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  3. DUNKEL – Wahre Verbrechen aus der Geschichte Podcast

Episoden

30 Minuten
Leipzig im Jahr 1928 ist eine Stadt der extremen Kontraste, geprägt vom Lärm der Webstühle und dem Dunst der Braunkohle. Inmitten der überfüllten Mietskasernen des Westens verschwindet ein kleines Mädchen namens Lena. Während die tönende Messestadt Zehntausende Besucher empfängt, bleibt der Hilfsarbeiter Kasimir Landowski mit seiner Verzweiflung allein. Ein Kind aus einer polnischen Migrantenfamilie gilt in der Hierarchie der Weimarer Republik wenig. Die Suche nach Spuren führt heute ins Leere, denn wo ein Verbrechen an den Unsichtbaren geschah, blieb die Tinte der Chronisten oft trocken. Es existiert kein Aktenzeichen, kein vergilbtes Foto und kein offizielles Protokoll über das Schicksal dieses Mädchens.





Die Leere in den Archiven erzählt eine Geschichte über das administrative Erbe der Zwischenkriegszeit. Das System der Kriminalpolizei war technisch modern, doch seine Ressourcen waren streng nach sozialem Wert verteilt. Ein polnischer Arbeiter galt den Behörden oft als verdächtig oder schlichtweg als Belastung, seine Kinder als statistisches Rauschen. Wenn Anzeigen mit dem Vermerk des wahrscheinlichen Weglaufens abgelegt wurden, endete die staatliche Fürsorge an der Schwelle der Armut. Es war eine Struktur, die das Schweigen der Unterklasse voraussetzte und Tragödien durch bürokratische Ignoranz auslöschte. Das Verschwinden der Akten ist somit kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Gesellschaft, die das Elend der Fremden aktiv wegah.





Nach dieser Episode wird die Wahrnehmung von historischer Überlieferung eine andere sein. Es geht nicht um die Rekonstruktion eines Tathergangs, sondern um die Konfrontation mit dem Nichts. Wer diese Erzählung hört, begreift, dass Geschichte immer nur von jenen handelt, die es wert waren, aufgeschrieben zu werden. Die Stille im Archiv offenbart die Grausamkeit einer Ordnung, die Menschen durch bloßes Nichtbeachten aus der Zeit tilgen konnte. Es ist eine Einladung, den Blick auf die Lücken zwischen den Zeilen der großen Historie zu richten und zu verstehen, dass das größte Verbrechen manchmal darin besteht, dass niemand sich die Mühe machte, es zu dokumentieren.


16 Minuten
Carl Großmann verkaufte das Fleisch seiner Opfer als frische Wurst und Hackfleisch an den Ständen des Schlesischen Bahnhofs. In den Hungerjahren 1918‑1921 kauften hungrige Berliner das Fleisch unwissentlich und aßen Menschenfleisch, das sich in den Gassen der Stadt verteilte. 





Wir zeigen, wie das Elend und die Inflations‑Krise das Verbrechen ermöglichten: ein unsichtbarer Wursthändler, Nachbarn, die den Gestank nur als Schlachtgeruch abtaten, und eine überlastete Polizei, die das Verschwinden armer Frauen als Selbstmord abtat. Der Hörer erfährt, warum das System die Opfer nicht sah und welche kleinen Details – von Fliegen über morsche Mietskasernen bis hin zu rauchenden Öfen – die grausame Serie erst möglich machten. 





Marie Nitsche, die erst einen Tag nach ihrer Haftentlassung von Großmann erstickt wurde, bleibt stumm.
17 Minuten
Im Mai 1809 mischte Anna Zwanziger heimlich Arsen, damals als „Mueckenstein“ verkauft, in das Salzfass des Kammeramtmanns Georg Wilhelm Gebhard in Sanspareil. Monatelang verzehrte die Familie jedes Gericht, bis eine Magd das weiße Pulver im Fass bemerkte und den Verdacht meldete. Der Apotheker bestätigte daraufhin dreißig Gramm reines Arsen in dem drei Pfund schweren Fass – das Salz, das täglich über den Tisch ging, war ein stiller Todesspender. 





