Zukunft Bio E Archiv
20 Episoden
25 Minuten
Biotechnologie wie aus dem Bilderbuch: Die richtigen Bakterien mit der geeigneten Hefe zur Reaktion gebracht, schon wächst eine wabbelige, bräunliche Masse im Labor. Oder, wie Carolin Wendel von Scobytec sagt: Hier beginnt die nächste industrielle Revolution. Scobytec liefert den Grundstoff für Leder aus dem Labor, für Fasern als Ersatz für Baumwollprodukte, holzbasierte Viskose und Verbundwerkstoffe durch Biofabrikation. Carolin Wendel, eine der drei Gründer:innen von Scobytec sagt: Es geht um Performance, Verfügbarkeit und darum, Materialen nicht endlich zu gestalten, um sie wieder in den Kreislauf zurückführen zu können.
Scobytec setzt im Labor auf eine Mischung an Zellulose produzierenden Bakterien. Die Kulturen sind Wildauszüchtungen. Robust wie ein Mischlingshund, um den unterschiedlichsten Umweltbedingungen Stand zu halten.
Ziel der Entwicklung bei Scobytec ist es, neuartige Materialien mit neuen Eigenschaften zu schaffen. Carolin Wendel sagt: Plastik wurde auch nicht erfunden, um damit Holz nachzuempfinden und es in Produkten zu ersetzen. Nachdem das Plastik aber einmal in der Welt war, folgten auch die Anwendungen und Produkte. Ähnlich wird es den Stoffen der synthetischen Biologie ergehen: Die Stoffe schaffen sich ihre Möglichkeiten.
Carolin Wendel sagt: Die Materialschlacht, die bisher betrieben wurde, um Dinge zu realisieren und den Verbraucher:innen zur Verfügung zu stellen, muss enden. Wir haben nicht mehr so viel. Wir brauchen Dinge, die gewollt werden. Dazu kann und soll die synthetische Biologie einen Beitrag leisten.
Zu Gast in dieser Folge: Carolin Wendel, Gründerin von Sobytec
Scobytec setzt im Labor auf eine Mischung an Zellulose produzierenden Bakterien. Die Kulturen sind Wildauszüchtungen. Robust wie ein Mischlingshund, um den unterschiedlichsten Umweltbedingungen Stand zu halten.
Ziel der Entwicklung bei Scobytec ist es, neuartige Materialien mit neuen Eigenschaften zu schaffen. Carolin Wendel sagt: Plastik wurde auch nicht erfunden, um damit Holz nachzuempfinden und es in Produkten zu ersetzen. Nachdem das Plastik aber einmal in der Welt war, folgten auch die Anwendungen und Produkte. Ähnlich wird es den Stoffen der synthetischen Biologie ergehen: Die Stoffe schaffen sich ihre Möglichkeiten.
Carolin Wendel sagt: Die Materialschlacht, die bisher betrieben wurde, um Dinge zu realisieren und den Verbraucher:innen zur Verfügung zu stellen, muss enden. Wir haben nicht mehr so viel. Wir brauchen Dinge, die gewollt werden. Dazu kann und soll die synthetische Biologie einen Beitrag leisten.
Zu Gast in dieser Folge: Carolin Wendel, Gründerin von Sobytec
26 Minuten
Am Anfang steht organischer Müll. Reststoffe aus der Produktion, verfaulte Lebensmittel, fest, flüssig, einerlei. Am Ende des Prozesses stehen Tierfutter, Proteinmehl, hochwertige Fette, Dünger. Übrig bleibt: Nichts.
Jonas Finck setzt auf die Maden der schwarzen Soldatenfliege. Die verzehren organische Stoffe nahezu aller Art und werden dann selbst zum Produkt. Madebymade heißt entsprechend Fincks Startup. Die erste Anlage produziert in der Nähe von Leipzig rund eine Tonne Maden am Tag, Tendenz steigend. In den nächsten Jahren folgen weitere Anlagen.
