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Kulturwelle Archiv

72 Episoden
60 Minuten
In der Kulturwelle Afterhour #001 sprechen wir mit Luis Manuel Garcia über seinen Weg zur Ethnomusikologie und Feldforschung in Technoclubs und befragen Andre Sommer vom Startup HiDoc zum digitalen Tracken der Volkskrankheit Reizdarmsyndom.
1 Stunde 1 Minute
Sie umgeben uns, wann immer wir die Augen öffnen: Farben – zugleich materielle Struktur und physiologischer Effekt; Bedeutungsträger und emotionale Stimulanz. Welche Signale senden uns die Farben? Worin besteht ihr Signal? Gibt es eine unschuldige Farbe? Diese Fragen beleuchten wir in einer Sendung der gesamten Redaktion. Unser Spektrum reicht vom Regenbogen als Symbol der LGBTI-Bewegung bis zu den Farbchakren der Lebensmittel, wir prüfen die Stabilität von Wahrnehmung – wieso beschreibt Homer das Meer der Ägäis als »weinrot«? – und diskutieren, ob farbwandelnde Katzen künftige Generationen vor den Gefahren von Atommüll retten können. Und schließlich die Farbe als Material: Yves Kleins berühmtes Blau lässt sie in absoluter Form erstrahlen. Vantablack hingegen, ein Stoff aus der Oberflächenforschung, verschluckt alles Licht in einem nahezu perfekten Schwarz.
60 Minuten
Wie viele Schritte bin ich heute gegangen? Wie effizient meditiere ich? Um wieviel produktiver werde ich durch ein Stück Butter im Kaffee? Und was sagen meine gesammelten Tippfehler über mein Selbst aus? Mit Selftracking-Apps und Smartphone-Zubehör sind Fragen wie diese zu alltäglichen Begleitern geworden. Schlanke Fitness-Armbänder messen Puls und Kalorienverbrauch nicht nur beim Sport, sondern auch beim Treppensteigen oder beim Tanzen im Club. Die Selbstvermessung, die viele nur nebenbei betreiben, ist sogar zum Hauptinteresse einer ganzen Bewegung geworden, die sich »Quantified Self« nennt. Nach dem Leitspruch »Selbst-Erkenntnis durch Zahlen« wird versucht, neuen und tieferen Wahrheiten über das eigene Selbst auf die Spur zu kommen. Die philosophische Aufforderung des antiken Orakels: »Erkenne dich selbst« scheint dabei einem Aufruf zur Datenerhebung zu weichen: »Quantify thyself«. In der Sendung nehmen wir den Trend zur digitalen Selbstvermessung zum Anlass, mit unserem Studiogast Antonio Lucci der Kulturgeschichte der Selbstbeobachtung nachzuforschen: Wie sahen frühere Strategien aus, sich dem »Selbst« zu nähern? Welche Selbsttechniken wurden dazu genutzt? Und was ist eigentlich neu am »Quantified Self«? Dabei spielt auch die Geschichte der Messtechnik eine wichtige Rolle, zu der wir die Kulturwissenschaftlerin Anna Echterhölter befragt haben. Ein historischer Blick verrät, dass die Selbstvermessung nicht nur als Mittel der Erfahrung und Emanzipation verstanden werden kann, sondern dass das Verhältnis zwischen dem Selbst und seiner Quantifizierung wesentlich komplexer ist. Die Vermessung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einem engen Netz aus Machtbeziehungen und Interessen, das wir in unserer Live-Sendung erkunden.
