Das Gespräch Archiv
48 Episoden
47 Minuten
Eigentlich wollte Thomas Krüger im Jahr 2016 nur Urlaub in Paris machen, doch dann entdeckte er am Flughafen ein Klavier. Er setzte sich hin und spielte einfach drauflos: ein Meadley aus bekannten Pop-Songs. Seine Mutter filmte ihn dabei und stellte das Video online. Es ging viral und machte den Berliner zu Deutschlands bekanntestem Piano-YouTuber. Inzwischen hat sein Kanal "Mr. Pianoman" fast eine Million Abonnenten und Thomas Krüger gibt Konzerte. Nach wie vor improvisiert er gern auf öffentlichen Klavieren, auch in Marzahn, dem Bezirk, in dem er aufgewachsen ist und dem er sich sehr verbunden fühlt. Matthias Bertsch hat mit ihm gesprochen.
52 Minuten
Wenn Theater mit dem Publikum kommuniziert und es unterhält, dann ist es gutes Theater, findet André Nicke. Er ist Schauspieler, Regisseur und Intendant der Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Immer wieder bringt er DDR-Stoffe wie die „Spur der Steine“ auf die Bühne und hat damit bei seinem Publikum großen Erfolg. Der gebürtige Bautzner versteht sich als ostdeutscher Theatermacher und sagt, das Theater sei in den besten Momenten eine „Selbstermächtigung des Publikums“. Über die Vielfalt der Produktionen, die Sanierung des großen Hauses in Schwedt und die Besonderheit des Theaters in der ostdeutschen Provinz hat Ulrike Bieritz mit André Nicke gesprochen.
48 Minuten
Ob Theater mit Demenzerkrankten, Aufführungen in Nachbarschaftszentren oder ein Projekt an dem sich eine migrantische Familie mit einem behinderten Kind beteiligt - die Theaterpädagogin Hülya Karçi empfindet ihre Arbeit als politisch. Denn ihr geht es darum, das Miteinander der Menschen und ihr Interesse aneinander zu stärken, weil sie beobachtet, dass dies in der Gesellschaft zunehmend verloren geht. Schon als junge Frau engagierte sich Hülya Karçi politisch in der Türkei und wurde deswegen inhaftiert. "Das Leben ist politisch!", sagt sie. Seit über 25 Jahren lebt und arbeitet sie in Berlin. Über Vertrauen und Hartnäckigkeit als Basis für ihre kreative Arbeit hat Katrin Heise mit ihr gesprochen.
52 Minuten
Das Prinzip Telefonseelsorge ist einfach: Wer ein Gespräch braucht, warum auch immer, ruft an. Am anderen Ende nimmt auf jeden Fall jemand ab und hat Zeit: Manchmal für konkrete Ratschläge, vor allem aber zum Zuhören, auch wenn der Kontakt anonym und flüchtig ist. Uwe Müller gründete 1988 im damaligen Ost-Berlin die kirchliche Telefonseelsorge Berlin-Brandenburg und leitete sie fast 40 Jahre lang. Kirsten Dietrich hat mit ihm gesprochen.
52 Minuten
Als einer der drei Gründer des renommierten Architekturbüros GRAFT setzt sich Thomas Willemeit für große Projekte ein. Er möchte das Internationale Congress Centrum ICC zur größten Elektro-Ladestation Berlins weiterentwickeln und die Weltausstellung EXPO 2035 nach Berlin holen. Sein architektonisches Denken sei musikalisch geprägt, sagt er. Willemeit spielt Geige, singt im Chor und hat selbst Chöre gegründet. Über seine Visionen für Berlin und die Verbindung von Musik und Architektur hat Britta Bürger mit ihm gesprochen.
51 Minuten
"Dabei sein und nicht schweigen" – das ist der Titel der bislang größten institutionellen Einzelausstellung der Künstlerin Gabriele Stötzer, die ab dem Sommer im Berliner Gropius Bau zu sehen sein wird. 1976 hatte die Studentin in der DDR gegen die Exmatrikulation eines Kommilitonen und die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert. Als sie sich im Verhör der Stasi weigerte "tätige Reue" zu zeigen, wurde sie zu einem Jahr Haft verurteilt. Nach ihrer Entlassung war sie mit Texten, Videoinstallationen und Skulpturen in der Untergrundkultur der DDR aktiv. Bis heute nimmt sie mit ihren Werken zu gesellschaftlichen Fragen Stellung. Matthias Bertsch hat mit Gabriele Stötzer gesprochen.
50 Minuten
Auf den Schauplätzen der Polarisierung kennt sich die Journalistin Gilda Sahebi aus, unter anderem als häufiger Gast in politischen Talkshows. In ihrem neuen Buch "Verbinden statt spalten" beschreibt sie, was wir uns mit der Aufspaltung in Meinungslager bei Themen wie Sozialleistungen, Migration oder Krieg und Frieden antun. Gilda Sahebi sucht nach Mitteln gegen die Polarisierung und macht selbst einen Anfang, indem sie in ihren Texten den verschiedenen Seiten einer Geschichte Raum gibt, auch gegen ihre eigenen politischen Sympathien. Und sie erzählt von der Erfahrung, die wir alle in unserem Alltag machen können: Dass uns mehr verbindet als uns trennt. Frank Meyer hat mit Gilda Sahebi gesprochen.
49 Minuten
In der Food-Szene ist es eine kleine Sensation: Seit zwei Jahren betreiben Mical Rosenblat und Karl-Louis Kömmler das kleine Restaurant „Loumi“ in Berlin-Kreuzberg, und obwohl beide gastronomische Autodidakten sind, haben sie in diesem Jahr von dem renommierten Restaurant-Führer „Guide Michelin“ ihren ersten Stern bekommen. Britta Bürger hat mit Mical Rosenblat und Karl-Louis Kömmler darüber gesprochen, was ein exzellentes Restaurant ausmacht, wie der Stern ihre Arbeit verändert und über die Liebe zu gutem Essen.
