SchönerDenken FilmPodcast Archiv
313 Episoden
14 Minuten
In der nahen Zukunft wird die Menschheit versuchen gegen ökologische Katastrophen synthetische Biologie einzusetzen – die biogenetischen Maßnahmen scheitern vollständig. Alle Tiere, fast alle essbaren Pflanzen werden ausgelöscht, stattdessen entstehen feindliche, giftige Pflanzen. Die wenigen verbliebenen Menschen kämpfen ums Überleben. Im Mittelpunkt des Films steht das Mädchen Vesper (Raffiella Chapman), sie versucht die biosynthetischen Veränderungen zu verstehen und versucht ihren todkranken Vater zu beschützen. Dabei hält sie Abstand zum grimmigen Anführer Jonas (Eddie Marsan) und verheimlicht vor ihm, dass sie ein Mädchen (Rosy McEwen) gefunden hat, das aus der Zitadelle kommt, wo Menschen über Technik und Wohlstand verfügen. Die Zitadelle tauscht mit den Menschen „draußen“ sterilisiertes Saatgut gegen Blutkonserven …
Der litauische Near-Future-Science-Fiction ist ebenso erschreckend realistisch in seiner Saatgut-Prognose wie in seiner Darstellung der menschlichen Gesellschaft nach dem Zusammenbruch der wirtschaftlichen und öffentlichen Ordnung: Über Technologie verfügende Gruppen werden sich isolieren von den Menschen, die den katastrophalen Lebensbedingungen ungeschützt ausgeliefert sein werden. Dabei beweist der Film einen enormen Erfindungsreichtum und beeindruckende Gestaltungskraft: Die neuen Pflanzen sind ebenso furchterregend wie wunderschön, sie leuchten, beißen, streicheln und saugen den Menschen das Blut aus. Noch schlimmer aber ist der Kampf der Menschen untereinander, der Verlust von Moral und Menschlichkeit. Dabei deutet der Film auch sexuelle Gewalt an. Direkt nach dem Kino (wir haben den Film OmeU im Palatin gesehen) sind Johanna und Thomas sehr beeindruckt und empfehlen dieses düsteren, meisterhaften Science-Fiction-Film aus Litauen.
Die schlechte Tonqualität bitten wir zu entschuldigen - wir waren ohne unsere übliche Ausrüstung unterwegs.
WICHTIG: Wir haben VESPER im Programmkino Capitol&Palatin in Mainz gesehen, sehr viele SchönerDenken-Episoden zu anspruchsvolleren Filmen sind vor diesem Programmkino aufgezeichnet worden. Dieses Kino ist die Grundlage der Kinokultur in Mainz: Das Programm ist hervorragend kuratiert – besondere Filme aus vielen unterschiedlichen Genres und Nationen, immer wieder auch in Originalsprache, dazu viele Veranstaltungen. Dem Programmkino Capitol&Palatin droht durch ein Gebäudekauf durch ein großes Immobilienunternehmen die Schließung. Mehr Informationen gibt es hier und hier. Eine Petition zum Erhalt dieses wichtigen Kinos gibt es hier. Bitte unterstützen!
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Musik von Johannes Klan
Vesper
Litauen 2022, 114 Min., Regie: Kristina Buozyte und Bruno Samper
Der litauische Near-Future-Science-Fiction ist ebenso erschreckend realistisch in seiner Saatgut-Prognose wie in seiner Darstellung der menschlichen Gesellschaft nach dem Zusammenbruch der wirtschaftlichen und öffentlichen Ordnung: Über Technologie verfügende Gruppen werden sich isolieren von den Menschen, die den katastrophalen Lebensbedingungen ungeschützt ausgeliefert sein werden. Dabei beweist der Film einen enormen Erfindungsreichtum und beeindruckende Gestaltungskraft: Die neuen Pflanzen sind ebenso furchterregend wie wunderschön, sie leuchten, beißen, streicheln und saugen den Menschen das Blut aus. Noch schlimmer aber ist der Kampf der Menschen untereinander, der Verlust von Moral und Menschlichkeit. Dabei deutet der Film auch sexuelle Gewalt an. Direkt nach dem Kino (wir haben den Film OmeU im Palatin gesehen) sind Johanna und Thomas sehr beeindruckt und empfehlen dieses düsteren, meisterhaften Science-Fiction-Film aus Litauen.
Die schlechte Tonqualität bitten wir zu entschuldigen - wir waren ohne unsere übliche Ausrüstung unterwegs.
WICHTIG: Wir haben VESPER im Programmkino Capitol&Palatin in Mainz gesehen, sehr viele SchönerDenken-Episoden zu anspruchsvolleren Filmen sind vor diesem Programmkino aufgezeichnet worden. Dieses Kino ist die Grundlage der Kinokultur in Mainz: Das Programm ist hervorragend kuratiert – besondere Filme aus vielen unterschiedlichen Genres und Nationen, immer wieder auch in Originalsprache, dazu viele Veranstaltungen. Dem Programmkino Capitol&Palatin droht durch ein Gebäudekauf durch ein großes Immobilienunternehmen die Schließung. Mehr Informationen gibt es hier und hier. Eine Petition zum Erhalt dieses wichtigen Kinos gibt es hier. Bitte unterstützen!