59 Minuten
War der Wald lange Zentrum der täglichen Lebensgestaltung vieler Menschen, empfinden vor allem Stadtbewohner inzwischen eine Distanz zu ihm. Annäherungen werden versucht in der Pädagogik, Technik und Kunst. In der Wildnisschule können überreizte Städter das Spurenlesen, die Sprache der Vögel oder das Entfachen eines Feuers ohne technische Hilfsmittel erlernen. Ökologen und Klangforscher hingegen widmen sich der auditiven Entschlüsselung des Waldes durch moderne technische Verfahren. Wichtig ist dabei das Überschreiten von Grenzen: Des physisch errichteten Waldsaums, aber auch von konstruierten Verständnis- und Sinnesschwellen. Auch der Tod als die Grenze schlechthin wird oft mit dem Wald in Verbindung gebracht. Die Geschichte dieser Verbindung reicht dabei vom Wald der Selbstmörder in Dantes göttlicher Komödie bis zur zunehmend populären Bestattung im Friedwäldern. Der gleichzeitig physisch wie metaphorisch von uns gestaltete Wald lädt schon immer ein zum Gratwandern, Hinübertreten, sich Verändern. Mit der Kulturhistorikerin Jasmin Mersmann erörtern wir in der 42. Sendung der Kulturwelle, was es mit diesen Schwellen auf sich hat. Wir begeben uns in den Wald, hören in Bäume und Literatur hinein – und spüren so zwischen den Disziplinen den Wurzeln des Waldes als Ortes der Veränderung und Transformation nach. Eine Sendung über das Verhältnis von Waldbild und Umgang mit dem Wald – zwischen Leben, Tod, Lernen und Verstehen.
1 Stunde 2 Minuten
Niklas Luhmanns Zettelkasten enthält 90.000 Zettel. Er lagert an einem hoch geheimen Ort an der Universität Bielefeld und wird zurzeit digitalisiert. Das Verweissystem zwischen den verschiedenen Zetteln ist so komplex, dass mehrere Wissenschaftler jahrelang mit der Rekonstruktion der Ordnung beschäftigt waren. Noch komplizierter die Zettel des Schriftstellers Arno Schmidt, denen wir einen Beitrag widmen: 120.000 an der Zahl, sind sie geordnet mit Reitern wie “Schöne Stelle. Zerstört”, “Borken” oder “Planeten und Meteore”. Ist das Ordnung oder Chaos? Warum ordnen wir unsere Wissensbestände und wie? Die 40. Ausgabe der Kulturwelle wirft einige Schlaglichter auf verschiedene Modi der Wissensorganisation in Vergangenheit und Gegenwart. Dazu blicken wir in die Bibliothek von Alexandria genauso wie in die verwirrende Wolke Big Data. Im Live-Gespräch mit den Beitragsautor_innen fragen wir, wie Ordnung unser Leben produktiver macht, aber auch wie sie mit Macht zusammenhängt. Dafür haben wir vor der Sendung auch mit Prof. Dr. Christina Vagt, Kultur- und Medienwissenschaftlerin an der HU Berlin, gesprochen. Über den Mythos Big Data und wie versucht wird, ihm organisatorisch gerecht zu werden, sprechen wir mit Dr. Ramón Reichert von der Universität Wien.
58 Minuten
»Menschheitsgeschichte wird Erdgeschichte« – konstatiert ein 2015 erschienener Sammelband. Menschliches Handeln schreibt sich zunehmend in die Erdoberfläche unseres Planeten ein. Das Holozän, das jüngste Zeitalter unserer Erdgeschichte, so scheint es, wird von einem neuen »Menschzeitalter« abgelöst: dem Anthropozän. In der 39. Sendung der Kulturwelle möchten wir etwas genauer hinsehen. Dazu werfen wir den Blick auf einen vertrauten Ort, der zugleich Zahnrad globaler Zusammenhänge ist: Die Küche. Ihr Wirkungsradius hat sich auf auf die Ebene des Anthropozän ausgeweitet: Selbst die Äpfel, die wir früher aus Omas Garten gepflückt haben, werden heute aus Neuseeland eingeflogen und mit begradigten Flüssen bewässert. Wir laden euch ein, eine geistige Brücke mit uns zu überqueren, die vom Individuum zum Kollektiv, von der Mikroebene zur Makroebene führt. Welchen Bedeutungswandel hat die Küche im Laufe der historischen Entwicklung durchlebt und welchen Einfluss hat der »kochende Mensch« auf seinen Lebensraum? Über diese Fragen sprechen wir mit Julia von Mende, Marc Schleunitz und Karl W. Grosse aus dem Exzellenz-Cluster »Bild Wissen Gestaltung«. Im Projekt »Anthropozän-Küche« arbeiten sie daran, die Küche als Knotenpunkt von Energie- und Ressourcenkreisläufen sicht- und deutbar zu machen.
