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Morgenimpuls Archiv

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In Heiligenstadt im Eichsfeld, wo ich geboren bin, gibt es ein großes Krankenhaus das schon 1845 mit zwei Vinzentinerinnen begonnen worden ist. Wenn die Leute in der Stadt oder in den Dörfern ringsum das Krankenhaus meinten, haben sie einfach gesagt: ich gehe ins Vinzenz. Als Jugendliche war ich mal Patientin dort und eine der jungen sehr vitalen und witzigen Schwestern hat mir erzählt: "Weißt Du, bei uns sagt man: setz eine Vinzentinerin mit einem Schirm auf eine Wiese und Du hast ein Jahr später dort ein Krankenhaus stehen." Das hat mich damals echt beeindruckt und ich habe verstanden, dass diese Ordensfrauen in ihrem Engagement für Gott alles für die Menschen getan haben, die in irgendeiner Weise Hilfe brauchten. Vinzenz von Paul, der Gründer vieler Ordensgemeinschaften hat einmal in einem Vortrag vor seinen Ordensschwestern gesagt: "O meine Schwestern, wie wahr das ist: Ihr dient Jesus Christus in der Gestalt der Armen … Wenn eine Schwester zehnmal am Tag die Kranken besucht, dann wird sie zehnmal am Tag Gott treffen … Geht arme gefesselte Sträflinge besuchen, so werdet ihr dort Gott finden. Dient diesen armen Kindern, so werdet ihr Gott finden. Ihr geht in arme Häuser, aber ihr werdet dort Gott finden. … Wenn ihr das Gebet und die heilige Messe verlasst, um den Armen zu dienen, verliert ihr nichts, da es dasselbe bedeutet, wie zu Gott zu gehen." # Das sind schon beeindruckende Aussagen dieses Mannes, der zum Ende des 16. Jahrhunderts gelebt hat und schon sehr jung Priester geworden ist und sich sehr energisch um eine Karriere in der Kirche bemüht hat. Nach einem unglaublich bewegten und verwirrenden Leben, wo er vor Gläubigern fliehen musste, von Seeräubern gefangen und als Sklave verkauft wurde, Berater der Königin war, bekehrt er sich, wie er selbst sagt, neu und endlich zu Christus und zu seinem Dienst für die Armen. Und er sagt am Ende seines Lebens: "Erbarmen ist das innerste Geheimnis Gottes. Gott schenke uns diesen Geist des Mitleidens und des Erbarmens in Fülle und halte ihn lebendig in uns!"  
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Wenn ich zu manchen Texten und Quellen, zu Namen und Ursprüngen nochmal sichergehen will, schaue ich im Internet nach. Und da kann ich eingeben, was ich will, die Suchmaschine bietet mir immer zuerst an, dass ich das Eingegebene kaufen kann. Im Allgemeinen ist das Unfug und ich scrolle weiter auf der Suche nach einem richtigen Hinweis. Bei Cosmas und Damian, den heiligen Märtyrern des heutigen Tages, ist das nochmal mehr daneben. Beide waren christliche Ärzte im 3. Jahrhundert und haben ihre Patienten, ob reich oder arm, immer kostenlos behandelt und viele von ihnen geheilt. Und die Legenden sagen, dass sie durch ihr Tun und ihre Bescheidenheit viele Menschen zum Christentum bewegt haben. Die beiden sind die Stadtpatrone der Stadt Essen, also die Vorbilder für die vielen ausländischen Fachkräfte, die es im Ruhrgebiet schon immer gab. Die bekannteste Kirche ist San Damiano in Assisi, wo der heilige Franziskus sein ganz spezielles Berufungserlebnis hatte. Und so gibt es in der franziskanischen Welt unzählig viele Kirchen und Konvente, die diesen Namen San Damiano tragen. Auch für unser Haus hier in Olpe und den Konvent haben wir diesen Namen ausgesucht und denken oft nur zufällig, wie heute, an den eigentlichen Namensgeber. Ein bisschen ist es doch typisch für die heiligen Ärztebrüder. Sie treten durch ihr bescheidenes Leben und Sterben für ihren Glauben, durch ihre ärztliche Kunst und ihr Eintreten für Christus völlig hinter ihrem eigenen Ruhm zurück. Unendlich vielen Christen ging und geht es heute nicht anders: Sie leben und arbeiten ganz normal in ihrem Alltag, ihrem Beruf und ihrem Engagement und geben damit ihrem Glauben Hand und Fuß. Und nur selten wird eine oder einer von ihnen so bekannt, dass es als Vorbild für andere taugt. Und doch geschieht es immer wieder weil Menschen in der Umgebung ein sicheres Gespür dafür haben, wer sein Leben im Dienst an den Anderen lebt.