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Quelle: SchönerDenken
Musik von Johannes Klan
Vesper
Litauen 2022, 114 Min., Regie: Kristina Buozyte und Bruno Samper
27 Minuten
Ein Blick von außen auf Japan und seine Büroangestellten, die Salarymen: Die costa-ricanische Künstlerin und Fotografin Allegra Pacheco stolpert im wahrsten Sinne des Wortes über die Angestellten, die in ihren Businessanzügen auf dem Bürgersteig schlafen, weil sie betrunken die letzte Bahn nach Hause verpasst. Im Debütfilm erklärt sie sich selbst und uns diese Welt und kommt den Menschen als blonde Fremde erstaunlich nah. Die Salarymen werden sichtbar zwischen Samuraiselbstbild, Loyalität, Überforderung, Alkoholismus, Enttäuschung und Entfremdung von ihren eigenen Familien. Lucas hat da einen sehr kritischen Blick und vermisst die Intensität und den Anspruch von SALESMAN von Albert und David Maysles und Charlotte Zwerin von 1969. Thomas sieht den Film eher als visuell anspruchsvolle Reportage, der es gelingt den Status Quo darzustellen und eine sehr gute Einführung in das Thema bietet, auch wenn daraus keine These folgt. Ein versöhnliches Streitgespräch direkt nach dem Film.
15 Minuten
STAR TREK II: DER ZORN DES KHAN in einer Sonder-Wiederaufführung auf der großen Leinwand! Der Zorn des Khan das Star Trek-Franchise gerettet – sagt Tom, und damit hat er wohl recht. Nach dem anstrengenden und nicht so recht geglückten STAR TREK THE MOTION PICTURE war STAR TREK II DER ZORN DES KHAN wieder ganz nah bei der Serie und auch ursprünglich als Fernsehproduktion geplant. Der Film greift mit Khan einen der interessantesten Star Trek-Bösewichte wieder auf: Khan. Ricardo Montalban übernahm erneut die Rolle des genetisch optimierten Übermenschen, der noch eine Rechnung mit Kirk offen hat und so kommt es zwischen Khan und Kirk zum Duell der größten Egos im ganzen Alphaquadranten. Leider wurde bei der Wiederaufführung der Directors Cut gezeigt, der uns viel länger vorkam als die zusätzlichen vier Minuten. Im Podcast direkt nach dem Film reden Hendrik, Tom und Thomas über gesammelte Kinokarten und den Kinobesuch 1982, über den Hardcorekommunisten Spock, Matte Paintings, den Mutara-Nebel, Western und Over Acting.
15 Minuten
Christopher Nolan ist bekannt dafür, dass seine Filme einer klaren Struktur folgen wie die Ergebnisse einer mathematischen Formel. Das führt zu spannenden Resultaten, über die viel diskutiert und gestritten wird. Bei Interstellar hat Thomas sogar mit sich selbst gestritten, siehe hier und hier. Bei TENET geht Nolan besonders konsequent vor: Er nimmt das Genre und die Regeln des großen Agentenfilms als Spielfeld und lässt darauf seine Schachfiguren, vor allem den „Protagonisten“, Zug für Zug um den Sieg kämpfen. Aber Nolan spielt natürlich 3-D-Schach, oder besser 4-D-Schach in TENET, denn er bringt eine neue Spielregel mit, die unseren Verstand herausfordert: Was wäre, wenn wir unter bestimmten Bedingungen nicht an die Linearität der Zeit gebunden wären. Und wie würden Geheimagenten damit umgehen?
TENET gelingt eine hochspannende Fusion aus SF und Agentenfilm, die auch dank seiner herausragenden Schauspieler:innen John David Washington, Robert Pattinson und Elizabeth Debicki. Washington und Pattinson zeigen die Professionalität, Coolness und die Empathie ihrer Helden und Elisabeth Debicki bringt eine starke, emotionale Ebene. Direkt nach dem Heimkino sprechen Hendrik und Thomas im Podcast über ihren ersten Eindruck und Tom über seinen dritten Eindruck – und Hendrik erklärt, warum der Film TENET heißt und der Antagonist Sator.
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Quelle: SchönerDenken
Bild: 2020 Warner Bros. Home Entertainment
Tenet
USA 2020, 150 Min., Buch und Regie: Christopher Nolan
TENET gelingt eine hochspannende Fusion aus SF und Agentenfilm, die auch dank seiner herausragenden Schauspieler:innen John David Washington, Robert Pattinson und Elizabeth Debicki. Washington und Pattinson zeigen die Professionalität, Coolness und die Empathie ihrer Helden und Elisabeth Debicki bringt eine starke, emotionale Ebene. Direkt nach dem Heimkino sprechen Hendrik und Thomas im Podcast über ihren ersten Eindruck und Tom über seinen dritten Eindruck – und Hendrik erklärt, warum der Film TENET heißt und der Antagonist Sator.
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Quelle: SchönerDenken
Bild: 2020 Warner Bros. Home Entertainment
Tenet
USA 2020, 150 Min., Buch und Regie: Christopher Nolan
16 Minuten
Regisseur Ryusuke Hamaguchi hat mit DRIVE MY CAR seinen endgültigen internationalen Durchbruch geschafft. Auf DEM japanischen Filmfestival, Nippon Connection in Frankfurt am Main, haben wir in diesem Jahr seinen Episodenfilm GLÜCKSRAD – noch unter dem Titel WHEEL OF FORTUNE AND FANTASY – sehen können. In den drei kammerspielartigen Episoden geht es um Liebe, um Täuschung und um das Aussprechen von Wahrheiten. In jeder Episode steht eine Frau im Mittelpunkt: Eine Frau wird mit der neuen Frau des Ex konfrontiert – eine Frau konfrontiert einen Schriftsteller mit dessen eigener literarischer Erotik, eine Frau findet eine alte Liebe wieder, findet sie nicht, findet sie doch … Wir waren alle direkt nach dem Film sehr berührt und beeindruckt und finden ganz unterschiedliche Worte dafür. Am Mikrofon mit dem frischen, allerersten Eindruck: Fang Yi, Kinomensch Lucas, Andras und Thomas. Wir bitten die zwischen auftretenden Tonstörungen durch die starken Windböen zu entschuldigen.
