Schwarz hören - Petra Schwarz im Gespräch mit Prominenten über Leben und Tod Archiv
168 Episoden
33 Minuten
Ursprünglich wollte sie – wie ihre Mutter – Tänzerin werden. Aber: „Ich war nicht auswärts genug.“ betont Manon Straché. Was das heißt, erklärt sie in dieser Podcast-Episode . Auch mit einer Karriere als Opernsängerin ist es nichts geworden. Gescheitert ist es daran, dass ihr Vater, der Musiker war, ihr klargemacht hatte, dass sie dafür Klavier lernen müsse. Versucht hat sie es, aber: „Das war eine elende Quälerei. Und dann dachte ich: Wirst du eben Schauspielerin. Da brauchst du gar nichts zu können.“ sagt sie – augenzwinkernd natürlich. Manon Straché wurde 1960 in Magdeburg geboren, wuchs in Naunhof bei Leipzig auf und absolvierte in der ersten Hälfte der 80er Jahre die Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig. 1984 begann ihre professionelle Karriere beim Kabarett „Academixer“ in Leipzig. Schnell wurde sie danach einem Millionenpublikum durch ihre Rolle als Blumenhändlerin, eine der Hauptrollen in der Fernseh- Serie „Lindenstraße“, bekannt. Gefolgt von „Hotel Elfie“ und „Das Traumschiff“. Das aber ist Vergangenheit. Warum? „Ich möchte nicht mit irgendwelchen Youtubern und Influencern spielen. Schauspiel ist immer noch ein Beruf“. betont sie. Insgesamt wirkte Manon Straché in mehr als 50 Film- und Fernsehproduktionen mit. Auch die Bühne ist ihre Leidenschaft: „Ich habe jeden Abend s o Theater gespielt, als würde da ein amerikanischer Agent drinsitzen.“. Umso verwunderlicher ist es, dass Manon damit nun Schluss machen will. „Ja, das glaubt mir keiner. Aber mir machts keinen Spaß mehr.“ Und viel wichtiger: „Dieser Beruf geht an die Substanz. Er kann tödlich sein.“, womit wir beim Thema „Leben und Tod“ gelandet sind. Ende 2024 haben wir uns in ihrer Wohnung in Berlin getroffen und haben – anlässlich der „Rede meines Lebens“ – auch darüber gesprochen, wie es war, für ihre Mutter die Trauerrede zu halten und überhaupt die Feier zu organisieren. „Ich hatte das Gefühl, ihr das schuldig zu sein.“ Dabei sollten die Trauergäste unbedingt (auch) unterhalten werden. Für sich selbst hofft Manon Straché darauf, dass sie „loslassen“ und sagen kann: „Ich gehe jetzt.“ Viel Spaß mit der Episode 124 von „Schwarz hören“ mit Manon Straché.
23 Minuten
„Er ist ein Meister der leisen Töne, der seine Worte lebt. Er ist – wozu ihm eigentlich alles fehlt – ein Star.“ Ja, das ist Gerhard Schöne schon zu DDR-Zeiten gewesen und ist es bis heute. Mehr als 30 Alben hat er nach der „Wende“ veröffentlicht und diverse – viel gelobte – Programme auf Bühnen gebracht. Jahr für Jahr gibt der in Meißen lebende Gerhard Schöne um die 100 Konzerte. Er wurde für sein Schaffen u.a. mit dem „Kunstpreis der DDR“ (1987), dem „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ (1992, 2003 und 2010) und dem „Bundesverdienstkreuz“ (2024) ausgezeichnet. Der 1952 in Coswig geborene Schöne wuchs in einer evangelischen Pfarrersfamilie auf, absolvierte eine Lehre als Korpusgürtler und war dann Laienschauspieler der „Spielgemeinde Leipzig“. 1972 bewarb er sich an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin, wurde zunächst dort angenommen und erhielt einige Wochen später eine Absage, weil er in der „Nationalen Volksarmee der DDR“ den Dienst an der Waffe verweigerte und stattdessen als Bausoldat diente. Von 1973 bis 1978 arbeitete er als Briefträger in Coswig und absolvierte parallel ein Fernstudium für Unterhaltungsmusik und Gesang an der „Carl Maria von Weber“-Musikhochschule in Dresden. Seit 1979 ist er freischaffender Liedermacher und Buchautor. Seit dem Erscheinen seiner ersten LP „Spar deinen Wein nicht auf für morgen“ (Amiga) ist Gerhard Schöne aus der Liedermacher-Szene nicht mehr wegzudenken und ich werde mein Leben lang nicht vergessen, wie er 1988 – nach seinem Nicaragua-Besuch – erstmals den Song „Mit dem Gesicht zum Volke“ im „Palast der Republik“ in Berlin sang. Die Geschichte dazu erzählt er in dieser Podcast-Episode. Gerhard Schönes Alben erscheinen seit der deutschen Wiedervereinigung im Buschfunk-Verlag Berlin. Seit 1988 wurden neun seiner Kinderbücher veröffentlicht. Apropos: Er hat sechs Kinder im Alter von 16 bis 37 und mit seiner Frau engagiert er sich als „Bereitschaftspflege-Eltern“. Als solche betreuen sie Kinder jeweils ein Stück ihres Weges. „Das Schwierigste ist, sie dann wieder loszulassen.“ erzählt er. Ich habe Gerhard Schöne im September 2024 vor einem Konzert des „Weißenseer Kultursommers“ in der „Stephanus-Stiftung“ in Berlin-Pankow getroffen und wir haben – wie es sich für diesen Podcast gehört – über Leben und Tod gesprochen. Auf letzteren sind wir gleich zu Beginn gekommen, denn Gerhard erinnert sich daran, wie es für ihn als Kind von seinem Vater 50 Pfennige gab, wenn er als Pfarrerssohn vor der Trauergemeinde das Kreuz hertrug. Insofern hatte Gerhard schon in jungen Jahren Kontakt damit. Und – befragt nach der „Rede meines Lebens“ – verweist er darauf, dass es ja etliche Lieder zum Thema „Leben und Tod“ von ihm gibt, die bei seiner Abschiedsfeier gespielt werden könnten . Nicht zuletzt sein eigenes „Ich sage Dank“-Lied aus dem Jahr 2020 … Viel Spaß mit der Episode 123 von „Schwarz hören“ mit – dem auch im Podcast ab und an singenden – Gerhard Schöne.
