Morgenimpuls Archiv
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In der Lesung aus dem Jakobusbrief, die uns heute zum Start in die Arbeitswoche gelesen wird, stehen zwei ganz knappe Zeilen. Da heißt es: „Redet und handelt wie Menschen, die nach dem Gesetz der Freiheit gerichtet werden! Denn das Gericht ist erbarmungslos gegen den, der kein Erbarmen gezeigt hat. Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht.“ Das mit dem Gesetz der Freiheit klingt in unseren Ohren ziemlich gut aber es ist immer wieder ein Trugschluss, dass wir als Christen machen könnten was wir wollen. Das Gegenteil ist der Fall: wenn wir als Getaufte Jüngerinnen und Jünger Jesu leben wollen, regiert er in uns, nicht wir. Er ist unser Gesetz geworden und wir können nicht mehr tun was wir wollen, sondern sind gehalten das zu tun, was er will. Für jeden, der nach diesem Gesetz lebt ist Barmherzigkeit eine absolute Grundtugend. Wir entkommen Gottes Gericht nur durch die Barmherzigkeit Gottes und sollen anderen dieselbe Barmherzigkeit zuteilwerden lassen. An dieser Stelle ist eine Anmerkung geboten: Der Zusammenhang zwischen unserer Barmherzigkeit, Gottes Barmherzigkeit und Gericht zeigt an, dass es nicht nur um das Endgericht geht, in dem die Frage von Himmel und Hölle entschieden wird, sondern auch um all die kleinen und großen Gelegenheiten in denen wir über andere zu Gericht sitzen. Der deutsche Volksmund spricht davon, dass man mit jemandem „hart ins Gericht geht“, wenn man seinen Unmut bekundet und mit jemandem schimpft. Wenn wir Gottes Barmherzigkeit in einer Hinsicht erlebt haben in der ein Gericht viel angemessener wäre, dann sollten auch wir in solchen Situationen barmherzig sein. Menschen die erlebt haben, dass andere mit ihnen barmherzig waren, dürften eigentlich nicht selbstgerecht und unbarmherzig sein. Wo wir es doch sind sollten wir glaube ich, dringend unsere Haltung überdenken.
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Ausräumen und umräumen ist nicht meine Lieblingstätigkeit. Ich denke, Sie mögen das vielleicht auch nicht so. Wir bauen um im Mutterhaus und mein Büro kommt von der einen Seite des Hauses auf die andere. Also los. Aber irgendwann zwischendurch gestern Vormittag, habe ich Geschmack daran gefunden. Der Hausmeister hat gesagt: Sie können alles, was weg zu werfen ist, unten vor dem Haus in den großen Container werfen. Da war es um mich geschehen. Ich habe also bei vielen Dingen nicht mehr lange überlegt oder nachgedacht. Meditationsbücher, ältere CDs mit christlichen Liedern, Liederbücher aus dem vorigen Jahrhundert, Legematerial für alle möglichen Aktionen, viele hundert Dias mit Bildern aus Assisi und Umgebung: alles in die großen Säcke und weg. Was ich zwölf Jahre nicht benutzt habe, brauche ich auch jetzt nicht mehr aufheben. Aber ich habe auch witzige Sachen gefunden: eine Karnevalsmütze mit Rastalocken in karibischem Flair, Babacounüsse aus Brasilien, schachtelweise Buntstifte und viele bunte Tücher. Es wird also auf dem Speicher einen Materialschrank geben für die Dinge, die ich noch brauchen kann. Aber nicht mehr direkt in meinem Büro. Ein bisschen ist das jetzt wie mit unserem Glaubensvollzug: viele Dinge sind irgendwie überholt und nicht mehr aktuell. Bücher mit Maiandachten und Rosenkranzandachten braucht kaum noch jemand, und Einsortierungen von Menschen in ihrem Arbeitsleben nach sexueller Orientierung schon gar nicht. Die alten Gewissheiten, dass dieses und jenes nur Männer dürfen und Frauen auf keinen Fall, gehören irgendwie in die Sortierkiste, wo man nochmal schauen muss, ob man das noch braucht. Und abgekupferte CDs mit alten Gesängen können auf den aktuellen CD-Playern schon gar nicht mehr abgespielt und gehört werden. Die meisten Sachen, die wir so haben, sind mittlerweile aus der Zeit gefallen und müssen ganz neu bedacht und überlegt und mit Leben und Worten und Klängen gefüllt werden. Und das bleibt Arbeit für die nächsten Jahre. Aber manchmal findet man auch Schätze, die bleiben müssen. Ein Rollup mit dem Hinweis auf unsere Mädchenaktion zum Jubiläum 2013, an das ich gar nicht mehr gedacht habe. Das kommt mit in mein neues Büro. „Girls find out“ hieß die Überschrift, „Mädchen findens raus“. Rausfinden, unseren Platz in dieser Kirche. Das bleibt eine tolle Aufgabe.
