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Bildungsstätte Anne Frank Archiv

144 Episoden
2 Stunden 3 Minuten
Passen Hijab und Feminismus zusammen? Oder spaltet das Kopftuch die  Frauenwelt? Was hat Religion mit Antikapitalismus zu tun? Und wie hat eine Komparsinnenrolle in einem Film über das Leben von Bushido bei Emel Zeynelabidin zu einer völlig neuen Einstellung zum muslimischen Kopftuch geführt? 

Bei unser vierten Streitbar über das muslimische Kopftuch haben Khola Maryam Hübsch und Emel Zeynelabidin kräftig gestritten: Über Feminismus und Religion,  über Mode und Modeindustrie, über Identität und Selbstbestimmung.  Vielen Dank an euch und an unsere großartige StreitBar-Moderatorin Hadija Haruna-Oelker für diese tolle innermuslimische, feministische Debatte, bei der wir alle viele neue Perspektiven und Fragen erlangt haben. 

Zum Trailer der aktuellen Ausstellung "Contemporary Muslim Fasions" des Museum für angewandte Kunst (unsrer Kooperationspartner des Abends): https://vimeo.com/332633567  #Streitbar 
1 Stunde 47 Minuten
„Dass wir mit unserem Buch sagen wollen, ‚macht euch mal locker‘, ist natürlich kein Freifahrtschein für sexistische Macker. Wir wollen diese genuin linke Kultur des Aufschreiens, wenn es mal nicht gelingt, kritisieren.“

Gemeinsam mit text&beat haben wir gestern im frankfurtersalon den neuen Sammelband „Triggerwarnung. Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen“ von Saba-Nur Cheema, Eva Berendsen und Meron Mendel released. Denn: Obwohl es große Angriffe gegen Identitätspolitik gibt - von links, von rechts und aus der Mitte -, wollen sie über Stränge der Identitätspolitik sprechen, die problematisch sind. 

Mit: 

Den Herausgeber*innen Eva Berendsen, Saba-Nur Cheema und Meron Mendel 

Autor*innen des Sammelbands: Hadija Haruna-Oelker, Lena Gorelik, Deborah Krieg, Charlotte Busch, Ayesha Khan, Céline Wendelgaß & Tom Uhlig.

Klaus Walter von Text und Beat

Mitschnitt vom 21.05.2019
1 Stunde 23 Minuten
FRANKFURT LIEST EIN BUCH: DIE ZWEI SEITEN DES WESTENDS.

Über die Geschichte eines Viertels zwischen Synagoge und IG-Farben Haus

Mit:

Dalia Moneta

Jutta Zwilling

Musik:

Claude Frochaux (Cello) 

Die Geschichte des Westends wollen wir entlang der Entwicklung zweier entgegengesetzter Orte, zweier Kulminationspunkte deutscher Geschichte erzählen: der Westend Synagoge und dem IG-Farben-Haus. Von den zwanziger Jahren bis in die heutige Zeit wollen wir uns der Parallelität dieser zwei Orten widmen, deren Geschichte auf unheilvolle Weise miteinander verflochten ist – die Geschichte(n) erzählen die Historikerin Jutta Zwilling und die Autorin Dalia Wissgott-Moneta im Gespräch mit Tom Uhlig. Untermalt werden die verschiedenen Epochen musikalisch. 

Aufzeichnung vom 16.05.2019
2 Stunden 2 Minuten
STREITBAR # 3: Linker Populismus – Chancen und Gefahren linker Sammlungsbewegungen 

Mit: 

Ismail Küpel

Norma Tiedemann

Sebastian Winte

Moderation: Hadija Haruna-Oelker

Ausnahmsweise gab es bei unserer dritten Streitbar weniger Streit und mehr Harmonie auf dem Podium als sonst. Denn darin, dass „linker Populismus“ problematisch ist, waren sich Ismail Küpeli, Norma Tiedemann und Sebastian Winter einig. Kontrovers war die Diskussion über Chancen und Gefahren linker Sammelbewegungen trotzdem. 