30 Minuten
Schon ihre Geburt war etwas Besonderes: Sie wurde am 29. Februar 1976 geboren und gehört damit zu den rund 55 000 Deutschen, die an einem Schalttag in einem Schaltjahr das Licht der Welt erblickten. Judith Enders ist – nach ihrer Geburt in Sachsen – in Brandenburg aufgewachsen und lebt seit ihrer Zeit als Jugendliche in Berlin. Nach dem Abitur studierte sie Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und war dann bis 2004 unter anderem wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ver.di, Referentin für Klima und Energie beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderung. 2004 führte sie ein Forschungsaufenthalt nach New York und 2007 wurde sie an der Universität Kassel promoviert. Von 2007 bis 2008 war Judith Enders Referentin für Klimapolitik und ökonomische Instrumente der Umweltpolitik bei der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und anschließend bis 2012 am Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam in der Nachhaltigkeitsforschung tätig. Seitdem begleitet sie als Wissenschaftlerin verschiedene Projekte und hat 2009 die „Dritte Generation Ost“ mitbegründet, woraus mittlerweile der Verein „Perspektive hoch 3“ entstanden ist. Der Osten ist natürlich eines der Themen in diesem Podcast. Und zwar im Sinne von: „Ich wünsche mir die Bewahrung der kulturellen Identität, ohne dabei in Ostalgie oder Abschottungsphantasien zu verfallen. Gemeinsam eine engagierte, handlungsbasierte, ökologische und friedfertige Zukunft zu gestalten, die Vielfalt und Verantwortung in den Mittelpunkt stellt, das ist mein Wunsch für Ostdeutschland.“, so Judith Enders. Die Realität derzeit aber ist, dass sich „… viel Angst und Wut zeigt.“ Gerade im Herbst dieses Jahres war zu beobachten, dass „.. auf den Osten immer als Problemkind geguckt wird.“ Viel zu tun also … Judith Enders und mich vereint die Ausstellung „Hin und Weg – der Palast der Republik ist Gegenwart“ im Humboldt-Forum. Dort sind wir zwei von 100 Zeitzeuginnen und unsere Fotos hängen tatsächlich nebeneinander an einer Säule in der Ausstellung, die noch bis Februar 2025 zu erleben ist. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ haben wir uns im Spätsommer 2024 im Südosten Berlins in der Nähe des legendären „Neuhelgoland“ direkt am Wasser getroffen und über das ereignisreiche Leben von Judith Enders gesprochen. Aber natürlich auch über den Tod. „Der Sinn vom Tod ist, dass man das Leben genießen kann.“ sagt sie, die 2016 den Tod ihrer Mutter erlebt hat, nachdem sie vier Jahre zuvor ihren Sohn zur Welt gebracht hatte. In dem Zusammenhang kommt ihr Sigmund Freud in den Sinn, der sinngemäß gesagt haben soll: Es ist die größte Kränkung im Leben eines Menschen, dass er nicht bestimmen kann, wann er stirbt. „Stimmt nicht.“ setzt Petra entgegen. Glücklicherweise kann ja jeder selbst bestimmten, wann sie oder er stirbt. Darüber geraten wir in eine ziemlich heftige Diskussion; auch zur Frage, was es über den Menschen sagt, der vorhat, selbstbestimmt zu sterben …
26 Minuten
„Das TV-Urgestein Ulli Zelle ist kein Ur-Berliner, aber als „Zugezogener“ der typische Berliner: Geboren am 19. Juni 1951 in Obernkirchen (Niedersachsen), lässt er sich nach der Schule erst als Werbekaufmann in Hannover ausbilden, studiert dann mit 21 Jahren in West-Berlin Wirtschafts- und Gesellschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, anschließend Publizistik an der Freien Universität.“ So ist es auf der Website seines „Heimatsenders“ rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg) zu lesen. Seine Karriere als Journalist begann klassisch in kleinen Regionalzeitungen und seit Mitte der 80er Jahre macht Ulli Radio und v.a. Fernsehen in Berlin. Er hatte alle, die Rang und Namen hatten und haben oder die Stadt besuchten, vor der Kamera: Harald Juhnke und Mick Jagger, David Bowie und Bill Clinton, Yoko Ono und Frank Zander, Meryl Streep, Gregor Gysi, Christo, Klaus Wowereit und Leonardo DiCaprio. „Er ließ Menschen unserer Stadt von ihren Problemen berichten und machte sich mit aufwühlenden Reportagen zum unverzichtbaren und vermutlich bekanntesten Reporter der ‚Abendschau‘. Und er dokumentierte mit seinen Berichten nicht nur Fluchtgeschichten, Berlinale, Oderflut, Mauerfall und Love Parade, sondern auch das Zusammenwachsen von zwei Stadthälften zur wohl spannendsten Metropole Deutschlands.