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Der Literaturpodcast der vergessenen Bücher Archiv

298 Episoden
3 Minuten
Ein angeblicher Amtsarzt betritt eine Filiale der Teikoku Bank und behauptet, dass in der Nachbarschaft Fälle von Ruhr aufgetreten sind. Im Auftrag des Gesundheitsministeriums soll er nun alle Angestellten impfen. Zwölf von ihnen werden sterben, der Rest bewusstlos. Ein eisiger Hauch zerstörter Seelen zeichnet das Bild von David Peace Nachkriegs-Tokio 1948.
3 Minuten
Mit einem Publikationsverbot wegen Verletzung von Gründgens Persönlichkeitsrechts in den 1960er Jahren belegt und verdankte der Roman Theater und Film 1981 seine Wiederentdeckung. Klaus Mann legte Wert darauf, dass es sich bei den Figuren nicht um Porträts handelte, was schwer von der Hand zu weisen war. Zu nahe war Höfgen Gustav Gründgens.
3 Minuten
Im Roman erzählt der fast erblindete siebzigjährige Ich-Erzähler Leo Hertzberg von der Freundschaft zu Bill Wechsler, dem Maler, und den Frauen, die sie zu lieben vorgeben. Sie alle führen ein Intellektuellenleben, das auf übermäßige Leidenschaft verzichtet und deswegen scheinbar Bestand hat.
3 Minuten
Nach dem Erscheinen von "Unter Null" sahen viele Rezensenten den Autor seiner Generation in ihm, um ihn, als er mit "American Psycho" Kultstatus erreichte, zu verdammen. Zu kalt, zu zynisch, zu stupide wegen seitenlanger Aufzählungen von Markennamen zu stylish. Dabei waren das 1980er Jahre.
2 Minuten
Vier Bände reichten, um Raymond Carver unsterblich zu machen, und bist heute streiten sich Kritiker darüber, ob es nicht doch eher sein Lektor, Gordon Lish, war und nicht der Autor, der die Geschichten von all dem befreite, was sie ausschmückte.
2 Minuten
Ottessa Moshfegh eröffnet ihren Roman "McGlue" wie ein klassisches Seefahrerabenteuer und stellt sogleich sie die Frage, hat McGlue Johnston wirklich umgebracht? Alle Indizien sprechen gegen ihn, aber er erinnert sich halt nicht. Und das nicht, weil er sich Lücken auferlegt, um den Prozessbeginn aufzuschieben, oder dem Strang zu entgehen. Er hat schlicht und einfach seinen Verstand versoffen.
3 Minuten
Eine Frau nimmt sich in "Mein Herz so weiß" das Leben. Sie ist die Tante des Ich-Erzählers Juan. Sie haben sich nie persönlich kennengelernt, da Juan zum Zeitpunkt des Selbstmords noch nicht geboren war. Warum hat sie das getan, fragt er sich. Zumal gleich nach der Hochzeitreise. Nicht nach einem Schicksalsschlag, nicht wegen einer schweren Krankheit. War es eine Verzweiflungstat?
2 Minuten
Eine schmale Novelle aus dem Norwegischen erschien in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Schenkel 2003 im Mare Verlag. "Das ist Alise" von Jon Fosse. Wer den Theatermann bis dahin nicht kannte, begegnete in ihr einem Autor, der sich dem Minimalismus verschrieben hat. Seine Geschichte der Signe ist sprachlich nicht üppig ausgestattet, sie unterliegt dem Skalpell eines Autors, der alles Überflüssige wegstreicht.
2 Minuten
In der Übersetzung von Matthias Müller führt uns McCann in das Tunnelsystem unterhalb New Yorks ein. In einen Zufluchtsort für alle hoffnungslos Gestrandeten. Noch leben die alten Geschichten vom Tunnelbau und seiner Opfer weiter. Verbinden das Leben im Dunkel mit der Erschaffung der Neuen Welt.
2 Minuten
Knut Hamsuns "Hunger" ist unsterblich, seiner damaligen Zeit weit voraus. Halb dem Wahnsinn verfallen, von Hunger zerfressen, irrt ein Ich-Erzähler durch Kristiana, während die Artikel, die er bei einer Zeitung unterzubringen versucht, selten angenommen werden. Als der Roman 1890 erschien, gab es ein solch schonungslose Beschreibungen einer Randexistenz nicht.
2 Minuten
Allan Hollinghursts Roman "Die Schönheitslinie" führt uns in der Übersetzung von Thomas Steger in den Sommer 1983. Ein Zwanzigjähriger zieht in eine Dachkammer in Notting Hill. Nick, der den bezeichnenden Nachnamen Guest führt, taucht in die Welt des Luxus ein, in der es weniger darauf ankommt, was er kann, als vielmehr darauf, wen einer kennt. Nick ist homosexuell, der Provinz entflohen und legt eine rasante Entwicklung zum Dandy ab.
2 Minuten
In "Knallkopf Wilson" in der Übersetzung von Reinhild Böhnke kommt es zu einem Diebstahl im Haus von Percy Driscoll, der kurzerhand droht, alle Sklaven, in den Süden zu verkaufen. Was die zwanzigjährige Roxy dazu veranlasst, ihren wenige Monate alten Sohn in die Kleider von Thomas Becket Driscoll, zu stecken, dem gleichaltrigen Sohn ihres Herrn.
2 Minuten
Eine erfolgreiche Autorin, die nicht unbedingt in der Liste der vergessenen Bücher aufgeführt werden müsste, wäre da nicht von einem erzählerischen Glanzstück zu erzählen. Ein Verbrechen, das nicht geschehen ist, aber geschehen sein muss, weil alle glauben, dass es geschehen ist.
2 Minuten
Auf dem Weg zur Begräbnisstätte gerät Addies Leichenzug von einer Bredouille in die nächste. Beim Einsturz einer Brücke geht beinah der Sarg verloren, ein verkrüppeltes Bein bricht erneut und selbst die Verstorbenen melden sich zu Wort. Das als Tragikomödie zu bezeichnen ist weit untertrieben.
3 Minuten
Romane wie die von Norman Mailer "Die Nackten und die Toten." oder Denis Johnson "Ein gerade Rauch". Wir haben sie gelesen und waren angewidert, teilten die Aussage, dass es nie wieder Krieg geben dürfte. Gerne werden Erich Maria Remarque "Im Westen nichts Neues genannt" oder Tolstois" Krieg und Frieden" zitiert. Hätten uns all diese Romane nicht zu einem Aufschrei bewegen müssen, der nicht als ohnmächtige Demonstration verpufft?