Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche

Morgenimpuls Archiv

1710 Episoden
3 Minuten
Am vergangenen Wochenende hatten wir wieder Studentinnen zu Gast, die das Angebot "Kloster auf Zeit" wahrgenommen haben. Die eine studiert Theologie und Geschichte auf Lehramt für Gymnasiale Oberstufe, die andere Sonderpädagogik und Religion für Sonderschulen. Sie steigen aus dem normalen Studentenleben aus, lassen Studium, Vorlesungen, Seminare und Hausarbeiten links liegen, treffen sich abends nicht mit Freunden, gehen am Wochenende nicht ins Kino oder in die Lieblingskneipe. Sie trauen sich, etwas komplett anderes zu machen. Sie erleben bei uns auch den normalen Alltag eines Klosters: gemeinsame Gebetszeiten, Gottesdienste, zusammen essen, Zeiten der Stille und des Nachdenkens, Gespräche über Gott und die Welt, über Studien- und Zukunftspläne. Und sie erleben, wie schon viele vor Ihnen: Tapetenwechsel, andere Begleiterinnen durch die Tage und ein bisschen Zeit ergeben eine Tiefe in den Gesprächen, im Nachdenken und im Schweigen, die sie oftmals vorher nicht erlebt haben. Manchmal ergeben sich dann plötzlich Fragen und Zweifel oder Hoffnungen kommen zum Vorschein, die näher angeschaut werden müssen und auch können. Und immer wieder neu bin ich erstaunt, mit wie wenig katholischem Grundwissen diese jungen Frauen ihr Studium meistern und bei geistlichen Übungen wie Stundengebet, Bibel Teilen oder den Engel des Herrn beten, komplettes Neuland betreten. Faszinierend finde ich dann, dass ihnen das bewusst ist und sie wie ein Schwamm alles aufsaugen, was wir ihnen an Spiritualität, Glaubenswissen und Glaubensleben so nebenbei mitgeben können. Manchmal reicht ein Spaziergang mit dem Hinweis auf Kapellen und Kirchen, auf Patronate oder dargestellte biblische Szenen, um eine unglaublich tolle Neugier zu wecken und dem dann am Abend auf den Grund zu gehen. Und da haben dann wir alle was davon. Man wird nicht dümmer, wenn man Gäste im Haus beherbergt, das spüren wir mit Genuss immer wieder gern.
3 Minuten
Am Pfingstmontag war ich mit vielen hundert Menschen zur Pfingstprozession in den Kleusheimer Dörfern. Und zum Abschluss der Prozession wurde der Sakramentale Segen gespendet. Vorher kommt das dafür typische Lied, das der Organist auch mit der Nr. 495 angeschlagen hatte: "Sakrament der Liebe Gottes, Leib des Herrn sei hoch verehrt!" – Aber das hat die vielen Menschen überhaupt nicht beeindruckt. Sie haben voller Inbrunst und vollem Herzen die lateinische Version gesungen: "Tantum ergo sacramentum, veneremur cernui" – Zunächst musste ich schmunzeln. Und eine junge Frau neben mir, die schon sehr weitgereist ist, bemerkte ganz trocken: "Es ist sehr beruhigend, dass es auf der ganzen Welt so ist: Wenn diese Melodie kommt, wird lateinisch gesungen." Für meine Begriffe gibt es dafür eine sehr gute und einleuchtende Erklärung. Wie kann ich dieses Geheimnis, dass Gott Mensch geworden ist, unter uns gelebt hat, gestorben ist und auferstanden, in den Himmel aufgefahren ist und trotzdem unter uns, in dieser kleinen Scheibe Brot gegenwärtig ist, denn plausibel erklären? Ich kann es nicht; und viele Theologen, die sich in komplizierter Sprache daran wagen, eigentlich auch nicht. Es ist und bleibt ein Geheimnis. Und die Gläubigen spüren das sehr genau und belassen das Geheimnis auch, in dem sie selbst die erklärenden deutschen Lieder lieber lateinisch singen. Latein kann kaum noch jemand aber der Klang dieser Worte ist vertraut und trotzdem geheimnisvoll. Heute, an Fronleichnam feiern wir dieses Geheimnis und auch ich kann es nicht erklären. Und so bete ich mit Ihnen ein altes Gebet zu diesem Fest: "Vermächtnis des Herrn, ernähre mich. Tod Christi präge mich, Auferstehung Christi berge mich, Sendung Christi sende mich, Geheimnis Christi öffne Dich, In Deine Nähe ziehe mich, vor allem Bösen schütze mich, aus deiner Fülle speise mich, damit ich lebe ewiglich. Amen."
