Morgenimpuls Archiv
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Eine unserer sehr alten Mitschwestern im Altenheim ist zwischendurch immer mal etwas desorientiert, verwirrt, ein bisschen „neben der Spur“, wie man so sagt. Dieser Tage war das auch so. Sie kam ins Nachbarzimmer, hat sich vorgestellt und der dortigen Mitschwester freundlich gesagt, dass sie jetzt hier im Haus eine Weile bleiben wird und das Nachbarzimmer bewohnt. Wir beide haben uns bedankt und ich habe ihr versprochen, sie gleich auch zu besuchen. Im Gespräch dann in ihrem Zimmer haben wir über Gott und die Welt, über den Krieg in der Ukraine und über den wechselhaften April geplaudert, über ihr schlechtes Befinden und darüber, dass man mit 99 nun auch tatsächlich alt ist und dass das Leben noch nie so schwierig war. Dann sind wir so die Etappen ihres langen Lebens entlanggegangen. 1923 geboren, hat sie die Hitlerzeit, den zweiten Weltkrieg, die harte Nachkriegszeit sehr bewusst erlebt und dann im Orden an vielen Stationen sehr segensreich für viele Menschen gearbeitet. Da kommt plötzlich ein Erinnern und sie sagt: „Oh, das ist ja wahr, es war nie nur leicht und manches echt hart, aber wenn ich das so jetzt sehe, habe ich ein sehr schönes Leben.“ Und ihr freundliches Lächeln war wieder da und die Einordnung in Zeit und Raum wieder gegeben. Das Radio, das sie sonst immer genutzt hat, habe ich ihr wieder angeschaltet, den richtigen Sender gesucht und habe mich von ihr, die jetzt zufrieden in ihrem Sessel saß, wieder verabschiedet. Viele Menschen kennen das: Die alten und sehr alten Mitmenschen kommen mit der scheinbar immer schneller gehenden Gegenwart nicht mehr klar, leiden unter den Kriegsberichten, den Bildern von Angriffen auf Städte und deren Opfer, von Flüchtenden und verletzten Kindern. In der Verquickung mit dem eigenen Erinnern verheddert sich alles und wird immer unsortierter. Oft tut es dann gut, wenn sich jemand Zeit nimmt, den Geschichten lauscht und bei der Einsortierung hilft. Und wenn man es schafft, Nähe und Vertrauen zu vermitteln, dieses: Ich bin bei Dir, ich halte Dir die Hand, ich höre Dir zu, ich mag Dich gern. In der Schlussoration unseres Morgengebets heißt es: „Allmächtiger Gott, in den österlichen Geheimnissen, die wir jedes Jahr feiern, hast du dem Menschen seine ursprüngliche Würde wiedergeschenkt und uns die sichere Hoffnung gegeben, dass wir auferstehen werden. Gib, dass die Erlösung, die wir gläubig feiern, in täglichen Werken der Liebe an uns sichtbar wird.“ Und das ist manchmal ganz leicht und hilft ungemein.
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Am weißen Sonntag sind wir in einem Morgengottesdienst in der Pfarrkirche gewesen und alles war schon vorbereitet für den großen Erstkommuniongottesdienst um 11.00 Uhr. Beim Hinausgehen haben wir uns die Vorbereitungen angeschaut und ich war sehr berührt. Auf der einen Seite der Altarstufen lagen runde Brote mit einem aufgeprägten Kreuz und mir war klar, dass die Familien wohl jede ein Brot mit nach Hause nehmen würden, um es miteinander zu teilen und vielleicht zum Abendessen zu verzehren. Auf der rechten Seite stand eine sehr schöne große Schale gefüllt mit Sand und hineingesteckt waren die mehr als 20 Tauf- und Erstkommunionkerzen der Kinder. In einer kleinen Schale lagen Dochte zum Anzünden und direkt dahinter steht die große Osterkerze auf ihrem hohen Leuchter. Ich hatte diese Idee noch nie gesehen. In vielen Kirchen gibt es entweder Kerzenhalter, die direkt vor den Kindern an die Bank geschraubt sind oder Kerzenständer im Altarraum, wo in langen Reihen die Kerzen gestellt werden. Aber diese Schale mit den dicht an dicht stehenden Kerzen, sind für mich noch mal ein ganz anderes Bild: da sind viele Familien mit ihren Kindern, die als kleine Gemeinschaft in die große Gemeinschaft ihrer Gemeinde, ihrer Pfarrei, ihres Bistums, der Gesamtkirche hineinwachsen wollen. Und ihr Licht bekommen die Kerzen von der Osterkerze. Väter und Mütter zünden an der Osterkerze den Docht an und entzünden damit die Kerze ihres Kindes. Und das ist mehr als nur ein Sinnbild. Viele Kinder und Jugendliche kommen mit dem Glauben an Gott durch ihre Eltern, Großeltern in Kontakt und erleben, dass er trägt und Licht gibt und Gemeinschaft möglich macht mit dem Auferstandenen in der Mitte. Und dass es bei allen kindgerechten Konzepten der Vermittlung und Vorbereitung immer darum geht zu schauen, was dem Kind hilft, an einen Gott zu glauben, der mit mir durch alle Höhen und Tiefen geht und auch in Schwierigkeiten, Krankheit und Tod da ist und der jedem Einzelnen von uns Licht und Leben und Wärme gibt, die uns hilft, zusammen unterwegs zu sein und Gemeinschaft der Glaubenden zu werden. Mich hat diese Schale mit den zusammenstehenden Tauf -und Kommunionkerzen sehr angeregt und vielleicht ist es auch für Sie eine Idee nochmal nachzusinnen, wie sie ihr Bild vom Kirchesein darstellen würden. Ihren Kindern, Enkeln, den Kindern in ihrem Umfeld. Und dieses schöne Bild, vom Anzünden der Kerzen der Kinder am großen Osterlicht des Auferstandenen kann Sie in den Tag begleiten und ihn, in welcher Situation sie auch immer heute sind, Licht und Leben verheißen.