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Ein sehr erfolgreicher Mann heiratet ein sehr junges Mädchen und gründet Hof und Familie. Er ist als Ratsherr und Richter viel unterwegs, muss auch als Soldat seinem Kanton dienen und überlässt seiner jungen Frau immer mehr Aufgaben in Feld und Landwirtschaft mit Vieh und Dienstleuten. Sie bekommen zehn Kinder und leben 18 Jahre in glücklicher Ehe. Alles in bester Ordnung also. Aber dann wird der Mann immer unruhiger, immer verschlossener, seiner Frau immer fremder. Er betet und fastet viel und berät sich mit einem Freund. Und dann geht er zu seiner Frau und bittet sie, ihm ein zweites Mal ihr Ja zu geben. Beim ersten Mal, bei ihrer Hochzeit, und nun ein zweites Mal, um von ihr weg zu gehen und Gott zu dienen. Und nach langen Wochen gibt seine Frau Dorothea ihm, dem geliebten Niklaus von der Flüe, ihr großes Ja zu seinem neuen Weg. Durch ihren Verzicht und ihr jetzt wirklich schwierigeres Leben wird sein neues Leben möglich. Er wird zum Einsiedler und gleichzeitig Berater vieler Menschen. Er, der jetzt wieder ausgeglichen und froh leben kann, wird zum großen Friedensstifter der Schweiz, zu ihrem Patron und zum großen Vorbild. Der Weg dieser beiden Menschen ist sehr ungewöhnlich und beide sind nur miteinander und füreinander zu denken. In einer Bronzeplastik werden beide, Niklaus und Dorothea, gezeigt, wie sie das Radbild halten und darin verbunden sind. In diesem Radbild weisen Strahlen den Weg in die Mitte und damit auf den Grund aller Dinge. Gleichzeitig führen sie in die Weite, hinein in Aktion und Engagement. Klaus hat die beiden Dimensionen dieses Bildes gelebt und seine Frau Dorothea, auf ganz andere Weise, ebenso.
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Am Mittwoch war Weltkindertag und dieser Tag hat ja unendlich viele Facetten. Da geht es um Kinderrechte und Möglichkeiten für Bildung und gelingendes Leben, oft aber geht es einfach nur um Nahrung, Kleidung, medizinische Versorgung und Schutz in Kriegen und Katastrophen. Der WDR hatte die herrliche Idee, den ganzen Tag Kindern die Moderation von Sendungen zuzutrauen, Nachrichten, Wettervorhersagen und Verkehrsmeldungen vorzulesen und man merkte so herrlich, wie unkompliziert und witzig, aber auch wie aufgeregt und nervös sie dabei waren und es gab herrliche Versprecher und köstliches Kichern mitten in ernsthaftem Versuch, alles richtig vorzulesen. Und morgen geht es um eine andere Seite des Lebens von Kindern. Morgen findet eine Festveranstaltung in der Olper Stadthalle zu 25 Jahre Kinderhospiz Balthasar statt. Betroffene Eltern von lebensverkürzend erkrankten Kindern hatten um Hilfe ersucht und haben bei den Olper Franziskanerinnen offene Türen eingerannt. Seit Gründung unserer Gemeinschaft ging es immer um die Schwächsten und Kleinen und oft Unbedeutenden. Zunächst um Waisenkinder, um Kinder deren Eltern noch leben, aber mit der Erziehung überfordert sind, um Schule und Mädchenbildung. Und nun, ganz neu in Deutschland, um