“ so die Beschreibung seines nagelneuen Buches „Mein Berlin, mein Leben (Berliner Portraits)“. Seit Anfang der 90er Jahre habe ich mit Ulli Fernsehen gemacht: „Berlin life“ hieß unsere wöchentliche live-Sendung im öffentlichen Raum, an die wir uns in diesem Podcast erinnern. Oft war da Ost-West ein Diskussionsthema zwischen der Ost-Frau und dem West-Mann. Außerdem moderierten wir unzählige TV-Sendungen von Messen (u.a. „Internationale Grüne Woche“ und „Internationale Funkausstellung) in Berlin und wir waren in den Ferien mit „Berlin life unterwegs“ an der Ostsee oder in Thüringen. Ich habe Ulli Zelle, der auch leidenschaftlicher Sänger in seiner eigenen Band „Ulli & Die Grauen Zellen“ ist, im Herbst 2024 in seinem Haus in Berlin-Gatow besucht und wir haben – während wir uns auch an verrückte Situationen im Leben von Fernsehmoderatoren und privat erinnern – viel gelacht. Und natürlich haben wir – wie es sich für diesen Podcast gehört – auch über den Tod gesprochen. Kommt danach noch etwas, steht die Frage? „Jedenfalls nichts, was wir bewusst realisieren werden.“ antwortet Ulli, der auch von seiner totgeborenen Tochter erzählt und wie sie für ihn und seine Frau bis heute „lebt“. Selbstbestimmtes Sterben kann sich Ulli Zelle nicht vorstellen. „Man hängt doch am Leben.“ sagt er und hat genaue Vorstellungen, was von ihm dann letztlich bleiben wird: eine Stele. Viel Spaß mit dieser 121. Episode meines Podcasts „Schwarz hören“ mit Ulli Zelle.
18 Minuten
Der 1953 auf Kuba geborene Jesus war eine Zeit lang der Dolmetscher von Fidel Castro und hat durch diese Arbeit viele Staatsmänner der Welt hautnah erlebt. Nicht zuletzt Persönlichkeiten aus Deutschland – wie Willy Brandt, Erich Honecker, Günter Grass oder Udo Lindenberg. Zur deutschen Sprache hat er eine besonders hohe Affinität: Schon als Dreizehnjähriger nimmt er an einem Sommerkurs in der Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ am Werbellinsee in der DDR teil und wird dann – nach einem Deutsch-Studium in seiner Heimat – schon als sehr junger Mann Deutschlehrer in Havanna. Ab Mitte der 70er Jahre studierte Jesus Germanistik in Leipzig und schrieb dort auch seine Doktorarbeit. Nach ein paar Jahren als Ausbilder für Dolmetscher auf Kuba wurde Jesus gefragt, ob er für einen Kollegen die Nachfolge antreten wolle und so wurde er ab 1983 der Übersetzer von Fidel Castro. Jesus sagt: „Die Arbeit eines Dolmetschers ist wie ein Schauspieler. Du bist ein Künstler.“ Danach wurde er beim Schriftstellerverband Kubas Direktor für internationale Beziehungen, zuständig für literarische Übersetzungen. Und so war es offenbar nur zu folgerichtig, dass er irgendwann beim „Traumzauberbaum“ von Reinhard Lakomy und Monika Ehrhardt-Lakomy „landetet“. Diesen hat er ins Spanische übertragen und wie er betont: „… letztlich in die spanische Kultur“. Gerade – Mitte November 2024 – ist auf Kuba die 15. Havanna-Biennale, das größte Festival für Kunst in Kuba und eines der berühmtesten Kunstereignisse Lateinamerikas (bis Ende Februar 2025), gestartet. Mit dabei: „Traumzauberbaum“-Texterin Monika Ehrhardt-Lakomy, auf deren Initiative die Teilnahme von weiteren Berliner und Brandenburger Kreativen aus den Genres Bildende und Darstellende Kunst sowie Musik zurückgeht. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ habe ich Jesus Ismael Irsula Pena bei Monika Ehrhardt-Lakomy in Berlin-Pankow getroffen und wir haben auch über den Tod gesprochen. Jesus hat seine Eltern, die damals nicht einmal 60 waren, schon als sehr junger Mann verloren. Er selbst weiß – nach einer überstandenen Krebs-Erkrankung durchaus – auch, was nahender Tod bedeutet und er kann sich vorstellen, die „Rede seines Lebens“ zu schreiben … Viel Spaß mit der 120. Episode von „Schwarz hören“ mit Jesus Ismael Irsula Pena.
