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In dieser Folge geht es um die junge Hamburger Anwältin Gül Pinar,
die nach 9/11 einen Riesenfall bekommt: Gemeinsam mit einem
Kollegen verteidigt sie den Terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi.
Er soll die sogenannte Hamburger Zelle rund um Mohammed Atta
unterstützt, Studiengebühren und andere Rechnungen übernommen und
damit Lebensverhältnisse verschleiert haben, so die
Bundesanwaltschaft. Die Anklage: Mitgliedschaft in einer
terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000
Fällen.

Gül Pinar erinnert sich, wie sie ihren Mandanten im Gefängnis in
Celle besucht, bei höchster Sicherheitsstufe, „mit so einer
Trennscheibe, was ja für terroristische Verfahren üblich ist“. Mit
ihrem Kollegen arbeitet sie sich durch mehr als 100 Akten, die drei
Regale füllen. Mangelnde Kooperation der US-Justiz erschwert ihr
die Arbeit.

Der Verfahrensausgang ist überraschend, gerade weil das Urteil so
anders ausfällt als im ersten Hamburger 9/11-Prozess. Dort hatten
die Richter gegen den Terrorverdächtigen Mounir Al Motassadeq die
Höchststrafe verhängt. Das Verfahren gegen Gül Pinars Mandanten
Mzoudi fällt in eine Zeit, als der „War on Terror“ in Deutschland
kritisch beäugt und der Militäreinsatz im Irak durch den damaligen
Bundeskanzler Gerhard Schröder abgelehnt wird.

Vom weltweit ersten 9/11-Prozess im Gerichtssaal 237 in Hamburg
gegen Motassadeq erzählt Gerichtsreporterin Elke Spanner – und von
der großen internationalen Aufmerksamkeit dafür: „Man wollte
natürlich, dass Hamburg die Attentäter, die in der Vorbereitung
eingebunden waren, natürlich dann auch hart aburteilt dafür.
Entweder klären wir hier gerade ein Weltereignis auf und
verurteilen jemanden, der für dieses Weltereignis verantwortlich
ist. Oder hier passiert gerade ein großes Unrecht, weil der
wirklich nur eine Banküberweisung getätigt hat.“

Sie erinnert sich an Besonderheiten im Prozess: Als Nebenkläger
sagen Angehörige von 9/11-Opfern aus. „Normalerweise versucht man,
die Prozesse eher nicht so emotional werden zu lassen“, sagt Elke
Spanner – um die Stimmung vor dem Urteil nicht zu stark gegen die
Angeklagten kippen zu lassen.

Die Folge zeigt, wie groß der politische Druck nach den Anschlägen
war – und warum Gerichte trotzdem unabhängig entscheiden müssen. Es
geht um die Frage, wann aus einem Freundschaftsdienst eine
strafbare Unterstützung wird, was Mzoudi über die Pläne der
Attentäter wusste – und wie die Anwältin sich auch noch Jahre
später rechtfertigen muss: Dafür, dass sie jemanden wie Mzoudi
verteidigt hat.

NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den
Anschlägen“

https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=ph

Podcast-Empfehlungen:

„ARD Crime Time – Der True Crime Podcast“

https://1.ard.de/Crimetime-Sudo

„Gerichtssaal 237. True Crime aus dem Strafgericht“

https://1.ard.de/237?cp=911
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„Angeklagt (4/5)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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