ein Hospiz für kranke Kinder und deren Eltern und Geschwister. Ein Ort auf Zeit zum Leben und Lachen, zum Sterben und Trauern. Und die Schwestern hatten den Mut, ein so ungewisses Projekt zu beginnen, dass bis heute nicht ausreichend finanziert wird, wo es aber unendlich viel Spenderinnen und Spender, Ehrenamtliche und Paten gibt, denen das Thema ein Herzensanliegen geworden ist. Und das ist es, weshalb ich sicher bin, dass es die Christen und die Kirchen immer geben wird. Weil sie sich, im Auftrag Jesu, um die Kleinen, die Schwachen, die Armen kümmern und nicht nach Konfession, nach Mitgliedschaft, nach perfektem Leben erkundigen, sondern danach, wo die Menschen Hilfe, Unterstützung, offene Ohren, offene Herzen und tatkräftige Hände brauchen und jemanden, der sie auch im Sterben, im Tod und in der Trauer nicht allein lässt.  
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Matthäus hat es eigentlich leicht. Er hat einen tollen Job, der ihm selbst Reichtum verschafft hat. Er treibt für die Besatzungsmacht die Zölle ein. Und natürlich hat er das so gemacht, dass auch für ihn selbst was übriggeblieben ist. Und ich glaube, nicht nur ein bisschen. Das war soweit ziemlich normal. Aber er war, um es mal milde auszudrücken, bei seinen Landsleuten nicht gerade beliebt. So wie sein Job. Wer liebt schon bei uns das Finanzamt? Er hat den ganzen Rummel um diesen Jesus mitbekommen und war schon neugierig geworden. Aber Zöllner waren damals so ziemlich die Letzten in der Rangfolge. Man brauchte sie, aber man hasste sie. Und so sitzt er Tag für Tag an seiner Zollstelle und macht seine Arbeit. Und genau an der Stelle kommt Jesus vorbei, sieht ihn und sagt: Komm, folge mir nach. Und Matthäus ist völlig perplex, lässt alles stehen und liegen und folgt ihm. Und dann nimmt er ihn mit nach Hause zum Essen und immer mehr seiner Kollegen und andere Leute aus ihrem Umfeld kommen dazu und essen zusammen. Was normal klingt, aber einem strenggläubigen Juden schlicht und einfach verboten war. Und so kommt es natürlich: Die klugen und gebildeten Pharisäer sagen nicht zu ihm, sondern zu denen, die ihm folgen: Wie kann der nur! Er müsste doch genau wissen, dass das verboten ist und nicht dem göttlichen Gesetz entspricht. Genau da prallen Welten aufeinander. Zum einen Matthäus, der wegen seines Berufes zu den Verfemten gehört und jetzt glücklich ist, dass Jesus das nicht stört und ihn trotzdem in seine Gruppe beruft. Und dann die Frommen von außen, denen es gar nicht um Gott und seine Gebote geht, sondern nur darum, recht zu behalten und die in ihren Augen Bösen und Ungerechten anzuklagen. Und mittendrin Jesus, der eine mehr als gute Begründung für sein Handeln hat. Er hörte es und sagt: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Da steht es also, schwarz auf weiß: Nicht das Erfüllen von Gesetzen und Kirchengeboten ist die Norm und das, was Jesus will. Er will, dass wir barmherzig sind – ein liebevolles, gütiges Herz haben gegen jede Frau und jeden Mann.
