Kulturwelle Archiv
72 Episoden
1 Stunde 4 Minuten
Bei ‘Mythen’ denken wir zuallererst an alte Griechen und Römer. Anders Roland Barthes: In jedem Winkel der Alltagswelt findet der französische Philosoph Narrative, die das Konstruierte als naturgegeben darstellen – so wird etwa der neue Citroën zur übermenschlichen Schöpfung. Moderne Mythen, so Barthes, sollen den Konsum fördern oder das Bürgertum seiner Weltsicht vergewissern. In einer Reihe kurzer Essays seziert Barthes die „Sprache der Massenkultur“ und deren ideologische Aufladung. In der 29. Sendung der Kulturwelle holen wir Roland Barthes’ Mythen des Alltags von 1957 in die Gegenwart: Wie viel Mythos steckt im iPhone? Welcher Mythos verbindet Theaterbühne und Tanzfläche? Wie vernünftig ist der „gesunde Menschenverstand“? Was für Alltagswelten blendet der Lonely Planet aus? Macht das Gehen den Menschen aus und ist die Welt aus Plastik? Solche und andere Mythen beleuchten und besprechen wir in der Sendung, gemeinsam mit unserem Studiogast Prof. Dr. Ottmar Ette. Der renommierte Barthes-Experte hat mehrere Bücher zum französischen Philosophen veröffentlicht und gibt uns Auskunft, wie Barthes’ semiologische Schemata in unserer Zeit zu gebrauchen sind.
1 Stunde 5 Minuten
In einen ekstatischen oder ungehemmten Zustand zu verfallen, kann mehr als Gefühle der Entrückung und der veränderten Selbsterfahrung hervorbringen. Rausch und Ekstase können auf verschiedenste Weise produktiv wirken: In der Suche nach persönlicher Erkenntnis ebenso wie im gemeinsamen Erleben erinnerungswürdiger Momente. Doch wo fangen diese Zustände an und wo können sie enden? Und wie kann man diese erreichen? Die Antworten darauf können höchst unterschiedlich ausfallen. In der 28. Magazinsendung begeben wir uns daher auf die Suche. Im Studio sprechen wir mit dem Kulturwissenschaftler Dr. Gerhard Scharbert über Rauschpraktiken aus Antike, Moderne und Gegenwart und spüren nach, in welcher Gestalt und in welchen Rollen das Berauschen im Laufe der Zeit in Erscheinung tritt. Unsere Redakteure haben sich zudem im Selbstversuch dem Rausch verschrieben. In diesen Experimenten werden uns unter anderem aufwühlende Kunsterlebnisse und außergewöhnliche kreative Eingebungen begegnen, die deutlich werden lassen, wie tiefgreifend Rausch unser Menschsein bestimmt.
1 Stunde
“Diamonds Are a Girl’s Best Friend” – so besang Marilyn Monroe in den 1950er Jahren die ikonischen Edelsteine, die seit jeher als Inbegriff von glamorösem Schmuckstück gelten. Und schon diese Formulierung deutet an: Schmuck ist nicht nur Statussymbol oder schönes Beiwerk – seine Wirkmacht geht weit über seine ästhetische Funktion hinaus. Sei es das schutzbringende Amulett, die gerade modische Kette oder auch der Ring des Großvaters, in dem er anwesend scheint: Schmuck entzieht sich der Eindeutigkeit und scheint gerade heute mehr denn je Schnittstellen und Ambivalenzen zu besetzen und zu markieren. In der 27. Sendung der Kulturwelle widmen wir uns genau diesen Spannungen und wollen etwas genauer nachfragen: Was sagt uns dieses Phänomen, das uns als ästhetischer Gegenstand und zeichenhaftes Statussymbol, als banaler Zierrat und bedeutungsgeladenes Fetischobjekt begegnet? Wie gehen wir heute mit Schmuck um – und was macht der Schmuck mit uns? Im Studio begrüßen wir dazu den Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Hartmut Böhme. Wir verfolgen nach, wie und warum ein einfaches geometrisches Schmuckstück wie das Dreieck zum Erkennungsmerkmal des diffusen Sozialtyps »Hipster« aufstieg. Anhand der immer beliebteren Praktik des Umschmelzens von geerbeten Schmuckstücken erkunden wir dann, wie sich Erinnerungskulte mit modischem Anspruch vertragen – und ob wir beim Verhandeln dieser Spannung dem Schmuck nicht vielleicht doch mehr Macht über uns verleihen, als uns geheuer ist. Schließlich macht auch eine neue Rubrik Premiere. Im Druckerraum des Instituts stellen wir frischgebackenen Absolventen zwischen Papierstau und Tintenflecken die drängende Frage: “Was druckst du?”
