Morgenimpuls Archiv
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Im Sommer sind immer und überall viele Feierlichkeiten und wir werden überschüttet mit Einladungen: Schützenfeste, Kirchweihfeste, Begegnungsfeste im Kinderheim, Sommerfest im Kinderhospiz, Geburtstag neuer Gruppen, Namenstag der Oberin und so weiter. Und ich versuche, mit steigendem Vergnügen dorthin zu gehen und mit zu feiern. Sich Begegnen, andere Leute kennenlernen, zusammen essen und trinken, manchmal gibt es ein Programm mit Liedern und Texten und es gibt Spiele und Tänze und Tombolas mit Überraschungen. Manchmal merkt man mittendrin, dass es eine wunderbare Liturgie ist und das Fest einem schönen Gottesdienst sehr ähnlich ist. Und das ist es ja auch wirklich. Zusammenkommen und miteinander singen, reden, Texte hören, sich austauschen, essen und trinken. "Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen", heißt es nicht für umsonst im Matthäusevangelium und ganz oft spüren wir das auch. Warum ist es dann in unseren Sonntagsgottesdiensten so leer und langweilig? Vielleicht weil die Rituale so festgefahren sind, dass sie nicht mehr ansprechen und viele auch nicht mehr verstehen, warum was wann wie gemacht wird. Am Schützenfestmontag um 8.00 Uhr war unsere Kirche rappelvoll und ein Marinemusikkorps hat die Stücke und Gesänge gespielt. Es war echt berauschend und erhebend und begeisternd. So sehr, dass der Pfarrer am Ende meinte, ob sie nicht jeden Sonntag kommen könnten, damit die Eucharistiefeiern immer so voll und so schön seien. Vor Jahrhunderten sind die Leute wegen der Musik von Bach in die Kirche geströmt, später wegen der Mozartmessen, danach wegen vieler anderer Trends zu Musik und Gesängen. Musik berührt Herz und Seele nochmal anders und lässt uns glücklich und erfüllt werden. Sie ist eine der wunderbaren Erfindungen Gottes, die er seinen Menschen geschenkt hat. Kommen Sie heute mit einem Lied auf den Lippen gut in den Tag und feiern Sie auch mitten im Alltag ab und an ein kleines Fest.
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In Düsseldorf findet zurzeit die Rheinkirmes statt. Erst habe ich ein bisschen überlegt, wo denn am Rhein eine Kirchweihmesse stattfindet. Aber dank Internet habe ich dann erfahren, dass die Kirmes früher Apollinariskirmes hieß nach dem gleichnamigen Heiligen. Da man aber diesen Namen nicht so gut vermarkten kann und den ja sowieso kaum einer kennt, heißt es eben seit den siebziger Jahren Rheinkirmes. Auf der Website dieser Kirmes kann man dann die Erklärung lesen: "Das Wort 'Kirmes' geht auf das mittelhochdeutsche 'Kirmesse' zurück, dass aus 'Kirchmesse' entstanden ist. Die 'Kirmesse' bezeichnete die Messe, die zur Einweihung einer Kirche abgehalten wurde. Sie war zugleich die Bezeichnung für die jährliche Erinnerung an diese Weihe, die auch weltlich mit einem Jahrmarkt gefeiert wurde. In Düsseldorf wird die Kirmes anlässlich des Gedenktages (23. Juli) an den hl. Apollinaris gefeiert. Er war Jünger von Petrus und um 200 n. Chr. erster Bischof von Ravenna. Um 1300 gelangte Düsseldorf in den Besitz einiger Reliquien des Märtyrers. Der Heilige wurde zum Stadtpatron erklärt und die Düsseldorfer bauten ihm einen wunderschönen Schrein, der heute noch in der Altstadtkirche St. Lambertus steht." Soweit die Infos. Mir gefällt es richtig gut, dass man weiß, wie wenige Menschen noch darum wissen, aber es nicht dabei belassen wollen, sondern dort, wo sich die meisten informieren, auch dazu etwas schreiben und veröffentlichen. Und wir wissen heute auch, dass viele Menschen, an Orten, wo sie nichts von Gott und Kirche vermuten, nochmal sehr viel offener sind für zunächst solche Informationen und dann auch für ein göttliches AHA-Erlebnis für sich selbst. Also dann, viel Spaß den Millionen Besuchern auf der Rheinkirmes und Neugierde für die Hintergründe und die Geschichten rund um den Heiligen, der im Rheinland an vielen Orten tatsächlich verehrt wird.