Sebastian Winter wies darauf hin, dass Populismus sozialpsychologisch vor allem über die affekthafte Konstruktion von "Wir" gegen "die Eliten" funktioniert. Norma Tiedemann argumentierte, dass die Benennung von konkreten Herrschaftsverhältnissen deshalb noch lange nicht problematisch sein muss. Dem Populismus, der Chantal Mouffe verschwebt, setzte sie das Konzept einer Mobilisierung zur Selbstorganisierung entgegen. Ismail Küpeli machte den Begriff der Solidarität stark und verwies darauf, dass dieses nicht im Widerspruch dazu steht, innerlinke Konfliktverhältnisse z.B. über Rassismus oder Geschlechterverhältnisse auszutragen. 

Vielen Dank an unsere Streitbar-Moderatorin Hadija Haruna-Oelker, unsere Podiumsgäste sowie an das interessierte Publikum für die spannende Auseinandersetzung! 
1 Stunde 55 Minuten
DER  NAHOSTKONFLIKT WIRD IM PLENUM GELÖST.

Israel und  Antisemitismus als Streitfrage der deutschen Linken - Podiumsgespräch im Rahmen unserer Sonderausstellung "Das Gegenteil von gut. Antisemitismus in der deutschen Linken seit 1968" mit: 

Meron Mendel

Daniel Bax

Nissar Gardi

Darja Klingenberg

Moderation: Hanning Voigts

Aufzeichnung vom 11. April 2019

Alle Infos zur Veranstaltung sowie zur Sonderausstellung:

www.gegenteilvongut.de 
2 Stunden 17 Minuten
Racial Profiling-Vorwürfe, rassistische Ermittlungstaktik und Neonazis in den eigenen Reihen: Polizei steht in der Kritik.

Schlaglicht Hessen: Am 6. April 2006 wurde Halit Yozgat vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in Kassel ermordet. Ein mögliches rassistisches Motiv wurde von den Ermittler*innen ausgeschlossen, sie vermuteten die Täter*innen im „kriminellen migrantischen Milieu“.

2018/2019: Die Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız erhält rassistische Drohbriefe, die mit „NSU 2.0“ gezeichnet sind. Spuren führen zu einem rechtsextremen Netzwerk inmitten der Polizei. Vorgesetzte und Kolleg*innen wollen von all dem nichts mitbekommen haben.

Cop Culture, also die Organisationskultur und Verfahrensmuster der Polizei, ist höchst umstritten. Wie tief die Missstände verankert sind, wird heftig diskutiert. Die 2. Streitbar ermittelt zwischen problematischer Polizeipraxis und einer Kultur der Zivilcourage.

Diskussion mit: 

Prof. Dr. Rafael Behr

15 Jahre Polizeidienst in Hessen, danach Studium der Soziologie und Psychoanalyse in Frankfurt/Main. Seit 2008 Professor für Polizeiwissenschaften am Fachhochschulbereich der Akademie der Polizei Hamburg.

Biplab Basu 

Gründer der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP Berlin), Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt Berlin (ReachOut Berlin) 

Moderatorin: Hadija Haruna-Oelker, Hessischer Rundfunk

Aufzeichnung vom 04. April 2019
1 Stunde 18 Minuten
DAS GEGENTEIL VON GUT - ANTISEMITISMUS IN DER DEUTSCHEN LINKEN SEIT 1968  

Begrüßung: 

Eva Berendsen (Leiterin Kommunikation in der Bildungsstätte  Anne Frank) 

Thomas Heppener (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) 

Podiumsgespräch:   

Dalia Moneta (ehem. Leiterin der Sozialabteilung der jüdischen  Gemeinde Frankfurt)

Meron Mendel (Direktor der Bildungsttätte Anne Frank)  

Julia König (Erziehungswissenschaftlerin an der Johannes  Gutenberg-Universität Mainz)  

Moderation: Eva Berendsen

Einführung in die Ausstellung: 

Tom Uhlig (Kurator der Ausstellung und Mitarbeiter der Bildungsstätte Anne Frank) 

 

Kraken-­Symbolik bei Massenprotesten, Boykottaufrufe gegen Israel  und  der Streit ums Palituch – die Geschichte der politi­schen Linken in der  Bundesrepublik ist immer wieder auch von Momenten gekennzeichnet, in  denen antisemitische Stereo­type in Umlauf  gebracht und ignoriert  wurden oder die Szene tief spalteten. Momente, in denen linkspolitische  Anliegen hin­ter ihre eigenen  emanzipatorischen Ansprüche zurückfallen,  Widersprüche in  Theorie und Praxis sind Gegenstand dieser Ausstellung.  

