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Morgenimpuls Archiv

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Bei einem Spaziergang rund um den Dom in Magdeburg habe ich einige nette kleine Geschäfte entdeckt, die mich wirklich entzückt haben. Am meisten das "Fabularium" allein das Wort, dann die hübsche Fassade und klein aber fein wirkende Auslage haben mir Herz und Seele erfreut. "Fabularium– Fachgeschäft für wohlsortierte Buchstaben" welch ein so anderer Ausdruck für einen schnöden Buchladen. Fabulieren im Sinn von erzählen, dichten, ausmalen, plaudern ergibt eine schöne Beschreibung dessen, was in den ausliegenden und angebotenen Büchern geschrieben ist. Und wer Bücher liebt, wird meine Freude daran verstehen. Unsere anschließende Domführung hat dann außen herum begonnen und mit sachkundigen Hinweisen konnte man gut die verschiedenen Bauetappen und sogar Baustile und Veränderungen der Konzeption und Ausführung des Baues erkennen. Und beeindruckend für mich war der Spaziergang durch den Kreuzgang. In jeder Ecke, in der man den rechten und linken Gang sehen konnte, konnte man die Weiterführung und Entwicklung des Baustils vom romanischen zum gotischen hin deutlich erkennen. Von 1209 bis 1520 dauerte der Bau und alle neuen Einflüsse in Architektur, Kunst und kirchlichem Leben, Glauben und Denken flossen in diesen Bau ein. Eine, eigentlich so nebenbei fallengelassene Bemerkung des Priesters, der uns geführt hat, hat mich dann sehr beschäftigt. "Immer hat sich die Kirche verändert und immer hat sich ihr äußeres und inneres Bild von dem prägen lassen, was in der Zeit geschah und wie Menschen ihr Leben und ihren Glauben gesehen, gelebt und niedergeschrieben haben – nur wir heute denken immer, die Kirche wäre fertig und nichts müsse sich mehr ändern." Das war nicht fabuliert – nicht fantasiert, erzählt, erfunden, ausgemalt, erdichtet oder ausgeplaudert. Es war eine Feststellung, die ein tiefes Ringen und die große Sorge um die Kirche heute deutlich gemacht hat. Früher in der Baugeschichte dieses Domes, waren es Kaiser und Könige, Fürsten und Heerführer, die die Geschicke der Menschen und der Kirche bestimmt haben. Und sehr wenig ist in den großen Geschichtsschreibungen der Völker von den einzelnen Menschen, von den glaubenden Männern und Frauen der Kirchen die Rede. Und heute? Gerade in dieser Zeit des Ukrainekrieges, der großen Flüchtlingswelle aus diesem Land zu uns wird mir deutlich, dass alle, die, die sich um die Geflüchteten, die Frauen und Kinder, die Alten und Kranken ganz uneigennützig kümmern, die Gestalt unseres Landes und unserer Kirche mal wieder sehr offensiv verändern. Nicht fabulieren und reden, nicht ausdiskutieren und Papiere und Leitlinien erarbeiten, sondern anpacken, helfen, Not lindern, Menschen aufnehmen, ein Dach überm Kopf geben, Sprache beibringen und Sicherheit geben. Lieben eben und barmherzig sein.
3 Minuten
Wir sind auf der Zielgeraden der Fastenzeit. Gestern war der fünfte Fastensonntag. Früher nannte man ihn Passionssonntag. Der hat das zentrale Geschehen vor Ostern schon im Namen: Jesus leidet und stirbt. Und den Palmsonntag, also den kommenden Sonntag, nennt man auch das "Tor in die Karwoche". Am Palmsonntag erinnert die Kirche daran, dass Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem erst gefeiert und später umgebracht wurde. Aber warum feiern wir als Christen diese Ereignisse im Leben Jesu so intensiv? Für mich sind die Fasten-, Oster- oder auch die Adventszeit so etwas wie die religiösen Jahreszeiten. Wir glauben an einen Gott, der Mensch geworden ist und ganz konkret unter uns gelebt hat. Das ist ja schon ein ziemliches Wunder, dass der allmächtige Gott als kleines Kind zu uns kommt, dann erwachsen wird und ohne Gegenwehr die tödliche Gewalt der Menschen hinnimmt und stirbt. Und am Ende siegt Gott doch, indem er den Tod, also die eigentlich finale Grenze für uns Menschen in der Auferstehung von Jesus überwindet. Um dieses Wunder zumindest ein wenig nachzuvollziehen, dafür gibt es diese besonderen Zeiten. Alles hat seine Zeit, heißt es im Alten Testament im Buch Kohelet. Und so wie wir uns im Frühling über das Erwachen der Natur freuen, im Sommer die Sonne und das warme Wetter genießen, so helfen mir die besonderen Texte und Lieder, die wir im Stundengebet und bei den Gottesdiensten je nach kirchlicher Jahreszeit lesen, beten und singen, diesem unglaublichen Gott zumindest ein bisschen näher zu kommen. Das Lied beim letzten Abendmahl können wir am Gründonnerstag viel intensiver singen, als wenn wir das einfach mal so im Hochsommer tun würden. Die ganzen herrlichen Osterlieder würde man ja auch nie an Weihnachten singen und umgekehrt. Ich wünsche uns, Ihnen und mir, dass wir die kommenden Tage der Fastenzeit und dann der Karwoche bewusst erleben können. Im persönlichen Gebet, im Gottesdienst, mit anderen Menschen. Versuchen wir diesem unglaublichen Gott ein bisschen näher zu kommen.