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Heute denken wir mit der Kirche weltweit an den Evangelisten Markus. Die biblische Forschung weiß, dass er und seine Mitschreibenden das erste Evangelium verfasst haben. Er konnte sich wohl nicht auf Vorbilder stützen, sondern musste selbst schauen, wie er den Wust an Zeugnissen, an Erinnerungen, an Erlebtem sortiert bekommt. Und er tut das in sehr einzigartiger Weise. Er verweist in seinen 16 Kapiteln auf den Kreuzestod Jesu und sein Erlösungswerk. Es ist also ein langer Prolog, der immer näher an das Erlösungswerk heranführt. Unsere heutige Lesung aus dem 1. Korintherbrief sagt es, aus Sicht des Paulus sehr deutlich. Da steht: „Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet.“ Ohne den Glauben an das Evangelium vom Auferstandenen gäbe es keine christliche Zukunftsbotschaft und kein Wachstum der Kirche weltweit über die zwei Jahrtausende. Ein bisschen zeigt sich dieses Verständnis vom Wachsen und Werden auch noch in alten Bräuchen, die am Markustag gehalten werden. Ich kenne noch die Markusprozession um gutes Wetter und gute Ernte, obwohl es ja noch so früh im Jahr ist und oftmals die Saat erst ausgebracht worden ist. Aber die Saat muss ausgebracht und gehütet werden, damit sie wachsen kann, um eine gute Ernte zu bringen – an Brot und an Leben. Die Prozessionen am Markustag lösten ursprünglich heidnisch-römische Stadtprozessionen ab. Der Heilige Markus gilt als „Wetterherr“ und Schutzheiliger gegen Hagel, Blitz und Unwetter. Er wird für gutes Wetter und gute Ernte angerufen. Mit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vaticanum wurden die Markusprozessionen offiziell für die Weltkirche abgeschafft. In vielen Orten weltweit gibt es sie jedoch bis heute. Sie bilden den Auftakt zu den Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt, die quasi dem Sohn, der in den Himmel auffahren wird, alle unsere Bitten mitgeben will.
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Wir haben heute den Freitag in der Osterwoche. Vor einer Woche war Karfreitag, das Gedenken der Liebe Gottes, die so stark ist, dass sie selbst vor Leid, Kreuz und Tod nicht zurückgeschreckt ist. In einem Lied, dass ich sehr gern mag, werden die fünf Wunden Jesu besungen. Da heißt es: „Die heiligen fünf Wunden, die werden nicht verbunden, sie glühen und blühen in unsrer Zeit, die heiligen fünf Wunden, die werden nicht verbunden, sie sprengen sie sprengen die dunkle Zeit“. Als Jesus, der Auferstandene den Jüngern begegnet, sind seine Wunden sichtbar geblieben. Am deutlichsten wird es für Thomas, der das sogar einfordert: "Wenn ich nicht meine Finger in seine Wunden legen kann ...". Die Wunden Jesu sind nicht weg, sie sind nicht im Grab geblieben, weggezaubert in dem Wunder der Auferstehung, sie sind da und sind im Moment deutlich vor unseren Augen: Die Wunden der vielen Kranken weltweit, und derer, die sie pflegen und sich darin aufreiben, die Wunden derer, die in den Kriegen verletzt und verwundet werden, die Wunden der missbrauchten und geschändeten Kinder und Erwachsenen, die Wunden der Hungernden und unter Naturkatastrophen Leidenden, die Wunden der Einsamen, Obdachlosen und Alleingelassenen. Es ist sinnlos, die millionenfachen Wunden der Menschen zu ignorieren oder mit Hallelujagesängen zu übertünchen. Die Wundmale, die Jesus geschlagen wurden, sind die der ganzen Welt. Weil wir aber glauben dürfen, dass diese Wunden eben nicht das Letzte und ewig bleibende sind. Weil wir von den Zeugen der Auferstehung wissen, dass Jesus mit den verklärten, den angenommenen Wunden auferstanden ist, können wir glauben, dass auch heute alle Verwundungen der Welt durch Gott geheilt werden können. Und wir haben den Auftrag Jesu, uns in seinem Namen der verwundeten Mitmenschen anzunehmen und zu helfen, zu tragen und Leiden zu lindern.
