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Episoden

41 Minuten
Essence und Catrice gehören zu den erfolgreichsten Beauty-Brands auf TikTok weltweit, ebaut von einem deutschen Familienunternehmen mit gerade einmal 900 Mitarbeitenden. Thorsten Mühl, CDMO von Cosnova, erzählt, wie das Unternehmen mit Produktfokus, einer eigenen Content-Produktion und einer pragmatischen AI-Strategie gegen Konzerne wie L'Oréal bestehen und warum sie bewusst auf AI-generierte Menschen in ihrem Content verzichten.

Key Takeaways

Cosnova zeigt, dass ein fokussiertes, produktgetriebenes Familienunternehmen mit unter 1.000 Mitarbeitenden gegen milliardenschwere Konzerne bestehen kann.

TikTok wird bei Cosnova nicht nur als Marketingkanal, sondern als unternehmensweites "Betriebssystem" für Trend- und Produktentwicklung genutzt.

Die AI-Strategie begann mit ethisch-moralischen Leitplanken, nicht mit der Technologie selbst, u. a. der bewussten Entscheidung, keine AI-generierten Menschen im Content zu zeigen.

Hohe Tool-Adoption (95% bei Cosnova GPT) erzeugt allein noch keinen Business Value entscheidend waren strukturiertes Upskilling und das dezentrale Champions-Programm.

Der größte Hebel für AI liegt laut beiden Gesprächspartnern nicht in schnelleren E-Mails, sondern in Produktentwicklung, Operations und Prozessoptimierung.

Authentizität ("Realness") wird zunehmend zum Differenzierungsmerkmal gegenüber AI-generiertem Content.

Buchempfehlung

"The Creative Act" (dt. "Die Kunst, kreativ zu sein") von Rick Rubin

Schreibt uns eure Wünsche und euer Feedback an mail@talespod.com.

LinkedIn:

Thorsten und Elisabeth
43 Minuten
Warum Meta seine Algorithmen nicht ändern will, was KI mit unseren Feeds macht und weshalb Elisabeth für eine Einschränkung von Infinite Scrolling und ist.

In Folge 96 von Tech & Tales spricht Elisabeth mit Gavin Karlmeier, Journalist und Social-Media-Experte. Gavin ist außerdem Host des Podcasts „Haken dran“, in dem er sich regelmäßig mit den Entwicklungen der digitalen Welt beschäftigt.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Social-Media-Plattformen unsere Aufmerksamkeit binden - und warum es so schwer ist, sie wieder loszulassen. Anlass sind die Klagen gegen Meta, die Rolle von Empfehlungsalgorithmen und die Frage, ob Regulierung tatsächlich etwas verändern kann.

Themen der Folge:

Meta und die Klagen zum Jugendschutz: Warum ein Vergleich kein Schuldspruch ist und was die Plattformen tatsächlich verändern

Warum die Empfehlungsalgorithmen das eigentliche Problem sind - und weshalb Meta sein Kerngeschäft Werbung schützen will

Infinite Scrolling, Autoplay und Push-Notifications: Wie Plattformen unsere Aufmerksamkeit binden

Social Media und Sucht: Warum Elisabeth für Einschränkungen statt eines pauschalen Verbots ist

Der Digital Services Act und die Frage, ob die EU sich von den Tech-Konzernen zu sehr unter Druck setzen lässt

KI-Chatbots und Life Advice: Warum Elisabeth eine stärkere Regulierung für Minderjährige fordert

Wenn Chatbots zu viel werden: Wie Menschen sich in KI-Bots verlieren und dafür sogar immer wieder neue Tokens kaufen

KI-Slop auf LinkedIn und Instagram: Warum die Plattformen langsam merken, dass Nutzerinnen und Nutzer genug davon haben

Die Rückkehr der Authentizität: Warum menschlicher Content vielleicht wieder zum Qualitätsmerkmal wird

Was Gavin an der Zukunft von Social Media beobachtet - und warum er sich trotzdem nicht vom Doom Scrolling verabschieden kann

Schreibt uns eure Wünsche und euer Feedback an mail@talespod.com.