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Zurzeit sind die Olympischen Winterspiele in Peking und im Vorfeld ist soviel über die äußeren Umstände, die verfehlte Wahl des Ortes wegen der dortigen Menschenrechtslage und so weiter berichtet worden, dass ich, wie viele andere, schon gar keine Lust mehr hatte, mir Wettbewerbe anzuschauen. Aber dann hat doch mein Sportlerherz gewonnen und ich habe mir manchen Wettbewerb angeschaut und der Jubel der Sieger oder die Enttäuschung der Viertplatzierten hat mich dann doch in den Bann gezogen. Es sind die Überraschungen, die das Ganze so wunderbar machen. Man weiß ja ungefähr die Favoriten und die, die in dieser Ski - und Wintersaison gut waren, und dann gewinnen ganz andere. Und der Jubel ist dann so großartig. Am besten gefiel mir gestern der Teamsprint der deutschen Damen, die erstmals überhaupt einen Olympiasieg feiern konnten. Aber noch schöner fand ich die Szene, als beim Interview mit den Biathletinnen, die endlich ihre Staffelmedaille gewonnen hatten, diese vier den Sprint und Siegeslauf am Bildschirm gesehen haben, das Interview völlig vergessen und mitgefiebert und angefeuert und dann mitgejubelt haben, als hätten sie selbst gewonnen. Das ist es, glaube ich, was wahren Sportsgeist ausmacht: mit den Verlierern traurig sein und mit den Siegern mitjubeln. Einander den Sieg gönnen, echt und ehrlich, ist wunderschön. In diesen Zeiten von Lebenslaufmauscheleien, Erinnerungslücken bei Problemen und Selbstoptimierung im äußeren Erscheinungsbild ist das etwas, was jedem guttun kann. Die Beförderung der Kollegin neidlos anerkennen, die Zeugnisnoten des Kindes loben und jeden kleinen Fortschritt freundlich kommentieren. Konkurrenz ist in vielem wirklich förderlich und anspornend, aber dem Anderen Anerkennung zukommen lassen, kostet fast nichts und die Mitfreude wärmt auch das eigene Herz.
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Einmal im Monat halte ich in unserem Schwesternaltenheim in der Nachbarstadt einen Einkehrtag. Und diesmal geht es um die „Baustelle Kirche“.Und es geht tatsächlich zunächst mal nicht um uns hier und heute. Es geht um die Zeit des Franziskus am Beginn des 13. Jahrhunderts. Das Europa des 12./13. Jahrhunderts war auf allen Ebenen eine unruhige Zeit, die verschiedenste Bewegungen und Protestformen hervorgebracht hat. Mit aller Schärfe und Entschlossenheit trat man den Missständen bei Klerikern und Mönchen entgegen. Wenn Kleriker ihre geistliche Sendung vernachlässigten, wurde niemand verschont – ohne Ansehen des Ranges. Die schnell wachsenden Städte in Mittelitalien und in ganz Europa erlebten in dieser Zeit einen geistlichen und seelsorgerlichen Notstand. Viele Priester waren schlecht gebildet, lebten moralisch bedenklich und konnten so den Menschen in ihren Lebensfragen keine Hilfe sein. So nur ein kleiner Auszug aus einer Studie zu dieser Zeit. Und in Franz von Assisi und seinen Brüdern fanden sich immer mehr Menschen, die anders leben wollten: in apostolischer Armut, treu nach den Weisungen des Evangeliums leben und selbst bei und mit den Armen sein und sich um sie kümmern. „Franziskus, baue mir meine Kirche wieder auf. Du siehst doch, wie sehr sie zerfällt“, hört Franziskus Christus vom Kreuz her zu ihm rufen. Und seitdem tun Millionen von Menschen genau das: Sie bauen Kirche auf, indem sie sich für die Kranken und Alten, die Rechtlosen und Flüchtlinge, für die Kleinen und Schwachen einsetzen. Und das haben unsere alten Schwestern ihr ganzes Leben lang getan. Und sie sind dann in der derzeitigen Kirchenkrise enttäuscht, dass es wieder so ist, dass die Mächtigen ihre Macht in der Kirche nicht zum Guten und zum besseren einsetzen. Aber alte Schwestern haben auch eine ziemlich heitere Gelassenheit. „Die kriegen die Kirche nicht kaputt, keine Angst. Die Kirche ist auf Christus gebaut. Der lässt sie schon nicht im Stich“. Dazu braucht es tatsächlich keinen Kommentar mehr. Sie haben recht und wir alle haben Hoffnung.