Frankfurt  war und ist dabei immer wieder Austragungsort solcher  Auseinandersetzungen: Wir blicken auf den Häuser­kampf der  frühen Siebziger, die geplante Aufführung des Fassbinder-­Stücks »Der  Müll,  die Stadt und der Tod« und die jüngsten Blockupy­-Proteste.   1968 bildet den Ausgangspunkt, weil in diesem Jahr die Stimmung zu  kippen scheint: Eine vor­mals eher israelsolidarische Haltung der Linken  mündete in den Antizionismus. Dabei folgt die Ausstellung  einer  Topographie von Räumen, in denen linkspolitische Kritik geübt wurde: an  der Trinkhalle, an der Universität, im Supermarkt, in der Wohnung, auf  der Bühne und auf der Straße zeichnet sie die Traditionslinien  anti­semitischer Argumentationsformen nach. Auch – nicht nur in  Frankfurt. 

Die Ausstellung und ihr Begleitprogramm laden  dazu ein, zu  ergründen, wann das Gutgemeinte das Gegenteil von gut ist.  

www.gegenteilvongut.de 

Aufzeichnung vom 
1 Stunde 42 Minuten
HEIMAT - GERMAN DREAM ODER ALBTRAUM?

STREITBAR #1 vom 07.03.2019 mit:  

 Hengameh Yaghoobifarah (freie*r Redakteur*in beim Missy Magazine,  schreibt u. a. die Kolumne „Habibitus“ für die taz. Mitherausgeberin des  Sammelbands „Eure Heimat ist unser Albtraum“)

 Dr. Sergey Lagodinsky (Anwalt, Autor und Repräsentanzmitglied der  Jüdischen Gemeinde zu Berlin. In 2019 Kandidat für das Europäische  Parlament [Bündnis 90/ Die Grünen]).

 Moderation: Hadija Haruna-Oelker (Hessischer Rundfunk)  

„Heimat“ ist schwer en vogue: für das Marketing von Sweatshirts und  Limonaden, als Sehnsuchtsort und als strategischer Versuch, patriotisch gesinnten Bürger*innen ein Alternativangebot zur AfD zu unterbreiten (Stichwort: Heimatministerium).  

„Heimat“ bleibt höchst umstritten. Auch unter Migrant*innen, Jüdinnen  und Juden, Schwarzen Menschen und People of Color: Für die einen lockt  ein neues deutsches Integrationsversprechen mit Chancen auf Anerkennung  und Aufstieg. Für die anderen verbirgt sich hinter einem weichgespülten Zugehörigkeitsfeeling die hässliche Fratze von völkischem Nationalismus,  Hass und Gewalt.  

German Dream oder Albtraum? Integration oder Desintegration? Wer sind  wir eigentlich – und wie kommen wir dahin?

Bei unserer ersten „Streitbar“ geht’s gleich um’s Ganze: Wir vermessen  die Chancen und Grenzen der Migrationsgesellschaft und diskutieren mit  denjenigen, die von „Heimat“ ganz besonders betroffen sind.  

#Streitbar - Immer am ersten Donnerstag im Monat - Der Eintritt ist frei.  

Wir wollen nicht dabei zusehen, wie Konflikte in den Echokammern der  Sozialen Netzwerke verschwinden. Die „Streitbar“ steht für Kontroverse  statt Konsens, Auseinandersetzung statt Abschottung: Hier feiern wir die  Debatte, hier treffen wir spannende Gäste zu strittigen Fragen. Und  Drinks.

bs-anne-frank.de/streitbar 
46 Minuten
You'll never walk alone - Konferenz: Strategien gegen Antisemitismus im Fußball

Teil 3/3: Gespräch - Was kann Fußball gegen rechte Tendenzen zun?