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Die Lesungen im Morgenlob in unserer Osteroktav sind aus dem Brief an die Gemeinde in Rom. Paulus erläutert sehr eindringlich im achten Kapitel, was es mit der Auferstehung Jesu auf sich hat und welche Konsequenzen das für die hat, die an ihn glauben. Er schreibt: "Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt". Denen, die glauben, dass Jesus mit seiner Auferstehung auch uns nach dem leiblichen Tod die Auferstehung erworben hat, sind diese Verse eine wunderbare Bestätigung. Aber eigentlich steht da noch etwas anderes drin, nämlich dass der Geist, der in uns wohnt, unseren sterblichen Leib lebendig machen wird. Das bedeutet: Nicht erst nach dem leiblichen Tod wird uns der Geist lebendig machen, quasi auferweckten. Nein, es bedeutet, dass er unseren schon jetzt ja sterblichen Leib munter machen will mit diesem Geist, der in uns durch Taufe und Firmung eingegossen ist. Weil sterblich sind und bleiben wir, seitdem wir in diese Welt hineingeboren worden sind. Aber Gottes Geist ist uns gegeben, damit wir immer neu, ob wir jung oder älter oder alt sind, durch seinen Geist, die Power und Energie bekommen, das zu tun, was uns im Leben aufgetragen ist. Ob in Schule oder Beruf, in Familie oder geistlichem Leben, ob in Freundeskreisen oder Kirchengemeinden. Eine unserer 99-jährigen Mitschwestern im Altenheim liegt seit einigen Tagen auch über den Tag im Bett. Was ich bei ihr, so lange ich sie kenne, noch nie erlebt habe. Meist sitzt sie nämlich still vergnügt in ihrem Rollstuhl im Flur und plaudert mit jedem, der an ihr vorübergeht. Also habe ich sie gefragt, was denn sei. Und sie meinte ganz trocken: "Ach, weißt du, ich glaube, ich habe alle meine Aufträge, die ich vom lieben Gott bekommen habe, erfüllt. Jetzt bin ich ein bisschen müde und ruhe mich aus". Eine wunderbare Erkenntnis. Ihr ganzes langes Ordensleben hat sie sich von Gottes Geist beleben, antreiben und immer lebendiger machen lassen. "Und jetzt ist es gut", sagt sie. "Und wenn er kommt und mich holt, dann bin ich hier". Ihr Glaube an den Auferstandenen hat beide Seiten: Sich nämlich vom Geist beleben und leiten und lebendig machen lassen und jetzt, am Ende eines langen Lebens, sich auf die eigene Auferstehung freuen. Diese Frau ist einfach toll und ein wunderbares Vorbild.
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In diesen schönen Ostergeschichten dieser Osteroktav, der Woche nach dem Ostersonntag bis zum Weißen Sonntag, wird immer wieder beschrieben, wie die engsten Mitstreiter auf das Geschehen reagieren. Maria von Magdala steht vor dem Grab und weint, weil sie nach dem Verstorbenen gesucht hat und völlig aufgelöst nicht weiß, wohin man den toten Jesus gebracht hat. Und als sie angesprochen wird, denkt sie, es ist der Gärtner und fragt ihn nach Jesus. Erst als Jesus sie beim Namen ruft: „Maria“, wendet sie sich zu ihm um. Sie wendet sich um, weg vom leeren Grab hin zum lebendigen Jesus. Über die nächsten zwei Jahrtausende bis heute ist das genau die Aufgabe: Wir dürfen nicht beim Blick auf den Tod bleiben. Die Zuwendung zum Lebendigen macht Leben möglich. Seit mehr als zwei Jahre ist die Welt mit Corona beschäftigt und hat viel Leid und Tod erlebt. Aber da, wo die Zuwendung zu den Kranken und Sterbenden, die Beerdigung der Toten und die Tröstung der Trauernden geschehen ist, wurde Neuorientierung möglich. Als der Impfstoff da war, war es die unglaubliche Welle der Zuwendung für den Nächsten: Wir schützen uns und unsere Nächsten und lassen uns impfen, um sie und uns vor dem Tod durch Corona zu bewahren. Der Krieg in der Ukraine führt uns die Brutalität von Putins Machtstreben vor, aber in der Zuwendung zu den Flüchtlingen, der Versorgung der Menschen im Land dort und bei uns hier wendet den Blick vom Tod zum Leben und macht neues Leben und vielfältiges Überleben möglich. Die Hinwendung zum Lebendigen macht Erlösung möglich. Ich muss mich entscheiden: Will ich weinend am Grab der Lieben, am Grab der vertanen Chancen und Möglichkeiten, am Grab der vergangenen Jahre stehen und weinen und klagen, oder will ich mich dem neuen Tag, den neuen Chancen, den neuen täglichen Herausforderungen widmen und Neuanfänge möglich machen. Jesu Auferstehung eröffnet uns neues Leben. Nicht erst nach unserem eigenen Tod, sondern schon jetzt: Neu denken, neu anfangen, neu orientieren, neu aufstehen, neu glauben, hoffen und lieben.