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Ich bin immer wieder sehr überrascht und erfreut, was das Engagement Einzelner erreichen und bewegen kann. Ein Beispiel haben wir am Samstag erlebt. In einem Studientag hat uns eine Frau mit einer Begeisterung und Fachkenntnis die Heilige Klara von Assisi nähergebracht, dass wir angesteckt worden sind von ihrer Fachkenntnis und Liebe zu ihr. Nicht das wir nichts zu ihr gewusst hätten. Als Franziskanerinnen sind wir schon viele Jahre mit Leben und Werk dieser großen Frau beschäftigt. Aber unsere Referentin hatte sich einen anderen Aspekt ausgesucht: es ging um Klara und die Frauenfreundschaften in San Damiano zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Mit wachsender Begeisterung hat sie über die verschiedenen Frauen erzählt, die mit Klara gegründet, gelebt, gelitten und einen weiblichen Aufbruch in der Kirche jener Zeit bewirkt haben. Von Bona und Pacifica, von der leiblichen Schwester Klaras, Agnes von Assisi und von Agnes von Prag, die sie nie getroffen hat aber als geistliche Schwester in sehr spirituellen Briefen begleitet, getröstet und gestärkt hat. Und am Nachmittag hat uns unsere Referentin von ihrem eigenen Engagement erzählt. Vom neu entstandenen ersten Klarapilgerweg Europas in Elspe im Sauerland, von der Zusammenarbeit mit vielen Frauen, die sich ebenso für diese Heilige begeistert haben, von den vielen Pilgergruppen und Einzelpilgern, die im vergangenen Jahr schon diesen Weg gegangen sind und sehr bewegt worden sind, vom neu entstandenen und liebevoll gestalteten Pilgerinnen-Café am Endpunkt des Weges mitten im Ort, von der Erarbeitung einer fünften Station und dem inhaltlichen Konzept dafür und von der Idee, den Innenraum der zu renovierenden Pfarrkirche etwas weiblicher zu gestalten und eine Ikone mit dem Bild der hl. Klara malen zu lassen. Die Begeisterung unserer Referentin hat immer größere Kreise gezogen und sie ist selber überrascht davon. Vielleicht können Sie und ich uns heute mal fragen, wovon wir so begeistert und angetan sind, dass unser Engagement Kreise zieht und immer mehr Menschen sich angesprochen fühlen und sich mit einsetzen.