60 Minuten
Stimme – seit Jahrhunderten beschäftigt das Medium und seine Macht die Menschen. Schon in der Antike schafften es die mythischen Sirenen nur mit Hilfe ihrer Stimme, Seemänner grausam in den Tod zu reißen. Sie veranlassten den antiken Dichter Homer zu seiner berühmten Odyssee, und ihr Mythos wirkt bis heute in der europäischen Kulturgeschichte nach. Warum aber gelang es den griechischen Fabelwesen, durch ihre Stimme solch eine Macht auszuüben? mehr... Dieser Erscheinung nähern wir uns in der 38. Kulturwelle. Am Beispiel des Lachens spüren wir der sozialen Macht der Stimme gerade in ihren Extremformen nach. Gemeinsam mit dem Medienwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Ernst nähern wir uns daraufhin dem Sirenenmythos. Auf einer Expedition zu den Galli-Inseln vor der Küste Siziliens hat er selbst versucht, den medialen Bedingungen des Phänomens auf die Spur zu gehen – und den geheimnisvollen Klang der Sirenen mit moderner Tontechnik festzuhalten. Diese Reise führt uns ebenso zu den Möglichkeiten und Grenzen, das Phänomen „Stimme“ fassbar zu machen. Also schaltet ein, wenn man das griechische Meer rauschen hört, die Sirenen ihre verführerischen Stimmen zum Besten geben und wir euch auf eine kultur- wie medienwissenschaftliche Odyssee durch das Medium Stimme einladen.
59 Minuten
„The People of New York will never go into a hole in the ground to ride!“ – war sich Russell Sage, amerikanischer Unternehmer und Politiker, Anfang des 20. Jahrhunderts ganz sicher. Dennoch bahnten sich die ersten U-Bahn-Züge 1902 in Berlin und 1904 in New York unterirdisch ihren Weg. Die subterrane Infrastruktur ermöglichte nun – für die oberirdische sichtbare Stadt auf den ersten Blick nicht wahrnehmbar – die Zirkulation von Menschenmassen. Die Stadt wurde vernetzt. Doch der Stadtraum erfuhr auch eine Dopplung. Die Oberfläche verlassend, betreten wir heute einen inkludierten und zugleich abgegrenzten Raum: den Untergrund. Er gehorcht eigenen Gesetzmäßigkeiten, aus denen wiederum spezielle Praktiken und Empfindungen resultieren. Rechts stehen, links gehen, wartend den Blick auf den Boden, die Anzeigetafeln oder das Smartphone gerichtet. U-Bahn fahren liegt uns im Blut, der Umgang mit ihr ist zur Intuition geworden – wir haben die Evolutionsstufe des Passagiers erreicht. Warum die U-Bahn mehr als nur Transportmittel ist, wie diese Entwicklung ihren Anfang nahm und wie die Reise weitergeht, sind nur einige unserer Bau- bzw. Haltestellen in der 37. Ausgabe der Kulturwelle. In den Hinter- des Untergrund begleiten wird uns Dr. Stefan Höhne vom Center for Metropolitan Studies der TU Berlin. Mit ihm erkunden wir die U-Bahn zwischen utopischem Traum und zurichtender Maschine, zwischen Spiegel der oberirdischen Gesellschaft und unsichtbarem Motor der Stadt.
