Morgenimpuls Archiv
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Bis ich Urlaub machen kann, dauert es noch länger, aber ab und zu plane ich die Tage, die ich in Thüringen sein werde. Und ich werde, wie jedes Jahr, auf die Wartburg fahren. Schon als Kinder sind wir jedes Jahr gefahren. Die Faszination dieser Burg hatte für uns irgendwie etwas abenteuerliches oder auch romantisches. Erst viele Jahre später, als es mal eine Ferienaktion der katholischen Kirche zur Heiligen Elisabeth gab, wurde mir bewusst, welche Bedeutung diese junge Frau für die Kirche in Thüringen und Deutschland hatte und welche so ganz andere Bedeutung das Geschlecht der Ludowinger in Mitteldeutschland mit ihren Kriegen und Eroberungen hatte. Und dann gab es natürlich noch einen dritten, der in der Geschichtsschreibung der Wartburg und der Geschichte der Kirche in Deutschland und der Welt eine besondere Bedeutung hatte: Martin Luther. Vor 500 Jahren wurde er zum Schein auf die Wartburg entführt, um ihn vor der Verfolgung durch die römische Kurie zu schützen. Dort lebte er incognito als Junker Jörg und übersetzt dann in sagenhaften 10 Monaten das Neue Testaments ins Deutsche, 1522 wurde es in Wittenberg veröffentlicht. Durch die Übersetzung ins damalige Deutsch hat Martin Luther die Entwicklung einer einheitlichen deutschen Sprache stark gefördert und auch erst möglich gemacht. Also waren eigentlich drei Personen hier diejenigen, die diese Burg zu einem Weltkulturerbe werden ließen: Ludwig der Springer, der durch einen gewieften Trick den Wartberg besetzt und den Bau der Burg begonnen hat, Elisabeth von Thüringen, die als Vierjährige dorthin gebracht worden ist, weil eine politische Heirat die Macht der beiden Fürstenhäuser stärken sollte. Elisabeth war dann aber so anders, weil sie die Krone vor dem Gekreuzigten niedergelegt, schon als Landgräfin sich um die Armen, Kranken und Rechtlosen gekümmert hat, und als Witwe dann ein Hospital in Marburg betrieb, in dem sie selbst gedient hat. Sie gilt bis heute als ein Urbild christlicher Caritas und Nächstenliebe. Und Martin Luther, der durch seine Thesen und seinen Einsatz die Reform der Kirche angestoßen hat die dann leider, bis heute, in Spaltung verharrt. Drei Menschen die in den Wirren ihrer Zeit getan haben, was sie für gut und vor Gott für richtig gehalten haben und die einen Landstrich und die Kirche geprägt und verändert haben.
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Heute ist das Fest der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus. Ich habe immer noch im Ohr, wie eine aus Schlesien stammende Mitschwester immer sehr energisch gesagt hat "Petrus und sein Kamerad" und ich das schon echt witzig fand. Wenn man nach der Wortbedeutung "Kamerad" schaut, steht da im Duden: "eine Person, mit der jemand durch gemeinsame Tätigkeiten oder Interessen eng verbunden ist" – Das kann man bei Petrus und Paulus ja schon sagen, obwohl man kaum verschiedenere Typen als diese beiden finden kann. Petrus, stammte aus Bethsaida am See Genezareth. Ursprünglich hieß er Simon, erhielt aber durch Jesus den Beinamen Petrus (zu Deutsch: der Fels). Petrus war der Bruder des Apostels Andreas. Durch ihn lernte er Jesus kennen. Beide Brüder waren Fischer. Petrus war verheiratet und wohnte mit seiner Familie in Kafarnaum. Aus den Briefen des Paulus kann man weder sein Geburtsjahr noch seine familiäre Herkunft sicher ermitteln. Aber wenn die Apostelgeschichte recht hat, hatte Paulus zumindest eine Schwester, die in Jerusalem lebte. Dort wird auch berichtet, dass Paulus aus der Stadt Tarsus in Kilikien stammte und das römische Bürgerrecht besaß. Paulus war gebildet, war bei Gamaliel in die Schule gegangen und gehörte den Pharisäern an. Beide hatten sehr unterschiedliche Lebens- und Berufungsgeschichten: Der eine kommt durch seinen Bruder zu Jesus, der andere muss vom Pferd gestoßen werden und drei Tage richtig blind sein, bis er Jesus erkennt und ihm dann um so eifriger nachfolgt. Wenn so etwas schon zum Anfang der jungen Kirche so war, so ist es ja 2.000 Jahre später nicht anders: Viele Menschen, die auf den unterschiedlichsten Wegen zum Glauben gekommen sind und auch auf den unterschiedlichsten Wegen ihren Glauben leben und die Kirche mitgestalten: die einen, die quasi von Geburt, Familie, Tradition und Taufe dazu gehören, die anderen, die durch Ereignisse oder Menschen dazu geholt wurden, und die dritten, die von Jesus, vom Geist so quasi vom Pferd geschubst worden sind und deren Blindheit gelöst werden muss. Ein Wort des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. gefällt mir da sehr gut und ich halte es für eine entspannte Weise, mit den vielfältigen Wegen in der Kirche umzugehen. In einem Interview wurde er gefragt, wie viele Wege es zu Gott gibt. Und seine wunderbare Antwort darauf war: "So viel, wie es Menschen gibt!" – Heute am Fest von Petrus und Paulus können wir die Phantasie Gottes feiern, der die Menschen so vielfältig geschaffen und seine Freude an ihnen hat.
