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SchönerDenken FilmPodcast Archiv

313 Episoden
11 Minuten
Die Farbpalette ist vielfältig: Sie reicht von Erdbraun, Graubraun, Weinrotbraun, Schlammbraun, Sandbraun bis hin zu aufregendem Schwarzbraun. In Kombination mit dem Verzicht auf Schweinwerfer auch nachts und im Regen hat der Film einen ganz besonderen Look. Erkennen kann man allerdings nicht viel, geschweige denn die Charaktere im Gewusel auseinanderhalten. Aber bei den Musketieren kommt es ja nicht drauf an, wer zum König gehört und wer zum Kardinal …

Die neue Verfilmung erinnert an DER PAKT DER WÖLFE, erreicht aber weder optisch noch dramaturgisch dessen Klasse. Überhaupt ist diese Version nicht sorgfältig gedreht, auch das schönste Bild wird spätestens nach fünf Sekunden geschnitten und vielen Einstellungen sieht man an, dass nicht bis zum optimalen Take gedreht wurde. Eher ein TV-Zweiteiler als ein Kinoereignis. Im Podcast direkt nach dem Film reden die Üblichen Verdächtigen über verschenkte Stars, fragen uns nach der Motivation der Neuverfilmung, vermissen Stative und stellen Vergleiche an mit der großartigen Lester-Version von 1973. Am Mikrofon: Johanna, Heidi, Martin, Hendrik und Thomas.
1 Stunde 2 Minuten
Frauen sind immer noch das benachteiligte, oft sogar unterdrückte Geschlecht. Würde eine linke Revolution, eine linke Politik daran etwas ändern? Diese Frage wollte Lizzie Borden vor 40 Jahren mit BORN IN FLAMES beantworten. Der Film ist ein Punk-Science-Fiction, genauer eine Near Future-Dystopie: BORN IN FLAMES zeigt die USA, zehn Jahre nach einer linken Machtübernahme. Für die Frauen hat sich kaum etwas verbessert, immer noch werden sie mit der Bedrohung durch Vergewaltigung, mit Care-Arbeit und den Kindern alleine gelassen. Wenn sie einen Job haben, werden sie von den Männern als Konkurrenz abgelehnt. Und wenn die Frauen protestieren, verlieren sie ihre Job.

Lizzie Borden zeigt in ihrer rauhen, körnigen Mockumentary, eine Frauen-Armee, die überlegt, ob sie zu den Waffen greifen soll. Erzählt wird in Bruchstücken, unter anderem mit Ausschnitten aus den TV-Nachrichten, die offenbar von „der Partei“ kontrolliert werden und in mitreißenden Moderationen von feministischen Piratenradios. BORN IN FLAMES ist kraftvoll und rauh, redet Klartext und stellt die Kernfrage zur Debatte: Mit welchen Mitteln kann die notwendige Änderung der Verhältnisse herbeigeführt werden? Kluger, eigensinniger, ruppiger und sehr sehenswerter Film. Im Podcast reden wir über den fünfjährigen Entstehungsprozess, die guerilla-artige Umsetzung, über Universalismus, die RAF, Penisse und Putenfleisch, Kathryn Bigelow und vor allem über die Frage: Wie geht es nach der Revolution weiter?

Zitat aus dem feministischen Untergrundradio:

