Unter der Oberfläche Archiv
34 Episoden
36 Minuten
„Ich kann nicht verstehen, warum Frauen immer als das schwächere Geschlecht betitelt werden, wo sie es doch sind, die die Welt erschaffen." Das hat Beate Knappe in unserem ersten Gespräch gesagt. Sie hat ihr Leben der Fotografie verschrieben. Der Fotografie von Frauen hauptsächlich, denn zu ihnen hat sie einen besonderen Zugang, sagt sie. Frauen in jeglicher Hinsicht: Als göttlich weibliches Erscheinungsbild, Frauen im besten Alter, schwangere und stillende Frauen. Und Frauen nach einer Brustkrebs-Erkrankung - ohne Brüste, mit Glatze. Die 72-Jährige hat viel erlebt, beruflich wie privat. Sie begleitete Frauen-Demonstrationen in den 80er- und 90er-Jahren, arbeitete zehn Jahre lang in der Staatskanzlei NRW, durfte bekannte Persönlichkeiten ablichten wie Johannes Rau, Jassir Arafat oder Gerhard Schröder - und stellte aus. Beate Knappe hat als alleinerziehende Mutter und mit Legasthenie ihr Studium absolviert, eine schwere Depression durchgemacht und selbst Gebärmutterkrebs überlebt. Ihre Arbeit hat sie oft an ihre emotionalen Grenzen gebracht, ist aber doch für die Menschen vor der Kamera wichtig und bestärkend. In der vierten Folge von „Unter der Oberfläche“ spricht WZ-Redakteurin Tanja Bamme mit Beate Knappe über ihr Leben und ihre Arbeit, warum alle Welt zunächst dachte, sie sei dumm, weshalb sie sich geweigert hat, Bill Clinton zu fotografieren - und warum sie stolz darauf ist, eine Frau zu sein.
23 Minuten
Im Wuppertaler Ortsteil Beyenburg liegt das Kloster Steinhaus. Es wurde im 13. Jahrhundert von den Kreuzherren errichtet. Heute lebt nur noch ein einziger aus diesem katholischen Orden hier: Bruder Dirk ist der letzte Kreuzherr von Beyenburg. Er wohnt seit einigen Jahren allein in diesem Kloster in einem Ein-Zimmer-Appartement und ist von allem ein bisschen: Seelsorger, Krankenpfleger, guter Geist und Institution. Wie blickt man auf diese Welt, wenn man Zeit und Raum hat, über sie nachzudenken? Wo trennen sich Kirche und Glauben, wenn man Zweifel an der Institution hat? Und wie lebt es sich überhaupt allein in einem Kloster? Wo ist der Nachwuchs? In der dritten Folge von „Unter der Oberfläche“ spricht der stellvertretende Chefredakteur der WZ Olaf Kupfer mit Bruder Dirk über sein Leben, den Einfluss von Corona auf die Kirche, das Zölibat und den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Bruder Dirk erzählt, wie er wohnt, wie er seine Freiheiten genießt – und was eigentlich wirklich der Sinn des Lebens ist.
41 Minuten
Thomas Geisel ist Ex-Oberbürgermeister von Düsseldorf, er ist Anwalt, Familienvater und Autor. Und er ist ein Grenzgänger. Und zwar ein Grenzgänger zwischen Wirtschaft und Politik. Vom Anwalt zum Oberbürgermeister, vom Juristen zum Manager einer ganzen Stadt. Dabei musste er Herausforderungen meistern, Shitstorms abwehren, die Balance zwischen Öffentlichkeit und Familienleben halten und seinen eigenen Ansprüchen, bewegen und verbessern zu wollen, gerecht werden. Wie schafft man das als Quereinsteiger? Muss man sich irgendwann eingestehen, dass man zu viel wollte? Und wie lange dauert es, bis man nach so einer Wahl-Niederlage wieder ruhig schlafen kann? In der zweiten Folge von "Unter der Oberfläche" spricht WZ-Chefredakteur Lothar Leuschen mit Thomas Geisel über seine Erfolge, Misserfolge, über Überraschungen und Enttäuschungen. Wir erfahren, warum sein eigenes Buch "Grenzgänger. Sechs Jahre Leben für die Politik" wie eine Therapie für ihn war, wie häufig man in der Politik an Grenzen stößt - und wie nah Frust und Freude beieinander liegen können.
36 Minuten
Ein missbrauchtes Kind muss sich acht bis zehn Mal an einen Erwachsenen wenden, bis dieser die Signale verstanden hat. In dieser Zeit hat ein Missbrauchstäter vermutlich freie Bahn - ohne aufzufliegen. Auch die zwei Männer, die im "Fall Lügde" über Jahre hinweg Kinder auf einem Campingplatz sexuell missbraucht und pornografisches Material in geheime Netzwerke verteilt haben, sind lange ohne Strafe davongekommen - weil Behörden blind waren? Weil Jugendämter versagten? Weil es der Gesellschaft grundsätzlich an Sensibilität fehlt, an Rezeptoren für das Erkennen von sexueller Gewalt? In der ersten Folge von "Unter der Oberfläche" sprechen wir mit den Wuppertalern Andreas Bialas und Marcel Hafke. Sie sind Mitglieder des Untersuchungsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag, der sich mit den Ereignissen auf jenem Campingplatz in Lügde beschäftigt, auf dem so viele Kinder missbraucht, misshandelt und für ihr Leben gezeichnet worden sind. Gemeinsam tauchen wir ab in den Abgrund der Gesellschaft - und widmen uns genau den Fragen, die sich viele nach solch schrecklichen Taten stellen.