In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Frage, ob wir wirklich immer wissen müssen, wie unser Lebensweg weitergeht. Ich erzähle dabei von meiner eigenen Entwicklung: Früher war mein Leben sehr stark von Planung, Organisation und Struktur geprägt. Ich war teilweise drei bis sechs Monate im Voraus ausgebucht und wusste genau, welche Termine, Kurse und Veranstaltungen auf mich zukommen würden. Diese festen Strukturen gaben mir Sicherheit und Orientierung. Sie waren für mich wie Leitplanken, innerhalb derer ich mich bewegen konnte.
Heute erlebe ich mich deutlich anders. Ich befinde mich gerade in der Vorbereitung auf den Jakobsweg und weiß überhaupt nicht genau, was mich dort erwartet. Ich weiß nicht, wie es mir körperlich gehen wird, was ich tatsächlich brauchen werde oder welche Erfahrungen auf mich zukommen. Auch wenn ich viele Bücher lesen oder die Erfahrungen anderer Menschen anhören würde, könnte ich meine eigene Reise nicht vollständig planen. Es ist meine persönliche Erfahrung, die ich Schritt für Schritt machen muss. Genau darin liegt für mich die Herausforderung, aber auch die Möglichkeit, mich auf das Unbekannte einzulassen.
Daraus entsteht für mich die Frage, ob wir in unserem Leben vielleicht weniger versuchen sollten, alles mit dem Kopf zu kontrollieren. Vielleicht dürfen wir uns stärker dem Fluss des Lebens anvertrauen und akzeptieren, dass wir nicht immer wissen müssen, wie es weitergeht. Statt den gesamten Weg zu kennen, kann es ausreichen, wenn wir wissen, was unser nächster Schritt ist und ob sich dieser für uns sicher und richtig anfühlt.
Als Beispiel erzähle ich von einer Wanderung in der Schweiz. Meine Freundin nahm mich mit in die Berge, obwohl ich als Norddeutsche nicht an solche Höhen und schwierigen Wege gewöhnt bin. Besonders der Aufstieg an einem der letzten Tage brachte mich an meine körperlichen Grenzen. Ich wusste zeitweise nicht, ob ich das Ziel überhaupt erreichen würde. Trotzdem ging ich weiter, Schritt für Schritt. Oben angekommen, erwartete mich ein wunderschöner See, an dem Menschen gemeinsam picknickten und die Natur genossen. Anschließend musste ich denselben Weg wieder zurückgehen, was mir ebenfalls gelang.
Dabei lernte ich, wie wichtig es ist, nicht ständig zu hetzen. Meine Freundin zeigte mir, dass man beim Wandern seinen eigenen Rhythmus finden, Pausen machen und die Umgebung bewusst wahrnehmen kann. Wenn ein schöner Moment entsteht, darf man stehen bleiben und ihn genießen. Erst wenn dieser Moment sich rund und vollständig anfühlt, geht man weiter. Für mich wird diese Erfahrung zu einem Bild für das gesamte Leben. Wir sind es gewohnt, schnell zu sein und ständig weiterzumachen. Häufig halten wir diesen Stress sogar für normal. Erst wenn eine Krankheit oder eine andere schwierige Situation uns dazu zwingt, langsamer zu werden, nehmen wir uns die Zeit für Pausen.
Ich stelle deshalb die Frage, ob wir wirklich erst durch Krisen lernen müssen, innezuhalten. Vielleicht können wir bereits vorher bewusster mit unserer Zeit umgehen und akzeptieren, dass wir nicht sofort wissen müssen, wie es in unserer Beziehung, unserem Beruf, unserer Selbstständigkeit, mit unseren Kindern oder unserer Gesundheit weitergeht.
Ich ermutige dazu, den Kopf gelegentlich leiser zu stellen und stärker in sich hineinzufühlen. Statt ausschließlich nach äußeren Regeln, Erwartungen und gesellschaftlichen Vorstellungen zu leben, können wir uns fragen, wie wir unser Leben tatsächlich gestalten möchten. Daraus kann sich der nächste Schritt ergeben, ohne dass wir bereits den gesamten Weg kennen müssen.
Am Ende lade ich dazu ein, über die eigene Ungewissheitstoleranz nachzudenken. Vielleicht gibt es einen Lebensbereich, in dem wir krampfhaft an Sicherheit festhalten, obwohl wir etwas längst loslassen möchten.
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