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In meinem Sommerurlaub war ich zu einem Ordensjubiläum in einer entfernten Stadt eingeladen. Also habe ich mir auf dem Navi die verschiedenen Streckenvorschläge angeschaut, die ich nehmen konnte um dorthin zu kommen. Für den Hinweg habe ich eine fast reine Autobahnstrecke ausgewählt, weil ich auf keinen Fall zu spät kommen wollte. Und das hat auch wunderbar funktioniert. Ich bin locker und gelassen am frühen Morgen auf fast leeren Straßen gefahren und nach zwei Stunden gut angekommen. Für die Rückfahrt habe ich dann den Weg über den Harz ausgewählt, den ich mir morgens nicht getraut hätte. Und mein Gefühl war richtig. Mein Navi hat mich treu geleitet, aber der ganze Harz war gefühlt voller Straßensperren wegen Umbauarbeiten und Umleitungen. Aber ich hatte Zeit und keinen Druck, war ja, nach einem wunderschönen Fest, auf dem Heimweg und es war ein wunderbar heller schöner Sommerabend. Also habe ich die Fahrt genossen und bin Strecken gefahren, die ich seit Jahrzehnten nicht gefahren bin. Das hat viele Erinnerungen geweckt und ich bin in Gedanken auf ganz neuen und anderen Spuren unterwegs gewesen. Und am Ende bin ich froh und zufrieden nach nur einer halben Stunde länger als morgens zuhause angekommen und habe noch tagelang über neu bewusst Gewordenes nachgedacht. Wenn ich Zeitdruck gehabt hätte, wäre das in Stress ausgeartet und ich wäre voll genervt angekommen. Umleitungen, Straßensperren und rote Ampeln können echt nervig sein und mir in der Hektik des Alltags noch mehr den Tag verderben. Sie können aber auch alte Wege deutlich erinnern und neu erleben lassen. Man muss es sich schonmal schenken lassen und darauf vertrauen, dass es sein Gutes hat.
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Am Sonntag hat es hier in Olpe gemuggelt. Nein, nein, nicht Harry Potter war hier zugange, sondern kleine Plastiksteine spielten eine Rolle, die dem Kirchweihfest seit 50 Jahren den Namen gegeben haben. Ein junger Kaplan und eine Handvoll Jugendliche hatten die Idee, dem Kirchweihfest eine neue Richtung, eine neue Weite zu geben. Also gab es ein paar Buden und Spielstände und das Zahlungsmittel waren Muggel, die man auf der Muggelbank erwerben und mit denen man bezahlen konnte. Was daraus geworden ist, konnte man damals nicht erahnen. Im Laufe der 50 Jahre ist daraus eine Riesenaktion geworden, die viele hundert Erwachsene, Jugendliche und Kinder in die Vorbereitung einbezieht. Und es geht um den Einsatz für die EINE Welt. Ordensleute, die aus Olpe stammen und in Afrika, in Indien und in Brasilien wirken, werden für ihre Projekte unterstützt und es entsteht ein Geben und Nehmen. Straßenkinder, Fischer, perspektivlose junge Leute bekommen eine Idee und konkrete Hilfen für ihre Zukunft. Und Jugendliche hier aus Olpe können dort lernen, was Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet. In diesem goldenen Jubeljahr war dann ein Gottesdienst auf dem Marktplatz, bei dem ein brasilianischer Bischof ein Kinderlied gesungen und ein Priester den Text übersetzt hat, wo 50 Gemeindemitglieder in 50 Gedanken diese Zeit Revue passieren ließen und eine Ministerin die Grüße und guten Wünsche der Landesregierung überbracht und die Menschen für ihr großes Engagement für den nahen und fernen Nächsten sehr gewürdigt hat. Und am Nachmittag haben viele tausend Menschen dieses Fest besucht und sehr genossen und die Kinder, die die vielen Spielstände betreut haben, hatten Spaß ohne Ende und man sah am Abend nur glückliche Gesichter. Hier haben alle sehr deutlich gespürt, dass Christsein nur authentisch ist, wenn es das Evangelium hört und dann mit Hand und Fuß und Herz und Hand in die Tat umsetzt. Es ist sehr gelungen und wenn in ein paar Woche alles abgerechnet und gezählt ist, werden wieder viele tausend Euro in die Projekte der Einen Welt fließen und die Menschen hier vor Ort sich schon wieder auf die Muggelkirmes – das Kirchweihfest im kommenden Jahr freuen.
