Morgenimpuls Archiv
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In allen möglichen Beschreibungen wird sie als die kleine Blume des Heiligen Franziskus betitelt. Aber das ist sie ganz und gar nicht. Klara wird in Assisi als Tochter adliger Eltern geboren und wächst behütet und beschützt auf. Aber weil sie ihre Mutter bei ihren caritativen Diensten zu den Armen und Aussätzigen begleitet, erkennt sie sehr schnell, dass nur ein Teil der Stadtbevölkerung reich und wohlhabend ist und sie spürt, dass es unrecht ist, die Armen in ihrer Armut verkommen zu lassen. Und dann erlebt sie Franziskus und seine junge Bruderschaft, die im Dom nebenan und auf den Plätzen predigen und arm unter den Armen leben. Da entdeckt sie, dass das genau ihr Leben werden wird, verlässt das sichere und behütete Leben und geht zu den Brüdern. Später werden zwei ihrer Schwestern und sogar ihre Mutter ihr nach San Damiano folgen und das Leben der Armen Frauen von Assisi mit Klara teilen. Und diese starke junge Frau wird fast 50 Jahre lang ihre Gründung leiten und gegen Angriffe von innerhalb und außerhalb der Kirche energisch abwehren. Sie entwickelt weiter, was sie bei Franziskus und den Brüdern gesehen und erlebt hat und schreibt als erste Frau der Kirche eine eigene Ordensregel für Ihre Lebensform. Das "Privileg der Armut" dass sie darin festlegt, will ihr der Papst und die Kirchenoberen nicht gewähren und erst zwei Tage vor ihrem Tod wird er ihr persönlich die unterzeichnete und genehmigte Ordensregel bringen. Die feuerflammende Liebe zu Christus und zu allen Menschen prägt ihre Schwestern bis heute und sie sind das anbetende Herz der Kirche.
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Gestern früh, als ich in die Kirche zur Hl. Messe gegangen bin, schien die Sonne. Ich war völlig überrascht. Seit Wochen nur Regen und Regen und man konnte sich schon freuen, wenn mal zwischendurch eine Regenpause war. Und dann in der Kirche fielen plötzlich die Sonnenstrahlen durch die bunten Fenster und haben alles eingefärbt, was da war. Die Bänke, die Bücher auf den Bänken, mein grauer Habit hatte lila Streifen und die helle Jacke meiner Nachbarin leuchtet plötzlich rot. Wir waren begeistert und hatten unseren Spaß an dieser Färbeorgie durch die Sonne. Sie fiel an diesem Morgen durch die drei Apsisfenster mit der Darstellung der drei großen Glaubensgeheimnisse des Kirchenjahres: Weihnachten mit der Geburt Jesu, Ostern mit seiner Auferstehung und Pfingsten mit der Sendung des Heiligen Geistes und der Gründung der Kirche. Und da die Fenster aus vielen tausend einzelnen Scheiben besteht, wird auch immer mal mehr die eine oder mehr die andere Farbe deutlicher alles ringsum einfärben. Es ist gut, sich im normalen oder auch rasanten Alltag immer mal anders einfärben zu lassen und sich auf das eine oder andere Geheimnis unseres Glaubens neu zu besinnen und den Tag damit zu beginnen. In der heutigen Lesung geht es um den Trost, den wir vom Vater im Himmel bekommen damit dann auch wir die trösten können, die in Not sind. Und es gibt die wunderbare Zusage, dass wir, wenn uns Leiden und Not treffen und Probleme überhandnehmen, wir die Hilfe und den Trost Gottes erfahren werden. Die einen unter uns werden sagen, dass sie das schon erlebt haben und die anderen können sich das gar nicht vorstellen werden es daher nicht glauben können. Unsere 99-jährige Mitschwester ist immer neu erstaunt, dass sie in ihren so vielen Jahren als glaubende Frau, immer noch neue und bunte Facetten entdeckt und nie das Gefühl hat, an ein Ende zu kommen mit der Suche nach diesem Gott und dem Weg zu ihm.