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Ich habe eine Woche lang geballte Ladungen Frauenpower erlebt und sehr genossen. Mit 29 Postulantinnen, Novizinnen und ihren Meisterinnen haben wir mit einer sehr fitten Bibeltheologin zusammengesessen und haben geschaut, wie wir die Bibel und somit das Wort Gottes mehr in unser Leben bringen. Und das auch im Nachgang auf das Wochenende mit den Beschlüssen des Synodalen Weges und der erstaunlichen Erkenntnis, dass auch die laute Minderheit dort, die am Alten festhalten will, tatsächlich nur eine Minderheit ist. Junge Frauen zu erleben, die trotz aller derzeitigen Verwerfungen und Unsäglichkeiten in unserer Kirche trotz aller männlichen Machtdemonstrationen und der Unfähigkeit, Schuld einzugestehen und um Vergebung zu bitten, trotz alledem daran wachsen wollen, wie Nachfolge Jesu heute gelingen kann. Und wie es gehen kann Worte des liebenden Gottes in einer Welt zu leben, in der das Schwache übersehen, das Kleine noch kleiner gehalten und das ohnehin Machtvolle noch mehr hochgepuscht wird. Mit ernsthafter Textarbeit und kreativem Herangehen das Lukasevangelium angeschaut, übersetzt, gespielt oder in Gesten erlebbar gemacht wird. Und wenn wir in Pausen und an den Abenden mit viel Vergnügen, Leben und Lachen, Musik und Gelächter, Spiel und Rhythmus das ganze Haus gefüllt hat. Es war mir und uns ein Vergnügen, diese wundervoll andere Seite unserer etwas lahmen deutschen Kirche zu erleben und mittendrin zu sein. Im Suchen und Fragen nach dem, wie Gott ist, wie er die Menschen sieht, wie er immer an der Seite der leidenden und armen Leute ist und uns verlocken will, das auch zu tun. Es war mir ein wirkliches Vergnügen, schöne Gebetszeiten erlebt zu haben, mit viel Musik und Gesang, mit klugen Texten und einfühlsamen Hinhören und mit der gegenseitigen Stärkung darin, dass wir mündige Christinnen und lebendige Kirche sind. Es war mir ein Vergnügen und ist es weiterhin hoffentlich noch für lange Zeit.
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Glauben Sie eigentlich an Wunder? Wir nüchternen Deutschen sind da doch eher skeptisch. Aber auch viele von uns haben schon Dinge erlebt, die so unerklärlich und so gegen jede Logik und jede Art von wissenschaftlichem Denken sind, dass wir gelegentlich eine Ahnung haben, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht nüchtern und rational erklären können. Am 11. Februar 1858 sieht das 14-jährige Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsengrotte bei Lourdes zum ersten Mal die Dame, die sich als die unbefleckte Empfängnis vorstellt. Bernadette hat diesen Titel noch nie gehört und es macht ihr Mühe, ihn richtig weiterzugeben. Die Erscheinung wiederholt sich bis zum 16. Juli an weiteren 17 Tagen. Dabei hat Maria die Menschen zur Wallfahrt an diesen Ort, vor allem aber zu Gebet und Umkehr zu Gott eingeladen. Zu der Grotte, in der auch eine Quelle entspringt, sind seither Millionen von Pilgern mit ihren leiblichen und seelischen Nöten gekommen. Seither soll es dort rund 30.000 Heilungen gegeben haben, 6.000 sind dokumentiert und 2.000 davon gelten als medizinisch unerklärlich. Nur 70 Heilungen wurden von der Kirche als Wunder eingestuft. Aber der Glaube der Pilger weiß viel mehr. Ich habe Menschen erlebt, die eine Reise nach Lourdes geschenkt bekommen haben und tatsächlich aus Neugier gefahren sind. Und dann sind sie nach Hause gekommen, mit einem inneren getröstet sein, mit einer Gewissheit von Gottes Nähe und Güte, dass man das sogar als Außenstehende gespürt haben muss. Trauen wir Gott eigentlich wunderbare Geschehnisse noch wirklich zu? Ein Gast hier bei uns im Konvent hat mir mal eine Postkarte dagelassen, die mich seitdem sehr unmissverständlich auffordert. Da steht nämlich ganz einfach: Sei realistisch, plane ein Wunder.