3 Minuten
Was ist das Beste am Sommer, frag ich mich und vielleicht auch Sie. Das Beste daran ist, dass er kommt, dass er, wenn wir Glück haben warm und sonnig wird, dass wir Urlaub machen können und uns erholen, dass es wunderbare Blumen gibt und duftende Wiesen, dass belaubte Bäume herrlichen Schatten geben, damit es nicht zu heiß ist, dass viele Leute viel bessere Laune haben, weil Sonne und Wärme glücklicher machen, weil es heimische Beeren und Kirschen und andere Früchte gibt die voll nach Sommer schmecken und man Äpfeln und Birnen und Stachelbeeren beim Wachsen und reif werden zugucken kann, weil man bis spät am Abend draußen sein kann und es warm und hell und schön ist, dass man die schönen und luftigen Sommersachen anziehen kann die sich so schön anfühlen und eigentlich sonst immer nur im Schrank hängen, dass die Kinder den ganzen Tag draußen spielen können und abends ausgepowert und müde sind, dass die Freibadsaison losgelegt hat und es jeden Tag schöner wird, dort zu sein,  und so weiter und so weiter. Machen Sie mal für sich selbst eine Sommerlitanei. Schreiben Sie auf, was Ihnen so gut daran gefällt und dann genießen Sie es einfach. "Wer nicht mehr genießt, wird bald ungenießbar" heißt ein Sprichwort. Und mitten in dieses schöne Sommergefühl kommt morgen das durch und durch katholische Fest Fronleichnam. Wir tragen das Allerheiligste durch die Straßen, die geschmückt sind mit Blumenteppichen und Girlanden, mit bunten Fahnen und grünen Büschen. Eigentlich ist der Gründonnerstag der Tag für dieses Fest. Aber der ist schon geprägt von Verrat und dem bevorstehenden Leiden Jesu. Also feiern wir dieses: Gott ist mitten unter uns, an einem schönen Sommertag und singen, beten und gehen in Prozession durch den Ort und erbitten den Segen. Und danach ist, ganz katholisch, Frühschoppen auf dem Kirchplatz – mit Gegrilltem und Bier und Platzkonzert. Genießen wir die Gegenwart Gottes mitten unter uns und feiern wir sie – so schön und festlich und so fröhlich wie möglich. Wir haben allen Grund dazu.
3 Minuten
Mit dem Pfingstfest beginnen hier im Sauerland auch die Schützenfeste in allen Dörfern und noch so kleinen Flecken. Endlich, sagen alle, die es lieben: diese Feste, die alle zusammenbringen zum Feiern, zum Marschieren, zum Tanzen und in den lauen Nächten zum Eierbacken. Da kommen die Verwandten von nah und fern, da kommen alle, die schon mal weggezogen sind nach Hause, alle die schonmal Schützenkönig waren und mit Vergnügen sich in die Feierlichkeiten stürzen. Da gibt es feste Rituale und Regeln, wann, wo, was ist und wer da sein muss. Wer sich als Schützenkönig bewirbt und wer auf den Vogel schießen darf. Erst hier habe ich tatsächlich verstanden, dass das Wort: der hat aber den Vogel abgeschossen, einen realen Hintergrund hat und damit zu tun hat, wer mit dem letzten Schuss den Holzvogel vom Nagel holt. Der leitende Pfarrer ist ein bisschen erschrocken, ob der vielen Schützenfeste, zu denen er eingeladen ist und bemerkt aber erfreut ganz nebenbei, dass er dort mit Leuten ins Gespräch kommt, die er sonst das ganze Jahr kaum trifft. Als ich hier neu war, habe ich ganz arglos beim Umtrunk