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Heute zitiere ich mal aus einer Mail einer Hörerin, die mir – und Ihnen vielleicht auch – ein ganz praktisches Beispiel für gelebte und erlebte Gottesnähe geschildert hat. Sie schreibt: "Guten Tag, liebe Schwester Katharina, vielen Dank für den Morgenimpuls von heute und vom letzten Dienstag, wo sie Hanns Dieter Hüsch vorgelesen haben. Der Satz, dass wir das Kreuz als Krone tragen sollen, ist bei mir hängen geblieben. Und auch, dass wir fröhlicher sein können, weil wir Gottes Kinder sind. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass ich ein Handicap habe und immer wieder so meine Grenzerfahrungen mache. Ich kann das Kreuz nur als Krone tragen, da ich wissen darf, Gott trägt mit. Ich bin nämlich am Freitag mit meinem blinden Bekannten auf die Kirmes gegangen und habe darauf vertraut, dass wir beiden schon ohne Begleitung die Hilfe bekommen, die wir brauchen, und dass wir auch Karussell fahren können. Ich weiß, dass ich mich auf Gott verlassen kann. Im Grunde gibt es keine andere bzw. größere Sicherheit. Dennoch, das Ganze war nicht einfach, da wir durch den Lärm auch so gut wie keine Hindernisse durch unser Gehör wahrnehmen konnten. Doch dann trafen wir ein jüngeres Ehepaar, die sich spontan entschlossen uns über die Kirmes zu begleiten und uns zu unterstützen. Die beiden meinten, dass sie sowieso nichts zu tun hätten, da könnten sie uns auch helfen. Ja, so ist Gott, mitten im Alltag kommt er. Das 'musste' ich einfach mal loswerden!" Soweit die Mail und Dankeschön Nicole, dass Sie es für uns losgeworden sind. Das hat tatsächlich etwas mit einer Grundgewissheit des Glaubens zu tun und damit, dass es nicht eine schöne Theorie und ein gut gelerntes Buchwissen ist, sondern ein Wissen und ein Glaube daran, dass dieser Gott seine Menschen liebt und sie geleitet, durch alle Höhen und Tiefen ihres Lebens.
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Eine meiner besonderen Sonntagsvergnügen ist es, eine große überregionale Sonntagszeitung zu lesen. Da geht es um mehr als nur die aktuellen Nachrichten der Woche. Da gibt es gute Hintergrundberichte und Kommentare aus vielen Bereichen, um die man sich in der Eile der Woche nicht so kümmern kann. Ein kleinerer Artikel handelt davon, dass der Sozialstaat nicht untergehen wird, wenn es die vielen sozialen Einrichtungen der Kirchen nicht mehr geben wird, weil es die beiden großen Kirchen in Deutschland bald nicht mehr geben wird. Und die andere Lektüre war das Evangelium des Sonntags. Da ging es um den Sämann und die Aussaat und dass der Sämann unentwegt aussät, auch wenn ein Teil der Saat in die Dornen, auf Felsen, auf belebte Wege fällt und nicht aufgehen kann. Aber der andere Teil bringt Frucht: dreißigfach, sechzigfach, hundertfach. Und Jesus, der diese Geschichte erzählt, sagt nochmals deutlich, dass es auch so mit dem Wort Gottes ist: Es wirkt und kehrt nicht ohne Erfolg zu ihm zurück. Solange also das Wort Gottes verkündet wird, das Evangelium vom guten Gott, der die Menschen durch ihr Leben, ihre Höhen und Tiefen begleitet, der bis in den Tod mit ihnen geht, und sie dann nicht im Grab lässt, sondern ihnen den Weg zum neuen Leben ebnet, solange wächst das Reich Gottes in der Welt. Beide Nachrichten nebeneinander lesen sich paradox, sind es aber nicht. Wenn über die Jahrhunderte die caritative Tätigkeit der Christen so in der Gesellschaft angekommen ist, dass es dazu die Kirchen nicht mehr braucht, ist es doch super. Dann können die Christen nach neuen Feldern ihres Tuns Ausschau halten und sich ganz anders und neu ausrichten. Bei einer Aktion für junge Frauen vor zehn Jahren, die mal schauen sollten, ob Olper Franziskanerinnen Zukunft haben, hat mich eine Antwort zutiefst beeindruckt. Die jungen Frauen, die die Philippinen und die Projekte der Schwestern besucht haben, konnten sehr deutlich formulieren: Solange es arme Menschen gibt, wird es Menschen geben, die sich um sie kümmern und für sie da sind. Christen, Ordensleute, Menschen aller Religionen oder Anschauungen, denen das Wohl der Mitmenschen nicht egal ist. Gott sei Dank.
