie an Universitäten in Bonn und Düsseldorf.

Jan–Heiner Tück studierte katholische Theologie und Germanistik an den Universitäten in Tübingen und München. Anschließend wurde er bei Peter Hünermann in Tübingen zum Dr. theol. promoviert. Seit 2010 hat er die Professur für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien inne. Nach Symposien zum Werk Paul Celans, Peter Handkes und Arnold Stadlers initiierte Tück im Frühjahr 2016 die Poetikdozentur „Literatur und Religion“ an der Universität Wien. Bislang waren bei der Poetikdozentur Thomas Hürlimann, Sibylle Lewitscharoff, Nora Gomringer, Alois Brandstetter und Christian Lehnert zu Gast.
19 Minuten
Gabriele Leucht und Marcus Weible stellen Werke aus verschiedenen Literaturgattungen und ihre musikdramaturgische Umsetzung in der Welt der Oper vor.

In der achten Folge der Rubrik “Literatur wird Oper” begeben wir uns in die Urgründe europäischer Mythologie. Vergils “Aeneis” inspirierte Hector Berlioz zu seinem monumentalen Werk “Les Troyens”. Wir beschäftigen uns mit dem Leben dieses französischen Komponisten und seinem überragenden Einfluss auf das Musikleben des 19. Jahrhunderts. Mit “Les Troyens” schuf Berlioz ein Musikdrama das viele Jahrzehnte als “unaufführbar” galt, aber dennoch völlig neue Maßstäbe in der Welt der Oper setzte. Im Fokus unserer Besprechung steht die Aufführung dieses einzigartigen Werkes, die am 10.07.2022 in der Bayerischen Staatsoper in München erfolgte.

Hector Berlioz (* 11.12.1803 – 08.03.1869) Die Epoche der musikalischen Romantik wurde nachhaltig von Hector Berlioz geprägt. Seine Bedeutung erschöpft sich aber nicht nur in seinem Wirken als Dirigent und Komponist. Auch als brillanter Schriftsteller und Kritiker bleibt er bis heute in Erinnerung. Sohn eines Arztes, studierte er zunächst Medizin, bald jedoch Komposition am Pariser Conservatoire. Berlioz Werke sind überwiegend Programmmusik mit starken Bindungen an die Literatur. Der überaus belesene Komponist hegte eine lebenslange Leidenschaft für die Dramen Shakespeares. Er hinterließ ein umfangreiches Oeuvre das neben Opern, mehrere Sinfonien, Chorwerke, Lieder und Ouvertüren umfasst.

Marcus Weible, geboren 1968 in München. Nach Abitur und Bundeswehr habe ich Geschichte und Rechtswissenschaften in Erlangen und Würzburg studiert. Ich war 15 Jahre als Rechtsanwalt und juristischer Repetitor bei Kern – Nordbayern tätig. In dieser Zeit bereitete ich bundesweit zahlreiche Studenten und Referendare auf das Erste und Zweite Juristische Staatsexamen vor. Mittlerweile lebe ich in Regensburg und gehe dort dem Anwaltsberuf mit Schwerpunkt im Verwaltungsrecht nach. Neben meinem Hobby Geschichte, sind und waren SF und Fantasy meine große Leidenschaft. Ich bin Mitglied des Münchner Fankreises „Die Phantasten“ und betätige mich auf mehreren Literaturseiten als Autor und Rezensent.”

Gabriele Leucht, geboren: 1981 in München, Ausbildung: von den alten Sprachen bis zur Avvocatessa der Juristerei in Rosenheim, Birmingham, Maryland, Neapel, Straßburg und München. Interessen: Kunst, je abstrakter desto lieber, Literatur, besonders Romane und Dramen, Opern-Musik, fürs Herz italienisch, für den Rest auch alles andere, Politik: Grundgesetz-Fanatikerin, Antirassistin u.v.m., Sport: nicht ohne meine Berge.
12 Minuten
Hoch die internationale Solidarität! Das konnte man dieser Tage, im Juni 2022, wieder auf einem Parteitag riechen, auch wenn sich hinter dieser hohlen Phrase viele Putinversteher versteck(t)en (und sich eingedenk alter Proletarier-aller-Länder-vereinigt-euch-Seligkeit echt klasse fühlen durften).

Hier kommt ein Buch (das „nur“ bis zur Corona-Krise geht) gerade recht, das dem Begriff der Solidarität doppelt „schärfere Konturen verleihen“ möchte. Zum einen geht es um eine Begriffsumkreisung, -bestimmung. Das, finde ich, ist nicht immer ganz gelungen, die Konturen verschwimmen mir da manchmal etwas. …

Den Text der Rezension finden Sie hier.
11 Minuten
„Neues zu Thomas Mann“ – Der Sammelband „Persönliche Erinnerungen an Thomas Mann“ präsentiert überraschende Fundstücke, die zum hundertjährigen Jubiläum der „Nordischen Woche“ in Lübeck 1921 ediert wurden – eine Rezension von Wolfgang Bühling

– eine Rezension von Wolfgang Bühling

Der vorliegende Band wurde von Dirk Heißerer für das Thomas-Mann-Forum München als Band 9 der Schriftenreihe „Fundstücke“ herausgegeben – „Drei Erstdrucke erinnern an Thomas Mann in Lübeck und München bis 1933. Sie sind besondere Fundstücke, zeigen sie doch Thomas Mann ganz unmittelbar, aus persönlicher Nähe, und spiegeln zugleich die politischen Diskussionen um den Dichter vor und nach 1933“. In der Einleitung skizziert der Herausgeber zunächst die Beziehungen der Autoren der edierten Erstdrucke zu Thomas Mann. Im Sinne einer kritischen Betrachtung weist er darauf hin, dass diese persönlichen Erinnerungen „subjektiv, mit Fehlern und Schwächen, chronologischen Unschärfen und Lücken“ behaftet sind.
1 Stunde 20 Minuten
Friedrich Hölderlin ist der große Unbekannte unter den Klassikern der deutschen Literatur: ein Genie des Zusammenwirkens von philosophischer, religiöser und poetischer Kraft – ein sensibler Einzelgänger, der die zweite Hälfte seines Lebens in Abgeschiedenheit verbrachte, obwohl er hingebungsvoll liebte und geliebt wurde.