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Quelle: SchönerDenken
Bild: 2022 Film Kino Text
Glücksrad (Gozen to sozo / Wheel of Fortune and Fantasy)
Japan 2021, 121 Min., Buch und Regie: Ryusuke Hamaguchi
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Quelle: SchönerDenken
Bild: 2022 Film Kino Text
Glücksrad (Gozen to sozo / Wheel of Fortune and Fantasy)
Japan 2021, 121 Min., Buch und Regie: Ryusuke Hamaguchi
9 Minuten
Die Komantschin Naru will sich als Jägerin bewähren. Dafür muss sie sich aber nicht nur gegen die männlichen Jäger durchsetzen, die sie nicht ernst nehmen, sondern auch einen Initationsritus durchstehen: Die Jagd auf ein Raubtier. Doch statt eines Pumas oder schlimmer noch eines Bären, muss sich Naru eines übermächtigen Jägers erwehren, der aus dem All gekommen ist, um Trophäen zu sammeln. Der Predator weiß zu kämpfen, aber Naru weiß zu überleben …
Die Selbstverständlichkeit, mit der die Komantschin Naru einfach nur eine junge Frau ist, die zu ihren eigenen Bedingungen erwachsen werden will, ist beeindruckend. Keine Prinzessin, nicht vom Schicksal auserwählt oder durch magische Kräfte gedopt, nein, Naru ist einfach nur klug und fit, sie ist gut vorbereitet, sie schaut genau hin, schätzt die neue Gefahr vor allen anderen richtig ein, behält die Nerven und kämpft trotzig und einfallsreich ums Überleben. Ellen Ripley und Naru – sie hätten sich gut verstanden. Naru ist eine Heldin, mit der man sich gerne identifiziert – großartig verkörpert von Amber Midthunder, die Lakota-Wurzeln hat.
Der Film selbst ist mit seinen 92 Minuten Nettolaufzeit geradlinig erzählt und zitiert gerade im richtigen Maß John McTiernans Film von 1987. Regisseur Trachtenberg baut die Spannung geschickt auf – auch unterstützt von Sarah Schachner sehr gutem Score und den unerwartet schönen, manchmal sehr ruhigen Bildern von Jeff Cutter (Kamera). Direkt nach dem Heimkino sprechen Tom, Harald und Thomas über ihren fast ausnahmslos sehr positiven, ersten Eindruck von PREY.
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Quelle: SchönerDenken
Bild 2022 Walt Disney Studios All Rights Reserved
Musik von Johannes Klan
Prey
USA, 2022, 100 Min., Regie: Dan Trachtenberg
Die Selbstverständlichkeit, mit der die Komantschin Naru einfach nur eine junge Frau ist, die zu ihren eigenen Bedingungen erwachsen werden will, ist beeindruckend. Keine Prinzessin, nicht vom Schicksal auserwählt oder durch magische Kräfte gedopt, nein, Naru ist einfach nur klug und fit, sie ist gut vorbereitet, sie schaut genau hin, schätzt die neue Gefahr vor allen anderen richtig ein, behält die Nerven und kämpft trotzig und einfallsreich ums Überleben. Ellen Ripley und Naru – sie hätten sich gut verstanden. Naru ist eine Heldin, mit der man sich gerne identifiziert – großartig verkörpert von Amber Midthunder, die Lakota-Wurzeln hat.
Der Film selbst ist mit seinen 92 Minuten Nettolaufzeit geradlinig erzählt und zitiert gerade im richtigen Maß John McTiernans Film von 1987. Regisseur Trachtenberg baut die Spannung geschickt auf – auch unterstützt von Sarah Schachner sehr gutem Score und den unerwartet schönen, manchmal sehr ruhigen Bildern von Jeff Cutter (Kamera). Direkt nach dem Heimkino sprechen Tom, Harald und Thomas über ihren fast ausnahmslos sehr positiven, ersten Eindruck von PREY.
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Quelle: SchönerDenken
Bild 2022 Walt Disney Studios All Rights Reserved
Musik von Johannes Klan
Prey
USA, 2022, 100 Min., Regie: Dan Trachtenberg
24 Minuten
In Japan findet Geschichtsrevisionismus statt. Ein Kriegsverbrechen wird seit vielen Jahren von der rechtskonservativen Regierung Japans verharmlost und tabuisiert: die Vergewaltigung, Folterung und Tötung tausender Mädchen und jungen Frauen in den von Japan im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten, vor allem in Korea. Berichterstattung über die so genannten „Comfort Women“ wird unterdrückt.
Das ist der Hintergrund des Dokumentarfilms TARGET von Shinji Nishijima. Rechtskonservative regierungsnahe Gruppen greifen den Journalisten Takashi Uemura an, weil er 1991, also vor zwanzig Jahren, über die Comfort Women und die Zeugenaussage einer überlebenden „Trostfrau“, der Koreanerin Kim Hask-sun, geschrieben hatte. Seine Artikel werden als erfunden und erlogen angeprangert, er wird öffentlich angegriffen, seine Hochschule, an der er Professor war, lässt ihn fallen: Die Hokusei Gakuen University in Sapporo bittet Uemura um Kündigung. Es gibt Morddrohungen gegen Takashi Uemura. Der Film zeigt seine Versuche, gegen die Beschuldigungen zu klagen.
Thomas hat sich für dieses düstere und komplexe Thema kompetente Unterstützung geholt und begrüßt als Gast den filmbegeisterten Journalisten Patrick Torma. Patrick ist nicht nur ein großartiger Gesprächspartner sondern vor allem auch der Gründer des bekannten und extrem lesenswerten Blogs und hörenswerten Podcasts journalistenfilme.de. Mit ihm diskutiert Thomas u.a. darüber, ob die Vorwürfe gegen Takashi Uemura und die Zeitung Asahi Shimbun berechtigt sind und inwiefern der Dokumentarfilmer Shinji Nishijima bei der Begleitung von Uemura unabsichtlich den Geschichtsrevisionisten in die Falle geht und die eigentliche Geschichte – nämlich das Kriegsverbrechen an den Comfort Women – fast aus dem Blick verliert.
