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  3. Pearl Harburg - Deutschland nach 9/11 Podcast

Episoden

38 Minuten
In der fünften Folge von „Pearl Harburg – Deutschland nach 9/11“ geht es um die Auswirkungen, die bis heute spürbar sind – und darum, was Deutschland aus 25 Jahren Terrorismusbekämpfung gelernt hat: Welchen Preis darf und sollte eine Gesellschaft für mehr Sicherheit zahlen?

Der junge, rebellische Behnam, der kurz nach 9/11 eine Demo gegen die militärische Eskalation in Afghanistan organisiert hat, studiert Islamwissenschaft. Danach geht er zum Hamburger Verfassungsschutz, will sich aktiv auch gegen die Radikalisierung junger Menschen einsetzen: „Wenn dir das so wichtig ist, in einer Demokratie zu leben, dann solltest du vielleicht auch deinen Anteil dazu beitragen, diese Demokratie zu festigen und zu verteidigen“.

Als Islamwissenschaftler mit afghanischem Familienhintergrund sieht er sich als Brückenbauer zwischen der deutschen und der migrantischen Gesellschaft. Behnam beobachtet islamistische Netzwerke, die sich damals neuerdings im Internet austauschen, in Foren, auf Social Media: „Es war eine Zeit wilder Westen des Dschihadismus“, erinnert sich Behnam. Und er setzt sich für Präventionsangebote für junge Muslime ein.

Aus dem 11. September entstehen viele neue Wunden: im Krieg in Afghanistan und bei neuen Terroranschlägen – verübt von neuen Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat. Und: Auf den Hass der Attentäter folgt auch Hass in der Gesellschaft, eine Zunahme rassistischer Äußerungen und Übergriffe.

Mit seinem deutschen Nachnamen Heidenreuter bleibt Behnam manches erspart, was sein Cousin Obeid Said, Apotheker in Hamburg und seit mehr als 30 Jahren deutscher Staatsbürger, erlebt, etwa intensivere Kontrollen am Flughafen: „Ich habe mal gefragt, womit das überhaupt zu tun hat. Dann haben die gesagt, das ist Ihr Name. Said. Es kann nicht sein, dass ich dann immer zehn Minuten mehr mit einkalkuliere“.

Er hat inzwischen einen Plan B. Für den Fall, dass die AfD in Deutschland an die Regierung kommt. Auch die Juristin Homaira Hakimi, die ebenfalls als Kind aus Afghanistan nach Deutschland kam, erzählt von einem Notfall-Rucksack, ihrem stets vollgetankten Auto und der Angst ihres Vaters, erneut fliehen zu müssen. Gleichzeitig weigert Hakimi sich, die Hoffnung aufzugeben: „Mir gibt Hoffnung, wenn ich mein Sohn mit seinen Freunden sehe, wie sie zusammen spielen, ihre Sprachen mixen. Das ist wirklich die Bandbreite von allen Religionen, Sprachen und Farbtönen“. Sie stünden für ein vielfältiges Deutschland.

Die Folge blickt außerdem auf die Opfer und die Angehörigen, die mit ihrer Trauer weiterleben. Am Ground Zero erinnert Host Konstanze Nastarowitz an Christian, dessen Schwester Sibylle Dircks in Hamburg bis heute über ihn spricht. Ihre Botschaft: Der Hass darf nicht gewinnen.

NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den Anschlägen“

https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=ph

ARD Doku: „September“:

https://1.ard.de/september?pc

Podcast-Empfehlung: „punktEU – Der Europa-Podcast von WDR 5“

https://1.ard.de/punkteu?cross-promo
39 Minuten
In dieser Folge geht es um die junge Hamburger Anwältin Gül Pinar, die nach 9/11 einen Riesenfall bekommt: Gemeinsam mit einem Kollegen verteidigt sie den Terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi. Er soll die sogenannte Hamburger Zelle rund um Mohammed Atta unterstützt, Studiengebühren und andere Rechnungen übernommen und damit Lebensverhältnisse verschleiert haben, so die Bundesanwaltschaft. Die Anklage: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen.