Honey: „We are the children of the light and we will continue to fight. Not against the flesh and blood; but, against the system that names itself falsely. For we have stood on the promises far too long now. That we can all be equal – under the cover of a social democracy. Where the rich get richer and the poor just wade in their dreams.“
8 Minuten
Was wollen wir vom Popcornkino? Spannung, Abenteuer, ganz unterschiedliche Charaktere, mit denen wir uns identifizieren und eine große Portion Humor. Was wollen wir von Fantasy? Schwerter, Prinzessinnen, Zauberer, Verliese und Drachen, genau Dungeons & Dragons. DUNGEONS & DRAGONS: EHRE UNTER DIEBEN ist ein weiterer Anlauf, das legendäre Spiel auf die Leinwand zu bringen – und diesmal passt alles. Vor allem die Helden: Zauberer, die Schwierigkeiten mit dem Zaubern haben, Diebe und Krieger, die vielleicht nicht ganz ehrlich sind, aber „das Herz am richtigen Fleck“ haben, gespielt von einem sehr gut gecasteten Ensemble. Chris Pine, Michelle Rodriguez und Hugh Grant liefern die Gags und Pointen sicher ab. Fantasy als einfallsreiche Action-Comedy statt als düsteres Epos – davon wollen wir gerne mehr. Am Mikrofon direkt nach Kino und bester Laune: Gabriele, Harald, JCK, Tom und Thomas.
16 Minuten
Es beginnt auf einem Fischerboot. Adam (Tawfeek Barhom) ist mit seinem Vater unterwegs. Aber er verlässt seine Familie und studiert als Stipendiat an der bedeutenden al-Azhar-Universität in Kairo. Kaum angekommen erlebt er, wie der Groß-Imam stirbt und der Machtkampf um seine Nachfolge ausbricht. Ibrahim (Fares Fares) vom Geheimdienst wirbt Adam als neuen Spion an, nachdem sein Vorgänger erstochen worden war. In der ersten Hälfte bangen wir um Adam und fürchten, dass er die Intrigen nicht überleben wird. In der zweiten Hälfte des Films erleben wir, wie Adam lernt, das Geheimdienstspiel besser zu spielen als seine Auftraggeber und Widersacher …

Tarik Saleh hätte diesen Film nicht in Ägypten drehen können – der Film darf dort auch nicht gezeigt werden. Die zum Teil beeindruckenden Bilder der Universität wurden in der Süleymaniye-Moschee in Istanbul gedreht. Zum ersten Mal sehen wir einen Geheimdienstthriller mitten in einer islamischen Universität, spannend und paranoid wie ein John le Carre-Roman. Das aber ist auch seine Schwäche: Wie die klassischen Spionage-Thriller spielen hier Männer Machtspiele, Intrige folgt auf Intrige, Verrat auf Verrat, keiner behält seine Integrität, nicht jeder behält sein Leben. Wer sich dafür nicht begeistern kann, wird es schwer haben in diesen Film einzutauchen und sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Direkt nach dem Film stehen Bettina, Katharina und Thomas in der Eiseskälte vor dem Kino und debattieren leidenschaftlich über die Stärken und Schwächen des Films.
11 Minuten
Das vierte Kapitel liefert, was von einem JOHN WICK-Film zu erwarten ist: Große Bilder, sehr viel Liebe zum Detail, extrem kompetentes Gun Fu. Bei fast drei Stunden Laufzeit – fast durchgehend nicht enden wollende Kampfszenen und Schusswechsel – ermüdet der geneigte Zuschauer und fragt sich: Ist das noch Hochglanz-Actionkino oder ist schon ein Let’s Play auf Speed? Die Set Pieces folgen aufeinander wie Level in einem Game, eine Szene in Vogelperspektive gedreht, verstärkt diesen Eindruck.