Mehr Informationen zum Film und zum Thema
Review des Films von Hayley Scanlon in “Windows on Worlds”
Patrick Torma: “Japan und die “Trostfrauen”: Target (Doku, 2021)”
Oliver Bechmann: Ein Schrein und Sex-Sklavinnen (Frankfurter Rundschau)
Kathrin Erdmann: Japan sollte sich richtig entschuldigen (Deutschlandfunk Kultur)
Hier unsere Podcastfolge zum Film THE JOURNALIST über die kritische Journalistin Isoko Mochizuki.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: Document Asia
Target
Japan 2021, 99 Min., Regie: Shinji Nishijima
Das ist der Hintergrund des Dokumentarfilms TARGET von Shinji Nishijima. Rechtskonservative regierungsnahe Gruppen greifen den Journalisten Takashi Uemura an, weil er 1991, also vor zwanzig Jahren, über die Comfort Women und die Zeugenaussage einer überlebenden „Trostfrau“, der Koreanerin Kim Hask-sun, geschrieben hatte. Seine Artikel werden als erfunden und erlogen angeprangert, er wird öffentlich angegriffen, seine Hochschule, an der er Professor war, lässt ihn fallen: Die Hokusei Gakuen University in Sapporo bittet Uemura um Kündigung. Es gibt Morddrohungen gegen Takashi Uemura. Der Film zeigt seine Versuche, gegen die Beschuldigungen zu klagen.
Thomas hat sich für dieses düstere und komplexe Thema kompetente Unterstützung geholt und begrüßt als Gast den filmbegeisterten Journalisten Patrick Torma. Patrick ist nicht nur ein großartiger Gesprächspartner sondern vor allem auch der Gründer des bekannten und extrem lesenswerten Blogs und hörenswerten Podcasts journalistenfilme.de. Mit ihm diskutiert Thomas u.a. darüber, ob die Vorwürfe gegen Takashi Uemura und die Zeitung Asahi Shimbun berechtigt sind und inwiefern der Dokumentarfilmer Shinji Nishijima bei der Begleitung von Uemura unabsichtlich den Geschichtsrevisionisten in die Falle geht und die eigentliche Geschichte – nämlich das Kriegsverbrechen an den Comfort Women – fast aus dem Blick verliert.
Mehr Informationen zum Film und zum Thema
Review des Films von Hayley Scanlon in “Windows on Worlds”
Patrick Torma: “Japan und die “Trostfrauen”: Target (Doku, 2021)”
Oliver Bechmann: Ein Schrein und Sex-Sklavinnen (Frankfurter Rundschau)
Kathrin Erdmann: Japan sollte sich richtig entschuldigen (Deutschlandfunk Kultur)
Hier unsere Podcastfolge zum Film THE JOURNALIST über die kritische Journalistin Isoko Mochizuki.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: Document Asia
Target
Japan 2021, 99 Min., Regie: Shinji Nishijima
14 Minuten
Jordan Peele hat sein Ziel erreicht. Er hat sich als Markenzeichen etabliert und er steht für hochwertig produzierte, doppelbödige Horrorfilme. Nach GET OUT und US war also schon klar, welches Genre auf uns zukommt und der Trailer zeigte bereits eine Art UFO, das besonders gefährlich ist, wenn man hinschaut. Vordergründig erzählt Peele eine spannende Geschichte aus dem Genre Creature-Horror. Für den Pferdetrainer OJ (Daniel Kaluuya) geht es darum, den Tod seines Vaters zu rächen und darum will er verstehen, was wirklich geschieht. Seine temperamentvolle Schwester Em (Keke Palmer) sieht auch die Chance auf Ruhm und Reichtum. Also muss der Gegner nicht nur besiegt, sondern auch auf Film gebannt werden.
Parallel zu dieser spannenden Handlung zeigt uns Jordan Peele das tragische Ende einer Sitcom, in der ein Schimpanse Menschen angreift und nur den Jungen verschont, der ihn nicht anschaut. Damit öffnet Peele die Tür zu weiteren Ebenen seines Films. Es geht um unsere Gier nach Unterhaltung und Spektakel, um die einzig wahre Währung Aufmerksamkeit, aber auch um Rassismus, darum vor dem weißen (!) Monster, das sich als Herrscher des Tals fühlt, besser die Augen zu senken – ein Monster, das die bunten (!) Fahnen wieder ausspuckt. Direkt nach dem Film loben Johanna, Hendrik, Harald und Thomas die Spannung und versuchen sich einen ersten Reim auf Jordan Peeles neuen Film zu machen.
Unseren ersten Eindruck von Jordan Peeles GET OUT könnt Ihr Euch hier anhören.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Musik von Johannes Klan
NOPE
USA, 2022, 130 Min., Regie: Jordan Peele
Parallel zu dieser spannenden Handlung zeigt uns Jordan Peele das tragische Ende einer Sitcom, in der ein Schimpanse Menschen angreift und nur den Jungen verschont, der ihn nicht anschaut. Damit öffnet Peele die Tür zu weiteren Ebenen seines Films. Es geht um unsere Gier nach Unterhaltung und Spektakel, um die einzig wahre Währung Aufmerksamkeit, aber auch um Rassismus, darum vor dem weißen (!) Monster, das sich als Herrscher des Tals fühlt, besser die Augen zu senken – ein Monster, das die bunten (!) Fahnen wieder ausspuckt. Direkt nach dem Film loben Johanna, Hendrik, Harald und Thomas die Spannung und versuchen sich einen ersten Reim auf Jordan Peeles neuen Film zu machen.
Unseren ersten Eindruck von Jordan Peeles GET OUT könnt Ihr Euch hier anhören.