3 Minuten
Wenn wir zusammen unseren Morgenimpuls beten, dann tut das vermutlich jeder und jede an einem ganz anderen Ort, in einer vermutlich ganz anderen Situation. Vielleicht haben Sie ja gerade ein Kreuz vor sich stehen oder an der Wand hängen. In der Fastenzeit ist gerade der Freitag der Tag, an dem in den liturgischen Texten das Kreuz etwas mehr in den Mittelpunkt gestellt wird als sonst. Und innerhalb der Fastenzeit sind wir jetzt an einem Punkt, wo die Passion Jesu, also sein Leiden ganz besonders im Vordergrund steht. Wenn wir Schwestern morgens und abends in unserer Hauskapelle zusammenkommen und gemeinsam beten, dann schauen wir auch gemeinsam auf ein Kreuz. Es ist ein Taukreuz, wie es bei franziskanisch geprägten Menschen häufig zu sehen ist, und darin ist ein Behältnis mit dem Allerheiligsten eingelassen. Jetzt am kommenden Sonntag, werden vielerorts die Kreuze bis Karfreitag verhüllt. Das ist ein alter Brauch, der sich nicht sofort jedem gleich erschließt. Denn gerade in der Zeit, in der wir intensiver das Leiden Jesu in den Blick nehmen sollen, verdecken wir das Symbol, welches gerade dieses Leiden zeigt. Und klar ist auch, dass eine Kreuzigung in der Antike kein „Kindergeburtstag“ war. Das war eine äußerst brutale und grausame Hinrichtungsmethode, bei der man lieber weggeschaut hat. Aber Gott antwortet auf eine solche Grausamkeit nicht mit Gegengewalt oder Vergeltung. Nein, er lässt von seiner Liebe zu uns Menschen nicht ab. Ich stelle mir manchmal die Grausamkeiten und all die Gewalt unserer Tage vor – im Kleinen wie im Großen –, wenn Menschen furchtbares erleiden und durchmachen müssen. Aber bei manch einem wird dabei vieles gebrochen, nur die Liebe nicht. Gewalt kann vieles vernichten, aber die Liebe weicht nicht. Denn jeder Gewaltakt fordert geradezu Werke der Liebe heraus. Wenn Opfer getröstet werden, wenn ihnen die Hilfe zuteilwird, die sie gerade brauchen. Diesem unfassbar grausamen Krieg in Osteuropa mit all seinen sinnlosen Opfern steht eine unglaubliche Hilfsbereitschaft von vielen Menschen auch hierzulande gegenüber. Ein Kind, das in der Schule gemobbt, gehänselt, ja sogar verprügelt wird, wird von seinem Lehrer oder seiner Mutter getröstet. Wir können uns viele solcher „gekreuzigter“ Menschen vorstellen. Vielleicht sind die verhüllten Kreuze in den nächsten zwei Wochen eine Möglichkeit, die nicht sichtbare Stelle in Gedanken mit denen auszufüllen, die unsere mitmenschliche Liebe neu oder wieder entfachen und uns zum Handeln bringen.  
4 Minuten
Ein weiterer geistlicher Abend in einer Gemeinde im Sauerland war überschrieben mit dem Wort: „Hoffnung stärken in scheinbar hoffnungslosen Zeiten“. Zum Thema Hoffnung gibt es im deutschen Sprachgebrauch einige Formulierungen, die Sie wahrscheinlich auch kennen. Da gibt es das schöne Wort von „Guter Hoffnung sein“, diese alte, nicht mehr gebräuchliche, aber sehr schöne Bezeichnung für eine Frau, die schwanger ist. „Du bist ein hoffnungsloser Fall“ – ist eher Beschreibung für jemanden, wo schon vieles versucht worden ist, aber irgendwie nichts fruchtet. Und: „Hoffen und harren macht manchen zum Narren“ verspottet diejenigen, die sich gegen alles rationale Denken und Wissen, von ihrer Hoffnung, die in eine ganz andere Richtung geht, einfach nicht abbringen lassen. Etwas, das mich in sehr jungen Jahren zu wirklichem Erkennen gebracht hat, war eine Debatte in meinem Fachschulstudium Krankenpflege an einer staatlichen Einrichtung zu tiefen sozialistischen Zeiten. Da man auch in der DDR-Medizin und Krankenpflege nicht umhinkonnte, auch über Sterben und Tod zu reden, kam es also. Und die Dozentin, eine ältere, sehr sympathische Frau, versuchte, uns das sozialistische „Prinzip Hoffnung“ nahezubringen, womit jeder Schwerkranke und Sterbende zu bedenken und anzuleiten sei. Ich habe dann mit ihr diskutiert, was das denn heißen soll: Prinzip Hoffnung? Wir haben debattiert und debattiert und geredet und geredet. Der Rest des Jahrgangs, mehr als 30 Studenten, hörte