gefragt, wozu es die Schützen denn überhaupt gibt. Der angefragte Schützenoberst hat milde gelächelt, ob der Unwissenheit der neuen Schwester und sehr freundlich gesagt: "Schützen sind dazu da, um zu schützen" Das hat sich mir sehr eingeprägt. Vor mehr als siebenhundert Jahren, als der kleine Ort die Stadtrechte verliehen bekam, gründete sich der Schützenverein: als Bürger- und Stadtwehr. Und sehr häufig war es auch bitter notwendig. Denn in allen verrückten Zeitläufen war es immer wichtig, dass eine kleine Stadt gut verteidigt und bewacht wurde, wenn Räuberhorden, fremde Soldatengruppen oder ganze Kriegstruppen angerückt kamen. Ein interessanter Aspekt kam mir in einem anderen Gespräch mit Schützen. Es ist auch wichtig, in einem solchen Ort die guten Sitten, die Treue zur Stadt und zum Glauben zu schützen. Und da bin ich mir sicher: wenn einige tausend Männer und ihre Familien sich darum kümmern, dass in der Stadt die Themen des Lebens positiv behandelt werden, wenn in Sachen Kirche und Glaube tatsächlich ein Einvernehmen, bei aller Auseinandersetzung erreicht wird, wird das gute Klima in einer Stadt geschützt und gut gehütet. Schützen schützen – ein gutes Wort
3 Minuten
"Freue dich, du Land der Deutschen, und preise deinen Apostel und Bischof. Seine Predigt brachte dir das Licht des Glaubens. Seine Sorge um dich erfleht dir Gottes Schutz." So lautet die Antiphon zum heutigen Benediktus-Gebet in der Laudes. Den Mann, den die Kirche heute feiert, hat es ziemlich weit durch Europa getrieben, hat es aus seiner Berufung als Mönch herausgerufen und die Leitung der Klosterschule auf zu geben, von England nach Friesland zu gehen um dort das Evangelium zu verkünden, vom Papst zum Bischof geweiht zu werden und somit ganz offiziell zur "Germanenmission" beauftragt zu werden, Erzbischof und päpstlicher Legat für Germanien zu werden. Er predigt mit großem Erfolg in Hessen und Thüringen, gründet 6 große Klöster und macht sich dann ans Werk, die Kirche zu ordnen und die Bistümer Salzburg, Regensburg, Passau, Würzburg und Erfurt zu gründen. Er wird dann Bischof in Mainz und ist sich nicht zu schade, nochmals eine Missionsreise zu unternehmen, bei der er am 5. Juni 754 den Martertod erleidet.   Bonifatius wird deshalb Apostel der Deutschen genannt und an seinem Grab in Fulda treffen sich in jedem Jahr die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbstkonferenz. Wie passt das alles in ein einziges Leben?, denken Sie vielleicht auch.  Bonifatius war kein bedeutender Theologe, aber er verband missionarischen Eifer mit einer seltenen Begabung für Organisation und Administration. Und er ist nicht sitzen geblieben, auf seiner ersten Berufung, sondern hat sich von Gott immer neu herausrufen lassen mit neuen Aufgaben. Vielleicht ist es das: er hat die Begabungen, die er von Gott geschenkt bekommen hat, geschult, entwickelt und immer neu eingesetzt. Was sind so Ihre Begabungen, die Sie heute einsetzen können? Welche Fähigkeiten, die sie als Gabe bekommen haben, haben Sie noch gar nicht richtig wahrgenommen?  Das ist eine Überlegung heute wert am Tag des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen.