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In der Lesung am heutigen Morgen werden drei Verse aus dem Buch Judith gelesen. Wenn man aber die Umstände dieses Textes weiß, bleibt einem fast die Luft weg vor Bewunderung. Durch die Belagerung ihrer Stadt Betulia, den Mangel an Wasser und Lebensmitteln, sind die Bewohner und die Ältesten mutlos und ängstlich geworden und stellen Gott ein Ultimatum. Sie wollen noch fünf Tage durchhalten und wenn er, ihr Gott, dann nicht eingreift, werden sie ihre Stadt den Feinden übergeben. Judith hört davon und ist entsetzt. Sie weiß genau, dass man Gott vertrauen, ihn aber nicht auf die Probe stellen darf. Und so spricht sie mit den Ältesten, erklärt ihnen ihren Plan und die Männer sind von ihrer Weisheit und ihrem Mut so überzeugt, dass sie dem zustimmen. Aus diesem Gespräch sind die Zeilen unserer Lesung, in denen sie sehr überzeugt und glaubend sagt, dass man Gott doch danken muss, dass er ihnen traut und ihren Glauben prüft. Die Weisheit, der Mut und die Kraft dieser Frau wird den Heerführer töten, die Belagerung beenden und den Frieden wiederherstellen. Nicht nur Judith ist überzeugt, dass Gott seinen Menschen die Kraft gibt, die sie brauchen, um in seinem Dienst und im Dienst an den Menschen Dinge zu tun, die eigentlich nicht zu schaffen sind. Und jede und jeder von uns kennt Geschichten von Menschen, die in ihrer Zeit und in ihrer Situation im Vertrauen auf Gott gehandelt, und die Dinge zum Guten geändert haben. Ob es nun Heilige oder Staatslenker, ob es Gründer von Hilfsorganisationen oder Väter oder Mütter waren, die in scheinbar ausweglosen Situationen ihre Familien gerettet und ganze Städte vor dem Ende bewahrt haben. Nicht Gott ein Ultimatum stellen, sondern so auf ihn vertrauen, dass wir selbst Kraft und Energie bekommen, das zu tun, was heute dran ist. Danke Judith, Du Frau vor mehr als 2000 Jahren!
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Über Schmerzen redet man im Allgemeinen nicht. Man tut etwas dagegen und wenn man es nicht mehr ignorieren kann, geht man doch zum Arzt. Manchen sieht man ihre Schmerzen und Beschwerden echt an und wenn man ins Gespräch kommt, ist man verwundert, was manche Leute aushalten müssen und es auch tun, oft ohne zu klagen. Für viele Christen ist die trauernde Gottesmutter Maria unter dem Kreuz ihres sterbenden Sohnes der Inbegriff des Schmerzes und des Mitleidens. Und jede Mutter, jeder Vater kann sich bei Kummer und Leid um ihre Kinder in dieses Bild der schmerzhaften Mutter hineinversetzen. In den Schriften des neuen Testamentes ist von den sieben Schmerzen Marias die Rede, die sie im Laufe ihres Lebens mit ihrem Sohn gelitten hat. Die Weissagung Simeons bei der Darstellung Jesu im Tempel, ihr, seiner Mutter, werde "ein Schwert durch die Seele dringen". Die Flucht vor dem Kindermörder Herodes nach Ägypten. Der Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel von Jerusalem und die drei Tage dauernde Suche nach ihm. Die Begegnung mit ihrem Sohn auf dem Kreuzweg. Das Aushalten unter dem Kreuz Jesu. Die Kreuzabnahme Jesu, in der Kunst dargestellt als "Pietà" und die Grablegung. Und wenn ich diese sieben Schmerzen anschaue, dann ist mir so klar, warum so unendlich viele Menschen im Laufe der Geschichte genau zu Maria ihre Zuflucht genommen haben: Weil sie gespürt haben, diese Frau hat so viel Schmerz und Leid erlebt und durchgehalten, ihr können wir unser Leid klagen. Sie wird uns verstehen. Dieses Bild der Pietà, der Mutter, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hat und in ihren Gesichtszügen alles Leid der Welt zu haben scheint, wird zum Sinnbild für alles Leid der Mütter auch heute noch: die mit ihren Kindern auf die Flucht gehen müssen, die auf der Suche sind nach ihren entführten oder verschwundenen Kindern, die viele Kreuzwege ihrer Kinder mitgehen in Krankheit oder schweren Lebensproblemen, die bei ihnen bleiben bis zum Tod und selbst an den Gräbern die Hoffnung nicht aufgeben, dass das Leben nicht im Grab endet sondern in der Herrlichkeit des menschgewordenen Gottes.