gespannt zu und hatte keine Idee, worum es mir eigentlich ging. Erst in dieser Debatte habe ich selbst begriffen, dass ohne den Glauben an ein Leben nach dem Tod eine Hoffnung vor dem Tod sinnlos ist. Worauf soll ich hoffen, außer vielleicht noch darauf, kurzfristige Ziele zu erreichen: Die Hochzeit der Tochter, einen runden Geburtstag, die Geburt eines Enkelkindes. Ohne diese Debatte über die ziemlich abstruse Idee des sozialistischen Prinzips Hoffnung, wäre ich erst später wahrscheinlich darauf gekommen, dass Glaube und Hoffnung untrennbar miteinander verwoben sind. Unsere Lesung heute aus dem ersten Buch der Könige ist ein wunderbares Beispiel für diesen Glauben und diese Hoffnung an den Gott, dem das Volk Israel gehört. „Wir sind ja dein Volk, Herr, und dein Eigentum. Halte deine Augen offen für das Flehen deines Knechtes und für das Flehen deines Volkes Israel! Erhöre uns, sooft wir zu dir rufen! Du hast uns unter allen Völkern der Erde als dein Eigentum ausgewählt.“ Viele Katastrophen, Kriege und andere schwere Wechselfälle des Lebens konnte das Volk nur aushalten, weil es um diesen Gott ihrer Väter wusste und auf ihn seine Hoffnung gesetzt hat.
4 Minuten
Gleich nachher mache ich mich auf den Weg nach Hersel in die Ursulinenschule. Dort ist der „Tag der Versöhnung“. Diese Idee eines Schulseelsorgers ist schon ziemlich in die Jahre gekommen und ist trotzdem frisch und neu. Die Idee ist: Die gesamte Schulgemeinde des Gymnasiums und der Realschule hat einen Plan und in den können sich ganze Jahrgangsstufen eintragen, wenn sie das Angebot zu Gesprächen und Beichtgelegenheiten nutzen möchten. Und dann sitzen in der Schulkirche Seelsorgerinnen und Seelsorger beider christlicher Kirchen und sind bereit für die Kinder und Jugendlichen. Manche kommen zu zweit und zu dritt, manche aber auch allein. Weil sie etwas auf dem Herzen haben, dass sie besprechen möchten, dass ihnen Druck und Probleme macht. Ganz oft sind das die typischen Mädchenprobleme: Zoff in der Klasse, unter den Freundinnen, Ausgrenzung untereinander und Trouble mit den Lehrern. Normal eben. Aber es gibt auch Dinge, die mich jedes Jahr aufs Neue erschrecken: Probleme zu Hause, Trennungen und häusliche Gewalt, Missbrauch im Familienkreis und Schweigegebote, sonst passiere etwas Schlimmes. Und sehr häufig sind die Mädchen in Tränen aufgelöst und versuchen sich mühsam zu beherrschen, um keinen falschen Eindruck zu erwecken. Und oft sind auch die Angebote der Schulen da ziemlich hilflos. Die Vertrauenslehrer sind eben auch Lehrer und Lehrerinnen und das Gefühl, dass ich die ja noch jahrelang im Unterricht habe, ist nicht so vertrauenserweckend. Manche Probleme lösen sich, wie wir alle wissen ja schon damit, dass da wirklich jemand zuhört. Und wenn Dinge ausgesprochen werden können, drücken sie schon etwas weniger. Und vorsichtiges Nachfragen und klarmachen, dass ich sie verstehe und das Problem sehe, hilft oft sehr. Aber an diesen Tagen der Versöhnung wird mir immer wieder deutlich, wie sehr wir als Kirche und Gesellschaft verlernt haben, auf Wegen der Versöhnung zu gehen: mit mir selber, mit meinem Umfeld, mit Gott. Zu oft suchen wir Sündenböcke und Schuldige, denen wir die Last auflegen können. Wie vor Tausenden von Jahren.Aber eine Frage, eine Sorge miteinander besprechen, zusammen nach Lösungen zu suchen, eine Schulter zum ausweinen zu bieten und das Angebot zu machen, lass uns zusammen in deinem Anliegen beten, das geschieht einfach zu selten. Immer bevor die Nächsten zu mir kommen, bitte ich Gott um seinen heiligen Geist und um offenes Herz und Ohr und um das richtige Wort, wenn es notwendig ist. Und vielen Mädels ist es ein unglaublich tolles Angebot, nach dem Gespräch ein Teelicht zu bekommen, es an zu zünden und vor den Altar zu stellen: in die Gegenwart Gottes mitten unter uns. So ein Tag der Versöhnung ist sicher auch für manche von uns eine gute Idee, um mal wieder klar Schiff zu machen im Umgang mit mir selbst, mit meinen Mitmenschen und mit Gott.  