John Wick, der weniger Sätze hat als Harald hier in einer Podcastepisode, ist ein Schmerzensmann: Jeder Kampf bedeutet weitere Blessuren und Verletzungen. Er ist wie Herakles, der unendliche viele Augias-Ställe auszumisten hat, wie Sysiphus, der versucht mit seinem Stein den Montmatre hinauf zu kommen. Keanu Reeves ist zum Buster Keaton des Action-Kinos geworden: Stoisch geht er seinen Weg, wer auch immer auf ihn schießt oder auf ihn einsticht. Und aus dieser Perspektive betrachtet ist das möglicherweise ein wirklich guter Film. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Gabriele, Uwe, Harald, Tom und Thomas.
2 Stunden 26 Minuten
Wir gehen zwei Jahrhunderte zurück: Grossbritannien 1819. Eine Kundgebung, geplant von der Manchester Patriotic Union Society. 80.000 unbewaffnete Menschen, die gegen die Getreidezölle und für eine Parlamentsreform demonstrieren. Wichtigster Sprecher: Henry Hunt. Doch die lokalen Behörden haben beschlossen, die Versammlung vor der Rede aufzulösen und die Anführer zu verhaften. Dafür waren 600 Husaren, 120 Yeomanry-Kavalleristen und zwei Sechspfünder-Kanonen sowie mehrere hundert Infanteristen und Polizisten bereitgestellt. 120 Kavalleristen drangen mit gezogenem Säbel auf die Menge ein, um zu den Rednern durchzudringen. Henry Hunt (im Film gespielt von Rory Kinnear) und mehrere andere Personen, darunter Journalisten, wurden verhaftet. Als die Menge Widerstand leistete, griffen die Husaren ein. Dabei wurden 15 Menschen getötet, darunter ein Baby, etwa 600 wurden verletzt von Säbelhieben und Schlagstöcken. Nach einer Viertelstunde war das Massaker vorbei. Und da niemand diese Geschichte auf die Leinwand bringen wollte, hat es 2018 Mike Leigh getan. Und da niemand den Film wahrgenommen hat, haben molosovsky und Thomas von SchönerDenken sich intensiv mit PETERLOO auseinandergesetzt.

Zitieren wir Ruth Rach vom Deutschlandfunk: “Der Tag ist heiß und sonnig. Zwischen 60.000 und 100.000 Menschen marschieren in Richtung St. Peters Field. Männer, Frauen, Kinder. Sie kommen aus ganz Nordengland. Die Leute tragen Sonntagskleidung. Den Marsch haben sie wochenlang eingeprobt, denn er soll wohl geordnet verlaufen. Und friedlich. Niemand ist bewaffnet. Musikbands begleiten sie auf dem Weg. Die Menschen tanzen, singen, tragen Spruchbänder. Sie wollen Parlamentsreformen, einen eigenen Abgeordneten in Westminster und niedrigere Getreidezölle. Dann rückt die Kavallerie vor, zusammen mit Infanteristen und Polizisten. Freiwillige Soldaten – von lokalen Fabrikanten und Geschäftsleuten finanziert – ziehen ihre Säbel, attackieren die Menschenmenge. Wahllos. Brutal. Sie wollen die Hauptredner verhaften. Die Kundgebung endet mit einem Blutbad. Mindestens 15 Menschen werden getötet, bis zu 700 verletzt.”

Die totgeschwiegene Geschichte von Peterloo führt Ungleichheit vor, brutalen Klassismus, eine den herrschenden Klassen dienende Justiz, die Paranoia des Konservatismus und die Geburt des Raubtierkapitalismus. Mike Leigh zeigt uns in seinem hochspannenden, sehr fein beobachtenden und perfekt inszenierten Film ein Schulfernsehen auf Speed, erklärt, bewegt und haut Molo und Thomas vom Stuhl – spätestens als der in Waterloo traumatisierte ehemalige Soldat Joseph (David Moorst) wieder auf britische Soldaten trifft. Ein episches, ein olympisches, ein maßstabsetzendes Meisterwerk.

Einen großen Dank an unseren wunderbaren und klugen Gast molosovsky für die spannende Diskussion und die gemeinsame Liebe zu diesem Meisterwerk! Bitte beachtet auch am Ende Molos Literaturhinweise zur Vertiefung der Hintergründe. Und Danke an Euch Zuhörer:innen für Eure Geduld und Aufmerksamkeit.

PETERLOO ist die zweite Folge einer geplanten gemeinsamen Trilogie mit molosovsky über Filme, die sich mit der politischen und sozialen Geschichte des 19. Jahrhunderts beschäftigen. In der ersten Folge widmeten wir uns dem herausragenden THE NIGHTINGALE der Meisterregisseurin Jennifer Kent.
13 Minuten
Paula lebt in der Filmwelt, zwischen Hauptrollen, Nebenrollen, Fehlbesetzungen, Jump-Cuts, Voice Over und Outtakes. Eine streng hierarchische Welt, in der die Hauptrollen an der Spitze der Pyramide leben – alles dreht sich um sie, ihre Herzen geben die Musik vor. Das will die 16-jährige Paula (Fine Sendel) als Tochter eines getöteten Hauptrollenvaters auch und steht als Schülerin an der Schule für Hauptfiguren kurz vor dem Abschluss. Aber es fehlt ihr etwas zum überzeugenden Durchbruch. Da sie aus den wenigen Sätzen ihrer Nebenrollenmutter nichts über ihren Vater erfahren kann, begibt sie sich auf die Suche nach ihm. Vielleicht ist er noch am Leben. Ihre Suche führt sie in die verbotene Unterwelt der geächteten Outtakes …