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Vielleicht haben Sie es gelesen, gesehen oder gehört. Es gibt eine neue Attraktion in Willingen, wo ohnehin schon als Attraktion eine große Skisprungschanze steht. Jetzt gibt es dort die längste Hängebrücke Deutschlands. Sie ist 665 Meter lang und hängt 100 Meter über dem Talgrund. 700 Menschen können gleichzeitig auf ihr gehen. Wenn man auf die Internetseite der Brücke geht sieht man ein Bild aus einer Webcam und allein das ist schon beeindruckend. Und natürlich hat die Brücke einen gut klingenden englischen Namen: Skywalk – laut Duden Himmelsweg. Schön. Ein Weg von Himmel zu Himmel, von einer Brückenseite zur anderen mit traumhaften Ausblicken unterwegs. Und über der Website thront, noch verheißungsvoller der Titel: Trau Dich frei zu sein. Auch schön. Leute, die es schon gewagt haben über diesen Skywalk zu gehen beschreiben es als ziemlich wackelig mit wundervollen Ausblicken. Am Slogan: Trau Dich frei zu sein, bin ich dann doch hängengeblieben. Ich kann mir sehr lebhaft vorstellen, dass es ein Gefühl von Freiheit vermittelt, wenn man hoch überm Tal steht, mit freien Ausblicken ringsum und trotzdem gut gesichert an dicken Seilen, hohen Geländern und Sicherheitskonzept. Was vermittelt Ihnen zuhause, jetzt am frühen Montagmorgen das Gefühl von Freiheit? Manchmal ist das sicher, wenn man im Urlaub ist, oder freie Tage hat, oder nicht so verplant ist, oder? Oder wenn ich spüre, dass ich eine innere Freiheit habe, die mir die Möglichkeit gibt, großzügig und gelassen zu bleiben, auch wenn es nicht so läuft, wie ich es gern hätte. Wenn ich mir und anderen erlaube, Fehler zu machen, und zu wissen, dass man daran lernen kann und wird und somit ein gutes Klima eines gemeinsamen Lernens entsteht. Oder Sie spüren etwas von dem schönen Wort von der Freiheit der Kinder Gottes, die es schaffen können, sich so in der Hand Gottes geborgen zu wissen, dass sie Dinge wagen können, die sich andere sicherheitshalber nie trauen würden. Auch ohne zu begehende Hängebrücke von Ort zu Ort oder einem Skywalk am Himmel.
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"Taizegebet im Pfarrgarten" – ein buntes Plakat und eine herzliche Einladung stand darauf. Ich hätte ja Lust gehabt hinzugehen, aber es war einfach noch zu viel zu tun, um mir das zu gönnen. Und dann habe ich Fotos gesehen und die Stimmung, die da transportiert wurde, war so schön, dass ich mich für die Organisatoren und die Mitfeiernden sehr gefreut habe. Ich hab quasi mit meinem inneren Ohr die Gesänge gehört und gespürt, wie schön es ist, zusammen zu singen. "Taizegebet" das ist zu einem Synonym geworden für eine Form des Betens, dass die Brüdergemeinschaft von Taize in Frankreich vor vielen Jahrzehnten begonnen hat. Die ökumenische Ausrichtung der Gemeinschaft und die große Anziehungskraft, die sie auf junge Leute, damals schon ausgeübt hat, ist bis heute geblieben. Und es musste eine Form und eine Sprache gefunden werden, die Menschen aus der ganzen Welt verstehen. Und diese Sprache ist die Musik. Viele der wunderbar eingängigen Gesänge von Jaques Berthier haben ihren Weg ins Gotteslob für den Gemeindegesang gefunden. Und sie haben etwas Besonderes: Man kann sie stundenlang hören, singen, spielen, summen und wird der Melodien nicht müde. Ich kann mich erinnern, bei einem Jugendkreuzweg in Altenberg mehr als drei Stunden im unterwegs sein, das "Jesus, remember me, when you come into my kingdom" gesungen zu haben und es dann noch tagelang in mir nachgeklungen ist. Dem Gebet zu Gott in mir Raum geben, genau das ist es. Dann singt und klingt es und betet einfach weiter, ohne dass ich etwas tun muss. Schon Ignatius von Loyola hat vor über fünfhundert Jahren festgestellt: "Der Mensch ist dazu geschaffen Gott zu loben" Also hören, singen, summen Sie heute eine Melodie, die Gott lobt und preist und Sie werden merken, dass es auch ganz nebenbei Leib und Seele guttut. In uns lebt die von Gott gegebene unsterbliche Seele, die darauf ausgerichtet ist, ihren Schöpfer zu loben und für ihn und seine Geschöpfe zu leben.