1 Stunde 7 Minuten
Mama war in der Gewerkschaft, Papa saß im Betriebsrat, vielleicht demonstrierte die Tante für die Gleichberechtigung und 68 war sowieso alles anders. Früher schien politische Teilhabe noch klar strukturiert und in hart erkämpften Institutionen realisierbar. Doch sind diese Vorstellungen von Veränderungsprozessen, die weite Teile des 20. Jh. geprägt haben, heute weiterhin aktuell? Wie und wo wird heute Widerstand geleistet? In Parteien, Akademien, auf der Straße und der Bühne? Oder sind wir tatsächlich in einer politischen Lethargie gefangen, wie sie so oft von den Mahnern der Demokratie beschworen wird? In der 26. Sendung der KulturWelle wollen wir der Widerständigkeit in ihren historischen Gewändern folgen. Dazu verfolgen wir aktuelle Genderparodien mihilfe von Dr. Eva Krivanec zurück zu ihren historischen Vorläufern und betrachten beide im Lichte aktueller Theorieangebote. Im Anschluss diskutieren wir mit Juniorprof. Philipp Felsch über die problematische Kluft zwischen politischer Theorie und politischem Handeln.
1 Stunde
Die historischen Grenzen sind gesprengt. Der Hip-Hopper sampelt Vaters alte Platten und im angesagten Café lässt sich der DJ den Apfelstrudel auf dem Blümchensofa schmecken. Die Studentin bestellt sich im Internet ihr individuell gemischtes Müsli, nachdem sie sich bei eBay ihr 90er Jahre-Outfit zusammengestellt hat. In der U-Bahn hört sich der Blogger seine Lieblingsplaylist auf Soundcloud an, während er die neuesten Tweets auf Twitter liest. Das Internet potenziert Geschwindigkeit und Distribution ins Unermessliche. Noch nie waren Kreativität und Konsum so schnell verfügbar und wandelbar wie heute. In der 25. Sendung der Kulturwelle geht es um den Remix als musikalische und kulturelle Praxis. Was ist Kreativität zwischen Genius und Scenius in Zeiten von Digitalisierung und Internet? Wie verändern sich Kompositionspraktiken? Was ist noch authentisch? Ist der Remix zu einer alltäglichen Gestaltungspraxis geworden und lässt sich die Idee des Remix auf unsere Kultur anwenden? Dazu spricht der Musikwissenschaftler Fabian Czolbe über die Relevanz des Remix und Samples in der klassischen Musik, insbesondere in den Kompositionen von Pierre Schaeffer, das Sampling im Hip Hop und die damit verbundene neue Idee von Realness erklärt uns der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Steffen Lepa, Kulturtheoretiker Eduardo Navas und Ramón Reichert analysieren den Stellenwert von Remix im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit und beschreiben damit den Begriff der “remix culture”. Dazu gibt es Musik und persönliche Erfahrungsberichte von DJ Red Rack’em und dem Loop-Künstler Nïer. Schließlich haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, die produzierte Sendung unserem Remixer Ramsus Lauvring zu überlassen, dessen Remix die Sendung abschließt.