Gül Pinar erinnert sich, wie sie ihren Mandanten im Gefängnis in Celle besucht, bei höchster Sicherheitsstufe, „mit so einer Trennscheibe, was ja für terroristische Verfahren üblich ist“. Mit ihrem Kollegen arbeitet sie sich durch mehr als 100 Akten, die drei Regale füllen. Mangelnde Kooperation der US-Justiz erschwert ihr die Arbeit.

Der Verfahrensausgang ist überraschend, gerade weil das Urteil so anders ausfällt als im ersten Hamburger 9/11-Prozess. Dort hatten die Richter gegen den Terrorverdächtigen Mounir Al Motassadeq die Höchststrafe verhängt. Das Verfahren gegen Gül Pinars Mandanten Mzoudi fällt in eine Zeit, als der „War on Terror“ in Deutschland kritisch beäugt und der Militäreinsatz im Irak durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder abgelehnt wird.

Vom weltweit ersten 9/11-Prozess im Gerichtssaal 237 in Hamburg gegen Motassadeq erzählt Gerichtsreporterin Elke Spanner – und von der großen internationalen Aufmerksamkeit dafür: „Man wollte natürlich, dass Hamburg die Attentäter, die in der Vorbereitung eingebunden waren, natürlich dann auch hart aburteilt dafür. Entweder klären wir hier gerade ein Weltereignis auf und verurteilen jemanden, der für dieses Weltereignis verantwortlich ist. Oder hier passiert gerade ein großes Unrecht, weil der wirklich nur eine Banküberweisung getätigt hat.“

Sie erinnert sich an Besonderheiten im Prozess: Als Nebenkläger sagen Angehörige von 9/11-Opfern aus. „Normalerweise versucht man, die Prozesse eher nicht so emotional werden zu lassen“, sagt Elke Spanner – um die Stimmung vor dem Urteil nicht zu stark gegen die Angeklagten kippen zu lassen.

Die Folge zeigt, wie groß der politische Druck nach den Anschlägen war – und warum Gerichte trotzdem unabhängig entscheiden müssen. Es geht um die Frage, wann aus einem Freundschaftsdienst eine strafbare Unterstützung wird, was Mzoudi über die Pläne der Attentäter wusste – und wie die Anwältin sich auch noch Jahre später rechtfertigen muss: Dafür, dass sie jemanden wie Mzoudi verteidigt hat.

NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den Anschlägen“

https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=ph

Podcast-Empfehlungen:

„ARD Crime Time – Der True Crime Podcast“

https://1.ard.de/Crimetime-Sudo

„Gerichtssaal 237. True Crime aus dem Strafgericht“

https://1.ard.de/237?cp=911
36 Minuten
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist die Angst in Deutschland groß. Im Bundesinnenministerium spekulieren Fachleute über mögliche weitere Gefährdungslagen: Von entführten Kreuzfahrtschiffen oder Anschlägen auf Chemieanlagen ist in Sitzungsprotokollen die Rede.

Als erstes Bundesland beginnt Hamburg mit der Rasterfahndung. Denn mehrere Attentäter wohnten in der Stadt. Im Landeskriminalamt ist Andreas Lohmeyer für den Bereich „Gefahrenabwehr“ zuständig. Er will mit der Rasterfahndung potenzielle Schläfer finden und Anschläge verhindern: „Es gibt in dieser Stadt eben nicht nur diese paar Menschen, die das vorbereitet haben, sondern es gibt hier Netzwerke. Dann entsteht natürlich ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass hier in dieser Stadt noch jede Menge Gefahren schlummern können.“

Angeordnet wird die Rasterfahndung vom damaligen Innensenator und späteren Bundeskanzler Olaf Scholz. Daten von z.B. Universitäten und Einwohnermeldeämtern werden zusammengeführt, um Menschen mit bestimmten Merkmalen zu finden. Gesucht werden Männer zwischen 18 und 40 Jahren, Studenten oder ehemalige Studenten, mit islamischer Religionszugehörigkeit und Geburtsländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. Einer, der damals von der Polizei besucht wird, ist Obeid Said, im Herbst 2001 Pharmaziestudent in Hamburg: „Alle, die arabischstämmig, afghanischstämmig waren, haben schon ein mulmiges Gefühl gehabt, dass sie vielleicht auch in Verdacht kommen würden.“ Und so ist es auch bei ihm: Zwei Polizisten befragen ihn – ob er oft betet, welche Kontakte er ins Ausland hat und wie er seine Zukunft plant. Said ist danach sehr verunsichert. Ob er wegen der Rasterfahndung besucht wurde oder wegen anderer Hinweise, ist bis heute unklar.