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Eine der zauberhaften Ostergeschichten im Neuen Testament ist die um Maria Magdalena. Sie geht, von Kummer und Liebe getrieben am frühen Ostermorgen zum Grab, macht sich Gedanken, wie sie den Stein wegbekommen soll, der das Grab verschließt und ist dann völlig verwirrt, weil der Stein weggerollt ist. Sie rennt zu Petrus und Johannes, die lassen sie einfach stehen und rennen selbst zum Grab, sehen die Tücher zusammengefaltet und ordentlich, kapieren aber überhaupt nichts „Er sah, und glaubte“, heißt es zwar über Johannes, aber was er glaubte, ist da nicht zu lesen. Und dann gehen sie verwundert nach Hause und lassen Maria wieder stehen. Und was macht Maria? Sie steht am Grab und weint aus Trauer über den schrecklichen Tod Jesu, aus Kummer über all das Schreckliche der letzten Tage, aus Liebe zu ihrem Rabbuni. Und sie beugt sich ins Grab und sieht die Engel. Und einer fragt sie, warum sie denn weint. Und sie sagt: „Man hat meinen Herrn weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ Und dann sieht sie Jesus. Sie ist aber vor Trauer so blind, dass sie ihn nicht erkennt und denkt, es sei der Gärtner. Und auch Jesus fragt sie zartfühlend: „Wen suchst Du? Warum weinst Du?“ Und sie erklärt ihm ihre Sehnsucht. Und dann ruft Jesus sie beim Namen: „Maria!“ Und da gehen ihr die verheulten Augen auf und sie erkennt ihren Rabbuni. Und Jesus gibt ihr, der Frau den Auftrag, zu den Jüngern zu gehen und alles zu berichten und über ihn Zeugnis zu geben. Und sie rennt und berichtet den Aposteln: „Ich habe den Herrn gesehen. Ich, die Frau und ich habe die beste Botschaft der Welt für Euch und für alle: Der Tod ist nicht das Ende, nicht das Letzte, nicht der Schrecken ein Leben lang. Der Tod ist nur der Durchgang. Auferstehung ist angesagt und ganz neues Leben“. Maria ist die Erste, die den Auferstandenen gesehen hat, Apostolin der Apostel, hat Papst Franziskus sie deshalb endlich genannt. Vielleicht können nur Menschen in tiefer Trauer, mit verweinten Augen wegen eines Verlustes in Verzweiflung wegen der Situation, in der man im Moment leben muss, und mit sehnsuchtsvoller Liebe zu den Menschen, zu denen man im Moment nicht gehen kann, den Auferstandenen sehen und ihn erkennen und dann von ihm erzählen.
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Ich schaue, außer wenn es um Fußball geht, nie RTL. Aber am vergangenen Mittwoch habe ich "Die Passion" aus Essen geschaut. Es hat mich sehr angesprochen. Die vertrauten Szenen aus dem Evangelium so neu umgesetzt zu sehen, das Abendmahl im Restaurant, die Auseinandersetzung mit Judas im Park, die Verleugnung des Petrus, beim Angesprochen werden aus den umliegenden Kneipen, die Festnahme Jesu durch die Polizei, das vorgeführt werden in den orangenen Gefangenenoveralls, das Massengebrüll, dass dem Barnabas die Freiheit und Jesus den Tod bringt. Dazwischen die Kreuzprozession mit einigen Glaubenszeugnissen. Und dann noch die Lieder. Alles Songs, die ich aus dem Radio kenne und mitsingen kann. Und dann das im so ganz anderen Kontext, nahezu überwältigend. "Geboren um zu leben" bekommt im Angesicht des Todes Jesu eine unglaubliche Dimension. Und dann steht der Auferstandene oben auf dem Dach eines gegenüberliegenden Gebäudes und singt. Es ist schon sehr wunderbar, aber eben eine tolle Inszenierung. Für zwei seiner Jünger damals, nach dem echten Tod Jesu, war das alles irgendwie auch völlig surreal. Alle Hoffnungen auf eine Zukunft mit Jesus hatten sich zerschlagen, die drei gemeinsamen Jahre mit ihm sind weg und verblasst, und nach dem schmählichen Kreuzestod geht gar nichts mehr. Sie fliehen aus Jerusalem, sie wollen nur noch nach Hause. Und dann kommt ein Dritter dazu, den sie nicht kennen, und der fragt ganz arglos, was denn los war in Jerusalem und sie erzählen ihm alles: Vom Tod Jesu, von seinem Leben und Wirken vorher und ihrer großen Enttäuschung: "Wir aber hatten so gehofft." Und dann erzählen sie auch von der Aufregung am Morgen, dass die Frauen am Grab gewesen seien, aber den Leichnam Jesu nicht gefunden haben aber Engel berichteten: er lebe. Und sie gehen weiter. Und dann am Abend, als sie zusammensitzen, das Brot brechen, da erst erkennen sie ihn, den auferstandenen Jesus Christus und sie rennen zurück und erzählen aus übervollem Herzen: "Der Herr ist wirklich auferstanden, wir haben ihn erkannt, als er das Brot mit uns gebrochen hat." Das kann wunderbar an Ostern geschehen: Einander zuhören – die Auferstehung feiern – die Botschaft weitersagen und - sie mit Leib und Seele und allen Sinnen genießen.