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Quelle: SchönerDenken
Musik von Johannes Klan
NOPE
USA, 2022, 130 Min., Regie: Jordan Peele
7 Minuten
Ein Auftragskiller bekommt wie gewünscht einen sehr leichten Auftrag: Einfach einen Koffer aus dem Zug von Tokyo nach Kyoto stehlen. Aber so einfach ist es nicht für den Killer mit dem schönen Codenamen „Ladybug“ (Marienkäfer): Der ganze Zug ist voller Freaks, die an sein Leben und an den Koffer wollen. Die Frage lautet: Ist Ladybug (großartig: Brad Pitt) ein Pechvogel oder ein Glückspilz?
Zugegeben: Den Shinkansen und einige japanische Darsteller nutzt der Film nur als exotische Kulisse. Und der Spaß an der expliziten Gewalt erinnert manchmal an Tarantino. Aber jeder Pathos wird mit traumwandlerischer Sicherheit aufgelöst, die Gewalt transzendiert ins Cartoonhafte und nicht jeder, der stirbt, ist auch tot. Etwas Straffung hätte dem Film bestimmt gut getan, aber dennoch ist aller sehr unterhaltsam. Im Podcast direkt nach dem Film ist Tom not amused, Gabriele dagegen sehr. Desweiteren am Mikrofon: Peter, Harald und Thomas.
Zugegeben: Den Shinkansen und einige japanische Darsteller nutzt der Film nur als exotische Kulisse. Und der Spaß an der expliziten Gewalt erinnert manchmal an Tarantino. Aber jeder Pathos wird mit traumwandlerischer Sicherheit aufgelöst, die Gewalt transzendiert ins Cartoonhafte und nicht jeder, der stirbt, ist auch tot. Etwas Straffung hätte dem Film bestimmt gut getan, aber dennoch ist aller sehr unterhaltsam. Im Podcast direkt nach dem Film ist Tom not amused, Gabriele dagegen sehr. Desweiteren am Mikrofon: Peter, Harald und Thomas.
8 Minuten
Thor ist in einer Midlife-Crisis: In der Meditation langweilt er sich, bei den Guardians redet er viel von Team, rettet den Tag aber alleine. Nichts passt für ihn zusammen, bis der Götterschlächter Gorr auftaucht (großartig: Christian Bale), ein Mann, der in seinem Rachedurst Gewalt über Schattenmonster gewonnen hat. Im Kampf gegen Gorr ist Thor nicht allein, er kämpft zu seiner bleibenden Irritation mit „Mighty Thor“ und unter diesem Helm steckt: Dr. Jane Foster. Während in der ersten Hälfte Komik angesagt ist, wird es in der zweiten Hälfte düsterer. Auch Taika Waititi hat im gefühlt zweihundertsten MCU-Film einige Mühe, irgendwie das Rad neu zu erfinden. Thomas hatte dennoch großen Spaß und hat sich weggeworfen beim weißen Röckchen von Zeus, Peter war auch weitgehend zufrieden. Und der Rest der Üblichen Verdächtigen? Aber so gar nicht. Im vergnüglichen und meinungsstarken Podcast direkt nach dem Kino am Mikrofon: Gabriele, Johanna, Peter, Harald, Tom und Thomas.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild Walt Disney Motion Pictures 2022
Musik von Johannes Klan
Thor: Love and Thunder
USA, 2022, 119 Min., Regie: Taika Waititi
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild Walt Disney Motion Pictures 2022
Musik von Johannes Klan
Thor: Love and Thunder
USA, 2022, 119 Min., Regie: Taika Waititi
12 Minuten
Regisseur Alex Garland rechnet mit seinen Geschlechtsgenossen ab: In MEN befreit sich Harper Marlowe (großartig: Jessie Buckley) aus ihrer abusiven Beziehung und Ehe. Ihr vor der Trennung stehende Ehemann James schlägt sie, entwendet ihr Smartphone und stürzt vor ihren Augen in den Tod – es bleibt offen, ob er sich umbringen wollte oder einfach beim Versuch bei ihr einzubrechen abgestürzt ist. Harper flieht aufs Land – aber sie nimmt das Trauma mit und das, was die patriarchale Gesellschaft den Frauen in dieser Situation mitgibt: Hättest Du nicht mehr Verständnis haben müssen? Wenn Du nicht auf die Trennung bestanden hättest, würde Dein Mann noch leben. Du trägst Schuld.
Ihr Trauma projeziert sich in jeden Mann, denn sie in ihrem Rückzugsort auf dem Land trifft: Jeder Mann sieht irgendwie gleich aus: Der kauzige, zu Beginn sehr freundliche Vermieter, der verständnislose Polizist, der trotzige, aggressive Junge, der lüsterne Priester und ein rätselhafter, nackter Waldmann – alle sehen aus wie Rory Kinnear. Und über kurz oder lang werden sie alle zu einer tödlichen Bedrohung für Harper, zu einer sich selbst wiedergebärenden Monstermaschine. Vor der Leinwand weiß man nicht, was einen mehr erschreckt: die egomanische Selbstgerechtigkeit des toxischen Ehemannes, die ekelerregende Lüsternheit des Pfarrers, der alle Frauen als verführende Huren beschimpft, oder der kalte Sadismus des Jungen.
Alex Garland verzichtet auf jede Subtilität: Wir Männer sind alle gleich, wir unterscheiden uns nur in Art und Ausmaß der Bedrohung – das ist die Botschaft, die er mit der Wucht eines Vorschlaghammers an unsere Tür nagelt. Dabei ist die Mischung aus fast schon poetischen Bildern, Beziehungsdiskussionen, wohlgesetzten Schockelementen und blutigem Horror einzigartig. Als männlicher Zuschauer flüchtet man sich in die Gewissheit, selbst kein Täter und kein Monster zu sein. Aber wir Männer können selbst überhaupt nicht beurteilen, ob wir vielleicht nicht doch durch Rücksichtslosigkeit, durch Anstarren, durch passiv-aggressiven Druck, durch die Verweigerung von Care-Arbeit, emotionale Erpressung oder das Ausnutzen männlicher Privilegien doch Täter und eine Bedrohung sind.
