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Birett Ballett - Katholische Theologie erklärt Archiv

36 Episoden
16 Minuten
Dieses 14. Kapitel ist auf eine gewisse Weise ein Nachtrag zur Reihe  über das Papsttum. Auch diese Überlegungen hier stammen aus Heschmeyers  „Pope Peter“ und der Überblick über die Kirchenleitungsmodelle, den er  bietet, scheint mir hilfreich. Aber ich wusste nicht, wo ich sie am  besten in der Reihe einordnen soll. Darum habe ich sie nun einfach an  den Schluss gestellt. Die Prämisse ist: es gibt vier grundsätzliche  Organisationsmodelle der Kirchenleitung
22 Minuten
Nun gut. An diesem Punkt der Reihe hatte ich eigentlich vorgehabt,  halbwegs detailliert die umstrittensten Dinge des aktuellen Pontifikats  anzusprechen und irgendwie einzuordnen. So oft in diesen Jahren hat mich  der Frust oder gar die Verzweiflung von Gläubigen erreicht und  Unverständnis über das Handeln von Papst Franziskus. Ich begann eine  Liste anzulegen, die immer länger wurde, von Dingen, die man besprechen  oder klären sollte. Aber irgendwann schien es besser, einen allgemeinen  Überblick über das Papstum, seine Wichtigkeit, seinen Sinn und die  Grenzen in der Ausübung des Lehramts zu bieten. Dies ist nun in 12  Folgen geschehen und ich hoffe, die Ausführungen waren und sind  hilfreich, um das Geschehen im Vatikan und andereswo einzuordnen. Denn  die theologische Antwort ist damit im Grunde gegeben. Und so habe ich  bis zuletzt  überlegt, die Reihe nach Folge 12 enden zu lassen. Ich  hatte ursprünglich ja ohnehin nur 9 Episoden geplant. Und dann ist da,  trotz allem was ich hier über die Fehlbarkeit eines Papstes dargelegt  habe, dieser unangenehme Umstand, dass es so aussieht als würde ich als  einfacher Priester, mit dem Obersten Hirten ins Gericht ziehen. Ich bin  kein Kardinal, kein besorgter Mitbruder im Bischofsamt. Es ist nicht  meine Aufgabe den Berater oder gar den Richter des Papstes zu spielen.  Aber was als Priester zu meinen Aufgaben gehört, ist die Sorgen, Ängste  und Nöte der Gläubigen nicht einfach abzutun, sondern anzuhören und  ihnen zu vermitteln, dass sie ernst genommen werden; dass sie nicht irre  sind; dass man in den Reihen des Klerus nicht einfach beschwichtigend  so tut, als wäre alles eitelwonne. Loyalität zu Papst und Kirche  bedeutet eben nicht, wie die Missbrauchskrise zeigt, zu schweigen und  zuzudecken. In diesem Sinn möchte ich alsdann auch meine Worte hier  verstanden wissen. Sie haben, auch wenn sie den Finger in manche Wunden  legen, ihren Ursprung in der Loyalität die meine Grundhaltung gegenüber  der Kirche ist. Falls ich irgendwo ungerecht oder vorschnell bin, und  vielleicht selbst aus Verletzungen und Frust heraus spreche, bitte ich  dies nicht gegen die Kirche und den Papst zu halten, sondern lediglich  gegen mich selbst.  Papst Franziskus hat gefordert, dass die Hirten in den Stall gehen  sollen um den Geruch der Schafe anzunehmen. So finde ich mich also  wieder zwischen einer Menge von Gerüchen. Es ist unmöglich, alle Sorgen  und Verunsicherungen der Gläubigen anzusprechen. Ich begnüge mich mit  ein paar wenigen Punkten, die oft stellvertretend für weitere stehen.  Sie fallen im Wesentlichen in 3 Kategorien: Erstens, was Papst  Franziskus sagt; Zweitens, was Papst Franziskus macht; Drittens, was  Papst Franziskus lehrt.