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Edith war das Jüngste von 11 Kindern eines jüdischen Holzhändlers in Breslau. Mit 15 Jahren Schulabbrecherin und Glaubensaufgeberin und bezeichnet sich als Atheistin, beendet nach einem Jahr ihre Krise, kehrt nach Hause zurück und legt Abitur ab. Studiert in Göttingen, Freiburg und Breslau Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte, arbeitet 1915 als Freiwillige in einem Kriegslazarett. 1916 promovierte sie Summa cum laude bei Edmund Husserl an der Universität in Freiburg über das Thema Einfühlung und wurde Assistentin des berühmten Philosophen; als jüdischer Frau verwehrte man ihr aber die Habilitation. 1922 konvertiert sie zum katholischen Glauben, nach dem sie ein Buch über die Hl. Theresa von Avila gelesen hat. Sie ist Lehrerin und Dozentin und veröffentlich Schriften und Vorträge zur Emanzipation der Frauen. 1933 wird sie Karmelitin in Köln und veröffentlicht 1937 ihre theologisch-philosophische Schrift über „Endliches und ewiges Sein“. Wegen der Verfolgung der Nazis flieht sie nach Echt in Holland, wird dort 1942 mit ihrer Schwester Rosa verhaftet und am 9. August in Ausschwitz vergast. Ein schier unglaubliches Leben, das die Katastrophe des 20. Jahrhunderts in einer einzigen Person deutlich macht. Aber ihr Leben und ihre Schriften haben unglaubliche Kreise gezogen und viele Menschen inspiriert über Gott und seine Bedeutung nachzudenken. Im Gotteslob gibt es einen Text von ihr, der 2009 vertont worden ist und den ich gerne für Sie beten möchte. Er lautet: „Erhör, o Gott, mein Flehen, Hab auf mein Beten acht. Du sahst von fern mich stehen, Ich rief aus dunkler Nacht. Auf eines Felsens Höhe Erheb mich gnädiglich. Auf dich ich hoffend sehe: Du lenkst und leitest mich. Mein Bitten hast erhöret, Mein Gott, in Gnaden du. Wer deinen Namen ehret, Dem fällt dein Erbe zu. So schenke langes Leben Dem, der sich dir geweiht; Wollst Jahr um Jahr ihm geben, Ihn segnen allezeit. Du bist gleich einem Turme, Den nie der Feind bezwang. Ich weiche keinem Sturme, Bei dir ist mir nicht bang. In deinem Zelt bewahren Willst du mich immerdar. Mich hütet vor Gefahren dein schirmend Flügelpaar. Vor Gottes Angesichte Steh er in Ewigkeit. Es wird ja nie zunichte Des Herrn Barmherzigkeit. So will dein Lied ich singen, Wie ich es dir versprach, Mein Lobesopfer bringen von neuem Tag um Tag.“
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Als ich vor einigen Jahren mal in Rom war, habe ich eine mir bekannte Franziskanerin besucht. Sie hat mir dann IHR Rom gezeigt und die Orte, die sie beeindruckt haben. Unter anderem hat sie mir in einer Kirche eine ur-,ur- uralte Tür gezeigt. Sie war hinter Glas, damit sie vor dem Verfall bewahrt werden konnte. Durch diese Tür ist der Heilige Franz von Assisi 1217 gegangen, um den Heiligen Dominikus in seinem Kloster zu treffen. Diese Türgeschichte hat sich mir eingeprägt. Der heilige Dominikus, dessen Fest wir heute feiern, hat seine Gemeinschaft zur gleichen Zeit wie der Heilige Franziskus gegründet. Beide Gemeinschaften zählten zu den Bettelorden, die als Antwort auf die aufkommende Geldwirtschaft und Anhäufung von Macht, arm und mittellos lebten, um durch ein authentisches Christsein die Menschen zu Christus zu führen. Anders aber als der Franziskanerorden war der Dominikanerorden ein nur aus Priestern bestehender Gelehrten-Orden zur Bekämpfung von Irrlehren. Dominikus hat dafür sehr die Bedeutung einer guten Ausbildung betont. Seine Mitbrüder studierten Theologie an der Sorbonne in Paris und kanonisches Recht an der Universität in Bologna - wo schon 1088 die erste Universität Europas gegründet worden war. Die Grundsätze die er damals seinen Brüdern mitgegeben hat, haben nicht von ihrer Bedeutung verloren: 1. überzeugend predigen, 2. arm wie die Apostel leben, 3. an keinen Ort gebunden sein. Durch diese konsequente Lebensführung haben schon er und seine vielen Mitbrüder damals, sehr erfolgreich gegen die vielen Irrlehren ihrer Zeit angepredigt und haben viele Menschen wieder zur Kirche zurückgebracht. Dominikus und seine Brüder und Schwestern waren quasi eine Tür, durch die das Wort Gottes und die Lebensweise Jesu wieder deutlich und für die Menschen verständlich werden konnte. Überzeugend sein in dem was ich lebe und tue, nur besitzen, was ich wirklich brauche und flexibel sein für das, was Gott mit mir vorhat, könnte als eine gute Idee über diesem Festtag stehen.