60 Minuten
Der Countdown läuft: Die 36. Ausgabe der Kulturwelle startet eine Forschungsrakete. Mit an Bord ein Logbuch voller Fragen: Wie kann das Ungedachte gedacht werden? Wie stellt man sich etwas radikal Neues vor, das es noch nicht gibt? Brauchen wir ein Subjekt, um Veränderung zu begehren und umzusetzen? Oder ist alles sowieso nur Prozess? „Ein philosophisches Buch muss einenteils eine ganz besondere Sorte Kriminalroman sein, anderenteils eine Art Science Fiction.“ Dieser Satz stammt von Gilles Deleuze und unser Feature nimmt ihn beim Wort. Während auf der Erde immer mehr Politiker_innen erklären, dass es zur bestehenden Ordnung keine Alternative gibt, bricht das „Raumschiff Utopia“ auf in den Weltraum und die Zukunft. Denn in der Science Fiction gibt es so viele gesellschaftspolitische Alternativen wie Sterne am Himmel. Motive aus der Science Fiction in der Philosophie tauchten zuletzt im Akzelerationismus auf – hier soll der Kapitalismus mithilfe einer technophilen Beschleunigungsphilosophie abgeschafft werden. Armen Avanessian, der Herausgeber der #Akzeleration-Bände, spricht im Feature über das Näheverhältnis zwischen Wissenschaft und Fiktion – science und fiction – und die Auflösung herkömmlicher Zeitvorstellungen. Deleuze-Experte André Reichert von der FU Berlin erklärt uns, was es mit dem Begriff der „Wunschmaschine“ auf sich hat und sinniert über philosophische Spielarten der Science Fiction. Einer der darin brilliert hat, kommt ebenfalls zu Wort: Douglas Adams, der große Satiriker. Und es gibt natürlich jede Menge spacigen Sound.
1 Stunde 4 Minuten
»Warum ist da ein Strickfehler in meinem Pullover? Egal, schnell auf dem iPhone nachsehen, wann der nächste Bus kommt. Hoffentlich geht nachher bei der Präsentation mit dem Computer alles glatt.« Längst durchdringt Computercode unsere alltäglichsten Abläufe, unsere Sprache, unser Denken. Die Welt scheint programmierbar. Wie kommt das? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen haben das Coding so allgegenwärtig werden lassen – und welchen Einfluss hat das Coding selber ausgeübt? Auf der Suche nach den Ursprüngen des Programmierens führen wir euch in die Computerabteilung des Deutschen Technikmuseums Berlin. Gemeinsam mit Dr. Bernard D. Geoghegan, Medientheoretiker und Technikhistoriker an der HU Berlin und Mitinitiator des HKW-Projekts Technosphere, begeben wir uns auf einen Spaziergang, der uns durch die technische Entwicklung des Programmierens führt und zugleich die Chance bietet, die kulturelle, soziale und symbolische Kraft von Code in der Gesellschaft zu erkunden. Dabei stoßen wir nicht nur auf industrielle Präzisionsarbeit und eine entfesselte Vorstellungskraft im 19. Jahrhundert, sondern auch auf militärische Notwendigkeiten und verwaltungstechnische Innovationen in der jüngeren Vergangenheit. Ebenso werden wir auf kreative wie erfindungsreiche Köpfe, souveräne Frauen und weitsichtige Visionäre treffen, die allesamt der »codifizierten Gesellschaft« den Weg geebnet haben.