4 Minuten
Endlich wieder ein Konzert. Am Sonntagnachmittag in unserer Martinus-Kirche. Im Advent im Dezember waren vier Konzerte geplant, alle mussten wegen akuter Corona-Erkrankungen der Künstler abgesagt werden. Jetzt aber konnte eines davon stattfinden. Ein Vokalensemble, bestehend aus zehn jungen Männern, hat a cappella Gesänge aus vier Jahrhunderten dargebracht und das Zusammenklingen der Stimmen, von denen nicht eine auch nur einmal herausgeragt hat, hat Leib und Seele beschwingt und bezaubert. „Komm, Trost der Welt“ stand als Titel über dem Konzert und die Gesänge waren alle die, die auch für das Adventskonzert vorgesehen gewesen waren. Das veni, veni Emanuel – o komm o komm Emmanuel klang am Sonntag aber genauso wenig deplatziert wie die Zusage: „Also hat Gott die Welt geliebt“ und die dringende Bitte am Ende: „Komm, Trost der Welt“. Und während des Lauschens und Genießens wurde mir deutlich, dass wir also in einem immerwährenden Advent leben, in der Erwartung des kommenden Erlösers und dessen, der auf uns zukommt in unsere schwierige Welt und unser kompliziertes Dasein. Und die Zusage: „Also hat Gott die Welt geliebt“, können wir echt nicht oft genug hören, wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass Gott so weit weg ist und die Tyrannen, Demagogen und Kriegstreiber die Oberhand behalten. Nur bei dem Ruf: „Komm, Trost der Welt“ musste ich länger nachdenken. Bei Trost und trösten fällt mir häufig eher der freundlich liebevolle Trost der Mama ein, wenn sich das Kind wehgetan hat und von ihr in den Arm genommen, liebkost und getröstet wird. Aber ist es nicht genau das? Gott sendet seinen Sohn in die Gottvergessenheit der Menschen und teilt ihr Los. Er bleibt bei Ihnen in Schmerz, Angst, Krankheit, Leid, Krieg, Anfeindung und Tod. Er leidet mit uns mit und bleibt bei uns. Und er sagt dem, der neben ihm am Pfahl hängt, das Beste zu, was er geben kann: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Gott gibt Trost, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Er vertröstet nicht auf bessere Zeiten oder das bestimmt bessere Danach und Später. Sein Trost ist seine Zusage: „Seht, ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Und wer diese Zusage und diesen Trost hat, der kann auch die trösten, die mit uns leben und Trost so sehr nötig haben: In Krankheit, in Leid, Krieg, Flucht und Tod. Vielleicht ist es heute an Ihnen, Trost zu geben: einem Kind, das sich wehgetan hat, einer Flüchtenden die Heimat sucht, einem Einsamen der Nähe braucht.  
4 Minuten
Am 26. März 1945, also zwei Wochen vor dem Ende des 2. Weltkrieges, wurde Olpe bombardiert. Die Vorwarnung kam noch an, aber als keine Hauptwarnung kam, sind die Leute wieder aus den Kellern gekommen. Da fielen die Bomben und die Innenstadt wurde stark zerstört und 200 Menschen getötet. Es gab nun, wie in jedem Jahr das Ritual, dass der Bürgermeister mit seinem Rat an der Gedenkstätte einen Kranz niederlegt und der Toten gedacht wird. Aber in diesem Jahr kommt noch etwas anderes dazu. Weil wieder so nahe gerückt Krieg ist, ist heute Nachmittag auf dem damals zerstörten Platz, ein Friedensfest. Mit Musik und Blumen, mit Kaffee und Waffeln, mit Gesprächen und Erinnerungen, mit Solidaritätsaktionen für die Ukraine. Manche denken dann, was nutzt das schon. Ich denke, es nutzt sehr. Zusammen sich erinnern, sich immer wieder vergewissern, dass wir heute früh genug gegen kriegerische Aussagen vorgehen müssen und rechtem Gedankengut, dass meist zum Ausgrenzen und Spalten führt, entgegentreten müssen. Und das nicht nur gegen offensichtlich rechte Spalter. Auch in unserer Kirche gibt es stark rechtsextreme Gruppen. In der letzten Woche ist in Westpol und dann auch noch mal in der Lokalzeit auf eine Priestergruppe im Erzbistum Paderborn aufmerksam gemacht worden, die in ihrer Wortwahl und unglaublich perfiden Formulierungskunst, gegen Corona, gegen Impfpflicht, gegen eine Machtübernahme einer kruden Macht wettert, dass einem Hören und Sehen vergeht. Gemeindemitglieder haben sich beim Bistum beschwert und haben ihr Entsetzen geäußert. Wie kann es sein, dass Priester, die Theologie studiert haben und geweiht worden sind, um das Evangelium Jesu Christi zu verkünden, solch extremen Positionen anhängen, die in Antisemitismus und Ungehorsam gegenüber dem Bischof, der Kirche und dem Evangelium das Wort reden. Nein, das sind keine Privatmeinungen und können auch nicht unter der Wahrung von Persönlichkeitsrechten weggesteckt werden. Wir können nicht so tun, als sei das nur ein kirchenrechtliches Problem, dass geprüft werden muss, um dann zu Entscheidungen zu kommen. Ja, ich bin echt ärgerlich und aufgebracht und es ist wahrscheinlich kein sehr ergreifender Morgenimpuls. Aber wir können als Christen nicht einfach darüber hinweggehen, wenn im Namen unserer Kirche und dann noch geweihte Priester ungestraft solche Ungeheuerlichkeiten verbreiten dürfen. Bitten wir Gott um seinen Heiligen Geist und um den Mut der Verantwortlichen, tatsächlich zu zeigen, dass solche Gedanken und Worte nicht christlich und katholisch sind und haben wir selbst immer den Mut, zu klarer Kante und öffentlichem Einspruch.
