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313 Episoden
10 Minuten
Gleiche Rechte für Männer und Frauen gibt es in westlichen Gesellschaften noch nicht lange, und wo es sie gibt, wollen immer mehr Männer das Rad zurück drehen. Chancengleicheit gibt es in vielen Situationen immer noch nicht. Länder in denen Frauen sich unterordnen müssen, Kulturen in denen Frauen rechtlos sind, gibt es immer noch viel zu viele. Vor diesem Hintergrund trifft ROSE besonders hart. Der einzige Weg für eine Frau, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, ist die Hose – also sich als Mann auszugeben. Mit allem, was das bedeutet: im Krieg kämpfen, Bären töten, alleine Verantwortung zu tragen. Rose schafft das alles, sie „steht ihren Mann“. Aber irgendwann kommt man ihr durch einen Zufall auf die Schliche. Und die patriarchale Gesellschaft nimmt grausam Rache … Starke Inszenierung in düsterem Schwarzweiss mit einer schon wieder so intensiven Sandra Hüller, dass einem die Luft wegbleibt. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Johanna, Hendrik und Thomas.
17 Minuten
Marianne ist die reichste Frau der Welt, hat das Kosmetikimperium ihres Vaters geerbt, in dem sie immer noch das Wort führt. Wirklich lebendig fühlt sie sich nicht mehr. Das ändert sich als der Fotograf Pierre auftaucht. Er wickelt Marianne um den Finger, wirbelt alles durcheinander und beleidigt jeden schon mit dem ersten Satz. Als er an Mariannes Vermögen will, schreitet ihre Tochter ein und es entbricht ein erbitterter Streit. Die Handlung ist inspiriert von der Bettencourt-Affäre (deren politische Dimension bleibt aber fast vollständig außen vor).

Der Film entscheidet sich nicht ganz, was er erzählen will: Eine Schelmengeschichte? Eine Sozialsatire? Ein Mutter-Tochter-Drama? Von allem steckt etwas in diesem Film, dem leider ein echter Spannungsbogen fehlt. Zum Teil kitschig inszeniert, hält oft nur Isabelle Huppert als arrogante und dem realen Leben entrückte Marianne den Film zusammen. Ganz stark in einer Nebenrolle: Raphaël Personnaz als Butler Jérôme Bonjean. Im Podcast direkt nach dem Kino sprechen wir über starke Szenen („Sind wir hier in Afrika?“) und schache Dramaturgie. Am Mikrofon: Johanna, Tom und Thomas.
12 Minuten
Auf den ersten Blick wirkt THEY LIVE heute trashig, ein Low-Budget-Film, gerade zu Beginn langsam wie ein Film der 70er, immer wieder durchsetzt mit den typischen, ruppigen und unterkomplexen Sprüchen der 80er. Mit fast vierzig Jahren Abstand wirkt er manchmal wie ein unfreiwillig komisches B-Picture, manchmal wie eine Parodie oder sogar eine Dekonstruktion des SF-Dystopie-Genres.

Im Mittelpunkt steht Nada, ein einfacher Kerl, der neu in der Stadt ist und einen Job auf dem Bau sucht. Eine passende Rolle für Wrestling-Star Roddy Piper. Und Nada glaubt noch daran, dass dass jeder, der seine Arbeit ordentlich macht, in den USA eine Chance bekommt. Erst als er eine ganz besondere Sonnenbrille findet, entdeckt er, dass Ausserirdische die Kontrolle übernommen haben. Durch die Brille kann er sie mit ihren hässlichen Fratzen erkennen und er sieht auch, dass Werbung und Unterhaltung unbewusst wahrgenommene Befehle beinhalten: Konsumiere! Gehorche! Nada entscheidet sich, die Ausserirdischen um jeden Preis aufzuhalten und ihren Fake News-Sender Fox News, sorry, Cable 54 abzuschalten.

I have come to chew bubble gum and kick ass, and I’m all out of bubble gum.

Auf dieser Ebene ist THEY LIVE heute mindestens genauso aktuell wie 1988: Was von Carpenter als augenzwinkernde Kritik an der rücksichtslosen Wirtschaftspolitik von Ronald Reagan gedacht war, passt heute erschreckend gut zum demokratiefeindlichen Hyperkapitalismus der Techbros. Thiel, Musk und Altman sind heute die „Ausserirdischen“, die mit Hilfe einer kleinen überreichen Elite aus Wirtschaft und Politik die Kontrolle übernehmen wollen. Für sie ist der Staat nur noch eine äußere Hülle im Dienst ihrer Gewinnmaximierung.