16 Minuten
Nach all dem, was wir in den vorangegangenen Episoden gesagt haben,  sollte deutlich sein, warum es den Papst in der Kirche braucht und auch,  was vor dem biblischen Hintergrund seine eigentliche Aufgabe ist. Kanon  218 des Kirchenrechts hat die Definition des Ersten Vatikanischen  Konzils übernommen. Dort steht: „Als Nachfolger des hl. Petrus im Primat  hat der Bischof von Rom nicht nur einen Ehrenprimat, sondern auch die  höchste und vollständige Jurisdiktionsgewalt über die ganze Kirche. –  Diese Jurisdiktionsgewalt umfaßt nicht nur den Glauben und die guten  Sitten, sondern auch alle Dinge, die sich auf die rechtliche Ordnung und  Regierung der Kirche auf dem ganzen Erdkreis beziehen.“  Die konkrete Ausgestaltung des Petrusdienstes - dieses Sorgen für die  Einheit in der Wahrheit – unterlag in der praktischen Ausübung und  Ausübbarkeit einem gewissen geschichtlichen Wandel. Seine konkrete  Jurisdiktion bei Bischofsernennungen nimmt er heute im Westen anders  wahr als in der Antike – ohne dass sich an seiner grundsätzlichen  Juristiktionsgewalt etwas geändert hätte. So wurde etwa der heilige  Ambrosius, immerhin einer der vier lateinischen Kirchenlehrer, nicht als  verdienstvoller, ergrauter Pfarrer und Professor vom Papst in sein Amt  als Bischof von Mailand gehoben. Vielmehr war Ambrosius ein frommer Mann  in kaiserlichem Dienst – aber noch Katechume – d.h. noch nicht einmal  getauft, als die Menge „Ambrosius episcopus!“ rief. Innerhalb einer  Woche, im Schnellverfahren, empfing er Taufe, die Weihen zum Diakon und  Priester, damit die Bischofsweihe erfolgen konnte. Generell dienen  Bischöfe ihren Kirchen als Nachfolger der Apostel und nicht bloß als  Handlanger des Papstes. So werden auch die Rechtsgewohnheiten und die  Autonomie der nicht lateinischen, katholischen Teilkirchen vom Papst als  Ausdruck der Breite und Weite des Katholischen weitgehend geachtet und  nur in Sonderfällen eingegriffen. Die universale Autorität des Bischofs  von Rom, samt dem dafür notwendigen Charisma der Unfehlbarkeit, kommt  eben erst dann wirklich ins Spiel wenn er ganz konkret den petrinischen  Dienst der Einheit in der Wahrheit ausübt und ausüben muss, damit die  Kirche Christ, die Kirche Christi bleibt und die eine Botschaft Jesu in  der Welt nicht in einer Kakophonie sich widersprechender Denominationen  und Konfessionen untergeht. Der Papst, so verstanden, hat also eine ganz bestimmte Aufgabe. Und wo  er dieser Aufgabe nicht nachgeht, ist er in seinen Äusserungen,  Überlegungen, Gedanken, Flugzeuginterviews, herausgeschüttelten  Bemerkungen grundsätzlich so fehlbar wie jeder andere Bischof oder Laie –  und im praktischen Handeln, Personalbesetzungen, Gartenveranstaltungen  und ähnlichen Entscheidungen sowieso. Um das besser zu verstehen, hier  eine kurze Zusammenfassung wie das Lehramt in der Kirche ausgeübt wird  und was das für Gläubige bedeutet.
15 Minuten
Kaiser Justinian von Konstantinopel ist eine schillernde, wenn auch  komplexe und keineswegs immer nur sonnige Figur. Er gilt als einer der  bedeutendsten Herrscher der Spätantike, unter dem das byzantinische  Reich am Übergang zum Mittelalter seine größte Ausdehung erreichen  sollte. Er ist der Stifter der Hagia Sophia und trägt im Osten den  Beinamen der Große. Sogar als Heiliger wird er von manchen in der  Orthodoxie verehrt – wenngleich ihn kein Synaxarion - das ist die  östliche Gottesdienstordnung – tatsächlich als Heiligen listet. Grob in  seine Epoche fällt nun unsere Episode des Papsttums.
13 Minuten
In neun Folgen haben wir bisher das Papsttum von seinem biblischen  Ursprung und seiner bleibenden Notwendigkeit für die Kirche her  betrachtet. In dieser 10. Folge möchte ich einen kurzen Abriss der  geschichtlichen Wahrnehmung dieses Dienstes bieten. Wenn unsere Analyse  bisher richtig war, dann werden wir in der frühen Kirche Spuren von der  besonderen Stellung des Nachfolgers Petri finden. Wie gesagt, wie können  hier nichts als einen kurzen Abriss unternehmen. Vom Ende des 1.  Jahrhunderts bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts listen und zitieren  manche Sammelwerke fast 270 relevante Passagen, die Auskunft über des  Status päpstlicher Autorität in der frühen Kirche geben. Wir müssen in der Frage des päpstlichen Primats zwei Dinge  unterscheiden: den Glauben und die kirchliche Disziplin.