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Eigentlich ist es absurd, dass das Zeichen für uns Christen seit über 2000 Jahren ein antikes Folterinstrument ist. Eine Kreuzigung, das war die schlimmste Todesstrafe, die die Römer parat hatten. Wurde man ans Kreuz geschlagen, so trat der Tod meist erst nach mehreren Tagen ein. Eine beliebte Hinrichtungsmethode für Sklaven und Aufständische, die jeden abschrecken sollte, der einen Gekreuzigten sah. Dass das Kreuz das Symbol der Christen geworden ist, das ist auch damals schon auf Unverständnis gestoßen. Paulus schreibt, dass das Kreuz für Juden ein Ärgernis sei, für Heiden eine Torheit. Und dieses Folterinstrument tragen wir um den Hals, hängen es in unsere Kirchen, und heute am Karfreitag verehren wir es sogar. Den heutigen Lesungstext aus dem Buch Jesaja, den hat der biblische Autor lange vor Jesu Zeit geschrieben. Aber er beschreibt ziemlich gut, wie Jesus wohl ausgesehen haben muss, als er am Kreuz hing. Da heißt es: Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen. Aber dieser gebrochene Mensch am Kreuz, der ist es, von dem wir sagen: Das ist unser Erlöser. Denn in diesem scheußlichen Anblick der Kreuzigung wird deutlich: Am Karfreitag geht Gott dorthin, wo man ihn am wenigsten erwarten würde. In die tiefsten, furchtbarsten Abgründe der Menschheit. Man könnte sagen: Gott geht ins Gegenteil seiner selbst. Das Leben geht in den Tod. Dadurch wird der Tod nicht umgangen. Aber er bekommt durch den Karfreitag eine neue Dimension. Der Tod ist nicht mehr das schreckenvolle Ungewisse. Sondern im Tod erwartet uns Gott. Die Karfreitagsliturgie lässt einen oft unzufrieden zurück. Denn sie betont das Grauen und die Angst, die Jesus durchlitten hat. Und das ist wichtig, denn ohne diesen Karfreitag wäre Ostern nicht denkbar. Aber wir wissen auch am Ende des Karfreitags: Ostern wird kommen. Der Tod hat nicht das letzte Wort, egal was passiert. Und diese Gewissheit wünsche ich Ihnen. Dass Gott auch in allem Leiden, in allem Schrecken wirklich da ist. In all dem Schrecken, der auch hier und heute passiert. Er ist da, wo man ihn am wenigsten erwartet.