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Es gibt eine Geschichte von zwei Geschwistern, die mir schon lange richtig gut gefällt. Benedikt von Nursia, der große Vater des abendländischen Mönchtums, hat eine geniale, wunderbar ausgewogene Ordensregel geschrieben: "Ora et labora". Das ausgewogene Verhältnis von Gebet und Tätigkeit, von Stille und Gemeinschaft ist so klug geschrieben, dass diese Regel Hunderttausende Mönche in der ganzen Welt über eineinhalb Jahrtausende bis heute sehr gut leben und beten und wirken lässt. Den Benediktinern verdanken wir die Kultivierung Europas in vielerlei Hinsicht. Eine Regel in dieser Ordnung besagt, dass es nur unter außergewöhnlichen Umständen erlaubt ist, außerhalb des Klosters zu übernachten. Immer am Abend sollen alle Brüder zurück sein. Und dann gibt es seine Schwester Scholastika, die wahrscheinlich durch das Vorbild des Bruders Nonne geworden ist und in ihrem Kloster in der Nähe lebt. Gelegentlich besucht Benedikt seine Schwester und sie reden über Gott und das Leben in seiner Nachfolge. Eines Abends als Scholastika ahnt, dass ihre Lebenszeit zu Ende geht, will sie ihren Bruder überzeugen, dass er noch bei ihr bleibt und sie weiter miteinander reden und meditieren können. Aber Benedikt weist das entrüstet zurück, weil er niemals die Ordensregel brechen wird. Scholastika faltet still die Hände und bittet Gott kurz um seine Hilfe. Ein mordsmäßiges Gewitter bricht herauf und niemand kann auch nur einen Fuß vor die Tür setzen. "Was hast du gemacht?" klagt Benedikt zunächst, weil er schon ahnt, dass seine Schwester das erbeten hat. Aber er bleibt bei ihr. Und sie reden die ganze Nacht. Und sie spüren beide, dass Gott ganz nahe ist und sie durch ihr Leben trägt. Ein paar Tage später stirbt Scholastika und Benedikt sieht ihre Seele zu Gott gehen. Sie konnte bei Gott viel erreichen, weil sie die größere Liebe hatte. Regeln einhalten ist gut und notwendig, damit das Gemeinwohl lebendig und funktionstüchtig bleibt. Aber wichtiger für das gesamte Leben ist immer die Liebe.
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Am Sonntag gab es in Olpe zum großen Agathafest die abendliche Festpredigt. Und der Prediger hat einen Gedanken erläutert, der mir sehr gefallen hat. Agatha stammte ja aus Catania auf Sizilien und war als Märtyrerin auch dort für ihren Glauben gestorben und begraben worden. Als ein Jahr später mal wieder der Ätna ausbrach und Lava und Gestein in die Höhe geschleudert und der heiße Strom auf die Stadt zugeflossen ist, erstarrten die Menschen vor Schreck und Angst und Ohnmacht. Und einer ist dann wohl zum Grab der Agatha gelaufen, hat den dort aufbewahrten Schleier geholt und zu den Leuten gerufen: "Kommt, wir haben doch eine Hoffnung. Wir haben da eine Fürsprecherin bei Gott, es wird gut ausgehen." Und dann die Überlegung des Predigers: Bei all der Lava des Schreckens, der Schuld, der Vertuschung, des Missbrauchs jeglicher Art, der Reformunfähigkeit in unserer Kirche und bei all der Lava der Gewalt gegen die Demokratie, das Aufrüsten Russlands gegen die Ukraine und der Bedrohung durch die weltweite Pandemie - Was gibt mir eigentlich Hoffnung, dass es gut ausgeht? Manche haben ja keine Hoffnung mehr. Sie gehen, sie ziehen weg aus der Kirche in ein anderes Umfeld; heraus aus der Kommunalpolitik, weil es immer schwieriger wird; gehen weg von ihren alten Überzeugungen und suchen einfache schwarz-weiße Antworten. Was gibt mir, was gibt uns also eigentlich Hoffnung? Nicht ein Schleier einer vor 1700 Jahren getöteten jungen Christin, die wie in Harry Potter-Manier hilft, sondern der Glaube an Gott, der seine Welt, seine Menschen, seine Kirche nicht im Stich lassen wird. Was immer wir auch falsch machen. Und diesen Glauben, den kann ich einfach nicht beweisen. Ich muss und kann ihn nur tun. Mit allen, die beim synodalen Weg am Wochenende Wege und Lösungen gefunden haben. Mit allen, denen es nicht egal ist, was aus unserer Kirche in Deutschland wird. Mit allen, die ihren täglichen Dienst für Gott und für die Menschen tun - aus Glauben, aus Hoffnung und aus Liebe. In Catania, auf Sizilien ist es damals gut ausgegangen für die Bewohner der Stadt. Möge es auch heute gut ausgehen für die Welt, für die Menschen und für die Kirche Jesu Christi.