Im Podcast direkt nach dem Kino sprechen wir unter anderem über das Multitalent Carpenter und über seine Weitsicht, nicht nur den Hyperkapitalismus sondern auch Verelendung, Fake News, Drohnenangriffe und die Klimakatastrophe aufzugreifen. Wr fragen uns, ob es am Ende eine positive Botschaft gibt und sind uns sicher: THEY LIVE ist trotz seiner trashigen Elemente auf jeden Fall ein Wiedersehen wert. Am Mikrofon: Heidi, Harald und Thomas.
10 Minuten
Kulturgeschichte richtig erzählt ist immer auch politische Geschichte. In LIEBE D-MARK UND TOD lernen wir nicht nur die Lieder der Gastarbeiter kennen. Wir kommen ihnen nah, ihrem Heimweh, ihrer Einsamkeit in einer Gesellschaft, die sie bis heute nicht willkommen geheißen hat. Cem Kaya zeigt uns auch die ausgelassenen türkischen Feiern, die Gurbetçi-Lieder, die Superstars, die außerhalb der türkischen Community niemand kennt – von den ersten Musikern in den 1960er Jahren bis zu den harten Rappern.

Im Film porträtiert werden unter anderem Yüksel Özkasap, Aşık Metin Türköz, Derdiyoklar, Ozan Ata Canani, Cem Karaca, Fresh Familee, King Size Terror, Islamic Force, Cartel und Muhabbet. Im Podcast direkt nach dem Kino diskutieren wir über die verlorene Generation, die glaubte mit ihren Eltern in die Türkei zurückkehren zu müssen, über Fremdenhass und Anschläge auf türkische Familien und über die großartige Musik. Am Mikrofon mit dem ersten Eindruck: Bettina und Thomas.

Die Dokumentation ist eine Koproduktion mit WDR, rbb und ARTE – hier in der ARD Mediathek anschauen.
14 Minuten
TOUKI BOUKI ist der erste afrikanische Film, den wir hier bei SchönerDenken schauen und über unserer ersten Eindruck sprechen. Es war höchste Zeit. Der Film von Djibril Diop Mambéty aus dem Jahr 1973 gilt aus Meilenstein des afrikanischen Kinos. Im Mittelpunkt steht ein junges Paar: Der Viehhirte Mory, dessen Motorrad Rinderhörner schmücken und Anta, eine Studentin, die ihren ganz eigenen Weg gehen will. In ihrem Freiheitsdrang scheinen die Beiden unaufhaltsam zu sein. Die nötigsten Mittel stehlen sie, bis sie die Tickets in die große Welt in den Händen halten. Ihr Ziel: Paris.

So nachvollziehbar und linear, wie es sich hier liest, erzählt Mambety seine Geschichte nicht. TOUKI BOUKI ist fragmentarisch, schneidet mutig Bilder von Rinderschlachtung dazwischen, springt wild in den lückenhaften Erzählebenen. Harter Bild- und Tonschnitt halten das Publikum wach. „Bouki“ steht in der Sprache Wolof für eine Figur wie Loki, die trickst und täuscht und so an ihr Ziel kommt, Das spiegelt sich in der sprunghaften und eigenwilligen Inszenierung wieder. Dazu dröhnt unaufhörlich das Lied „Paris, Paris, Paris“ und Maria Callas singt Mozart. Eine Avantgarde-Perle, mit nur 30.000 Dollar unabhängig produziert.

Im Podcast sprechen wir über die starken Darsteller Magaye Niang (Mory) und Mareme Niang (Anta), über den Pool des Sugar Daddys, über Anta an Bord des Schiffs, über den Einfluss der Nouvelle Vague und über den Mut des Regisseurs. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Johanna und Thomas. Die sehr gut restaurierte Fassung von TOUKI BOUKI ist auf MUBI zu sehen.
16 Minuten
Ich mache es kurz: Ich habe nicht in den Film hineingefunden. Exquisite, melodramatische Bilder, melodramatische Musik, herausragende Kostüme, toller Cast – alles hat mich kalt gelassen. Hätten wir den Film nicht gemeinsam gesehen, hätten wir abgeschaltet. Im Podcast direkt nach dem Film diskutieren wir über die Gründe, warum uns der Film nicht erreicht hat, über zu viele Sonnenuntergänge und zu wenig „echte“ Menschen, über perfektes Filmhandwerk, dröges Erzählen – und über schlecht animierte Wölfe. Am Mikrofon: Hendrik, Tom und Thomas.
13 Minuten
Viele populäre Filme der 1980er Jahre altern nicht sehr gut – das gilt auch für POLICE STORY. Charakterentwicklung? Dialogregie? Darauf wurde ganz offenbar kein Wert gelegt. Es geht um die wirklich herausragenden Stunts, die atemberaubenden und sehr einfallsreichen Actionszenen mit einer gehörigen Portion Slapstick. Und da hat Jackie Chans Film vor vier Jahrzehnten höchste Standards gesetzt: Gerade die erste große Actionsequenz mit Autos, die durch eine Siedlung am Hang donnern oder die Kampfszenen im Kaufhaus hauen einen auch heute noch um.

