EINHEIT GUT, ALLES GUT Archiv
43 Episoden
42 Minuten
Prof. Matthias Quent gehört zu den profilierten deutschen Forschern zu Rechtsextremismus, Radikalisierung und Demokratie. Der Soziologe beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, warum rechtsextreme Einstellungen und Bewegungen gesellschaftlich an Einfluss gewinnen, mit einem besonderen Blick auf Ostdeutschland. In seinem neuen Buch „Keine Macht der Ohnmacht“ untersucht Prof. Quent, warum Menschen auf Krisen mit Kampf, Flucht oder Erstarrung reagieren, und weshalb Demokratie eigentlich ein Anti-Ohnmachts-System ist, obwohl sie uns zugleich zumutet, einen Teil unserer Machtlosigkeit auszuhalten. In dieser Folge sprechen wir über die multiplen Krisen: Kriege, Klimakrise, wirtschaftliche Unsicherheit, politische Polarisierung: Viele Menschen erleben die Gegenwart als Dauerkrise und haben gleichzeitig das Gefühl, selbst kaum etwas verändern zu können. Was macht diese Ohnmacht mit unserer Demokratie? Und warum profitieren gerade rechtsextreme und autoritäre Kräfte davon? Wir sprechen darüber, wie Angst in Wut umschlägt, warum Anerkennung und politische Repräsentation so wichtig sind und weshalb die AfD nicht nur Ängste bedient, sondern ihren Anhängern auch Gemeinschaft, Hoffnung und das Gefühl von Selbstwirksamkeit vermittelt. Und wir schauen auf die politische Gegenwart: Warum ist die AfD gerade in Ostdeutschland so stark? Was sagen die anstehenden Landtagswahlen über den Zustand unserer Demokratie aus? Und wie lässt sich verhindern, dass der Aufstieg der extremen Rechten auch ihre Gegner in Resignation und Rückzug treibt?
52 Minuten
Robert Dahl ist Unternehmer, Macher und der Kopf hinter Karls. Anfang der 1990er-Jahre begann er in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Erdbeeranbau. Aus dem Verkauf von Erdbeeren entstand über die Jahre eine der bekanntesten Freizeit- und Familienmarken Deutschlands – mit Erlebnis-Dörfern, Hotels und immer neuen Plänen für weiteres Wachstum. In dieser Folge von EINHEIT GUT, ALLES GUT sprechen wir darüber, wie aus einer einfachen Idee ein großes Unternehmen wird und warum Robert offenbar wenig davon hält, sich selbst Grenzen zu setzen. Wie viel Mut und wie viel Risiko braucht Unternehmertum? Wie trifft Robert Entscheidungen? Was treibt ihn an, immer weiter zu wachsen? Wo liegen die Grenzen von Karls, wenn es überhaupt welche gibt? Und was hat er aus mehr als drei Jahrzehnten Unternehmertum gelernt? Außerdem sprechen wir über Mecklenburg-Vorpommern und seinen Blick auf Ostdeutschland: Was hat sich seit den 1990er-Jahren verändert? Was läuft besser, als oft erzählt wird? Was fehlt dem Osten noch? Und warum braucht es vielleicht gerade hier mehr Menschen, die einfach anfangen und groß denken? Eine Folge über Erdbeeren und Unternehmertum, über Wachstum, Heimat und Risiko.
41 Minuten
Marco Weicholdt ist Gründer des Zukunftsfestivals MACHN. Als Unternehmer, Netzwerker und Mitinitiator des Festivals arbeitet er seit Jahren daran, Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammenzubringen. Aus einer mutigen Idee ist eines der spannendsten Innovations- und Zukunftsfestivals Deutschlands entstanden. Wir sprechen über die unterschätzten Chancen Ostdeutschlands, die Entstehung und Entwicklung des MACHN-Festivals sowie die Bedeutung von Unternehmertum für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Marco erzählt, warum er bewusst auf Mitteldeutschland setzt, welche Geschichten über den Osten falsch erzählt werden, was ihn an der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung beschäftigt und was seine Lieblingsmomente aus fünf Jahren MACHN sind.
46 Minuten
Sylvia Pfefferkorn ist Vize-Vorstandssprecherin im Verein „Wirtschaft für ein Weltoffenes Sachsen". Die Organisation unterstützt Unternehmen konkret bei der Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten und stärkt so Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im Freistaat. Seit 2016 übernehmen die Mitgliedsunternehmen sichtbar gesellschaftliche Verantwortung und bekennen sich öffentlich zu Weltoffenheit, Internationalität und einem starken Wirtschaftsstandort, von dem die gesamte Gesellschaft profitiert. In dieser Folge sprechen wir über Sylvia Pfefferkorns persönlichen Weg, über den der SPIEGEL schreibt, er sei geprägt von vielen Umbrüchen und Wendungen. Wir sprechen über das Spannungsfeld, in dem sich das Bundesland Sachsen bewegt: wirtschaftlich erfolgreich und zugleich politisch angespannt und polarisiert. Wie geht das zusammen, welche Verantwortung haben UnternehmerInnen dabei? Und wir sprechen über die Aufgaben und Verantwortlichkeiten des von ihr mitgegründeten Vereins: wie kann er Unternehmen konkret unterstützen? Wie viele Unternehmen bekennen sich? Wo hakt es noch? Ein spannender Blick in mein Heimatbundesland.