3 Minuten
Der Alltag hat uns wieder! Die Osterzeit ist mit Pfingsten endgültig vorbei, diese Pfingstwoche endet heute auch und wir sind wieder im Jahreskreis. Was für kirchlich geprägte Menschen total sinnvoll klingt, dürfte für die meisten eher merkwürdig daherkommen. Ostern, das ist doch schon lange her. Und Pfingsten ist doch das lange Wochenende, an dem alle Kölner nach Holland ans Meer fahren. Und Alltag ist Alltag, der Rest ist Urlaub. Ja, man könnte jetzt jammern, dass viele Menschen nur noch wenig vom Glauben wissen. Ich frage mich da immer: Woher kommt das? Zumindest in West-Deutschland gab und gibt es flächendeckenden Religionsunterricht in der Schule, es gab starke volkskirchliche Strukturen mit Gruppenstunde, Kommunionunterricht und vieles mehr. Trotzdem scheint über Jahrzehnte das Glaubenswissen dramatisch weniger geworden zu sein und vieles, wie eben das besagte Kirchenjahr, ist überhaupt nicht mehr selbstverständlich. Ich erlebe es regelmäßig, dass Katholikinnen und Katholiken viel von früher sprechen – früher war das Pfarrfest riesengroß, es gab drei Kapläne und über 100 Kommunionkinder. Wat fott es, es fott – was weg ist, ist weg, sagt der Kölner und die Kölnerin. Und da hilft jammern nun gar nicht. Sondern schauen wir lieber auf das, was möglich ist. Und da ist ein ganz wichtiger Schritt, dass man mit Menschen erst einmal ins Gespräch kommt. Wenn jemand interessiert nach unserem Glauben fragt, dann ist das gar nicht so wenig wie es scheint. Wir können dann erzählen, warum uns der Glaube wichtig ist, wie uns Gott erfüllt, was Christsein für uns bedeutet. Klar, wenn wir an die vollen Kirchen früherer Zeiten denken, wirkt im Vergleich dazu ein solches Gespräch erstmal etwas dünn. Aber angesichts der Fülle der Möglichkeiten, die sich den Menschen heute bietet, ist so eine ernst gemeinte Frage zum christlichen Glauben gar nicht mal so schlecht. Vielleicht schauen wir in diesen Tagen, in denen wir wieder im kirchlichen Alltag sind, doch ein bisschen genauer auf die Dinge, die uns Hoffnung machen: für unseren Glauben, für unsere Kirche.
3 Minuten
Wir haben neue Gartennachbarn. Das ältere Paar, dass wir jahrelang als nette Nachbarn hatten, ist weggezogen und jetzt ist eine Familie mit zwei kleinen Söhnen in die Wohnung nebenan gezogen und hat diesen Garten gemietet. Zur Straße hin ist ein Zaun und eine Hecke und zwischen den beiden Gärten sind vielleicht zehn Sträucher. Am Pfingstmontag haben wir im Garten gesessen und gelesen. Irgendwann habe ich gesehen, dass einer der beiden Kleinen genau in der Lücke zwischen zwei Sträuchern stand und uns angestaunt hat. Er hatte wahrscheinlich noch nie so komisch angezogene Leute gesehen. Wir haben ihm zuerst zugewunken, dann angesprochen und dann in Ruhe gelassen. Er ist gefühlte fünf Ewigkeiten stehen geblieben und hat geschaut und gestaunt und geschaut. Und dann ist er wieder zu seinem kleineren Bruder und Mama und Papa gegangen. Mir scheint das eine sehr vernünftige Form der Kontaktaufnahme zu sein. Erst einmal Abstand halten, auf der Grenze stehenbleiben, schauen, staunen und dann wieder gehen. Ich denke, noch zwei drei schöne Gartentage und er wird seine Füße durch die Hecke setzen und uns besuchen. Und dann der andere Bruder und dann die Eltern. Wir freuen uns darauf. Im Brief an die Hebräer heißt es: "Und übt die Gastfreundschaft. Auf diese Weise haben viele von Euch Engel beherbergt." Und Henri Nouwen hat den schönen Kommentar dazu gegeben, indem er gesagt hat: "Gastfreundschaft bedeutet in erster Linie die Schaffung eines Freiraums, in den der Fremde eintreten kann und zu einem Freund statt zu einem Feind wird." Von den Christen der ersten Jahrhunderte wird gesagt, dass genau das den Unterschied zu anderen im Umfeld gemacht hat. Die Christen waren unglaublich gastfreundlich, zunächst den eigenen Glaubensgeschwistern gegenüber, dann aber auch gegen jeden Fremden. Der Gast, der zunächst vielleicht nur zu essen und zu trinken braucht und ein Dach überm Kopf für die Nacht und dann spürt, die Menschen, die mich aufnehmen, tun das aus Überzeugung, aus Liebe aus Glauben. Und sie brauchen nicht zu reden, was in den vielen verschiedenen Sprachen auch nicht so einfach war und ist. Ein offenes freundliches Lächeln, das die Sprache des Herzens zeigt, versteht jeder Mensch.    