Die Anlagen sind bewusst modular aufgebaut, kommen im Format herkömmlicher Container und lassen sich leicht größer planen und umsetzen. Formell ist Madebymade in der Tierfutterindustrie tätig. Die Produkte ihrer Anlage sind allerdings so hochwertig, dass sie auch als Nahrungsmittel taugen würden. Bislang ein Problem der Menge; die Anlage liefert noch nicht genug für die Lebensmittelindustrie. Jonas Finck freut sich über jeden, der zusätzlich in dieses Thema einsteigt. Die Nachfrage, sagt er, übersteigt das Angebot an Protein noch um Größenordnungen.
Die pure weiße Made kann lebend verwendet werden oder sie wird getrocknet und weiterverarbeitet zu einem Proteinmehl, vergleichbar mit Fischmehl, Soja- oder Geflügelmehl. Die Anlage trennt das Fett der kleinen Made von dem Protein, vergleichbar mit Palmkernöl oder Kokosöl. Am Ende der ganzen Prozedur bleibt kein Rest. Zu schön, um wahr zu sein, oder?
Zu Gast in dieser Folge: Jonas Finck, Gründer und CEO von madebymade
Jonas Finck setzt auf die Maden der schwarzen Soldatenfliege. Die verzehren organische Stoffe nahezu aller Art und werden dann selbst zum Produkt. Madebymade heißt entsprechend Fincks Startup. Die erste Anlage produziert in der Nähe von Leipzig rund eine Tonne Maden am Tag, Tendenz steigend. In den nächsten Jahren folgen weitere Anlagen.
Die Anlagen sind bewusst modular aufgebaut, kommen im Format herkömmlicher Container und lassen sich leicht größer planen und umsetzen. Formell ist Madebymade in der Tierfutterindustrie tätig. Die Produkte ihrer Anlage sind allerdings so hochwertig, dass sie auch als Nahrungsmittel taugen würden. Bislang ein Problem der Menge; die Anlage liefert noch nicht genug für die Lebensmittelindustrie. Jonas Finck freut sich über jeden, der zusätzlich in dieses Thema einsteigt. Die Nachfrage, sagt er, übersteigt das Angebot an Protein noch um Größenordnungen.
Die pure weiße Made kann lebend verwendet werden oder sie wird getrocknet und weiterverarbeitet zu einem Proteinmehl, vergleichbar mit Fischmehl, Soja- oder Geflügelmehl. Die Anlage trennt das Fett der kleinen Made von dem Protein, vergleichbar mit Palmkernöl oder Kokosöl. Am Ende der ganzen Prozedur bleibt kein Rest. Zu schön, um wahr zu sein, oder?
Zu Gast in dieser Folge: Jonas Finck, Gründer und CEO von madebymade
30 Minuten
Die Bioökonomie ist mehr als der Ersatz fossiler Rohstoffe in der chemischen Industrie. Sie umfasst natürlich den Bereich der Chemie, geht aber weit darüber hinaus. Vom Häuserbau bis zur Ernährung: Überall, wo wir Materialien einsetzen, müssen wir überlegen, ob wir nicht biogene Stoffe einsetzen können. Sagt Dr. Joachim Schulze, Unternehmer, Berater und Vorstand des Bioeconomy Cluster.
Mit biologisch abbaubaren Kunststoffen zum Beispiel auf Basis von Holz können wir heute schon Erdöl und weitere fossile Rohstoffe ersetzen. Zugleich sind die bioökonomischen Technologien auch energieintensiv, verlangen also eine nachhaltige Energieversorgung. Auch das ist Teil der Bioökonomie.
Müssen die Proteine wirklich aus der Kuh stammen - oder können sie nicht aus dem Fermenter kommen, können Hefen nicht ebenso Proteine erzeugen, um daraus etwas zu züchten, das wie Milch oder Fleisch aussieht? Allein der Bedarf an Land kann so um 90% sinken.
Joachim Schulze konstatiert: Wir sehen heute schon in der Chemieindustrie, dass der Wandel begonnen hat. Wir sehen jetzt schon Investments der Branchengrößen in entsprechende Startups. Bioökonomie bietet dazu die Möglichkeit, sehr viel regionaler und lokaler zu wirtschaften. Das reduziert Abhängigkeiten - eine Vorsorge für Krisenzeiten.