1 Stunde 1 Minute
Spiele unterhalten, bilden und berauschen. Sie sind fester Bestandteil des menschlichen Miteinanders. Doch wo hört das Spiel auf? Dem ursprünglich aus dem Marketing-Kontext stammenden Schlagwort der „Gamification“ nach erleben wir gegenwärtig eine Ent-Grenzung des Spiels, da sich dessen Elemente und Prinzipien über die westliche Arbeits- und Alltagswelt ausbreiten. Grund genug, in der 24. Sendung der KulturWelle das Verhältnis von Game und Gesellschaft einmal ganz grundsätzlich zu problematisieren. Worin liegt die Ursache der „Spielifizierung“ und in welchen konkreten Formen „durchdringt“ sie den sozialen Raum? Diesen Fragen gehen wir mit unserem Studiogast Mark Butler nach. Er ist Spielforscher an der Universität Potsdam und Autor des in diesem Jahr erschienenen Buchs Das Spiel mit sich (Kink, Drugs & Hip-Hop). Populäre Techniken des Selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Ausgangspunkt unserer Auseinandersetzung bilden zwei Sendungsbeiträge. Am Beispiel des Spielautomaten spüren wir dem ambivalenten Charakter subjektiver Spielerfahrungen nach und fragen dann, ausgehend von der schiedsrichterlosen Sportart Ultimate Frisbee, nach der Fähigkeit kulturschaffender Spiele, etablierte Gesetzmäßigkeiten aufzubrechen und neue Möglichkeitsräume zu generieren. In diesem Sinne – Let’s Play: Society!
1 Stunde 1 Minute
Ein Hinkefuß, ein Muttermal, die falsche Köpertemperatur. Erst bei genauer Betrachtung erkennt man ihn – der Teufel steckt im Detail. Ein Grund für die Wandelbarkeit diese Figur liegt nicht zuletzt darin, dass die Menschen ihre unterschiedlichsten Ängste und Begierden auf sie projizieren. Der Teufel tritt so als Akteur auf, der immer neue Aufgaben übernimmt: Versprechen, Kennzeichen, Entfesseln. Doch auch sein Auftritt selbst muss meist erst herbeigeführt werden: Identifizieren, Paktieren, Vertreiben… Auf den Spuren des Teufels durchschreiten wir gemeinsam mit der Kulturhistorikerin Jasmin Mersmann die Epochen vom Mittelalter bis zur Gegenwart und werfen einen Blick auf die kulturellen Praktiken, die den Teufel umgeben, die ihn herbeibeschwören und die ihm seine Macht verleihen. Wir beginnen bei der Verfolgung von Kinderhexen im Mittelalter, während der Sieben- bis Zwölfjährige durch die Inquisition der Hexerei beschuldigt wurden. Wie sich das Bild des Teufels seitdem vervielfältigt und gewandelt hat, entwirren wir darauf am Beispiel des Teufels im Heavy Metal, dessen Anhänger sich in Liedtexten, Plattencovern oder bei Konzerten nicht selten freiwillig »verteufeln«. Bedenkt: der Teufel, der ist alt, // So werdet alt, ihn zu verstehen! – Johann Wolfgang von Goethe, Faust II, Vers 6815 ff. / Mephistopheles
60 Minuten
Nicht nur in der Vergangenheit waren Künstler und Wissenschaftler oft ein und dieselbe Person. Warum sind in unserem heutigen Verständnis aber Kunst und Wissenschaft so weit voneinander entfernt, dass sie sogar zu Gegensätzen erklärt werden können? Ausgehend vom Konzept der künstlerischen Forschung, unter dessen Perspektive seit ein paar Jahren intensiv Erkenntnisprozesse der Künste erschlossen werden, wollen auch wir unsere kuünstlerischen Zugänge zu kulturellen Phaänomenen hinterfragen. Dazu bringen wir mithilfe von Julian Klein, dem Direktor des Instituts für künstlerische Forschung in Berlin, zunächst Licht ins Dunkel zwischen Kunst und Wissenschaft. Anschließend lauschen wir zwei konkreten Projekten. Lena Michaelis und Mark Othmer haben einerseits zur Besessenheit und andererseits zum Transhumanismus je auf ganz eigene Art mit Hörspielen gearbeitet. Ihre Werke hören wir in der Sendung in voller Länge und diskutieren mit ihnen darüber, wie, wann und wo künstlerische Methoden in der (Kultur)Wissenschaft sinnvoll zum Einsatz kommen koönnen; wie man also mit Hörspielen Wissenschaft betreiben kann.