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Wir haben gegenüber von unserem Haus einen kleinen Garten, der an der Stadtmauer entlang geht, klein aber fein ist, etwas Wiese hat, um sich auch mit 10 Leuten am Tisch zum Essen zu treffen, an der Mauer entlang viele schöne Hortensienbüsche und andere Blumen, die jetzt langsam anfangen zu blühen, ein paar Johannisbeer- und Stachelbeersträucher, um mit den Früchten Marmelade zu kochen, und eine ziemlich große Ecke mit Bodendecker-Rosen. Die sind für mich das absolut faszinierende in unserem Garten. Vor drei Jahren musste ein gebrochenes Kabel in drei Meter Tiefe gesucht und ausgetauscht werden. Also wurde quasi die Fläche von drei Quadratmetern drei Meter tief ausgehoben, eine riesige Holzkabeltrommel schon mal geholt und genau auf den Rosen abgelegt. Tja, das war es wohl. Nach mehr als zwei Wochen wurde die Trommel wieder entfernt und abtransportiert. Von den Rosen war nichts mehr zu sehen. Ein Jahr später lugten ein paar kleine rote Blüten aus dem Rest des Busches, im vergangenen Jahr noch ein paar mehr und in diesem Jahr ist es, als sei niemals eine tonnenschwere Kabeltrommel auf ihnen gelastet, die alles Leben abgedrückt hat. Der Busch blüht in einer Fülle, wie nie zuvor und oft bleiben Spaziergänger stehen und genießen diese Pracht. Manchmal geht es vielen von uns im realen Leben auch nicht anders. Da lasten Arbeit, Krankheit, Nöte und Schwierigkeiten auf uns und es herrscht das Gefühl vor, alles wird erdrückt und es bleibt keine Luft mehr zum Atmen, keinen Raum mehr für Entwicklung, keine Energie mehr für mehr als nur zu existieren. Aber wir Menschen haben von Gott eine unsterbliche Seele bekommen und manchmal braucht es nur ein Gebet, nur einen freundlichen Blick, nur eine Zusage des Beistands, nur eine kleine Hilfe im Alltag, und Leib und Seele können wieder aufleben, aufschauen, aufblühen. Eine Frau im kriegszerstörten Butscha hat neben ihrem zerbombten Haus einen Garten angelegt, Gemüse gepflanzt und einen Rosenstock. Zur Verblüffung des Reporters sagt sie: "Gott hat uns das Leben gegeben und uns überleben lassen. Jetzt werden wir ernten, was wir zum Leben brauchen und die Rose wird IHN, unseren Gott, loben." Ich bin beeindruckt und fasziniert von der Kraft dieser Frau und ihrem Mut und ihrem Glauben.