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"Kreuzerhöhung" steht als Überschrift über diesem Tag und die Kirche denkt an die Erhöhung des aufgefundenen Kreuzes Jesu um 335. Es ist seitdem ein Kreuz mit dem Kreuz. Es wird zum Symbol und Erkennungszeichen der Christen und der Menschen, die in den christlichen Kirchen an ihn, den Auferstandenen glauben. Das Kreuz und der Tod konnten ihn nicht festhalten, weil er Mensch geworden ist um die Menschen aus dem unvermeidlichen Tod zum neuen, immerwährenden Leben zu führen. Das Kreuz wurde im Laufe der zwei Jahrtausende vom Bekennerzeichen zum Modeartikel, vom Architekturmodell für Klosterkirchen und Dome zum Folterinstrument bis in heutige Tage, vom höchsten Punkt auf Bergen und Gipfeln zum verschämt versteckten Brustkreuz von Bischöfen beim Besuch in Jerusalem, vom normalen Accessoire in jeder Wohnung zum Anstoß auf dem wiedererrichteten Stadtschloss in Berlin, vom Geschenkartikel zum Hassobjekt und Ziel von Spott und Hohn. Was bedeutet Ihnen das Kreuz, das Sie an der Kette um den Hals tragen, in Ihrer Wohnung an der Wand oder über der Tür? Wann haben Sie es zuletzt mal intensiv angesehen? Ich habe seit vielen Jahren ein Kreuz mit dem Corpus des Leidenden und gestorbenen Christus in meinem Zimmer hängen. Und während einer Fahrt nach Assisi habe ich mir ein Kreuz von San Damiano gekauft, das seinen Platz in meinem Büro hat. Diese Art von Kreuz kennen viele Leute, da es in typischer Tafelmalerei hergestellt und schön bunt ist. Da ist Christus dargestellt mit offenen Armen und offenen Augen der mich anschaut und mit dem ich ins Gespräch komme. Und ich spüre schon sehr, welchen Unterschied das für mich macht. Das ist es, glaube ich: Christus ist für uns Menschen in den Tod gegangen, damit wir zukünftig das Leben haben, aber er will mittendrin in unserem Leben sein und im Gespräch mit uns bleiben. Denn durch sein heiliges Kreuz hat er die Welt erlöst und will, dass wir es verstehen, glauben und leben, damit wir Leben in Fülle haben.  