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Er ist vor 66 Jahren in der damaligen DDR geboren. Beide Eltern waren Mitglieder der SED, der Einheitspartei der DDR und er wurde in ihrem sozialistischen Ideenkreis erzogen. Aber mit 11 Jahren entschließt er sich, sich taufen zu lassen und wird evangelischer Christ. Später konvertiert er zum katholischen Glauben. Ich bin ja auch aus der DDR und ich kann mir ziemlich lebhaft vorstellen, was es da zuhause für Dramen gab, wenn ein so junger Mensch eine so klare und so andere Entscheidung trifft. Nach der Schule macht er eine Lehre als Koch. Aber damit ist sein Weg der intensiven Suche nach seinem ganz persönlichen Weg mit Gott noch lange nicht fertig. Er spürt seine Berufung zum Priestertum, studiert Theologie und wird katholischer Priester. Die Menschen in seinem engen Umfeld sind über seine Wege zutiefst gespalten und die meisten können es überhaupt nicht verstehen. Sein Leben bleibt gekennzeichnet durch ein intensives Suchen nach dem rechten Weg zu Gott, wodurch er im Laufe der Zeit ein tief geistlicher Mensch wird. Es gibt in seinem geistlichen Leben unter anderem zwei Heilige, die ihm wichtig waren: Theresia von Lisieux und Hildegard von Bingen. Darüber hinaus prägte ihn eine große Liebe zur Gottesmutter. Täglich war er in der Kirche zu finden, wo er seine stille Zeit gehalten hat, oft am frühen Morgen. Danach hat er die Heilige Messe gefeiert. Seine geistliche Heimat war das Säkularinstitut "Notre Dame de Vie”, eine französische Gemeinschaft mit karmelitischer Spiritualität. In vielen Gemeinschaften und Klöstern hat er Exerzitien gehalten und bei den Teilnehmern tiefen Eindruck hinterlassen. In seiner Freizeit hat er das Reisen geliebt, war gesellig und freute sich, nicht von ungefähr, immer über ein gutes Essen. Er war vielseitig interessiert: unter anderem studierte er Sprachen, das Leben der Ostkirche, die Geschichte Schlesiens und "Ostdeutschlands” mit Leidenschaft. Vor ein paar Tagen ist er an seiner langwierigen Erkrankung gestorben und sehr viele Menschen sind wirklich traurig, da sie in ihm einen zutiefst geistlichen Menschen verloren haben, der ihr Leben geteilt, Freude und Leid verstehen konnte und Vieles ins Gebet genommen hat. Genau das haben viele Menschen gespürt. Nicht aus eigener Kraft, die in den letzten Jahren immer schwächer wurde, sondern durch die Kraft, die Gott ihm verliehen hat, ist er für viele Menschen ein geistlicher Begleiter auf ihren Wegen gewesen.
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Um diese Zeit sind im Sauerland die Zeitungen voll mit Schützenfestbildern und Berichten vom Vogelschießen, von den Königen und Kaisern, von Jungschützen und Königinnen. Mir ist schon klar, dass diese ganzen schönen Feste den Zusammenhalt in den Dörfern und Städten sehr fördern und allein die ganze Vorbereitung viel Vergnügen bereitet. Morgen werden in der ganzen Stadt Olpe die Fahnen gehisst, die Wimpelketten über die Straßen gezogen und die Banner der einzelnen Korporalschaften aufgehängt. "Fahne hissen" heißt das Ganze einfach nur und hat eigentlich einen anderen Hintergrund. Es ist das zusammen hineinfeiern in das Fest. Fahne hissen und Wimpel aufhängen geht sekundenschnell. Aber dann treffen sich die Nachbarschaften zum Grillen und schon mal das Bier probieren und in Vorfreude über alles plaudern, an die letzten Jahre erinnern, über Missgeschicke lachen, sachkundig über das Vogelschießen räsonieren, sich an Feste in Kinderzeiten erinnern und das Leben genießen. Und zu all den Festvergnügungen fällt mir immer, jedes Jahr aufs Neue, dieses wundervolle Gedicht von Hanns Dieter Hüsch ein, dass ich ihnen gerne mit in den Tag geben möchte. Er schreibt: "Im Übrigen meine ich, möge uns der Herr weiterhin zu den Brunnen des Erbarmens führen, zu den Gärten der Geduld und uns mit Großzügigkeitsgirlanden schmücken. Er möge uns weiterhin lehren das Kreuz als Krone zu tragen und darin nicht unsicher zu werden, soll doch seine Liebe unsere Liebe sein. Er möge wie es auskommt in unser Herz eindringen um uns mit seinen Gedankengängen zu erfrischen uns auf Wege zu führen die wir bisher nicht betreten haben aus Angst und Unwissenheit darüber, dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges fröhlich sehen will weil wir es dürfen und nicht nur dürfen sondern auch müssen. Wir müssen endlich damit anfangen, das Zaghafte und Unterwürfige abzuschütteln denn wir sind Kinder Gottes: Gottes Kinder! Und jeder soll es sehen oder ganz erstaunt sein dass Gottes Kinder so leicht und fröhlich sein können und sagen: Donnerwetter! Jeder soll es sehen und jeder soll nach Hause laufen und sagen: er habe Gottes Kinder gesehen und die seien ungebrochen freundlich und heiter gewesen, weil die Zukunft Jesus heiße. Und weil die Liebe alles überwindet. Und Himmel und Erde eins wären. Und Leben und Tod sich vermählen. Und der Mensch ein neuer Mensch werde durch Jesus Christus." Und das ist wohl, ein absolut täglicher Grund um zu feiern, egal wo Sie auch gerade sind.
