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Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten Archiv

49 Episoden
56 Minuten
Am Anfang fühlt sich alles wunderbar an für Merthe Stephan: Ihr erster Partner überhäuft sie mit Liebesbeweisen und möchte mit ihr zusammenziehen. Aber dann verbietet er Merthe alle Kontakte und drängt sie zu sadomasochistischem Sex. Nur mit Mühe entkommt sie dieser toxischen Beziehung – und leidet danach lange unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depressionen. Dann kommt der nächste Schock: Im Alter von 28 Jahren erhält Merthe die Diagnose Lymphdrüsenkrebs im Endstadium. Heute ist Merthe Stephan 32 Jahre alt und so glücklich wie noch nie. Der Krebs ist gestoppt, und die Konfrontation mit dem Tod hat ihren Blick auf das Leben verändert, erzählt sie Podcast-Host Mario Neumann.
53 Minuten
Thomas Schwabe (47) hat es vom Arbeiterkind zum Akademiker geschafft. In Greifswald wächst er in einfachen Verhältnissen auf und macht eine Maurerlehre, die er als Qual erlebt. Er wird Krankenpfleger und arbeitet zwölf Jahre in der ambulanten Pflege. "Aber wenn die Routine zu routiniert wird, muss ich etwas anderes machen", erzählt er Host Mario Neumann im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde reden". Der Wahlbremer holt sein Abitur nach und studiert mit 31 Jahren Biologie und Politik auf Lehramt. Seine große Liebe aber ist die Musik: Er singt und spielt Bass in einer Irish-Folk-Band. Diese Leidenschaft kann er seit Kurzem auch in den Schulalltag einbringen, denn dank einer Weiterbildung ist er nun auch Musiklehrer.
51 Minuten
Sechzehn Jahre alt war Martina Kahrs, als sie zum ersten Mal Crack genommen hat – auf der Reeperbahn in Hamburg. "Das war die größte Schande meines Lebens", sagt sie. Dabei hat in Wirklichkeit jemand anders große Schande auf sich geladen: Ihr Onkel, der sie als kleines Kind sexuell missbraucht hat. Die heute 41-Jährige entwickelte danach eine Psychose und konnte im Leben nie richtig Fuß fassen. Nachdem sie in den letzten Jahren mehrmals in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, fürchtet sie jetzt um ihr Leben. Und hat nach 25 Jahren Drogenkonsum und Prostitution nur bescheidene Wünsche: Eine funktionierende Waschmaschine. Ein Haustier, am liebsten einen kleinen Hund. Und, am wichtigsten: Nicht am Crack zugrunde gehen. *** Wer selbst drogenabhängig ist oder Menschen kennt, die betroffen sind, kann sich an die bundesweite "Sucht & Drogen Hotline" unter der Telefonnummer 01806 313031 wenden. Das Angebot ist kostenpflichtig: 0,20 € pro Anruf aus dem deutschen Festnetz und aus dem Mobilfunknetz. *** Podcast-Tipp: "Schicksal – der SR 1-Podcast über das Leben" in ARD Sounds. https://kurz.sr.de/Schicksal
1 Stunde 3 Minuten
Tom Turner (67) ist Amerikaner und hat sein Leben lang als Orchestermusiker an der Bratsche gearbeitet. Sein Job hat ihn immer glücklich gemacht: "When I go to work, I go to play". Schon als Kind weiß er, dass er Musiker werden will – auch wenn er im Schulorchester absichtlich schlechter spielt, um nicht aufzufallen, erzählt Tom Turner im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde reden". Aufgewachsen in Detroit, führt ihn sein Weg über Philadelphia, Berlin und Minnesota nach Bremen in die Heimat seiner zweiten Frau. Jetzt beginnt für den ehemaligen Solobratscher ein neues Kapitel: Nach langer Pause greift er wieder zur Bratsche und spielt im Neuen Kammerorchester Bremen, diesmal ganz bewusst in der letzten Reihe.