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Es ist Montag und bei mir ist die Luft raus. Ja wirklich. Nach einem intensiven Probenabend am Donnerstag dann am Samstagabend und Sonntagmorgen zweimal exakt dieselbe Messe singen, beten, die Predigt hören und sekundengenau alles abpassen – weil es eine Radioübertragung ist. Und dazu dann eine echt komplizierte Jazzmesse singen mit herrlich verqueren Rhythmen, Einsätzen mit Keyboard, Bass und Schlagzeug und dazu alles noch auf Latein. Ob es schön war weiß ich nicht. Ich hoffe, dass wir trotz Jazz nicht zu quer gesungen haben und Kyrie und Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei gut rübergekommen sind. Ich merke immer wieder, dass es mir schwerfällt, mit dem Chor komplizierte Dinge in einer Heiligen Messe zu singen, wo ich mich so sehr auf die Gesangspartien konzentrieren muss, dass das ganze Geschehen, um das es eigentlich geht, mit den Lesungen und dem Evangelium, mit dem Hochgebet und der Wandlung, mit der Kommunion und der Danksagung für die Musizierenden in den Hintergrund tritt. Aber die andere Seite ist natürlich, dass es für viele Christen wunderbar ist, zuhause oder im Krankenhaus, im Altenheim oder dort, wo es keine Kirche oder keinen Sonntagsgottesdienst gibt, ihn im Radio mitzufeiern und sich an seiner schönen Gestaltung zu erfreuen. Und da ist dann auch der Dank an die unendlich vielen Musiker und Chorsängerinnen, Organisten und Kantorinnen, die an jedem Wochenende die Gottesdienste mit ihrem Spiel und Gesang, mit ihren Chorstücken und Musikdarbietungen Gott die Ehre geben und die Menschen erfreuen. "Gesang ist doppeltes Gebet" und "Musik erhebt Herz und Seele zu ihrer wahren Bestimmung" sind alte Weisheiten, die immer noch manche wissen oder ahnen. Wenn das ja vielleicht dann doch am Sonntag gelungen ist, dann kann heute ruhig mal die Luft raus sein.
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Ich weiß auch nicht so genau, wieso mich dieser kleine Pfarrer von Ars so fasziniert. Auf einem Bauernhof kurz vor Beginn der französischen Revolution geboren, erlebt er Kirche nur im Geheimen und verworrene Zeiten danach. Er spürt, dass er Priester werden möchte, aber da ist er schon zwanzig und sein zwölfjähriger Nachhilfelehrer verzweifelt fast an ihm. Das theologische Examen besteht er erst beim vierten Mal und wird nur zur Weihe zugelassen, weil ein anderer Priester für ihn eintritt. Nach drei Kaplansjahren wird er nach Ars geschickt, ein Dorf mit immer vollen Kneipen und einer leeren heruntergekommenen Kirche. Das hochtrabende Urteil der Kirchenleitung ist: "da kann er nichts mehr kaputt machen". Das macht er auch nicht. Er baut auf, indem er betet, viele Stunden Anbetung hält, immer regelmäßig seine Gemeindemitglieder besucht und ihnen mit gesundem Menschenverstand und tiefer Frömmigkeit zur Seite steht. Er gründet ein Waisenhaus und eine Schule, weil ihm klar ist, dass die Menschen von klein auf Liebe, Geborgenheit, gute Bildung und Erziehung bekommen müssen. Und ihm ist seine Schwachheit und Unzulänglichkeit schon sehr bewusst. Als es eine Petition zu seiner Absetzung gibt, unterschreibt er sie auch selbst. Er weiß genau, dass er kein intellektuelles Genie ist und mit niemandem seiner hochgebildeten geistlichen Mitbrüder mithalten kann. Aber er weiß, was die Leute in seinem Städtchen brauchen: die Zusage der frohen Botschaft von Gottes barmherziger Liebe, der Vergebung ihrer mehr als offensichtlichen Schuld, das Gespür, dass sie auch in der tiefsten Gosse noch von Gottes Liebe und dem Gebet ihres Pfarrers gehalten werden. Er, der zunächst wegen seiner so offensichtlichen Wissenslücken zunächst keine Erlaubnis bekommen hat, Beichte zu hören um den Menschen beratend und begleitend zur Seite zu stehen, wird dann zum wirklichen Beichtvater, zu dem immer mehr Menschen strömen und zu dem selbst der Bischof geht, um im Bußsakrament die unendliche Liebe dieses kleinen Pfarrers und somit seines großen Gottes zu erfahren. Nach damaligen und erst recht nach heutigem Ermessen, wäre er niemals zur Priesterweihe zugelassen worden. Gott hat eben andere Kriterien und das ist wirklich sehr tröstlich.