1 Stunde 2 Minuten
Schon die ersten Telefone mit Selbstwählfunktion wurden damit beworben, dass sie unerwünschte Mithörer ausschließen. Wie die Reklame für nebenstehendes Exemplar von 1912 bezeugt, sollte der technisierte Verbindungsaufbau die Anonymität der Gesprächspartner sicherstellen. Eine Eigenschaft, auf die man sich beim „Fräulein vom Amt“ nicht immer verlassen konnte. Heute wirkt es ironisch, auf die Technik zum Schutz der Privatsphäre zu setzen, sind doch die Formen der Überwachung erst mithilfe technischer Unterstützung ubiquitär und komplex geworden. Immer wieder werden uns in einer Abfolge kleinerer und größerer Skandale die Möglichkeiten der Überwachung vor Augen geführt, die vor kurzem noch als Hollywoodutopie abgetan wurden. Immer umfänglicher werden Daten von uns erhoben bzw. erzeugen wir sie selbst. Die Auswertung dieser als Big Data beschriebenen Datenflut, soll unsere Absichten und Botschaften offenlegen. Diesem unüberschaubaren Dickicht versuchen wir in dieser Ausgabe der KulturWelle gar nicht erst Herr zu werden, sondern lassen uns vielmehr affirmativ darauf ein. Im Kaleidoskop der Überwachung steuert jedes Redaktionsmitglied einen kurzen Beitrag zu einem ABC der Überwachung bei. Zwischendurch belauschen wir ein Gespräch von Frank Rieger und Felix von Leitner. Es entsteht ein notwendig fragmentarischer Überblick zu einem Phänomen, das so in seiner Vielgestaltigkeit erkennbar wird.
60 Minuten
Geschichte als Erzählung über das Vergangene funktioniert bekanntermaßen schon längst nicht mehr als eine objektiv-allgemeingültige Figur und lässt sich vielmehr als Geschichtenschreibung verstehen. Doch wer präsentiert letztlich diese Geschichten? Ein Blick auf den öffentlichen Diskurs macht schnell deutlich, dass die „Sprechenden“ zunehmend von Zeitzeug_innen verkörpert werden. In unserer 20. Magazinsendung werfen wir einen genaueren Blick auf diese Protagonisten, die seit einigen Jahren immer öfter über unsere Bildschirme flimmern, uns auf Buchseiten entgegentreten und in zahlreichen Ausstellungen von vergangenen Zeiten berichten. Wir spüren nach, welche Funktionen und Aufgaben Zeitzeug_innen in einer stark medialisierten Erinnerungskultur übernehmen – und wie ihre öffentliche Position uns das Verhältnis zwischen privater, subjektiver Quelle und abstrahiertem historischen Narrativ neu denken lässt. Im Studio sprechen wir dazu mit Dr. Christoph Classen vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam über die Vor- und Nachteile einer Oral History und werfen mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Randolf Menzel einen Blick in unser Gehirn – auf der Suche nach dem Gedächtnis.