1 Stunde
Hätte Regina Gruber gewusst, wie sehr ihr ein Klinikaufenthalt hilft, wäre sie diesen Schritt schon viel früher gegangen. Stattdessen hat die 37-jährige sozialpädagogische Assistentin versucht, möglichst lange alleine klarzukommen. Sie hat auch vieles selbst geschafft: die verantwortungsvolle Arbeit in einem Hotel in Österreich, den Umzug aus ihrem Heimatland zu ihrem Freund nach Norddeutschland und – trotz vieler Hindernisse – eine abgeschlossene Berufsausbildung. Doch irgendwann wurden ihre Depressionen so schwer, dass ihr nur noch die Klinik blieb. Warum ihr dort nicht in erster Linie die Ärzte geholfen haben, sondern etwas ganz anderes, das erzählt sie im Bremen-Zwei- Podcast "Eine Stunde Reden". ***Sorgen kann man teilen. Wenn Sie in einer psychischen Krise sind und Hilfe brauchen, können Sie sich kostenfrei an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 wenden. Das Info-Telefon Depression ist unter der Rufnummer 0800 33 44 5 33 ebenfalls kostenfrei zu erreichen.*** Podcast-Tipp: "Raus aus der Depression" in ARD Sounds.
56 Minuten
Tristan Brelage (29) ist wegen seiner besten Freunde nach Leipzig gezogen. Kennengelernt hatte er sie in Kopenhagen. Die Freundschaft zu ihnen sei erfüllender als er sich romantische Liebe vorstelle, sagt er im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde reden". Aufgewachsen im Emsland hat er in Bielefeld, Bremen und Kopenhagen studiert. Jetzt arbeitet er für einen Verein, der Betroffenen von rechtsextremer Gewalt hilft. Zuvor hat er 150 Jobabsagen und auch ein Nein zu einem Doktorarbeitsvorhaben bekommen. Mit Podcast-Host Mario Neumann spricht er über das Ja zum Leben, freundschaftliche Liebe und seine 47 Tattoos.
55 Minuten
Wie entscheidet man richtig, wenn es keine einfachen Antworten gibt? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Medizin-Ethikerin Jannike Zimmermann seit vielen Jahren. Die 37-Jährige forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin am "Center for Life Ethics" der Universität Bonn. Dort untersucht sie, wie die Angst vor einer Psychose das Selbstbild von Betroffenen beeinflusst. Vorher hat sie sich lange mit Themen wie Organspende, Präimplantationsdiagnostik und Sterbehilfe auseinandergesetzt. Ein prägendes Erlebnis war für sie eine Ethikberatung zu einem Schwangerschaftsabbruch. Daraus hat sie eine wichtige Erkenntnis gewonnen: "Man sieht nie die ganze Wahrheit." Im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde reden" spricht sie mit Host Mario Neumann über ihre Leidenschaft für Medizinethik, das Muttersein, prägende Zweifel und warum es sich lohnt, Dinge immer wieder neu zu betrachten.
1 Stunde
Moritz Jansen-Gottschlich wäre fast gestorben, als er mit 17 einen Lungenkollaps erlitt. Er überlebt, weil ihm der Arzt ohne Betäubung den Brustkorb aufschlitzt. An diese dramatische Zeit erinnert sich der 58-Jährige trotzdem mit Freude – weil sie begleitet war von einem beglückenden Nahtoderlebnis. Ansonsten hat der geborene Wuppertaler viel Schlimmes erlebt: Seine Eltern wollten ihn nicht, seine erste Frau hat ihn verlassen, seine Kinder haben sich abgewendet. Trotz Doktortitel hat er immer wieder Schwierigkeiten im Beruf. Erst spät erfährt er, wie das alles mit seiner Autismus-Diagnose zusammenhängt. Im Gespräch mit Podcast-Host Mario Neumann erzählt er, wie er versucht, aus jedem Tag das Beste zu machen – trotz mehrerer gravierender Krankheiten wie Multiple Sklerose. Triggerwarnung: In diesem Gespräch geht es auch um das Thema Suizid. Bitte entscheidet selbst, ob ihr euch heute in der Lage fühlt, dem zuzuhören!