32 Minuten
Sie ist – im besten Sinne des Wortes – Entertainerin und außerdem: Autorin sowie Kommentatorin. Ihr „Denglisch“ ist längst sprichwörtlich und in ihren Shows mischt sie auf höchst unterhaltsame Weise Sprachen, Kulturen und Genres – Musik, Comedy und Choreografie, „um die absurden Wunder das Alltags zu zelebrieren.“ Besonders wichtig sind ihr – „Germany’s best known American“, wie das „Stern Magazin“ schrieb – Vorbilder. Bette Middler zum Beispiel hat Gayle Tufts als Programmhefte-verkaufende Studentin ungefähr 50-mal am Broadway live erlebt – in der Stadt, in der sie auch studiert hat. In Deutschland war sie erstmals Mitte der 80er Jahre, landete im damaligen West-Berlin, um mittlerweile nun schon seit Anfang der 90er Jahre fest in der deutschen Hauptstadt – mit deutschem Pass übrigens – zu leben. Über ihren Einbürgerungstest erzählt sie humorvoll in diesem Podcast. Auch darüber, was das Besondere an Deutschland ist und ob wir überhaupt zu schätzen wissen, was wir hierzulande – beispielsweise an kultureller Vielfalt – haben. Gayles Bruder und Schwester leben beide in den USA und diese Tage um die Präsidentschaftswahl in Nordamerika sind insbesondere für Gayles ältere Schwester geradezu schicksalshaft, denn: Wenn Donald Trump es schafft, noch einmal Präsident zu werden, wird sie nach Kanada auswandern. Gayle Tufts hat fünf Bücher geschrieben, zuletzt: „American Woman: How I Lost My Heimat And Found My Zuhause“, worüber wir in dieser Episode reden; genauso wie über die aktuell anstehende Weihnachtsshow im Studio Babelsberg. Daneben ist die Entertainerin weiterhin mit ihrem aktuellen Programm „Please don’t stop the music“ landauf landab unterwegs. Außerdem spielt sie die Titelrolle im Musical „Hello, Dolly“ in Bremen. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ habe ich mich im Oktober 2024 in Berlin mit Gayle Tufts getroffen und wir haben natürlich auch über den Tod gesprochen. Ihre Eltern sind beide tot: ihr Vater ist gestorben, als Gayle 17 war; ihre Mutter starb vor 14 Jahren. Da war Gayle 50 und sie vermisst ihre Eltern tagtäglich. Auch die vielen Menschen, die sie mittlerweile verloren – u.a. durch Aids – verloren hat. Wichtig ist für Gayle, "... dass man vor dem eigenen Tod etwas vorbereitet.“ Sie will, dass ihre Asche in die Nordsee gestreut wird und weiß schon jetzt, welche Musik auf ihrer Abschiedsfeier erklingen wird … Viel Spaß mit der 119. Episode von „Schwarz hören“ mit Gayle Tufts.
32 Minuten
Sie kommt aus dem Osten Deutschland und ist 1985 geboren. Also hat sie gerade einmal ihre ersten knapp 5 Lebensjahre in der DDR verbracht. Und doch veröffentlichte sie 2023 das Buch „Diesseits der Mauer – Eine neue Geschichte der DDR“ (Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg) und hat damit Furore gemacht. Katja Hoyer ist einerseits „Spiegel“- und andere Bestsellerin und hat andererseits vielfältige Kritik dafür einstecken müssen. Gut, dass sie – so betont sie auch in dieser Episode des Podcasts – im Ausland lebt und das Werk ursprünglich in Englisch verfasst hat. Mittlerweile wurde es übrigens in 16 Sprachen übersetzt. „Die Geschichte der DDR wird oft als ‚Fußnote‘ zur BRD erzählt.“ und das stört die Historikerin Katja Hoyer, die als Tochter eines Offiziers der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA) und einer Geschichtslehrerin im Bundesland Brandenburg aufwuchs. Nach ihrem Studium der Geschichte an der Universität Jena wollte sie „raus“, weil – wie sie betont – die besonders „pädagogische“ Art, in Deutschland Geschichte zu betreiben, nicht ihr Ding ist. So landete sie am „Kings College London“, wo sie forscht und aber – wie das in Deutschland auch war – am Rande der Großstadt, außerhalb von London, lebt. „Ich bin einfach kein Stadtmensch.“ sagt Hoyer. Sie findet es einfacher, von außerhalb Deutschlands ü b e r Deutschland zu arbeiten; weil dort die Emotionen nicht so hoch schlagen und es ja den sprichwörtlichen englischen (Galgen-)Humor gibt. Eben: „Weniger Wut und mehr Humor.“ Ich habe Katja Hoyer im Mai 2024 im Humboldt-Forum Berlin bei der Eröffnung der Ausstellung „Hin und weg – Der Palast der Republik ist Gegenwart“, wo ich eine der Zeitzeuginnen bin, kennengelernt und jetzt – im Oktober 2024 – in einem Hotel am Ostberliner Alexanderplatz dieses Podcast-Gespräch aufgezeichnet. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ haben wir trotz ihrer jungen Jahre auch über den Tod gesprochen und Katja Hoyer kann sich durchaus damit anfreunden, die eigene „Lebensrede“ zu schreiben. Als ihr Vater im vergangenen Jahr nach einem Schlaganfall mit 63 jäh aus dem Leben gerissen wurde, hat sie den Tod erstmals – so nah – erlebt und sich dadurch auch mit der eigenen Endlichkeit beschäftigt. Und Katja Hoyer weiß jetzt schon, dass – obwohl sie kein Musik-Mensch ist – wahrscheinlich ein Song von Bruce Springsteen bei ihrer Abschiedsfeier erklingen wird. Ihn hat sie gerade live im Wembley-Stadion erlebt und insofern Anknüpfungspunkte, da der nunmehr 75-jährige Weltstar ja eine Verbindung zu ihrer DDR-Forschung hat …