1 Stunde 2 Minuten
Ein Leben ohne Technik ist für viele von uns kaum noch vorstellbar. Doch wie stark bestimmt unsere Vorstellung von ihr unser Leben? Die 17. Magazinsendung führt uns dazu auf Spurensuche in die Vergangenheit. Mittels eines Beitrags über den Whole Earth Catalog begeben wir uns die USA der 1960er und verfolgen die Entwicklung der Counterculture, deren Ansatz zur Umsetzung ihres utopischen Ideals einer besseren Lebensgemeinschaft und die Folgen dieser Bewegung für unsere heutige Gesellschaft. Weg vom fremdorganisierten, hin zum selbstorganisierten Leben war das Ziel der Counterculture, die dazu stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und Formen des Handelns und Denkens sowie den dazu geeigneten Werkzeugen war. Zusammen mit dem Soziologen Prof. Dr. Lutz Hieber gehen wir in der Zeit zurück und erkunden, inwieweit Technik und Werkzeug als »Empowerment« für das Erreichen dieses Ideals unerlässlich war und wie Vorstellungen von Werkzeuggebrauch und Bewusstseinsveränderung zusammenspielten. Fünfzig Jahre später ist die gegenkulturelle Technik von damals ohne Zweifel im heutigen Mainstream angelangt – und lässt somit die Frage aufkommen, was mit dem subversiven Potential dieser Technik geschehen ist. Mit dem Medienwissenschaftler Dr. Florian Sprenger sprechen wir darüber, wo die Counterculture in der Technik geblieben ist, ob im alltäglichen Umgang mit Technik ihr subversives Potential noch greifbar und umsetzbar ist – oder ob diese Subversivität heutzutage in anderen Bereichen Form annimmt.
1 Stunde 1 Minute
Was unterscheidet Menschen von Tieren: Ist es Kultur, Moral oder Gesetz? Während der Kolonialisierung oder in Freak-Shows wurde dem Fremden immer wieder der Status »Mensch« aberkannt. Anders herum werden Labormäuse in der medizinischen Forschung mit menschlichen Stammzellen humanisiert. Die Grenze zwischen Mensch und Tier war von jeher fließend. In unserer 16. Magazinsendung verfolgen wir die Problematik und die Produktivität einer kulturellen Leitdifferenz: Wo verläuft die Grenze zwischen Mensch und Tier zu welcher Zeit? Und wer überschreitet sie? Diesen Fragen widmen wir uns während eines Rundgangs durch die Ausstellung »Humanimal« im Tieranatomischen Theater, bei dem uns Katja Kynast und Stephan Zandt begleiten. Beide beschäftigen sich mit der Geschichte der Grenzziehung und des Kontakts zwischen den Arten: Stephan Zandt forscht in seiner Dissertation an der historischen Einordnung der Natur-Kultur-Grenzziehung. Wir erfahren, wie europäische Kolonialherren ihre Vorstellung vom wilden Tier auf die indigene Bevölkerung der eingenommenen Länder übertrugen. Eine weitere Perspektive gibt Katja Kynast: Sie geht dem Stellenwert von Milchkühen in der Gegenwart nach. Sind sie einerseits standardisierte Nutztiere und andererseits umhätschelte Kandidatinnen für Schönheitswettbewerbe? Katja Kynast erkennt in beiden Praktiken logische Überschneidungen. Darüber hinaus sprechen wir mit der Kuratorin Mona Wischhoff über den Hintergrund der Ausstellung und die aktuellen medizinischen Grenzgänge.
53 Minuten
In der 15. Sendung der KulturWelle geht es um das Studieren in Berlin und die Geschichte eines Fachs. »Kulturwissenschaft« war das Modewort der späten Neunziger und Nuller Jahre. Es geisterte nicht nur durch unzählige Wissenschaftspublikationen und Hörsäale, sondern brachte es auch bald auf die Deckblätter von Studienbroschüren und die Eingangstüren der Institute und Fakultäten. Die arbeitssuchende Absolventenschar posaunt es bis heute vornehmlich in Feuilletons, Radiosendungen und Blogs, aber auch allen anderen Massenmedien lautstark hinaus. Doch die Kulturwissenschaft existiert nicht nur in Berlin bereits seit 50 Jahren. Zum Jubiläum unserer Disziplin reisen wir zu ihren Anfängen in die DDR-Zeit zurück, betrachten die Postwendeära und kommen schließlich in der Gegenwart an. Wir haben mit ehemaligen Studenten gesprochen und sie gefragt, wie es denn gewesen ist, in Berlin zu studieren. Heraus gekommen ist dabei nicht nur ein Überblick der Geschichte unseres Fachs, sondern vielmehr auch eine Geschichte Berlins und des Studierens in Ost und West. Es oszilliert zwischen Konformität und Revolution, Karriere und Liebe, Restriktion und Wissbegierde, Kultur- und Perspektivenwechsel.