3 Minuten
Haben Sie das dramatische Fußballwochenende ein bisschen mitbekommen? Selbst Nichtfußballfans haben wahrscheinlich gehört, dass es Dortmund, obwohl sie zwei Punkte Vorsprung hatten, nicht geschafft hat, Meister zu werden. Spott und Häme sind dann hier in unseren Breiten die leider normal gewordenen Begleiterscheinungen solcher Ereignisse. "Zu doof um Meister zu werden" ist dann noch das kleinste Übel, was den Dortmundern nachgesagt wird. Mich aber hat etwas ganz anderes beeindruckt. Obwohl schon Hunderttausende in der Stadt für den Jubel und die Meisterfeier bereit waren, gab es kein Chaos, keine Schlägereien, keine Wutausbrüche, die oft großen Enttäuschungen Luft machen. Es war still und traurig. Aber ganz anders im Stadion. Nach der Schalenübergabe an den Meister haben die zehntausenden Fans von Dortmund noch lange die Lieder und Hymnen ihres Vereins gesungen und immer und immer wieder die Namen der Spieler und besonders auch den Namen des Trainers gerufen und gesungen. Die Fans und Fußballbegeisterten haben gespürt, dass die Spieler und der Trainer genau das jetzt brauchen: Trost und Unterstützung, damit sie nach der Sommerpause gut wieder beginnen können. Draufhauen wenn immer wieder etwas schiefgeht, wenn die Enttäuschung überhandnimmt, und mit allen Mitteln immer weiter bohren und klagen, ist eine Möglichkeit zu reagieren. Auch in unserer Kirche. "Man kriegt die Welt nicht besser gemeckert" habe ich dieser Tage als witzige Karte gelesen. Meckern und Klagen reicht nicht. Trösten ist angesagt und selber besser machen und drinbleiben in dieser Kirche. Zur Zeit des Franziskus von Assisi lag die gesamte Kirche noch viel mehr im Argen und er hat immer wieder gesagt: "Ich kann die Kirche nur verbessern, wenn ich drinbleibe, wenn ich hineingehe, wenn ich selber Hand anlege, um die Kirche neu wiederaufzubauen."   Und dazu gehört dann heute auch dafür einzutreten, dass Frauen und Laien predigen und taufen und dass die Verkündigung und die Seelsorge und die leitenden Ämter nicht mehr nur an die Weihe von Männern geknüpft ist, dass Verbrechen aufgeklärt und Opfer gehört und entschädigt werden, dass mutig gestritten und das Gespräch gesucht wird. Bei Paulus im Brief an Timotheus heißt es: "Entfache die Gnade Gottes wieder. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit."  
3 Minuten
An Pfingsten haben wir das Herabkommen des Heiligen Geistes gefeiert. Wie ein heftiger Sturm fährt er nieder, heißt es in der Apostelgeschichte. Und das singen wir so auch oft so: "Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig", heißt es zum Beispiel in einem bekannten Pfingstlied. Wenn man schon einmal gehört hat, wie der Wind bei Sturm um die Häuser pfeift, dann kann man sich das richtig vorstellen. Diesen brausenden Sturm, den gibt es in der Bibel aber noch an einer anderen Stelle. Nämlich im Alten Testament. Der Prophet Elias, so wird im Buch der König erzählt, übernachtet am Gottesberg Horeb in einer Höhle. Er hat die Nase voll. Denn er ist für Gott eingetreten und jetzt wird er verfolgt. Und da zieht Gott vorüber. Ein heftiger Sturm geht ihm voraus. Aber Gott ist nicht im Sturm. Und auch nicht im Erdbeben, das nach dem Sturm kommt. Und auch nicht im Feuer, das danach kommt. Sondern in einem sanften, leisen Säuseln. Darin erkennt Elias ihn schließlich. Ja was denn jetzt? Kommt Gott im lauten Orkan? Oder kommt er im leisen Säuseln? Kommt er mit großem Tamtam angebraust wie an Pfingsten, mit Sturm und Feuerzungen? Oder kommt er kaum wahrnehmbar, so, dass wir uns schon sehr konzentrieren müssen, um ihn nicht zu verpassen? Vielleicht ahnen Sie es schon: Ich glaube, es ist beides. Manchmal gibt es so freudige Momente im Leben, da braust der Geist Gottes uns förmlich durch die Ohren. Und manchmal, da würden wir uns wie Elias in seiner Höhle am liebsten verkriechen und finden Gott in all den Stürmen unseres Lebens kaum wieder. Aber auch dann ist er da. Denn Pfingsten heißt nicht, dass mit der Ankunft des Heiligen Geistes schon alles gut werden wird und wir keinerlei Probleme mehr haben. Sondern Pfingsten heißt: Gottes Geist durchweht jeden Winkel unseres Lebens. Die guten und die schlechten. Und das ist dann vielleicht wirklich ein Grund, in den Pfingstjubel einzustimmen und aus vollem Halse zu singen: "Seht, aus der Nacht Verheißung blüht; die Hoffnung hebt sich wie ein Lied und jubelt: Halleluja."