1 Stunde
Für Astrid Touray ist Sport mehr als Bewegung – er ist ein Mittel, um Menschen zusammenzubringen. Seit über 20 Jahren arbeitet die 58-Jährige als Sozialarbeiterin beim Bremer Landessportbund und engagiert sich ehrenamtlich. Mit ihrem mobilen Schwimmverein bringt sie Kindern das Schwimmen näher. Außerdem betreut sie ein Fußballteam junger Flüchtlinge. "Die Politik sollte Feindbilder abbauen, nicht schüren", erzählt sie Host Mario Neumann im Bremen Zwei-Podcast "Eine Stunde reden". Aufgewachsen in der DDR hat die Wende sie genauso geprägt wie die Verantwortung, die sie als Kind in ihrer Familie übernommen hat. Ihr Vater war alkoholkrank, später auch ihre Mutter. Zum Studieren geht sie als junge Frau nach Bremen und lernt hier ihren späteren Mann kennen, einen Flüchtling aus Gambia. Mit ihm hat sie zwei Kinder, auf die sie sehr stolz ist.
58 Minuten
Heute wirkt Kerrin Sumfleth gelassen und selbstsicher. Die 27-Jährige reist einen großen Teil des Jahres um die Welt, als Turnierassistentin für Golfprofis. Sie liebt ihr Rennrad, ihre Katze und backt gerne Zimtschnecken. Dass sie viele Jahre unter den Folgen von Mobbing in der Schule litt, merkt man ihr nicht an. Jahrelang wurde sie von einer Gruppe Jungs körperlich bedrängt und wehrte sich kaum. Aus Angst, "fertiggemacht zu werden", wie sie sagt. Warum erst ein Aufenthalt im Ausland die Wende brachte, und was sie anderen Mädchen in einer solchen Situation rät, erzählt sie im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde reden".
55 Minuten
Bartosz Przybylek (41) und seine Frau haben lange versucht, ein Kind zu bekommen. Nach mehreren Besuchen in der Kinderwunschklinik war klar: Sie wollen ein Kind adoptieren. Viele Formulare, etliche Gespräche und Tests später klingelt eines Tages tatsächlich ihr Telefon. Sie sollen im Krankenhaus einen drei Tage alten Säugling kennenlernen. Schnell organisieren sie einen Maxi-Cosi, kaufen Babynahrung und informieren ihre Arbeitgeber. "Ich habe mein Herz an den Kleinen verloren", sagt der frischgebackene Papa. Wie der 41-Jährige seinen Job als Unternehmensberater mit der Elternzeit arrangiert und warum er seine Online-Shops verkauft hat, erzählt er im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde reden".
59 Minuten
Mit Temperament und klarer Kante gestaltet Corinna Hagedorn ihr Leben: "Ich habe mit 16 für mich schon entschieden, dass ich nicht heiraten und keine Kinder haben möchte." Nie habe sie diese Entscheidung bereut, sagt die heute 63-jährige Betriebsrätin. Die Tochter eines Hafenarbeiters wusste früh, dass sie sich bei ihrer Lebensplanung nicht von Konventionen einengen lassen will. Sie ist viel in der Welt herumgekommen – oft in Begleitung von Hunden. Erst ihre Huskys, mit denen sie auch in Schweden oder Norwegen Rennen gefahren ist, und heute ihr Königspudel. Mit dem erkundet die umweltbewusste Vegetarierin die Felder, Wälder und Wiesen von Bremen-Nord und Niedersachsen. Ihr Herz schlägt auch für soziales Engagement. In ihrem Job kämpft sie aus Überzeugung für Arbeitnehmerrechte. Privat will sie der Gesellschaft für ihr "geiles Leben" etwas zurückgeben: als Schöffin oder durch die Arbeit für ein Hospiz. Wie sie 120 Jahre alt werden will, welche Rolle Partnerschaft für sie spielt und wann ihr einmal dringend ein Vorschlaghammer gefehlt hat – darum geht es in dieser Folge des Bremen-Zwei-Podcasts "Eine Stunde reden" mit Host Mario Neumann.