21 Minuten
Er ist 1998 geboren, also gut Mitte 20 und somit mein bisher jüngster Gesprächspartner in diesem Podcast. Gleich zu Beginn kommen wir auf den Tod zu sprechen. „Ja,“ sagt Atrin Madani, „Es ist ein erschreckendes Thema, aber wir sollten öfter darüber reden und es positiv sehen.“ Atrin Madani ist in Berlin als Kind iranischer Eltern geboren, aufgewachsen und lebt in seiner Heimatstadt. Erfolg hatte er schon in jungen Jahren: Mit 10 trat er in den Staats- und Domchor Berlin ein und sang mit dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Simon Rattle. Nach dem Abitur hat er in Dresden an der Musikhochschule Carl Maria von Weber studiert und wechselte nach zwei Jahren zum Jazz-Institut Berlin, dem Zusammenschluss der Jazz-Abteilungen der Musikhochschule Hanns Eisler und der Universität der Künste. Aber: Was ist Erfolg? „Wenn ich ein Dach über dem Kopf habe, der Kühlschrank gefüllt ist und ich gesund bin.“ stapelt Atrin tief und ergänzt: „Erfolg ist – gerade, wenn man in Berlin spielt – wenn Leute Tickets kaufen.“ Z.B. für die anstehenden Konzerte des „Shooting-Stars der Berliner Jazz-Szene mit dem Schmelz in der Stimme“ vom 9. bis 12. Oktober 2024 in der „Bar jeder Vernunft“ in Berlin. Wir haben uns im Spätsommer 2024 – also v o r der Ausweitung der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten – anlässlich der "Rede meines Lebens" (https://lebendig-reden.de/rede-meines-lebens/) in der Wohnung von Atrin Madani in Berlin-Charlottenburg getroffen und haben, wie es sich für diesen Podcast gehört, übers Leben gesprochen. David Bowie ist nicht ganz zufällig auf unserem Foto, wie im Podcast zu hören ist. Ja, und dann nocheinmal der Tod: „Jeder soll in Deutschland den Tod haben dürfen, den er sich wünscht. Es wird viel zu selten über Sterbehilfe gesprochen.“ Welche Songs auf seiner „Lebensfeier“ (!) gespielt werden sollen, weiß er schon ganz genau und erinnert sich in dem Zusammenhang daran, wie er – zusammen mit anderen – vor Kurzem eine Freundin verabschiedet hat …
27 Minuten
„Ein Irrer ist menschlich.“ heißt eines seiner Programme und sagt so viel über den Kabarettisten, Schauspieler und Sänger. Er war Gag-Schreiber für Radio- und Fernsehsendungen und mittlerweile schreibt und produziert er auch Schlager für Andere. Der 1955 in Bochum geborene und aufgewachsene Hans Werner Olm ist gelernter Konditor und kann – wie er beteuert – auch noch gut backen. Aber: Er hat sich vor nunmehr fast 50 Jahren für die Bühne entschieden. Schon Mitte der 70er Jahre war er Mitbegründer der Gebrüder Blattschuss, die sich schnell mit „Blödelsongs“ einen Namen machte. Ja, und dann folgten: Solo-Programme, Fernsehauftritte, eigene TV-Shows und Film-Rollen; u.a. mit Mike Krüger und Thomas Gottschalk in der Komödie „Zwei Nasen tanken Super“. Im Podcast entspinnt sich schnell eine Diskussion darüber, wie wir aktuelle Informationen aufnehmen, sozusagen: (v.a. öffentlich-rechtliches) Radio, woher Host Petra kommt, versus Internet, das für Hans Werner die Quelle ist. „Mach‘ das, was du willst.“ ist – jetzt im Alter – seine Maxime. Er ist mit Camper und Gummiboot unterwegs und nimmt alles nicht mehr so ernst. Auch nicht jedes seiner Worte. Im Hochsommer 2024 habe ich Hans Werner Olm in Berlin-Charlottenburg besucht und wir haben übers Leben geredet und – anlässlich der „Rede meines Lebens“ – natürlich über den Tod. Olm sagt: „Der Tod ist der beste Freund, den man sich überhaupt vorstellen kann. Vor allem der verlässlichste.“ Angst vorm Tod hat er nicht. Und insofern kann er mit dem Gedanken an selbstbestimmtes Sterben gut leben. Zunächst aber spielt er ab 2. Oktober 2024 den „Tod“ im „Jedermann“ in Berlin-Mitte und hat dafür seine ganz eigenen Vorstellungen. Und zu guter Letzt noch gute Ratschläge parat … Hier kommt die 116. Episode von „Schwarz hören“ mit Hans Werner Olm.