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"Wenn ihr eingeladen seid, setzt euch nicht auf die besten Plätze". "Wenn Du ein Essen gibst, dann lade nicht nur die ein, die es Dir vergelten können, sondern auch, wer es Dir nicht vergelten kann". "Es fand eine Hochzeit in Kana, in Galiläa statt und Jesus und seine Jünger waren auch dort". Jesus rief den Zachäus und sagte, "komm runter, heute will ich bei Dir zu Haus essen". Jesus ist bei seinen Freunden Maria, Martha und Lazarus zu Gast und sie essen zusammen. Die Jünger stellen fest, dass die vielen tausend Menschen, die sich versammelt haben, nichts mehr zu essen haben, und Jesus nimmt sich des Problems an. In unendlich vielen Stellen im Neuen Testament geht es um das gemeinsame Essen. Genügend Nahrung zu haben, ist in der damaligen und auch in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Die Bauern wissen, dass sie sehr vom Wetter, vom rechtzeitigen Regen zur Aussaat und gutem Wetter zur Ernte abhängig sind und behandeln deshalb Nahrung sehr sorgfältig. Das Essen nimmt bei Jesus aber noch eine andere Stellung ein. Es ist mehr als nur satt werden. Er isst ganz bewusst und häufig mit vielen unterschiedlichen Menschen. Er will klar machen: Gottes neue Welt hat begonnen. Standesunterschiede verlieren also ihre Gültigkeit, und alle sollen gemeinsam feiern. Gemeinsame Gastmähler sind für ihn ein Zeichen für die neue Zeit Gottes, die nun beginnt. Von daher wird auch deutlich, warum er den Abschied von seinen Jüngern, das Ende seines irdischen Seins mit seinen engsten Freunden mit einem festlichen Mahl begehen will. Und seine Jünger verstehen sehr schnell, dass an diesem Abend alles irgendwie anders ist. Wir Heutigen beschreiben diesen Abend mit der Einsetzung der Eucharistie, also des gemeinsamen Dankessens für die Erlösung durch Jesus Christus. Da aber unsere Eucharistiefeiern so durchritualisiert sind, ist das Gespür für das gemeinsame festliche Mahl verloren gegangen. Deshalb ist es ein so schöner Brauch, an diesem Abend in vielen Familien und Gemeinden, in Klöstern und Konventen und auch zum Beispiel in unseren Kinderheimgruppen besonders schön zu Abend zu essen und sich an dieses festliche Mahl Jesu mit seinen Jüngern sehr bewusst zu erinnern. Machen Sie das doch auch mal heute Abend. Decken Sie den Tisch besonders schön, stellen Sie Blumen und Kerzen darauf und lesen Sie den Abschnitt aus dem 13. Kapitel des Johannesevangeliums, in dem dieses Mahl beschrieben wird. Und dann essen sie zusammen und stoßen mit einem guten Wein an. Denn es gibt etwas zu feiern, das seitdem weltweit und über 2 Jahrtausende gefeiert wird. Gott gibt sich selbst in seinem Sohn, damit wir das Leben in Fülle haben.
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Die Straßen sind leerer, bei uns hier. Es sind Osterferien und viele sind aufgebrochen in ihre Osterferienziele. Und seit Tagen gibt es in den Medien einen ziemlichen Rummel um die Ferien einer Ministerin im vergangenen Sommer. Als damalige Umweltministerin in Rheinland-Pfalz ist sie, nur 10 Tage nach der verheerenden Flut im Juli 21 mit vielen Todesopfern und unglaublichen Verwüstungen in Dörfern und Städten, mit ihrer Familie in den Sommerurlaub nach Frankreich gefahren. Für vier Wochen. Vor ein paar Tagen hat sie sich dafür entschuldigt. In einem sehr emotionalen Video erklärt sie sich und gibt an, dass die Krankheit ihres Mannes, die Coronabelastung mit vier kleinen Kindern, ihr Engagement im Wahlkampf und ein geschäftsführend übernommenes zweites Ressort einfach zu viel geworden sind und sie diesen Urlaub als Familie dringend gebraucht haben. Und? Was machen wir da mit einem Menschen? Die einen debattieren, ob diese Entschuldigung nun ein Zeichen vor Stärke oder eher von Schwäche ist, die anderen fragen, ob sie nicht ohnehin überfordert oder zu sensibel sei, die anderen sprechen von Mut und wieder andere von Ablenkung von ihren schwachen Leistungen als Ministerin. Ja klar, wenn man ein solches Amt übernimmt, muss man vorher klären, ob man den Zumutungen einer solchen Aufgabe standhalten kann. Aber auch Politikerinnen sind doch auch verletzliche Menschen, die an Grenzen geraten und auch mal falsche Entscheidungen treffen. Das Beurteilen und Verurteilen von Menschen ist täglich gang und gäbe. Wir checken geradezu intuitiv ab, wie wer wann was gemacht hat und was wir selbst davon halten. Das ist menschlich und zunächst nicht schlimm. Schlimm wird es erst, wenn wir unsere Urteile über andere verletzend und ehrabschneidend in die Welt posaunen und dem Gegenüber keine Chance mehr lassen. In dieser Woche lesen wir in den Evangelien: Jesus steht vor Pilatus und dieser findet keine Schuld an ihm. Aber die Meute, die aufgehetzte Menge, brüllt so lange, bis er Angst bekommt, der brüllenden Masse nachgibt und dieses ängstliche Nachgeben für Jesus tödlich endet. Brüllende Masse kann auch heute noch lebensentscheidend werden. Bedenken wir das in allem was wir tun und lassen, sagen oder weiterverbreiten.