Göttliches Feuer auch treibet, bei Tag und Nacht

– so das gewaltige Zeugnis seiner Selbsterfahrung –

Aufzubrechen. So komm! daß wir das Offene schauen,

Daß ein Eigenes wir suchen, so weit es auch ist.

Dieser Wahlspruch aus Hölderlins berühmter Elegie “Brod und Wein” macht nicht zuletzt deutlich: Will man heute seinem Geheimnis auf die Spur kommen, so wird dies „wohl kaum gelingen, wenn man unempfindlich bleibt für göttliches Feuer, wie immer man sich seine Bedeutung zurechtlegen mag. Was also ist das für ein Feuer, das in Leben und Poesie Hölderlins brennt?“ (Rüdiger Safranski)

Zusammen mit dem Philosophen und Hölderlin-Biographen Rüdiger Safranski wollen wir dieser zentralen Frage nachspüren. Dabei kommt Hölderlin auch selbst zu Wort: Anlässlich seines 250. Geburtstags rezitieren vier professionelle Schauspieler unter Anleitung von Sprecherzieher Marcus Boshkow (Otto-Falckenberg-Schule) eine Auswahl biographisch getönter Gedichte – u. a. Da ich ein Knabe war, Die scheinheiligen Dichter, Hyperions Schicksalslied – und erwecken so den Mythos Hölderlin zu neuem Leben. In alphabetischer Folge sind dies: Oliver Bürgin, Nora Buzalka, Michael Kranz, Elna Lindgens.
10 Minuten
Da sind drei beruhigend klingende silberne Armreifen, ein Foto eines Reiters mit ausgekratztem Gesicht, ein Muttermal zwischen den Brüsten, „das einer fliegenden Biene gleicht“ und von Generation zu Generation übertragen wird. Auch eine etwas zu fürsorgliche Tante Sophia und eine Gruppe der Kaller „Grauköpfe“ scheinen gleichfalls streng ein Geheimnis zu hüten. Nina, ein Mädchen, vom Jugendamt als schwer erziehbar eingestuft, blickt mit zeitlichem wie räumlichem Abstand auf ihre Kindheit und auf die Bewohner der Ortschaft Kall (Eifel). Sie wird 18 und braucht keinen Vormund des Jugendamtes mehr. Endlich ist sie in der Lage, ihre lang ersehnte, bereits oft mit dem Großvater geplante „Reise nach Byzanz“ anzutreten, die sie weit von Kall und näher zu sich selbst bringen wird. Denn Nina ist eine Verlorene, Vergessene, Ausgestoßene. Sie trägt seelische und körperliche Wunden, von der Großmutter, der „Graie“, geschlagen, von einer Horde von Jungen vergewaltigt, von der Sozialbetreuerin sexuell missbraucht. Sie weiß nichts von ihrer Vergangenheit. Sie schreibt: „Im Moment komme ich mir wie verzaubert vor, weiß weder, wer noch wo ich bin; daher ist es ganz natürlich, endlich wissen zu wollen, wer meine Eltern sind und woher ich komme.“ Sie sucht nach dem Zauberwort, nach dem schon die in Störche verwandelten Kalifen lebenslang gesucht haben: „Mutabor“,  „ich werde verwandelt werden“.
1 Stunde 6 Minuten
Wie kein anderer deutscher Dichter hat sich Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) mit Orient und Islam beschäftigt. Das reicht vom frühen Mahomet-Fragment (1772/73) bis zum späten Gedicht-Zyklus West-östlicher Divan (1819). In dessen Einleitung wird die Aufmerksamkeit auf den Orient gelenkt, „woher so manches Große, Schöne und Gute seit Jahrtausenden zu uns gelangte“. Goethe kannte den Koran, er hat ihn exzerpiert und kommentiert. Seine Schreib-Übungen im Arabischen sind überliefert.

Diese Seite des Dichters wurde lang ignoriert, erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Literaturwissenschaft für sie interessiert. Dass nun auch Theologie und Religionswissenschaft nachziehen können, dafür hat heuer der Tübinger Professor Karl-Josef Kuschel mit seinem gewichtigen und schön aufgemachten Werk Goethe und der Koran gesorgt. Neben der Dokumentation aller einschlägigen Texte ordnet er sie auch ein und betont etwa die interreligiöse oder besser religionsverbindende Dimension Goethes. So könne man die Ergebung in den Willen Gottes durchaus als Gemeinsamkeit der monotheistischen Weltreligionen sehen. Oder mit Goethes Worten: „Wenn Islam Gott ergeben heißt, im Islam leben und sterben wir alle.“

Und doch eignet sich Goethe nicht für eine vorschnelle und billige Vereinnahmung. Seine Interkulturalität, die nicht nur auf Toleranz, sondern auch auf Wertschätzung abzielt, könnte durchaus als Modell für ein auf Kenntnissen und nicht auf Vorurteilen beruhendes Gespräch mit dem Islam dienen. Darum freuen wir uns, dass auch Professor Ahmad Milad Karimi, der in Münster islamische Philosophie lehrt und selbst den Koran übersetzt hat, zu einem Dialog der Gelehrten nach München kommt.