3 Minuten
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Pfingstmontag und alle guten Gaben des Heiligen Geistes. Haben Sie einen Plan für heute, unternehmen Sie etwas? Wir machen uns gleich um sieben Uhr mit einigen Schwestern auf den Weg und gehen mit der Pfingstprozession der Kleusheimer Dörfer. Seit mehr als 300 Jahren gibt es diese Prozession, in der das Allerheiligste durch die Gemarkung der Dörfer getragen wird und viele hundert Männer, Frauen und Kinder, singend und betend das Lob Gottes verkünden, mit dem Mund und mit den Füßen. Es ist garantiert kein Zufall, dass diese Prozession am Pfingstmontag gegangen wird. Wenn der Geist lebendig macht und antreibt und die verängstigten Christen zu mutigen Verkündern werden, kann man nicht zuhause hocken bleiben und bei Kaffee und Kuchen den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. In den vielen Anliegen in der Welt, in der Kirche und in der Gesellschaft wird gebetet und um den Heiligen Geist und Gottes Segen für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Und schöne Altäre werden mitten im Wald aufgebaut und an Wiesenrändern, mitten im Dorf und an einer kleinen Kapelle. Und Teppiche aus der Fülle der Blumen und Blüten, die der Mai zu bieten hat. Und die kleinen Kinder, an Mamas oder Omas Hand oder später, weil der Weg wirklich weit ist, auch auf Paps Schultern erleben, dass soooo viele Leute da mitgehen und mitbeten und mitsingen und unterwegs auch mal fröhlich plaudern, dass sie irgendwie ahnen, dass das etwas Besonderes sein muss. Und dann im nächsten Dorf angekommen wird es typisch katholisch: alle Leute, die hier wohnen, nehmen sieben oder bis zu zehn Menschen mit zu sich nachhause zum Festfrühstück mit Kaffee und Brötchen und Kuchen. Und gut gestärkt und bestens gelaunt geht es dann den Prozessionsweg zurück. Zusammen einen Weg gehen und beten, singen und plaudern, Gottesdienst feiern und fröhlich Frühstücken, ist so wunderbar um sich jedes Jahr neu zu freuen an der Gemeinschaft der Glaubenden, der Gegenwart Gottes in der Schöpfung und der Möglichkeit, zusammen Zeugnis zu geben für die Größe Gottes und seine Gegenwart heute mitten bei uns.
3 Minuten
Wir sind in den letzten Tagen vor Pfingsten und in den Gebetszeiten und Gottesdiensten geht es immer um die Erwartung und die Bitte um den Heiligen Geist. In den Gebeten geht es um die Gaben des Geistes: um Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht und darum, dass wir sie brauchen und haben möchten. Ist das wirklich so? Was erwarten wir denn eigentlich vom Heiligen Geist in diesem Jahr 2023? Eine Notiz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Da sagt Alban Herbach: "Wer alles beim Alten lassen will, sollte nicht um den Heiligen Geist bitten!" Die Jünger Jesu damals haben im verschlossenen Raum gesessen und haben um den Geist gebetet. Sie haben nicht geahnt, was kommen würde. Vielleicht haben sie sich zurückgesehnt in die Zeiten, als sie mit Jesus unterwegs waren, wo sie ihm zuhören und ihre Fragen direkt mit ihm klären konnten. Inmitten des Corona-Lockdowns 2020 haben wir uns danach gesehnt, dass hinterher alles wieder so werden wieder wie vorher: mit Partys und Familienfesten, mit Arbeiten im Büro mit allen Mitarbeitern, mit Theater und Kino und allem anderen. An Pfingsten wird für die Jünger damals alles komplett anders. Sie werden so stürmisch und so sehr mit SEINEM Geist erfüllt, dass es sie hinaustreibt: auf die Marktplätze, in die Synagogen, an die Versammlungsorte der Leute, egal welcher Art. Und sie können nicht mehr anders, sie wollen und werden diesen Jesus Christus, den Auferstandenen verkünden, komme was kommen mag. Wollen wir das wirklich? Wollen wir so begeistert sein, dass wir ganz viele Mittel und Wege finden, um den Menschen im Dorf und in der Stadt deutlich zu machen, dass wir an einen lebendigen wirkenden Gott glauben, der uns heute zum Leben helfen will? Wenn ja, was ich sehr hoffe, dann los, und beten und bitten und nicht wundern, wenn alles neu wird. Auch bei uns – in uns selber, in unserer Kirche, in unserem Land, auf der ganzen Erde. Komm Heiliger Geist.  