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In einem entzückenden kleinen Video habe ich dieser Tage gesehen, wie einem Säugling zwei Hörgeräte angepasst worden sind und das Kind, als es die ersten Worte gehört hat, ein so strahlendes Lächeln hatte, das mir beim Zuschauen die Tränen gekommen sind. "Das blind Sein trennt von den Dingen, aber das taub Sein trennt von den Menschen" ist eine Aussage, die sehr deutlich macht, was hören können wirklich bedeutet. "Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!" Dieser erste Vers aus dem Vorwort der Regel des Heiligen Benedikt ist 1400 Jahre alt. Und das Schma Jisrael oder Schema Jisrael gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums aus dem Buch Deuteronomium, ist noch viel älter und bedeutet ebenso: Höre Israel. Und dann erstaunt es nicht, dass es in den 10 Haltungen des Synodalen Weges ebenso um das Hören geht. Da heißt es: "Höre zu. Höre aufmerksam zu, bevor du sprichst. Versuche, den anderen zu verstehen, bevor du urteilst. Setze alles daran, die Aussage des Anderen zu retten, bevor du sie verwirfst. Halte Widersprüche aus und gib ihnen Zeit." Ein starker Text mit herausforderndem Inhalt. Ich merke immer wieder bei mir, dass ich im Zuhören schon damit beschäftigt bin, nach einer Antwort zu suchen. Aber damit werde ich dem Anliegen meines Gegenübers nicht gerecht. Und dann verstehen wollen. Das bedeutet ja auch, nachzufragen und um Erklärungen zu bitten. Damit ich nicht bei meiner inneren Deutung hängen bleibe, sondern wirklich verstehe. Und der dritte Satz scheint mir der schwierigste: "Setze alles daran, die Aussage des Anderen zu retten, bevor du sie verwirfst." Puh, wenn wir das versuchen, immer wieder versuchen, verurteilen wir nicht so schnell, sondern drehen und wenden die Aussage, bis wir uns vorstellen könnten, damit positiv umzugehen, oder aber auch sie zu verwerfen. Meistens bin ich sehr viel schneller damit beschäftigt, Kontra zu geben und abzulehnen. "Halte Widersprüche aus und gib ihnen Zeit" dann das letzte Anliegen dieser klugen Haltung. Widersprüche aushalten ist echt nicht leicht und macht auch nicht unbedingt Spaß. Wir haben lieber Klarheit und Eindeutigkeit. Im Hören auf die unterschiedlichen Meinungen und Positionen kann aber auch ein kluges Handeln erwachsen, dass besser ist als ein schnelles Agieren als Reaktion auf Verschiedenheiten, die wir nicht aushalten können. Hören, Zuhören, verstehen wollen, Aussagen des Gegenübers retten, Widersprüche aushalten ist ein anstrengendes Programm, auch für heute.
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Auf dem Klara von Assisi-Weg, dem Pilgerweg in Elspe im Sauerland, gab es letztens einige sehr witzige Begebenheiten. Bei der ersten Schattenpause – es brauchte einige mehr, weil es sehr heiß war – packte einer der Mitpilger plötzlich einen Dreiliterkarton mit köstlichem Apfelsaft aus seinem Rucksack aus und Pappbecher dazu und hat dann herzlich eingeladen: "Kommen Sie, trinken Sie! Je mehr Sie trinken, desto weniger muss ich schleppen". Diese Einladung war zu schön, um sie nicht zu erhören und den Genuss zu teilen. An einer der nächsten Stationen ging es ums Gottvertrauen der heiligen Klara und es gab ein paar Aussagen ihrer Mitschwestern dazu, die alle schriftlich erhalten sind. Der Kerngedanke Klaras war bei einer kriegerischen Bedrohung: Ich kann nichts machen, aber ich vertraue auf Gott. Er wird uns helfen. Und es geschah so und ihr Kloster und die Stadt wurden verschont. Ein Mitpilger hatte dazu eine eher heutige Geschichte zum Thema Vertrauen. Er hat uns erzählt, dass ein Wanderer in den Bergen gestolpert ist und sich kurz vor dem Absturz noch an einen Ast klammern konnte. Laut schreiend ruft er um Hilfe. Dann hört er leise und eindringlich eine Stimme: "Sei getrost, ich, Dein Gott, bin bei Dir. Ich werde Dich nicht umkommen lassen." Verblüfft ist der in Not Befindliche einen Moment still und ruft dann: "Ist da vielleicht noch jemand anderes?" Wir haben, wahrscheinlich wie Sie jetzt, herzlich gelacht und uns amüsiert. Aber genau das ist, glaube ich, der Unterschied. Die einen glauben felsenfest daran, dass Gott beschützt, hilft und rettet. Und die anderen glauben eventuell so ein bisschen, weil es ja nicht schaden kann. Aber Vertrauen haben sie nicht und rufen daher noch nach dem anderen, nach dem handfesteren, dem realeren Retter. Und eine dritte Szene war ganz in der Nähe der Freilichtbühne des Elspe Festivals, wo gerade die Erstaufführung des diesjährigen Stückes läuft und man Schüsse, Explosionen und Schreie vernimmt. "Keine Angst", ruft uns ein Spaziergänger zu, der aus dieser Richtung kommt: "Das ist nur gespielt und nicht echt. Und wenn es echt wäre", fügt er schmunzelnd dazu: "Sind sie ja in Gottes Hand." Wieder Gelächter unsererseits und die Vermutung, wer mit einer Ordensfrau unterwegs ist, kann nur in Gottes Hand sein. Tja, drei Variationen zum Thema Vertrauen. Wie steht es mit Ihrer Variation dazu?