13 Minuten
In den vorangegangenen Folgen ist es hoffentlich gelungen, die besondere Bedeutung des Petrus mit Hilfe des biblischen Zeugnisses herauszustellen. Ein bisschen habe ich auch immer wieder vorgegriffen und an verschiedener Stelle vom Papstamt und damit von der Fortsetzung des Petrusdienstes in der Kirche gesprochen. Dass das Petrusamt kein bloß persönliches Charisma war, das mit dem Tod des Apostels erloschen wäre, sondern ein Amt für die Kirche aller Zeit, möchte ich in dieser Folge unterstreichen. Heschmeyer stellt die drei Punkte, die in diesem Zusammenhang von protestantischer Seite ins Feld geführt, in Frage: Erstens. Ist die Kirche historisch wirklich vom Glauben der Apostel abgefallen und das ganze Papsttum damit eine Häresie? Ist John Miltons Ausspruch, dass die Kirche nur rein war zwischen Christus und Konstantin, historisch haltbar? Ist also die kontantinische Wende DER Sündenfall des Christentums, als eine verfolgte Minderheit erst zu einer tollerierten, dann anerkannten, und schließlich zu einer korrupten staatlichen Religion wurde. Ist der Papst der Antichrist und der Vatikan die Hure Babylon, wie Baptisten ihren Gläubigen im Gottesdienst verkünden #ökumenischesgrillfest?
17 Minuten
Im ersten Teil dieser Folge möchte ich auf die protestantischen  Alternativen zum Papst als Garant der Einheit in der Wahrheit eingehen.  Denn schafft man den Papst ab muss jemand oder etwas anderes Bewahrer  dieser Dinge sein, sodass sich die Botschaft Christi, nicht als zu  schwach und im Fortgang der Geschichte erweist. Denn ist die Lehre  Christi heute nicht mehr unversehrt, dann ist Christus gscheitert. Die  alternativen Träger der Wahrheit sind im Protestantismus entweder der  individuelle Christ, der sich vom Heiligen Geist inspiriert wähnt, und /  oder die Bibel.  Doch was ist die überall sichtbare Konsequenz?
14 Minuten
Die letzte Folge endete mit folgender Zusammenfassung: In Matthäus 16  sagt Petrus etwas über Jesus und Jesus sagt etwas über Petrus. Die  Versuche, Petrus aus diesem Dialog hinauszudrängen, oder das Wort „Fels“  umzudeuten – als meinte es Jesus oder das Christusbekenntnis –, haben  wir gleich in mehrfacher Weise scheitern sehen. Hier setzen wir noch  eines drauf. Denn sogar, wenn wir das Wort vom Felsen nicht hätten oder  seine Bedeutung nicht kennen würden, dann hätten wir im Fortgang der  Passage eine klares Bild von der Aufgabe des Simon Petrus.
18 Minuten
Der Zuhörer dieser Reihe musste lange warten bis Mt 16, bis also die  Paradestelle zur Erklärung des Papstamts, zur Sprache kommt. Ihre Worte  zieren nicht von ungefähr die Kuppel des Petersdoms. Nun ist es so weit.
16 Minuten
Eine Stelle, die wohl nur selten im Zusammenhang mit dem Papstamt  besprochen, wird ist die seltsame Erzählung von Jesus, Petrus und der  Tempelsteuern. (Mt 17,24-27)
14 Minuten
Im Alten wie auch im Neuen Testament ist das Hirtenamt, also die Leitung  des Gottesvolkes, keine eigene Ermächtigung, sondern ein Ruf. Diesen  Ruf finden wir bei den Patriarchen, den Propheten und sogar bei den  Königen im 1. Buch Samuel. Im neuen Bund ist es Jesus, der die Apostel  wählt (Joh 15,16). Und sogar nach dem Ausscheiden von Judas, lassen die  Apostel gleichsam Gott das letzte Wort in der Nachbesetzung durch den  Losentscheid. Auf Eigenmächtigkeit liegt kein Segen, erinnert das Beispiel des Simon  Magus im 8. Kapitel der Apostelgeschichte. Sein Name ist seither zum  Synonym für den Kauf kirchlicher Ämter geworden – ein Missbrauch, der in  der Geschichte vielfach das Licht Christi verdunkelt hat. Ohne Ruf,  ohne Berufung gibt es kein dienendes, kirchliches Amt.
12 Minuten
Die Frage nach dem Papst fällt in zwei Themenbereiche: Was war die Rolle  des Petrus unter den Zwölf und hat dies eine Bedeutung nicht nur für  die apostolische Zeit, sondern auch für die folgenden Generationen.  Anders ausgedrückt: War Petrus der erste Papst und gehört das Papsttum  zum göttlichen Plan für die Kirche durch die Zeit hindurch. Dies werden  in den kommenden Folgen beleuchten.  Wir wollen hier nicht mit der klassischen Passage in Mt 16 beginnen –  dem Messiasbekenntnis und der Felsenstelle. Diese Stelle heben wir uns  noch auf. Wir beginnen beim Abendmahl. Warum? Weil der für uns relevante  Abschnitt zunächst eine Betrachtung des Herrschens und des Dienens  enthält, die grundlegend ist, um jegliche Leitung in der Kirche richtig  zu verstehen
17 Minuten
In der letzten Folge haben wir die am weitesten verbreiteten  protestantischen Kirchenbilder untersucht, die entweder eine unsichtbare  Kirche postulieren – oder deren „zwei“ Kirchen letztlich im selben  Gedanken der einen unsichtbaren Kirche münden. Doch es gibt auch  protestantische Gruppen, die eine andere Anschauung entwickelt haben.  Und wie verstehen Katholiken die Frage?