48 Minuten
Manchmal ist es eine Nachbarin, manchmal ein Lehrer oder die ältere Cousine: Ein Mensch, der einem orientierungslosen Jugendlichen zuhört und einen Anstoß zur Entwicklung gibt. Für den jungen Burak Caniperk war es ein Lehrer, der sich für ihn Zeit nahm und ihm den Mut gab, sich an einen besseren Schulabschluss zu wagen. Inzwischen ist Burak Caniperk Streetworker in Berlin und will für die Jugendlichen auch so ein Mensch sein, der mit Respekt auf sie zugeht. Er will keine Jugendlichen an Hoffnungslosigkeit, Drogen oder Kriminalität verlieren, sagt er. Den Kontakt zu ihnen findet er nicht nur auf der Straße, sondern auch im Netz und über den Hiphop. Katrin Heise spricht mit Burak Caniperk über Chancen, Geduld und Sparzwänge. Eine Wiederholung vom 25. Mai 2025.
49 Minuten
Als Kurator hat Avi Feldman schon in Metropolen wie Tel Aviv oder New York gearbeitet. Seine eigene Galerie hat er jedoch genau dort eröffnet, wo Berlin besonders idyllisch ist: Mitten im alten Dorfkern in Berlin-Wannsee. Hier stellt Feldman seit etwa fünf Jahren Kunst der Gegenwart aus - zwischen Strandbad-Idylle, der Liebermann-Villa und dem Haus der Wannseekonferenz. Über seine Arbeit in der Galerie „Wannsee Contemporary“ hat Kirsten Dietrich mit Avi Feldman gesprochen.
51 Minuten
Ungewöhnliche Aktionen scheinen das Spezialgebiet des Historikers und Schriftstellers Karsten Krampitz zu sein: Er hat z.B. als Obdachlosen-Aktivist Berliner Luxushotels besetzt und eine "Trinker-Klappe" zur Rettung von Alkoholikern miterfunden. In seinem neuen Roman "Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung" schreibt Karsten Krampitz über Menschen mit Behinderungen, die in der DDR eine Pflege-WG aufmachen und damit eine Anlaufstelle für Aussteiger und Dissidenten schaffen. Frank Meyer hat mit Karsten Krampitz gesprochen.
46 Minuten
Wie lassen sich sorbisch-wendische Kulturen und Traditionen in der Gegenwart leben? Damit beschäftigt sich die Künstlerin Hella Stoletzki, Jahrgang 1996, aufgewachsen in Cottbus. Sorbisch hat sie in der Schule gelernt; erst später hat sie die sorbische Subkultur für sich entdeckt. Hier trifft Trachtenlook auf sorbischen Rap, die traditionelle Ostereier-Maltechnik wird auf Fingernägel appliziert und Stickmuster als Tattoo gestochen. Seit ihrem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig gilt sie als großes Talent. Mit Sorge erlebt Hella Stoletzki, wie rechte Übergriffe gegenüber Sorbinnen und Sorben zunehmen. Britta Bürger hat mit ihr gesprochen.
52 Minuten
Immer wieder musste Peter Tauber neu anfangen: nach schweren Erkrankungen und nach dem Tod seiner beiden Eltern. Einschnitte, über die der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker und leidenschaftliche Läufer in seinem Buch „Lauf los“ nachgedacht hat. Vera Kröning-Menzel hat mit Peter Tauber über seine Eltern, seine Liebe zur Politik, Überforderung im Abgeordnetenalltag und über schöne und dunkle Seiten des Laufsports gesprochen.
48 Minuten
Er schmuggelte echte und gefälschte Pässe über die innerdeutsche Grenze und ließ Autos umbauen, damit sich Menschen darin verstecken konnten, sogar hinter dem Armaturenbrett eines Cadillacs. Für den jungen Medizinstudenten in Westberlin Burkhart Veigel war nach Mauerbau nichts wichtiger, als Menschen aus der DDR den Weg in den Westen zu ermöglichen. Mehrmals brachte er sich selbst in Gefahr. Erst mit der Geburt seines ersten Kindes wurde es ihm zu riskant, aber bis heute lässt ihn die Fluchthilfe nicht los: Auch mit 87 Jahren wälzt Burkhart Veigel weiter Akten, steigt in Archive, schreibt Bücher und hält Vorträge. Im Gespräch mit Katrin Heise erzählt er von dem unbedingten Recht auf Freiheit und was dies für die heutige Gesellschaft bedeutet.
51 Minuten
Wie sieht Berlin im Jahr 2099 aus? Der Comiczeichner Ingo Römling entwirft in „Metropolia“ eine hypermoderne und zugleich archaische Version der Zukunft: Menschen mit Elektroden unter der Haut treffen auf einen Hirten, der seine Ziegenherde mit einem Roboterhund durch die Straßen treibt. Ingo Römling brennt für das Erschaffen phantastischer Welten, die liebevoll mit Details bis in den kleinsten Winkel gefüllt sind, sei es im viktorianischen London, Schauplatz der Horror-Parodie „Malcolm Max“, sei es als erster deutscher Zeichner für das „Star Wars“-Universum, ein Ritterschlag für Comiczeichner. Kirsten Dietrich hat mit Ingo Römling gesprochen.
Das Gespräch
Reden mit einem Menschen. Eine knappe Stunde lang. Eine Zumutung? Im Gegenteil: es ist die pure Verführung zum Zuhören.