27 Minuten
Sie präsentierte ab 1997 die ProSieben-Sendung „Liebe Sünde“ und war damit Mitte der 90er Jahre die erste afrodeutsche Moderatorin im Fernsehen hierzulande. Und man sah sie immer wieder als Schauspielerin; beispielsweise als US-Außenministerin Condoleezza Rice in Roman Polanskis Film „Der Ghostwriter“. Mo Asumang ist als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers 1963 in Kassel geboren und bei ihrer Großmutter aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie „Visuelle Kommunikation“ an der Hochschule für Bildenden Künste in ihrer Heimatstadt und danach – von 1992 bis 1994 – klassischen Gesang an der Universität der Künste in Berlin. Eine vielseitige Frau: Fernseh- und Bühnenmoderatorin, Schauspielerin, Sängerin, Synchronsprecherin, Autorin sowie Filmregisseurin und Filmproduzentin. Ihr Thema: Rassismus. Rassistische Beleidigungen und gar Angriffe hat sie in ihrem Leben „schon immer“ erlebt und thematisiert das seit vielen Jahren in ihren Werken. Im Dokumentarfilm „Die Arier“ (2014), ganz kleine Ausschnitte finden sich auch auf instagram@mo.asumang, konfrontiert sie Rassisten mit scheinbar arglosen Fragen – eine Dialog-Technik, die Erstaunliches zutage bringt. Für die Auseinandersetzung mit Germanen- und Rassenideologie reiste Mo quer durch Deutschland und nach Afrika – auch eine ganz persönliche Suche nach Zugehörigkeit und Heimat. „Nazis raus“ ist für Mo Asumang keine Lösung – im „mo:lab“, das sind „Dialog-Foren“, bietet sie ganz praktische Anregungen, wie Offenheit und Menschlichkeit gelebt werden können. „Krieg ist die höchste Form der Nicht-Kommunikation.“ betont sie; angesichts des Krieges in der Ukraine präferiert sie allerdings die internationale Unterstützung – auch mit Waffen. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ habe ich Mo Asumang im Frühsommer 2024 in ihrem Büro in Berlin-Mitte besucht und wir haben über das Leben gesprochen und – wie es sich für diesen Podcast gehört – natürlich über den Tod. Schon jetzt – mit 60 – stellt sie sich ab und an vor, wie es ist, wenn sie – ohne Schmerzen im besten Fall – im Totenbett liegt … Wir reden auch über selbstbestimmtes Sterben und zur eigenen Abschiedsrede sagt sie ohne Umschweife „Ja!“
28 Minuten
1954 in Sachsen (Rochlitz) geboren, aber schon als Kind mit seinen Eltern in den Norden der DDR gezogen, lebt er seitdem in Greifswald. Von Hause aus ist er Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Psychotherapeut. Einmal mehr – nach Prof. Dr. Thomas Pollmächer – gibt es hiermit also einen Podcast aus dieser Perspektive. Als Tilo Braune in der Wendezeit gefragt wurde, ob er nicht professionell Politik machen wollen, sagte er spontan: „Ich habe einen vernünftigen Beruf. Warum sollte ich in die Politik gehen?“. Was er aber dann doch getan hat: Von 1991 bis 1994 war er Abgeordneter der SPD im Landtag Mecklenburg-Vorpommern und danach von 1994 bis 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Anschluss war Braune vier Jahre lang Staatssekretär und Bevollmächtigter des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund und von 2002 bis 2005 dann unter Manfred Stolpe als Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen zuständig für die Bereiche Bauen, Wohnen und Aufbau Ost. Arzt, Politiker und nun aktiv für Stiftungen: 2007 lernte er den „roten Reeder“ Peter Krämer kennen und ist seit Jahren nun schon im Vorstand und Geschäftsführer der Peter Krämer Stiftung, die u.a. Schulen in Afrika baut. Außerdem übernahm Tilo Braune Ende 2017 den Vorstandsvorsitz der „Stiftung für Grundwerte und Völkerverständigung“, über die wir im Podcast auch reden. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ habe ich Tilo Braune in seinem Berlin Büro am Brandenburger Tor mit Blick auf den Reichstag (siehe Foto) getroffen und natürlich auch über den Tod gesprochen. "Man ist ja das ganze Leben mit dem Tod konfrontiert.“, so Braune. Nicht zuletzt hat er eine Zeit lang in der Pathologie und auch einige Jahre als Rettungsarzt gearbeitet, wo man sozusagen dienstlich ab und an mit dem Tod konfrontiert wird. Trotzdem hat er den Gedanken an den eigenen Tod jahrelang vor sich hergeschoben. Und irgendwie kommen wir im Gespräch in diesem Zusammenhang auf die Bibel und den weisen Spruch: "Bedenke, dass wir sterben müssen. Auf dass wir klug werden.“ Einen selbstbestimmten Tod kann sich Tilo Braune vorstellen. Er hofft aber, dass er persönlich vor einer solchen Entscheidung bewahrt wird – sagt der Mann, den ich bei der Trauerfeier für den Jazz-Saxophonisten Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowsky im Sommer 2023 kennengelernt habe.