15 Minuten
Unter all den christlichen Lehren ist das Papsttum mit Sicherheit nicht  die Wichtigste. Die heiligste Dreifaltigkeit, die Göttlichkeit Christi,  unsere Erlösung am Kreuz, unsere Rechtfertigung, die Eucharistie – all  dies sind objektiv zentralere Sätze unseres Glaubens. Aber am Papsttum  entscheidet sich die Frage: soll ich katholisch sein oder nicht. Joe  Heschmeyer bringt es auf den Punkt: Stimmt die Lehre vom Papst, dann  sollten alle katholisch sein. Stimmt sie nicht, dann sollte niemand  katholisch sein.
9 Minuten
Eine Reihe von und mit Kpl. Johannes M Schwarz Wenn man so wie ich, im Herzen ein stock-katholischer,  ultrakonservativer – mit einem Wort – mit einem Schlagwort - : ein  „schlimmer Katholik“ ist, dann hatte man es nicht ganz leicht in der  letzten Zeit. Denn nachdem man jahrzehntelang in der Auseinandersetzung  mit der Moderne unzählige Sätze mit der Einleitung begonnen hatte: „Aber  der Papst sagt ...“ kommt dieser Satz nicht mehr so oft über die Lippen  seit Franziskus auf dem Stuhl Petri sitzt – oder er kommt  schmerzverzerrt in einem ganz anderen Zusammenhang. Doch  Autoritätsbeweise, das sagte schon - der von uns allen hochvereehrte -  Thomas von Aquin, sind von der schwächsten Art. Warum? Weil ein  Autoritätsbeweis voraussetzt, dass der andere die Autorität anerkennt.  Und eigentlich war dies auch genau der Grund, warum der brave  konservative Katholik seine Sätze mit „Aber der Papst...“ begann. Denn  sein Kampf gegen die Moderne verlief ja schon lange nicht mehr entlang  einer Front mit der Welt da draussen, sondern quer über die Kirchenbänke  hinweg. Da zweifelten Vorsitzende von deutschen Bischofskonferenzen den  Inhalt des Satzes an, dass Christus „für uns“ gestorben sei. Auf  Donaudampfschifffahrten legten sich rebellische Damen Seidentücher als  Stolen um. Man sammelte Unterschriften im Kirchenvolk, als sei der  Glaube nichts Gegebenes, sondern ein politisches Konsensprodukt. Bei  „Dialogveranstaltungen“ heischten Würdenträger mit „mutigen“ Forderungen  nach Applaus. Und ich selbst diskutierte als 19-Jähriger in einem  Diözesanhaus mit Vertretern katholischer Jugendverbände darüber, ob die  Enzyklika Evangelium Vitae nun für uns Katholiken eine bindende  Richtschnur im Lebensschutz war oder nicht. Dass der Pastoralamtsleiter,  der für die ungemein objektive Kirchenzeitung meiner damaligen Diözese  über diese Diskussion wachte, dann in einem Nebensatz die Erbsünde  leugnete, schmerzte, aber überraschte nicht. Bei allem Frust, den ich  damals empfand, war ich dennoch nie niedergeschlagen, denn Rom, so  wusste ich, war auf unserer Seite – egal wie verrückt sich die Kirche im  deutschen Sprachraum gebärdete. Suchte man Balsam für die Seele, las  man einfach einen afrikanischen Kardinal. Freilich auch in Rom schien  nicht alles eitel Wonne. Dass der Papst grundsätzlich fehlbar war, in  vielen Fragen und seinem praktischen Verhalten, zog niemand in Zweifel.  Der eine setzte die Grenze bei der Ausgestaltung interreligiöser  Gebetstreffen, der andere klagte über missverständliches Koranküssen;  Skepsis befiel den einen bei der zu wohlwollenden Förderung gewisser  neuer Bewegungen und Orden; für wieder andere krankte es schon seit den  60ern am liturgischen Herzen. Doch im Gros, verließ man sich auf das  theologische Gewicht der Päpste, man verteidigte ihre Aussagen mit  Eifer, rückte Fehlinterpretationen im Kontext zu recht und beklagte  offensichtliche Falschberichterstattung durch mangelhaft geschulte oder  gar ideologisch verpeilte Journalisten. Dann kam Franziskus.