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Die Absperrungen sind weg. Ich war ganz irritiert, als ich am Sonntag in unsere Kirche in die Heilige Messe gegangen bin. Es war schon ziemlich voll, voller als in all den Wochen und Monaten vorher, und ich habe erst gar nicht verstanden, was so anders war. Ich bin in eine Bank gegangen und habe erste beim Hinknien gemerkt, dass ich ohne den gewohnten Abstand einer leeren Reihe Platz genommen hatte. Dann habe ich gemerkt, dass die weinroten Absperrbänder weg waren, die seit zwei Jahren jede zweite Bank gesperrt haben. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass wir in der Kirche nur jede zweite Reihe besetzen dürfen, dass es ganz fremd und komisch ist. Auch die Karwoche dieses Jahr ist fremd und ungewohnt. Wir denken in der Karwoche an das Leiden und den Erlösertod Jesu wie jedes Jahr. Aber in diesem Jahr hat das Leiden Jesu andere Gesichtszüge, andere Namen, andere Bilder. Es sind weinende Menschen in den zerbombten Städten und Dörfern der Ukraine. Es sind die Toten in den russisch besetzten Orten. Es sind die weinenden Kinder in den überfüllten Zügen nach Westen. Es sind die Kranken und Alten in ihren kalten Kellern, die nicht fliehen können. Es sind die Flüchtlinge, die in den umgebenden europäischen Ländern stranden und im fremden Land mit fremder Sprache neu anfangen müssen. Und genau weil das so ist, weil das Leiden Jesu uns heute in unseren leidenden Mitmenschen diesmal so deutlich vor Augen geführt wird, wird klarer, worum es wirklich geht: Es geht um diesen Gott, der seit Jahrtausenden versucht, den Menschen den Frieden zu geben, den die Welt einfach nicht geben kann. Und selbst wenn Aggressoren und mordende Soldaten die Nachrichten überschwemmen, bleibt die ausgestreckte Hand Jesu vom Kreuz herab, um alle an sich zu ziehen, die im Leid und im Tod zu versinken drohen. Das Weinen und Klagen, die unglaubliche Trauer, die Ohnmacht angesichts der Raketen, Bomben und Vertreibungen, die Angst vor dem Einsatz der Atomwaffen bleiben. Aber das Leiden Jesu und sein Sterben, sein Begraben werden und sein Auferstehen zeigen eine Perspektive, ohne die wir, glaube ich, verzweifeln und verrückt werden würden. Aber mit dieser Osterperspektive und der Hoffnung auf Erlösung können wir aushalten, bei den Menschen bleiben, für sie eintreten, spenden und helfen und Mut machen.
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Mit dem Palmsonntag gestern hat die Karwoche begonnen, – die entscheidende Woche im Leben Jesu und für uns im Leben und Nachgehen auf Ostern zu. Man kann auch sagen: Die Karwoche ist der Crashkurs in Sachen Liebe bis zum Tod des Jesus von Nazareth. Damals für ihn und heute für uns. Der Palmsonntag ist für mich, die ich in Heiligenstadt im thüringischen Eichsfeld geboren und in der Nähe aufgewachsen bin, ein ganz besonderer Tag. Dort gibt es seit dem 16. Jahrhundert, von den Jesuiten eingeführt, die große Leidensprozession, die nach zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder stattfinden konnte. Sechs überlebensgroße Figuren, die die Leidensgeschichte Jesu zeigen, werden durch die Stadt getragen und viele Tausend Menschen gehen singend und betend mit der Prozession und noch einmal viele Tausend stehen in den Straßen und schauen zu oder singen und beten mit. Die eine Seite ist, dass diese Prozession, die die größte in Mitteleuropa ist, nicht über den Verstand, sondern mit allen Sinnen das Leiden Jesu für uns deutlich machen will: Die sehr eindrücklichen Figuren, die Lieder und Texte, die Musik, die Stille über der ganzen Stadt. Die andere Seite ist, dass in den Wechselfällen dieses kleinen Landstrichs, der immer wieder Zankapfel zwischen den Herrschenden war, auch nur das Mitgehen bei der Prozession schon eine Provokation sein konnte und geahndet wurde. Zur Nazizeit wurde sehr genau geschaut und Abiturienten, die die Fackeln neben den Figuren trugen, wurden vom Abitur ausgeschlossen. Nach dem Krieg hat der pfiffige Propst von Heiligenstadt, der wusste, dass der russische Stadtkommandant im Zivilberuf Theaterregisseur war, diesem die Prozession als Theaterinszenierung verkauft. Und der Kommandant war beeindruckt und sehr angetan und seither war nie wieder diese Prozession infrage gestellt. Selbst bei allen Schikanen der DDR Granden haben sich die sturen und gläubigen Eichsfelder nie beeindrucken und einschüchtern lassen; auch wenn viele Menschen Nachteile in Kauf nehmen mussten. Leben als Christ und Nachfolge dieses Jesus Christus hat Folgen – auch heute.