Letztlich, so seine Einschätzung, kommt kein Unternehmen umhin, sich diesem Trend zu stellen. Wer dies heute nicht tut, wird morgen eventuell nicht mehr am Markt sein. Natürlich kann das nicht jedes Unternehmen alleine. Darum ist die Vernetzung eine wichtige Funktion des Bioeconomy Clusters.
Bioökonomie ist mehr als nur gut. Langfristig kann diese Transformation für Unternehmen essentiell sein, um zu überleben.
Zu Gast in dieser Folge::
Dr. Joachim Schulze, Unternehmer, Berater und Vorstand des Bioeconomy Cluster.
Mit biologisch abbaubaren Kunststoffen zum Beispiel auf Basis von Holz können wir heute schon Erdöl und weitere fossile Rohstoffe ersetzen. Zugleich sind die bioökonomischen Technologien auch energieintensiv, verlangen also eine nachhaltige Energieversorgung. Auch das ist Teil der Bioökonomie.
Müssen die Proteine wirklich aus der Kuh stammen - oder können sie nicht aus dem Fermenter kommen, können Hefen nicht ebenso Proteine erzeugen, um daraus etwas zu züchten, das wie Milch oder Fleisch aussieht? Allein der Bedarf an Land kann so um 90% sinken.
Joachim Schulze konstatiert: Wir sehen heute schon in der Chemieindustrie, dass der Wandel begonnen hat. Wir sehen jetzt schon Investments der Branchengrößen in entsprechende Startups. Bioökonomie bietet dazu die Möglichkeit, sehr viel regionaler und lokaler zu wirtschaften. Das reduziert Abhängigkeiten - eine Vorsorge für Krisenzeiten.
Letztlich, so seine Einschätzung, kommt kein Unternehmen umhin, sich diesem Trend zu stellen. Wer dies heute nicht tut, wird morgen eventuell nicht mehr am Markt sein. Natürlich kann das nicht jedes Unternehmen alleine. Darum ist die Vernetzung eine wichtige Funktion des Bioeconomy Clusters.
Bioökonomie ist mehr als nur gut. Langfristig kann diese Transformation für Unternehmen essentiell sein, um zu überleben.
Zu Gast in dieser Folge::
Dr. Joachim Schulze, Unternehmer, Berater und Vorstand des Bioeconomy Cluster.
22 Minuten
Nehmen wir es Baumscheibe für Baumscheibe auseinander: Was macht Holz zu einem Rohstoff der Zukunft? Ausgerechnet Holz! Das knorrige alte Holz. Im Gespräch bei Michael Carl ist Veronika Auer, Wissenschaftlerin am Zentrum für biobasierte Materialien an der TH Rosenheim als solche Mitglied im Bioeconomy Cluster und vertritt dort das Thema Holz.
Ein Crashkurs Holz. Was wissen wir noch nicht über Holz? Zum Beispiel, dass Holz ein Rohstoff für Kleidung ist, für Klebstoff und vieles mehr. Und natürlich für den Bau. Nur, warum ist es gut für das Klima, Holz für den Bau zu verwenden, wenn doch gerade der Wald dafür da ist, CO2zu binden? Bäume fällen für das Klima? Veronika Auer sagt: Bäume erreichen irgendwann ein Alter, ab dem sie kein zusätzliches CO2 mehr binden. Fallen sie dann um und verrotten, ist das zwar gut für den Wald und die Tiere darin, der Baum gibt aber sein CO2 wieder frei. Nutzen wir das Holz hingegen stofflich, zum Beispiel als Balken im Bau, bleibt der Kohlenstoff gebunden und kehrt nicht in die Atmosphäre zurück.
Was auch immer wir mit Holz tun, sagt Veronika Auer, wir müssen es stofflich nutzen. Das ist der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft.
Zu Gast in dieser Folge:
Veronika Auer, Wissenschaftlerin am Zentrum für biobasierte Materialien an der TH Rosenheim
Ein Crashkurs Holz. Was wissen wir noch nicht über Holz? Zum Beispiel, dass Holz ein Rohstoff für Kleidung ist, für Klebstoff und vieles mehr. Und natürlich für den Bau. Nur, warum ist es gut für das Klima, Holz für den Bau zu verwenden, wenn doch gerade der Wald dafür da ist, CO2zu binden? Bäume fällen für das Klima? Veronika Auer sagt: Bäume erreichen irgendwann ein Alter, ab dem sie kein zusätzliches CO2 mehr binden. Fallen sie dann um und verrotten, ist das zwar gut für den Wald und die Tiere darin, der Baum gibt aber sein CO2 wieder frei. Nutzen wir das Holz hingegen stofflich, zum Beispiel als Balken im Bau, bleibt der Kohlenstoff gebunden und kehrt nicht in die Atmosphäre zurück.