Wir durften den Film in restaurierter Fassung auf der großen Leinwand sehen (was toll war), aber leider in der deutschen Synchronfassung (was nicht toll war). Viele Szenen sind dabei so albern, dass man sie auch direkt mit der Musik von Benny Hill hätte unterlegen können. Dass der Film dann noch versucht ernst, sogar melodramatisch zu werden, und daran komplett scheitert, lässt uns als Zuschauer ratlos zurück. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Johanna, Tom und Thomas.
15 Minuten
Auf der einen Seite ist PROJECT HAIL MARY Hard Science Fiction – zeigt also (bis auf den Antrieb) einen wissenschaftlich und technisch realistischen Blick auf Raumfahrt. Auf der anderen Seite ist die Verflmung von Andy Weirs Roman ein Science-Fiction-Märchen: Zwei Fremde versuchen miteinander zu kommunizieren, um gemeinsam mit ihrem Verstand und ihrer Wissenschaft ihre Welten zu retten. Mit Humor und Wärme erzählt ist das durchaus ein Gegenentwurf zu den irrationalen, wissenschaftsfeindlichen und fremdenfeindlichen Narrativen, die die Machtpolitik unserer Gegenwart bestimmt.

Im Zentrum stehen eine Frau, die die Verantwortung für die verzweifelste Rettungsaktion der Menschheit trägt (Sandra Hüller) und ein Biologielehrer (Ryan Gosling), der absolut kein Held sein will. Und natürlich Rocky, der Außeriridische. Wobei Rocky eher für eine fremde menschliche Kultur steht, die sich an den amerikanischen Astronauten anpasst. Im Podcast wird von fast Allen sehr viel gelobt, aber es wird auch klar: Wer sich nicht für Rocky erwärmen kann, findet nicht in den Film hinein. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Johanna, Kathrin, Marc, Hendrik, Harald, Tom und Thomas.
2 Stunden 3 Minuten
Gast im Podcast: Patrick Torma von journalistenfilme.de

Richard Fleischer ist ein Regisseur, der nie wirklich berühmt wurde – im Gegensatz zu einigen seiner Filme wie zum Beispiel 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER oder SOYLENT GREEN. Thomas und Gast Patrick Torma von journalistenfilme.de haben sich THE BOSTON STRANGLER ausgesucht. Die Verfilmung einer wahren Kriminalgeschichte. 13 Frauen wurden im Raum Boston in den 1960er Jahren vom „Boston Strangler“ ermordet. Bereits 1966 erschien ein Buch von Gerold Frank und schon 1968 der darauf basierende Film von Fleischer. Ein kurzer zeitlicher Abstand – mit Folgen. Der Mörder schien gefunden, aber vieles war noch nicht geklärt.

Und so ist THE BOSTON STRANGLER mehr eine Interpretation als eine möglichst akkurate Wiedergabe eines echten Falls (wie zum Beispiel Finchers ZODIAC). Albert DeSalvo (Tony Curtis) wird gezeigt als ein Mörder mit Persönlichkeitsstörung, der erst in den Vernehmungen der Polizei ahnt, dass in ihm der Mörder steckt.

Erst einmal nimmt sich der Film die Zeit, die mühsame und wenig erfolgreiche Ermittlungsarbeit zu zeigen – gerade hier wird sichtbar, dass der Film aus einer Zwischenzeit stammt: Die 1950er mit ihrem klaren Weltbild sind vorbei, es ist zu spüren, dass die Welt sich ändern wird, aber die „Revolutionen“ kommen erst noch. Die Polizisten (stark: Henry Fonda und George Kennedy) sind die Soldatengeneration des Zweiten Weltkriegs. Jetzt ist der Feind viel schwerer zu erkennen und zu finden.

Im Podcast diskutieren wir die Stärken und Schwächen des Films, besprechen die Aufteilung des Films in zwei doch sehr unterschiedliche Hälften und Patrick erklärt en detail die beeindruckenden Split Screens.