LinkedIn:Gavin und Elisabeth

Further reading:

Haken dran - Gavin Karlmeier - Spotify

Digital Services Act - DSA

Pangram-Studie zu KI-generierten Inhalten auf Social Media - Pangram

Infinite Slop
42 Minuten
FINN-CTO und Mitgründer Andreas Stryz erklärt, wie sein Team seit Tag eins radikal automatisiert, warum er Scrum am liebsten abschaffen würde und wie ein elfköpfiges Business-Automation-&-AI-Team dezentral mehr bewirkt als jeder Chief AI Officer.

Bevor "AI-first" zum Buzzword wurde, war FINN schon "automation native" – seit der Gründung 2019. In dieser Folge spricht Elisabeth L'Orange mit Andreas Stryz, CTO und Mitgründer des Auto-Abo-Unicorns FINN, darüber, wie das Unternehmen zwischen 2022 und 2024 den Umsatz von 3,2 auf 444 Millionen Euro katapultiert hat, größtenteils durch Automatisierung statt durch klassisches Personalwachstum. Andreas erzählt, warum er ein dediziertes "Business Automation & AI Manager"-Team (BAAM) in jeder Abteilung verankert hat, wieso 98% aller Code-Reviews bei FINN inzwischen von KI gemacht werden, warum er Scrum am liebsten abschaffen würde und wie seine Agenten Edgar, Mr. Meeseeks, Cora, Hasso und Sally im Alltag arbeiten.

Themen & Timestamps:

01:01 – Wer ist Andreas Stryz: Physiker, Informatiker, FINN-Mitgründer seit 2019

01:23 – FINNs Geschäftsmodell und warum operative Komplexität zur "Automation Native"-DNA führte

02:22 – Das Mantra "Engineering for Efficiency" statt Engineering um des Engineerings willen

03:14 – Unicorn-Status, 140 Mio. € Series D, Umsatzsprung von 3,2 auf 444 Mio. € (2022–2024)

05:11 – Das BAM-Team: Business Automation (& AI) Manager – Entstehung, Rolle, warum jede Abteilung eine/n braucht

07:08 – Warum Andreas den klassischen "Chief AI Officer"-Ansatz für einen Fehler hält

08:21 – Die Faustregel für AI vs. deterministische Automatisierung: "Braucht es einen Menschen für die Aufgabe?"

10:55 – Der "Singularitäts-Moment" im Oktober/November 2025: Coding-LLMs drehen durch

12:47 – Kompletter Reorg des Tech-Departments, das Ende von Scrum als Ziel

15:32 – Career-Development-Framework, neue Rollenbilder, "Identitätskrisen" im Team

18:11 – Die Tool-Reise: OpenAI, Claude, Relevance AI, Lindy, Gemini – und was übrig blieb

19:27 – 98 % aller Pull Requests werden von KI reviewt; die neue Rolle des Platform Engineers

22:02 – SaaS-Spend-Governance: die 500-Euro-Schwelle und das CTO-Office als Kontrollinstanz

23:04 – Die drei größten KI-Hotspots: Engineering, Customer Care, Marketing

23:37 – FINNs Agenten im Detail: Edgar (Daten/BI), Mr. Meeseeks (Second-Level Support), Cora (Recruiting), Hasso (Finance/SAP), Sally (Customer Care, bald mit Voice)

26:14 – Warum Voice-AI auf Deutsch lange nicht gut genug war

27:28 – Die "Corporate-Falle": warum große Konzerne bei Tool-Entscheidungen strukturell zu langsam sind

30:41 – FINNs Flotte: 80.000 Fahrzeuge insgesamt, 50.000+ aktuell aktiv, eigene Leasingbank plus ABS-Finanzierung

32:00 – Marktanteil (~2 % der deutschen Neuzulassungen) und warum FINN auf Deutschland statt internationale Expansion setzt

33:12 – Die große Vision: Personalkosten in Nicht-Personalkosten umwandeln, um resilienter gegenüber externen Schocks zu sein

34:58 – KI-Hype, Bubble-Sorgen und menschliche Arroganz gegenüber Maschinen

37:45 – Exkurs: Care by Volvo verlässt den Abo-Markt – und warum FINN bei der Endabrechnung bewusst auf Marge verzichtet (NPS über 30)