Regisseurin Sophie Linnenbaum spielt in ihrem Debüt ihre wunderbare Filmwelt großartig aus, so viele Ideen und Anspielungen, so viele verrückte, liebevolle Details, so viel Witz (die singende FDP-Familie mit „Emotionen! Emotionen!“). Und gleichzeitig ist THE ORDINARIES ein fast brutal schonungsloser Film über eine Klassengesellschaft, die einen Aufstieg verhindern will, ein tonnenschweres Sozialdrama über Armut und Privilegien, Ausgrenzung und den Traum davon, eine eigene Geschichte zu haben und selbst im Rampenlicht zu stehen. Dazu ein beeindruckendes Ensemble, besonders Fine Sendel als Paula und Jule Böwe als ihre Mutter sind herausragend. Das alles tritt uns in einer traumhaften Szenerie entgegen, die unglaublich atmosphärisch und einfallsreich ist. Ein unglaublich origineller, kluger, schöner, lustiger, unendlich trauriger Film. Vielleicht der beste deutsche Film seit VICTORIA, überlegt Hendrik nach dem Film und würde ihn am liebsten nochmal sehen. Im Saal gab es Applaus – auch von uns. Am Mikrofon direkt nach dem Film sehr euphorisch: Katharina, Kathrin, Hendrik und Thomas.
9 Minuten
Halim (Saleh Bakri) ist Schneider, ein Meister seines traditionellen Handwerks – er näht wunderschöne Kaftane, jede einzelne Verzierung von Hand. Zärtlich und behutsam geht er mit den edlen Stoffen um und die Kamera folgt ihm dabei. Zart und behutsam ist auch die Liebe zwischen Halim und seiner ebenso resoluten wie charismatischen Frau Mina (Lubna Azabal), sie ist sein Gegenpol, sein Fels, seine große Liebe – und sie weiß, dass Halim homosexuell ist und sich in den Lehrling Youssef (Ayoub Missioui) verliebt hat. Aber die Liebe dreier Menschen überwindet die Hindernisse, gibt Raum für zartes Glück und für Hoffnung über den Tod hinaus.

Maryam Touzanis meisterhaftes Kammerspiel ist wunderschön in seinen Farben und Bildern, sie zeigt Marokko und die Medina als Schauplatz vollkommen frei von jedem kolonialen Orientblick. Das eigentliche Wunder des Films ist das herausragende Schauspielensemble, das Touzanis Bühne nutzt, um uns ganz nah an eine diskrete, zarte und so machtvolle Liebe heranzuführen. Im Podcast reden wir begeistert über Seide, Mandarinen, über die liebevolle Darstellung der Figuren und über den sinnlichen und feinstofflichen Zauber dieses Films. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Katharina, Johanna und Thomas.
11 Minuten
Manchmal kann es so einfach sein: Ein Pilot stürzt mit seinem Raumschiff auf einem unbekannten Planeten ab. Außer ihm überlebt nur ein Kind. Jetzt heißt es schnell einen Weg finden, um diesen unwirtlichen Ort voller extrem gefährlicher Raubtiere wieder zu verlassen. Der Twist, der schon im Filmtitel steckt: Der Planet ist die Erde vor 65 Millionen Jahren, bevölkert von Dinosauriern, die zwei Humanoide liebend gerne als Snack zwischendurch verspeisen möchten. Aber ganz so leicht sind die beiden Überlebenden dann doch nicht zu töten. Saurier, Action, Ausstattung – alles sehr solide, sehr fokussiert. Es bleibt über die angemessene Filmlänge ordentlich spannend und Adam Driver und Ariana Greenblatt spielen überzeugend zurückhaltend, es wird nicht viel und vor allem kein Blödsinn geredet. Das ist mehr als genug, um einen wirklich unterhaltsamen SF-Kino-Abend zu garantieren. Hinter dem Film stecken übrigens Scott Beck und Bryan Woods, die auch schon den ebenfalls unkomplizierten A QUIET PLACE geschrieben hatten. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Hendrik, Tom und Thomas.
8 Minuten
Die schlechte Nachricht: Der Film ist sehr lange und er ist sehr langsam erzählt. Die gute Nachricht: Der Film ist sehr lange und er ist sehr langsam erzählt. Möglicherweise dauert es eine Weile, bis man sich sich mit Kore-edas Zeit synchronisiert hat. Dann aber ist man tief drin in einer ruhigen und damit wunderbar nachvollziehbaren Entwicklung der Charaktere. Da ist Sang-Hyun, eigentlich hat er eine Wäscherei, und manchmal vermittelt er gegen eine dicke Provision Babys, die er mit Dong-soo aus der Findelkinderablage eine Kirche stiehlt. Ein notorischer Lügner – aber nicht wirklich ein schlechter Mensch. Da ist So-young, die junge Mutter, die vor ihrer eigenen Vergangenheit flieht.

