In der fünften Folge von „Pearl Harburg – Deutschland nach 9/11“
geht es um die Auswirkungen, die bis heute spürbar sind – und
darum, was Deutschland aus 25 Jahren Terrorismusbekämpfung gelernt
hat: Welchen Preis darf und sollte eine Gesellschaft für mehr
Sicherheit zahlen?
Der junge, rebellische Behnam, der kurz nach 9/11 eine Demo gegen
die militärische Eskalation in Afghanistan organisiert hat,
studiert Islamwissenschaft. Danach geht er zum Hamburger
Verfassungsschutz, will sich aktiv auch gegen die Radikalisierung
junger Menschen einsetzen: „Wenn dir das so wichtig ist, in einer
Demokratie zu leben, dann solltest du vielleicht auch deinen Anteil
dazu beitragen, diese Demokratie zu festigen und zu
verteidigen“.
Als Islamwissenschaftler mit afghanischem Familienhintergrund sieht
er sich als Brückenbauer zwischen der deutschen und der
migrantischen Gesellschaft. Behnam beobachtet islamistische
Netzwerke, die sich damals neuerdings im Internet austauschen, in
Foren, auf Social Media: „Es war eine Zeit wilder Westen des
Dschihadismus“, erinnert sich Behnam. Und er setzt sich für
Präventionsangebote für junge Muslime ein.
Aus dem 11. September entstehen viele neue Wunden: im Krieg in
Afghanistan und bei neuen Terroranschlägen – verübt von neuen
Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat. Und: Auf den Hass
der Attentäter folgt auch Hass in der Gesellschaft, eine Zunahme
rassistischer Äußerungen und Übergriffe.
Mit seinem deutschen Nachnamen Heidenreuter bleibt Behnam manches
erspart, was sein Cousin Obeid Said, Apotheker in Hamburg und seit
mehr als 30 Jahren deutscher Staatsbürger, erlebt, etwa intensivere
Kontrollen am Flughafen: „Ich habe mal gefragt, womit das überhaupt
zu tun hat. Dann haben die gesagt, das ist Ihr Name. Said. Es kann
nicht sein, dass ich dann immer zehn Minuten mehr mit
einkalkuliere“.
Er hat inzwischen einen Plan B. Für den Fall, dass die AfD in
Deutschland an die Regierung kommt. Auch die Juristin Homaira
Hakimi, die ebenfalls als Kind aus Afghanistan nach Deutschland
kam, erzählt von einem Notfall-Rucksack, ihrem stets vollgetankten
Auto und der Angst ihres Vaters, erneut fliehen zu müssen.
Gleichzeitig weigert Hakimi sich, die Hoffnung aufzugeben: „Mir
gibt Hoffnung, wenn ich mein Sohn mit seinen Freunden sehe, wie sie
zusammen spielen, ihre Sprachen mixen. Das ist wirklich die
Bandbreite von allen Religionen, Sprachen und Farbtönen“. Sie
stünden für ein vielfältiges Deutschland.
Die Folge blickt außerdem auf die Opfer und die Angehörigen, die
mit ihrer Trauer weiterleben. Am Ground Zero erinnert Host
Konstanze Nastarowitz an Christian, dessen Schwester Sibylle Dircks
in Hamburg bis heute über ihn spricht. Ihre Botschaft: Der Hass
darf nicht gewinnen.
NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den
Anschlägen“
https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=ph
ARD Doku: „September“:
https://1.ard.de/september?pc
Podcast-Empfehlung: „punktEU – Der Europa-Podcast von WDR 5“
https://1.ard.de/punkteu?cross-promo
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