40:11 – Buchempfehlung: die Carlsen "Baby Pixi"-Bücher

Gast: Andreas Stryz ist CTO und Mitgründer von FINN, Deutschlands führender Auto-Abo-Plattform (Unicorn seit 2025). Er ist theoretischer Physiker und Informatiker und verantwortet bei FINN Softwareentwicklung, Produktmanagement, Data sowie Business Automation & AI.
37 Minuten
Mit Felix Schlenther (AI First) über zwei echte AI-First-Case-Studies: wie Duolingo trotz massivem Shitstorm 18% Umsatzwachstum holte und wie der Versicherungsriese Ping An seit 2017 mit KI seine gesamte Wertschöpfungskette automatisiert.

Shownotes

In der 94. Folge von Tech & Tales ist Stammgast Felix Schlentner (Gründer von AI First und Host des gleichnamigen Podcasts) wieder zu Gast als Fortsetzung ihrer Doppelfolge mit AI First. Diesmal geht es weg von der Theorie, hin zu zwei handfesten Case Studies echter AI-First-Transformationen.

Im Zentrum stehen zwei Unternehmen, die AI First nicht nur ausgerufen, sondern konsequent umgesetzt haben mit sehr unterschiedlichen Wegen dorthin:

Duolingo artikulierte 2025 öffentlich seine AI-First-Strategie und geriet damit in einen der größten Backlashes im öffentlichen KI-Diskurs – kurz nach dem Klarna-Shitstorm. CEO Luis von Ahn kündigte an, externe Content-Ersteller durch KI zu ersetzen, weil die manuelle Content-Produktion nicht mehr skalierte. Trotz Nutzerprotesten wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 18,3% auf 1,21 Milliarden Dollar, die Nutzerzahlen legten deutlich zu. Elisabeth und Felix ordnen ein, warum das Produkt (Stichwort: der KI-Sprachcoach "Max"-Plan und die Personalisierungs-Engine "Birdbrain") der größte Hebel war, welche Rolle Personalisierung und schnelles A/B-Testing spielten, und ziehen Parallelen zu anderen Personalisierungs-Cases aus dem E-Commerce (BonPrix, About You).

Ping An Insurance, eine der größten Versicherungen der Welt mit Sitz in Shenzhen, zeigt den Gegenentwurf: eine seit 2017 gewachsene, tief in Prozesse und Infrastruktur eingebettete KI-Transformation. Von automatisierter KFZ-Schadenserkennung per Foto über die Risikoplattform "Eagle X" bis zu einer Bearbeitungszeit, die von 6 auf 1,2 Minuten sank – Ping An hat nach eigenen Angaben 100% KI-Abdeckung in Kernprozessen und 80 % höhere Betriebseffizienz erreicht. Im Gespräch geht es auch um die Kehrseite: steigender Versicherungsbetrug durch KI-generierte Schadensbilder (Beispiel Aviva/UK) und die Frage, wie Versicherer KI gegen KI verteidigen.

Weitere Themen: die drei AI-First-Säulen People, Processes, Product; warum horizontale Foundation-Model-Anbieter zunehmend in vertikale Use Cases wie Education vordringen könnten; und warum beide zum Abschluss wieder mehr mit Stift und Papier statt KI-Tools arbeiten.

Timestamps (ungefähr):

00:00 – Intro & Vorstellung Felix Schlentner

01:20 – Was bedeutet "AI First"? Die drei Säulen People, Processes, Product

02:20 – Case Study 1: Duolingo kündigt AI-First-Strategie an

04:00 – Der Shitstorm: Reaktionen von Nutzern und Community

05:20 – Die Zahlen: Umsatz-, Nutzer- und Wachstumszahlen im Detail

09:00 – Vom Kurs zum KI-Sprachcoach: der Max-Plan

11:00 – Hyperpersonalisierung: Parallelen zu BonPrix und About You

21:50 – Wie nachhaltig ist Duolingos Vorsprung gegenüber ChatGPT & Co.?