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Im Nachbardorf meines Heimatortes ist eine Eisdiele. Sie ist schon über 60 Jahre alt und ist noch immer im Familienbesitz. Der Sohn macht das jetzt schon über 40 Jahre. Sie hat einen legendären Ruf wegen der tollen Qualität des Eises und ist im Preis immer noch niedriger als die Anderen ringsum. Ich habe ein kleines Video gesehen und war entzückt: Wenn man hineingeht ist es drinnen so herrlich altmodisch, mit Plastikblumen und roten Kunstlederstühlen, dass man sich echt wundert. Aber der Besitzer möchte es so und die Leute lieben es. Sie hat aber schon immer mehr vom Straßenverkauf gelebt als von den wenigen Sitzplätzen innen. Das Eis wird noch handgemacht und meist gibt es nur 4 bis 5 wechselnde Sorten. Und immer, wenn ich vorbeifahre, denke ich: Oh, hier wollte ich schon immer mal halten und das Eis probieren. Und dann sehe ich die langen Schlangen der Eisliebhaber, die da vorfreudig anstehen und fahre dann doch vorbei ohne zu halten. "Das ist da immer so", sagen meine Brüder, denen ich davon erzähle. Und auch sie haben deshalb dort noch nie gehalten. Man muss einen Parkplatz suchen, ein Ticket ziehen und sich an der Schlange anstellen. Ach, dann lieber nicht. Wofür lohnt es sich für Sie, heute mal anzuhalten, auszusteigen, sich in einer langen Schlange anzustellen und geduldig zu warten? Ein neu auf den Markt geworfenes Produkt, das sehr angesagt ist und alle haben wollen? Ein endlich wiedereröffnetes Museum mit einer brandneuen Ausstellung? Wenn nicht das Geld, der Preis die Frage ist, sondern die dafür aufgewendete Zeit? Bei uns hier in Nordrhein- Westfalen haben jetzt die Sommerferien begonnen und da ist vielleicht auch mal Zeit, einfach das Wörtchen "heute" zu benutzen. Heute werde ich das und das tun, heute werde ich jemandem eine Freude machen, heute werde ich mir einen besonderen Genuss leisten. Und über dieses "heute", darüber kann man auch wunderbar nachsinnen, während man in der langen Schlange vor der Eisdiele steht und sich sehr freut, weil das köstliche Eis auch eine der wunderbaren Gaben Gottes ist, die die Menschen für seine Menschen erfunden haben, uns zur Freude und zum Genuss für Leib und Seele.
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Der König verliebt sich, was ja an sich schön ist. Aber er kann seine neue Liebe nicht heiraten, weil er längst verheiratet ist. Also versucht er, seine Ehe annullieren zu lassen, wofür es aber keinen Grund gibt. Der Papst lehnt ab und das ist der König nicht gewillt einfach hin zu nehmen. Also gründet er die eigene Staatskirche und setzt sich selbst als Oberhaupt dieser Kirche ein. Sein Kanzler Thomas Morus tritt somit sofort von seinem Amt zurück, weil er als Katholik solchem Bestreben nicht folgen will. Aber der König will den Treueid von allen, auch von ehemaligen Kanzlern. Da er sich weiterhin standhaft weigert wird er eingekerkert und wegen Hochverrats zum Tod verurteilt und hingerichtet. Das Ganze ist fast 500 Jahre her und ist nicht vergessen, weil dieser Thomas Morus ein kluger Mann, ein liebevoller Familienmensch, ein Anwalt für Gerechtigkeit gegen jedermann war und einen wundervollen Humor hatte. Selbst in der Stunde seiner Hinrichtung bittet er ganz gelassen den Henker, ihm doch aufs Schafott zu helfen, herunter würde er es dann schon allein schaffen. Und er schiebt seinen wallenden Bart zur Seite, da der ja keinen Hochverrat begangen habe und nicht bestraft werden müsse. Papst Johannes Paul II. hat ihn 2000 zum Patron der Regierenden und Politiker ernannt. Und was hat das heute, am Donnerstagmorgen mit mir, mit Ihnen zu tun? Eigentlich nichts, oder? außer: manchmal helfen mir solche Beispiele, den eigenen Tag, mit selten so schlimmen Herausforderungen, doch mit etwas mehr Gelassenheit und Ruhe zu beginnen. Mein Vertrauen in Gott und meinen Glauben an ihn zu setzen, auch wenn alle ringsherum anders denken und es auch von mir fordern sollten. Zwei charakteristische Worte von Thomas Morus gebe ich Ihnen gerne mit in den Tag: Der eine: Viele Menschen erkaufen sich die Hölle mit so großer und schwerer Arbeit, dass sie sich mit der Hälfte derselben hätten den Himmel erwerben könnten. Und der Zweite: Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.