Über den Regisseur: Richard Fleischer gehört zu den Regisseuren, deren Filme berühmter sind als sie selbst. Vier Jahrzehnte hat er in Hollywood gearbeitet und dabei sehr verschiedene Genres bedient. Zu seinen Werken gehören unter anderem DIE WIKINGER mit Kirk Douglas, CONAN DER ZERSTÖRER und RED SONJA, der aufwändige Abenteuerfilm 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER, DOCTOR DOLITTLE, der Kriegsfilm TORA! TORA! TORA! und der dystopische und erschreckend aktuelle Science-Fiction-Film SOYLENT GREEN. Unter dem Titel „Soylent Screen“ widmen wir uns in unregelmäßigem Abständen diesem SF-Meilenstein. Richard Fleischer starb im Alter von 89 Jahren vor 20 Jahren – am 25. März 2006 – in Los Angeles.
11 Minuten
Immer wieder taucht ein Zeitreisender in einem Diner in Los Angeles auf und versucht aus einigen der Gäste DAS Team zu formen, das die Welt rettet. Denn in der düsteren Zukunft hat eine KI die Kontrolle: Während die wirkliche Welt in Trümmern liegt, betäubt eine allmächtige KI die Überlebenden mit der Illusion einer perfekten Welt. Eine Gruppe aus ganz normalen Menschen soll die KI in der Gegenwart aufhalten, bevor sie die Macht ergreift. Da ist ein Lehrerehepaar, das erlebt wie die KI auf Social Media die Schüler hypnotisiert und wie Zombies steuert. Da ist eine junge Frau, die sich als Kindergeburtstagsprinzessin durchschlägt und allergisch auf digitale Geräte reagiert. Und da ist eine Mutter, deren Sohn nach einem Schulmassaker geklont wird. Trost findet sie nur beim KI-Avatar ihres Sohnes, der ihr bei der Rettung der Welt helfen will.

Die Geschichte verknüpft eine ganze Reihe dringender Probleme unserer digitalen Gegenwart mit einer absurd-komischen Action-Handlung. Wie in einem Computerspiel werden Level für Level die unterschiedlichsten Gegner besiegt und Herausforderungen gemeistert. Dass die Gratwanderung zwischen amüsant und grotesk, klug und albern gelingt, liegt auch am starken Cast, allen voran Sam Rockwell. Aber das Schwierigste am Fliegen ist die Landung: Während der Aufbau dieser dystopischen Science-Fiction-Komödie wunderbar gelungen ist, fällt der Film im Finale auseinander, hält sich nicht mehr an seine eigenen Regeln. Schade, GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE hätte ein überzeugenderes Ende verdient. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Johanna, Heidi, Hendrik, Harald, Tom und Thomas.
14 Minuten
Anmaßend, egozentrisch, leidenschaftlich, unvorstellbar ehrgeizig, stur, rücksichtslos, liebenswert, verlogen, narzisstisch, unglaublich begabt – das ist der Protagonist Marty Mauser. Keine sympathische Figur, mit der man sich identifizieren kann. Aber ein Charakter, der einen nicht mehr loslässt. Timothee Chalamet spielt ihn mit der Wucht und Geschwindigkeit eines Wirbelsturms, wie ein Gott des Chaos, der überall Verletzung und Verwüstung hinterlässt. Chalamets Intensität spiegelt sich in der Geschwindigkeit des Films, der – noch schneller als die Tischtennisbälle hin und her jagen – zweieinhalb Stunden lang wie eine abstürzende Achterbahn unentwegt brüllend auf die Zuschauer niederfährt. Ein rauschhafter Film – dröhnendes, überforderndes, großartiges Kino. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Anke, Lothar, Marc, Hendrik, Katharina, Tom und Thomas.
10 Minuten
„Ich habe alles“, sagt Man-su zu Beginn. Er hat ein tolles Haus, zwei Autos, zwei Hunde und nicht zu vergessen: eine Frau und zwei Kinder. Er ist angekommen in seinem Leben. Aber alles hängt von seinem gut bezahlten Job ab. Und als er den verliert, steht sein ganzes Leben auf dem Spiel. Für seinen Status und für seine Familie ist er bereit alles zu tun, wirklich alles.

Park Chan-wook wirft einen schwarzhumorigen Blick auf die südkoreanische Arbeitswelt, in der Menschen, die ihren Job verlieren, nicht in einer anderen Branche arbeiten wollen und in der Unternehmer mit Robotern und KI Menschen völlig überflüssig machen. In dieser Welt opfert Man-su auch Menschenleben, er glaubt keine andere Wahl zu haben, „Eojjeol suga eopda“, auf deutsch „Ich kann es nicht ändern“.