Nach und nach wird die Kritik an der Rasterfahndung lauter, manche Unis stellen sich schützend vor ihre Studierenden und weigern sich, Daten herauszugeben. Denn mit den Maßnahmen geraten Muslime bestimmter Länder unter Generalverdacht. Auch Homaira Hakimi erlebt die Zeit nach 9/11 als Einschnitt. Als Jurastudentin ist sie an der Uni Osnabrück im AStA engagiert. Sie wird plötzlich zur Ansprechpartnerin für besorgte Kommilitonen, die Angst vor Abschiebung haben. Manche trauen sich nicht mehr, Geld an ihre Familien zu überweisen, da das falsch verstanden werden könnte. Sie stammt selbst aus Afghanistan, kennt das Gefühl, zum Sündenbock gemacht zu werden - bis heute. Auch die Anwältin Gül Pinar setzt sich für muslimische Studenten ein und zieht in Hamburg vor Gericht.

Die Folge erzählt von Sicherheitsbedenken, Datenschutz und den Folgen gesellschaftlichen Misstrauens – und zeigt, wie sich politische Entscheidungen konkret auf Menschen auswirken.

NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den Anschlägen“

https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=ph

Podcast-Empfehlung: „Dark Matters: Staatsgeheimnis 9/11 – Die Saudi-Connection“

https://1.ard.de/ndrinfo_staatsgeheimnis

Bundesinnenministerium zu Terrorgefahr gem. Bundesarchiv Koblenz, BArch, B 106/360579
37 Minuten
Kurz nach den Anschlägen in den USA wird bekannt, dass drei der 9/11-Attentäter in Hamburg gelebt haben. Die WG in der Marienstraße 54 in Hamburg-Harburg gerät in den Mittelpunkt weltweiten Interesses. Welche Unterstützer hatten sie in Hamburg?

In Folge 2 von „Pearl Harburg – Deutschland nach 9/11“ geht Konstanze Nastarowitz zurück in die sogenannte „Terrorstraße“. 2026 wirkt sie vollkommen gewöhnlich: beige Fassaden, Alt- und Neubauten. Doch die Erinnerungen sind noch präsent: Der LKA-Beamte Andreas Lohmeyer steckt nach 9/11 plötzlich in Terrorermittlungen mit durchwachten Nächten: „Das war eine ganz furchtbare Mischung aus Trauer, Wut, Betroffenheit, Verzweiflung. Wenn Sie wissen, es gibt eine immer noch unsichtbare Bedrohung möglicherweise, dann gibt es natürlich ein sehr ausgeprägtes Gefühl von: ‚Für euch alle bin ich in meiner Rolle mitverantwortlich‘“. Im LKA entsteht eine „ungeheure Betriebsamkeit“, Lohmeyer arbeitet gemeinsam mit Bundeskriminalamt, Generalbundesanwalt und FBI an der Aufklärung.

Hamburg ist „geeint in Trauer und Fassungslosigkeit“, erzählt US-Generalkonsulin Susan Elbow, die bei einer Gedenkveranstaltung auf dem Rathausmarkt eine Rede hält. Sie erinnert sich auch an die Sorge um den Ruf der Hansestadt und den Versuch der Handelskammer, das gute Image von Hamburg in den USA zu erhalten - durch eine ganzseitige Anzeige in der New York Times.

Für Sibylle Dircks wird das amerikanische Generalkonsulat zu einem Ort der Trauer und der verzweifelten Hoffnung bis zuletzt: Sie hängt dort eine Vermisstenanzeige für ihren Bruder auf, der ausgerechnet am 11. September beruflich im World Trade Center zu tun hatte, im 106. Stock. Sie gibt die Hoffnung nicht auf.