Alle haben Narben in BROKER und halten nicht viel von sich selbst. Und alle sind dabei neue Rollen und neue Verantwortungen zu finden, als sie zu einer Familie zusammengewürfelt werden, denn die Mutter eines der gestohlenen Babys schließt sich ihnen an und ein Junge, der aus dem Heim davon gelaufen ist. Eine Familie, die der Zufall zusammengefügt hat, und deren Mitglieder anfangen füreinander da zu sein. Die Polizei ist dieser kleinen Schicksalsgemeinschaft auf den Fersen und nicht nur die Polizei. Ein Roadmovie mit großartigen Details und wenig Dramaturgie, sehr feinem Gespür für die Figuren, für ihre Zweifel und ihre Hoffnungen. Kore-eda eben. Diesmal auf Koreanisch. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Birgit, Peter und Thomas.
10 Minuten
Ein Spielbergfilm ist ein Spielbergfilm ist ein Spielbergfilm. Es beginnt schon damit, dass vor dem Film Spielberg auftaucht und ein paar warme Worte zu seinem Film sagt. Eine Überraschung und keine positive. Der Film über Sam Fabelman (Gabriel LaBelle), seine Mutter (Michelle Williams) und seine ersten Schritte als Filmemacher ist manchmal berührend, manchmal etwas oberflächlich, er ist wunderbar inszeniert, gedreht und geschnitten, lustig und absolut berechenbar. Er ist nicht subtil, nicht herausfordernd, nicht riskant. Und vielleicht wäre das auch zuviel verlangt von einem braven Jungen, der einen Film über seine eigene Mutter dreht. Sehenswert, schön, sentimental. Und immerhin mit David Lynch als John Ford. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Heidi, Johanna, Katharina, Bettina und Thomas.
16 Minuten
Das „Meisterwerk“-Etikett findet gefühlt in jeder zweiten Filmkritik zu TÁR. Zurecht? Im Mittelpunkt steht Lydia Tár, Komponistin und Dirigentin von Weltruf, auf dem Gipfel ihres Ruhmes und ihrer Macht. Sie dirigiert die Berliner Philharmoniker, spielt Mahlers Fünfte für die Deutsche Grammophon ein, veröffentlicht ein Buch – für diese Exposition lässt sich Todd Field Zeit. Ein fast dokumentarisch wirkender Einstieg, sehr schön für alle, die sich auch nur ein bisschen für klassische Musik interessieren. Aber vom Gipfel aus droht der Absturz: Ganz langsam steigert Todd Field die Bedrohung, die Schatten der Vergangenheit werden sichtbar, Überempfindlichkeit und Paranoia wachsen. Vor allem sehen wir, wie Lydia Társ kalter Narzissmus ihre Arbeit und ihre Ehe gefährdet …