54 Minuten
Wie baut man demokratische Öffentlichkeit dort auf, wo Redaktionen verschwinden und politische Spannungen wachsen? In dieser Folge spreche ich mit Benjamin Fredrich, geboren 1985 in Greifswald, dem Gründer des Medienhauses Katapult, über die Kraft von lokalem Journalismus, unternehmerische Verantwortung und die politische Lage in Ostdeutschland. Was einst als studentisches Projekt mit Karten und Infografiken begann, ist heute ein Verlag mit mehreren Redaktionen. Mit Katapult MV und Katapult Sachsen versucht er, regionalen Journalismus neu aufzubauen. Sein Anspruch: Medien nicht nur als Beobachter zu verstehen, sondern als demokratische Infrastruktur. Im Gespräch geht es um die Entscheidung, bewusst in Mecklenburg-Vorpommern zu bleiben, den politischen Druck in Wahljahren und den Umgang mit der Alternative für Deutschland, die Frage, wie viel Haltung Journalismus braucht, und um die persönliche Seite eines Gründers, der vom Politikwissenschaftler zum Medienunternehmer wurde. Ein Gespräch über Verantwortung, Risiko und darüber, ob Lokaljournalismus tatsächlich ein Hebel für demokratische Stabilität sein kann.
53 Minuten
Martin Fuchs ist Politikberater und Experte für digitale Kommunikation mit besonderem Fokus auf Social Media und Wahlkampfstrategien. Er berät seit vielen Jahren Politiker:innen, Parteien und Institutionen dabei, ihre Botschaften in einer zunehmend digitalen Öffentlichkeit zu platzieren. Aufgewachsen in Ostdeutschland, verbindet er biografische Erfahrung mit professioneller Analyse politischer Dynamiken. Sein Blick auf Politik ist geprägt von Transformationserfahrungen der Nachwendezeit und den gesellschaftlichen Umbrüchen im Osten. Im Podcast spricht er über die aktuellen ostdeutschen Landtagswahlen und die besonderen politischen Stimmungen in der Region. Zudem sprechen wir über das Zusammenspiel von Social Media und Demokratie – und die Frage, wie sehr Plattformen heute Wahlausgänge beeinflussen. Fuchs gibt Einblicke hinter die Kulissen moderner Politikberatung und erklärt, wie strategische Kommunikation entsteht. Dabei geht es auch um Politiker:innen, die das „Social-Media-Game“ beherrschen – und um jene, die daran scheitern - und wie sich Ostdeutschland dabei verhält.
51 Minuten
Sabine Werth, in Ost-Berlin geboren, ist Mitgründerin der Berliner Tafel und eine der prägenden Stimmen für zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland. 1993 rief sie gemeinsam mit Mitstreiter:innen die erste Tafel ins Leben – aus einer einfachen Idee heraus: überschüssige Lebensmittel retten und Menschen in Not unterstützen. Was als pragmatische Initiative begann, wurde zu einer Bewegung mit bundesweiter Wirkung. Für ihr Engagement wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. In dieser Folge sprechen wir über ihr Aufwachsen und die prägenden Erfahrungen ihrer Kindheit, die Gründung der Berliner Tafel in einer Zeit des Umbruchs, über Armut und Würde in Deutschland sowie über ihren Blick auf Ostdeutschland 35 Jahre nach der Wiedervereinigung Ein Gespräch über Engagement, Haltung – und die Frage, was eine Gesellschaft im Innersten zusammenhält.
46 Minuten
Thuy-Ngan Trinh ist Unternehmerin und Managerin an der Schnittstelle von Wirtschaft und gesellschaftlicher Gestaltung. Sie ist in Dresden als Tochter vietnamesischer Vertragsarbeiter aufgewachsen und wurde früh von den Erfahrungen der Nachwendezeit geprägt. Heute arbeitet sie mit schnell wachsenden Unternehmen in Deutschland und Europa und beschäftigt sich intensiv mit Fragen von Unternehmertum und Transformation. Ostdeutschland versteht sie nicht nur als Teil ihrer Biografie, sondern als Zukunftsraum, der Mut und aktives Gestalten braucht. In dieser Folge sprechen wir über die Erinnerungen und Prägungen ihrer Kindheit, über die vietnamesische Community, über ihren aktuellen Blick und die Chancen Ostdeutschlands - und über eines unserer absoluten DDR-Lieblingsgerichte ;)
46 Minuten
Doreen Schimk zählt zu den erfolgreichsten Musikmangerinnen Deutschlands. Zuletzt wirkte sie als Co-President von Warner Music Central Europe. Sie ist in der DDR aufgewachsen – in Sachsen, geprägt vom Alltag eines sozialistischen Staates und vom Leistungssport. 1988, mit 17 Jahren, nutzt sie einen Trainingsaufenthalt in Ungarn zur Flucht in den Westen. Eine spontane Entscheidung, die ihr Leben grundlegend verändert. In dieser Folge sprechen wir über ihre Jugend in der DDR, über Sport, über den Moment der Flucht und das Ankommen in einem neuen System. Und darüber, wie diese Erfahrung von Umbruch und Neuanfang und ihr Aufwachsen in der DDR sie bis heute prägen. Ein sehr persönliches Gespräch über Freiheit, Mut und Wertvorstellungen.