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Das Wochenende war ziemlich turbulent, wie auch die Tage davor eigentlich. Die Olympischen Spiele in Peking sind gestartet mit abstrusen Ordnungen gegen die Sportler, auch ohne Corona, damit China und das IOC wunderbare Bilder senden kann. Russland treibt sein perfides Machtspiel, das auch zum Krieg führen kann, immer weiter voran und beschuldigt dann alle anderen daran schuld zu sein.Kardinal Marx und andere Kirchenoberen geben interessante Statements zum Zölibat und zu anderen Themen ab und ihre Ideen sind doch eigentlich schon etliche Jahre im Umlauf. Die dritte Synodalversammlung hat in Frankfurt getagt und erste Beschlüsse gefasst und erstaunlicherweise gibt es heftige Debatten, aber auch mehrheitlich gefasste Beschlüsse. Und ab heute Nachmittag treffen sich mehr als 30 Postulate, Novizinnen und ihre Begleiterinnen aus Deutschland und Österreich zu einer Werk-Woche mit dem wundervollen Titel "Die Bibel ins Leben bringen - Lebendige Bibelarbeit zum Lukas-Evangelium". Eine renommierte Theologin wird uns über die Woche dabei helfen, neue Blicke und Herangehensweisen zum Leben mit der Bibel zu bekommen, damit Gottes Wort noch mehr in unserem Leben Platz bekommt. Und natürlich gibt es endlich wieder die Möglichkeit, sich zu treffen, sich auszutauschen über diese selbstgläubigen Menschen, in der oft so fremden Welt des Ordenslebens in heutiger Zeit. Für mich ist diese Woche dieser berühmte kleine Anteil am großen Ganzen. Wenn ich es richtig verstehe mit dem gemeinsamen-Kirche-sein aller Glaubenden, dann ist es wichtig, den eigenen Weg in dieser Kirche, den eigenen Glauben, die eigenen Fragen miteinander zu besprechen und sich gegenseitig zu bestärken und auch stärken zu lassen durch Gottes Wort, durch gemeinsames Gebet und gemeinsames Feiern.
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Ich bin als Kind und Jugendliche sehr selbstverständlich zum Blasiussegen am 3. Februar gegangen. Mich haben die gekreuzten Kerzen, die ganz nahe vor mein Gesicht gehalten worden sind und der persönliche Segen, so ganz für mich allein schon sehr beeindruckt. Und ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was er bewirken kann oder soll. Ich wusste, es hilft gegen Halskrankheiten und damit war es gut. Aber dann. Dann bekam mein Großvater Kehlkopfkrebs und ist daran gestorben. Und dann habe ich gedacht: "Jetzt hat er sein ganzes Leben lang jedes Jahr den Blasiussegen gegen Halskrankheiten bekommen und jetzt stirbt er an einer solchen Halskrankheit. Was ist denn da nun dran?" Blasius war Arzt und Bischof in Sebaste in Armenien um 320 und wurde in der damaligen Christenverfolgung gefangen genommen und getötet. Er soll noch im Gefängnis einen Jungen vor dem Ersticken gerettet haben und von da her stammt diese Art des Segens. Mit dem Segen wird uns das Heil zugesagt. Heil für Leib und Seele durch Jesus Christus, den Heiland, den Heilbringer. In einer der Segensformeln heißt es: "Der Herr behüte dein Leben und bewahre dich vor dem Bösen. Auf die Fürsprache des heiligen Blasius segne dich der allmächtige Gott." Die katholische Gemeinde Sankt Blasien im Schwarzwald weist darauf hin, dass Blasius eben auch jener Schutzpatron gegen die Gefahr des schnellen, unpassenden und vor allem verletzenden Wortes empfohlen werde, um den Frieden zu wahren. So hoffe ich also für meinen Opa, dass ihm Jesus Christus zum Heil geworden ist. Und auch für mich und uns, dass wir durch die Fürsprache und den Segen bewahrt werden vor Halskrankheiten und allem Bösen, aber auch vor unpassenden und verletzenden Worten gegenüber anderen aus unserem eigenen Mund.