1 Stunde 1 Minute
Schuhe zu, Mütze auf. Rucksack umgeschnallt, Brille aufgesetzt, Schirm… dabei. Handy an, EC-Karte eingesteckt, Schlüssel auch – gut, dann kann’s losgehen. So ähnlich überprüfen wir vor dem Gehen unsere Ausstattung; die kleinen Dinge, die uns umgeben auf ihre Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit. Sie sind unauffällige Begleiter, jedoch könnten wir ohne sie kaum noch einen Schritt tun. Sie sind buchstäblich mit uns verwachsen oder gar »extensions of man«, wie der Medienphilosoph Marshall McLuhan bemerkte. Doch bereits unser Körper gehört zu unserer medialen Grundausstattung. Wir trainieren seine Belastbarkeit, steigern seine Geschwindigkeit, vergrößern die Reichweite seiner Seh- und Sprechinstrumente. Und unsere Finger sind längst zum umfassenden Interface geworden, Schnittstelle zu einer Heerschar an Möglichkeiten in der digitalen Welt. In dieser Sendung der Kulturwelle stellt sich die ganze Redaktion der Aufgabe, diesen kleinen Dingen, Praktiken und Phänomenen nachzuspüren, die unser Leben unentwegt erleichtern. Dabei ergründen wir z.B. unsere Symbiosen mit der Sicherheitsnadel, der Augenklappe, der Konserve oder der Armbanduhr, aber auch, wie wir im Jodeln unseren Körper als Instrument einsetzen. Je weiter die Dinge dabei in uns hineinwandern, umso mehr entsprechen wir der Figur des Cyborgs, für den Leben immer schon etwas »mediales« ist; der im Funktionsraum seiner Möglichkeiten nicht mehr zwischen Körper und Ding unterscheidet.
60 Minuten
Manche gehen rasch an den Ausstellungsstücken vorüber, andere bleiben eine Stunde oder den ganzen Tag. „Im Dialog mit dem Kunstwerk sein“, sagt man. Aber kann man tatsächlich mit einem Ding – sei es nun ein Gemälde oder ein Alltagsgegenstand aus einer vergangenen Zeit – ins Gespräch kommen? Wer spricht da? Im modernen „Erlebnismuseum“ werden die Besucher_innen nicht nur in Dialog, sondern in eine körperliche und emotionale Beziehung zu den Exponaten gestellt. Alles darf und soll angefasst werden. Im Berliner DDR-Museum kann man sich in den Trabi setzen und mit dem eigenen Körper eine vergangene Realität nachspielen. Für ihren Beitrag hat Anna Hüttmann das ausprobiert und den zugrunde liegenden Konzepten nachgeforscht. Den theoretischen Kontext dieses „emotional turn“ in der Ausstellungspraxis besprechen wir im Studio mit dem Museologen Mario Schulze. Auch unser zweiter Beitrag widmet sich der emotionalen Dimension eines Ausstellungsstücks: Elisabeth Stursberg unternimmt eine imaginäre Reise auf Arnold Böcklins gespenstisches Gemälde „Die Toteninsel“. Dazu analysiert der Kunsthistoriker Dr. Julian Blunk, woraus das Gemälde seine unheimliche Wirkung bezieht. Welche Vor- und Nachteile es haben kann, wenn die Emotion im Museum den Text verdrängt, haben wir außerdem in einem Interview Juliane Brauer gefragt, die zur Geschichte der Emotionen forscht.
60 Minuten
»Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollten«, sagte einmal der Künstler Joseph Beuys. Die Zukunft ist demnach radikal unbestimmt, das heißt menschliche Verhandlungsmasse, egal ob sie von Gott, einem Schicksal oder anderen Prognoseverfahren erzeugt wird. Sie ist immer schon eine Erfindung. Diese Erfindung aber müssten wir selbst immer wieder neu vornehmen und dem Herannahen einer ungewollten Zukunft prä-ventiv zuvorkommen - was nur möglich wird, indem wir den Blick in den Möglichkeitsraum der Zukunft wagen und uns vorstellen, was möglicherweise kommen könnte. Mit diesem Möglichkeitsraum - der lange Zeit vorbestimmter Raum war - wollen wir uns in der aktuellen Ausgabe der Kulturwelle befassen, sowie mit verschiedenen Zugriffen darauf, in Geschichte wie Gegenwart. Neela Janssen erforscht dafür in ihrem Feature aktuelle Techniken der Pränataldiagnostik und sucht nach Parallelen in vormodernen Techniken der Vorhersage. Darüber hinaus werden wir uns mit der Wiener Literaturwissenschaftlerin Eva Horn über das moderne Verhältnis zur Zukunft als Katastrophe unterhalten und mit dem Berliner Kulturwissenschaftler Stefan Willer über vergangene Zukunftsmodelle das aktuelle Sicherheitsdenken sowie Chancen und Risiken gegenwärtiger Präventionstechniken sprechen. Schließlich wollen wir selbst einen Blick in die Zukunft wagen und uns fragen: Wohin entwickelt sich das Zukunftswissen?