Hörer erhalten ein detailreiches Bild, wie alltägliche Küchenutensilien – ein Bierkrug, ein Zucker‑Löffel oder das unscheinbare Salzfass – zu tödlichen Waffen wurden, während das Königreich Bayern im Napoleons‑Krieg versank. Wir zeigen, warum die Behörden das Wiederkehren von Erbrechen und Durchfall ignorierten, welche gesetzlichen Lücken das ungezügelte Handeln einer einzigen Magd ermöglichten und welche Rollen Geldnot, Krieg und fehlende Forensik dabei spielten. 





Margaretha Barbara Sabine Gebhard schrie in ihren letzten Stunden: „Um Gottes Willen! Ihr habt mir Gift gegeben!“.


19 Minuten
Am 19. April 1960 wurden die Leichen von Dr. Otto Praun und seiner Haushälterin Elfriede Kloo in Prauns Villa bei Pöcking gefunden. Neben Praun lag eine Pistole und die Polizei bezeichnete den Vorfall sofort als erweiterten Suizid. Erst nach einer von Prauns Sohn Günther angeforderten Exhumierung kam eine zweite Kugel im Schädel Prauns ans Licht – ein unwiderlegbarer Hinweis, dass kein Selbstmord möglich war. 





In dieser Episode enthüllen wir, wie lückenhafte Spurensicherung, das Trinken von Cognac am Tatort und das Auslassen grundlegender Autopsien den Fall jahrelang als Selbsttötung tarnten. Wir folgen den Spuren von Fingerabdrücken, der ungewöhnlich langen Leichenstarre und den politischen Verstrickungen, die den Prozess gegen Vera Brühne und Johann Ferbach prägten, und zeigen, warum das Justizsystem einen Doppelmord beinahe unentdeckt ließ. 





Die Stimme des ersten Sohnes Günther Praun, der die zweite Kugel forderte, blieb erst nach Jahren ungehört.


42 Minuten
Am 12. April 1919, kurz nach dem Waffenstillstand, wartet ein kahlköpfiger Mann mit rotbraunem Bart vor einem Pariser Schreibwarengeschäft. Der leichte Regen reflektiert das schwache Licht der Laternen, während Marie Lacoste die Visitenkarte prüft, die ihr sofort die ganze Tragödie ankündigt.





In dieser Folge wird der Aufstieg des französischen Serienmörders Henri Désiré Landru beleuchtet, dessen Betrügereien zwischen 1915 und 1919 während des Ersten Weltkriegs Tausende von Marks aus den Ersparnissen alleinstehender Witwen schwemmten. Die Ermittlungen der Sûreté, ausgelöst durch das wachsame Auge von Marie Lacoste, führen durch ein Netz aus falschen Heiratsanzeigen, kargen Nachrichten und einer geheimen Liste von elf namenlosen Opfern. Der soziale Kontext des Krieges – rationierte Güter, erschöpfte Polizeikräfte und die allgegenwärtige Einsamkeit der Frauen, die auf ein Versprechen hofften – wird dabei eindringlich nachgezeichnet.





Die Geschichte wirft nach wie vor Fragen nach den stillen Opfern des Krieges und dem Versagen staatlicher Strukturen auf. Warum blieb das Ausmaß von Landrus Verbrechen so lange im Schatten, und welches Echo hat es heute auf das französische Justizsystem? Die Episode erinnert daran, wie tief Krieg und Verbrechen miteinander verwoben sein können.


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Über diesen Podcast

Manche Verbrechen verschwinden in den Akten. Manche Namen werden vergessen. DUNKEL holt sie zurück. In jeder Folge erzählen wir einen Fall aus der Geschichte – präzise, atmosphärisch, ohne Sensationslust. Echte Menschen, echte Orte, echte Fehler eines Systems das zu oft weggeschaut hat. DUNKEL ist kein Podcast über Monster. Es ist ein Podcast über die Welt die Monster möglich macht – und über die Menschen die in ihr verschwunden sind. Neue Folgen erscheinen regelmäßig. Für alle die zuhören wollen, was die Geschichte lieber verschweigt.
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„DUNKEL – Wahre Verbrechen aus der Geschichte“

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