Im Podcast direkt nach dem Kino sieht Johanna schon relativ klar, Thomas ist noch lange nicht sortiert und Tom hat es früh schon aus der Kurve getragen.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild Koch Films 2022
Musik von Johannes Klan
Men
UK, 2022, 100 Min., Regie: Alex Garland
Ihr Trauma projeziert sich in jeden Mann, denn sie in ihrem Rückzugsort auf dem Land trifft: Jeder Mann sieht irgendwie gleich aus: Der kauzige, zu Beginn sehr freundliche Vermieter, der verständnislose Polizist, der trotzige, aggressive Junge, der lüsterne Priester und ein rätselhafter, nackter Waldmann – alle sehen aus wie Rory Kinnear. Und über kurz oder lang werden sie alle zu einer tödlichen Bedrohung für Harper, zu einer sich selbst wiedergebärenden Monstermaschine. Vor der Leinwand weiß man nicht, was einen mehr erschreckt: die egomanische Selbstgerechtigkeit des toxischen Ehemannes, die ekelerregende Lüsternheit des Pfarrers, der alle Frauen als verführende Huren beschimpft, oder der kalte Sadismus des Jungen.
Alex Garland verzichtet auf jede Subtilität: Wir Männer sind alle gleich, wir unterscheiden uns nur in Art und Ausmaß der Bedrohung – das ist die Botschaft, die er mit der Wucht eines Vorschlaghammers an unsere Tür nagelt. Dabei ist die Mischung aus fast schon poetischen Bildern, Beziehungsdiskussionen, wohlgesetzten Schockelementen und blutigem Horror einzigartig. Als männlicher Zuschauer flüchtet man sich in die Gewissheit, selbst kein Täter und kein Monster zu sein. Aber wir Männer können selbst überhaupt nicht beurteilen, ob wir vielleicht nicht doch durch Rücksichtslosigkeit, durch Anstarren, durch passiv-aggressiven Druck, durch die Verweigerung von Care-Arbeit, emotionale Erpressung oder das Ausnutzen männlicher Privilegien doch Täter und eine Bedrohung sind.
Im Podcast direkt nach dem Kino sieht Johanna schon relativ klar, Thomas ist noch lange nicht sortiert und Tom hat es früh schon aus der Kurve getragen.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild Koch Films 2022
Musik von Johannes Klan
Men
UK, 2022, 100 Min., Regie: Alex Garland
15 Minuten
TOP GUN: Das steht für übertriebenen Pathos, für eine selbstverliebte Männlichkeit, für Nationalstolz, kerosinhaltige Kriegsbegeisterung und Rekrutierungsbüros vor amerikanischen Kinos. Für dämliche Dialoge, Klischee und Kitsch. Aber auch für die verboten traumschönen Bilder von Tony Scott, für gute Schauspieler und für einen unvergesslichen Soundtrack. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass TOP GUN zurückkehren würde. Und vor allem hätte ich nicht gedacht, dass das Sequel gelingen könnte, dass TOP GUN MAVERICK ein guter Film werden könnte. Das Rezept: Die guten Elemente übernehmen: Tony Scotts Inszenierung wird von Joseph Kosinski liebevoll kopiert und imitiert, die Bilder sind fantastisch. Dazu Rückblenden zu Anthony Edwards am Klavier. Und dann die verkackten Elemente weglassen: Vor allem die super-dämlichen Dialoge. Aus dem jungen narzisstischen spätpubertierenden Pilotenarschloch, der Frauen bis in die Damentoilette verfolgt und belästigt, ist ein alter Flugverrückter geworden, der Frauen anständig behandelt (charismatisch: Jennifer Connelly!) und darum kämpft, dass die jungen Piloten, die ihm anvertraut wurden, überleben. Dazu eine emotionale Vater-Sohn-Geschichte, die Rückkehr von Iceman. Dann nur noch Tom Cruise ins Cockpit setzen und „Highway to the Danger Zone“ voll aufdrehen und schon läuft der Film rund. Wir hätten es nicht gedacht. Am Mikrofon direkt nach dem Film vor dem Kino: Gabriele, Harald, Tom und Thomas.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild Paramount 2022
Musik von Johannes Klan
Top Gun Maverick
USA, 2022, 130 Min., Regie: Joseph Kosinski
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild Paramount 2022
Musik von Johannes Klan
Top Gun Maverick
USA, 2022, 130 Min., Regie: Joseph Kosinski
Folge 1148: DR. STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS – Es passiert zu viel und es geschieht zu wenig
12 Minuten
Nachdem wir SPIDER-MAN: NO WAY HOME nachgeholt hatten, ging es ins Kino, um DR. STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS zu sehen. Regie: Sam Raimi. Das versprach klassische Horrorelemente, die es mitunter auch gab, aber Sam Raimi hat dem Film nur stellenweise seinen Stempel aufgedrückt. Insgesamt ist es ein typischer Vertreter der aktuellen MCU-Phase: Viel Handlung, viele Figuren, viele Zusammenhänge, viele Anspielungen, vielleicht alles etwas viel für einen Film. Der wie immer charismatische Benedict Cumberbatch darf gleich mehrere Versionen des Dr. Strange spielen, denn es öffnen sich die Tore zwischen den Multiversen.