26:00 – Case Study 2: Ping An Insurance – seit 2017 auf AI First

29:00 – KI in der Schadensregulierung: Fotos, Betrug und das Wettrüsten der Modelle

39:00 – Die Ping-An-Zahlen: Bearbeitungszeiten, Underwriting, Risikoabfangrate

43:20 – Empfehlung der Folge & Abschluss

Gäste & Links

Felix Schlenther - Gründer AI First, Host des AI First Podcast

Referenzierte Vorfolge: AI-First-Doppelfolge im AI First Podcast - Spotify

KI-Einsatz bei Duolingo- Warum der CEO die Kritik unterschätzte -  T3N

AI bogus insurance claims - The Guardian
24 Minuten
In dieser Solo-Folge blickt Elisabeth zurück auf mehrere Wochen bei ihrer Familie in den USA und zieht eine nüchterne Bilanz darüber, wo KI wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich gerade wirklich steht.

Datencenter & Klima

Die USA zählen inzwischen über 5.400 Datencenter, Deutschland überraschend viele auf Platz zwei. Amazon plant in Texas eine der größten Anlagen der USA mit 35 Gasturbinen – und wäre damit einer der größten Emittenten des Landes. Studien zeigen: Selbst im Worst Case überwiegt der klimatische Nutzen der KI die Emissionen der Infrastruktur, die sie antreibt.

Die zirkuläre Ökonomie

Nvidia investiert Milliarden in OpenAI, damit OpenAI wiederum Nvidia-Chips kaufen kann. Ähnliche Verflechtungen gibt es zwischen Alibaba und Moonshot AI in China. Elisabeth ordnet ein, warum diese Deals wirtschaftlich fragwürdig, aber Symptom einer völlig neuen Investitionslogik sind.

Die großen Wetten der Tech-Konzerne

Google, Microsoft, Meta und Amazon haben branchenweit rund 450 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investiert – mit spürbaren Folgen: Alphabet verzeichnete erstmals seit Jahren einen negativen Cashflow, die Schulden von Amazon und Alphabet sind massiv gestiegen. Larry Fink (BlackRock) hält dagegen: Es werde eher zu wenig investiert.

Arbeitsmarkt: Apokalypse oder Wandel?Elisabeth widerspricht den regelmäßigen Alarmrufen von Dario Amodei zur baldigen Auslöschung von White-Collar-Jobs und stützt sich auf aktuelle Zahlen: mehr Paralegals, mehr Radiologen, mehr Softwareentwickler seit ChatGPTs Launch. Gartner-Prognosen zufolge entstehen ab 2030 sogar mehr Jobs durch KI, als wegfallen. Schwieriger wird es vor allem für Einstiegspositionen.

Regulierung: Ein föderaler Flickenteppich

Ohne bundesweites KI-Gesetz regeln einzelne US-Bundesstaaten wie Kalifornien, Colorado, Texas, Illinois und Utah eigene Vorgaben – von Transparenzpflichten bis zum Schutz vor nicht einvernehmlichen KI-generierten Bildern (Minnesota). Ein einheitliches Bundesrahmengesetz (GAAIA) steckt fest.

Modell-Wettrüsten

Parallel dazu tobt der Wettbewerb um die besten und günstigsten Modelle weiter. Claude Fable 5 führt aktuell mit 80,3 % im SWE-Bench Pro Coding-Benchmark.

Ausblick

Elisabeth freut sich auf den für den Herbst erwarteten Anthropic-IPO und auf die nächste Doppelfolge mit ihrem Stammgast Felix Schlenter über KI-First-Strategien und erfolgreiche Case Studies aus der Praxis.

Further reading:

Studie zur KI-Energie Bilanz - Colab

LinkedIn:

Elisabeth

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Über diesen Podcast

Tech & Tales – der Podcast von KI-Expertin Elisabeth L'Orange. Wir erzählen die Geschichten hinter den Technologien. Wir präsentieren Innovationen lange bevor der Hype seinen Peak erreicht und wir erklären Entdeckungen aus Wissenschaft und Forschung – aktuelle News und Analysen. Von Künstlicher Intelligenz über Robotic, MedTech, ClimateTech bis hin zu den verrücktesten Idee der Wissenschaft. Wir geben Einordnungen, kennen den neusten Gossip aus dem Silicon Valley, sind kritisch und optimistisch.
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