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Es regnet, es regnet, es regnet, es regnet und es regnet immer noch... Es ist ja für viele Menschen, wie auch für mich so zwiespältig. Wir wissen sehr genau, dass es in den letzten Jahren weltweit viel zu wenig geregnet hat und somit die Wälder verdorren und dem Borkenkäfer alle Macht gegeben ist. Und die Böden auch in vielen Regionen Afrikas völlig vertrocknen und immer mehr Menschen gen Norden ziehen, weil sie dort, wo sie leben sich nicht mehr ernähren können. Und es steigen die Starkregenfälle und die Überflutungen - nicht mehr nur in Asien und Südamerika, sondern auch längst in Europa und hier bei uns. Aber, das ist dann die andere Seite: Es sind doch Ferien und die armen Kinder und Familien, die sich schöne Ferien auch hier zuhause gewünscht haben, und nun schon wochenlang Schlechtwetterprogramme erfinden müssen. Ferien und Urlaub haben bei uns etwas zu tun mit Sonne, Wärme, Draußen sein, Wandern Schwimmen, Feiern, lauen Nächten und endlos langen Tagen. Im Sonnengesang, dem wundervollen Lied des Heiligen Franziskus, in dem er die einzelnen Dinge der Schöpfung, aber eigentlich damit den Schöpfer allen Lebens, lobt, gibt es mitten in Sonne und Mond und Sternen und Erde, eine kleine Zeile. Und die heißt: „Herr sei gelobt, durch Luft und Wolken und jegliches Wetter“ Eine befreundete Frau, die sehr franziskanisch geprägt ist, hat nach der dritten regennassen Wanderung allen Ernstes gesagt, dass sie diese Strophe einfach nicht mehr singen wird. Sie ist den Regen so leid. Und dann natürlich lachend meinte, aber dann verdorrt mein schöner Garten oder ich muss jeden Tag gießen und das wird teuer. Einen regennassen Juli hatten wir in unseren Breiten schon so oft, und wir wissen schon, dass die Erde und die Wälder das Wasser dringend brauchen. Also nehmen wir es, wie es ist, machen noch ein paar Tage Regenprogramm, freunden uns an mit Luft und Wolken und jeglichem Wetter und bleiben voll Hoffnung auf die Sonne, die ja da ist und auch wieder zum Vorschein kommen wird, auch wenn es im Moment regnet und regnet und regnet und regnet...