Park Chan-wook inszeniert diese düstere Krimikomödie mit viel Einfallsreichtum und erinnert dabei auch an Hitchcock. Die Intensität von PARASITE erreicht er dabei nicht. Trotz sehr guter Darsteller und vieler sehr starker Szenen fehlt etwas die emotionale Kraft des Vorgänger DIE FRAU IM NEBEL. Dennoch sehr sehenswert. Diese Podcastepisode mit milden SPOILERN. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Heidi, Johanna und Thomas.
14 Minuten
Der Trailer hatte mich angelockt: Blicke voller Verlangen zwischen Margot Robbie und Jacob Elordi – also erwartete ich hemmungslose Leidenschaft, selbstzerstörerische Obsession. Der Film kann leider nicht ganz halten, was der Trailer versprochen hat: Die Liebesszenen sind eher brav und die Darsteller wirken viel reifer als es der Stoff eigentlich braucht. Und der gesellschaftliche Rahmen bleibt fast unsichtbar. Aber Regisseurin Emerald Fennell konzentriert sich auf etwas anderes – auf große Bilder in der Natur, auf starke Farben und bizarre Optik im Herrenhaus: Rote Wände wie bei Dario Argento, ein Kamin aus Händen, ein Schlafzimmer, das die Haut der Geliebten auf der Wand abbildet und damit die Grenzen zwischen Frau und Schlafzimmer auflöst. Da liegt die Stärke des Film, als Liebensfilm oder Gesellschaftsdrama ist noch viel Luft nach oben. Am Mikrofon – mit ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen – direkt nach dem Film: Heidi, Johanna und Thomas.
17 Minuten
Wo gehöre ich hin? Was ist der Sinn meines Lebens? Wie lebe ich weiter, wenn ich einen großen Verlust erlitten habe? Das sind die Fragen, die sich der Holzfäller Robert (Joel Edgerton) stellt. Erst als Gladys (Felicity Jones) in sein Leben tritt, fühlt er sich nicht mehr verloren. Aber es geht nicht nur um die Vergänglichkeit des eigenen Lebens sondern auch um den Abschied von der alten Welt, die noch präsent ist, als Robert zu Beginn Bäume fällt und die verschwunden ist, als Robert am Ende einen Menschen im Weltall sieht. Regisseur Clint Bentley und sein Kameramann Adolpho Veloso nehmen uns mit ein Leben voller harter Arbeit, großer Natur und kleinem Glück. Ein optisch herausragender Film, der auf künstliches Licht verzichtet und ein berührender Film, gerade wo er Liebe zeigt. Einen Wermutstropfen stellt der Erzähler dar, der zu oft als Stimme aus dem Off aus der Novelle zitiert – da gerät der Film unversehens zu einem bebilderten Hörbuch und wird in diesen Stellen manchen Zuschauer auf Distanz halten. Direkt nach dem Film sprechen wir über Zeitsprünge, Geister und Töchter. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Johanna und Thomas.
10 Minuten
Die wahren Monster sind die Menschen – nicht die Infizierten, die Zombies. Im Mittelpunkt steht eine Gang, als satanische Sekte geführt vom sadistischen Sir Lord Jimmy Crystal, der nicht zufällig seine Initialien mit Jesus Christus teilt. Spike, der jugendliche Protagonist des Vorgängerfilms gerät in ihre Fänge und weiß nicht, wie er lebend dort heraus kommen soll. Die Gang zieht umher und foltert und mordet andere Überlebende. Dr. Kelso hat derweil eine besondere Begegnung mit einem Alphazombie.

Unter anderem ist THE BONE TEMPLE eine Auseinandersetzung mit religiösem Wahn und Religion als Theater. Nachdem der Vorgängerfilm das Verlassen des Paradieses beschreibt, ist BONE TEMPLE der Abstieg in die Hölle, vielleicht ist der nächste Film die Eroberung des Himmels. THE BONE TEMPLE ist geradlinig und folgt nur wenigen Handlungssträngen. Der gelegentliche Humor ist schwarz, die Gewalt ist blutig und explizit, belastend aber nur, wenn Menschen grausam (hier sehr grausam) zu anderen Menschen sind.

Besonders Ralph Fiennes hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Sein Dr. Kelson steht als fast einzige Figur für die Bewahrung von Menschlichkeit in einer völlig zusammengebrochenen Zivilisation. Er steht auch für die kleine Hoffnung, dass die Zukunft mehr bieten könnte als sadistische Menschen, ständige Flucht und die Schreie der Zombies, die immer näher kommen. Sehenswert. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Marc, Tom und Thomas.
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Der erste Eindruck direkt nach dem Kino