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Was würden Sie von jemandem halten, der mit sehr jungem aber ernstem Gesicht und Lilien in den Händen dargestellt wird? Wahrscheinlich, dass da jemand ziemlich fromm und lebensuntüchtig beschrieben werden soll. Bei Aloisius von Gonzaga, an den die Kirche heute denkt, war das aber völlig falsch. Aus reichem Haus stammend, wird er Mitte des 16. Jahrhunderts Page am Hof König Philipps II. in Madrid. Mit 17 Jahren erlaubt ihm sein Vater, nach echt hartem Ringen, dass er bei den Jesuiten eintreten darf. Bei einer Pestepidemie in Rom steckt er sich an, da er ohne Schonung und ohne Vorsicht die Pestkranken pflegt. Drei Monate später im Jahr 1591 stirbt er an der Pest. Irgendwie passt das reale Leben dieses Jesuiten also überhaupt nicht zu dem, wie er später dargestellt wird und wohl auch rüberkommen soll, wie man heute sagen würde, weil er zum Patron der Studierenden ernannt wird und wohl als liebenswürdiger, frommer und in sich gekehrtes Vorbild taugen soll. Alles zur größeren Ehre Gottes, ist eines der Leitworte der Jesuiten und das hat Aloisius wohl sehr handfest und energisch und mit Herz und Hand ausgeführt und nicht auf sich selbst und sein Ego geachtet, sondern auf die Menschen, die seine Hilfe brauchten. Ich fand dieser Tage die Zeilen von Mutter Teresa, die ziemlich genau auf das Leben des Heiligen Aloisius passen. Sie schreibt: Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. - Liebe diese Menschen trotzdem. Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. - Tue trotzdem Gutes. Das Gute, dass du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein. - Tue trotzdem Gutes. Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern. - Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern. Die Menschen brauchen wirklich Hilfe, doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst. - Hilf diesen Menschen trotzdem. Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. - Gib der Welt trotzdem das Beste. Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott.
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Ein drittes Wort aus den Haltungen des Synodalen Weges lautet: Bewege Dich. Und das ist nicht unbedingt sportlich gemeint. Es heißt hier: "Bewege Dich. Geh auf andere zu. Geselle dich zu dir vertrauten Menschen und suche auch die anderen. Wechsle gelegentlich den Sitzplatz. Erlaube dir, deine Meinung zu ändern. Vermeide Cliquen" Bei jeglichen Veranstaltungen und Zusammenkünften ist es ganz normal zu schauen, wen ich kenne und zu wem ich mich erst mal stelle oder setze. Und ein Austausch mit ihnen ist immer wichtig. Aber den eigenen Horizont erweitere ich, wenn ich auf andere zugehe, mich neben mir unbekannte Leute setze. Dann wird es spannend und ich kann meinen inneren Sitzplatz ebenso wechseln un plötzlich Dinge erfahren und über Sachen ins Gespräch kommen, die mir neu und fremd und erfrischend oder aufregend oder ärgerlich sind. Das belebt in jeglicher Hinsicht. "Erlaube dir, deine Meinung zu ändern" ist eine ziemlich gute Aufforderung. Meine eigene, festzementierte Meinung kann doch tatsächlich durch gute Argumente, durch anderes Erleben und Debattieren geändert werden. Und dazu dann zu stehen und die Veränderung auch zu vertreten hat nichts mit "Fähnchen im Wind" zu tun, sondern mit neuer Erkenntnis und dem Eingestehen, dass auch meine blinden Flecken bunt werden können. "Vermeide Cliquen" ist das Gegenteil von sicheren Blasen, in denen wir uns auch als Kirche so gern bewegen. Cliquen geben Sicherheit und stützen unser Lebensgerüst. Aber das ist nicht der Auftrag Jesu an uns als Christen. Er hat nicht gesagt, dass wir unter uns bleiben und uns wohlfühlen sollen. Er hat gesagt: "Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium" Und das heißt tatsächlich: verlasst eure sichere Clique, eure Bubble auf Facebook, Twitter und Tiktok und traut euch zu, mit meiner Hilfe zu meinen Menschen zu gehen, die auf euch warten und meine gute Botschaft an sie weiter zu geben – wenn es sein muss mit Worten, wie Franz von Assisi es sagen würde.