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Ein junger Mann wird von seiner Familie, die ihm Großes zutraut, zum Studium nach Rom geschickt. Zunächst fühlt er sich dort gut, beginnt sein Studium und kommt gut voran. Aber dann merkt er immer mehr, dass das völlig sittenlose Leben in der Stadt ihn anwidert und er kaum noch Menschen findet, die mit ihm ein normales christliches Leben führen wollen. Zunächst geht er dann, sehr zum Leidwesen seiner Familie, für drei Jahre als Einsiedler in eine Höhle bei Subiaco. Sein damals erstaunlich konsequent christliches Leben zieht viele junge Leute an und er gründet zwölf kleine Klöster für sie. 529 siedelt er nach Montecassino um, dass schon bald zum Zentrum des Mönchtums und der religiösen Kultur wird. Dort schreibt er seine Klosterregel, in der er die beste monastische Überlieferung des Ostens und des Westens zusammenfasste. Vertrautheit mit der Heiligen Schrift und eine reiche geistliche Erfahrung verliehen ihm die Güte und Weisheit, die auch seine Regel auszeichnen. Da heißt es zum Beispiel: "Wenn wir Psalmen singen, dann soll unser Herz mit dem gesungenen Wort zusammenklingen." Also nicht der schöne Klang ist wichtig, wenn unser Herz weit davon weg ist, was wir singen oder beten. Oder: "Keiner soll nach dem eigenen Nutzen streben, vielmehr soll jeder auf das bedacht sein, was für den andern gut ist." Das klingt also seit eineinhalb Jahrtausenden wie die Mahnung John F. Kennedys aus dem Anfang der 1960 Jahre: "Frag nicht, was der Staat für Dich tun kann, sondern was Du für den Staat tun kannst." Diese uralte Klosterregel ist so klug und weise, dass sie seit 1500 Jahren Bestand hat und zehntausende von Mönchen und Nonnen nach ihr leben. Klugheit und Maß sind auch heute Wertmaßstäbe, die das Leben der Einzelnen aber auch der Gemeinschaften bestimmen kann. Und das hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Und weil dieser junge Mann, den man später Benedikt von Nursia nennen wird, in der Nachfolge Jesu zunächst aus der verheißungsvollen Stadt und der Universitätskarriere flieht und in für ihn richtigen christlichen Weise leben will, zieht er so viele Menschen in seinen Bann, dass er und seine Brüder die christliche Kunst und Kultur Europas prägen und beeinflussen wird und er so von Pius XII. zum "Vater Europas", von Paul VI. zum "Schutzpatron Europas" erklärt wird. Das ist doch mal eine Karriere.