53 Minuten
Die Diagnose Epilepsie – darauf will sich Lars Kollmann nicht reduzieren lassen. Der 23-jährige Speditionskaufmann und Hobby-Fußballer steht voll im Leben und hat klare Überzeugungen: "Man rafft sich auf, schüttelt den Staub ab und macht weiter", sagt er über die Tiefen in seinem Leben. Abgeklärt spricht er dann irgendwann auch über die Operation, bei der ihm ein Stück Hirn entfernt wurde, um ihn von epileptischen Anfällen zu befreien. Und über den Ärger, dass er wegen seiner Einschränkung nicht immer ernst genommen wird. Gemeinschaft ist dem Mann aus Ritterhude wichtig, sei es in seiner Patchwork-Familie mit sieben Geschwistern oder mit Freunden und flüchtigen Bekannten. Man bekommt im Leben zurück, was man gibt – davon ist Kollmann überzeugt. Warum ihn Geschichte interessiert und welche besondere Medaille in seinem Zimmer hängt, verrät er Mario Neumann im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde Reden".
1 Stunde 1 Minute
Mitten in der Geburt ihres Kindes dachte Natascha Bogić, sie muss sterben. Weil die Herztöne des Kindes absackten und man ihr sagte: "Wir retten zuerst das Kind und dann sie." Eine Erfahrung, die die 42-Jährige tief verstört hat, auch wenn ihr Sohn in einer Bremer Klinik schließlich gesund zur Welt kam. Die traumatische Erfahrung hat dazu beigetragen, dass die Beziehung zum Vater des Kindes in die Brüche ging, erzählt sie Podcast-Host Mario Neumann. Mittlerweile hat Natascha Bogić einen neuen Partner und lebt zusammen mit ihrem Sohn und ihrer aus Kroatien stammenden Mutter, die sie nach einem Schlaganfall zu sich geholt hat. Über Umwege hat sie in den Beruf gefunden, den sie sich immer gewünscht hat: Seit kurzem arbeitet sie als Sozialarbeiterin in einer Kindertagesstätte. Ihren Alltag erlebt sie als anstrengend, aber erfüllend und bezeichnet sich als gesunde Optimistin, für die das Glas immer eher halb voll ist als halb leer.
59 Minuten
Dörte Behrmann (62) ärgert sich häufig über die Politik. Aus ihrer Sicht wird zu wenig für den Klimaschutz getan. Als PR-Frau beschäftigt sie sich beruflich viel mit dem Klima und setzt sich für mehr Aufklärung ein. Nach einer abgebrochenen Lehre im Hotel studiert sie in Karlsruhe Literatur und Geschichte. Dann zieht sie nach Berlin, um sich dort mit einer PR-Agentur selbstständig zu machen. Doch sie sehnt sich immer wieder nach Bremerhaven – der Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Dort lebt sie jetzt in dritter Ehe in einer Fernbeziehung. Für ihre Rente plant die 62-Jährige einen dreimonatigen Aufenthalt in New York. "Aber erst, wenn Trump nicht mehr Präsident ist", sagt sie. Wie es ihr dank der Kinder ihres Mannes gelungen ist, über ihren eigenen unerfüllten Kinderwunsch hinwegzukommen, erzählt sie Mario Neumann im Bremen-Zwei-Podcast "Eine Stunde reden".