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Jetzt hat er so richtig begonnen, der Weltjugendtag in Lissabon. Nach sechs Tagen der Begegnung in den einzelnen Diözesen in Portugal sind nun alle in die Hauptstadt gereist und haben den Eröffnungsgottesdienst gefeiert. Und wer hat schon so viele so engagierte junge Leute, die aus der ganzen Welt anreisen, um zusammen zu beten, zu diskutieren, zu singen zu feiern. Man sagt, dass es nie so wenige waren, wie in diesem Jahr, die aus Deutschland angereist sind. Aber diese 8.000 Jugendlichen erleben etwas, was sie ein ganzes Leben nie vergessen werden. Eine Begeisterung für Gott und den Glauben, eine Verschiedenheit der Menschen aus aller Welt, das Miteinander zu wissen, dass es mehr gibt im Leben als Armut oder Reichtum, als Krankheit oder Gesundheit, als Nord oder Süd, als erste und dritte Welt. Dass Solidarität und Zusammensein für zwei Wochen eine Schule des universalen Lebens ist und eine wunderbare Möglichkeit, die bunte Vielfalt der katholischen Kirche und die Freiheit der Kinder Gottes zu erleben. "Du bist nicht allein" ist die eine Botschaft, die bei Weltjugendtagen unausgesprochen immer aktuell ist. Und wenn wir wissen, dass gerade unter Jugendlichen die Einsamkeit ein großes Problem ist, ist das quasi ein Gegenentwurf. "Maria stand auf und machte sich eilig auf den Weg" (Lk 1,39) ist das Motto des Weltjugendtages 2023 und deutet natürlich auch auf die Marienverehrung in Portugal und dort besonders in Fatima hin. Aber dieses "sich eilig aufmachen auf den Weg" hat etwas von Entschlossenheit und losgehen auf ein Ziel hin ohne dauerndes Bedenken und Anzweifeln, sondern mit Mut und Zuversicht, die aus dem Glauben an den Weg mit und zu Gott entsteht. Dass das jungen Leuten zunächst leichter fällt, ist schon klar, aber gemeint sind wir alle und herausgefordert aus unseren alltäglichen Gewohnheiten, und Lähmungen und Ängsten.
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Sie kennen bestimmt "Bares für Rares" diese Sendung, bei der Kandidat:innen irgendwo im Keller oder auf dem Speicher gefundene oder geerbte Sachen mit in die Sendung bringen und dann schauen, wieviel sie dafür bekommen können. Und bevor sie überhaupt in die Sendung kommen, wird getestet, ob sie und ihre Rarität überhaupt Wert und auch Unterhaltungswert haben. So ähnlich, könnte man denken, war das, was Jesus im letzten Sonntagsevangelium erzählt. Da geht es um einen Mann, der einen Schatz zufällig in einem Acker entdeckt. Weil ihm der Acker aber nicht gehört, verbuddelt er den Schatz schnell wieder, verkauft alles was er hat und kauft den Acker mitsamt dem Schatz. Und der Zweite, dessen Geschichte Jesus erzählt, ist ein Kaufmann, der nach kostbaren Perlen auf der Suche ist. Als er eine besonders kostbare findet, verkauft er alles, was er hat und kauft die Perle. Soweit so normal. Aber der Einleitungssatz zeigt beide Episoden in einem ganz anderen Licht. Da heißt es nämlich: Mit dem Himmelreich ist es wie mit ….. und dann kommen diese Geschichten. Ich würde es mal so deuten: Mit dem Himmelreich ist es wie mit uns, die in ihrer Alltagsarbeit, im oftmals mühsamen Sein, plötzlich etwas entdeckt, was uns so kostbar ist, dass es uns wie der Himmel auf Erden vorkommt und wir alles andere nicht mehr so wichtig nehmen. Und das andere ist der unter uns, der oder die sehr intensiv nach dem wahren und wirklichen Schatz sucht, der seinem Leben Sinn und Fülle gibt. Und wenn man den gefunden hat, alles andere bisher scheinbar Wichtige aufgeben kann, um nur diesen Schatz, diesen Sinn, diese Berufung zu haben und leben zu können. Und anders als bei "Bares für Rares", geht es beim Himmelreich und dem Wert eines Schatzes nicht um ein Ding, nicht um eine Sache, nicht um scheinbar wertvoll Materielles. Es geht beim Himmelreich nicht um das, was nach dem Tod kommt. Sondern schon jetzt und heute um Beziehung zwischen mir und den Mitmenschen und am allerwichtigsten zwischen mir und Gott. Zu finden im Alltagskram und auch beim intensiven Suchen nach dem wahren Schatz und der wertvollsten Perle.