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Einmal im Monat treffen wir uns zum Bibelgespräch. Wir, dass sind Mitglieder unserer Weggemeinschaft und wir Schwestern im Konvent. Wir nutzen die Form des Bibel-Teilens, das in Basisgemeinden in Südafrika entstanden ist. Wir lesen das Evangelium des kommenden Sonntags, lassen es auf uns wirken, benennen die Worte oder Verse, die uns heute, jetzt, ansprechen, begeistern oder ärgern, kommen dazu in den Austausch, überlegen dann, was das für unser tägliches Leben in den nächsten Tagen bedeuten kann und schließen dann mit einem erneuten Lesen des Textes und einem Gebet mit Segen. Und wir stellen immer wieder fest, dass es Ideen und Erkenntnisse aus dem Text gibt, die uns selbst noch nie eingefallen wären. Und wir spüren immer neu, dass man nicht Fachleute für Exegese oder Theologie sein muss, um sich auf einen Evangelientext einzulassen. Das sich berühren und ansprechen lassen ist zunächst viel wichtiger. Beim Evangelium des kommenden Sonntags geht es um das vergeben können und barmherzig sein, weil auch der Vater im Himmel mit uns barmherzig ist. Und bei unserem Gespräch ging es am Ende um die Geduld. Irgendwie war das plötzlich der Hauptpunkt. Der Schuldner bittet den König um Geduld, weil er alles bezahlen werde. Und eine Mitschwester hat es für sich und damit für uns alle, sehr schön auf den Punkt gebracht: "Ich bitte um Geduld bei Gott, der meine Schwäche sieht und mich trotzdem annimmt. Ich bitte um Geduld, bei meinen Mitmenschen, die mit meinen Ticks und Macken zurechtkommen müssen, auch wenn ich mich bemühe sie abzustellen oder zumindest abzumildern. Und ich bitte mich selber um Geduld mit mir und dem, was ich an mir noch nicht gut annehmen und akzeptieren kann." Und wenn alle Teilnehmerinnen an diesem Gespräch am kommenden Sonntag das Evangelium in der Eucharistiefeier hören werden, werden uns genau diese Dinge wieder erinnert werden und der Gedanke, Gott, die Mitmenschen und mich selbst immer wieder um Geduld zu bitten.
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Seit mehr als eineinhalb Jahren wird das Nachbarhaus innen und außen saniert. Entkernen der drei Etagen war zunächst angesagt und man hat als Nachbarn nicht so viel mitbekommen. Klar, die Container mit den unterschiedlichen Abfallprodukten standen vor dem Haus und manchmal polterte es ganz schön. Aber zunächst sah das alles gar nicht so wild aus, aber dann war klar, dass die Dachbalken verfault waren und der Dachstuhl runter musste und ein ganz neues Dach aufgebaut werden muss. Und das war dann ein echtes Riesenwerk mit Kran und Straßensperrung und Stau und Drama. Und jetzt klopft es den ganzen Tag. Wie es hier in der Gegend üblich ist, werden die Dächer nicht mit roten Ziegeln einfach belegt, sondern mit Schiefer vernagelt. Schindel für Schindel mit mehreren Hammerschlägen. Und abends kann ich dann den Fortgang sehen und die sorgfältige Arbeit und ein eingearbeitetes Muster. Dann bin ich begeistert. Bei vielen Dingen, die wir so über den Tag tun, sehen wir meist so schnell kein Ergebnis. Mit Energie und Ausdauer dranbleiben ist dann gar nicht so leicht. Wir beten zum Beispiel täglich mehrere Gebetszeiten, lesen und hören das Tagesevangelium, halten stille Zeiten zur Anbetung Gottes, beten die Tischgebete und Fürbitten, den Rosenkranz, andere Gebetsformen. Aber wo und wie sehe ich ein Ergebnis, erkenne ich ein Muster, sehe ich Erfolg? Vor vielen Jahren war ich wahrscheinlich schonmal klüger und habe in ein paar kleine Verse gefasst, was beten ist: "Beten ist wie Brücken bauen von mir zu Gott von mir zum Anderen – glaube ich. Beten ist wie Samen ausstreuen wenn er ausgestreut ist braucht es Geduld, aber es wächst die Frucht – hoffe ich. Beten ist wie balancieren auf dem Regenbogen, der ausgespannt ist als Zeichen des Bundes denn ER – liebt mich." Glauben, Hoffen und Lieben ist das tägliche Hämmern und Klopfen und Gott ist es, der alles im Muster zusammenfügt. Denke ich.