3 Minuten
Dem Heiligen Augustinus wird ein Gebet zugeschrieben, dass in diesen Tagen vor Pfingsten sehr aktuell ist und an dem entlang, ich gern ein wenig mit Ihnen nachdenken möchte. Das Gebet heißt: Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke. Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe. Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte. Hüte mich du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere. Amen Die zweite Zeile ist auch nach der Pandemie immer noch so wichtig: treibe mich, Du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Eine der vielen Aussagen der Pandemiejahre war: ich habe gar keinen Antrieb, ich habe keine Motivation mehr. Treibe mich Du heiliger Geist könnte heißen:   Treibe mich an - wenn die Trägheit mich lahmlegt und ich meiner eigenen Kraft nicht mehr traue treibe mich an - alte Gewohnheiten zu verlassen, was mir schwerer scheint, als Neues anzufangen treibe mich an - zu lassen, was mich hindert, vorwärts zu kommen, Ballast abzuwerfen für mehr Leichtigkeit des Seins treibe mich an - wenn es heißt, 'gegen den Strom zu schwimmen' und nicht mein Fähnchen in den Wind zu hängen treibe mich an - aber lass mich nicht ziellos dahintreiben sondern lass mich, von Dir geleitet, mein Ziel erkennen treibe mich an - damit das Schiff meines Lebens in Fahrt kommt und nicht im Hafen der Sicherheiten dahindümpelt. Treibe mich an Du Heiliger Geist, damit ich Heiliges tue, denn von Dir getrieben, gelange ich ans Ziel.
3 Minuten
Vor einigen Jahren hatte ich eine Firmengruppe, die eher weniger als mehr motiviert war. Was sie allerdings wussten, war, dass all die Gebete und Lieder und all dieser "fromme Kram", wie sie gesagt haben, völlig uncool war und nicht mehr in die Zeit passen würde. Wir haben uns sehr schnell geeinigt, dass wir trotzdem einen Pfingst-Hymnus nehmen würden, weil es ja bei der Firmung wohl um diesen Heiligen Geist gehen würde und ihn völlig neu schreiben und in heutiger Sprache fassen wollten. Gesagt, getan. Ich habe den Text ausgedruckt und wir haben drei Gruppen gebildet und hatten 30 Minuten Zeit. Ich habe gehört und zugeschaut, beraten und war mit ihnen ratlos. Und am Ende kamen alle drei Gruppen zusammen und keine von ihnen war mit ihrem Umformulierungsprodukt zufrieden. Nach allem Hin und Her haben wir den Originaltext noch mal laut gelesen und fanden ihn plötzlich, also alle zehn Firmlinge und ich, ziemlich gut und ziemlich passend. Und am Ende haben sie in der Großgruppe durchgesetzt, dass die Pfingstsequenz im Firm-Festgottesdienst gesungen werden sollte. Es hat mich verblüfft und ein bisschen gefreut, weil ich diese Sequenz sehr gern mag und sehr eindrücklich finde: Komm herab, o Heil’ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt. Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not, in der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod. Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund. Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt. Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen. Halleluja!    