26 Minuten
Als „Grand Dame des Jazz“ wird sie gern bezeichnet. „Okay.“ Aber einen Vergleich a la „Ella des Osten“ lehnt die kleine Frau kategorisch ab. „Mit Ella Fitzgerald kann sich keine vergleichen. Das ist unmöglich.“ betont Ruth Hohmann. 1931 in Eisenach geboren und dort – in Thüringen – auch aufgewachsen, hat sie den Zweiten Weltkrieg hautnah miterlebt und ihre ersten Todes-Erfahrungen gesammelt, wie sie in dieser Episode erzählt. In Erfurt begann Ruth Hohmann 1949 ihre künstlerische Ausbildung und bald darauf – 1951 – zog sie nach Berlin. Nachdem sie ihre beiden Töchter (heute 70 und 65) bekommen hatte, sang sie erst Schlager mit Jazznote, um sich dann ganz dem Jazz zuzuwenden. Ruth war die erste Jazzsängerin der DDR mit einem Berufsausweis. Bis Mitte der 60er Jahre trat die Hohmann höchst erfolgreich im In- und Ausland auf, was 1965 mit dem 11. Plenum des ZK der SED, das (neben Rockmusik auch) Jazz – aus den USA kommend – explizit als unerwünscht erklärte, unmöglich wurde. Seit 1972 war sie dann Sängerin des Jazz-Collegium Berlin und sang – neben den englischsprachigen Originalen – auch Standards mit (ihren) deutschen Texten. Parallel war sie von 1976 bis 1996 Gesangsdozentin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin und erzählt hier von der altbekannten Diskrepanz zwischen E- und U-Musik. Oder anders gesagt: zwischen Klassik und TUM, was Tanz- und Unterhaltungsmusik meint. Am 19. August 2024 wird Ruth Hohmann 93 und ist noch immer aktiv. Jeden Tag sitzt sie zu Hause am Flügel – siehe Foto – und singt. Corona hat zwar – wie sie sagt – ihre Karriere beendet, aber sie hält sich weiter musikalisch fit. Das ist in dieser Podcast-Episode, die auch ein Stück weit Gesangslektion ist, hier und da zu hören . Bis heute unterrichtet sie und zu ihren Schülern gehören Sänger wie André Herzberg (Pankow) oder Inka Bause, bekannt als Moderatorin von „Bauer sucht Frau“. Ja, eigentlich ist Inka Pop-Sängerin, die jetzt auch wieder als solche durchstarten will. Im Sommer 2024 habe ich Ruth Hohmann in ihrer Wohnung in Berlin-Mitte besucht und wir haben anlässlich der „Rede meines Lebens“ über ihr langes Leben mit einer großen Familie (2 Töchter, 6 Enkel und 9 Urenkel) gesprochen. Ob die humorvolle, agile Frau 100 wird? „Please not.“ , sagt sie unmissverständlich.
30 Minuten
Ende Juli 2024 wird er 59, der Fotograf, dessen künstlerisches Werk sich intensiv mit demografischen und soziokulturellen Auswirkungen alternder Gesellschaften beschäftigt. Vor allem seine Fotoporträts über Hundertjährige machen von sich reden, sind in Bildbänden veröffentlicht und Ausstellungen im In- und Ausland präsent. Ich habe Karsten Thormaehlen im Herbst 2023 bei der Preisverleihung des Fotowettbewerbs „VielfALT“ – zum Leben im Alter – im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin kennengelernt. Das Thema „Altersbilder“ hat uns – im fotografischen und auch weiteren Sinne – für diesen Podcast zusammengeführt. Nach einem begonnenen Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Politikwissenschaften in Mainz und einem Abschluss im Fach Kommunikationsdesign 1993 in Wiesbaden begann Karsten Thormaehlen seine berufliche Tätigkeit zunächst als Gestalter und freier Fotograf bei Werbeagenturen, später als Art- und Creativ Director bei einer Werbeagentur mit Dependancen u. a. in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den USA. Mitte der 1990er Jahre lebte und arbeitete er in New York, wo er mit anderen namhaften Fotografen Werbekampagnen entwickelte und realisierte. Thormaehlen arbeitet für deutsche und internationale Unternehmen und Verlage sowie für Architekturbüros, Design- und Werbeagenturen. Er ist außerdem als Lehrbeauftragter sowie Workshop- und Seminarleiter tätig und hält Vorträge auf Fachkongressen. Im Frühsommer 2024 hat er auf dem Weg zu einer Ausstellungseröffnung in Mecklenburg-Vorpommern kurz in Berlin Station gemacht. Wir haben uns in einem Hotel hoch über den Dächern Berlins getroffen und über sein vielfältiges Leben als Fotograf gesprochen. In unserem Gespräch betont Karsten Thormaehlen, dass er als Fotograf eigentlich aus der Kosmetikindustrie kommt und nun das „Hohelied“ auf Falten im Gesicht, die übrigens alle Namen haben, singt. Er schwärmt geradezu von „Faltenlandschaften in Gesichtern, die Geschichten erzählen.“ Wir diskutieren in diesem Podcast u.a. darüber, ob Fotos vor allem Äußerlichkeiten zeigen; also: ein äußeres Erscheinungsbild, das antrainiert ist … Und natürlich haben wir – anlässlich der „Rede meines Lebens“ – auch über den Tod geredet. Thormaehlen hat schon in seiner Jugend viel Erfahrung mit dem Tod von Freunden gemacht und das Thema beschäftigt ihn heute mehr denn je. Aber: Die eigene Abschiedsrede schreiben? Darüber geraten wir in eine heftige Diskussion und landen zu guter Letzt bei der künstlichen Intelligenz. Thormaehlen behauptet: „Die KI wird sich in der Zukunft komplett unglaubwürdig machen.“ Warum? Hören Sie selbst
31 Minuten