45 Minuten
Viola Klein arbeitete in der DDR als Kindergärtnerin und trat aus ideologischer Überzeugung aus der SED aus. Nach der Wende gründete sie mit einem Partner eine Software-Firma, Saxonia Systems, die sie 2021 erfolgreich an Zeiss verkauft. Heute ist sie engagierte Netzwerkerin, Mentorin und Stimme für mehr Chancengerechtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft. In dieser Folge sprechen wir darüber, wie man ohne Tech-Hintergrund ein Softwareunternehmen aufbaut, wie sich Karrierewege in Ostdeutschland oft anders entwickeln als im Westen, und warum Verantwortung für Viola Klein nicht mit einem erfolgreichen Exit endet. Wir reden über Mut in Zeiten des Umbruchs, über Solidarität statt Ellenbogen und darüber, was aus zwei Systemen bleibt, wenn man sie beide erlebt hat.
50 Minuten
Greta Taubert wurde im Thüringer Wald geboren und lebt und arbeitet heute als Journalistin, Autorin und Gesellschaftsbeobachterin. In ihren Büchern und Reportagen erforscht sie, wie Menschen anders leben, arbeiten und wirtschaften können – jenseits von Konsum, Konvention und Komfortzone. Bekannt wurde sie durch ihre Selbstversuche – etwa ein Jahr ohne Konsum oder alternative Lebensmodelle in Gemeinschaften. Mit klarem Blick, Neugier und Humor schreibt und spricht sie über den Wandel unserer Gesellschaft – und darüber, wie wir ihn selbst gestalten können. In dieser Folge sprechen wir über ihren Blick auf Ostdeutschland, ihr Buch" Guten Morgen, Du Schöner - Begegnungen mit ostdeutschen Männern", und über mehr Liebe, die wir in dieser trubeligen Welt brauchen.
39 Minuten
Der erst 25-jährige Luca Piwodda ist seit 2024 ehrenamtlicher Bürgermeister von Gartz in der Region Uckermark. Gartz ist eine typische Stadt im ostdeutschen Land: die Kassen sind leer, die Bevölkerung ist stark überaltert und bei der letzten Bundestagswahl haben über 50% der Einwohnerinnen und Einwohner die AfD gewählt. Luca Piwodda will seiner Stadt ihr Selbstvertrauen wiedergeben. Mit einem neuen, authentischen Kommunikationsstil, mit viel Bürgerbeteiligung und frischen Ideen zeigt er, was gesellschaftliches Engagement in jungen Jahren bedeutet - und bewirken kann. In dieser Folge sprechen wir über seine ersten politischen Schritte in der SPD, einen innerfamiliären Bürgermeisterkampf, den Mut zu Neuem und seine Prioritäten: Transparenz und Kommunikation.
Sophie Koch | Die Queerbeauftragte der Bundesregierung über Sichtbarkeit, die nicht jeder sehen will
41 Minuten
Sophie Koch ist seit 2025 die neue Queerbeauftragte der Bundesregierung. Sie wurde 1993 im Vogtland geboren, ist eher zufällig zu Schulzeiten zur Politik gekommen und sitzt seit 2024 im Sächsischen Landtag. Wir sprechen in dieser Folge über Sophies persönlichen und politischen Weg, über queere Lebensrealitäten und darüber, warum es dieses wichtige Amt noch braucht. Wir schauen auf Ostdeutschland sowie auf die aktuelle Debatte rund um Sichtbarkeit, Repräsentanz und die Regenbogenflagge auf dem Bundestag.
50 Minuten
Constanze Klaue ist in Ost-Berlin geboren, studierte zuerst Germanistik in Dresden und Jazzmusik in Köln und Osnabrück. Anschließend arbeitete sie als Autorin, Texterin, und Regisseurin für eine Kölner Werbefilmproduktion, bevor sie 2014 an die Kunsthochschule für Medien ging, um sich ganz dem Filmemachen zu widmen. Als freie Autorin und Regisseurin schreibt und inszeniert sie für Film, Musik und Literatur gleichermaßen. Mit "Mit der Faust in die Welt schlagen" hat sie den Bestseller von Lukas Rietzschel als Film übersetzt. Das Buch und so auch der Film handeln von einem Brüderpaar in der sächsischen Provinz am Anfang der 2000er, deren Alltag geprägt von Perspektivlosigkeit und Zerfall der Familie ist. Constanze Klaue erzählt die Geschichte einer Familie, die an den Umständen und sich selbst zerbricht und ihre Söhne an die Neonazi-Szene verliert. Der NDR sagt: "Einer der spannendsten deutschen Filme der letzten Zeit."