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Es sind Ferien in Nordrhein-Westfalen und das merkt man sehr auf den Straßen, es ist viel weniger Verkehr, es geht leiser und langsamer zu. Aber, wie immer im Sommer und in den Ferien, ist es für den Straßenbau die ideale Zeit. So auch in unserem kleinen Städtchen. Dummerweise ging es genau um die Ecke von unserer Straße los: eigentlich muss ich immer rechts abbiegen, da ist aber seit Wochen gesperrt. Manchmal kann man durch, wenn gerade nicht gearbeitet wird. Wenn aber nicht, muss man kunstvoll wenden um aus der Baustelle wieder heraus zu kommen. Also dann links, rechts, links – oh, geht auch nicht, ist seit heute früh gesperrt. Also geradeaus, großer Umweg, dann wieder auf eine Straße mitten in der Stadt im Umbau, abgefräster Straßenbeleg, vor scharfen Kanten wird dreimal per Schild gewarnt und abbiegen links nicht möglich und nur sehr weit fahren und dann im Kreisel neue Möglichkeiten. Einen Abend war ich völlig verwirrt, weil ich wirklich keine Idee mehr hatte, wie ich zu unserem Haus kommen könnte. Viele von Ihnen kennen das aus Ihrem Umfeld und kennen die Mühe und den Stress. Wobei, neue Wege finden und von den Alten abweichen, wenn auch gezwungener Maßen, ist gar nicht so falsch. Und das nicht nur bei Straßen und Fußwegen. Vor einigen Tagen war ein junger Mann bei mir zu einem Interview. Man merkte, dass er von Kirche und Orden nicht so viel Ahnung hatte und so habe ich ein bisschen ausgiebiger erzählt. Und er wurde immer neugieriger und hatte immer spannendere Fragen, dass es echt eine Freude war, mit ihm zu plaudern und über Gott und die Welt zu erzählen. Und mittendrin dann die Frage: Wie kommt man dazu, einen solchen neuen Weg einzuschlagen, wenn man so jung ist, wie Sie damals waren? Da war es wieder, das mit den neuen und anderen Wegen. Manchmal geht es nicht anders. Manchmal muss man einen ganz neuen Weg beginnen, weil man spürt, das bisher war okay, aber jetzt ist etwas Neues, etwas anderes dran mit meinem Glauben und mit meinem Christsein. Heute ist so ein Tag – vielleicht für Sie. Vielleicht ist es dran, aus eingefahrenen, kaputten Wegen auszuscheren und Neues zu beginnen. Im Leben, im Glauben, im Christsein. Scharfe Kanten und gesperrte Wege sind schon mal hinderlich und man muss sich neu orientieren, um den Weg nach Hause zu finden.
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Drei junge Frauen sehen die Not in der Stadt Olpe und der Umgebung und wollen etwas tun. Sie haben gemerkt, dass besonders Waisenkinder keine Lobby haben und es nur wenige echte Hilfsmöglichkeiten für sie gibt. Und so gründen sie keine Hilfsorganisation für Kinder, sondern eine Ordensgemeinschaft, die mit "Anbeten und Anpacken" also mit dem Lob Gottes und dem Dienst an den Menschen, gerade für diese Kinder da sein will. Und in sehr kurzer Zeit werden es immer mehr junge Frauen, die dasselbe tun wollen und sich dieser Gemeinschaft anschließen. Ein weiteres Haus in Salzkotten wird gegründet und am 20. Juli 1863 schreibt Bischof Dr. Konrad Martin aus Paderborn in einem Brief, dass das Kloster in Olpe selbständig und Schwester Maria Theresia Bonzel die Oberin sein soll. So ist, ganz kurz gefasst, die Gründung der Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung Olpe zu beschreiben. Und ich bin immer wieder zutiefst beeindruckt, wie es drei Frauen geschafft haben, gegen alle Widerstände, ein so großes Werk zu beginnen und durch alle Widerstände zu großer Wirksamkeit zu führen. Im Kulturkampf, der ein Verbot von Neuaufnahmen für Ordensleute bedeutet hat, schickt Mutter Maria Theresia die ersten sechs Schwestern in die USA und dort werden, bis zu ihrem Tod über 700 amerikanische und deutsche Schwestern viele Schulen und Krankenhäuser aufgebaut haben. Von den USA aus wird 1963 auf den Philippinen gegründet und von Deutschland aus 1962 in Brasilien. Mutter Theresia hat in vielen Briefen und Vorträgen ihren Schwestern dargelegt, worum es ihr geht. Immer wieder ermahnt sie die Schwestern, im Gebet, in der Liebe zu den Mitschwestern und im Dienst an den Kindern nie nachzulassen. Und so können wir Schwestern am Sonntag zusammen mit den Mitarbeitenden der GFO-Einrichtungen, die unsere Werke weiterführen und mit vielen Gästen, 160 Jahre Olper Franziskanerinnen feiern. Wir tun das um 11.00 Uhr in einem festlichen Gottesdienst auf der Klosterwiese hinter der Mutterhauskirche und mit einem fröhlich festlichen Frühschoppen im Anschluss daran.