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Maria und Josef tun ihre religiöse Pflicht. Sie bringen ihren Erstgeborenen in den Tempel, um ihn Gott zu weihen und geben die vorgeschriebene Opfergabe ab. Aber dann passiert das der sehr alte Simeon dieses eine Kind unter den vielen Neugeborenen, die im Tempel Gott geweiht werden, dieses eine Kind als das erkennt, das bedeutsam für sein Volk und sein eigenes Leben werden soll. Der alte Simeon wartet nämlich im Tempel auf die Erfüllung einer Offenbarung. Ihm war gesagt worden, dass er nicht eher sterben werde, bis er den Messias, den Retter aller Menschen, gesehen hat. Als Maria ihm schließlich das Jesuskind in die Arme legt, stimmt Simeon ein Loblied an. Er singt: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel." Und auch Hanna, eine sehr alte Prophetin, die im Tempel lebt, erkennt dieses Kind und spricht darüber zu allen, die im Tempel sind. Simeon und Hanna haben ihr ganzes Leben darauf gewartet und gehofft, dass sie es sein werden, die diesen Messias noch erleben werden, der seit Hunderten von Jahren verheißen und vom Volk erwartet wird. Und ihre Hoffnung wird erfüllt. Sie konnten aber nicht ahnen, dass es ein Säugling sein würde, den sie begrüßen und sehen würden. Viele haben einen Fürsten, einen König, einen Revolutionär, einen Kämpfer, einen Machthaber erwartet, der das Volk von innerer und äußerer Fremdherrschaft erlöst und befreit. Aber es ist ein Kind und sie erkennen ihn, weil sie sich auf Gott und nicht auf ihre eigenen Vorstellungen verlassen. Ihnen ist in diesem Kind sozusagen ein Licht aufgegangen. Sie haben eher als alle Schriftgelehrten und Studierten, eher als alle Religionsfunktionäre und Priester erkannt, dass Gott anders ist als alle erwarten und denken und haben auf dieses Kind ihr Vertrauen gesetzt. Bitten wir heute für uns alle in unserer Kirche genau um das, dass uns ein Licht aufgeht und wir ein bisschen mehr erkennen, wie dieser Gott liebt und lebt und wie deshalb Christsein heute gehen könnte.
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Jetzt ist Weihnachten doch tatsächlich vorbei. Wie Weihnachten? Oh je, das ist schon so lange her, denken Sie vielleicht. Und das stimmt natürlich auch. Offiziell endet die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe Jesu und das ist schon eine Weile her. Aber viele Christen, wie wir im Konvent auch, haben nach der alten Ordnung, in der die Weihnachtszeit noch bis zum Fest der Darstellung des Herrn ging, erst jetzt die Krippe abgebaut und unsere Wohnetage und die öffentlichen Räume "entweihnachtet", wie wir so sagen. Und während wir so abgeräumt haben, die Krippe, die Sterne, den Schwibbogen und die Engel, habe ich so darüber nachgedacht und überlegt: Was ist uns eigentlich von Weihnachten geblieben, so jetzt am 1. Februar? Dass Gott Mensch geworden ist, kann auch nach ausgiebigem Weihnachten feiern immer noch so richtig nicht begriffen werden, dass er vom Himmel gekommen ist, um unser kleines Leben zu teilen, lässt mich eher immer noch staunend und fragend dastehen. Ein bisschen hat mir beim Überlegen eine kleine Visitenkarte geholfen. Auf der Vorderseite kleine Plastikweihnachtsmänner in Regalen und die Überschrift: Jesus, der Weihnachtsmuffel. Ups, dachte ich, was ist das denn für eine Behauptung? Auf der Rückseite dann die Erläuterung: Er, Jesus, macht keinen Bohei um seinen Geburtstag, verlor nirgends ein Wort über Tannenbäume und beschenkt lieber täglich als alljährlich. Okay, habe ich gedacht, wieder so eine Behauptung, auch wenn sie echt witzig daherkommt. Aber ganz klein steht eine Bibelstelle dabei. Da habe ich bei Matthäus gelesen: "Such zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben werden". Und das ist mal echt ein Auftrag. Sein Reich suchen mitten unter den Menschen und seine Gerechtigkeit den Menschen zukommen lassen, erkämpfen und verschaffen. Auch mitten in dieser Kirche. Dieser Gott, der mitten in unser Leben gekommen ist, macht uns alle zu denen, die mit ihm und in seinem Namen für die Menschen da sein sollen, da sein wollen, da sein werden.