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Dank einer Kanonenkugel zum Ordensgründer - echt ein Stoff für Hollywood! Ignatius war das zwölfte Kind einer Adelsfamilie in Loyola. In seiner Jugend war er bis 1517 Bediensteter am Hof von Ferdinand V. von Kastilien. Er war ein Lebemann, kam mit dem Gesetz in Konflikt, wurde 1517 Offizier im Dienst des Vizekönigs von Navarra und Pamplona und sein Lebensplan war eine Karriere beim Militär. Dann zwang ihn eine steinerne Kanonenkugel, die ihn am 20. Mai 1521 bei der Verteidigung der Feste Pamplona gegen die Franzosen traf und sein Bein zertrümmerte, für lange Zeit aufs Krankenbett zuhause im Schloss von Loyola. Während seiner Genesung hat er gelesen - weil es im Schloss nichts anderes zu lesen gab - religiöse Schriften wie das „Leben Christi“ des Kartäusers Ludolf von Sachsen und die Heiligenlegenden der “Legenda Aurea“, was zu seinem Entschluss führte, sich einem geistlichen Leben zu verschreiben. In einem unglaublich energischen Kampf und Weg, wird er Gründer des Jesuitenordens und betreibt sehr erfolgreich die katholische Reform in Europa. In den geistlichen Übungen entdeckt er einen Weg den jeder Mensch gehen kann, der sich in den Dienst Gottes und der Menschen stellen will und schreibt diese Übungen in seinem Exerzitien-Büchlein nieder. Ich habe ein paar Zitate gefunden, die uns Heutigen, fünfhundert Jahre später, immer noch sehr aktuelle Weisung sein können. Er sagt zum Beispiel: „Wer Seelenfrieden sucht, kann ihn nicht finden, solange er den Grund des Unfriedens in sich selbst hat.“ Und vielleicht noch einen ganz konkreten Tipp für heute und jeden Tag der neuen Woche: „Reserviere eine bestimmte Zeit für dich selbst und halte dich ruhigen Gemüts in Erfolg und Misserfolg, frei von Unruhe und Verwirrung, sowohl bei frohen als bei traurigen Anlässen.“
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Es gibt einen Hymnus für das Morgenlob, den ich sehr gern mag und ihn auch immer mal zwischendurch auswähle. Nicht nur, weil er auch eine schöne Melodie hat und wir ihn gern singen, sondern auch, weil er mir mal ganz klar und deutlich Handlungsanweisungen gibt. Öffne meine Augen, Herr, für die Wunder deiner Liebe. Mit dem Blinden rufe ich: Heiland, mache, dass ich sehe. Öffne meine Ohren, Herr, für den Anruf meiner Brüder. Lass nicht zu, dass sich mein Herz ihrer großen Not verschließe. Öffne meine Hände, Herr, Bettler stehen vor meiner Türe und erwarten ihren Teil. Christus mache, dass ich teile. Aber wenn ich dann, noch ein bisschen müde in der Kapelle sitze und mit dem Gebet anfangen will, beginnt das genauso, wie jetzt der Hymnus: Da muss ich auch erst bitten, dass mir Gott die Lippen öffnet, damit ich überhaupt in der Lage bin, ihn zu loben. Im Hymnus bitte ich dann zunächst, dass er mir die Augen öffnet, damit ich überhaupt fähig werde, die Wunder der Herrlichkeit zu sehen, die immer da sind und für die ich oft keinen Blick habe vor lauter Alltagskram. In Städten ist manchmal aufs Straßenpflaster gemalt: "Blick heben!" und dann tut man das automatisch. Dann bitte ich um offene Ohren, damit ich mitkriege, wenn jemand auch nur ganz leise flüsternd oder in verklausulierter Sprache um Hilfe bittet. Und dann kann ich um offene Hände bitten, damit ich großzügig geben kann, wenn andere Bittende vor unserer Tür stehen, oder eine Mail schicken, oder am Telefon ganz kompliziert einen einfachen Wunsch haben.
