Das Gespräch Archiv
48 Episoden
48 Minuten
Sein Engagement für Gerechtigkeit gehört für Fabian Retschke untrennbar zu seinem Glauben. In Dresden geboren und in Wittichenau in der sorbischen Oberlausitz aufgewachsen, wurde er einer katholischen Familie groß und wollte schon als Jugendlicher Priester werden. Im Theologiestudium lernte er die Jesuiten kennen und trat 2017 in die Gesellschaft Jesu ein. Nachdem zwei Jahren in der Jugendarbeit des Canisius-Kollegs in Berlin promovierte er in Bogotá, Kolumbien. Seit 2025 ist er Kaplan im Berliner Südwesten und Mitarbeiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Deutschland. Vera Kröning-Menzel hat mit Pater Fabian Retschke über seine Arbeit mit Geflüchteten, seine Berufung und seinen Glauben gesprochen.
54 Minuten
Am 14. Februar 2026 starb die Künstlerin Henrike Naumann überraschend im Alter von 41 Jahren, da war sie mitten in der Vorbereitung der Gestaltung des Deutschen Pavillons der Kunstbiennale in Venedig. Posthum wurde der Pavillon unter dem Titel ‚Ruin’ in Zusammenarbeit mit Naumanns Studioteam, der Künstlerin Sung Tieu und Kuratorin Kathleen Reinhardt fertiggestellt. Bekannt geworden war die in Zwickau aufgewachsene Henrike Naumann mit raumfüllenden Möbelinstallationen. Ihr zentrales Thema war lange die deutsche Geschichte, insbesondere die Radikalisierung nach rechts. Seit 2021 hatte Henrike Naumann mehrfach in der Ukraine gearbeitet, interessiert an der Rolle der Kunst in Zeiten des Krieges. Zur Eröffnung der Biennale von Venedig wiederholen wir ein Gespräch, das Britta Bürger im Januar 2024 mit der Künstlerin geführt hat.
47 Minuten
Sie war eine geschätzte und vielfach ausgezeichnete Zeitzeugin, die in Schulklassen von ihrem Leben erzählte: Als Einzige ihrer jüdischen Familie hatte Margot Friedländer den Holocaust überlebt. Mehrfach war sie der Gestapo entkommen, dann wurde sie nach Theresienstadt deportiert. 1946 wanderte sie mit ihrem Mann in die USA aus. Doch nach über 60 Jahren kehrte Margot Friedländer aus New York in ihre Heimatstadt Berlin zurück, um hier zu leben, sich als Zeitzeugin zu engagieren und ihre Botschaft "Seid Menschen!" zu verkünden. Kurz nach ihrem Umzug hat Magdalena Kemper mit ihr über Mut, Trauer und den unbedingten Wunsch, leben zu wollen, gesprochen. Eine Wiederholung vom 31. Juli 2010, anlässlich des ersten Todestags von Margot Friedländer am 9. Mai 2026.
51 Minuten
Die Diakonie gehört zu den größten Arbeitgebern in Deutschland: Rund 687.000 Hauptamtliche und etwa 700.000 Ehrenamtliche sind in den Einrichtungen des evangelischen Wohlfahrtsverbands beschäftigt. Seit 2024 ist der Theologe Rüdiger Schuch Präsident der Diakonie und in dieser Funktion vor allem dafür zuständig, die Interessen des Verbandes in Politik und Gesellschaft zu vertreten. Welchen Einfluss er hat, warum Kirche und Diakonie ein eigenes Arbeitsrecht haben und welche Herausforderungen er für den Sozialstaat mit Blick auf die aktuellen Krisen sieht, darüber spricht Rüdiger Schuch mit Ulrike Bieritz.
49 Minuten
Die gehobene italienische Küche und Königsberger Klopse gehören für die Autorin und Grafikerin Patrizia Di Stefano gleichermaßen zu ihrer Kindheit, denn ihre Eltern prägten beide mit den jeweiligen Lieblingsrezepten ihren Geschmack. Im Restaurant ihres Vaters "Il Gattopardo" traf sich die West-Berliner Schickeria. Zu Hause sollte jedoch möglichst alles deutsch sein. Deshalb lernte Patrizia Di Stefano kein Italienisch; trotzdem wurde sie wegen ihrer Herkunft beschimpft. Heute schätzt Patrizia Di Stefano die Mischung vom Besten aus beiden Kulturen. Katrin Heise hat mit ihr über ihre deutsch-sizilianische Familie gesprochen und über die Pizza-Versand-Bäckerei Ihres Vaters.