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Dieser Tage ist in einem Gottesdienst ein Lied gesungen worden, das mir sehr gefällt, aber vielen Leuten nicht so bekannt ist. Es singt von der Mitte des Jahres und ich war ein bisschen erschrocken, dass es tatsächlich so ist: wir haben die Mitte des Jahres schon fast erreicht und in ein paar Tagen geht es abwärts: nur mit dem Jahr, versteht sich. In der ersten Strophe heißt es: "Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin." Mir gefällt es sehr, dass hier die Bitte an Gott gerichtet wird, die Mitte gut zu machen. Meist bitten wir Gott am Anfang eines Lebens, oder bei bestimmten festlichen oder schwierigen Anlässen oder wenn es um Sterben und Tod geht. Die Mitte gut machen kann also bedeuten, die Früchte der Felder und Gärten und Wälder und Weinberge zu segnen. Aber es kann auch heißen, die Mitte unseres Lebens zu segnen und gut werden zu lassen. Wir kennen den Begriff der Midlifecrisis – der Krise in der Mitte des Lebens, wo alles irgendwie in Frage gestellt wird, wo Sicherheiten nicht mehr halten und Probleme überhand zu nehmen scheinen. Wo berufliche Krisen die täglichen Rituale nicht mehr funktionieren lassen und familiäre Katastrophen Menschen aus der Bahn werfen. Der Rat, der uns in diesem Lied gegeben wird, "Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin" klingt etwas fremd. Aber wenn ich darauf hoffe und daran glauben kann, dass Gott alle meine Wege mitgeht und sein Wort uns Wegmarkierung sein will, dann ist der Tipp nicht so weltfremd.
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Heute feiern wir mit der Kirche das Herz-Jesu-Fest. Ich habe mal danach gegoogelt und konnte dort mehr als 13 Millionen Einträge finden. Vielleicht gibt es so viele davon, weil wir Heutigen nach Erklärungen suchen, wozu es gut sein soll, ein Herz zu verehren. Der Ursprung der Herz-Jesu Verehrung liegt im Johannesevangelium. Dort steht, der römische Hauptmann habe nach dem Tod Jesu mit seiner Lanze eine Seite von dessen Körper und damit zugleich sein Herz durchbohrt, um so den Tod festzustellen. Das stellvertretend für das Leiden Jesu, der für die Menschen gestorben ist und sie dadurch erlöst hat. In einer heutigeren Übersetzung heißt die Stelle: "Sein Herz wurde geöffnet und es flossen Blut und Wasser heraus" Ein geöffnetes Herz haben für die Leiden und Nöte der Menschen und bis zum letzten Blutstropfen zu lieben, eine größere Liebe gibt es nicht und das kann nur Gott. Daher gibt es zum einen, so viele Darstellungen mit dem roten, durchbohrten Herzen aber ja auch, diese witzigen Figuren des Gottes Amor, der mit einem Pfeil das Herz eines Menschen trifft, damit er oder sie von der Liebe getroffen, ihr Herz für den anderen öffnen können. In einem Songtext von Joris heißt es: "Das Herz sagt bleib, der Kopf schreit geh - Herz über Kopf" Wir sind heute eher Leute, die sachlich und überlegt, wissenschaftlich begründet und naturwissenschaftlich gebildet agieren. Vielleicht kann so ein, etwas eigentümlich anmutendes Fest heute, nochmal den Blick darauf lenken, dass diese Reihenfolge bei Gott für uns andersherum gilt: Herz über Kopf. Er liebt uns bedingungslos und selbst wenn wir die Sache völlig verhauen haben, gibt es wieder einen Neustart. Wenn man sich einer solchen, ja irgendwie nicht zu fassenden Liebe gelegentlich bewusst wird, dann kann man plötzlich Entscheidungen treffen, die ziemlich irrational wirken: man lässt sich zu dieser Zeit, in dieser Kirche zum Priester weihen, man geht eine Ehe ein, und gelobt, diese bis zum Tode gelten zu lassen, man nimmt ein behindertes Kind an und liebt es bedingungslos. Sie selber kennen garantiert ein paar Beispiele von Irrational erscheinender, bedingungsloser Liebe von Menschen für Menschen, um Gottes Willen. Herz über Kopf – ein guter Slogan Gottes.