Peter Fischer (Eintracht Frankfurt)

Esther Schapira (Hessischer Rundfunk)

Anfeindungen gegen jüdische Fußballspieler*innen, NS-verherrlichende Fangesänge, Antisemitismus beim Sponsoring: Auch im Fußball kommt es immer wieder zu antisemitischen Vorfällen, die sich mal offener, mal subtiler äußern. Zwar stellen sich zahlreiche Fans und Organisationen gegen antisemitische, rassistische und rechte Aussagen, eine breite   Sensibilisierung bleibt bisher jedoch aus – und Sportgerichte urteilen  weiterhin nur zögerlich über menschenfeindliche Aussagen und Aktionen. Bei der Konferenz haben wir Antisemitismus im beliebtesten Sport Deutschlands in den Blick genommen: Dabei wagten wir einen kritischen Blick in die Fanszene, aufs Spielfeld sowie in die Institutionen und haben uns mit Fan-Organisationen, Vereinen und Akteur*innen vernetzt. 

Mitschnitt vom 21. Februar 2019 
50 Minuten
You'll never walk alone - Konferenz: Strategien gegen Antisemitismus im Fußball

Teil 2/3: Gespräch - Antisemitismus heute

Daniel Cohn-Bendit (Publizist und Politiker)

Esther Schapira (Hessischer Rundfunk)

Alon Meyer (Makkabi Deutschland)  

Anfeindungen gegen jüdische Fußballspieler*innen, NS-verherrlichende  Fangesänge, Antisemitismus beim Sponsoring: Auch im Fußball kommt es  immer wieder zu antisemitischen Vorfällen, die sich mal offener, mal  subtiler äußern. Zwar stellen sich zahlreiche Fans und Organisationen  gegen antisemitische, rassistische und rechte Aus-sagen, eine breite  Sensibilisierung bleibt bisher jedoch aus – und Sportgerichte urteilen  weiterhin nur zögerlich über menschenfeindliche Aussagen und Aktionen.  Bei der Konferenz haben wir Antisemitismus im beliebtesten Sport  Deutschlands in den Blick genommen: Dabei wagten wir einen kritischen  Blick in die Fanszene, aufs Spielfeld sowie in die Institutionen und  haben uns mit Fan-Organisationen, Vereinen und Akteur*innen vernetzt. 

Mitschnitt vom 21. Februar 2019 
30 Minuten
You'll never walk alone - Konferenz: Strategien gegen Antisemitismus im Fußball

Teil 1/3: Begrüßung mit:

Kai Klose (Staatsminister des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration)

Dr. Meron Mendel (Bildungsstätte Anne Frank)

Alon Meyer (Makkabi Deutschland) 

Anfeindungen gegen jüdische Fußballspieler*innen, NS-verherrlichende Fangesänge, Antisemitismus beim Sponsoring: Auch im Fußball kommt es immer wieder zu antisemitischen Vorfällen, die sich mal offener, mal subtiler äußern. Zwar stellen sich zahlreiche Fans und Organisationen gegen antisemitische, rassistische und rechte Aussagen, eine breite  Sensibilisierung bleibt bisher jedoch aus – und Sportgerichte urteilen weiterhin nur zögerlich über menschenfeindliche Aussagen und Aktionen. Bei der Konferenz haben wir Antisemitismus im beliebtesten Sport  Deutschlands in den Blick genommen: Dabei wagten wir einen kritischen  Blick in die Fanszene, aufs Spielfeld sowie in die Institutionen und  haben uns mit Fan-Organisationen, Vereinen und Akteur*innen vernetzt. 