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In meinem Urlaub werde ich wieder in Magdeburg spazieren gehen und freue mich schon jetzt auf einige ganz wunderbare Dinge. Unter anderem die Grüne Zitadelle des Architekten Friedensreich Hundertwasser. Alles darin ist irgendwie schräg und bunt und anders gestaltet als die sonst so exakten graden Linien und langweiligen Großwohnblöcke der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg. Auf der Homepage habe ich dazu gelesen: Die Architektur sei die 3. Haut des Menschen, meinte Friedensreich Hundertwasser, eine Haut, die jeder Mensch ebenso wie seine 1. Haut (die natürliche Haut) und seine 2. Haut (die Kleidung) nach seinem Willen auswählen und gestalten können muss. Mit seinen Architekturprojekten und den Konzepten "Fensterrecht" und "Baumpflicht" bemühte er sich um individuelle Wohnräume für den Menschen in Harmonie mit der Natur. Er betrachtete es als die hohe Aufgabe der Architektur, den Menschen ins verloren geglaubte Paradies zurückzuführen. In der Bibel gibt es viele Stellen, in denen es um das Paradies geht: am Anfang der Schöpfung um den wundervollen Garten voller Bäume, Früchte und Blumen, den Gott für seine Menschen angelegt hat, um die Vertreibung daraus wegen der Sünden der Menschen gegen Gott, um die wunderbare Zusage Jesu an den Schächer am Kreuz: Heute noch wirst Du bei mir im Paradies sein. Und für das Ende der Tage dieser Welt gibt es wieder eine paradiesische Ankündigung in der Apokalypse. Nach einer Reihe von Katastrophen wird Gericht gehalten werden: "Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen." Johannes sieht "die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen." Auf dieser neuen Erde scheint ein paradiesisches Leben möglich: "Bäume des Lebens" gebe es da, "die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein. Und der Thron Gottes wird in der Stadt sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen. Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten." Ganz und gar paradiesisch also. Und da ist diese wunderbare Zitadelle in Magdeburg ein gaaanz kleiner bunter wunderschöner Vorgeschmack dieser paradiesischen Ankündigung.
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Am Sonntag am späten Nachmittag hat mich mein Katholisch-Sein hier im Sauerland mal wieder verblüfft. Oder eher, das Katholisch-sein vieler meiner Mitbürger. Immer zum 2. Juli, zum Fest der Begegnung Marias mit ihrer Cousine Elisabeth, geht seit 264 Jahren, seit den Wirren des Siebenjährigen Krieges, die Fußwallfahrt von Olpe zum Gnadenbild nach Werl. Drei Tage lang durch Wald und Flur, durch Berg und Tal, bei Wind und Wetter gehen viele Pilger dorthin. Mit all den Anliegen der Stadt, der Kirche, der Welt und ihren sehr eigenen, oft verborgenen Sorgen und Nöten. Und am späten Sonntagnachmittag kommen sie dann zurück, mit dem Bus und mit Autos und dann läuten alle Glocken zum Festempfang und vor der Kirche stehen schon viele, die den Heimkehrenden Beifall klatschen und in der Kirche noch viel mehr Leute und dann brausende Orgelklänge und festlicher Einzug und viele Leute mit Tränen in den Augen. Das Kreuz wird vorangetragen, die Fahnenträger danach und dann die große Gruppe der WallfahrerInnen. Ich bin echt verblüfft. Wir Deutschen sind doch eher nicht so gefühlsbetont und eher trocken und sachlich unterwegs. Aber hier und heute ist es anders. In der Abschlussandacht der Wallfahrt hat der Diakon über Maria, die couragierte Frau gesprochen, die sich einmischt und sich selbst von Jesu schroffer Abwehr nicht davon abhalten lässt, für die Hochzeitsleute zu bitten, deren Weinvorrat echt zu früh ausgetrunken war. Die Fürbitten waren nochmal die Zusammenfassung der Bitten der Wallfahrer. Und ganz zum Schluss, hat der Wallfahrtsleiter noch ein kurzes Schlusswort gesagt, sich bedankt und ein paar Erinnerungen geteilt und dann, die nächste Verblüffung, hat er ein Magnificat gesungen und alle, die in der Kirche waren, haben den Refrain mitgesungen. Es hat mich berührt und mitgenommen, wie man so sagt. Wenn ein gestandener Mann, dem man die Anstrengung der letzten Tage deutlich angemerkt hat, das Lied singt, dass die junge, schwangere Maria damals gesungen hat, und wo es auch darum geht, die Mächtigen vom Thron zu stoßen und die Niedrigen zu erhöhen, dann hat das eine sehr eigene Wirkung. Da haben die vielen Leute in der Kirche gespürt, dass es diesem Mann echt ein Anliegen war und er sehr deutlich davon gesungen hat, dass mit dem Vertrauen auf diesen Gott, alles im Leben möglich und zu schaffen ist. Selbst die etwas süßen Marienlieder, deren Melodien so vertraut, aber deren Texte eigentlich nicht mehr passen, konnten diesen sehr ungewöhnlichen Eindruck nicht trüben.