49 Minuten
Carmen Scheibenbogen ist zu einem Gesicht des Kampfes gegen Long Covid geworden, einer Krankheit, die körperlich erschöpft und sozial ausgrenzt. Schätzungen rechnen mit bis zu einer Million Fällen in Deutschland. Wer daran erkrankt ist, ringt auch lange nach Ende der akuten Infektion um seine körperliche und intellektuelle Leistungsfähigkeit. Carmen Scheibenbogen hat sich an der Berliner Charité schon lange vor der Pandemie mit einem Krankheitsbild beschäftigt, das in der Medizin lange nicht ernst genommen wurde. Die Ärztin erforscht die langfristigen Folgen von Infektionskrankheiten, die bis zu völliger Pflegebedürftigkeit und Bettlägerigkeit führen können. Welche Verantwortung diese Forschung mit sich bringt und warum sie optimistisch ist, was die Chancen auf Behandlung und Heilung angeht, darüber spricht Carmen Scheibenbogen mit Kirsten Dietrich.
51 Minuten
Das gibt es selten: Eine Buchpremiere im Stadion des FC Union Berlin. Torsten Schulz stellte dort „Kindheit mit Jimmy oder Die Kunst zu dribbeln“ vor, ein Buch über seine Kindheit und den legendären Union-Spieler Günther „Jimmy“ Hoge. Immer wieder kehrt der Schriftsteller in seinen Büchern ins Ost-Berlin der 1960er und -70er Jahren zurück, wie in „Boxhagener Platz“ oder „Mein Skandinavisches Viertel“. In den 1980er Jahren studierte Schulz an der Filmuniversität Babelsberg, später wurde er dort Professor für Praktische Dramaturgie. Heute sieht er dort einiges kritisch. Frank Meyer hat mit ihm gesprochen.
51 Minuten
Wenn man mit Astrid Leicht über Drogenkonsum redet, dann spricht sie mit einem ganz grundsätzlichen Respekt vor den Einzelnen und ihren Lebensentscheidungen. Seit knapp 40 Jahren macht die Berlinerin Sozialarbeit mit und für Drogensüchtige und setzt sich für Verbesserungen in der Gesundheits- und Drogenpolitik ein. Im Jahr 1989 hat sie den Verein "Fixpunkt" gegründet, dem sie inzwischen als Geschäftsführerin vorsteht. Kirsten Dietrich hat mit Astrid Leicht gesprochen.
48 Minuten
Als Jugendlicher interessierte sich Tomer Dotan-Dreyfus nicht für Politik. Das änderte sich im Jahr 2002, als die israelische Armee einen Anschlag auf einen hochrangigen Hamas-Führer im Gaza-Streifen verübte. Damals wurden viele Unschuldige getötet und sein Theaterlehrer brachte Tomer Dotan-Dreyfus dazu, sich in die Rolle der Angehörigen hineinzuversetzen. Seitdem weigert er sich, die Palästinenser nur als Feinde zu sehen. Er hat seinen Militärdienst in Israel abgebrochen und das Land verlassen; inzwischen lebt er in Berlin. Matthias Bertsch hat mit ihm über sein jüngstes Buch „Keinheimisch: Kindheit in Israel. Leben in Berlin“ gesprochen. Darin setzt er sich sehr persönlich und kritisch der alten und der neuen Heimat auseinander.
52 Minuten
Annika Kahrs hat ein Faible für die Melancholie verlassener Orte: Ehemalige Kirchen, Dörfer oder Kaufhäuser. An diesen Orten, die für die Gemeinschaft von Menschen geschaffen wurden, inszeniert die Künstlerin komplexe Videoarbeiten, geprägt durch Sounds, Musik und Performances. Im Mittelpunkt stehen Profi- und Laiendarsteller, manchmal auch Vögel oder Giraffen. Noch bis zum 3. Mai 2026 ist Annika Kahrs Werk der letzten 16 Jahre in einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin zu entdecken. Britta Bürger hat mit ihr gesprochen.
