Autismus bei Frauen sieht selten so aus, wie wir denken. Kein Rainman, keine Inselbegabung, kein Mensch, der dich nicht ansehen kann. Sondern: ein Mädchen, das im Kindergarten unter dem Tisch sitzt und die anderen beobachtet. Und dann kopiert.
Melanie Mende ist 51 und hat ihre Diagnose vor zwei Jahren bekommen. Mit 49. Ausgelöst hat sie nicht ihr eigenes Leiden, sondern eine Therapeutin, die sie im Zuge der Diagnostik ihres neurodivergenten Sohnes fragte: Hat dich eigentlich noch nie jemand getestet?
In dieser Folge sprechen wir darüber, woran man Autismus bei Frauen übersieht und was dieser "blindspot" kostet.
Melanies Lebensgeschichte ist dafür ein ungewöhnlich klarer Beleg: 20 Umzüge in vier Bundesländern, weil „neu anfangen" ihre einzige Strategie für Probleme war. Eine Heroinsucht mit 19, die begann, weil sie einen Satz wörtlich nahm. Neun Monate Regenwald bei einem Schamanen. Eine Langzeittherapie. Und durch all das hindurch: niemand, der auf Neurodivergenz geschaut hat.
Wir sprechen über Masking, über den Empathie-Mythos – Melanies Erfahrung ist eher: zu viel fühlen, nicht zu wenig – und über Sucht als Selbstregulation, wenn das Overthinking nicht aufhört.
Und dann über die Frage, die uns beide beschäftigt: Was macht eine Diagnose eigentlich mit einem? Melanie sagt, sie hätte ihr Leben anders gelebt, hätte sie es früher gewusst. Gleichzeitig ist sie jemand, die aus dem Entzug kam, jede Mark ihrer 30.000 DM Schulden abgearbeitet und sich ein Leben aufgebaut hat – ohne Erklärung, ohne Label. Ihr Satz dazu:
"Es gibt Menschen, die müssen viel mehr lernen und viel mehr üben. Und Gott sei Dank haben wir die Mittel dazu."
Eine Diagnose erklärt. Sie nimmt einem nichts ab. Genau darüber reden wir.
INHALTSHINWEIS:
Diese Folge behandelt Drogensucht (Heroin), Entzug und psychedelische Erfahrungen. Wenn dich das gerade belastet, hör sie zu einem anderen Zeitpunkt. Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031 (24/7)
Melanie ist HeartMath Practitioner, zertifizierter Autismus-Coach und Autorin. Vor allem begleitet sie leistungsstarke Frauen dabei, ihrer eigenen Wahrnehmung wieder zu vertrauen. Bevor sie sich selbst verlieren. Ihre Arbeit verbindet persönliche Erfahrung, Autismus-Aufklärung und Nervensystemverständnis.
LINKS & RESSOURCEN
Melanie Mende: hier klicken
Autismus Deutschland e. V. – Beratung & Regionalverbände: autismus.de
Diagnostik für Erwachsene: Spezialambulanzen an Unikliniken (Wartezeit oft 1–2 Jahre)
Orientierungs-Fragebögen: AQ / RAADS-R – kein Ersatz für eine Diagnostik
Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031
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