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Malte und Mirka, Noah, Leon, Malek und Romy, Maximilian, Tejay, Marie und Vanessa, Dominik, Pinar, Arthur und Paul. Diese 14 Kinder und Jugendlichen sind in den vergangenen 12 Monaten im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe gestorben. Am Sonntag war, wie jedes Jahr am ersten Julisonntag, der Gedenktag an diese verstorbenen Kinder und Jugendlichen. "Ich trage Dich durch alle Zeiten" war die wunderschöne Überschrift über diesem Nachmittag im Garten des Hospizes in Olpe. Eltern und Geschwister, Mitarbeitende und Ordens Schwestern haben zusammen Lieder gehört und gesungen, schöne Texte gelesen und die Namen derer genannt, die als Gäste im Hospiz gewesen waren, manche über viele Jahre immer wieder, manche erst kurz und nur selten. Die Namen der Kinder werden dann auf die Flügel von Windrädern geschrieben und am Ende der Feier zu den anderen in den Garten gestellt. Die Namen der Jugendlichen kommen auf Steine, die dann in einer neu gestalteten Spirale in einem anderen Teil des Gartens ausgelegt werden – von den Eltern oder Geschwistern. Bei der Gedenkfeier gibt es viele Tränen, bei allen Beteiligten und tröstende Umarmungen und Küsse und Streicheln. Und danach gibt es, wie immer, eine wunderschöne Kaffeetafel mit allen Beteiligten, einem köstlichen Kuchenbuffet und viele Gespräche und Erinnerungen und viel Lachen und köstliche kleine Geschichten, mit Lachtränen in den Augen, wo vorher noch Tränen der Trauer waren. Einem Ehepaar an meinem Tisch war bei der Geburt des Kindes gesagt worden, dass es höchstens 3-4 Jahre alt werden wird. Und jetzt ist die Tochter mit 32 Jahren gestorben. 32 Jahre haben die Eltern mit viel Leidenschaft und Liebe, vielen Sorgen und Tränen, viel Not und Kummer sich gekümmert bis an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit und darüber hinaus. Und dann konnten sie ihre Tochter gehen lassen und das Aufatmen lernen. Der Refrain eines Liedes von Herzchen sagt genau das: "Ich trag Dich weiter, für immer hier bei mir. Ich trag Dich weiter, bist auf ewig ein Teil von mir. Und die Tage kommen und die Jahre gehen, doch ich lass Dich nicht los. Ich trag Dich weiter, bis wir uns wiedersehen."
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Thomas ist die ganze Zeit mit den anderen Jüngern und Jüngerinnen mit Jesus unterwegs gewesen, hat ihn mitreißend predigen gehört, gesehen wie er gelebt, gebetet, gelitten, geglaubt hat, hat mit ihm gegessen und getrunken und Feste gefeiert. Er hat die Wunder erlebt, die in den drei Jahren geschehen sind und alle verblüfft haben. Er ist aber, wie fast alle seiner Kollegen in Panik geflüchtet, als dieser Jesus, an den er geglaubt hat, gepeinigt und gekreuzigt wird. Und dann soll er wieder Auferstanden sein? Echt jetzt? Die anderen Apostel haben ihn lebend gesehen und erzählen es ihm. Aber das geht Thomas jetzt wirklich zu weit. Er entgegnet ihnen ärgerlich und schroff: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Basta. Dieses Basta, dieses "Dann glaube ich nicht" ist die große Frage des Thomas nach dem, was er denn noch glauben kann und will. Wir sagen schnell "der ungläubige Thomas". Aber eigentlich ist es eher anders: Weil er glauben möchte, hat er Zweifel. Nur wer wirklich glaubt, hat auch Zweifel. Und acht Tage später ist er doch wieder mit den anderen zusammen. Und Jesus kommt dazu und spricht ihn an: Leg Deine Hände in meine Wunden und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Weil Jesus die Zweifel des Thomas ernst nimmt und kennt, kann er ihm genau die Zeichen geben, die er braucht, um Glauben zu können. Er darf es quasi be-greifen – anfassen – antippen – erfühlen und damit verstehen. Und dann kommt das eigentlich Große dieses angeblichen Zweiflers. Er kann ganz beeindruckt bekennen und trotzdem ganz einfach sagen: Mein Herr und mein Gott. Er sagt nicht: Du bist der Herr und Gott. Er bekennt: mein Herr und mein Gott. Für mich ist das Beispiel des Thomas gerade im Moment der Krise der Kirchen eine Antwort: Kann ich sagen und bekennen: mein Herr und mein Gott? Da ist nicht der perfekte, strahlende, zweifelsfreie Glaube gemeint, der über allem schwebt und durch keine Katastrophe angefragt werden kann, sondern der oft haltlose, der zweifelnde, der verzweifelte aber immer suchende Glaube, auf der Suche nach meinem Herrn und meinem Gott.