48 Minuten
Pascale Hugues ist eine französische Berlinerin. Seit 1989 berichtet sie für französische Zeitungen aus der deutschen Hauptstadt. Sie schreibt auch für den "Tagesspiegel": Über die Macken und Schönheiten Berlins, zum Beispiel über die Ähnlichkeiten der Stadt mit Straßburg, ihrer Heimat im Elsass. In ihrem neuen Buch "So voller Leben" erzählt Pascale Hugues von ihrer Mutter, die an einer bipolaren Störung litt und sich das Leben nahm. Doch außerhalb der depressiven Phasen hat Pascale Hugues ihre Mutter auch als mutige und freie Frau erlebt, sie hatte "zwei Mütter in einer", wie sie schreibt. Frank Meyer hat mit Pascale Hugues gesprochen.
48 Minuten
"Ich bin nicht wie die Kriegstreiber." Das war die Haltung der US-amerikanischen Berlinerinnen und Berliner, als sie zu Beginn des Irakkriegs vor über 20 Jahren den Verein "American Voices Abroad Berlin" gegründeten. Eine von ihnen war Ann Wertheimer. Heute ist Ann Wertheimer Vorsitzende des Vereins und erhebt ihre Stimme gegen Trump-Amerika. Ihre Eltern waren vor den Nazis aus Deutschland in die USA geflohen. 1971 ging sie als Lehrerin für ein Austauschjahr nach Berlin und blieb – wegen der aufregenden Stadt und der Liebe zu ihrem späteren Ehemann. Katrin Heise spricht mit Ann Wertheimer über das wechselhafte deutsch-amerikanische Verhältnis – im Großen wie im Kleinen.
50 Minuten
Farben beeinflussen die Konzentration, das Wohlbefinden und sogar den Heilungsprozess. Das zeigen die Studien von Prof. Dr. Axel Buether von der Universität Wuppertal. Dank seiner Farbkonzepte für Krankenhäuser sind die Menschen dort zufriedener: die Mitarbeitenden melden sich seltener krank und die Patienten brauchen weniger Beruhigungsmittel. Axel Buether hat immer wieder neue Wege eingeschlagen: Zuerst war er Steinmetz, später hat er als Architekt gearbeitet und für die EXPO 2000 in Hannover einen vielbeachteten Multimedia-Pavillon entworfen. Heute gestaltet er Krebsstationen, Schulen oder Gefängnisse in Deutschland, Österreich und der Schweiz und erforscht die Farbpsychologie. Vera Kröning-Menzel hat mit ihm über die Macht der Farben gesprochen.
52 Minuten
Krieg und Gewalt, Frieden und Freundschaft, Feminismus und Gender. Diese Themen ziehen sich durch das Leben und Werk von Elfi Mikesch. Seit sechs Jahrzehnten ist die 85-jährige regelmäßiger Gast der Berlinale, denn als Kamerafrau hat sie viele Filme von Monika Treut, Rosa von Praunheim und Werner Schroeter gestaltet. Als Regisseurin sucht sie nach neuen Verbindungen von Fiktion und Dokumentation. Im Rahmen der Berlinale 2026 wird Elfi Mikesch mit dem Ehrenpreis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Britta Bürger hat mit ihr gesprochen.
48 Minuten
Ihre Bücher sind schmal, vielfach preisgekrönt und haben es in sich. Die Rezensenten bescheinigen ihr „aufgekratzte Melancholie“, Mitmenschlichkeit und dosierte Sentimentalität. Katja Lange-Müller, die rebellische Funktionärstochter aus Ost-Berlin, verließ die DDR 1984. Ihre Bücher dokumentieren diese Zerrissenheit zwischen West und Ost und sind dabei manchmal außerordentlich komisch. Magdalena Kemper hat im Jahr 2009 mit ihr über „Enten, Frauen und die Wahrheit“ (so der Titel eines ihrer Bücher) und das, was dazwischen liegt, gesprochen. Eine Wiederholung anlässlich des 75. Geburtstags von Katja Lange-Müller am 13. Februar 2026.
Das Gespräch
Reden mit einem Menschen. Eine knappe Stunde lang. Eine Zumutung? Im Gegenteil: es ist die pure Verführung zum Zuhören.