1 Stunde 7 Minuten
Jedes mal werden wir in den Wochen vor einer Wahl überhäuft mit Plakaten, Auftritten, Interviews, Expertenrunden und Statistiken. Im Dickicht dieser Informationen wollen wir schauen, wie mit ihnen umgegangen wird und wie sie gestaltet werden. Wie funktioniert Politik in Phasen gesteigerter Aufmerksamkeit? Was ist ein Image? Wann ist es glaubwürdig, wann nicht? Warum spielen Zahlen so eine immense Rolle im Wahlkampf und wer hat die Deutungsmacht über sie? Wir versuchen die alltäglichen Dinge und Praktiken des Wahlkampfs zu hinterfragen, um die Strukturen dieses politischen Phänomens freizulegen. Dazu sprechen wir mit Frau Dr. Britta Lange. Sie hat sich im letzten halben Jahr ausführlich mit dem Wahlkampf aus Sicht von Repräsentations- und Kulturtechniken beschäftigt und scheut sich nicht, in ihren Erläuterungen bis zu Louis XIV oder gar den griechischen Orakeln zurückzugehen. Neben Imagepolitik und Zahlenmystik fragen wir uns nach der Motivation, überhaupt wählen zu gehen. Zu guter Letzt gibt es wie immer ein paar Veranstaltungstipps, sowohl für Wahlfreunde wie auch für Wahlmuffel.
60 Minuten
Die Metropolen werden, freiwillig oder unfreiwillig, in Zukunft zum natürlichen Lebensraum der Menschen werden. Die Stadt nimmt in der Rangfolge menschlicher Siedlungspraktiken eine zentrale Rolle ein. In ihr treffen unterschiedlichste Lebensstile, Traditionen und Interessengruppen aufeinander. Die Stadt ist ein „Zukunftslabor“, ein kultureller Speicher, eine Sinnprovinz. In dieser Sendung wir uns die Frage, wie wir, MetropolistInnen, diesen selbstgeschaffenen Lebensraum „Stadt“ wahrnehmen und sinnlich erfahren. In der Stadt sind unsere Sinne jederzeit aktiv: Wir sehen, hören und riechen sie: die Stadt, ihr Leben, ihre Bewegung und ihre Schlaflosigkeit. Der Anblick von Monumentalbauten und Häusermeeren, das Getöse von Verkehr und Baustelle, der Geruch von U-Bahnschächten – die Stadt ist ein sensorischer Supergau. Mit Prof. Holger Schulze, der sich in seiner Forschung den Sound & Sensory Studies verschrieben hat, werden wir durch die Straßen Berlins laufen. Wir werden darüber sprechen, wie wir uns urbane Räume aneignen. Sie wortwörtlich verinnerlichen und zu einem vertrauten Raum werden lassen. Wie verändert das städtische Leben unsere Identität? Wie transformiert uns die Stadt und wie transformieren wir sie? Mit dem Künstler Jon Dickens, der das Projekt „Berlin Wall of Sound“ konzipiert und umgesetzt hat, sprechen wir zum Abschluss über die Wege einer klanglichen Aufarbeitung von Stadtgeschichte. Wo und wie muss man hinhören, um die Erinnerungen der Stadt auszulesen? Welche Ereignisse schreiben sich in eine Stadt ein oder werden bewusst ausradiert? Wie wirkt sich Bewahren und Verwerfen auf das Selbstbild einer Stadt aus?