America Chavez, eine sympathische junge Dame, kann Portale öffnen und nutzt diese Fähigkeit, um vor einem Monster zu fliehen, dass der Dr. Strange unserer Welt aufhalten kann. Dr. Strange wendet sich an Wanda Maximoff, bzw. Scarlet Witch und es entspannt sich ein dramatischer Ablauf um das Zauberbuch Darkhold, um Wandas Kinder Tommy und Billy, um die Zauberburg Kamar-Taj, Wong und Traumwandeln, um Baron Mordo und sein Sanctum Sanctorum, um Polykarbonat-Gefängnisse, um Christine Palmer und die Illuminati (Captain Carter, Black Bolt, der König der Inhumans, Captain Marvel alias Maria Rambeau, Reed Richards alias Mister Fantastic und Professor Charles Xavier). Was das mit dem Buch von Vishanti, dem Zaubertempel auf dem Berg von Wundagore und der Zombieversion von Strange aus Erde 838 zu tun hat, wird im Film erklärt, Man muss nur genau aufpassen. Vor allem auf die Mid-Credit-Szene mit der mysteriösen Frau namens „Clea“.
Im Podcast direkt nach dem Film versuchen Tom und Tom das unübersichtliche Überangebot zu sortieren. Und eines wird klar, auch die sehr guten Elemente des Films leiden massiv darunter, dass es noch 417 andere Elemente gibt. Das Ergebnis: cineastisches Sodbrennen. Der sehenswertere Multiversumsfilm ist dann doch EVERYTHING EVERYWHERE ALL AT ONCE. (Wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis die Daniels einen MCU-Film angeboten bekommen.)
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Bild Sony Pictures Entertainment Deutschland
Musik von Johannes Klan
Dr. Strange in the Multiverse of Madness
USA, 2022, 126 Min., Regie: Sam Raimi
America Chavez, eine sympathische junge Dame, kann Portale öffnen und nutzt diese Fähigkeit, um vor einem Monster zu fliehen, dass der Dr. Strange unserer Welt aufhalten kann. Dr. Strange wendet sich an Wanda Maximoff, bzw. Scarlet Witch und es entspannt sich ein dramatischer Ablauf um das Zauberbuch Darkhold, um Wandas Kinder Tommy und Billy, um die Zauberburg Kamar-Taj, Wong und Traumwandeln, um Baron Mordo und sein Sanctum Sanctorum, um Polykarbonat-Gefängnisse, um Christine Palmer und die Illuminati (Captain Carter, Black Bolt, der König der Inhumans, Captain Marvel alias Maria Rambeau, Reed Richards alias Mister Fantastic und Professor Charles Xavier). Was das mit dem Buch von Vishanti, dem Zaubertempel auf dem Berg von Wundagore und der Zombieversion von Strange aus Erde 838 zu tun hat, wird im Film erklärt, Man muss nur genau aufpassen. Vor allem auf die Mid-Credit-Szene mit der mysteriösen Frau namens „Clea“.
Im Podcast direkt nach dem Film versuchen Tom und Tom das unübersichtliche Überangebot zu sortieren. Und eines wird klar, auch die sehr guten Elemente des Films leiden massiv darunter, dass es noch 417 andere Elemente gibt. Das Ergebnis: cineastisches Sodbrennen. Der sehenswertere Multiversumsfilm ist dann doch EVERYTHING EVERYWHERE ALL AT ONCE. (Wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis die Daniels einen MCU-Film angeboten bekommen.)
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Bild Sony Pictures Entertainment Deutschland
Musik von Johannes Klan
Dr. Strange in the Multiverse of Madness
USA, 2022, 126 Min., Regie: Sam Raimi
11 Minuten
Ein wesentliches Element für die meisten Superhelden ist ihre geheime Identität. Das Rätsel, wer dahinter steckt, macht sie erst attraktiv. (Es sei denn, man ist ein stinkreicher Unternehmer und Playboy und outet sich mit kindlicher Freude als Iron Man). Für Peter Parker ist es eine Katastrophe, als Spider-Man enttarnt zu sein. Und das inszeniert der Film in den ersten zwanzig Minuten temporeich und witzig. Peter Parker weiß sich nicht mehr anders zu helfen – er sucht Hilfe bei Dr. Strange. Der ist arrogant genug zu glauben, er könne das Raumzeitmultiversendingsbums manipulieren, ohne dass sich die Grenzen der Welten öffnen und Spiderman es mit allen Bösewichtern gleichzeitig aufnehmen muss. Aber Spider-Man ist nicht alleine – und besonders sein unerwartetes Team haben Tom und Tom viel Spaß gemacht. Die beiden haben sich den Film im Wohnzimmer auf die Wand gebeamt und hatten einen sehr vergnügten Abend.