Mitschnitt vom 21. Februar 2019 
1 Stunde 33 Minuten
 Die gespaltene Gesellschaft tobt sich zunehmend online aus: Betroffene von Rassismus, Sexismus & anderen Diskriminierungen finden über die Sozialen Netzwerke 6 Hashtags wie #metoo oder #metwo immer erfolgreicher Gehör für ihre Belange. Gleichzeitig gehören Verleumdung, Morddrohungen, Selbstmordaufrufe oder die Androhung von Gewalt für viele zur Tagesordnung, die sich auf Facebook, Twitter & Co. zu umstrittenen Themen äußern. Hassbotschaften wie „Lösch dich“ & Vergewaltigungsfantasien werden zunehmend unter Klarnamen verschickt. All das wirkt sich auf das Sicherheitsgefühl im „echten“ Leben aus.

Wie gehen Betroffene mit Hatespeech um? Was tun die Sozialen Netzwerke gegen Trolle und Stalker? Wie funktioniert NetzDG? Und wie kann digitale Zivilcourage konkret aussehen?

mit:

Ali Can (Initiator von #metwo)

Ayesha Khan (Netz-Aktivistin),

Olivia Sarma (response. Beratung für Betroffene rechter & rassistischer Gewalt)

Nava Zarabian (jugendschutz.net).

Moderation: Pola Nathusius (hr).
25 Minuten
„Man kann nicht gleichzeitig den Judenmord aufarbeiten und die Revolution machen“: Die Abwehr von Antisemitismuskritik in der politischen Linken.

Inputvortrag von Tom Uhlig im Rahmen der Konferenz "Antisemitismus in gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatten: Tendenzen – Erscheinungsformen – Gegenwirkung" am 29. November 2018 an der Geothe-Universität Frankfurt.
2 Minuten
Newsletter der Bildungsstätte Anne Frank - Informationen im Dezember 2018 www.bs-anne-frank.de/index.php?id=477
1 Stunde 55 Minuten
Rassismus in Behörden, Medien und Zivilgesellschaft. Podiumsdiskussion vom 23.11.2018 Keynote: „10 Thesen zum Institutionellen Rassismus“ Dr. Mehmet Daimagüler (Vertreter der Nebenklage im Münchener NSU-Prozess und Autor) Podiumsgespräch mit: Dr. Mehmet Daimagüler (Vertreter der Nebenklage im Münchener NSU-Prozess und Autor) Dr. Tanjev Schulz (Journalist, Autor und Professor für Journalismus) Olivia Sarma (Leiterin von response. Beratung für Betroffene rechter und rassistischer Gewalt) Siraad Wiedenroth (ISD Frankfurt - Initiative Schwarze Menschen in Deutschland) Es ist unbestritten, dass der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) seine rassistische Mordserie über mehrere Jahre fortsetzen konnte, weil institutioneller Rassismus vor allem in Behörden, aber auch in großen Teilen der Medien und der Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle gespielt hat: Die Ermittlungsbehörden kriminalisierten und stigmatisierten die Opfer und ihre Angehörigen. Hinweise auf möglicherweise neonazistische Tatmotive wurden zugleich ignoriert. Große Teile der Medien übernahmen und bestärkten sogar diese Sichtweise und Sprache (siehe Unwort des Jahres 2011). Die Stimmen der Angehörigen wurden auch von der Mehrheitsgesellschaft nicht gehört. Institutioneller Rassismus verursacht ein „Leben in Unsicherheit“ (Amnesty International) für Minderheiten in Deutschland. Bis heute? Was haben wir gelernt aus dem NSU? Wie stellen wir sicher, dass die Aufklärung des NSU-Komplexes und die Aufdeckung seines Netzwerks weiter vorangetrieben wird, nachdem der Prozess in München alle Erwartungen enttäuschte? Welche Konsequenzen wurden gezogen aus dem gesammelten Wissen, das in einer Vielzahl parlamentarischer Untersuchungsausschüsse von Bund und Ländern und in vielen selbstkritischen Artikeln und Berichten zusammengetragen wurde? Und ist das alles auch genug? Angesichts der Vorfälle von Chemnitz, eines bleibend hohen Niveaus rechter Gewalt in Deutschland und einer dramatischen Verschiebung der Grenzen des öffentlich Sagbaren zugunsten rassistischer Äußerungen und Positionen sind wir skeptisch und sagen: Nachsitzen!