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Einen zweiten kurzen Impuls zu den "Haltungen" beim Synodalen Weg und in unserer Provinzversammlung möchte ich mit Ihnen heute anschauen. Er lautet: "Trau dich, von dir selbst, von deinen Erfahrungen und Gefühlen zu sprechen. Trau dich, den anderen zuzuhören, dass sie über sich selbst sprechen können. Trau dich, Vertrauliches vertraulich zu behandeln, über Deinen Glauben zu sprechen und auch mal etwas Neues vorzuschlagen oder eine 'Schnapsidee' zu äußern." Trau Dich, ist tatsächlich für viele Katholiken nicht so einfach. In der derzeitigen Vollzeitkrise der Kirche kostet es einiges an Mut und Überwindung, trotzdem zum Glauben zu stehen und den üblichen Stammtischparolen den eigenen Standpunkt darzulegen. Und ich spüre immer, dass es tatsächlich etwas Besonderes ist gut zuzuhören. In vielen Debatten und hitzigen Wortgefechten ist es nicht so einfach, zunächst einmal hinzuhören und herauszuhören, worum es eigentlich geht. Und die Erfahrung, nach einigen Atempausen ganz in Ruhe zu antworten, ist häufig sehr viel besser als das Wütende Hin und Her der Argumente. Eine Antwort in ruhigem Ton und guter Wortwahl wird tatsächlich eher gehört und angenommen. In diesem kurzen Text zur Haltung des "Trau Dich" gefällt mir der letzte Satz so gut: "Trau Dich mal etwas Neues vorzuschlagen oder eine Schnapsidee zu äußern" – Schnapsideen sind ja die Dinge, die kommen, wenn man locker und leicht zusammensitzt und vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Und dann blitzt so eine Idee auf, und man lacht sich kaputt und findet es völlig daneben. Oder man merkt nach ein paar Tagen, dass das eine ziemlich gute Idee ist. So eine Schnapsidee ist der Klara-von Assisi-Weg in Elspe hier im Sauerland. Eine Frau war in Assisi zu Besuch und von der Persönlichkeit Klaras so angetan, dass sie in ihrer Heimatgemeinde angeregt hat, einen Klaraweg zu erstellen. Mit einer großen Gruppe engagierter Frauen ist dieser Weg 2020 als der erste Klaraweg in Europa eingerichtet worden und zieht Jahr für Jahr immer mehr Pilger*innen an. "Wir können das, und wir trauen uns das" war die Erkenntnis der vielen engagierten Frauen und sie sind stolz über die Umsetzung der zunächst belächelten Schnapsidee. Wenn Sie Lust und Zeit haben, können Sie mit mir übermorgen, am Samstag ab 14.00 Uhr, ab der Jakobuskirche in Elspe, diesen 8 Kilometer langen Weg mit 5 Stationen wandern.
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Bei den Versammlungen des Synodalen Weges in den letzten Jahren in Frankfurt, gab es immer mal wieder kleine geistliche Impulse zu den "Haltungen" auf die jede und jeder Synodale achten sollte und wollte. Und wir Schwestern haben diese 10 Haltungen genutzt und haben bei unserer Provinzversammlung im Mai jeden Tag eine davon gelesen, bedacht, uns darüber ausgetauscht. In den nächsten Wochen will ich immer mal eine dieser Haltungen mit Ihnen teilen und zum Nachdenken mitgeben. Da geht es um: Bleibe im Gebet, Unterscheide, Trau Dich, Sage klar was Du denkst, Bewege Dich, Lass Dir Zeit, Höre zu, Kämpfe, Sei großzügig und gelassen, Öffne Dich. Allein die kurze Aufzählung zeigt mir Haltungen, die gut sind und guttun, aber nicht so ganz einfach zu verwirklichen sind. Ich beginne mit dem kurzen Text zum Gebet. Da heißt es: "Bleibe im Gebet: um Gottes Stimme unter den vielen Stimmen zu erkennen; um im festen Vertrauen zu bleiben, dass Gott selbst die Gemeinschaft führt; um den anderen in Ehrfurcht zu begegnen, auch jenen, die dir widersprechen und Dich kritisieren. Bleibe im Gebet, damit Gott in allem verherrlicht werde" Wenn ich bedenke, in welch hitzigen Debatten, in welch schwierigen Entscheidungen, in welch komplizierten Begegnungen Menschen diese Worte beachtet haben wird mir bewusst, was möglich ist, wenn ich wirklich an Gottes Gegenwart glaube und an Gottes Möglichkeiten, durch uns zu wirken. Unter vielen Stimmen herauszuhören, was Gottes Stimme sein könnte, ist wirklich schwer und braucht Geduld und Ruhe und die Einübung ins Gebet. Nur dann kann ich spüren, dass es keine Einbahnstraße ist und Gott antwortet. Während eines Gemeindeabends zum Thema Gebet hat eine Frau erzählt, dass sie Beten mithilfe der Plattform Youtube gelernt hat. Ich war verwirrt und beeindruckt. Sie aber hat mit einer so heiteren Gelassenheit davon erzählt, wie sie mithilfe dieser vielen kleinen Filme und Erklärungen gelernt hat, mit Gott auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen, dass alle anderen im Saal ganz still geworden sind und zugehört haben. In den vielfältigen Angeboten auf Youtube zum Gebet und zu Gott zu finden, ist der Beste Beweis: Bleibe im Gebet um unter den vielen Stimmen, Gottes Stimme zu finden.