3 Minuten
Wir sind mitten in der Fastenzeit – und wenn Corona nicht nochmals alles über den Haufen wirft, feiern wir bald wieder die Osternacht mit einem richtigen Osterfeuer, so wie vor der Pandemie. Neben dem Feuer gehören auch die Lesungen zu diesem besonderen Gottesdienst. Jedes Jahr wird dann der Schöpfungsbericht vorgelesen, also die Erzählung, wie Gott aus biblischer Sicht die Welt geschaffen hat. Das ist natürlich kein naturwissenschaftlicher Bericht, aber dennoch drückt er etwas sehr Wichtiges aus: Am Ende von jedem Tag, an dem Gott etwas Neues auf der Erde erschaffen hat, heißt es: Gott sah, dass es gut war. Ich finde diese positive Aussage gerade in diesen Tagen sehr wichtig. Die Nachrichten sind voll von buchstäblichen Hiobsbotschaften, von Kriegsverbrechen in der Ukraine, von drohenden Hungersnöten aufgrund des Krieges, weil normalerweise viel Getreide für die Welt in der Ukraine angebaut wird und vieles mehr – und die Corona-Pandemie ist ja auch noch nicht vorbei. Toxisch werden ist so ein neuer Begriff und meint: wenn man in einer Sache nur noch das Negative sieht, nur das Schlechte wahrnimmt, die eigene Sicht durch das Negative so vergiftet wird, dass man das Positive gar nicht mehr wahrnehmen kann. Toxisch werden – das sollte uns Christen eigentlich nicht passieren – denn wir haben ja die Zusage Gottes, dass wir durch Jesus Christus bereits erlöst sind. Natürlich müssen wir das Schlechte in der Welt wahrnehmen und uns nach Kräften für Gerechtigkeit einsetzen. Und natürlich gibt es Momente der Bitterkeit, das Gefühl, dass alles sinnlos ist. Aber vielleicht hilft uns dann der Gedanke, dass Gott die Welt geschaffen hat – und dass es gut ist. Um trotz der schlechten Nachrichten auch das Positive zu sehen, hilft mir im Moment der Blick nach draußen.  Die Natur erwacht in diesen Wochen zu neuem Leben, die strahlende Sonne und das frische Grün stehen für einen neuen Anfang. Nach dem dunklen Winter kommen auch wieder hellere Zeiten. Sicher sollen wir Christen uns nicht in ein naives Vertrösten flüchten, aber alles immer nur Schwarzsehen hilft auch niemandem. Vielleicht achten Sie heute mal bewusst darauf, was Ihnen Gutes widerfährt, oder wo Sie jemanden etwas Gutes tun können. Wir müssen ja nicht wie Gott gleich eine ganze Erde erschaffen; kleine, positive Dinge können auch schon viel bewirken.
3 Minuten
In vielen Gemeinden und Pfarreien gibt es in der Fastenzeit vielfältige Angebote. Da gibt es noch die bekannten Fastenpredigten in den Heiligen Messen oder abends, oder es gibt Exerzitien im Alltag mit wöchentlichen Treffen und Materialien für jeden Tag zu Hause, oder, oder.  Ein Angebot in einer Pfarrei im Sauerland gefällt mir besonders gut. Es sind geistliche Abende unter dem Titel: "Glaube, Hoffnung und Liebe – Pfeiler, die die Kirche vor dem Einsturz bewahren". Jeden Dienstagabend treffen sich Menschen in der Kirche, hören einen Impuls zu einem der Themen. Danach ist eine halbe Stunde stille Anbetung des Allerheiligsten, dann zehn Minuten ein musikalischer Impuls und zum Abschluss eine ruhig gefeierte Heilige Messe. Mir gefällt dieser Dreischritt so gut: Gedanken und Überlegungen zu einem Thema hören, sie dann in der Anbetung vor Gott bringen und im Herzen bewegen und dann alle Anliegen und Themen des Tages und der Woche mit in die Eucharistiefeier, die große Danksagung hineinlegen. Dienstag ging es also um den Glauben vermehren in der Glaubenskrise der Kirche. Und im Blick auf das Credo, das Glaubensbekenntnis der Kirche wurde plötzlich bewusst, dass da zweimal steht: Ich glaube an Gott, ich glaube an den Heiligen Geist. Also nicht "wir glauben", was als Bekenntnis bei großen Wallfahrten und Festen schon auch mal guttut. Es geht um das Ich, ich glaube. Und dann darauf zu kommen, was es denn heißt, meinen eigenen Glauben zu verstehen, immer neu zu definieren und dann aber auch im Alltag zu bekennen.  Das ist fern davon so zu tun, als sei Glaube reine Privatsache. Aber ich bin mir sicher, wenn jede und jeder, der sich Christ nennt, sich immer neu mit seinem eigenen Glauben an Gott auseinandersetzt, sich darüber austauscht und weiterbildet und somit seinen eigenen Glauben stärkt, er dann auch den Glauben der gesamten Kirche stärker, fester und krisensicherer macht. Und da sind viele Menschen sehr dankbar für solche etwas ungewöhnlichen Formate, die Hören und sich weiterbilden, das im Gebet vor Gott erwägen und im Gottesdienst feiern, angeboten werden.  Vielleicht gibt es bei Ihnen im Umfeld auch so etwas, das Ihnen in dieser Fastenzeit hilft, ihren eigenen Glauben zu stärken und wieder bewusster „Ich glaube an Gott“ sagen zu können.  