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Wir haben uns aufgemacht zu den Pyramiden. Meine Besucherin und ich. Nein wir sind nicht geflogen und nicht nach Ägypten aufgebrochen. Sondern gut 25 Minuten mit dem Auto gefahren. Und es sah schon aus der Ferne sehr unwirklich aus. Mitten im Sauerland, am Rand eines kleinen Dorfes, mit grandioser Aussicht auf die Wälder ringsum, sieben Pyramiden. Bei der Einweihung der ersten beiden Pyramiden 2005 hat der Inhaber gesagt: „Die Sauerland- Pyramiden sollen ein Ort des Staunens und Wunderns werden. Kein Platz für seichte Unterhaltung, sondern für ungewöhnliche Ideen und Projekte an den Grenzen des menschlichen Wissens.“ Irgendwann - vor ein paar Jahren - waren wir schon mal da und waren enttäuscht. Aber ein zweiter Versuch war es wert. Und es gab vier Ausstellungen und noch einiges mehr. Und eine Ausstellung hat uns beide sehr nachdenklich gemacht: es ging zunächst um die weltweite Migration der Tiere und dann aber um das Aussterben der Tiere in der Erd- und Menschheitsgeschichte. Und neben eindrücklichen Grafiken, wunderbaren figürlichen Darstellungen ausgestorbener Tiere in ihrer Umgebung und vieler Beispiele, wie wir Menschen es in den letzten 100 Jahren geschafft haben, zehntausende Arten zum Aussterben zu bringen – durch unsere Art zu leben. Und neben vielen dieser Darstellungen konnte man dann lesen: Was geht mich das an? Und dann manchmal zwei oder drei Dinge, die wir als Einzelne schon verändern können. Wir sind sehr nachdenklich aus dieser Ausstellung gekommen und haben uns auf der Heimfahrt über die Dinge unterhalten, die wir machen können, um unseren Teil beizutragen, um Gottes wunderbare Schöpfung, die er den Menschen zur Freude und zur Nutzung gegeben hat, nicht weiter und schneller zu zerstören, sondern sie zu erhalten und zu heilen. „Gott hat uns diese Erde gegeben, er schuf sie gut, er schuf sie schön“ heißt es in einem bekannten Lied. Tun wir doch auch Dinge die uns möglich sind, um diese Schönheit der Erde zu schätzen und zu erhalten.
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Gleich nachher setzen wir uns mit einer Handvoll Schwestern in den Bulli und fahren nach Paderborn zum Liborifest. Wer es nicht kennt, dem kann man es auch kaum beschreiben. Es ist seit vielen Jahrhunderten eines der Großen und ältesten Volksfeste in Deutschland. „Pax vobis! – Der Friede sei mit Euch!“ Unter diesem Motto lädt das Erzbistum Paderborn zu Libori 2023 ein. Gemeinsam mit der Stadt feiert man den gemeinsamen Patron, den heiligen Liborius. Vor über 1000 Jahren überreichte der Bischof von Le Mans in Frankreich dem jungen Bistum Paderborn die Reliquien des Bischofs Liborius – seitdem wird sein Gedenktag mit Hingabe begangen. Das Libori-Fest vereint Kirche, Kirmes und Kultur zu einem einzigartigen Erlebnis. Diese Verbindung von Le Mans in Frankreich und Paderborn in Deutschland ist die weltweit älteste Städtepartnerschaft und sie hat unglaubliche Widerstände und Katastrophen in diesen 1000 Jahren erlebt und überstanden. Selbst die Erzfeindschaft der beiden Völker und die großen Kriege des 20. Jahrhunderts konnten dieser Partnerschaft nichts anhaben. Die einzelnen Tage des Liborifestes sind einzelnen Gruppen zugeordnet und heute ist der Tag der Ordensleute und Missionare und der Missionare auf Zeit. Der Gottesdienst um 9.00 Uhr ist mit Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr, also mit und für die Menschen, die uns in unserem Land schützen und bewahren, bei Feuer und anderen Katastrophen als erste zur Stelle sind und ohne die unser Gemeinwesen nicht funktioniert. Und gleich anschließend sind die Ordensleute dran. Eine interessante Kombination finde ich. Ordenschristen als die, die in der Kirche immer auch Vorreiter waren und sind: im Engagement für die Armen und Benachteiligten, für eine Liturgie, in der es um Christus geht, für eine Form des Zusammenlebens, die ihre Ämter und Dienste demokratisch und auf Zeit wählt, für unerschütterliches Stehen zur Kirche auch in nicht gerade begeisternden Zeiten und in der Treue zum Gebet und zur Anbetung Gottes, die deutlich macht: Gott ist immer der Größere.