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Für Thomas von Aquin, dessen Tag wie heute feiern, war die Stadt Köln Ursprungsort seines späteren Wirkens. Von 1248 bis 1252 lebte und studierte er hier. In Köln war er mit seinem Lehrer Albertus Magnus an der Gründung des Studienhauses der Dominikaner beteiligt, das zum Vorläufer der Universität wurde. In Köln erhielt er als Assistent Alberts die wesentlichen Prägungen seines Denkens. Dort entstanden seine ersten Werke und in Köln empfing er die Priesterweihe. Ich habe meine Mitschwester, die begeisterte Theologin ist, gefragt, was ihr denn so ganz spontan zu Thomas von Aquin einfallen würde. Dann hat sie gelacht und mir zwei Dinge erzählt. Zum einen, dass es seinen Schreibtisch wohl noch gibt, der an der Seite, an dem Thomas zu sitzen pflegte, halbrund ausgesät war, weil Thomas eine solche Körperfülle hatte, dass es sonst zu unbequem gewesen wäre. Und sie hat von einer Führung in der Kölner Diözesan- und Dombibliothek erzählt, wo man ihnen frühe theologische Werke zeigen konnte, die Thomas zu seinem eigenen Studium benutzt hat und wo er als Student reingeschrieben, Randbemerkungen und neuere Erkenntnisse drüber geschrieben hatte. Man konnte das genau nachweisen, weil man die Handschrift erkannt hat. Was mir und Ihnen vielleicht zu diesem großen Theologen, glaube ich, eher bekannt ist, ist eine seiner großen Hymnen aus seinen Dichtungen und Gebeten zur damals neu aufgekommenen Fronleichnamsprozession und grundsätzlich zur Anbetung der heiligen Eucharistie: "Gottheit tief verborgen". Wobei die ursprüngliche Übersetzung, wenn man seinem Werk und Denken folgen würde, eigentlich heißen müsste: "Wahrheit tief verborgen, betend nah' ich dir." Mich beeindruckt sehr, dass ein so großer Universalgelehrter seiner Zeit solche tiefgründigen Hymnen und Gebete geschrieben hat, die der einzigen Wahrheit seines Lebens huldigt: dem Herrn Jesus Christus.
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Eine junge Frau, gerade mal 17 Jahre alt, wächst beim Onkel am Gardasee auf, weil ihre Eltern kurz nacheinander gestorben sind. Ursprünglich aus bäuerlichem Umfeld kommend und solide christlich erzogen, lernt sie also bei ihm das luxuriöse Leben der vornehmen Gesellschaft der Renaissance kennen. Und es gefällt ihr absolut nicht. Sie geht deshalb in den dritten Orden des Heiligen Franziskus, eine Laiengemeinschaft, die also zu Hause lebt und sich vorrangig karitativen Diensten widmet. Sie widmet sich der Kindererziehung. Sie erkennt, wie ungebildet die Kinder ihrer Heimat aufwachsen. Schulen gibt es nicht. Die Eltern sind unwissend und messen einer gediegenen Ausbildung kein besonderes Gewicht bei. In ihrem Heimatort können sie zunächst einige Freundinnen überreden, zusammen mit ihr eine Art regelmäßige Schule zu organisieren. Wegen ihres großen Erfolges lädt man sie 1516 nach Brescia ein, um dort Ähnliches zu versuchen. Mehr und mehr erkennt Angela Merici, wie wichtig für das Wohlergehen der Familien und für eine zivilisierte Gesellschaft eine umfassende Bildung und Erziehung gerade der Mädchen und Frauen ist. Und aus diesem kleinen Anfang einer jungen Frau und einiger Freundinnen wird der große Orden der Ursulinen, der neben den Jesuiten die Erziehung und Bildung großer Teile der Jugend Europas und Amerikas anvertraut ist. Angela verfasst Merkschriften und ein Vermächtnis. Beide Schriften mit Anleitungen für Erzieherinnen. Glaubenspraxis und Pädagogik der Angela wirken beispielgebend und machen sie zur gesuchten Ratgeberin und wichtigen kirchlichen Reformerin in ihrer Zeit. Zwei Merksätze von ihr, also bald mehr als 500 Jahre alt, gebe ich gerne mit in den Tag. Sie schreibt: "Übt gegenüber jedermann Freundlichkeit und gibt vor allem acht, dass eure Weisungen nicht unter Zwang erfüllt werden. Denn Gott hat einem jeden die Freiheit verliehen. Darum zwingt niemand, sondern gebt nur Hinweise. Ruft und ratet". Und der zweite Satz: "Handeln, wie der Geist es eingibt, weitergeben, was Jesus lehrt, auf bewährten Wegen Neues wagen".