Der deutsch-afghanische Schüler Behnam empfindet bei der kollektiven Trauer und Solidarität mit den USA auch ein gewisses Störgefühl: „Ich erinnere mich daran, dass die Schülerschaft sich so ein bisschen in migrantische und nicht-migrantische Kinder und Jugendliche in dieser Frage spaltete“. Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte aus ähnlichen Ländern wie die Attentäter fühlen sich auf einmal unter Rechtfertigungsdruck. Gleichzeitig sehen sie in den USA nicht den schützenden Bruder, sondern das Land, das für Krieg und Gewalt in ihren Heimatländern verantwortlich ist. Behnam organisiert spontan eine Demo: Gegen die geplante US-Militäraktion in Afghanistan.

NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den Anschlägen“

https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=ph

Podcast-Empfehlung: „Weltspiegel Podcast“

https://1.ard.de/weltspiegel_podcast?p=ph
36 Minuten
Wer am 11. September 2001 alt genug war, erinnert sich an den Moment, als man von den Anschlägen erfahren hat. Als die Welt die Bilder von den brennenden Türmen live im Fernsehen verfolgt hat. Podcast-Host Konstanze Nastarowitz ist 2001 sieben Jahre alt. Sie bekommt zwar mit, dass die Erwachsenen mit gedämpften Stimmen reden und ständig der Fernseher läuft. Doch erst viel später wird ihr klar, dass sich an diesem Nachmittag die Welt verändert.

In Folge 1 erzählen wir, wie verschiedene Menschen in Hamburg den 11. September erleben, welche Wirkung die Bilder der Anschläge auf sie haben. Wir sprechen mit einem LKA-Ermittler, einem Apotheker mit afghanischen Wurzeln, einer US-Generalkonsulin und einer Hamburgerin, deren Bruder in den USA lebt.

Als das zweite Flugzeug ins World Trade Center einschlägt, erkennt Andreas Lohmeyer, stellvertretender Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität im Hamburger Landeskriminalamt: „Da kann man nicht aus Versehen reinfliegen.“ Für Andreas Lohmeyer und seine Kollegen beginnt in den Tagen nach dem 11. September "ein nicht enden wollender Horrorfilm". Auch Susan Elbow, US-Generalkonsulin in Hamburg, steht plötzlich im Mittelpunkt – und unter besonderem Schutz: Als Amerikanerin mit offiziellem Amt gilt sie als gefährdet. 

Sibylle Dircks` Bruder lebt in den USA und ist ausgerechnet zu dieser Zeit beruflich in New York. Während Sibylle in Hamburg versucht, ihren Alltag fortzusetzen, wartet sie auf ein Lebenszeichen.

Der angehende Apotheker Obeid Said ist als Kind aus Afghanistan nach Hamburg geflohen. Nach dem 11. September hat er den Eindruck, dass sich etwas ändert. Dass er plötzlich als Muslim wahrgenommen wird, als möglicher Terrorverdächtiger. Die Bilder aus New York erinnern ihn an Gewalt und Anschläge in seiner Heimat: „Jetzt holt uns das wieder ein. Man ist geflohen vor solchen Dingen. Und dann ist das doch auf einmal allgegenwärtig.“

NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den Anschlägen“

https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=ph

Podcast-Empfehlung: „Berlin Code – mit Linda Zervakis“

kurz.ard.de/berlincode

Bundesinnenministerium zu Schutz für US-Generalkonsulin gem. Bundesarchiv Koblenz, BArch, B 106/360581, Blatt 376
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Über diesen Podcast

Der 11. September 2001 – 9/11 – ist 25 Jahre her. In „Pearl Harburg: Deutschland nach 9/11“ wollen wir verstehen, was dieser Tag heute noch bedeutet – für uns, die jüngeren Generationen, heute. Wir klären, welche Rolle Hamburg – als Wohnort der Todespiloten – spielt. Und sprechen mit Menschen, die dieser Tag bis heute prägt – trauernde Angehörige, Hamburger Fahnder und Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die damals plötzlich ins Visier geraten, misstrauisch beäugt werden. Was hat mit diesem Tag angefangen und welche Spuren hat der Terror von 9/11 hinterlassen – mitten unter uns, in Deutschland? Alle fünf Folgen findet ihr in ARD Sounds und überall, wo ihr gerne Podcasts hört.
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„Pearl Harburg - Deutschland nach 9/11“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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