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Vorgestern war ich zum ersten Mal nach der fünf Jahre dauernden Renovierung und Generalsanierung wieder im Bonner Münster. Außen ist noch alles verhängt und eingerüstet, verschalt und gesperrt. Und an den Absperrungen hängen die gedruckten Hinweise für die Gottesdienste und Angebote in der Fastenzeit, für die Karwoche und die Osterliturgien. Nachdem ich mir das alles angesehen habe, bin ich echt gespannt und vorsichtig hineingegangen. Und es hat mich überrascht. Das Erste, was mir aufgefallen ist: Es ist so hell. Kircheninnenräume werden nach Jahrzehnten einfach durch den vielen Kerzenruß und die Heizungsluft dunkel. Nun war es wunderbar hell. Aber das Zweite, das ich genauso schnell gemerkt habe, war: Es ist so aufgeräumt. Viele Kirchen wirken oft wie Kramläden: da noch ein Tisch mit Infoblättern, da noch ein Kartenständer, noch eine Pinnwand mit den Kommunionkinderbildern, Zeitungen, Zeitschriften, kirchlichen Informationen und so weiter. Aber jetzt nicht mehr im Bonner Münster. Informationen und Postkarten, Führer und Flyer bekommt man in der Münster-Information. Aber nicht mehr in der Kirche. Lediglich ein Regal mit den Gotteslobbüchern und den Blättern mit den Friedensgebeten steht auf dem Weg in die Kirche. Es ist die Einladung zum Schauen, zum Umhergehen, zum Ausruhen, zum Hinknien und zum Beten. Nichts lenkt ab von der Hinwendung zum Heiligen, zum Göttlichen, zur Stille, zur Anbetung. Hier ist der Kirchenraum als der Raum Gottes deutlich erfahrbar. Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche, die Karwoche auf Ostern hin. Da soll nichts mehr ablenken vom unglaublichen Geschehen, das vor 2000 stattgefunden hat: dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, in die Welt gekommen ist, um sie wieder mit dem himmlischen Vater zu versöhnen und so quasi die Verbindungen zwischen Himmel und Erde neu zu knüpfen – mit seinem Kreuzesleiden, seinem Tod und seiner Auferstehung. Lassen wir uns in dieser nächsten Woche nicht ablenken von den vielen Debatten in unserer Kirche und den vielen Themen, die unbedingt gelöst werden müssen. Jetzt, in der kommenden Woche ist etwas anderes wichtiger: Die Erinnerung an Leiden, Sterben und Auferstehen Gottes in unsere Welt und die Feier dieser Geheimnisse, damit wir mit neuer Kraft und Energie und Frische dieses einmalige Evangelium Gottes verkünden und all die Probleme angehen können, die nicht aufgeschoben sind, – sondern neu durchdrungen, neu aufgeräumt und entrümpelt, damit wir als Kirche wieder Gemeinschaft der Glaubenden sein können, die die unglaublichste Botschaft der Welt zu verkünden haben.
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„Zurücküberweisung wegen versehentlicher Doppelzahlung“ - hä, was nochmal? Unsere Behörden- oder Geschäftskundendeutsch ist schon manchmal so, dass man es langsam nochmal laut lesen muss, um dann zu verstehen, um was es geht. Ah ja, klar. Da hat jemand aus Versehen den Beitrag für eine Veranstaltung zweimal bezahlt und bittet mich jetzt, es zurück zu überweisen. Alles klar und wird erledigt. Manches klärt sich, wenn man die typischen deutschen Kettenwörter in die Einzel-Worte zerlegt, um den Sinn zu verstehen. Unsere ägyptische Flüchtlingsgastfamilie hat mit dieser Technik vor Jahren sehr schnell verstanden, wie das funktioniert und konnte bald mit Vergnügen selber solche Wortungetüme wie: Halskettenverschlussöffnungstechnik erfinden und belachen. Auch in unserem alltäglichen Kirchensprachgebrauch müssen wir uns da schon mal an die eigene Brust schlagen. Wir können unglaublich kompliziert über einfache Dinge reden, sodass man bei mancher Predigt scharf nachdenken muss, worum es hier jetzt eigentlich geht soll. Eine besonders hübsche Geschichte habe ich vor vielen Jahren gelesen. Ein Theologieprofessor, der auch Priester ist, macht in einem kleinen Bergdorf Urlaub und zugleich macht er die Urlaubsvertretung des Dorfpfarrers. Er predigt am Sonntag sehr eindrücklich und mit vielen biblischen Beweisen über die Präsenz des Allerheiligsten im Tabernakel. Die Leute kommen relativ ratlos aus der Kirche und unterhalten sich darüber, dass sie ja bisher geglaubt hätten, dass Jesus Christus hier gegenwärtig sei, aber wenn es der Herr Professor so kompliziert beweisen müsse, sei es vielleicht doch nicht so, oder? Bei seiner Rückkehr kommt das dem Dorfpfarrer zu Ohren und am Sonntag predigt er: „Ihr habt gefragt, ob der allmächtige Gott im gewandelten Brot im Tabernakel drin sei oder nicht. Ich sage Euch: Er ist drin. Amen.“ Immer wieder finde ich diese Geschichte schön. Nein, nein, keine Sorge, viele Dinge des Göttlichen kann man nicht in Basta-Manier erklären. Aber manchmal tut es gut, das Göttliche nicht weitschweifig zu erklären, sondern zum Glauben zu ermutigen.