Der promovierte Historiker, Jahrgang 1977, ist (wie er betont: Ost-) Berliner und Berlin-Historiker am Leibnitz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Und er lehrt Public History an der Freien Universität (FU) Berlin. „Berlin – Das Rom der Zeitgeschichte“, erschienen 2024 im Ch. Links Verlag, heißt die neueste Veröffentlichung von Hanno Hochmuth – ein höchst interessanter Blick auf Berlin mit topografischer und fotografischer Herangehensweise. Dieses Buch des Wissenschaftlers ist erstaunlich gut zu lesen, was er damit argumentiert, dass „Geschichtswissenschaft letztlich Literatur ist“. Weil Hanno Hochmuth der Sohn von Prof. Arno Hochmuth – einer meiner Professoren im Kulturwissenschaftsstudium an der Humboldt-Universität in Berlin – ist, kennen wir uns schon seit 25 Jahren; haben uns über viele Jahre aber aus den Augen verloren. Bis vor Kurzem, denn: Hanno Hochmuth war Berater für eine aktuelle Ausstellung im Humboldt-Forum in Berlin namens „Hin und weg – Der Palast der Republik ist Gegenwart“ (bis Februar 2025) und ich bin in dieser Ausstellung eine der Zeitzeuginnen, die viel im Palast der Republik moderiert hat. Dieses Wiedersehen war der Anlass für uns, in diesem Podcast über Ost und West in den 90er Jahren, aber auch über DDR-Zeiten und eben über den Palast der Republik zu reden. U.a. zur Frage, ob dieser heutzutage abgerissen worden wäre. Hanno Hochmuth benennt drei Gründe, warum die Entscheidung seines Erachtens heute anders gefallen wäre … Anlässlich der „Rede meines Lebens“ habe ich Hanno Hochmuth im Sommer 2024 in seiner Wohnung in Berlin-Kreuzberg besucht und wir haben auch über den Tod gesprochen. Um seinen – 2012 gestorbenen – Vater hatte er sich liebevoll gekümmert. Als die Todes-Nachricht kam, war Hanno gerade mal 35 und das hat ihm „… sehr stark die Endlichkeit meines eigenen Daseins vor Augen geführt.“ Damals – so Hanno Hochmuth – begann ein Prozess, sich über den Tod Gedanken zu machen; aber irgendwie auch über die Vielfältigkeit des Lebens … Beim Begräbnis hat der Sohn die Rede für seinen Vater gehalten und so soll es auch für ihn irgendwann sein. Seine eigene Abschiedsrede zu verfassen, lehnt er strikt ab. Aber: Er schreibt schon jetzt – mit gut Mitte 40 – autobiografisch und betont, dass in seiner Rede unbedingt vorkommen soll, dass er – vor dem Hintergrund des engen Verhältnisses zu seinem Vater – eben selbst Vater zweier Söhne (15 und 18) ist. Hier kommt die 111. Episode von „Schwarz hören“ mit Dr. Hanno Hochmuth.
31 Minuten
Sie ist Schriftstellerin und die Frau, die das Erbe von Reinhard „Lacky“ Lakomy heftig lebendig hält: Monika Ehrhardt-Lakomy. Zusammen mit ihrem Mann hat sie von 1978 bis 1991 sämtliche Kinderrevuen im Friedrichstadtpalast in Berlin geschrieben und 1980 das Hörspielmusical „Der Traumzauberbaum“ – von ihr liebevoll „Traumzaubi“ genannt – geschaffen. Mittlerweile gibt es vier Stücke, in denen der „Traumzauberbaum“ eine Rolle spielt. Inzwischen sind es vier Generationen, die dieses „Universum“ aus „Geschichtenliedern“ kennt – auch im Westen Deutschlands, obwohl der „… ja nicht aufhören kann, zu siegen.“ Moni erzählt von ihren Erfahrungen mit den Lakomy-Werken in ganz Deutschland – aktuell beispielsweise eine außergewöhnliche Schul-Inszenierung in Tirschenreuth (Bayern) – und in Kuba. „El árbol de sueños mágicos“ heißt der "Traumzauberbaum" auf der Karibik-Insel und wurde vor Ort gemeinsam mit dem Berliner Liedermacher Tobias Thiele produziert. Monika hat „Maurer“ gelernt und kann es tatsächlich, wie in ihrem Haus am Rande Berlins zu sehen ist. Danach hat sie an der Staatlichen Ballettschule Berlin Bühnentanz und später Kulturwissenschaften studiert. Aber das Schreiben war schon immer ihre Leidenschaft und also hat sie es zum Beruf gemacht. Sie hat Texte für Theaterstücke, Musicals, große Shows und insgesamt 15 Alben geschrieben. Monika Ehrhardt-Lakomy ist 1947 in Thüringen geboren und dort auch aufgewachsen. Warum arbeitet sie mit 76 noch? „Ohne könnte ich nicht.“ kommt sofort als Antwort. Als ich sie im Frühsommer 2024 in Berlin-Blankenburg – anlässlich der „Rede meines Lebens“ – besuchte, haben wir natürlich übers Leben gesprochen. Die Idee, die eigene Rede aufzuschreiben, aufzunehmen und dann abzuspielen, findet sie gut; betont aber: „Ich habe noch nicht fertig gelebt. Ich brauche noch eine Weile.“ Ja, und was den Tod betrifft, sagt sie: „Ich scheu mich nicht vor dem Tod, weil ich weiß: Der kommt sowieso. Ich brauche bis dahin aber noch den 48-Stunden-Tag, weil ich so viele Pläne habe.“ Dementsprechend will sie 101 werden, obwohl sie selbst bereits Erfahrungen mit dem Sterben hat. „Lacky“ ist 2013 in ihren Armen zu Hause gestorben, scheint aber noch immer da zu sein: Wenn Moni einen kompetenten Gesprächspartner braucht, dann ist es bis heute „Lacky“, mit dem sie in der Küche redet … Im Podcast erzählt Moni sehr offen über die letzten Wochen mit „Lacky“ und darüber, wie sie es geschafft hat, genau d i e Grabstelle („Mittellage“) zu kriegen, die ihr Mann seit 2013 hat und wo sie selbst dann auch „liegen“ wird. Und zu guter Letzt erfahren wir noch, welche Musik auf der Beerdigung von Monika Ehrhardt erklingen wird …