3 Minuten
Am Montagabend habe ich mich sehr überwunden und einen Film geschaut. Eigentlich schaue ich Filme, die von der DDR-Geschichte handeln nicht, weil sie mich zu sehr packen, ärgern, erinnern, erschrecken. Aber den Film, nach einer wahren Begebenheit am Ende der DDR, habe ich gesehen. Es ging um die Geschichte, dass das Ehepaar Honecker, der ehemals mächtigste Mann der DDR mit seiner, noch verhassteren Frau, nach der friedlichen Revolution aus allen Ämtern und auch aus ihrem Haus hinausgeworfen, nun bei einem evangelischen Pastor mit seiner Frau und den verbliebenen zwei Söhnen Unterschlupf findet. Und es beginnt eine Geschichte um die vielen Geschichten, wie unterschiedlich wir das Leben leben und sehen, wie wir mit Schuld und Versagen umgehen, wie wir mit dem, was uns wichtig ist, im realen Leben umgehen. „Auch Christen fällt die Nächstenliebe nicht in den Schoß“, sagt Pastor Holmer „und muss immer neu erkämpft werden, auch wenn es schwerfällt“. Und als Honecker es mit Solidarität gleichsetzt, kann auch Holmer nicht anders als zu fragen, warum denn all die vielen Genossen jetzt nicht solidarisch mit ihrem ehemaligen Chef sein können. Von den unendlich vielen Szenen, die sehr beeindruckend waren, sind zwei ganz besonders: bei einer Bombendrohung auf das Pfarrhaus, weigern sich Honeckers, das Haus zu verlassen, weil sie in allem ohnehin keinen Ausweg mehr sehen. Und Pastor Holmer bleibt bei ihnen, weil er weiß und glaubt, dass es nach dem Tod die gütigen Hände Gottes geben wird, in denen sie alle geborgen sein werden. Und die zweite Szene, als die Honeckers doch in ein anderes Haus gebracht werden sollen, es dort aber unendlich viele wütende Proteste gibt und sie zurück nach Lobetal müssen, um nochmals für 14 Tage dort zu leben. Und als die erschrockene Pastorenfamilie öffnet und Erich Honecker sagt: „Wir sind wieder hier. Zu Hause.“ Da hatte ich Gänsehaut und Tränen. Vergeben, Verzeihen, Gastfreundschaft und Nächstenliebe zeigen, die Taten verurteilen, nicht die Täter, schafft selbst in extremen Positionen ein Zuhause, eine Geborgenheit, die eine Ahnung dessen gibt, was uns im künftigen Zuhause Gottes erwartet.
3 Minuten
Durch eine Erkältung war ich am Wochenende etwas lahmgelegt und hab alle eigenen Aktivitäten stark runtergefahren. Aber ich habe mal den letzten Rennen und Flügen im Wintersport zugeschaut und so einige tolle Abschiede von erfolgreichen Wintersportlern am Fernseher mitverfolgt. Und einer hat mich sehr begeistert. Der Biathlet Erik Lesser, der nach zwölf Jahren erfolgreicher Rennen im Weltcup seine letzten Rennen in Oslo absolviert hat. Ein Rennen hat er dann völlig überraschend gewonnen, was schon Jahre nicht mehr gelungen ist. Aber vielmehr hat mich das Siegerinterview mit ihm beeindruckt. Er hat gesagt, dass er sich sein Rennen hinterher immer noch mal in voller Länge anschaut, um zu sehen, was nicht so gut war, wo es besser werden kann und welche Fehler er vermeiden muss. Ich dachte echt, ich höre nicht richtig. Da ist einer, der in seiner Karriere noch mal einen nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg einfährt in seinem vorletzten Rennen, und der will im Nachhinein noch mal genau schauen, was er für dieses letzte Rennen noch besser machen kann. Mir ist das echt Ansporn für diese dritte Fastenwoche: Was war bisher in diesen zwei Wochen gut, wo ist mir gelungen, was ich mir vorgenommen habe und waren Fehler, die ich noch abstellen müsste. In der Lesung heute aus dem Buch Joel heißt es am Anfang des zweiten Kapitels: „Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen.“ Es geht weiterhin um die Umkehr oder neue Hinkehr zu Gott. Das Fasten ist uns noch geläufig, wie es in vielen Religionen und Kulturen geläufig ist, aber Weinen und Klagen über die eigenen Fehler und Sünden ist uns doch eher fremd geworden. Wir suchen da eher Entschuldigungen und Klagen eher über verpasste Chancen und gemachte Dummheiten. Aber es geht nicht um das Entschuldigen der gemachten Fehler, sondern um die Gewissheit, dass ein Neuanfang, eine echte Umkehr nur möglich ist, wenn wir genau hinschauen und ehrlich und authentisch reagieren. Denn es gibt, quasi als Motivationshilfe, eine wunderbare Zusage: Denn Gott ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.  