Wie moralisch ist TÁR? Nicht leicht zu beantworten. Ist Tár charismatisches Genie oder narzisstisches Monster? Oder beides? Was hat sie sich zu schulden kommen lassen? Abgesehen von einem Egoismus, der einem manchmal die Sprache verschlägt und mangelnder Diplomatie in der Diskussion mit Studierenden und ihrer offensichtlichen Bevorzugung einer begehrenswerten Cellistin. Es ist vor allem ihre Entscheidung, die Karriere einer ehemaligen Mitarbeiterin, einer Cellistin, zu zerstören, die auf sie zurückschlägt.

Im Film kommt trotz der Länge keine Langeweile auf – Thomas hätte sich TAR auch als 10-teilige Serien angeschaut (Peter hätte den Film aber gerne um eine Stunde gekürzt). Field gelingt ein besonderer Realismus: Field und Blanchett erwecken mit Lydia Tár eine umfassende Figur zum Leben in einer ebenso komplexen wie interessanten Welt. Mit ihrer Ehefrau (Nina Hoss), ihrer Assistentin (Noemie Merlant) und einem unterlegenen Konkurrenten (Mark Strong) hat Tár starke Partner und Gegner. Sehr gut und sehr sehenswert, aber das „Meisterwerk“-Etikett würden wir nicht aufkleben. Im Podcast direkt nach dem Film reden wir über Edgar Allan Poe, über filmische Regelbrüche, rückwärts erzählte Dekonstruktionen, Oscar-Chancen und die Hölle. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Heidi, Johanna, Katharina, Peter und Thomas.
7 Minuten
Ein Highlight des Nippon Connection Filmfestivals ist jedes Jahr die Zusammenstellung der interessantesten japanischen Animationskurzfilme von Dr. Catherine Munroe Hotes. Cathy hat ganz unterschiedliche Kunstwerke zusammengestellt, die mit ganz unterschiedlichen Techniken arbeiten. Im Podcast direkt danach unser erster Eindruck von den Kurzfilmen. Am Mikrofon: Die Melanie, Lucas, Hendrik und Thomas.

Ausführliche Informationen gibt es auf Cathys Blog Nishikata Eiga.
7 Minuten
Als das Nippon Connection Filmfestival 2022 sich langsam dem Ende näherte, schauten wir uns die Band OKABRE an. Sie vertonten den japanischen Filmklassiker A PAGE OF MADNESS von Teinosuke Kinugasa aus dem Jahr 1926 neu. Dem experimentellen und sehr interessant wirkenden Film konnten wir nicht wirklich folgen, aber wir haben uns ganz der elektronischen Musik und der Atmosphäre hingegeben. Am Mikrofon nach diesem ungewöhnlichen Event: Lucas Barwenczik und Thomas.
12 Minuten
Nach dem ersten ANT-MAN-Film hatten viele die Pym-Familie und vor allem Scott (Paul Rudd) ins Herz geschlossen. Das fand alles auf erfrischend kleiner Bühne statt – und das lag nicht nur an der Ameisengröße. Allein Scott und seine Freunde waren der perfekte Comic Relief aus der Wirklichkeit. Das ist jetzt endgültig vorbei. Nach einem kurzen Auftakt in der realen Welt geht es in die riesige lila-violette Gummizelle der Quantenebene. In dieser computerspielartigen Welt wirken die Bedrohungen nicht überzeugend und darum ist QUANTUMANIA vor allem eines: Egal. Das ist so als hätte man sehr viel Ahoibrause im Mund, während Handpuppen Glückskeks-Weisheiten raushauen, die besser auf die Rückseite eine Shampoo-Flasche gepasst hätten. Da können auch die sehr guten Darsteller nichts retten. Mit dieser themenlosen und bedeutungslosen Art von Geschichten rückt der Superhelden-Ermüdungsbruch immer näher. Direkt nach dem Kino am Mikrofon: Johanna, Gabriele, Hendrik, Harald, Tom und Thomas.
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Der erste Eindruck direkt nach dem Kino