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)
Bild Sony Pictures Entertainment Deutschland
Musik von Johannes Klan
Spider-Man: No Way Home
USA, 2021, 148 Min., Regie: Jon Watts
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)
Bild Sony Pictures Entertainment Deutschland
Musik von Johannes Klan
Spider-Man: No Way Home
USA, 2021, 148 Min., Regie: Jon Watts
11 Minuten
Kyle (Joe Cole) ist einer der Verlierer, er arbeitet hart, wenn er einen Job findet, seine Freundin ebenso. Aber sie kommen im texanischen Nirgendwo kaum über die Runden. Als sein alter Wagen den Geist aufgibt, schämt er sich zu sehr, um es zuzugeben. Ein Mann, der sich noch nicht einmal ein Auto leisten kann? Der Kapitalismus lässt seine Kinder vielleicht verhungern, aber er hat immer eine trügerische Hoffnung im Angebot: Ein Autohändler verschenkt einen nagelneuen Pickup an den Mann oder die Frau, die am längsten ununterbrochen die Hand am Auto halten kann – ohne Schlafpausen. Es kommen diejenigen, die keine andere Chance mehr sehen, es kommen diejenigen, die eine ganze glückliche Zukunft in dieses Auto projezieren. Und während die Armen und Verzweifelten Tag und Nacht am Auto stehen, sind sie die Attraktion für die Schaulustigen, die diese Demütigung (noch) nicht nötig haben. Oft gibt es gar keine Zuschauer, außer ihrer Betreuerin Joan (Carrie Preston). Das sind dann die dunkelsten und einsamsten Momente. Regisseur Bastian Günther inszeniert dieses Kammerspiel rund um den Pickup in intensiven Einstellungen, wir sind den Menschen und ihrer Traurigkeit sehr nah. Und am Ende beginnt der Film für ganz besondere 20 Minuten noch einmal von vorne …
Johanna und Thomas haben den Film im CAPITOL gesehen – in Anwesenheit des Regisseurs Bastian Günther, der erklärte, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht und erinnerte das Publikum an den Film „They shoot horses, don’t they?“ von Sydney Pollack (1969), der einen Tanzmarathon zeigt, bei dem das letzte noch tanzende Paar gewinnt – auch hier eine Demütigung und Entwürdigung der Hoffnungslosen, eine Entmenschlichung und Degradierung zur Attraktion. Günther zeigte sich glücklich darüber, dass Robert Altman den Stoff dann doch nicht – wie ursprünglich beabsichtigt – verfilmt hat. Günther, der auch das Drehbuch geschrieben hat, ging im Gespräch auch auf die Szene ein, in der Kyle von der Polizei als potentieller Krimineller eingestuft wird, nur weil er zu Fuß unterwegs ist – einem Teammitglied war es während der Dreharbeiten tatsächlich passiert. Durch die Pandemie war der Start des Filmes auf dem Sundance-Festival 2020 kurzfristig abgesagt worden. Jetzt ist er in die Kinos gekommen. Als Koproduktion mit dem Hessischen Rundfunk, dem Saarländischen Rundfunk und ARTE wird der Film später in den Fernsehsendern der ARD, auf ARTE und in der ARD Mediathek zu sehen sein. Direkt nach dem Film sprechen Johanna und Thomas vor dem CAPITOL über die düstere Stimmung, die beeindruckende Inszenierung der Autos, lens flares, Autofriedhöfe und sprechende Pickups und sind sich einig: ONE OF THESE DAYS ist sehr ernst und sehr, sehr sehenswert.
WICHTIG: Wir haben ONE OF THESE DAYS im Programmkino Capitol&Palatin in Mainz gesehen, sehr viele SchönerDenken-Episoden zu anspruchsvolleren Filmen sind vor diesem Programmkino aufgezeichnet worden. Dieses Kino ist die Grundlage der Kinokultur in Mainz: Das Programm ist hervorragend kuratiert – besondere Filme aus vielen unterschiedlichen Genres und Nationen, immer wieder auch in Originalsprache, dazu viele Veranstaltungen. Dem Programmkino Capitol&Palatin droht durch ein Gebäudekauf durch ein großes Immobilienunternehmen die Schließung. Mehr Informationen gibt es hier und hier. Eine Petition zum Erhalt dieses wichtigen Kinos gibt es hier. Bitte unterstützen!
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)
Bild: Filmszene aus ONE OF THESE DAYS Weltkino 2020
Musik von Johannes Klan
One Of These Days
D, 2020, 121 Min., Buch und Regie: Bastian Günther
Johanna und Thomas haben den Film im CAPITOL gesehen – in Anwesenheit des Regisseurs Bastian Günther, der erklärte, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht und erinnerte das Publikum an den Film „They shoot horses, don’t they?“ von Sydney Pollack (1969), der einen Tanzmarathon zeigt, bei dem das letzte noch tanzende Paar gewinnt – auch hier eine Demütigung und Entwürdigung der Hoffnungslosen, eine Entmenschlichung und Degradierung zur Attraktion. Günther zeigte sich glücklich darüber, dass Robert Altman den Stoff dann doch nicht – wie ursprünglich beabsichtigt – verfilmt hat. Günther, der auch das Drehbuch geschrieben hat, ging im Gespräch auch auf die Szene ein, in der Kyle von der Polizei als potentieller Krimineller eingestuft wird, nur weil er zu Fuß unterwegs ist – einem Teammitglied war es während der Dreharbeiten tatsächlich passiert. Durch die Pandemie war der Start des Filmes auf dem Sundance-Festival 2020 kurzfristig abgesagt worden. Jetzt ist er in die Kinos gekommen. Als Koproduktion mit dem Hessischen Rundfunk, dem Saarländischen Rundfunk und ARTE wird der Film später in den Fernsehsendern der ARD, auf ARTE und in der ARD Mediathek zu sehen sein. Direkt nach dem Film sprechen Johanna und Thomas vor dem CAPITOL über die düstere Stimmung, die beeindruckende Inszenierung der Autos, lens flares, Autofriedhöfe und sprechende Pickups und sind sich einig: ONE OF THESE DAYS ist sehr ernst und sehr, sehr sehenswert.
WICHTIG: Wir haben ONE OF THESE DAYS im Programmkino Capitol&Palatin in Mainz gesehen, sehr viele SchönerDenken-Episoden zu anspruchsvolleren Filmen sind vor diesem Programmkino aufgezeichnet worden. Dieses Kino ist die Grundlage der Kinokultur in Mainz: Das Programm ist hervorragend kuratiert – besondere Filme aus vielen unterschiedlichen Genres und Nationen, immer wieder auch in Originalsprache, dazu viele Veranstaltungen. Dem Programmkino Capitol&Palatin droht durch ein Gebäudekauf durch ein großes Immobilienunternehmen die Schließung. Mehr Informationen gibt es hier und hier. Eine Petition zum Erhalt dieses wichtigen Kinos gibt es hier. Bitte unterstützen!
Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste)
Bild: Filmszene aus ONE OF THESE DAYS Weltkino 2020
Musik von Johannes Klan
One Of These Days
D, 2020, 121 Min., Buch und Regie: Bastian Günther