Was auch immer wir mit Holz tun, sagt Veronika Auer, wir müssen es stofflich nutzen. Das ist der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft.
Zu Gast in dieser Folge:
Veronika Auer, Wissenschaftlerin am Zentrum für biobasierte Materialien an der TH Rosenheim
23 Minuten
Ein weiterer Bau im Chemiepark. Rohre, Leitungen, Kessel, Tanks. Auf den Gleisen warten endlose Reihen von Kesselwagen - und tatsächlich entsteht in Leuna eine zukunftsweisende Bioraffinerie. „Das ist State of the Art“, sagt der CEO von UPM Biochemicals, Michael Duetsch.
Die Raffinerie soll in einigen Monaten den Betrieb aufnehmen. Was macht das Projekt zukunftsweisend? Vorne gehen ganze Bäume in die Raffinerie, zumeist Buchen, in jedem Fall aus nachhaltig bewirtschaften Wäldern. Hinten kommen Produkte für die chemische Industrie heraus. Was bleibt übrig? Nichts.
Mit den biobasierten Produkten ersetzt die Raffinerie eine ganze Reihe von üblicherweise genutzten Stoffen, die allesamt aus Erdöl entstehen. Das Ergebnis: Textilfasern aus Holz. Medizinprodukte, ebenso aus Holz. PET-Flaschen auf Holzbasis. Kein Wunder, dass Coca-Cola einer der Partner des Projekts ist.
Michael Duetsch betont: Bioeconomy heißt auch, mit völlig neuen Partnern zusammenzuarbeiten. Allein die Ingenieure aus der Papierindustrie am Anfang des Prozesses und die aus der chemischen Industrie am Ende des Prozesses in der eigenen Raffinerie zusammen zu bringen, ist jeden Tag eine Herausforderung.
Anders arbeiten, neue Partner, neue Ausgangsstoffe und Prozesse, die Transformation ist umfassend. Michael Duetsch hält sie für notwendig, für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ebenso wie für wirtschaftlichen Erfolg.
Zu Gast in dieser Folge: Dr. Michael Duetsch, CEO UPM Biochemicals
Die Raffinerie soll in einigen Monaten den Betrieb aufnehmen. Was macht das Projekt zukunftsweisend? Vorne gehen ganze Bäume in die Raffinerie, zumeist Buchen, in jedem Fall aus nachhaltig bewirtschaften Wäldern. Hinten kommen Produkte für die chemische Industrie heraus. Was bleibt übrig? Nichts.
Mit den biobasierten Produkten ersetzt die Raffinerie eine ganze Reihe von üblicherweise genutzten Stoffen, die allesamt aus Erdöl entstehen. Das Ergebnis: Textilfasern aus Holz. Medizinprodukte, ebenso aus Holz. PET-Flaschen auf Holzbasis. Kein Wunder, dass Coca-Cola einer der Partner des Projekts ist.
Michael Duetsch betont: Bioeconomy heißt auch, mit völlig neuen Partnern zusammenzuarbeiten. Allein die Ingenieure aus der Papierindustrie am Anfang des Prozesses und die aus der chemischen Industrie am Ende des Prozesses in der eigenen Raffinerie zusammen zu bringen, ist jeden Tag eine Herausforderung.
Anders arbeiten, neue Partner, neue Ausgangsstoffe und Prozesse, die Transformation ist umfassend. Michael Duetsch hält sie für notwendig, für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ebenso wie für wirtschaftlichen Erfolg.
Zu Gast in dieser Folge: Dr. Michael Duetsch, CEO UPM Biochemicals
Zukunft Bio E
Mit der Bioeconomy auf dem Weg in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Eine Initiative des Cluster Bioeconomy