Wüstenstaub

3 Minuten
Was waren das für Bilder in der vergangenen Woche! In den Nachrichten und Wettervorhersagen wurde bereits Tage vorher angekündigt, dass jede Menge Saharastaub von Frankreich aus auf dem Weg zu uns ist. Am Dienstagabend wurden dann bereits erste Bilder gezeigt, wie in Süddeutschland die untergehende Sonne den Himmel von Westen her blutrot färbte. Bei uns in Westdeutschland kam der Wüstenstaub dann erst am Mittwochmittag an. Mit blutrotem Himmel oder anderen beeindruckenden Farben wurde es dann aber nichts. Stattdessen färbte sich das Blau des wolkenlosen Himmels in eine ziemlich trübe Suppe, durch die die Sonne ein fast schon bedrohliches Licht warf. Dass der Sand aus der Sahara immer mal wieder zu uns nach Europa kommt, ist nichts ungewöhnliches. Ich muss beim Stichwort "Wüste" allerdings auch an etwas anderes denken: Wir Ordensleute und auch viele andere Christen veranstalten häufig sognannte Wüstentage. Das sind Tage zur religiösen Einkehr, bei denen die Teilnehmenden nebenbei einen etwas einfacheren Lebensstil als sonst pflegen. Der Begriff "Wüste" erinnert an die 40 Tage, die auch Jesus mit Fasten in der Wüste verbracht hatte, bevor er öffentlich auftrat. Aber auch das Volk Israel war 40 Jahre lang in der Wüste unterwegs, als es aus Ägypten in das verheißene Land gezogen ist. Dabei gab es auch manches an Entbehrungen und Verzicht. Gerade in diesen Tagen werden auch wir wieder gefragt, auf was wir zu verzichten bereit sind, um diesen sinnlosen Krieg in der Ukraine zu stoppen. Denn jede Sanktion für Russland ist auch mit einer Konsequenz für unseren Lebensstil verbunden. Fragen wir uns also heute einmal, wie wir durch Verzicht oder einfach nur durch Mäßigung zu einer besseren Welt beitragen können. Das Bild der Wüste und des Wüstenstaubs in der vergangenen Woche konnten uns da eine gute Hilfe sein. Denn als am Freitag der Regen über das Land zog und den Sand aus dem Himmel wusch, waren die Pfützen zwar beige und ockergelb gefärbt. Aber die Sicht war wieder klar und am Tag darauf konnte man die Sonne auch wieder in ihrer vollen Pracht sehen.
3 Minuten
Die österliche Bußzeit wird durch zwei große Feste unterbrochen: das Fest des heiligen Josef und das Fest der Verkündigung des Herrn. Morgen, am Samstag, feiern wir mit der Kirche das Fest des heiligen Josef, aber erlauben Sie mir, dass ich Ihnen heute dazu ein bisschen erzählen darf. Über die Rolle des heiligen Josef, des Nährvaters Jesu, ist schon immer viel geschrieben und gesagt worden. Weil Menschen einfach verstehen möchten, was das für ein Typ war, der mit beiden Beinen in der Realität seiner Zeit steht, als Handwerker seine Passion ausübt und sein Brot verdient und dann aber so ganz unlogische Sachen macht: Er hört auf seine Träume und glaubt, dass es Gottes Wille ist, seine Verlobte nicht zu verstoßen, sondern sie zu heiraten, obwohl sie ein Kind von einem anderen bekommt. Er springt spontan auf, als ihm im Traum der Befehl zur Flucht gegeben wird und er Frau und Kind und das Nötigste zusammenpackt und nach Ägypten aufbricht. Er kehrt wieder auf Weisung eines Traumes nach Israel zurück und lebt sein normales Handwerkerleben weiter. Und er quält sich drei Tage durch Jerusalem, um Jesus wiederzufinden, der ihm dann auch noch Vorwürfe macht, warum er ihn denn gesucht habe. Und wir würden natürlich gern wissen, was er selbst dazu gesagt hat. Aber in der Bibel steht dazu nicht ein einziges Wort. Da ist also einer, der zum Mitwisser der größten Geheimnisse Gottes wird, und er kommentiert es nicht, er lamentiert nicht, er berät sich nicht mit anderen und hält keine Vorträge. Er tut. Seine Berufung ist es, am Werk Gottes für die Menschen mit zu arbeiten. Nicht mehr und schon gar nicht weniger. Viele Ordensgemeinschaften stehen unter seinem Patronat. Auch ich als Olper Franziskanerin heiße mit vollem Namen: Schwester Maria Katharina vom heiligen Josef, weil unsere Gründerin in vielen Nöten und Sorgen fest auf seine Hilfe vertraut hat und darin ihr grenzenloses Gottvertrauen deutlich zutage gekommen ist. Das ist also Programm genug: nicht reden, sondern tun!