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Brände in Griechenland und anschließend Wasserfluten ungeahnten Ausmaßes. Die Waldbrände in Kanada haben Flächen vernichtet, von denen wir überhaupt keine Vorstellung haben. In Slowenien haben Fluten unendliche Zerstörungen und viel Leid über die Menschen gebracht und ich könnte immer noch mehr aufzählen. Der Sommer war und ist immer noch heiß und weltweit zu trocken und wir ahnen, dass etwas geschehen muss, wenn unser schöner blauer Planet nicht verbrennen und vertrocknen soll. Als Kind und Jugendliche habe ich noch die Flurprozessionen erlebt, die singend und betend über die Felder gezogen sind und Gott um Bewahrung vor schädlichem Wetter und um eine gute Ernte gebeten haben. Das ist auch bis heute nicht falsch aber es reicht nicht, wenn wir gleichzeitig zu viel Wasser verschwenden, Schadstoffe in die Luft jagen und schon im Juli den Anteil der Rohstoffe verbrauchen, den Mutter Erde in einem ganzen Jahr für uns ersetzen kann. Das eine tun und das andere nicht lassen ist zu allen Zeiten ein gutes Motto für uns Menschen und Christen. Tun, was in unseren Kräften und Möglichkeiten steht und dann Gott um seine Hilfe und seinen Segen bitten. Er wird es tun.
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Hmm... Meine Corona-Warn-App zeigt rot, aber alle Tests sind negativ. Mein Osterkaktus blüht jetzt schon, aber bis Ostern ist noch lange hin. 125 engagierte Mitarbeitende in der Kirche haben "OutInChurch" über ihre sexuelle Orientierung berichtet und die Diskriminierung durch die leitenden Menschen der Kirche. Und plötzlich geben Generalvikare und Bischöfe ganz andere Signale. Eine Oberin beklagt, dass wir in schwierigen Zeiten leben, aber durch unsere Ordensgeschichte weiß ich, dass es nie leichte Zeiten gab. Und dann denken wir in der Kirche heute an Johannes Bosco. Als Priester in Turin lernt er um 1880 die Schatten der Industrialisierung kennen. Er lebt, wie viele junge Menschen auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in die Stadt ziehen, dort aber auf der Straße oder im Gefängnis landen. Ihnen zu helfen wird sein Lebenswerk. Unermüdlich und gegen unglaubliche Widerstände tritt der Priester und Pädagoge Jugendarbeitslosigkeit, Analphabetentum, Kinderarbeit und Ausbeutung junger Menschen ganz stark entgegen. Mit Vernunft, Liebe und Glaube bereitet er die Jugendlichen darauf vor, mitverantwortliche Bürger und frohe Christen zu werden. Mit seiner pädagogisch pastoralen Arbeit setzt Don Bosco Maßstäbe. Er ist überzeugt davon, dass in jedem jungen Menschen ein guter Kern steckt. Revolutionär zu damaliger Zeit war sein Erziehungsstil, der auf Liebenswürdigkeit, Einsicht, Glaube und Prävention setzt, statt auf harte Strafen. Sein Mut und sein Optimismus stecken an. Viele der Jugendlichen, die er betreut, wollen sich mit ihm engagieren. Und so gründet er mit ihnen und für sie eine Gemeinschaft, die genau das tun wird. Menschen in den Verwirrungen und Schwierigkeiten des Lebens begleiten, erziehen, ermutigen. Lassen wir uns heute ermutigen, in all dem Durcheinander dessen, was im Moment geschieht und aus dem unglaublichen Beispiel Don Boscos für unseren Tag sein schönstes Wort mitnehmen, das in allen Zeiten gültig bleibt, wenn er sagt: "In allen Schwierigkeiten des Lebens bleibt uns trotzdem immer: Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen."
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Liebe Abonnentinnen und Abonnenten des Morgenimpulses von Schwester Katharina. Katharina macht zur Zeit ihren wohlverdienten Urlaub und ist ab Mitte September wieder da. Bis dahin finden Sie alle bisherigen Morgenimpulse in der Mediathek von DOMRADIO.DE. In unserer App und unter DOMRADIO.DE/podcasts finden Sie alle unsere Podcasts. Und wenn Sie Schwester Katharina in den sozialen Medien folgen, finden Sie dort auch jeden Tag ein Zitat für den Tag.
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