3 Minuten
Bei Familienfesten habe ich immer mit Begeisterung den Omas und Opas und Tanten und Onkeln zugehört, wenn sie von vorherigen Zeiten erzählt haben. V on den Familiengeschehnissen, von Krieg und Nachkriegszeit, von Aufbau und Neubeginn, von Kindern und Enkeln und strengen Lehrern und Lehrmeistern. Und am Ende kommt immer diese tolle Erkenntnis, dass es harte Zeiten waren, aber auch schön. Und aus diesen Erzählungen kommt immer die Gelassenheit, die sehr alte Menschen ausmacht: wir haben schon so viel geschafft und ausgehalten, wir haben soviel schon ertragen und getragen, und das was jetzt kommt, das schaffen wir auch. Das hat nichts mit Verklärung zu tun und dem "früher war alles besser". Es hat damit zu tun, dass es in der Zeit, wo es geschieht oft schwer und kaum zu ertragen und fast über die Kräfte geht. Aber in der Rückschau versteht man plötzlich, wie gut sich alles gefügt und gewendet hat und wieviel Hilfe die Familie, die Nachbarn, das Dorf, die Gemeinde gegeben hat. So ähnlich geht es mir in meiner Ordensgemeinschaft. Wenn wir, wie zur Zeit, im Provinzkapitel versammelt sind, ist immer auch Zeit, den Weg der Gemeinschaft seit der Gründung vor 160 Jahren nachzuerzählen. Und ich spüre immer dieselbe Verblüffung: wie aus kleinen Anfängen mit drei jungen Frauen ein Riesenwerk entstanden ist, das durch Kulturkampf und Vertreibung, durch 2 Kriege und die spanische Grippe, die Zwischen- und Nachkriegszeit, die deutsche Teilung und das vatikanische Konzil, die Wiedervereinigung und so weiter und so weiter gegangen ist. Und immer wieder haben sich Menschen gerufen gefühlt, diesen Weg des Christseins zu gehen und vor Gott und für die Menschen zu leben. Und wenn ich die ganz alten Schwestern frage, wie das alles zu schaffen war, dann kommt oft das eigene Erstaunen durch: "ja, mit Gottes Hilfe, mit seinem Geist, mit der Hilfe meiner Schwestern" so ungefähr wie: ich weiß nicht so genau. Es hat sich gefügt. Ein Steinchen des Mosaiks hat ans andere gepasst und im Nachhinein sieht man das große Werk, und weiß nicht, wie es geworden ist. Ich finde das wunderbar entlastend. Ich brauche heute nur tun was dran ist, dass dann mit viel Liebe und Engagement tun und dann im Vertrauen leben, dass Gottes Geist es richten wird, zum Wohl der Menschen und zur Ehre Gottes.
2 Minuten
Eine ganze Weile schon ist es morgens hell, wenn ich aufstehe. Das motiviert ungemein, wenn die Vögel zwitschern, die ersten Sonnenstrahlen in den Garten und durch das Fenster scheinen. Wenn es im Winter um die Uhrzeit noch dunkel ist, dann bleiben viele lieber im Bett liegen und sind wenig motiviert aufzustehen. Ich finde das sehr nachvollziehbar, auch wenn ich weiß, dass es Morgenmuffel gibt, die sich grundsätzlich schwertun, das Bett zu verlassen. Aber was ist es eigentlich, das mich so früh am Morgen motoviert? Einerseits ist es die Freude, das zu erleben, was in der Natur so vor sich geht. Aber vielleicht steckt da auch ein bisschen Neugierde hinter, ich könnte ja auch etwas verpassen, wenn ich liegenbleibe. Wenn schon jemand in der Küche damit beschäftigt ist, das Frühstück zuzubereiten und es nach Kaffee duftet, macht das Aufstehen auch mehr Spaß als wenn ich das alles selbst erst tun muss. Es mag banal klingen, aber dieser Gedanke, da ist schon jemand wach und werkelt auch für dich, der ist einfach schön. In Psalm 104 wird Gott als der Schöpfer gelobt, der die Erde und alles, was auf ihr lebt, gemacht hat. Und vieles scheint im Kreislauf der Natur ganz von selbst zu laufen. Der Mond ist das Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht. In der Nacht regen sich alle Tiere des Waldes und tagsüber geht der Mensch an seine Arbeit. Am schönsten finde ich dann den Lobspruch: "Wie zahlreich sind deine Werke, Herr, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen." – Das jeden Morgen wieder neu zu erleben, motiviert mich, das Bett zu verlassen und aufzustehen. Vielleicht geht es ihnen ähnlich und Sie spüren genauso wie ich den Drang, diese Freude an der Schöpfung, am Tag, an andere weiterzugeben – mit einem Lächeln oder auch mit einem frisch gekochten Kaffee.
Morgenimpuls

Morgenimpuls

Der Start in den Tag