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„Ich bin dann mal weg“ mit diesem Slogan, dem Titel eines Buches von Hape Kerkeling, ist etwas wieder in den Vordergrund des Bewusstseins gekommen, das es immer gab, aber dann - zumindest im deutschsprachigen Raum - zum Boom geworden ist: Das Pilgern auf den Jakobswegen nach Santiago de Compostela, zum Grab des Apostels Jakobus, dessen Fest wir heute feiern. Jakobus gehörte mit seinem jüngeren Bruder Johannes zu den ersten Jüngern Jesu. Deshalb trägt der heilige Jakobus auch den Beinamen "der Ältere". Jakobus und Johannes - die Söhne des Zebedäus – und Simon Petrus, waren den Evangelien zufolge sowohl bei der Verklärung Jesu als auch bei seiner Gefangennahme im Garten Getsemani anwesend. Die Apostelgeschichte geht weniger auf das weitere Leben von Jakobus ein. Es wird aber berichtet, dass er während der Herrschaft von König Herodes Agrippa I. im Jahr 43 n. Chr. in Judäa hingerichtet wurde. Jakobus war damit der erste Märtyrer der Apostel. Aber die Pilgerwege zu seinem Grab haben über die Jahrhunderte eine unglaubliche Bedeutung gehabt. Es ging sogar so weit, dass verurteilte Verbrecher, wenn sie den Jakobsweg gegangen und wieder zu Hause angekommen sind, alle Strafen erlassen bekommen haben und als freie Menschen ihrer Wege gehen konnten. Manche Pilger, die heute den Jakobsweg gehen, tun das aus sportlichen Gründen und weil die Herausforderung sie reizt. Viele andere gehen den Weg, weil sie ahnen, dass es etwas mit ihrem Glauben an Christus und den nächsten Stationen ihres Lebensweges zu tun haben könnte. Und manche machen Erfahrungen und treffen Entscheidungen, die ihr ganzes Leben prägen werden. Viele Geschichten ranken sich um die Pilger und ihre Wege. Eine besonders hübsche ist die, dass die Jakobspilger, ja unterwegs oft anhalten und erstmal arbeiten mussten, um wieder Geld für die weiteren Weg zu haben. Und in Köln haben sie dann als Kellner, in den vielen Brauhäusern der Stadt, ihr Geld verdient. Jakobspilger hießen auf gut Kölsch „Köbes“ also Jaköbchen und so heißen die Kellner dort noch heute.
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Wenn man den Kölner Dom durch den Eingang des Südquerschiffes betritt, haut es einen fast um. Da steht an einer Säule die riesige Figur des Christophorus – des Christusträgers. Er durchschreitet einen Fluss, stützt sich auf einen großen Stab und trägt auf seinen Schultern ein kleines Kind. Aber wenn es nur ein kleines Kind wäre, würde man nicht im Gesicht des Christophorus die unglaubliche Last und Schwere der Aufgabe ablesen können. Er trägt den Weltenrichter mit der Weltkugel in der Hand – Christus. Die bekannteste Legende um Christophorus ist hier dargestellt: Er wollte, wenn schon, nur dem höchsten Herrn dienen – Christus und hat deshalb gelobt, alle die es brauchten, über den reißenden Fluss zum anderen Ufer zu tragen. Und eines Tages fragt dieses kleine Kind und er lacht und es ist ihm klar, dass das ein Spaziergang wird. Aber dieses Kind wird schwerer und schwerer und beide erreichen das rettende Ufer mit letzter Kraft. Das Kind drückt ihn noch unter Wasser und tauft ihn so. "Mehr als die Welt hast du getragen", sagt das Kind zu ihm, "der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde". Und von nun an wird er ein Diener Christi. Soweit die Legende. Aber der heilige Christophorus wird sehr verehrt und hat auch heute noch für viele Menschen zumindest eine symbolische Bedeutung. Er ist der Patron der Reisenden. Darunter fallen natürlich auch die Autofahrer. Deshalb lassen Menschen ihr Auto in seinem Namen segnen oder haben eine Plakette in ihrem Fahrzeug. Sie auch? Vor den Ferien ist es in vielen Gemeinden üblich, die Fahrzeuge zu segnen und um eine glückliche Ankunft zu beten. Die Kundenzeitschrift der Sportwagenmarke Porsche ist nach Christophorus benannt, ebenso heißen die Rettungshubschrauber des ADAC "Christoph" und in Bayern wird die "Christophorus-Medaille" an Lebensretter verliehen. Tragen wir selbst auch heute Christus im Herzen und zu den Menschen die mit uns leben und arbeiten.