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Meine Oma Katharina war eine bodenständige, gläubige und tatkräftige Frau. Sie hat nie über den Glauben geredet, sie hat ihn getan. Aber gelegentlich blitzte der Schalk in ihr auf und sie hatte nette Bittrufe an ihre Lieblingsheiligen. Unter anderem: "Sankt Antoni sei gepriesen, Schutzpatron der Schlamperliesen" Kennen sie diesen witzigen Bittruf? Und nicht nur bei ihr, sondern bei ganz vielen Menschen steht gerade der Heilige Antonius von Padua, den wir heute feiern, sehr hoch im Kurs. Man ruft nach ihm, wenn man etwas verloren hat. Nur noch wenige wissen, woher dieses Patronat kommt. Für seine Vorlesungen und Predigten benutzte der heilige Antonius von Padua gerne ein selbst verfasstes Buch, das eines Tages nicht mehr auffindbar war. Ein junger Mönch, des Ordenslebens überdrüssig geworden, hatte das Kloster heimlich verlassen und das Buch mitgenommen. Als der Heilige seinen Verlust bemerkte, versenkte er sich sofort ins Gebet, vor allem für den jungen Mann aber auch für die Wiedererlangung seines Buches. Seine Bitten wurden von Gott erhört und wenige Stunden später betrat der Ausreißer die Zelle des heiligen Antonius, warf sich ihm zu Füssen, bekannte seine Schuld und gab das gestohlene Buch zurück. Und man erzählt sich, dass der heilige Antonius eine so starke Wortgewalt in seinen Predigten hatte und so wunderbar davon reden konnte, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, dass viele in seinen Armen ein Jesuskind liegen sahen. Die Menschen seiner Zeit hatten das wirkliche Gut verloren, den Glauben an den Gott, der als Kind in die Welt gekommen ist, um als Mensch unter den Menschen zu leben. Und durch seine Predigten haben sie ihn wiedergefunden. Ein Zitat aus einer seiner Predigten heißt: Taten sprechen lauter als Worte; Lass deine Worte lehren und deine Taten sprechen.
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Vergangene Woche hatten wir "Klostertage in der Schule". Sonst sind normalerweise Klostertage im Kloster, also im Mutterhaus. Aber wegen des Umbaus machen wir das in unserer St. Franziskusschule. Jeden Tag hat eine sechste Klasse einen Vormittag lang die Chance, mal wie die Schwestern zu beten, sich karitativ zu betätigen, ein Taukreuz aus Ton herzustellen, einen Film übers Mutterhaus zu schauen und dann 30 Minuten Zeit mich auszufragen. Das ist anstrengend und gleichzeitig spannend und auch witzig. Haben sie eigentlich Ihre Gründerin noch gekannt? war wirklich das Beste. Dann haben wir Matheunterricht gemacht: Mutter Theresia ist 1905 gestorben, jetzt haben wir 2023. Oh, okay, geht vielleicht nicht. Spannend war die Frage nach dem goldenen Ring. "Ich dachte Schwestern sind nicht verheiratet?" und daraus ergab sich ein längeres Gespräch über die Möglichkeiten zu zeigen, dass man einen Bund mit einem oder mehreren Menschen eingegangen ist und mit dem Kreuz auf dem Ring zeigt, dass diese Verbindung auch etwas mit Jesus Christus zu tun hat. Die Frage nach der Kirche und deren derzeitige Krise stellt sich so jungen Jugendlichen überhaupt nicht. Sie sind eher neugierig darauf, wie es denn möglich sein kann, dass man mit mehreren Schwestern zusammenlebt, Beten und Arbeiten in der Waage hält, zusammen Freizeit verbringt, aber nur einen Fernseher im Haus hat, wieso man im Urlaub nicht nach Malle fliegt und ob jeden Tag in der Bibel lesen nicht total langweilig ist. "Sie scheinen das ja richtig gern zu machen", war eine Schlussfolgerung, die mir sehr gefallen hat. Beim Mittagsgebet haben die Kinder sehr viel intensiver mitgesungen und gebetet und die Verabschiedung war mit jeder Klasse sehr viel herzlicher und freundlicher als der Start am Morgen. In der heutigen Lesung aus dem Buch Jeremia heißt es: "Kamen Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heere." Ich glaube schon, dass Kinder spüren, wes Geistes Kind man ist und warum man so heiter und gelassen sein kann, auch wenn man 50 Jahre älter ist als sie selbst.