57 Minuten
„In dem Oberteil siehst du aber ganz schön dick aus!“ Für viele eine Beleidigung. Dann doch lieber um- oder den Bauch einziehen. Und lieber nur die kleine Portion im Restaurant. Und den Nachtisch lass ich lieber ganz weg. Vielleicht doch mal diese neue Diät ausprobieren? Wer hat die Deutungshoheit über den schönen, den normalen, den begehrenswerten und den gesunden Körper? Und wie kann ein Gegenentwurf aussehen? Das erklären die drei Protagonistinnen dieses Features: Sie sind Fettaktivistinnen und Teil einer körper- und fettpositiven Gegenkultur. Die politische Bildnerin Magda Albrecht, die Aktivistin Kristina Kuličová und die Bloggerin Anna Kumher zeigen, wie Vorstellungen über Dicksein im Alltag Normen setzt – von Mode bis Medizin, Freibad bis Flugzeugsitz – und wie sie dagegen vorgehen. Ihre Strategien und Interventionen ähneln denen von anderen feministischen Kämpfen um Identitätspolitiken: Coming Out, Begriffe wieder aneignen und neu besetzen, eigene soziale Schutzräume schaffen. Warum binden soziale Normen nicht mehr? Warum erzeugen sie Abwehrreaktionen? Wie verhandeln sie die Beziehung zwischen vorherrschendem Diskurs und individuellem Körper neu? Und reicht die Aufdeckung zum Öffnen neuer Handlungsspielräume? Die Protagonist_innen zeigen uns: Das Persönliche ist immer noch politisch. Ideologien und Bewertungen werden immer kulturell hergestellt und sind alles andere als natürlich. Das gibt uns den Raum, sie zu hinterfragen und zu dekonstruieren.
58 Minuten
Was verbindet Nikita Chruschtschew mit einem Schallplattenspieler? Der eine ist ein Apparat, der andere ein Apparatschik. Auch sonst haben beide viel miteinander zu tun: Jede politische Führung benutzt Medien, um ihre Ideologien zu verbreiten. Heute noch scheint zu gelten: Wer sich am besten auf die Medien einlässt, gewinnt Wahlen. Das bewiesen Obamas SMS-Kampagne oder Medienkanzler Gerhard Schröder. Ob Schallplatte, Radio, Fernsehen, Internet – sie alle dien(t)en als Vehikel für politische Botschaften. Doch wenn Ideologien die Inhalte der Medien formen, inwiefern formen Medien die Inhalte von Ideologien? Lassen sich Inhalt und Form hier überhaupt trennen? Zum Beispiel: Warum gab es einen Volksempfänger, aber keinen Volkssender? Die 30. Ausgabe der Kulturwelle ist dem akustischen Medium gewidmet, das Hörende und mitunter auch Hörigkeit erzeugt. Dazu berichten wir über den Krugozor, ein Schallplattenmagazin in der Sowjetunion, das neben Leninreden und Reportageliedern immer auch begehrte Westmusik enthielt. Beim Aufspüren von Ideologie(n) wird uns Theodor W. Adorno helfen, während Adorno-Archivar Michael Schwarz erklärt, warum der Frankfurter Philosoph den Rundfunk so schätzte. Im Studio begleitet uns der Medienwissenschaftler Dr. Jan Claas van Treeck durch alle Verflechtung von Ideologie(kritik) und medialen Konstellationen.
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Ein Radio-Projekt mit Kulturwissenschaftshintergrund