3 Minuten
Wir haben in unserem kleinen Garten auf der Stadtmauer ein paar uralte Birnbäume, die ganz schief und schräg stehen. Und da ist es ganz einfach so Vogelfutterstationen aufzuhängen und nachzufüllen. Wir machen das seit zwei Jahren, weil immer wieder dazu aufgerufen worden war, die Vögel, die in unseren Breiten immer mehr gefährdet sind, zu füttern und im Sommer auch Wasserschalen hinzustellen. Und diese Futterstationen sind echt ein Segen. Zum einen für die vielfältigen Vögel, die hier verlässlich Futter bekommen. Und für uns Schwestern, die wir manchmal am Küchenfenster stehen bleiben und dem Treiben vergnügt zuschauen. Da kommen Meisen verschiedener Arten: Kleiber und Rotkehlchen. Und dann haben wir in der Nachbarschaft eine Dohlenkolonie. Die haben leider wenig Vergnügen, weil die Landeplätze und Futtereingänge extra so sind, dass nur kleine Vögel drankommen, landen können und in Ruhe futtern. Aber auch kleine Vögel sind wählerisch. Wenn zu viele Haferflocken im Futter sind, schmeißen sie die raus und suchen nach den Sonnenblumenkernen. Die Dohlen sitzen in der Nähe auf der Mauer, mustern das muntere Treiben von manchmal mehr als 10 Vögelchen gleichzeitig und haben Zeit. Wenn die Kleinen satt sind, dann kommen sie. Sie haben genau gesehen, dass die einen die Haferflocken rausgeworfen haben und brauchen jetzt also nur noch über den Rasen spazieren und unterhalb der Futterstation aufpicken, was sie sehr gründlich tun. Manchmal kommen auch die Tauben vom Kirchdach nebenan. Aber die haben keine Chance und werden laut krächzend vertrieben. Dieser Tage ist mir der Reis für das Mittagessen angebrannt, weil ich so gebannt den Vögeln zugeschaut habe. Wenn sie vielleicht heute am Tag ein paar Minuten Entspannung brauchen, schauen sie den Vögeln zu und hören sie ihnen zu. Es ist einfach wunderbar.
3 Minuten
Viele sehr alte Menschen haben den zweiten Weltkrieg als Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erlebt und sie sind bis heute davon traumatisiert und mit den Folgen beschäftigt. Dass ein solcher Krieg heute wieder in Europa stattfindet, macht sie entsetzt und erschrocken und viele Erinnerungen kommen wieder hoch, über die sie in den ersten Nachkriegsjahren meist niemals gesprochen haben und was ihnen erst jetzt im Alter möglich ist. Zusammen mit den endlosen Nachrichten und Spezials sind sie erschüttert und unruhig und haben Angst vor einem neuen Weltkrieg. Bis in die Träume verfolgt sie das Geschehen. Aber eine Mitschwester hat mir gestern, zunächst fast beschämt, dann aber doch mit viel Gelächter erzählt, dass sie von Putin geträumt hat. Sie hat geträumt, dass sie mit ihm Plätzchen gebacken hat. Und dass es wirklich nett war und er auch Ahnung davon hatte und von seiner Mutter erzählt hat. Im Gespräch kam dann, dass sie einen Bericht über das Leben Putins gesehen hat und dass ihr Gehirn in der Nacht wahrscheinlich versucht hat, diesen Kriegsherren mit seinem früheren Leben in Verbindung zu bringen, in dem er liebevoll von seiner Mutter umsorgt aufgewachsen ist. Ja, Menschen werden nicht als Despoten und Kriegsherren geboren. Aber irgendwann nimmt das Böse sie so in Beschlag, dass sie nicht mehr vom Guten erreichbar sind und noch nicht mal mehr eigene Berater und nächste Angehörige ihr Herz und ihren Verstand erreichen können. Wenn wir jeden Tag im Vaterunser darum beten: „…und erlöse uns von dem Bösen…“ erkennen wir an, dass es das Böse um uns herum gibt und wir immer neu darauf schauen müssen, uns dem Guten zuzuwenden und dem Bösen, welcher Art auch immer, keine Chancen einzuräumen. „Meide das Böse und tue das Gute; suche Frieden und jage ihm nach!“ heißt es im Psalm 34. Das Böse muss ich meiden, damit es mich nicht beherrscht und damit ich das Gute tun kann. Dann wird Frieden möglich, im Kleinen und Alltäglichen und im Großen in den Kriegen und Auseinandersetzungen der Welt.  
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